Hallo! Da bin ich schon wieder. Für dieses Kapitel habe ich tatsächlich nicht einmal alle Ideen umgesetzt, die ich hatte, und dennoch ist es so lang geworden. Was noch fehlt, kommt wohl noch im nächsten Kapitel! Ich update immer, wenn ich ein neues zusammen habe, momentan ist das täglich aber ich denke eher nicht, dass das auf Dauer so bleibt. Aber wir werden ja sehen.
Viel Spaß mit diesem Kapitel und sagt mir bitte, wie es euch gefallen hat! :)
Kapitel 3: Familie auf Dämonisch heißt Familie
Nach einer Weile wurde Rin sich dem Fakt bewusst, dass er nicht nur immer noch keine Idee hatte, wo er genau war, sondern sich jetzt auch noch an einem komplett anderen Ort befand. Vielleicht lief er im Kreis? Keine Ahnung, alles schien irgendwie gleich auszusehen.
Die Landschaft wirkte verträumt und magisch, im Gegensatz zu dem Wald, in dem er gelandet war. Es gab zahlreiche Erdspalten und einfache Talkessel, die sich plötzlich in der Ebene auftaten. Gleichzeitig gab es auch ebenso scheinbar zufällig platzierte steile Felswände. Der Boden war aus mitternachtsblauen Gras, das konnte aber auch eine Täuschung sein, da es ja Nacht war. Immer noch war das Firmament mit etlichen Nordlichten in allen Regenbogenfarben bedeckt, die teilweise funkelten wie Sterne, die sich bewegten. Er hatte eine Weile überlegt, ob es tatsächlich Flugzeuglichter waren, aber sie bewegten sich zu chaotisch dafür.
Nach all dieser Zeit war er ziemlich gerädert und es wurde einfach nicht hell. Gab es hier überhaupt so etwas wie einen Tag? Wie spät war es eigentlich gerade in Assiah?
Weiter herumzulaufen schien sinnlos zu sein, und so setzte er sich auf eine runde Steinplatte, die unter einem Baum gelegen war. Auf ihr war ein simples Bild, was ihn irgendwie an die True Cross Akademie erinnerte, aber da er das schon kannte, ignorierte er es einfach. Nicht das bequemste, aber das Gras war ihm nicht geheuer, auch wenn er da keine kleinen Insektendämonen wahrnehmen konnte, doch wer wusste schon genau, was da noch sein könnte. Rin zumindest nicht.
Die Dämonen hier schienen sich trotz der lichten Bewachsung (die Bäume waren teilweise über 20 Meter auseinander) selten wirklich zeigen zu wollen. Mal geisterte einer ein bisschen weiter weg, doch sie verschwanden sofort wieder. Stück für Stück konnte er sie weiter entfernt wahrnehmen, doch sie hielten sich wohl noch mehr fern als die Erddämonen. Waren sie vielleicht schüchtern?
Er setzte sich in den Schneidersitz und als er gerade einschlafen wollte, machte die Steinplatte Geräusche unter ihm. Dann, vollkommen unerwartet, öffnete sie sich nach unten wie eine Falltür mit zwei Türflügeln und er rutschte in eine Art Windkanal.
Als er da so hilflos herum schreiend einen breiter werdenden Tunnel in der Dunkelheit herunterfiel, leuchteten seine Flammen auf und zeigten, dass es anscheinend keine wirklichen Wände mehr gab.
Die nachfolgenden Kurven erinnerten sich an das Mephyland*, in dem er zwar nie in ein Fahrzeug getreten war, aber sich dafür mit Amaimon gekloppt hatte. Das herumgeschleudert werden gab ihm unangenehme Nostalgie für damals, als er von Shura im Schwitzkasten gehalten worden war und von Shima ernsthaft dafür beneidet wurde. Es war nicht schön gewesen.
Auf eine seltsame Weise schienen seine Flammen ihn wie ein Nachtlicht zu beruhigen und er merkte, dass es scheinbar ein System gab, denn die Fahrt war nicht sonderlich wild oder ungeplant, dieses Gefühl war nur seine initiale Panik gewesen. Er meinte sich auch zu entsinnen, hier vorher gewesen zu sein, als er Berhane gefolgt war. Jetzt, wo er ruhige war, flackerten seine Flammen ruhig, und da er hier niemanden wahrnahm, ließ er sie brennen. Sie fühlten sich an wie eine Kuscheldecke.
Relativ sacht schwebte er aus einem anderen Deckel empor, der sich schloss, bevor er darauf stand. Schnell hüpfte er davon runter, und überprüfte ob er noch alles (Stichwort: Kurikara) dabei hatte, und dem war so. Als er nicht mehr in Flammen stand, blickte er sich um.
Wo auch immer er war, es war Tag, vielleicht nachmittags, da es sich nicht wirklich wie Morgen anfühlte. Wie sich das fühlte? Er hatte keine Ahnung, er wusste nur, dass es nicht Morgen war.**
Er schien auf einer schwebenden Plattform zu stehen, und der einzige Weg, der aus ebenfalls schwebenden, hellbraunen Felsbrocken bestand, führte zu einer anderen Insel, auf der er etwas sah, das sich vor einer Art Haus bewegte. Seine eigene Insel war mit grünem Gras bewachsen und hatte einen einzelnen Baum, der einer Trauerweide recht ähnlich sah und der seine Äste in den tiefen, weißen Abgrund hängen ließ.
Der Himmel selbst war weiß, jedoch schien er wolkenfrei zu sein, denn die seltsam goldene Sonne konnte man klar erkennen. Die Leere war aber mit Schwaden gefüllt, die es unmöglich machten, zu urteilen, wie tief es da runter ging. Irgendwie machte es ihm aber keine Angst.
Nach der Begegnung mit den Irrlicht war er etwas zurückhaltend, dort hin zu gehen, doch da er keine Alternative hatte, die nicht bedeutete, hier zu verhungern, folgte er schließlich dem Pfad und seinem guten Bauchgefühl.
Als er schließlich dort war, konnte er gut die zwei Dämonen sehen und auch ihre ähnlichen, weißen Auren wahrnehmen. Sie wirkten relativ schwach. Einer von ihnen war ein kleiner, schwarzhaariger Junge mit ebenfalls schwarzen Katzenohren, doch genauso wie bei Berhane konnte man keinen Schwanz sehen. Er spielte mit dem kleineren Dämon, dessen Art er sofort erkannte – es war eine schwarz-weiß gescheckte, doppelschwänzige Cait Sith, die allerdings keine Hörner hatte.
Rin blieb stehen, als er sich an seinen eigenen Freund erinnerte, der in Assiah verblieben war; Kuro, einer seiner engsten Freunde. Vielleicht sogar sein bester, doch viele Exorzisten konnten es nicht ausstehen, wenn man Dämonen sehr nahe stand, also behielt er diesen Gedanken sonst lieber für sich.
Sein Herz krampfte sich zusammen, und er beherrschte sich, nicht zu brennen, während sein Schweif schlaff hing, anstatt wie üblich leicht zu hin und her zu wippen. Es traf ihn wie der Schlag, dass er Kuro unglaublich vermisste. Er hatte nicht einmal an ihn gedacht, und schon -
„Hi! Wer bist du?", brach der Junge seinen Gedankengang ab, der unbemerkt auf ihn zugerannt gekommen war. Die Cait Sith, mit der er eben noch gespielt hatte, kam hinterhergetrottet.
Perplex schaute Rin den Kleinen in simpler Kleidung an. „Ehm, ich bin Rin.", antwortete er, noch ein bisschen verwirrt. Zuerst lächelte der andere, und stellte sich und seinen Begleiter vor: „Ich bin Lixue***, und das da ist mein großer Bruder Daystar***. Er kann sich aber noch nicht verwandeln, er hat den Dreh noch nicht ganz raus.", informierte ihn der Kleine, der ihn gerade mal knapp bis zur Hüfte ging, bis er sich selbst unterbrach und mit einem unzufriedenen Gesichtsausdruck hinter den größeren Dämon schaute. Rin drehte sich um, doch er konnte nichts sehen.
Lixue schien mit ihm wirklich unzufrieden zu sein, denn er packte ihm am Ärmel, um ihn wieder zu sich zu ziehen. „Dein Schwanz!", beschwerte er sich. Rin gab ihm sein Mathegesicht (den Gesichtsausdruck, dem man seinem Mathelehrer zeigt, wenn man nichts verstanden hat) und setzte an: „Mit dem ist alles in Ord-", als der Kleine tatsächlich an seinem empfindlichsten Punkt leicht packte und ihm seine Schweifspitze vor die Nase hielt.
Er war geschockt, aber nicht weil es wirklich wehtat, Lixue hatte nicht so fest gegriffen, sondern weil er weiß-bläulich war. Dabei war sich der angehende Exorzist ziemlich sicher, dass er bei der letzten Dusche noch seine Haarfarbe, ein leicht bläulich schimmerndes Schwarz, gehabt hatte. Sein erster Verdacht viel zu Shima, der vielleicht sein Shampoo mit Suguros Blondiermittel gepanscht hatte, aber das wäre ihm doch eher aufgefallen, richtig? So ignorant gegenüber der Gegenwart war nicht einmal er. Zumindest dachte er das bis jetzt, unabhängig von dem, was ihn immer gesagt worden war.
Bevor er jedoch nachvollziehen konnte, was der Junge wollte und warum eines seiner Körperteile ohne sein Wissen einfach mal die Farbe geändert hatten, kam eine Frau auf die drei zu, die Rin instinktiv als die Mutter der Kleinen identifizierte. Ihr weißer Schopf war mit gleichfarbigen Katzenohren bestückt und zusätzlich zwei Reihen kleiner Hörer auf dem Kopf, die wie die von Kuro aussahen, nur verdoppelt. Schneller als erwartet schob sie sich schon zwischen ihn und ihre Kinder, und begutachtete ihn genau, wobei sie ihm ein wenig zu nahe für seinen Geschmack kam. Er konnte dem mit Spucke angefeuchteten Taschentuch nicht mehr entkommen, dass irgendeinen Fleck auf seinem Gesicht wegwischte, was wirklich wenig gegen seinen heruntergekommenen Zustand tat.
„Kleiner, wie bist du denn hier gelandet? Du siehst aber nicht gut aus. Was ist passiert?", gurrte sie halb, und Rin war ein wenig gelähmt durch ihre bemutternde Art, bevor er schließlich reagierte: „Ähm, Hallo … Wie ich hier hergekommen bin?". Rin zögerte, und wollte nicht gleich einem Fremden die Geschichte auftischen, wie er mit einem Zug in eine Wand gerast war, und sagte einfach: „Ich bin durch so einen Schacht gefallen, da hinten", und deutete auf den Ort wo er hergekommen war.
Die ältere Dämonin legte ihren Kopf schief und verengte ihre Augen, und deutete ihn mit den Worten in ihre Behausung: „Komm erst mal rein, du siehst wirklich erledigt aus. Gerade wollte ich essen machen, du kannst mitessen. Irgendwo müsste ich auch noch … vernünftige Kleidung haben. Ist das aus Assiah? Das Zeug geht so schnell kaputt, hat Thao mir neulich erzählt. Und Lixue -", sie drehte sich zu ihrem jüngsten Sohn - „hat zwar Recht, was deinen Schweif angeht, warum hast du ihn draußen? Pack ihn rein, wenn du damit noch Probleme hast, kann dir mein Partner Otis helfen. Doch Lixue, selbst wenn jemand seinen Schwanz draußen hat, fässt man ihn nicht an!". Der Angesprochene nickte heftig.
Rin stutze während er der Dame folgte, und entgegnete nach ein paar Sekunden: „Ähm, danke dass Sie mir helfen, aber ich bin kein kleines Kind." Er konnte sich lebendig daran erinnern, dass er diese Konversation schon einmal gehabt hatte, nur in eine vollkommen anderen Kontext.
Die immer noch Namenlose winkte ihn ab. „Hach, Kinder. Hör mal, jeder merkt sofort dass du zwar hochrangig, aber noch ein Kleinkind bist. Aber wer auch immer dein Elternteil oder deine Elternteile sind, vor denen sollte man Angst haben. Wo sind sie? Bist du verloren gegangen?"
Er erklärte ihr, dass er sich verlaufen hatte. Das war auch keine Lüge. „Ach, und dann in den Reiseschacht gefallen, wie ich höre? Du musst ja eine kleine Odyssee hinter dir haben." Auf sein gemurmeltes „Reiseschacht?", reagierte sie wie folgt: „Noch nicht viel von Gehenna gehört? Seltsam. Naja, du scheinst wohl aus Assiah zu kommen, aber nichts über die eigene Heimat zu wissen … Die Reiseschächte verbinden die vielen unterschiedlichen Ebenen Gehennas, sie führen einen dorthin, wo man gerade sein muss oder will."
Eine Antwort auf die Frage, warum er dann hier gelandet war, hatte sie auch nicht.
Sie waren mittlerweile an der Holztür angekommen, die sie öffnete, um dann in den Hausflur zu gehen. „So, gib mir nur eine Weile, und ich mach dir was zu Essen."
Das konnte er unmöglich annehmen. Höflichkeit war zwar nicht so sein Ding, aber er hatte es gelernt, kein Essen anzunehmen. Nicht, weil es irgendwie schädlich sein könnte, sondern weil einfach so ziemlich alles, was er nicht selbst gekocht hatte, grässlich schmeckte. Das war noch schlimmer geworden, nachdem er als Dämon erwacht war. Es war auf die Liste seiner „Fähigkeiten" gewandert, für die er eine Hassliebe empfand. Bevor er vernünftig kochen konnte, war Essen allgemein abscheulich gewesen.
„Kann ich vielleicht dabei helfen? Kochen kann ich wirklich gut.", schaffte er, herauszubekommen, bevor die Dame den Raum verließ. Sie drehte sich um, um ihn anzulächeln, und stimmte zu: „Okay, wenn es dir Spaß macht, komm ruhig mit. Aber überarbeite dich nicht! Ich bin übrigens Ibadet."
Die Küche wirkte eher rustikal, war aber sauber. Dafür sorgte auch der Müllschluckerdämon, der in einem kleinen Schränkchen lebte und zu Astaroth gehörte. Viele der Zutaten, die aus der Speisekammer kamen, waren ein wenig fremdartig, aber er konnte damit arbeiten, wenn er sie kurz probiert hatte. Laut Ibadet waren sie allesamt lange haltbar, sie war sogar verblüfft, dass Dinge in Assiah so schnell schlecht wurden, wenn man sie nicht kühlte. „Das passiert hier nur, wenn sich ein Verwesungsdämon einnistet, aber dagegen gibt es doch Bänne." Die Erfindung, einer Kiste, die viel Energie braucht, nur um einen kleinen Platz kalt zu halten, erschien ihr befremdlich. „Das verwirrt manche an den Vergänglichen, dass sie andere Lösungen für Probleme haben, die wir schon lange beseitigt haben." Die Bänne gegen Verwesungsdämonen verursachten auch die Abwesenheit von Kohletierchen im ganzen Haus.
Einige Zeit später hatten sie zusammen (er hatte gekocht, während sie ihm Tipps über die neuen Zutaten gegeben hatte) das Essen zubereitet, und die Familie wurde zusammengetrommelt. Der ältere der beiden Kinder hatte eine Decke, mit der er auf dem Tisch sitzen konnte, ohne alles vollzuhaaren, da er noch keine humanoide Form annehmen konnte. Rin hatte erfahren, dass viele Dämonen, die in Assiah als Tiere erschienen, auch eine weiterentwickelte Form hatten, die meistens bevorzugt wurde. Andere hatten keine, so wie Hobgoblins oder Kohletierchen. Mit Einbruch der Dämmerung fingen Steine an der Decke an zu leuchten, Ibadet erklärte ihm, dass das Lucretien waren, die überall in Gehenna leuchteten, wenn es dunkel waren. Sie waren niedrige Dämonen, die zu Lucifer gehörten. Als er sich dazu Notizen machte, war Otis leicht amüsiert. Der Vater der Familie hatte kurze, schwarze Haare und ebenfalls zwei Paare Hörner. Rin war zuerst verunsichert, jedoch beruhigte Otis ihn so: „Nein, nein, das ist nicht negativ gemeint. Es ist schön zu sehen, dass du dir Mühe gibst, die Dinge um dich herum zu verstehen! Aus Büchern zu lernen ist schön und gut, aber war nie so meine Sache. Ich muss etwas sehen, um es zu verstehen, ansonsten hilft nichts. Denkst du auch so?", woraufhin Rin heftig nickte. Endlich verstand ihn mal jemand. Stundenlang in einem Klassenzimmer mit einem Lehrer und anderen Schülern zu sitzen bewirkte bei ihm nur ein schnelles Einschlafen. Bei den Ausflügen hatte er mehr gelernt. Nie hätte er sich sonst gemerkt, wie scharf diese Laternengeister auf Mädchen waren, doch als er mit Shiemi auf seinen Schultern vor einer erfolgreich weggelegt hatte, war es einfach zu verstehen.
Nach dem Essen nahm ihn Otis in ein Zimmer beiseite, dass wie ein Schlafzimmer aussah, nur waren dort drin ein großes Bett. Jedoch war es das Zimmer der Kleinen, hatte er gesagt, und somit für die Nacht auch seines. Jungdämonen einer Familie schliefen in der Regel entweder zusammen oder mit ihren Eltern, das unterschied sich. Die Eltern waren jedoch nebenan; für sie war es wichtig, dass ihre Kinder immer in Reichweite waren und diese auch wussten, dass ihre Eltern da waren. Durch die Wand konnte man ihre Auren so im Schlaf noch spüren, das beruhigte alle.
So bekam Rin einen Stapel Kleidung, die aus einem robusteren, aber immer noch angenehmen Stoff gefertigt war. Otis schaute weg, als er sich umzog, was relativ schnell von statten ging.
Als er damit fertig war, deutete Otis auf seinen Schweif. „Weißt du, wie man den versteckt? Das ist höflich, und außerdem ist er so immer geschützt."
Rin seufzte, und erwiderte trocken: „Ja."
Otis runzelte seine Stirn, und fragte: „Aber wenn du das weißt, warum machst du es nicht? Es kann wehtun, wenn er gezogen wird oder wenn du ihn dir einklemmst. Die höheren Formen sind nicht für einen Schwanz gedacht."
Der jünger blickte zur Seite, und murmelte: „Es ist unangenehm, das mag ich nicht."
Auf dem Gesicht des Familienvaters breitete sich ein Gesichtsausdruck der Verständnis aus. „Ah, das kann ich verstehen. Du hast ihn wohl nur ein wenig falsch gewickelt, das passiert wenn man es noch nicht so lange macht. Mit ein bisschen Übung bekommst du es gut hin und dann tut es nicht mehr weh."
Otis tat dann etwas unerwartetes: Er hob sein eigenes Hemd an, um seinen beiden Schweife zu zeigen, die um seine Taille gewickelt waren. „Meine sehen ein wenig platt aus, richtig? Deiner ist relativ dünn, aber versuche ihn, um deinen Bauch zu winden und ihn dann sanft zu streicheln, bis er sich entspannt."
Nach ein paar Minuten hatte er es tatsächlich geschafft. Zwar brauchte es noch ein bisschen Anleitung, doch dann war sein Schweif unter seinem Shirt verschwunden und es fühlte sich sogar recht angenehm an, wie eine leichte Umarmung. So konnte er schon eher leben. Er dankte Otis, und wandte sich seinem nächsten Problem zu.
Die neue Hose hatte keine Gürtelschlaufen, sondern hielt stabil mit einer Art breiten Gummizug. Mit dem Schwert in der Hand schaute Rin leicht verloren auf die abgelegt Kleidung. Er verlor es wirklich schnell und er war noch keinem Fundbüro begegnet.
Dann brachte ihm Otis wieder etwas bei.
„Das ist dein Schwert, richtig? - Ah, Kurikara heißt es. Schatz ist nicht begeistert davon, aber wenn du das okay von deinen Eltern hast, ist es das, was zählt." Rin stimmte dem zögerlich zu. Er hatte das Schwert von dem Alten bekommen – doch Otis meinte eigentlich sein dämonisches Elternteil. Da Satan ihm nie als sonderlich fürsorglich vorgekommen war, dachte er sich aber, dass es wohl egal wäre, ob er mit scharfen Gegenständen rumlief oder nicht. Zumal er definitiv nicht das Kleinkind war, für das ihn alle zu halten schienen. Doch selbst er hatte gemerkt, dass es hier vieles gab, was er nicht kannte, und er tatsächlich ein wenig hilflos war. So war er froh, dass Otis ihm half:
„Nun, wenn du einen Gegenstand besitzt, kannst du ihn an dich binden. Normalerweise machen das nur Erwachsene, aber du kannst das selbst, braucht nur ein paar Versuche."
Es folgte eine Erklärung, die ihm schlussendlich ermöglichte, Kurikara an ihn zu binden, sodass er es nicht verlieren würde. Dafür hielt man den Gegenstand mit einer Hand und tippte ihn leicht mit der anderen an und übertrug ein wenig der eigenen Magie, was nicht zu sehen war. Dann tippte man seine eigene Brust an, um den Gegenstand temporär mit den eigenen Herzen zu verbinden.
Als er das geschafft hatte, lehrte ihn Otis, wie er Kurikara beschwören und auch wieder verschwinden lassen könnte: „Dämonen sind alle in einem gewissen Maße in der Lage, die Dimensionen zu überwinden. Alles Vergängliche überlebt das nicht, sondern geht zu Grunde. Neben Gehenna und Assiah gibt es viel Leerraum. Jeder Dämon, der lebt, hat dort einen gewissen Teil, den er sein Eigen nennt. Manche mehr, manche weniger, meistens haben die stärkeren mehr. Dämonen, die zu Samael-sama gehören, haben Zugang zu einem größeren Anteil, weil sie dem Element von Zeit und Raum sowieso zugehörig sind. Der Platz ist aber unendlich, es kommt halt darauf an, wie stark du bist. Du wirst auch noch mehr bekommen, keine Sorge."
Nach dieser hilfreichen Unterrichtsstunde schrieb sich Rin wie immer alles auf, damit er es nicht vergaß. Und sollte er hier jemals wieder rauskommen, wüsste er auch genau, was passiert war und hatte dafür einen Beweis.
Am Abend bekam er noch einen Pyjama, und legte sich zusammen in das Bett der Geschwister, während sich die Lucretien langsam abdunkelten. Es war auf einmal ganz normal, so als ob es schon immer so gewesen wäre. Es erinnerte ihn daran, wie Kuro sich immer auf seinen Rücken legte und dort schlief, und auch wie er noch manchmal mit Yukio geschlafen hatte, wenn er Alpträume gehabt hatte.
Und so schlief er das erste Mal in Gehenna.
*Der Freizeitpark, wo sie den Jungengeist suchen, falls es jemandem entfallen ist.
Die Gullydeckel in der Akademie haben in meinem Headcanon Mephistos / Samaels Gesicht drauf, das ist etwas, was er definitiv veranlassen würde. Denn so ziemlich alles, was er herstellen lässt (sieht man immer mal im Manga und Anime, im Film gibt es auch viel Werbung für sein Zeug, schaut da mal drauf) hat ihn darauf abgebildet. Rin hingegen hat das alles so oft gesehen, dass er es vollkommen ignoriert. Das kann man ihm wirklich nicht vorwerfen.
** Rin hat ein eingebautes Zeitgefühl und andere Instinkte bekommen, falls es wen interessiert. Wird ihn aber nicht dazu bringen, freiwillig pünktlich aufzustehen. Das schafft so gut wie nichts und niemand. Seine anderen Instinkte sagen ihm zum Beispiel, ob etwas eher gefährlich ist oder nicht, auf sein Bauchgefühl kann er sich also verlassen und tut es auch.
Mir ist bewusst, dass Cait Sith eigentlich erst intelligent sind, wenn sie länger in Assiah sind – aber ich sage einfach mal, dass je länger man von einem Gefäß Besitz ergreift, desto mehr der eigenen Fähigkeiten zeigen sich (und die Schwänze teilen sich dann auch).
***Lixue wird „lee-shweh-ee" ausgesprochen und heißt „hübscher Schnee" und ist ein chinesischer Name. Daystar ist ein Synonym für den Stern, der auch „Phosphor" genannt wird.
Yukio setzt sich aus den Zeichen für „Schnee" und „Mann" zusammen, Rin wird mit dem Zeichen für „Phosphor" geschrieben. Das lässt sich auch als "Lucifer" übersetzen, das ist ein Easter Egg im Canon.
