Herzensbrecher

Am Ende siegt immer die Wahrheit. Schade, dass wir erst am Anfang sind.


Mit einer stürmischen Umarmung begrüßte Amy Addison, bevor diese auch nur die Möglichkeit bekam, sie hineinzubitten.

„Wer ist da?", rief Addison's Mutter, Claire, vom Wohnzimmer.

„Amy", antwortete Addison so laut, dass ihre Mutter sie verstehen konnte.

Cameron schoss daraufhin aus dem Wohnzimmer und warf sich in Amy's Arme.

Addison's drei beste Freundinnen hatten sich sofort in ihre kleine Schwester verliebt, als sie sie kennengelernt hatten und seither war Cameron immer total aus dem Häuschen, wenn eine von ihnen zu Besuch kam.

„Hallo Kleine", begrüßte Amy sie lachend und löste sich aus der Umklammerung.

„Lass die Großen mal was alleine machen", pfiff Claire ihre Tochter zurück, die inzwischen in der Tür zum Wohnzimmer aufgetaucht war und winkte Amy zu.

Addison führte Amy zu ihrem Zimmer. Sie waren heute so etwas wie Leidensgenossinnen, denn sie hatten beide im Gegensatz zu Jillian noch nicht die Geschichtshausaufgaben gemacht und Bridget machte in den Ferien aus Prinzip keine Hausaufgaben … schon gar nicht in Geschichte. Ein Fach, das immer noch von dem wohl langweiligsten Lehrer aller Zeiten unterrichtet wurde: Professor Binns.

„Hast du schon mitbekommen, dass Jillian Schulsprecherin ist?" Amy warf sich auf Addison's Bett, wobei sie fast Addison's Nachttischlampe umgestoßen hätte.

„Ja, aber das hat mich nicht gewundert. Ich meine, sie ist doch perfekt dafür geeignet, oder? Sie ist beliebt, aufgeschlossen und so was. Mich würde nur interessieren, welcher Junge ihr Partner ist."

„Oh ja, mich auch. Hoffentlich kein Slytherin."

„Hmm … lass uns erst mal Hausaufgaben machen, dann können wir immer noch quatschen", schlug Addison vor.

Amy sah sie gequält an, nickte aber ergeben.

Nachdem sie ihren umfassenden Aufsatz über die Koboldaufstände im fünfzehnten Jahrhundert beendet hatten, gingen sie nach draußen, um ein wenig Spazieren zu gehen. Dort hatte es inzwischen über dreißig Grad.

„Bridget hatte eine Sommeraffäre", erzählte Amy und zog sich ihre Sonnenbrille auf.

„Der Kerl, den wir an dem Abend getroffen haben, als wir in dieser Bar in Downtown Muggel-London waren?", fragte Addison nicht wirklich erstaunt, denn Bridget hatte schon da Gefallen an diesem Kerl gefunden und Bridget holte sich bekanntlich immer, was sie wollte.

„Ganz genau."

„Der Arme. Sie wird ihm das Herz brechen", sagte Addison ehrlich bedauernd. Manchmal war es ihr wirklich ein Rätsel, wie gefühllos sich ihre Freundinnen in mancher Hinsicht benahmen. Sie servierten die Kerle ohne Gewissensbisse oder Schuldgefühle ab, zumindest für Bridget galt das.

„Nein, wird sie nicht, sie hat sich eine andere Methode überlegt." Amy musste sich beherrschen nicht laut loszulachen und Addison ahnte Böses.

„Warum?", fragte sie zögernd und war sich dabei nicht ganz sicher, ob sie es überhaupt wissen wollte.

„Sie will sein Gedächtnis verändern", ließ Amy die Bombe platzen.

Addison fiel augenblicklich die Kinnlade nach unten. Sie starrte Amy entgeistert an, „Das kann doch nicht ihr Ernst sein."

„Es ist bloß ein Experiment und das wird ihm viel Herzschmerz ersparen. Ich würde meinen Ex auch am liebsten aus meinem Gedächtnis zaubern. Das wäre die Lösung für allen Liebeskummer auf der Welt."

„Nein, das ist einfach nur furchtbar und abstoßend. Niemand sollte Menschen und Beziehungen aus seinem Gedächtnis löschen, denn aus solchen Dingen lernt man doch auch, das sind Erfahrungen, Erinnerungen. Das gehört doch zum Leben", regte sich Addison selten aufgeregt auf.

„Du bist eine unverbesserliche Romantikerin."

„Und ihr seid manchmal wirklich abgrundtief böse."


„Hallo Süße." Der hübsche Italiener, Alessio, zog Bridget an sich heran und drückte ihr einen Kuss auf den Mund.

Wenn er wüsste …

„Hi", sagte sie und lächelte ihn eher wenig überzeugend an.

„Alles in Ordnung?", fragte Alessio daraufhin sofort irritiert.

Alessio war ein Muggel und arbeitete in der Pizzeria seiner Eltern. Er wusste nicht, dass sie eine Hexe war und dementsprechend verwirrt sah er auch aus, als sie einen Stock aus ihrer Tasche zog, die auf ihn eigentlich viel zu klein wirkte, als dass sie einen so langen Stock beherbergen könnte.

„Wir hatten eine wirklich schöne Zeit, es hat Spaß gemacht mit dir und du bist ein wirklich toller Kerl, aber ich werde bald wieder zurück zur Schule gehen und unser kleiner Flirt hat einfach keine Zukunft, das siehst du bestimmt genauso wie ich. Deshalb muss ich dem jetzt ein Ende setzen."

„Wovon sprichst du? Und was willst du mit diesem Stock?" Alessio sah starrte komplett konfus den Stock in ihrer Hand an.

„Tut mir Leid." Sie sprach den Zauberspruch aus und einen Moment lang sah Alessio sehr orientierungslos aus.

Schnell steckte Bridget wieder ihren Zauberstab zurück in ihre, mit einem Zauber vergrößerte, Tasche.

Alessio sah sich zuerst erstaunt um und bemerkte dann Bridget, die dicht vor ihm stand.

„Hallo, schöne Frau", sagte er anzüglich und Bridget machte schnell zwei Schritte zurück, um auf Abstand zu gehen.

„Kennen wir uns?", fragte er sie.

„Höchstens aus deinen Träumen." Mit diesen Worten drehte sich Bridget auf dem Absatz ihrer roten Pumps um und verschwand um die nächste Ecke, damit sie nach Hause apparieren konnte. Eigentlich tat er ihr Leid, vielleicht war das doch eine blöde Idee gewesen, aber oft handelte sie einfach, bevor sie großartig darüber nachgedacht hatte. Nun ja, jetzt war es auch nicht mehr zu ändern. Aber wenn sie das nächste Mal jemanden loswerden wollte, würde sie es ausnahmsweise mal auf die sanfte Art probieren. Vielleicht könnte sie sich da vorher ein bisschen von Addison beraten lassen. Sie wusste wahrscheinlich wie man so etwas tat.

Zuhause holte sie sich schnell einen Bikini aus ihrem Schrank. Heute war das perfekte Wetter, um ein paar Bahnen in dem Pool der besten Freundin ihrer Mutter zu schwimmen.


„Wow! Schau dir die mal an, die ist ja heiß." Matthew blieb stehen und sah der Blondine mit dem kurzen Rock so offensichtlich hinterher, dass es Andrew fast peinlich war, und dabei stand er nur neben dran.

„Das ist jetzt schon die Fünfte! Sag mal, denkst du überhaupt noch an irgendetwas anderes, als an Sex und Frauen, die fast nackt herumlaufen?" Genervt zog Andrew Matthew weiter durch die Winkelgasse, die heute wirklich gut besucht war.

„Ähm …" Matthew tat so, als würde er angestrengt nachdenken, dann sagte er, „Nein, ich denke nicht."

„Du bist laut dem Gesetz volljährig, du darfst wählen, außerhalb der Schule zaubern, heiraten und arbeiten und trotzdem benimmst du dich wie ein pubertierender Dreizehnjähriger", beschwerte sich Andrew und schob sich währenddessen an der Auslage von Florish und Blotts vorbei, wo sie vor einer halben Stunde ihre Schulbücher für das letzte Schuljahr gekauft hatten.

„Sei nicht so streng mit mir, Andy. Irgendwann werde auch ich deine Wünsche teilen", versprach Matthew augenzwinkernd.

„Die da wären?", fragte Andrew mit hochgezogenen Augenbrauen.

„Heiraten, Kinder kriegen …", lachte Matthew und wich Andrew aus, der ihm bei diesen Worten an der Schulter stoßen wollte.

„Das habe ich nie behauptet. Aber ja, ich stehe dazu, dass ich nicht bloß flüchtige Bekanntschaften machen möchte wie du, sondern mit jemanden auf längere Zeit zusammen sein möchte. So wie jeder andere Mensch mit einem normal funktionierenden Gehirn." Diesmal war es an Andrew, einem Schlag auszuweichen.

„Pass auf, was du sagst", grinste Matt und hob gespielt drohend seinen Zeigefinger.

„Lass uns mal das Thema wechseln, ich kann dir ja doch keine Vernunft beibringen. Steht noch irgendetwas auf unserer Liste, was wir noch nicht besorgt haben?", fragte Andrew.

Matthew zog den bereits zerknitterten Zettel aus seiner Hosentasche und ging schnell die Liste durch.

„Nein, scheint, als hätten wir schon alles. Das heißt, wir können endlich zu Fred gehen", sagte Matthew begeistert und Andrew nickte.

Die Beiden bahnten sich ihren Weg durch die Menge an Eltern, die mit ihren Kindern die Schulsachen einkauften, zu dem Laden: Weasley's Zauberhafte Zauberscherze

Sie stießen die Ladentür auf und hatten Mühe sich ihren Weg zu dem Tresen zu bahnen. Es war mal wieder total voll in diesem angesagten Laden. In erster Linie tummelten sich hier Hogwartsschüler, aber auch einige junggebliebene Erwachsene waren unter den Kunden. Dieses Geschäft boomte wirklich und erwies sich für die beiden Geschäftsführer Ron und George Weasley als wahre Goldgrube. Es war sogar möglich Artikel zu bestellen. Der Versand dauerte drei Tage und kostete einen Sickel extra.

„Hey, hier ist aber ganz schön was los", begrüßte Andrew Fred, der gerade eine Unmenge an Liebestränken für ein paar kichernde Mädchen verpackte.

„Hallo meine Freunde. Ich bin gleich bei euch", rief Fred laut, um den Lärm in dem Laden zu übertönen und nahm dann das Geld von den Mädchen entgegen. Als er es in die Kasse gemacht hatte, wandte er sich Matthew und Andrew zu.

„Cool, dass ihr da seid. James wollte auch noch heute vorbei kommen. Habt ihr schon die neuen Schneidezahnverlängerungskapseln gesehen? Da hast du dann zwölf Stunden lang zehn Zentimeter lange Schneidezähne. Was meint ihr, sollen wir die mal an Professor Flitwick ausprobieren? Dann wäre wenigstens etwas an ihm mal groß."

Matthew und Andrew fielen in das ansteckende Lachen von Fred mit ein, als sie von Ron unterbrochen wurden: „Siehst du diese Schlange da, Fred? Die löst sich nicht in Luft aus."

„Ich komme. Schaut euch doch noch ein bisschen um. Wir haben ein paar tolle neue Sachen." Während sich Matthew und Andrew daran machten die Artikel zu begutachten, wandte sich Fred wieder den Käufern zu.


Nacheinander stiegen Harry, Ginny, James, Albus und Lily aus dem Kamin des Tropfenden Kessels. Hannah Abbott, die Wirtin des Tropfenden Kessels, winkte der Familie fröhlich zu und eilte rasch zu ihnen. Sie war eine alte Schulkameradin von Harry und Ginny und nicht zuletzt, weil sie die Ehefrau von Neville Longbottom war, inzwischen eine gute Bekannte.

„Na, macht ihr eure Einkäufe für Hogwarts? Kann ich euch irgendetwas anbieten?", fragte sie strahlend, doch Harry winkte dankend ab, dafür hatten sie heute leider keine Zeit.

Sie schlängelten sich an den Tischen, die fast alle besetzt waren, vorbei und gelangten schließlich zu dem Hinterhof.

Harry tippte mit seinem Zauberstab auf die entsprechenden Steine in der Mauer und schon bildete sich ein großer Torbogen, der den Blick in die Winkelgasse und auf Unmengen von hektischen Eltern und begeisterten Hogwartsschülern freigab.

„Okay, ich würde sagen, wir teilen uns auf, sonst werden wir heute nicht mehr fertig. Ich gehe mit Albus und Lily zu Madam Malkins. Du brauchst ja dort nichts, oder James?" Ginny wandte sich fragend an ihren Ältesten.

„Nein, ich habe mir erst das letzte Mal in Hogsmeade eine neue Garnitur Umhänge gekauft", sagte James und Ginny fuhr fort.

„Harry, du könntest zur Apotheke gehen, um die Zutaten für Zaubertränke zu kaufen, und dann könntest du noch Pergament, Federn und Tinte besorgen."

Harry tat so als würde er salutieren.

„Und James, du gehst bitte zu Florish und Blotts und holst die Schulbücher. Danach treffen wir uns bei Ron und George im Laden."

Nachdem Ginny James einen Sack mit Geld in die Hand gedrückt hatte, liefen sie alle in verschiedene Richtungen und James lief zu dem nahegelegenen Buchladen.

Dort angekommen dauerte es eine Weile, bis sich einer der Angestellten ihm zu wandte. James drückte ihm die drei Bücherlisten in die Hand und wenig später, kehrte der Mann zu ihm zurück und überreichte ihm drei schwere Büchertaschen, mit denen er sich in die lange Schlange einreihte. Da hatte sich das Quidditchtraining doch bezahlt gemacht.

„Ich darf doch, oder?" Ohne seine Antwort abzuwarten stellte sich ein Mädchen mit dunkelbraunen Haaren und grünen Augen vor ihm in die Reihe: Jillian. Wer sonst?

„Sag mal, hast du dich verlaufen oder was treibt dich in einen Buchladen?", witzelte sie.

„Unglaubliche Sehnsucht", antwortete ihr James flirtend und zwinkerte ihr zu.

„Ach, es gibt ein Buch über dich?" Jillian's ansteckendes helles Lachen ließ einige zu ihnen blicken und James gluckste leicht. Er kannte niemanden der schlagfertiger war. Sie wusste wirklich auf alles eine Antwort und schien nie verlegen oder unsicher zu sein. James legte ja schon ein großes Selbstbewusstsein an den Tag, aber gegen sie war er nichts.

„Ernsthaft, du kaufst doch nicht so viele Bücher, weil du plötzlich zum Bücherwurm mutiert bist, oder?" Sie blickte ihn interessiert an und er schüttelte den Kopf.

„Nein, das sind Lily's, Albus' und meine Schulbücher", erklärte James.

„Ah, verstehe." Sie nickte und wollte gerade dazu ansetzen etwas zu sagen, als Professor Sinistra zu ihnen trat.

„Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Amt, Ihnen Beiden." Sie lächelte ihnen zu und ging dann weiter zu dem Bücherregal mit der Thematik Astronomie.

„Welches Amt?", fragten beide einander gleichzeitig und sie mussten lachen.

„Ich bin Schulsprecher", erklärte James.

„Nein! Ich auch!", rief Jillian.

Das überraschte James jetzt eher weniger. Jillian erfreute sich größter Beliebtheit in Hogwarts, nicht nur bei den Schülern, sondern auch bei den Lehrern. Sie hatte so einen gewissen Charme, dem niemand widerstehen konnte und von dem fast alle absolut hingerissen waren.

Seine Cousine Roxanne, die mit Jillian befreundet war, hatte ihm einmal erzählt, dass Jillian in dem Fach Kräuterkunde bei der ZAG Prüfung ein Erwartungen übertroffen bekommen hatte, obwohl nun wirklich jeder wusste, dass sie grottenschlecht in dem Fach war. Da ihr schriftliches Ergebnis eher zu Wünschen übrigließ, musste sie ihren Prüfer bei der Praxis um den Finger gewickelt haben, denn mit ihrem Wissen in diesem Fach hatte sie ihn gewiss nicht überzeugt. Sie verstand sich einfach darauf zu flirten.

Inzwischen hatte Jillian ihren Bücherstapel bezahlt und wartete auf James, bei dem es etwas länger dauerte, bis alles abgerechnet war.

„Also gut, bis bald. Richte Albus und Lily liebe Grüße von mir aus." Sie winkte ihm zum Abschied und James ging nun voll beladen zu dem Geschäft, das sich an der meisten Kundschaft erfreute: Weasley's Zauberhafte Zauberscherze.

Nachdem er seinen Geschwistern jeweils deren Büchertaschen in die Hand gedrückt hatte, ging er, sich an ein paar angehenden Erstklässlern vorbei drängelnd, zu seinen Kumpels.

„Matt, Andy!"

Die Beiden drehten sich zu ihrem Freund um und hielten ihm Kotzpastillen unter die Nase.

„Ein Muss", kommentierte James und Matthew nickte bestätigend.

„Wo ist denn Fred?" James sah sich suchend nach dem Vierten im Bunde um.

„Der arbeitet pausenlos. Ron hält ihn ganz schön auf Trab." Andrew zeigte zur Theke, wo Fred von mehreren Kunden belagert wurde und ganz schön gehetzt aussah.

„Er wird es überleben. Also, was meint ihr? Das selbstzündende Feuerwerk oder die Knallbonbons mit Übelkeit erregendem Duft im Inneren?"


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