Vielen, vielen Dank für die ganzen Kommis. Hier die antworten auf eure Fragen:
Licht der Dunkelheit
Zeichenerklärung:
Geschriebenes
::Parsel::
„Reden"
/Gedanken/
gedankliche Gespräche
---Zeitsprung---
Kapitel 3
Kann es sein, dass es Menschen gibt, die ohne Gegenleistung helfen?
Gibt es Menschen, die einen anderen so mögen, wie er ist?
Lucius scheint mich nicht anders zu sehen, als vorher. Es lag gestern kein Hass, keine Abscheu in seinen Augen, wie bei meinem Onkel. Nur Mitgefühl und Wärme.
Ob Narzissa mich auch noch mag, wenn Lucius es ihr erzählt hat? Ich weiß es nicht, aber ... dieser Gesichtsausdruck. Ich kenne ihn. Auch wenn er nie mir galt. Diesen Gesichtsausdruck hatte Tante Petunia immer, wenn Dudley krank war. Aufrichtige Besorgnis.
Und da ist noch Severus. Wir haben uns gestern noch lange unterhalten. Er scheint nett zu sein. Seine zynische Art gefällt mir. Es hat mir auch etwas über meine Eltern erzählt. Und über meinen Paten.
Ich kann es immer noch nicht glauben, dass ich einen Paten habe. Ich hoffe nur, ich lerne ihn bald kennen. Lucius hat mir gestern geholfen, den Antrag für eine Verhandlung für Sirius zu stellen. Ich hoffe nur, alles läuft gut.
Und dann ist da noch die Sache mir Hogwarts.
Severus meinte, ich solle mich vorsehen. Dumbledore hätte irgendetwas mit mir vor und er könne mir nur helfen, wenn ich in Slytherin bin.
Ich hoffe, Lucius hatte in dieser Beziehung recht und ich kann wirklich nach Slytherin.
Und dann sind da noch meine neuen Schulkameraden.
Draco scheint ganz okay zu sein. Wir haben uns gestern nur noch kurz gesehen, ehe ich eingeschlafen bin. Irgendjemand scheint mich ins Bett gebracht zu haben, denn dort bin ich aufgewacht.
Aber was ist mit den anderen? Laut dem, was Lucius mir gestern erzählt hat, bin ich ein Held. Wie werden die anderen Schüler auf mich reagieren? Sie können mich doch gar nicht unvoreingenommen sehen. Sie werden mich als Helden sehen. Aber nicht als Kind, wie sie es sind. Aber ... bin ich eigentlich ein Kind? Vom Aussehen her, ja. Aber vom Wesen? Ich weiß gar nicht, wie sich ein Kind verhält. Ich durfte doch nie Kind sein. Darf ich es jetzt? Vermutlich nicht. Immerhin bin ich ein Lord. Noch dazu ein Held. Helden dürfen nicht schwach sein. Aber...ich will kein Held sein. Ich will ein Kind sein, auch wenn ich nicht weiß, wie das ist, Kind zu sein.
Ich weiß nicht, wie ich mich verhalten soll. Ich weiß auch nicht, was mich erwartet. Wie es wohl in Hogwarts wird? So viele Fragen und ich weiß keine Antwort. Ich hoffe, ich finde sie bald. Die Dunkelheit wird mir helfen, sie zu finden. Aber ich muss mich vor dem Licht in Acht nehmen: Vor Dumbledore.
Mal sehen, was die Zukunft mir bringt. Ich hoffe nur, dass sie besser wird als die Vergangenheit.
Seufzend schloss Harry das schwarze Notizbuch, das er gestern in der Winkelgasse gekauft hatte. Es würde ihm ab heute dazu dienen, seine Gedanken nieder zu schreiben, denn, das hatte er recht schnell bemerkt, wenn er seine Gedanken niedergeschrieben hatte, konnte er sich besser auf andere Dinge konzentrieren.
Dann packte Harry das Buch zurück in den schon gepackten Koffer. Obwohl es schon sehr spät war, als er einschlief, war er schon um halb sechs wach. Er war es einfach gewöhnt, spät ins Bett zu gehn und früh wieder auf zu stehen. Um sechs musste für Onkel Vernon das Essen auf dem Tisch stehen, deshalb wachte Harry meist schon um halb sechs auf.
Da er auch nicht mehr einschlafen konnte, war er aufgestanden und hatte seinen Koffer gepackt. Jetzt fehlten nur noch die Muggelklamotten, die er in London noch kaufen musste.
Ein kurzer Blick auf die Uhr, welche auf dem Schreibtisch stand, sagte ihm, dass es jetzt halb acht war. Also stand er auf, warf noch einen kurzen Blick auf Rowena, die vor dem Kamin lag und schlief und verließ dann sein Zimmer.
Stumm lauschte er in den Gang hinein und erhaschte das leise Geräusch von Stimmen. Dann wandte Harry sich nach rechts, da aus dieser Richtung die Stimmen kamen, und ging dem Geräusch nach.
Vor einer angelehnten Tür kam er zum Stehen. Als er sie gerade öffnen wollte, stutze er. War nicht gerade sein Name gefallen? Neugierig lauschte er.
„...uns helfen kann?"
„Nun, Severus, Harry ist gestern über ein Buch gestolpert, in welchem steht, wie wir Tom seine Macht zurückgeben können. Jetzt bin ich ehrlich gesagt ganz froh, dass ich es ihm nicht gleich erzählt habe und er es gestern vergessen hatte."
„Wie meinst du das, Liebling?"
„Nun, laut dem, was in dem Buch steht, war das damals der Beginn eines alten, weißmagischen Rituals. Die wenigsten greifen noch darauf(auf es) zurück, da es zu gefährlich ist."
„Jetzt erzähl schon, du machst mich neugierig."
„Ist ja schon gut. Ihr wisst doch, dass die Weißmagier vor vielen Jahrhunderten sehr auf die Reinheit des Blutes und auf die Macht, die ihren Erben inne wohnen sollte, bedacht waren. Dafür erschufen sie ein Ritual, mit welchem zwei Kinder, die einander versprochen werden sollen, bedacht wurden.
Im Grunde ist es ganz simpel. Auf einen der beiden Kinder, meist auf das Mädchen, wird ein Bann gelegt. Das erste Wesen, dass das Kind berührt, wird auf seine eigene Macht hin geprüft, immerhin muss der Junge mächtiger sein, als das Mädchen. Um herauszufinden, ob dies auch so ist, wird die Kapazität der Macht des Mädchens von der Macht, die dem Jungen innewohnt, abgezogen.
Wie ihr wisst, ist die Macht von Babys, bei welchen das Ritual angewandt wurde, nicht sonderlich groß, wodurch die Eltern auch nicht Gefahr liefen, selbst entkräftet zu werden.
Nun kam es allerdings vor, dass bei solchen ‚Tests' eines der Kinder starb, da die Macht des einen größer war, als die Macht des anderen.
Es ist von einem Fall bekannt, bei welchem eine Narbe auf dem Körper des Mädchens hinterlassen wurde. Dem Jungen wurde fast sämtliche Macht entzogen und er überlebte nur knapp. Seine magische Kraft, war nie wieder so groß, wie bei der Durchführung des Rituals. Die Eltern des Jungen bestanden allerdings auf die Verbindung mit dem Mädchen. So kam es, dass die beiden an ihrem siebzehnten Geburtstag heirateten. Bei der Hochzeitsnacht, also als das Ritual vollendet wurde, erhielt der Junge seine gesamte Macht wieder, während die Narbe des Mädchens verschwand.
Bis heute gibt es dafür keine Erklärung. Dieses Phänomen ist bis heute einzigartig.
Nun, so wie es aussieht hat irgendjemand dem Jungen diesen Bann auferlegt. Er hat bis zu dem Tag, an dem Tom zu den Potters kam, noch nie reagiert. Bei Tom allerdings schon. Das Ritual hat somit begonnen. Beendet wird es dadurch, dass Tom und Harry miteinander das Lager teilen."
„Du meinst, wenn Tom und Harry miteinander schlafen, erhält Tom seine Macht zurück und Harrys Narbe verschwindet?"
„Ja, Zissa. Es sieht ganz danach aus. Aber ... das können wir dem Jungen nicht sagen."
„Gibt es keinen anderen Weg?"
„Nein, Severus. Ich habe gestern Nacht noch Unmengen von Bücher gewälzt, nun, da ich einen Ansatz hatte. Es gibt keinen anderen Weg."
„Ich machs.", mit diesen Worten öffnete Harry die Tür und trat ein. Ruckartig schossen die Köpfe der drei Anwesenden zu ihm. „Es ist meine Schuld, dass Tom seine Macht verloren hat, also ist es auch meine Pflicht, ihm zu helfen, sie zurück zu bekommen."
„Oh nein, Harry. Vergiss das ganz schnell wieder.", meinte Narzissa.
„Warum?"
„Du bist zu jung."
Harry schnaubte. Da war sein Onkel aber ganz anderer Meinung gewesen.
„Wir könnten...", begann Lucius, brach dann allerdings ab.
„Was?"
„Warten. Tom hat zwar den Großteil seiner Magie verloren, allerdings könnten wir die beiden einander vorstellen. In ein paar Jahren können die beiden dann das Ritual zu Ende vollziehen."
„Ich werde Tom schreiben und es ihm vorschlagen.", mit diesen Worten stand Severus auf und verließ das Zimmer.
„Komm her, Harry. Du solltest etwas essen. Warum bist du eigentlich schon wach?", fragte Narzissa neugierig nach.
„Gewohnheit. Ach ja, Lucius, ich müsste später noch nach London."
„Ach ja, die Kleidung. Ist gut, wir werden dann um neun hin apparieren. Mitten in Muggellondon ist ein Zauberergeschäft, das Muggelkleidung führt, dort können wir direkt hin apparieren. Aber jetzt sollten wir erst mal frühstücken."
Harry nickte und setzte sich an den Tisch. Dann begann er zu essen.
Nach wenigen Minuten war er fertig, was Narzissa einen besorgten Blick auf ihn werfen ließ. Noch ehe sie etwas dazu sagen konnte, öffnete sich die Esszimmertür wieder uns Severus kam in Begleitung eines Fremden wieder.
Harry keuchte schmerzerfüllt auf und presste seine Hände auf seinen dröhnenden Kopf. Sobald der Fremde den Raum betreten hatte, begann seine Narbe zu schmerzen. Dieser Schmerz breitete sich auf den gesamten Kopf aus. Je näher der Fremde kam, umso schlimmer wurde es. Als der Fremde Harry, ebenso wie die restlichen Anwesenden, die Aufgesprungen waren, als Harry aufgekeucht hatte, erreichte, sank der Schwarzhaarige in eine erlösende, schmerzfreie Bewusstlosigkeit.
Harry glitt kraftlos vom Stuhl und konnte gerade noch von Severus, der den Jungen als Erster erreicht hatte, aufgefangen werden, ehe er auf dem Boden aufschlug.
Severus bettete ihn in seinen Armen und legte seine Hände auf den Kopf des Jungen, wo er einen stablosen Diagnosezauber sprach.
„Was hat der Junge?", fragte Narzissa sofort besorgt nach.
„Ein Fluch. Er sorgt dafür, dass Harry schmerzen hat, sobald Tom in der Nähe ist.", antwortete Severus ihr.
„Welche Art Schmerzen?", wollte Lucius wissen.
„Wie bei einem Cruciatus, nur dass der Schmerz sich auf seinen Kopf beschränkt."
„Kannst du was dagegen machen?"
„Er nicht, aber ich.", sprach der Fremde und legte vorsichtig seine Hände auf den schwarzen Haarschopf.
Dann murmelte er ein paar unverständliche Worte.
Harry leuchtete kurz auf. Der Fremde nahm seine Hände weg und Harry schlug die Augen auf.
„Was ... war das?", fragte er mit zitternder Stimme.
„Ein Fluch. Ich hab ihn gebrochen. Sei vorsichtig beim Aufstehen.", meinte der Fremde und hielt Harry eine Hand zur Hilfe hin.
„Danke. Mister...", sagte Harry, während er sich von dem Fremden aufhelfen ließ.
„Riddle. Lord Tom Vorlost Riddle."
"Oh, dann sind sie ... Es tut mir wirklich Leid, dass sie meinetwegen ihre Kräfte verloren haben.", betreten betrachtete Harry den Boden.
„Schon gut. Du kannst ja, genau genommen, nichts dafür. Und so wie ich Severus verstanden habe, haben wir dank dir eine Möglichkeit gefunden, dass ich sie wieder bekomme.", lächelte Tom den Jungen vor sich an. Severus hatte ihm auf den Weg zum Esszimmer schon erzählt, was mit dem Jungen los war. Auch von den Verletzungen des Kleinen war er in Kenntnis gesetzt worden.
„Trotzdem. Ich werd ihnen helfen so gut ich kann.", meinte Harry ehrlich und hob seinen Kopf.
Der Mann vor ihm, Tom Riddle, lächelte nur leicht.
„Danke, aber ich finde, wir sollten uns erst mal setzten. Es gibt da nämlich noch etwas, was ich dir sagen möchte.", mit diesen Worten setzte Tom sich auf den Stuhl neben Harry, der sich jetzt ebenfalls, wie alle anderen, wieder setzte.
„Also. Lucius hat euch doch von dem Mädchen erzählt, das bei dem Ritual eine Narbe zurückbehielt, oder?"
Nicken aller beteiligten war die Antwort.
„Nun, so viel ich weiß war dieses Mädchen Helga Hufflepuff. In meiner Bibliothek gibt es Aufzeichnungen darüber. Da ich allerdings, wie alle anderen, angenommen habe, dass es unmöglich ein so leichter Weißmagischer Fluch sein kann, hab ich nicht daran gedacht. Als Lucius mir gestern dann schrieb, dass es sich allen Anschein nach aber tatsächlich um diesen Fluch handelt, hab ich die Aufzeichnungen durch gearbeitet. Darin steht auch eine Erklärung, warum Miss Hufflepuff die Narbe zurückbehielt und der Junge so weit entkräftet wurde. Die beiden waren Seelenverwandte. Die Kräfte der beiden waren also absolut gleich. Beim Ritual haben die beiden Seelen einander erkannt. Durch die Narbe wurde dafür gesorgt, dass die Kräfte des Jungen nicht, wie sonst, einfach verschwinden. Es wurden ja nur die Energien abgezogen, wobei bei einer vollständigen Leerung der Energien der Junge gestorben wäre. Durch das Ritual wurden die Energien zwar geleert, allerdings wurde auch eine Verbindung durch die Narbe zwischen den beiden geschaffen, damit der Junge nicht sterben muss. Sein Leben wurde dadurch erhalten, dass er durch die Verbindung die Lebenswichtige Energie von dem Mädchen, also Miss Hufflepuff, erhält. Als die beiden dann später heirateten und das Lager miteinander teilten, näherten sich ihre Seelen wieder so weit an, wie damals bei Beginn des Rituals. Dadurch wurden die Kräfte des Jungen wieder zurückgegeben. Die Narbe verschwand weil die Verbindung zwischen den beiden fortan über die Seelen verlief. Also wurde kein körperliches Merkmal benötigt. Die Narbe selbst sollte wohl dazu dienen zu zeigen, dass dieses Mädchen bereits ihren Seelenpartner gefunden hat und deshalb nicht mehr frei ist. Allerdings ist es so selten, dass man wirklich seinen Seelenpartner findet, dass an diese Möglichkeit damals, als die beiden noch klein waren, niemand gedacht hat. Miss Hufflepuff erfuhr erst später, nämlich nach der Bindung, über die Tiefe eben jener und teilte dieses Wissen auch nur mit ihren besten Freunden, den anderen drei Gründern. Mein Vorfahre hat dies, mit Erlaubnis seiner Freundin, niedergeschrieben, falls es in Zukunft noch einmal passieren sollte.
Was ich damit sagen möchte ist, Harry, du und ich, wir sind Seelenpartner."
Eisernes Schweigen legte sich über die Anwesenden. Diese Neuigkeiten mussten sie erst verdauen.
Harry überlegte schon die ganze Zeit. Er verstand nicht ganz, was Tom ihm damit sagen wollte. Was bedeutete es, dass die beiden Seelenpartner waren? Als er nach geraumer Zeit immer noch nicht zu einem Ergebnis kam, fragte er nach:
„Ähm, Lord Riddle, was bedeutet das? Ich meine, das wir Seelenpartner sind."
„Zuerst hätte ich gerne, dass du mich Tom nennst. Nun zu deiner Frage. Seit Anbeginn der Zeit wird für jede Seele, die erschaffen wird, ein perfekter Partner erschaffen. Du weiß sicherlich, dass jede Seele individuell ist. Es gibt keine gleichen Seelen. Allerdings ist die Seele einzeln nicht vollkommen. Sie ist mit sich selbst im Ungleichgewicht, da jede Eigenschaft in ihr unterschiedlich weit entwickelt ist. Deshalb ist die Seele auch so verletzlich. Nun gibt es die Partnerseele. Sollte eine Seele die dazugehörige Partnerseele finden, muss sie sie nicht zwangsläufig auch als solche erkennen. Es kommt nur äußerst selten vor, dass sie es tut. Wenn sie sich aber erkennen, was meist durch ein Ritual oder aber durch ein sehr großes Maß an körperlicher Nähe der Fall ist, dann streben sie immer wieder auf einander zu. Die Seelenpartner werden sich, unbewusst, immer wieder gegenseitig anziehen. Sie laufen sich also immer wieder über den Weg, ohne zu wissen, warum. Das liegt daran, dass die beiden Seelen in ihrer individuellen Art einander ausgleichen. Sollte dieser Ausgleich durch beispielsweise eine Bindung dauerhaft werden, so werden die Seelen langsam immer mehr miteinander verschmelzen und so eine vollkommene Seele erschaffen, welche in zwei Körpern verteilt wird. Dadurch findet ein Gleichgewicht in der Seele statt. Sie ist nicht mehr so leicht verletzbar. Genau genommen ist von dem Moment an nur noch der Partner in der Lage den anderen wirklich in der Seele zu verletzten. Dadurch verletzt er sich aber auch selbst, deshalb kommt es normalerweise nicht vor. Die beiden Seelenpartner schützen einander und stärken sich gegenseitig. Sie bilden also, wenn sie einander erkennen und sich binden, eine perfekte Einheit, der niemand mehr etwas entgegensetzten kann.
Mit anderen Worten, Seelenpartner gehören einfach zusammen. Sie sind, sozusagen, füreinander bestimmt."
Nachdem Tom mit seiner Erklärung geendet hatte, sah Harry ihm mit hoffnungsvollem Blick tief in die azurblauen Augen und fragt:
„Heißt das, ich bin nicht mehr allein?"
Tom lächelte sanft und antwortete:
„Du bist nicht mehr allein. Nie mehr. Ab heute, werd ich immer bei dir sein und auf dich aufpassen. Und selbst, wenn ich körperlich nicht anwesend bin, so werde ich dennoch wissen, wie es dir geht und dir bei Gefahr zu Hilfe kommen.
Ich war die letzten Jahre schon immer bei dir, ohne es zu wissen. Ich kenne den Schmerz, den du erduldet hast, da ich ihn selbst spürte, durch die Verbindung. Bis heute wusste ich nicht, woher der Schmerz kommt und warum ich ihn spüre, aber nun, da ich es weiß, werde ich alles in meiner Macht stehende tun, um ihn zu lindern und zu verhindern, dass du ihn noch einmal fühlen musst."
Mit diesen Worten hob Tom den Jungen vorsichtig auf seinen Schoß und schloss ihn sanft in seine Arme. Harry versteifte sich anfangs, als Tom ihn anhob, ließ sich dann aber in die sanfte, warme Umarmung fallen. Er wusste plötzlich mit absoluter Sicherheit, dass Tom ihm nie weh tun würde. Er vertraute ihm. Sein Gefühl sagte ihm einfach, dass es richtig war. Und zum ersten Mal in seinem Jungen leben fühlte Harry sich geborgen, geliebt und geschützt.
Narzissa, Lucius und Severus betrachteten sich das Ganze einfach nur sanft lächelnd. Sie wussten alle drei, dass auch Tom es in seiner Kindheit nicht leicht hatte. Dumbledore hatte damals bei ihm auch schon versucht, an den Titel ran zu kommen, was Tom allerdings glücklicherweise, ebenso wie Harry am vorherigen Tag, noch rechtzeitig verhindern konnte.
Die beiden würden einander gut tun. Schon jetzt strahlten sie, obwohl sie sich gerade erst kennen gelernt hatten, eine Ruhe und Wärme aus, die das Herz der Umstehenden berührte.
„Tom?", durchbrach Severus vorsichtig die entspannende und wohltuende Stille.
Angesprochener blickte auf.
„Ja?"
„Wie geht es jetzt weiter? Harry muss nach Hogwarts und Dumbledore plant irgendwas."
„Nun, erst möchte ich dich etwas fragen, Harry."
Der Junge löste sich leicht aus Toms Umarmung und sah ihn dann an, ohne seinen Platz auf dessen Schoß zu verlassen.
„Was denn?"
„Nun, da du gestern den Titel als Lord angenommen hast und die Nachricht davon in der heutigen Zeitung steht, giltst du als heiratsfähig. Das bedeutet du wirst in den nächsten Wochen haufenweise Anträge zur Verlobung bekommen. So ziemlich jede magische Familie, die eine Tochter hat, welche noch nicht Versprochen ist, wird dir ihr Aufgebot schicken. Ebenso wie einige Familien mit männlichen Kindern, welche noch nicht Versprochen sind, da das in unserer Welt eigentlich egal ist.
Wir sind beide Seelenpartner und obwohl wir uns erst seit kurzem kennen, möchte ich dich fragen, ob du bereit wärst, dich mit mir zu verloben. Du musst allerdings wissen, dass, anders als bei den Muggeln, eine magische Verlobung nicht mehr gelöst werden kann. Das heißt solltest du zustimmen, werden wir uns an deinem siebzehnten Geburtstag binden."
Tom verstummte und betrachtete gespannt den Kleinen auf seinem Schoß. Er wusste, wovon er sprach, ging es ihm doch bis zum heutigen Tag nicht anders. Doch hatte er sich bis heute nie für einen seiner Bewerber entschieden, da sein Gefühl ihm gesagt hatte, dass der oder die Richtige nicht dabei war. Aber jetzt, das spürte er ganz genau, saß eben diese Person auf seinem Schoß und sah ihn aus unschuldigen, smaragdenen Augen an. Er betete zu allen bekannten und unbekannten Göttern, dass Harry seinen Antrag annehmen würde oder aber zumindest nicht von vorneherein ablehnte.
Harry indes war am überlegen. Ja, er mochte Tom, seit er aus seiner kurzzeitigen Ohnmacht aufgewacht war und in dessen azurblaue Augen gesehen hatte. Und mit jeder Sekunde, die Tom in seiner Nähe war, mochte er ihn mehr. Er spürte die Verbundenheit, die er mit Tom hatte und fühlte sich hier in seinen Armen, auf seinem Schoß einfach nur wohl. Wenn es jetzt schon so war, würde es sich in Zukunft auch bestimmt nicht ändern.
„Ja. Ich nehme deinen Antrag an. Ich fühle einfach, dass es richtig ist.", antwortete Harry und schenkte seinem Gegenüber das erste aufrichtige Lächeln, welches er seit Jahren hatte.
Vorsichtig zog Tom Harry wieder enger an sich und gab ihm einen sanften Kuss auf den Kopf.
„Danke. Damit machst du mich zum glücklichsten Menschen überhaupt."
Lächelnd kuschelte Harry sich näher an Tom und genoss diese unbekannten Gefühle, die ihn dabei durchströmten.
„Dann sollte wir das wohl bekannt geben.", durchbrach Lucius die erneut aufkommende Stille.
„Ja. Macht das. Jetzt kann Dumbledore ihm auch nichts mehr tun. Er wird sich also ziemlich zurückhalten.", meinte Tom, während Harry sich in dessen Umarmung umdrehte, um wieder einen Blick auf die anderen Anwesenden am Tisch zu haben.
„Warum?", fragte der er dann.
„Ganz einfach. Wenn wir offiziell verlobt sind, hab ich das Recht, jeden, der versucht dich durch Wort oder Tat zu verletzten, oder aber verletzten zu lassen, zu bestrafen."
„Wirklich?"
„Ja. Sollte es jemandem gelingen, dich absichtlich zu verletzten, habe ich sogar das Recht, denjenigen zur Rechenschaft zu ziehen und ihn zu bestrafen oder gar zu töten. Das ist ein altes Gesetzt, dass nur unter Lords Gültigkeit besitzt. Viele haben versucht, die oder den Versprochenen eines Erben anzugreifen, zu manipulieren oder ähnliches, um nach der Bindung der beiden selbst an Macht zu gewinnen. Deshalb wurde dieses Gesetz eingeführt, damit auch die Versprochene des Erben geschützt ist."
„Aha. Was ist eigentlich mit Draco? Ist der auch schon jemandem Versprochen?"
„Nein. Die Anträge für Draco kommen zu uns und wir haben beschlossen, dass Draco sich seine Verlobte oder seinen Verlobten selbst aussucht. Meine Eltern haben mir damals auch die Wahl gelassen und ich hab mich für Narzissa entschieden und bin froh, dass ich es getan habe.", meinte Lucius und lächelte seine Frau verliebt an.
Diese erwiderte das Lächeln ihres Mannes, rutschte mit dem Stuhl näher an ihn ran und schmiegte sich dann an ihn.
„Und ich bin heute noch glücklich, dass er sich für mich entschieden hat."
Ein sanfter und zärtlicher Kuss, den beide einander schenkten, zeugte von der Aufrichtigkeit der eben gesprochenen Worte und zeigte, dass sich die Beiden auch nach so vielen Jahren noch immer liebten, wie am ersten Tag.
Harry blieb, trotz dieses schönen Bildes, aber nicht der wehmütige Blick verborgen, den Severus auf das glückliche Paar warf.
„Was ist mit dir, Severus?"
Angesprochener seufzte ein mal schwer.
„Ich hab zwar viele Anträge bekommen und bekomme sie noch immer, aber der, dem mein Herz gehört, war nicht dabei."
„Oh, das tut mir Leid. Ich hoffe, ihr findet dennoch zueinander."
„Mal sehn. Vielleicht trau ich mich ja jetzt endlich, es ihm zu gestehen."
„Ich wünsch dir dabei viel Glück und ich hoffe, dass die Antwort positiv ist."
„Danke, das hoffe ich auch."
Wieder hüllte sich der Raum in angenehme Stille, die dieses Mal von Harry durchbrochen wurde.
„Ich glaub, wir müssen allmählich los."
„Wie meinst du das? Der Zug fährt doch erst in knapp zwei Stunden.", wollte Tom wissen, der nicht gewillt war, seinen Kleinen jetzt schon gehen zu lassen.
„Ja, aber ich brauch noch neue Muggelklamotten. Gestern hatten wir keine Zeit mehr dazu, darum müssen wir das heute Morgen erledigen.", erklärte Harry.
„Dann komm ich mit.", meinte Tom dazu.
„Wenn du möchtest, aber vorher, ihr habt doch gesagt, es steht in der Zeitung, das ich meinen Titel angenommen habe. Kann ich das lesen?"
„Natürlich.", meinte Lucius und reichte Harry die Zeitung, die neben ihm auf dem Tisch lag.
Harry nahm sie entgegen. Er musste nicht lange nach dem Artikel suchen, den er befand sich direkt auf der Titelseite. Die erste hälfte der Seite enthielt ein großes Foto. Darauf zu sehen waren vier Personen. Ein älterer Mann und ein junges Ehepaar. Auf dem Arm der Frau saß ein etwa einjähriges Baby.
Über dem Foto befand sich die Schlagzeile:
Letzter Erbe der Familie Potter nimmt den Titel an
Darunter stand der Artikel:
Jeder kennt die Geschichte von Harry James Potter, dem Jungen-der-lebt.
Nach dem tragischen Tod seiner Eltern, James (Bild links) und Lily (Bild mitte) Potter und dem unerwarteten Ableben seines Großvaters, Lord Elias Potter (Bild rechts) wuchs der Junge Mister Potter bei seinen letzten Verwandten, einer Muggel-Familie in Surrey, auf. Dieses Jahr, fast zehn Jahre nach diesen schrecklichen Ereignissen, wird der junge Mister Potter seine magische Ausbildung an der Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei beginnen.
Gestern kam Mister Potter nach Gringotts um seine letzten Einkäufe für die heute beginnende Schule zu tätigen.
Die Kobolde brachten Mister Potter, nach der Sicherstellung, dass er es wirklich war, zum Geschäftsführer Gringotts, Mister Johnson.
Als Mister Johnson feststellte, dass der Junge-der-lebt, auf Grund seiner Kindheit bei den Muggeln, nichts von seinem Erbe als Titelnachfolger wusste, erklärte er ihm die gegebenen Umstände.
Gegen Mittag erklärte sich der junge Mister Potter bereit, seinen Titel anzunehmen.
Lord Malfoy, der sich zufällig ebenfalls in Gringotts befand, erklärte sich bereit, dem neuen Lord Potter bei seinen Einkäufen behilflich zu sein und ihn in die Pflichten eines Lords einzuweisen.
Lord Potter hat bereits seinen ersten Antrag gestellt.
Für viele unverständlicherweise stellte Lord Potter kurz nach seiner Titelannahme den Antrag auf eine Wiederaufnahme des Verfahrens gegen Sirius Black.
Black hat vor 10 Jahren seine besten Freunde, die Eltern des Jungen Lords, an Sie-wissen-schon-wen verraten und nach dem Fall des Unnennbaren bei seiner Flucht eine Straße voller Muggel in die Luft gejagt und dabei zwölf Muggel und einen Zauberer, seinen ehemaligen Freund Peter Pettigrew, getötet.
Black wurde danach, aus heute noch unbekannten Gründen, ohne Verfahren nach Askaban gebracht.
Die Frage, die uns nun beschäftigt, ist, warum der junge Lord Potter einen Antrag auf ein Verfahren für den Mitschuldigen am Mord seiner Eltern beantragt.
Leider war es unseren Reportern noch nicht möglich mit Lord Potter oder Lord Malfoy, welcher bei der Stellung des Antrages behilflich war, zu sprechen.
Die Verhandlung gegen Sirius Black findet in zwei Wochen statt. Wir hoffen bis dahin auf ein Interview mit Lord Potter, doch vorerst wird Lord Potter sich wohl in Hogwarts befinden.
Der Direktor von Hogwarts, Professor Albus Dumbledore, hat uns bereits gestern Abend versprochen, dass er einem unserer Reporter in zwei Tagen, also am Samstag, die Erlaubnis erteilt, mit Lord Potter zu sprechen. Wir erhoffen uns von diesem Interview Antworten auf unsere Fragen und werden sie selbstverständlich von dessen Verlauf unterrichten.
Lexx Anderson
„Das sind also meine Eltern?", fragte Harry und strich mit der Hand über das sich bewegende Bild.
„Ja. Hast du keine Fotos von ihnen?", meinte Severus.
„Ich hab Bilder von meiner Mutter, als sie noch jünger war, aber keine, als Erwachsene. Von meiner Familie väterlicherseits besitze ich gar keine Bilder."
„Keine Sorge, ich bin mir sicher, dass sich in einem deiner Häuser ein paar Fotoalben und Portraits deiner Familie befinden.", lächelte Lucius den Jungen beruhigend an.
„Hm, mal sehn. Aber zuerst kommt der Samstag. Warum wollen die ein Interview mit mir?"
„Nun, zum einen bist du ja ihr Held. Zum anderen bist du nun ein Lord. Jeder von uns musste dieses Interview hinter sich bringen. Mal sehn, welchen Reporter sie dir schicken."
„Warum?"
„Na ja, dieser Lexx Anderson ist ja noch ganz in Ordnung. Aber bei Rita Kimmkorn wär ich an deiner Stelle vorsichtig. Die dreht einem das Wort im Mund um, nur um eine gute Story zu bekommen."
„Oh. Mal sehen, wer kommt. Aber da kann ich dann ja auch gleich die Verlobung bekannt geben, oder?"
„Wenn du möchtest.", war Toms einziger Kommentar dazu.
„Sehr gut, dann gehen wir jetzt, sonst komm ich zu spät zum Zug.", meinte Harry und stand auf. Lucius und Tom taten es ihm gleich.
Gemeinsam gingen sie dann in die Eingangshalle, in der Harry schon gestern Abend ankam.
„Wo hast du deine Schlange?", fragte Lucius noch, bevor sie apparierten.
„Rowena schläft noch im Zimmer."
„Gut. Wir gehen jetzt erst mal nach Muggel-London. Die Sachen lassen wir dir nach Hogwarts schicken. Sollten wir bis spätestens halb Elf fertig werden, kommen wir noch schnell her und holen deine restlichen Sachen. Wenn nicht, bringt Zissa sie mit zum Bahnhof."
„Okay."
„Sehr gut. Tom, nimmst du Harry mit, oder soll ich?"
„Ich nehm ihn mit und teleportiere. Das ist besser für ihn."
„Okay. Einverstanden?", wollte Lucius von Harry wissen.
Dieser nickte nur. Es war ihm unangenehm, dass Tom von den Verletzungen wusste.
Dieser merkte es auf Grund der Verbindung durch die Narbe. Vorsichtig schloss er den Kleineren in seine Arme.
„Es muss dir nicht peinlich oder unangenehm sein. Du kannst doch nichts dafür. Du bist doch noch ein Kind und kannst dich nicht gegen einen Erwachsenen wehren."
„Aber..."
„Kein 'Aber', mein Kleiner. Du hast nichts falsch gemacht und es war auch nicht deine Schuld. Schuld haben deine Verwandten. Sie hätten dich beschützen müssen, immerhin bist du ein Kind. Stattdessen haben sie dich verletzt. Das war nicht richtig. Du kannst nichts dafür."
„Passt...passt du dann jetzt auf mich auf?"
„Ja mein Kleiner. Versprochen."
Lächelnd schmiegte Harry sich näher an Tom und murmelte ein: „Dann ist ja gut."
Schmunzelnd erwiderte Tom die Umarmung.
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Fünf Minuten später standen Harry, Tom und Lucius in einem großen Raum, in welchem sie sofort von einer jungen Dame angesprochen wurden.
„Guten Morgen, meine Herren, wie kann ich ihnen helfen?"
„Ich benötige eine komplette neue Ausstattung.", antwortete Harry gelangweilt, so, wie schon am vorherigen Tag in der Winkelgasse.
Die Augen der Verkäuferin leuchteten bei diesen Worten auf.
„Sehr wohl. Wenn sie mir bitte folgen würden, wir kümmern uns zuerst um die Alltagskleidung."
Mit diesen Worten drehte sie sich um und verließ den Raum. Tom, Lucius und Harry folgten ihr.
„Welche Farben wünschen sie?", wollte die Frau wissen, als sie auf einen Ständer mit T-Shirts zuging.
„Grün, Schwarz und Silber.", antwortete Harry wie aus der Pistole geschossen.
„Bevorzugte Motive?"
„Schlangen."
„Wie sie wünschen.", mit diesen Worten zog die Frau systematisch mehrere T-Shirts aus dem Ständer vor sich und häufte sie dem überrumpelten Tom mit einem charmanten Lächeln auf den Arm.
Dann führte sie die drei zu einer Umkleidekabine.
„Wenn sie die Kleidung bitte anprobieren würden. In der Zwischenzeit suche ich ihnen ein paar Hosen heraus, wenn sie gestatten."
Noch bevor Harry, Tom oder Lucius antworten konnten, war die Verkäuferin verschwunden.
„Und jetzt?", fragte Harry verwirrt.
„Anprobieren. Du brauchst auf jeden Fall auch Kleidung, die du zu Hause tragen kannst und nicht nur Sachen, mit denen du in die Öffentlichkeit gehen kannst."
„Ja, Ja.", brummte Harry, schnappte sich den T-Shirtstapel von Toms Arm und verschwand in der Umkleidekabine, welche er für die Nächste Zeit nicht verlassen würde.
Kaum war er mit dem Anprobieren des einen Stapels fertig, tauchte die Verkäuferin mit einem anderen Stapel aus Hosen, Hemden, Pullovern, T-Shirts usw. auf.
Harry kam sich vor, als würde die Frau ihm jedes Kleidungsstück, dass sich im Laden befand und seine Größe hatte, unter die Nase halten.
Als sie endlich fertig waren hatten sie insgesamt fünfzehn Tüten mit Muggelkelidung. Nur für die Freizeit, versteht sich.
Danach ging es in einen anderen Bereich des Geschäftes, wo bei Harry Maß genommen wurde, um anschließend seine ‚Ausgehkleidung', wie Tom sie nannte, schneidern zu lassen.
Schnell gingen sie noch zur Kasse und zahlten. Nachdem die Tüten klein gezaubert und verstaut waren, warf Harry einen kurzen Blick auf seine Uhr. Geschockt sah er wieder auf die Zeiger seiner Uhr, welche immer noch unmissverständlich die derzeitige Zeit ansagten.
„Tom, Lucius, es ist viertel nach elf. Ich hab meinen Zug verpasst."
„Was. So spät schon?", fragte Tom und sah jetzt ebenfalls auf die Uhr.
„Na toll und jetzt?", fragte Harry genervt.
„Gehen wir erst mal zurück nach Malfoy Manor, dort können wir alles in Ruhe besprechen.", meinte Lucius und zusammen teleportierten sie sich zurück nach Malfoy Manor.
In der Eingangshalle angekommen fiel Lucius sofort eine aufgelöste Narzissa um den Hals.
„Zum Glück ist euch nichts passiert. Ich hab mir solche Sorgen gemacht, als ihr nicht gekommen seid.", schniefte sie.
Lucius nahm seine Frau in den Arm und streichte ihr beruhigend über den Rücken.
„Ssh. Schon gut, Zissa. Wir haben nur die Zeit vergessen. Uns ist nichts passiert."
Langsam beruhigte Narzissa sich wieder, jedoch kamen auch Harry und Tom nicht um eine Umarmung ihrerseits herum, wobei sie bei Harry besonders vorsichtig war.
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Eine halbe Stunde später saßen die vier im Kaminzimmer von Malfoy Manor und berieten, wie es jetzt weiter ging. Harry hatte inzwischen seine neuen Klamotten zu seinen anderen Sachen in den Koffer gepackt.
„Der Zug nach Hogwarts kommt erst heute Abend gegen halb sieben in Hogsmead an. Von dort aus geht es dann nach Hogwarts. Ich denke, es ist kein Problem, wenn wir dich nach Hogsmead bringen und du dann von dort aus mit den anderen weiter nach Hogwarts fährst.", meinte Lucius nachdenklich.
„Gut. Und was machen wir bis dahin?", fragte Harry.
„Wir könnten deine Augen richten lassen und danach einen Termin mit dem Tagespropheten ausmachen. Dann könntest du das Interview heute noch hinter dich bringen und hättest am Samstag deine Ruhe um den Trank zu nehmen."
„Gut. Dann gehen Tom und ich in die Winkelgasse und kümmern uns um meine Augen und du kontaktierst den Tagespropheten. Einverstanden?"
Lucius nickte nur und stand dann auf um einen Brief an den Propheten zu schreiben.
Harry und Tom erhoben sich ebenfalls und reisten dann gemeinsam in die Winkelgasse.
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Gegen ein Uhr Mittags trafen Tom und Harry wieder in Malfoy Manor ein.
Nach dem Besuch bei der Augenkorrektur waren beide noch in der Winkelgasse essen gewesen. Anschließend hatte Tom darauf bestanden, Harry einen Verlobungsring zu schenken. So prangte jetzt an Harrys Hand ein silberner Ring, verziert mit einer goldenen Schlange, die sich um das Silber wand.
Der Ring war, so wie Harrys Siegelring, so verzaubert, dass er sich an die Größe des Trägers anpasste.
Lucius begrüßte die beiden, als sie in der Eingangshalle wieder auftauchten.
„Ah, da seid ihr ja. Harry, der Reporter ist da. Sein Name ist Lexx Anderson. Er erwartet dich im Kaminzimmer."
„Ist gut. Tom, kommst du mit?"
„Natürlich, wenn du mich dabeihaben willst."
Zur Antwort nickte Harry nur leicht nervös und ging dann, gefolgt von seinem Verlobten, ins angrenzende Kaminzimmer.
Am Fenster des Zimmers stand ein Mann mit kurzen, dunkelblonden Haaren. Als er das Öffnen der Tür vernahm, drehte er sich ihr zu.
„Mister Anderson.", grüßte Harry höflich. Tom tat es ihm gleich.
„Lord Potter, Lord Riddle. Es ist mir eine Ehre sie kennen zu lernen und dieses Interview führen zu dürfen.", antwortete Mister Anderson und verbeugte sich kurz vor den beiden Neuankömmlingen.
„Setzten sie sich doch. Dann können wir beginnen."
Mister Anderson kam Toms Aufforderung nach und setzte sich auf eine der beiden Couchen im Zimmer.
Tom setzte sich ihm gegenüber und zog Harry gleich auf seinen Schoß, welcher dieses Verhalten nur mit einem Lächeln quittierte.
Stirnrunzelnd betrachtete der Reporter sich das Schauspiel.
„Verzeihen sie, aber dürfte ich fragen, weshalb sie beide so...vertraut miteinander umgehen?"
„Nun, Mister Anderson, ich denke, dass ich das Recht besitze, mit meinem Verlobten ‚vertraut' umzugehen.", antwortete Tom kalt.
„Natürlich. Entschuldigen sie, das wusste ich nicht."
„Wir sind auch erst seit heute morgen verlobt, also können sie es gar nicht wissen.", antwortete Harry versöhnlich.
„Nun gut...", meinte Mister Anderson, während er aus einer Aktentasche, die neben ihm stand, eine Feder und eine Rolle Pergament hervorholte. „...mit ihrer Erlaubnis, können wir dann beginnen.", meinte er, während er das Pergament auf den Couchtisch legte und die Feder darauf abstellte.
„Lord Potter, dürfte ich zuerst erfahren, warum sie sich nicht zusammen mit den anderen Hogwartsschülern im Zug befinden?"
„Ich hatte heute morgen noch dringende Geschäfte zu erledigen, deren Ausführung sich leider mit der Abfahrt des Zuges überschnitten haben. Deshalb werde ich erst heute Abend nach Hogsmead reisen, um mich dort den anderen Schülern anzuschließen."
Während Harry sprach beobachtete er aus den Augenwinkeln, wie die Feder jedes gesprochene Wort mitschrieb, ohne, dass jemand sie führte.
„Verstehe. Wie kam es gestern dazu, dass sie ihren Titel annahmen. Es würde meine Leser sicherlich sehr interessieren, da es ja doch recht kurzfristig war."
„Nun, nachdem Mister Johnson mir gestern von meiner Familie und dem Titel erzählte beschloss ich ihn anzunehmen. Wobei der Hauptgrund wohl der ist, dass ich nicht mehr zu meinen Muggelverwandten zurück muss."
„Lord Potter, verstehe ich sie richtig. Sie erfuhren erst gestern davon, dass ihre Familie väterlicherseits Lords sind und nahmen den Titel an um nicht zurück zu ihren Verwandten mütterlicherseits zu müssen?"
„Ja."
„Weshalb wollen sie nicht zurück?"
„Nun, meine Verwandten mütterlicherseits sind Muggel und sie verabscheuen alles was mit Magie zu tun hat. Genau das ließen sie mich die letzten Jahre spüren."
„Oh, das tut mir Leid. Aber, wie haben sie nun von dem Titel erfahren? Laut unseren Quellen hat Professor Dumbledore ihnen schon vorher den Brief zukommen lassen. Hat er ihnen nichts gesagt?"
„Nein. Ich weiß nicht, was sie mit vorher meinen. Professor Dumbledore kam vorgestern Nachmittag zu uns, redete eine Zeit lang mit meinem Onkel und meiner Tante und sagte mir dann, dass ich am 1. September nach Hogwarts fahren würde und meine Tante mich in die Winkelgasse bringen würde um meine Schulsachen zu besorgen. Dann gab er mir eine List der benötigten Dinge, einen Brief, den ich in Gringotts abgeben sollte und den Schlüssel zu einem Verließ in Gringotts und verschwand ohne Erklärung."
„Sie wussten also gar nicht, was sie in Hogwarts sollten?"
„Doch. In meinem...Zimmer im Keller des Hauses meiner Verwandten stehen mehrere Kisten. Eine davon wurde meiner Tante von meiner Großmutter zugeschickt und enthielt persönliche Gegenstände meiner Mutter. Darunter auch ihre Schulbücher und 'Eine Geschichte von Hogwarts'. Dadurch wusste ich, was Hogwarts ist."
„Sie lebten in einem Zimmer im Keller?"
„Eher ein Abstellraum und ja. Meine Verwandten wollten so wenig Geld wie möglich für mich ausgeben."
„Oh...nun. Wie ging es weiter, ich meine...gestern."
„Meine Verwandten setzten mich gestern Vormittag vor dem Tropfenden Kessel aus und ließen mich mit einer kurzen Erklärung wo ich hin musste, zurück mit der Warnung, ich solle ja nicht vor den nächsten Sommerferien zurückkommen.
Der Wirt des Tropfenden Kessels öffnete mir den Weg in die Winkelgasse und ich lief, wie von meiner Tante angeordnet, nach Gringotts wo ich meinen Schlüssel vorlegte. Der Kobold brachte mich, nachdem ich ihm meinen Name gesagt hatte, sofort zum Geschäftsführer, welcher mir dann alles erklärte. Als er damit fertig war, erklärte ich mich bereit, den Titel anzunehmen."
„Was ist mit dem Brief, den sie erhalten haben? Stand dort irgendeine Erklärung oder ähnliches drinnen?"
„Nein. Ich las den Brief erst später, als ich mit Lord Malfoy zu Mittag gegessen hatte. Professor Dumbledore sagte zu mir, ich solle ihn den Kobolden mit dem Schlüssel geben, doch auf Grund eines Gefühles tat ich es nicht, was sich im nachhinein als richtig herausgestellt hatte."
„Wie meinen sie das?"
„Nun, in dem Brief befand sich eine von meinem Onkel und meiner Tante unterschriebene Erklärung, dass ich offiziell auf meinen Titel, von dem ich zu dem Zeitpunkt, als das Schriftstück ausgestellt wurde, noch nicht ein mal wusste, verzichte. Und zwar zu Gunsten von Professor Dumbledore.
In Gringotts selbst erfuhr ich dann auch noch, dass Professor Dumbledore, der mein Verließ bis zu meiner Volljährigkeit verwalten sollte, mehrere Transaktionen ohne mein Wissen zu Gunsten von sich, einer mir unbekannten Familie, einer Einrichtung für Schüler, die ihr Schulgeld selbst nicht zahlen können, meinen Verwandten und des Ordens des Phönix durchgeführt hat. Ach ja und für die Versorgung von Lord und Lady Longbottom im St. Mungo."
„Er wollte ihnen ihren Titel unterschlagen?", fragte Mister Anderson zusehends geschockt.
„Es hat den Anschein."
„Und er hat sie bestohlen."
„Ja. Mister Johnson hat schon alles in die Wege geleitet, die von mir nicht gebilligten Transaktionen Rückgängig zu machen."
„Von ihnen nicht gebilligten Transaktionen? Gibt es welche, mit denen sie einverstanden waren?"
„Ja. Ich habe gestern veranlasst, dass die Behandlung von Lord und Lady Longbottom fortgesetzt und vertieft wird."
„Wirklich? Weshalb? Sie kennen die Familie nicht."
„Das stimmt, aber ich weiß wie es ist, ohne Eltern aufzuwachsen. Meine Eltern kann nichts und niemand mehr zurückholen, aber ich kann wenigstens dafür sorgen, dass ein anderer Junge seine Eltern zurückbekommt."
„Verstehe. Wie kommt es, dass sie nun bei Lord Malfoy residieren?"
„Ich traf Lord Malfoy gestern im Büro des Geschäftsführers von Gringotts. Er half mir, mich in der Winkelgasse zurecht zu finden und wir unterhielten uns. Er erzählte mir auch etwas über meine Familie und meine Vergangenheit. Als er erfuhr, dass ich noch keinen meiner Wohnsitze kenne und somit auch nicht wusste, wo ich die Nacht verbringen würde, bot er mir an, hier zu übernachten. Ich nahm das Angebot an und traf hier auf Lord Snape und Lord Riddle."
„Und wie kommt es, dass sie sich so schnell mit Lord Riddle verlobten? Sie lernten ihn doch gestern erst kennen, oder irre ich mich?"
„Sie irren sich. Lord Riddle und ich lernten uns erst heute morgen kennen. Durch einen Zufall erfuhren wir, dass wir Seelenpartner sind und beschlossen so, uns an meinem 17. Geburtstag zu binden."
„Nun dann, lassen sie mich ihnen, wenn auch etwas verspätet, meine Glückwünsche aussprechen."
„Danke.", meinte Harry.
Tom lächelte nur leicht.
„Zu einem anderen Thema. Weshalb haben sie den Antrag auf die Wiederaufnahme des Verfahrens gegen Sirius Black gestellt?"
„Ich bin der Meinung, dass jeder, der einer Tat beschuldigt wird, auch einen fairen Prozess verdient. Dies war bei Mister Black nicht der Fall.
Doch das Verfahren liegt mir auch persönlich sehr am Herzen. Lord Malfoy erzählte mir gestern, dass Mister Black ein guter Freund meiner Eltern und zudem mein Pate ist. Ich denke, es wäre auch im Sinne meiner Eltern, dass er eine faire Verhandlung bekommt und nicht ohne Verhandlung verurteilt wird."
„Verstehe. Nun, dann hoffe ich, dass die Verhandlung zu ihrer Zufriedenheit ausfällt. Ich danke ihnen vielmals für das Interview, hätte aber noch eine bitte an sie."
„Und die wäre?"
„Ein Foto von ihnen und ihrem Verlobten. Genau so, wie sie jetzt sitzen."
Harry warf einen fragenden Blick zu seinem Verlobten. Dieser nickte nur schmunzelnd.
„Sehr gern."
Dankbar lächelnd zog Mister Anderson einen Fotoapparat aus seiner Aktentasche und schoss ein Foto von den frisch verlobten.
Danach verabschiedete er sich höflich von Harry und Tom, die ihn in die Eingangshalle begleiteten und von Narzissa und Lucius, die sie in der Eingangshalle trafen.
Dann verschwand er mit der, bis jetzt, wohl größten Story seines Lebens.
„Was macht ihr zwei hier?", fragte Harry an Lucius und Narzissa gewandt, als Mister Anderson verschwunden war.
„Wir warten auf Severus. Er hat vorhin eine Nachricht geschickt, dass er her kommen würde und dich mit nach Hogwarts nimmt."
„Wirklich? Wie spät ist es?"
„Fast sechs.", lächelte Zissa ihn an.
„Schon?"
„Ja. Ihr wart ziemlich lange da drinnen."
Ein lautes Plop kündigte den vier Anwesenden das Eintreffen von Severus an.
„Hey Sev.", grüßte Tom den Neuankömmling als Erster. „Was grinst du so?"
Tatsächlich hatte der Tränkemeister Hogwarts' ein amüsiertes Grinsen im Gesicht.
„Gleich. Setzten wir uns erst mal, wir haben noch etwas Zeit, bevor wir los müssen."
Zu fünft gingen sie dann zurück in das Kaminzimmer und setzten sich, wobei Tom es sich auch diesmal nicht nehmen ließ, Harry auf seinen Schoß zu ziehen.
„Dumbledore hat sich heute tierisch darüber aufgeregt, dass Harry den Titel angenommen hat, obwohl er doch alles dafür getan hat, selbst an den Titel ran zu kommen."
„Dann wird er morgen erst recht toben.", meinte Tom grinsend.
„Warum?", wollte Zissa wissen.
„Na ja, der Reporter wollte eben wissen, was gestern passiert ist und wie Harry dazu kam den Titel anzunehmen und dabei hat Harry auch erwähnt, dass Dumbledore versucht hat sich den Titel unter den Nagel zu reißen und mehrere Transaktionen über sein Konto aber ohne sein Wissen zu tätigen."
„Meinst du, die Menschen glauben es?"
„Narzissa, ich bin elf Jahre alt und seit gerade mal einem Tag in der magischen Welt. Welchen Grund hätte ich Dumbledore zu diffamieren? Allein vom logischen her müsste ich die Wahrheit sagen, denn warum sollte ich über jemanden herziehen, den ich noch nicht mal kenne, sondern nur ein einziges Mal für wenige Minuten gesehen habe?"
Die vier Erwachsenen sahen Harry eine Zeit lang nur stumm und ungläubig an.
„Was? Hab ich irgendetwas falsches gesagt?"
„Woher hast du so einen gehobenen Wortschatz?", fragte Severus verwundert.
„Na ja. Das einzige, was ich in meinem ‚Zimmer' machen konnte, war, die alten Bücher meiner Verwandtschaft zu lesen, wobei schon einige dabei waren, die ziemlich anspruchsvoll waren. Zum Glück hatte ich auch ein gutes Wörterbuch."
„Junge, du bist einfach unglaublich.", meinte Narzissa ungläubig.
Harry grinste daraufhin nur leicht verlegen.
-0-0-0-0-
Eine halbe Stunde später stand Harry mit Severus auf dem Bahnhof von Hogsmead. Der Hogwarts-Express war noch nicht angekommen.
Still standen beide nebeneinander und genossen die Ruhe um sich. Immer noch zierte ein Lächeln Harrys Gesicht. Tom, Lucius und Narzissa hatten sich alle drei ausgiebig von Harry verabschiedet und ihm das Versprechen abgenommen, regelmäßig zu schreiben. Harry war noch immer gerührt von der Fürsorge Narzissas, den warmen Worten Lucius' und der sanften Umarmung Toms. Noch nie hatte er sich so wohl und geborgen gefühlt. Noch nie so dermaßen angenommen. Sie mochten ihn, einfach so, weil er da war. Dieses Gefühl war vollkommen neu für den Schwarzhaarigen. Noch nie hatte sich jemand um ihn gesorgt oder ihm gezeigt, dass er ihn gern hatte. Nun, vielleicht mit einer Ausnahme. Und genau diese Ausnahme lag jetzt um seinen Hals geschlungen auf seinen Schultern und döste vor sich hin.
„Harry.", durchbrach Severus die Stille.
„Ja?"
„Dort hinten kommt Hagrid. Er hat die Aufgabe, die Erstklässler nach Hogwarts zu bringen. Ich geh dann jetzt. Ach ja, gib mir bitte Rowena mit, ich bring sie dir heute Abend wieder, aber wenn Dumbledore sie sieht, wird er dich dazu zwingen, sie weg zu bringen."
„Warte, ich sag ihr nur schnell bescheid, damit sie dir nichts tut."
::Rowena?::
::Ja?::, kam es verschlafen von der Viper.
::Ich geb dich jetzt an Severus weiter. Er bringt dich später wieder zu mir. Es sieht nicht sonderlich gut aus, wenn ich mit einer Giftschlange um den Hals nach Hogwarts komme.::
::Wenn du meinst::, nuschelte Rowena, was Harry unwillkürlich ein Grinsen entlockte. Eine nuschelnde, verschlafene Schlange war einfach zu komisch.
Grinsend übergab Harry Rowena an Severus und meinte:
„Lass sie einfach schlafen. Dann hast du deine Ruhe."
Vorsichtig, fast schon ehrfürchtig, nahm Severus die Viper entgegen und legte sie sich um die Schultern.
„Ach ja, bevor ich's vergesse. Die Schüler nennen mich Professor, lass das Lord also weg. Privat nenn mich weiter Severus."
„Geht klar. Dann bis später, Severus."
Mit einem knappen Nicken verabschiedete sich Severus von Harry und ging auf einen riesengroßen Mann zu, der gerade den Bahnsteig betreten hatte. Kurz blieb Severus stehen und redete mit diesem Mann, bevor er weiterging.
Der Mann kam auf Harry zu und lächelte. Zumindest nahm Harry das an, denn wegen des Gestrüppes, auch Bart genannt, das der Mann im Gesicht hatte, konnte der Schwarzhaarige nur dessen Augen erkennen, die im Schein der Fackeln, die am Bahnsteig verteilt waren, leicht schimmerten.
„Guten Abend, Lord Potter. Mein Name ist Rubeus Hagrid und ich habe die Aufgabe, die Erstklässler nach Hogwarts zu bringen."
„Guten Abend, Mister Hagrid.", war Harrys neutrale Antwort.
„Nur Hagrid reicht. Na dann komm mal mit, nicht, dass du von den anderen Schülern beim Aussteigen umgerannt wirst.", mit diesen Worten ging Hagrid zu einer etwas entfernteren Ecke des Bahnsteiges. Harry folgte ihm Schulterzuckend.
„Ähm...Hagrid, wissen sie, ob meine Eule schon angekommen ist? Lord Malfoy war der Meinung, dass ihr das Apparieren nicht bekommen würde, weshalb ich sie hier her hab fliegen lassen."
„Die Schneeeule?"
„Ja, ihr Name ist Hedwig."
„Ja, sie ist vor knapp ner halben Stunde angekommen. Sie haben eine sehr schlaue Eule, Lord Potter."
„Danke.", meinte Harry und lächelte leicht.
In diesem Moment erklang der Pfiff einer Dampflok und wenige Minuten später fuhr eine purpurne Lok mit mehreren Waggons im Schlepptau auf dem Bahnsteig ein und kam zum Stehen.
Ein paar Sekunden später öffneten sich die Türen und hunderte schwätzende Kinder und Jugendliche stiegen aus.
Harry schluckte leicht und versteifte sich. So eine große Masse an Menschen war er nicht gewöhnt und es machte ihm Angst.
Hagrid neben ihm begann nach den Erstklässlern zu rufen und wenig später kämpften sich auch schon die Ersten zu ihm durch. Neugierige Blicke gingen in Harrys Richtung.
Dieser entspannte sich erst wieder, als er einen blonden Haarschopf durch die Menge auf sich zukommen sah. Draco lächelte leicht, als er Harry erkannte und ging gleich auf ihn zu.
„Warum warst du nicht am Gleis?", fragte er leise, mit einem erfreuten Funkeln in den Augen.
„Haben die Zeit vergessen und den Zug verpasst.", flüsterte Harry ihm zu und lächelte leicht.
Draco erwiderte kurz das Lächeln, ehe er sich zu einem Jungen mit etwas längeren, braunen Haaren umdrehte und meinte:
„Blaise, komme her, ich will dir jemanden vorstellen."
Der Braunhaarige kam auf die beiden zu und blieb neben Draco stehen.
„Blaise, darf ich vorstellen, Lord Harry James Potter. Harry, dass ist Blaise Zabini, ein guter Freund von mir."
Lächelnd bot Blaise Harry die Hand an, welche dieser auch annahm.
„Hallo Lord Potter. Sehr erfreut sie kennen zu lernen."
„Hallo Blaise, nenn mich Harry. Dracos Freunde sind auch meine Freunde.", erwiderte Harry lächelnd.
Blaise nickte nur grinsend.
Gemeinsam setzten sie sich dann in Bewegung und folgten Hagrid, der alle Erstklässler zu einem kleinen See führte. Misstrauisch beäugte Harry die Boote, wenn man diese modrigen Kisten überhaupt so nennen konnte, die auf dem Wasser vor sich hin trieben.
„Und da soll ich einsteigen?", flüsterte er Draco zu.
„Sieht so aus. Wieso, Angst rauszufallen?"
„Ich kann nicht schwimmen, also, ja."
„Keine Angst. Wenn was passiert, fisch ich dich wieder raus.", meinte Draco nur und stieg, gefolgt von Blaise, in eins der Boote.
Harry brummte noch ein sarkastisches: „Wie beruhigend.", ehe auch er sich, sich seinem Schicksal ergebend, zu Blaise und Draco ins Boot setzte.
Das Boot setzte sich, wie alle anderen, in Bewegung und fuhr über den See.
„Du Draco, sag mal, hast du am Bahnhof oder im Zug einen der Weasleys gesehen? Meine Schwester ist mit zweien davon in einem Jahrgang und meinte, dass dieses Jahr ein weiterer eingeschult werden soll."
„Nee, ich hab keinen gesehen. Vielleicht ist ihnen das Geld ausgegangen, bei so vielen Kindern."
„Ist es.", meinte Harry nur dazu.
Blaise und Draco sahen ihn neugierig an.
„Woher willst du das wissen?", fragte Blaise.
„Nun, Dumbledore hat ohne mein Wissen Tranksaktionen über mein Verließ getätigt. Eine der Begünstigten Familien war eine Familie Weasley und da ich die Transaktionen gestoppt habe und eine Wiedergutmachung eingefordert habe, denke ich, dass es die Familie Weasley ist von der ihr redet."
„Jetzt weiß ich zumindest, wie sie das Schulgeld bezahlen konnten. Bei so vielen Kindern war mir das bis jetzt immer ein Rätsel.", meinte Draco darauf.
„Wie viele Kinder haben sie denn?", wollte Harry wissen.
„So viel ich weiß sechs Söhne, von denen ab diesem Jahr vier nach Hogwarts gehen sollten und eine Tochter, die noch eingeschult werden sollte.", meinte Blaise nachdenklich.
„Woher weißt du das so genau?"
„Mein Vater ist Heiler und da die Zwillinge der Familie schon immer ziemliche Rabauken waren, hatte er sie schon öfters bei sich in Behandlung."
„Ach so."
Die staunenden Laute der anderen Erstklässler ließ die drei Aufblicken. Direkt vor ihnen auf einer Klippe stand ein großes, altes Schloss. Die Fenster hell erleuchtet und im Hintergrund der schon dunkle Himmel. Die ersten Sterne waren schon aufgegangen. An sich ein wirklich faszinierendes Bild, doch Harry war viel zu nervös, um die Begeisterung der anderen Erstklässler zu teilen.
Wenig später stießen die Boote auf Land und die Erstklässler stiegen aus. Nachdem Hagrid kurz kontrolliert hatte, ob auch alle heil angekommen waren, ging er vor in Richtung Schloss, welches man jetzt schon ganz deutlich sehen konnte.
Am Eingangsportal übergab er die Gruppe einer streng aussehenden Frau. Diese führte die Erstklässler ins Schloss. Vor einer großen Tür blieb sie stehen.
„Guten Abend. Mein Name ist Professor McGonagall und ich freue mich sie alle hier auf Hogwarts begrüßen zu dürfen. Bevor wir nun die Halle betreten und sie sich zu ihren Schulkameraden gesellen können, werden wir feststellen, in welches Haus sie gehören. Es gibt Gryffindor, Hufflepuff, Ravenclaw und Slytherin. Während ihrer Zeit hier in Hogwarts wird ihr Haus gleich sein wie ihre Familie. Für gute Leistungen, die sie erbringen, werden ihrem Haus Punkte gut geschrieben, bei Regelbrüchen oder Verstößen Punkte abgezogen. Am Ende des Schuljahres erhält das Haus mit den meisten Punkten den Hauspokal. Und nun möchte ich sie bitten, mir in Zweierreihen zu folgen, damit die Verteilung auf die Häuser beginnen kann.", mit diesen Worten drehte die Frau sich um und öffnete die Tür vor sich.
An der Spitze der Erstklässler betrat sie die Halle. Harry ging neben Draco, welcher seinen Blick leicht erstaunt auf die Decke der Halle gerichtet hatte. Man hatte das Gefühl, im Freien zu sein. Der Himmel, wie auch die Sterne waren dort zu erkennen.
„Das ist ein Zauber.", meinte Harry leise zu Draco.
„Woher weißt du das?"
„Aus ‚Eine Geschichte von Hogwarts'. Genaueres erklär ich dir später, okay?"
„Okay."
Vor dem großen Lehrertisch blieben die Erstklässler stehen. Zwischen Tisch und Erstklässler stand ein Hocker, auf welchem ein alter, ziemlich abgewetzter Hut lag. Das leise Tuscheln in der Halle war verstummt und alle Augen auf den Hut gerichtet.
Dieser begann plötzlich zu singen:
Ihr denkt, ich bin ein alter Hut,
mein Aussehen ist auch gar nicht gut.
Dafür bin ich der schlauste aller Hüte,
und ist's nicht wahr, so fress ich mich, du meine Güte!
Alle Zylinder und schicken Kappen
sind gegen mich doch nur Jammerlappen!
Ich weiß in Hogwarts am besten Bescheid
und bin für jeden Schädel bereit.
Setzt mich nur auf, ich sag euch genau,
wohin ihr gehört – denn ich bin schlau.
Vielleicht seid ihr Gryffindors, sagt euer alter Hut,
denn dort regiert, wie man weiß, Tapferkeit und Mut.
In Hufflepuff dagegen ist man gerecht und treu,
man hilft dem andern, wo man kann und hat vor Arbeit keine Scheu.
Bist du geschwind im Denken, gelehrsam auch und weise,
dann machst du dich nach Ravenclaw, so wett ich, auf die Reise.
In Slytherin weiß man noch List und Tücke zu verbinden,
doch dafür wirst du hier noch echte Freunde finden.
Nur los, setzt mich auf, nur Mut,
habt nur Vertrauen zum Sprechenden Hut!
Der Hut verstummte und ein Beifallssturm brach in der Halle los. Dann verneigte sich der Hut vor den vier Haustischen und lag nun still da und wartete.
Professor McGonagall entrollte ein Pergament und meinte dann zu den Erstklässler gewandt.
„Kommt vor, wenn ich euch aufrufe und setzt den Hut auf."
Die Einteilung begann und je mehr Zeit verging, umso unruhiger wurde Harry.
Dann wurde Draco aufgerufen.
„Bis später.", flüsterte er Harry noch zu, ehe er, erhobenen Hauptes nach vorne ging. Elegant setzte er sich auf den Hocker. Kaum hatte der Hut ihn berührt, rief er auch schon das Haus aus: „Slytherin."
Draco erhob sich wieder, warf einen aufmunternden Blick auf Harry und ging dann in Richtung Haustisch von Slytherin, wo er von seinen neuen Mitschülern begrüßt wurde.
Nach schier endloser Zeit, so kam es Harry zumindest vor, war er selbst an der Reihe.
„Lord Harry James Potter."
Mit einem Schlag war die Halle totenstill, während Harry sich, äußerlich vollkommen ruhig, innerlich vor Angst tausend Tode sterbend, in Bewegung setzte, sich auf dem Hocker niederließ und sich den Hut aufsetzten ließ. Das letzte was er sah, bevor ihm der Hut über die Augen rutschte, waren Hunderte von Augenpaaren, die neugierig auf ihn gerichtet waren.
Ah, was seh ich da, der Nachfahre eines Gründers, interessant. Und noch dazu seit kurzem mit dem Nachfahren eines anderen Gründers verlobt, wirklich sehr interessant. Ein sehr kluger Bursche bist du, noch dazu mutig, aber auch tückisch. ...Hm, lass mich überlegen...du könntest in drei der Häuser...entscheide selbst, in welches du möchtest, alles außer Hufflepuff steht dir offen., ertönte eine piepsige Stimme in Harrys Kopf
Ich möchte nach Slytherin.
Ah, ja, eine ausgezeichnete Wahl. Nun dann ist dein Haus ab heute... „...Slytherin.", das letzte Wort hatte der Hut gut vernehmlich in die Halle gerufen.
Leicht aufatmend nahm Harry den Hut ab, reichte ihn an eine geschockt dreinblickende Professor McGonagall weiter und setzte sich Richtung Slytherinhaustisch in Bewegung.
Erst nachdem er einige Schritte gegangen war, erwachten die Schüler wieder aus ihrem Schockzustand und ein gewaltiger Beifall am Slytherintisch entbrannte.
Draco zog Harry, als dieser den Tisch erreicht hatte, direkt auf den Platz neben sich und grinste seinen neuen Hauskameraden an.
„Was hat das so lange gedauert?"
„Der Hut wusste nicht, wo er mich hinstecken soll, also hat er mich letztendlich selbst wählen lassen."
„Echt? Wo hättest du denn sonst noch hin gekonnt?"
„Nach Gryffindor oder Ravenclaw."
„Na dann bist du ja doch im richtigen Haus gelandet."
„Jep."
Harry ließ seinen Blick über den Lehrertisch schweifen.
Severus lächelte leicht und nickte ihm freundlich zu. Die restlichen Lehrer sahen alle ziemlich erschrocken aus, bis auf Dumbledore. Dieser blickte Harry leicht wütend an.
„Scheint dem Alten ja gar nicht zu passen.", flüsterte Draco ihm zu.
„Ist mir ziemlich egal. Glaub mir, spätestens morgen wird er noch wütender auf mich sein.", grinste Harry seinen Freund an.
„Warum?"
„Wirst schon sehen."
Nachdem der Schock sich gelegt und die Schüler, wie auch Lehrer sich wieder beruhigt hatten, ging die Auswahl weiter. Eher desinteressiert folgten Harry und Draco ihr.
Als letzter wurde Blaise eingeteilt.
Wie auch Harry und Draco kam er nach Slytherin.
Nachdem die Auswahl beendet und der Hut samt Hocker verräumt waren, erhob sich Dumbledore und bat mit einer Handbewegung um Ruhe.
„Willkommen, liebe Erstklässler. Und alle anderen Willkommen zurück. Wie einigen unter ihnen sicherlich schon aufgefallen ist, sind einige Schüler aus verschiedenen Häuser nach den Ferien nicht mehr hier her zurückgekehrt, was daran liegt, dass die betreffenden Familien es sich nicht mehr leisten können, ihre Kinder hier her zu schicken. Ich wünsche ihnen allen dennoch einen guten Appetit, möge das Festessen beginnen.", mit diesen Worten setzte Dumbledore sich wieder und auf allen Tischen erschienen die verschiedensten Speisen.
Harry nahm sich etwas der leicht verdaulicheren Speisen und begann langsam zu essen.
Blaise, der das mitbekam warf ihm einen besorgten Blick zu und fragte leise:
„Harry, was ist denn? Warum isst du nur so wenig?"
„Ich bin es nicht gewohnt, viel zu essen. Bis jetzt bekam ich bei meinen Verwandten gerade so viel, dass ich nicht verhungerte.", meinte Harry leise.
„Ach so. Keine Sorge, wir päppeln dich ab jetzt auf."
„Danke, aber mein Magen muss sich erst mal daran gewöhnen."
„Schon klar.", lächelte Blaise den Schwarzhaarigen an und wandte sich dann wieder seinem Essen zu.
Narzissa hatte ihm und Draco schon am Bahnhof erzählt, dass es Harry bei seinen Verwandten nicht leicht hatte und die beiden Jungen gebeten, ein bisschen auf ihn aufzupassen, was beide auch gerne taten.
Nach dem Essen und einer kurzen Ansprache Dumbledores, folgten Harry, Draco und Blaise einem Fünftklässler Namens Marcus Flint, welcher Vertrauensschüler in Slytherin war, in die Kerker von Hogwarts. Vor einer komisch aussehenden Statue blieben sie stehen und der Fünftklässler sprach das Passwort:
„Silberschuppe."
Die Statue sprang zur Seite und gab den Weg in den Gemeinschaftsraum der Slytherins frei.
Flint versammelte die Erstklässler im leeren Gemeinschaftsraum, ehe er zum Sprechen ansetzte:
„Willkommen in Slytherin. Unser Hauslehrer, Professor Snape, wird in wenigen Minuten kommen und euch die hiesigen Regeln erklären. Sollten danach noch irgendwelche Fragen sein, scheut euch bitte nicht davor, sie mir, einem anderen Vertrauensschüler aus Slytherin oder aber einen älteren Slytherin zu stellen. Euer Gepäck befindet sich bereits in euren Schlafräumen. Links sind die Räume der Mädchen, rechts die der Jungen. Ihr werdet euch immer zu zweit ein Zimmer teilen, mit Ausnahme von Lord Potter, der ein Einzelzimmer erhält. Solltet ihr im Laufe des Jahres Probleme mit eurem Zimmergenossen haben, wendet euch bitte an mich oder an Professor Snape, damit wir diese Probleme lösen können oder ihr, gegebenenfalls, das Zimmer wechseln könnt."
Kaum hatte Flint zu Ende gesprochen, öffnete sich wieder der Durchgang zum Gemeinschaftsraum und Severus betrat den Raum. Ein Zischeln ließ die Erstklässler erschrocken auseinander fahren und durch die so gebildete Gasse schlängelte sich Rowena auf Harry zu.
Dieser ging in die Knie und ließ sie sich seinen Arm hinauf und um seinen Hals winden. Dann wandte er sich an Severus.
„Ich hoffe, sie war brav."
„War sie.", antwortete Severus nur knapp. Er schien leicht enttäuscht zu sein, dass er die Schlange schon so schnell wieder hergeben musste, was Harry und Draco ein Schmunzeln entlockte.
Dann wandte Severus sich an die leicht verängstigten Erstklässler.
„Ich möchte sie alle noch einmal herzlich in Slytherin begrüßen. Bitte setzt euch doch.", mit diesen Worten setzte Severus sich in Bewegung und ließ sich auf einem der Sessel nahe des Feuers nieder. Harry, Draco und Blaise folgten als Erste seiner Aufforderung und setzten sich Severus gegenüber auf eine Couch. Langsam und mit gebührendem Abstand zu Rowena, folgten auch die restlichen Erstklässler.
Harry warf Severus einen kurzen Blick zu, mit welchem er ihn bat, kurz etwas sagen zu dürfen, woraufhin dieser ihm nur aufmunternd zunickte.
„Ihr müsst keine Angst vor Rowena haben, so lange ihr weder mich noch sie verletzt, wird sie keinem von euch weh tun."
„Beweis es.", erklang die Stimme eines braunhaarigen, etwas dickeren Mädchens.
Harry stand auf, nahm Rowena vorsichtig von seinen Schultern in beide Hände, ging auf das Mädchen zu und legte ihr die Viper in den Schoß. Rowena sah sich kurz das Mädchen an, ehe sie sich auf deren Schoß zusammenrollte und friedlich liegen blieb.
„Siehst du, sie tut dir nichts."
Langsam und vorsichtig hob das Mädchen eine Hand und streichelte, hauchzart, über Rowenas Schuppenkleid. Diese drückte sich den sanften Berührungen leicht entgegen, liebte sie doch diese Streicheleinheiten, die sie von Harry leider, ihrer Meinung nach, viel zu selten bekam.
Ein leichtes Lächeln legte sich auf das Gesicht des Mädchens.
Harry indes ging zurück auf seinen Platz zwischen Draco und Blaise, Rowena bei dem Mädchen zurücklassend.
Diese folgte Harry mit den Augen, bis sie sich absolut sicher war, dass ihrem Herrn hier nichts geschehen würde, ehe sie ihre Augen schloss und die Streicheleinheiten des Mädchens weiter genoss.
„Nachdem das nun geklärt ist, möchte ich euch die Regeln hier erklären.", übernahm Severus das Wort. „Wie die meisten von euch sicherlich wissen, wird das Haus Slytherin von den anderen Häusern gemieden und fertig gemacht. Deshalb müssen wir, anders als die anderen Häuser, als Einheit auftreten. Solltet ihr untereinander Probleme haben, klärt dies bitte im Gemeinschaftsraum. Im Gegensatz zu den anderen Lehrern werde ich euch keine Hauspunkte abziehen. Jeder von euch hat ein Punktekonto bei mir. Für Regelverstöße erhaltet ihr Punkte. Am ende des Monats wird jeder, der solche Strafpunkte erhalten hat, Strafen von mir erhalten, je nach Anzahl der Strafpunkte. Ich werde jeden Abend um halb neun hier her kommen und denjenigen, welche an diesem Tag Strafpunkte erhalten haben, mitteilen, wofür und wie viele. Ich erwarte also, dass ihr um diese Uhrzeit alle hier seid.
Am letzen Tag des Monats wird hier im Gemeinschaftsraum eine Haussitzung abgehalten. Auch hier erwarte ich volle Anwesenheit. Ihr habt diese und nächste Woche Zeit einen Vertreter eures Jahrgangs zu wählen. Dieser Vertreter ist in erster Linie für die Erstklässler Verantwortlich. An ihn könnt ihr euch wenden, solltet ihr Probleme untereinander oder aber mit jemandem aus einem anderen Haus haben. Dies dient als Entlastung der Vertrauensschüler.
Der Vertreter ist auch dafür Verantwortlich, dass die Räume der Erstklässler in tadellosem Zustand sind, wie auch für eure vollzählige Anwesenheit in der großen Halle oder aber im Unterricht. Sollte sich einer von euch also nicht wohl fühlen, muss er dem Vertreter bescheid sagen, damit dieser euch bei den Lehrern abmeldet.
Zurückgreifend auf die Anwesenheit. Wie schon gesagt ist das Haus Slytherin nach außen hin eine Einheit. Deshalb wird das ganze Haus geschlossen zu den Mahlzeiten erscheinen, weshalb ihr alle auch jeden Morgen um punkt sieben Uhr hier im Gemeinschaftsraum zum Frühstück treffen werdet. Am Wochenende gilt dasselbe, allerdings für punkt neuen Uhr.
Nach dem Essen gehen alle Slytherins wieder geschlossen in den Gemeinschaftsraum und von dort aus in Jahrgänge unterteilt in die verschiedenen Klassenräume.
Solltet ihr Freistunden oder ähnliches haben erwarte ich von euch, dass ihr gemeinsam eine Zeit und einen Ort ausmacht, an dem ihr euch trefft um wieder geschlossen zum nächsten Unterricht zu gehen. Sollten Fragen oder Probleme auftauchen, wendet auch bitte zuerst an euren Vertreter. Dieser wird sich dann gegebenenfalls mit den Vertrauensschülern oder aber mir in Verbindung setzten.
Um noch einmal auf diesen Vertreter zurückzukommen, bitte wählt ihn, oder sie, mit Bedacht, da die Person diesen Posten bis Ende eurer Schulzeit innehaben wird. Solltet ihr nicht mehr mit dem Vertreter einverstanden sein, müsst ihr alle geschlossen eine Absetzung bei mir beantragen um eine Neuwahl stattfinden zu lassen.
Habt ihr bis hier her alles verstanden?"
Ein mehrstimmiges: „Ja, Sir.", erklang.
„Sehr gut. Dann wünsche ich euch allen eine gute Nacht. Ach ja, Harry, kommst du bitte kurz mit?"
„Natürlich.", meinte Harry, stand auf und folgte Severus. Rowena nahm dies beruhigt zur Kenntnis, kannte sie Severus ja schon und wusste, dass er Harry geholfen hatte.
Severus führte Harry zu seinen Privaträumen, die nur wenige Meter vom Gemeinschaftsraum entfernt waren.
„Setz dich doch.", meinte der Tränkemeister, während er den Raum noch ein mal kurz verließ.
Harry tat wie ihm geheißen und setzte sich auf das schwarze Sofa, dass in der Nähe des brennenden Kamins stand. Neugierig ließ er seinen Blick durchs Zimmer schweifen. Der Boden war von einem grünen Teppich bedeckt, mehrere Türen führten in weitere Räume. Die kahlen Steinwände waren von Bücherregalen oder Wandteppichen bedeckt. Über dem Kamin hingen zwei Wappen. Zum einen das Wappen der Slytherins und, direkt daneben, ein Wappen mit einem schwarzen Raben, mit ausgebreiteten Flügeln, welcher einen silbernen, langen Stab in den Klauen hielt.
„Das ist mein Familienwappen.", meinte Severus, als er den Raum mit einer kleinen Tasche wieder betreten hatte und dem Blick Harrys gefolgt war.
„Es ist schön.", meinte Harry und lächelte dem Tränkemeister entgegen, welcher sich neben ihn setzte.
„Und, wie gefällt es dir bis jetzt in Slytherin?"
„Ganz gut, auch wenn ich meine Klassenkameraden noch nicht wirklich kenne. Aber ich hab ja Draco und Blaise scheint auch ziemlich nett zu sein."
„Das ist er. Ich bin froh, dich in Slytherin zu haben, dann kann ich besser auf dich Acht geben. Sollte irgendetwas sein, zögere nicht zu mir zu kommen, in Ordnung?"
„Natürlich, danke Severus. Aber sei mir bitte nicht böse, wenn ich dieses Angebot anfangs vergesse. Ich bin es nicht gewöhnt, jemanden zu haben, mit dem ich über Probleme oder ähnliches sprechen kann. Ich muss mich wohl erst daran gewöhnen."
„Keine Sorge, ich werd dir nicht böse sein. Hier, die versprochenen Stärkungstränke. Ach ja und ich hab noch eine bitte an dich. Könntest du deinen Hauskameraden morgen die Stundenpläne geben? Sie sind nach Jahrgängen sortiert, gib sie einfach an Flint weiter, dann muss er morgen früh nicht extra her kommen."
„Klar mach ich das.", meinte Harry und nahm das Täschchen mit den Stärkungstränken und sieben Kuverte die von eins bis sieben beschriftet waren, entgegen.
„Danke. Soll ich dich noch zurück zum Gemeinschaftsraum bringen? Es ist bald Sperrstunde."
„Nein, ist ja nicht weit. Also dann, gute Nacht, Severus, bis morgen beim Frühstück."
„Nacht, Harry. Ich wünsche dir einen ruhigen und erholsamen Schlaf."
„Danke.", Harry erhob sich und ging zurück zum Gemeinschaftsraum.
Erstaunt stellte er fest, dass die anderen Erstklässler noch alle zusammensaßen und scheinbar auf ihn gewartet hatten. Auch einige ältere Schüler waren zu sehen.
Nach einen kurzen Blick über den Gemeinschaftsraum entdeckte Harry Marcus Flint, der mit einigen anderen zusammensaß und redete. Zielstrebig ging er auf ihn zu und meinte:
„Mister Flint. Professor Snape gab mir die Stundenpläne mit, damit sie ihn morgen früh nicht extra aufsuchen müssen.", mit diesen Worten hielt er dem Fünftklässler die Kuverte entgegen.
„Danke, aber sag doch bitte Marcus zu mir.", meinte dieser nur nahm die Kuverte für die zweite bis siebte Klasse entgegen. Dann stand er auf und gab einem Schüler aus jedem Jahrgang das für diesen Jahrgang vorgesehene Kuvert.
Harry ging wieder zu den anderen Erstklässlern zurück und verteilte dort die Stundenpläne für den ersten Jahrgang. Dann setzte er sich zwischen Blaise und Draco, reichte den beiden noch ihre Stundenpläne und sah sich dann seinen genauer an.
Dieser lautete:
Montag:
2 Stunden Verwandlung (Slytherin/Gryffindor)
2 Stunden Verteidigung gegen die dunklen Künste (Slytherin/Ravenclaw)
2 Stunden Zauberkunst (Slytherin/Hufflepuff)
Dienstag:
2 Stunden Verteidigung gegen die dunklen Künste (Slytherin/Ravenclaw)
2 Stunden Kräuterkunde (Slytherin/Hufflepuff)
2 Stunden Zaubertränke (Slytherin /Gryffindor)
Mittwoch:
2 Stunden Zauberkunst (Slytherin/Hufflepuff)
2 Stunden Geschichte der Zauberei (Slytherin/Ravenclaw)
2 Stunden Verwandlung (Slytherin/Gryffindor)
3 Stunden Astronomie (Slytherin/Gryffindor)
Donnerstag:
2 Stunden Kräuterkunde (Slytherin/Hufflepuff)
2 Stunden Zaubertränke (Slytherin/Gryffindor)
2 Stunden Verteidigung gegen die dunklen Künste (Slytherin/Ravenclaw)
Freitag:
2 Stunden Zauberkunst (Slytherin/Hufflepuff)
2 Stunden Verwandlung (Slytherin/Gryffindor)
2 Stunden Zaubertränke (Slytherin/Gryffindor)
„Wir haben morgen zwei Stunden mit Hufflepuff und vier mit Gryffindor.", durchbrach Harry die Stille.
„Hm. Kann einer von euch schon ein paar Sprüche?", wollte ein blondes Mädchen unsicher wissen.
„Nur ein paar einfache, aber die auch nicht wirklich. Aber Zaubertränke kann ich schon einige.", meinte Draco darauf.
„Bei mir ist es das gleiche.", bekräftigte Blaise.
Ein paar wenige nickten zustimmend.
„Wie sieht's bei dir aus Harry? Ich darf dich doch Harry nennen, oder?", wollte das Mädchen, welches noch immer Rowena auf dem Schoß hatte, wissen.
„Ich kann schon ein paar Zauber, aber ob ich die mit Zauberstab hinkrieg weiß ich nicht. Und ja, ihr dürft mich alle Harry nennen, sonst komm ich mir mit der Zeit irgendwie blöd vor."
„Was meinst du mit, du weißt nicht, ob du sie mit Zauberstab hin kriegst?", wollte Blaise wissen.
Harry seufzte einmal tief, machte die für ihn schon so vertraute Handbewegung Richtung eines Tisches, der neben der Couch, auf der er saß, stand und dachte den dazugehörigen Spruch.
Sofort hob der Tisch vom Boden ab und schwebte in paar Meter über der Erde.
Nach ein paar Sekunden ließ er den Tisch zurück auf den Boden schweben.
Der ganze Gemeinschaftsraum war während dieser kleinen Vorführung verstummt und alle sahen Harry verwundert und bewundernd an.
„Du kannst stablose, stumme Magie?", fragte jemand schon fast ehrfürchtig.
„Ja, aber nur etwa zehn bis fünfzehn Sprüche.", meinte Harry beschämt grinsend.
„Nur??? Es gibt auf der ganzen Welt vielleicht zehn Zauberer, die stablose Magie überhaupt beherrschen und in dem Maß in dem du es kannst sind die bis jetzt Jüngsten davon mindestens 30.", erklang eine andere Stimme.
„Ich finde, dass es eigentlich gar nicht so schwer ist.", murmelte Harry beschämt vor sich hin. Es behagte ihm nicht, im Mittelpunkt zu stehen.
„Wie lange kannst du das schon?", fragte Draco interessiert.
„Ähm...seit ich ungefähr fünf Jahre alt bin. Da hat's das erste Mal geklappt. Ich hatte aber leider immer nur ein zwei Stunden täglich Zeit um zu üben, sonst wärens, glaub ich, mehr."
„Was für Zauber kannst du den?", wollte ein Mädchen wissen.
„Ähm, lass mal überlegen...einen Schwebezauber, einen Feuerzauber, einen Reinigungszauber, einen Aufräumzauber, zwei Verwandlungszauber, einen Lähmzauber, eine Ganzkörperklammer, einen Entwaffnungszauber, einen Lichtzauber, einen Bewässerungszauber und...,ach ja, einen Aufrufzauber."
Ein unruhiges Gemurmel erfüllte den Raum. Die meisten schienen jetzt mit ihren Freunden über die eben Erfahrenen Neuigkeiten zu Diskutieren.
Harry sank, ziemlich beschämt, immer tiefer in die Polster der Couch, sich den Blicken seiner Klassenkameraden durchaus bewusst.
„Was haltet ihr davon, wenn wir uns in einem der Zimmer versammeln und schon mal ein bisschen üben?", durchbrach Draco die Stille, die sich um die Erstklässler gelegt hatte.
„Tolle Idee, was sagst du dazu, Harry?", wollte Blaise wissen.
Angesprochener nickte nur leicht.
„Super. Dann holt jeder die Bücher für morgen und wir treffen uns vor dem Zimmer von Harry."
„Warum vor meinem?", wollte dieser Wissen.
„Weil du das größte Zimmer hast. Warst du schon dort?", fragte Blaise.
Kopfschütteln war die Antwort.
„Du hast das Zimmer bekommen, dass für den Schulsprecher vorgesehen ist, sollte er aus Slytherin kommen, da das nicht der Fall ist, wohnst du da jetzt drinnen.", erklärte Draco.
„Ach so. Na, wenn ihr meint.", seufzend stand Harry auf, gefolgt von Blaise und Draco. Er holte noch kurz Rowena von dem Mädchen zurück und ging dann, gefolgt von den anderen Erstklässlern, in Richtung Schlafräume.
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Blaise und Draco hatten nicht gelogen, wie Harry feststellen musste. Sein Zimmer war wirklich um einiges größer, als das der anderen. Besser gesagt, seine zwei Zimmer.
Nachdem er den Raum, auf dessen Tür sein Name stand, betreten hatte, blieb er erst mal ziemlich baff an der Tür stehen.
Er befand sich in einem hell eingerichteten Raum. Gegenüber der Tür befand sich ein Kamin, was in Schülerzimmern eigentlich ziemlich selten der Fall ist. Vor dem Kamin stand eine beigefarbene Couch und zwei Sessel. Dazu ein kleiner Couchtisch.
An der rechten Wand befand sich ein Schreibtisch aus hellem Holz, direkt unter einem Fenster. An den Wänden standen mehrere, noch, leere Regale. Zwischen den Regalen waren zwei Türen auszumachen, wovon eine in ein geräumiges Schlafzimmer, welches in silbern und weiß gehalten wurde, führte und die andere in ein hellgrün gefliestes Badezimmer.
Seufzend legte Harry Rowena auf dem hellen Teppich im ersten Zimmer ab. Rowena schlängelte sich sofort auf den Kamin zu, wo sie sich zusammenrollte und friedlich vor sich hin döste.
Währenddessen packte Harry, gefolgt von Draco und Blaise, seinen Koffer aus, wobei er es vorzog die Sachen durch eine leichte Handbewegung dazu zu animieren, sich selbst in die dafür vorgesehenen Schränke, Regale und Schubladen zu verräumen.
Draco und Blaise sahen dem nur staunend zu.
Zehn Minuten später hatten sich alle Erstklässler in Harrys ‚Wohnzimmer', wie Millicent, das braunhaarige Mädchen, welches mit Rowena geschmust hatte, es taufte.
„Okay, wird sollten uns erst mal überlegen, was wir alles üben wollen.", durchbrach Harry die eintretende Stille.
„Na ja, in Zaubertränke kann man ja nicht wirklich viel üben, also würd ich sagen fällt das schon mal weg.", meinte Blaise dazu.
„Das seh ich nicht so, Blaise. Wir können hier zwar keine Tränke brauen, aber wir können uns sie Rezepte ansehen und herausfinden, ob es irgendetwas gibt, dass man bei der Zubereitung beachten muss. Und auch das Theoretische darf nicht zu kurz kommen, sonst hat die ganze Übung keinen Sinn.", warf Harry ein.
„Was schlägst du also vor?", wollte Draco wissen und alle Augen waren gespannt auf Harry gerichtet.
„Na ja, wir sollten uns an den Stundeplan halten. Wir haben morgen Verwandlung, Zauberkunst und Zaubertränke, also sollten wir damit beginnen, wobei wir uns auf eine Sache daraus beschränken sollten.
Bei Zauberkunst würde ich mit dem Wingardium Leviosa beginnen. Das ist der Schwebezauber, den ich vorhin schon angewandt habe und es war auch der erste, den ich hinbekommen hab. Er steht bei uns im Buch im ersten Kapitel und zählt als Grundwissen.
Bei Verwandlung auch erst was leichtes, wie zum Beispiel ein Streichholz in eine Nadel. Die beiden Dinge sind nicht unterschiedlich groß und haben auch ein ähnliches Aussehen, weshalb es für den Anfang geeignet sein dürfte.
Und in Zaubertränke...na ja, vielleicht, dass jeder von uns sich einen Trank aus dem Buch vornimmt, das Rezept durcharbeitet und den anderen dann kurz sagt, was bei der Zubereitung vielleicht Probleme bereiten könnte. Wir sollten die Rezepte auf jeden Fall durchgehen, denn wenn man ins Brauen vertieft ist, glaub ich, kann es ziemlich leicht passieren, dass man was überließt. Wenn man das aber vorher schon mal gehört hat, wird man leichter darauf aufmerksam."
„Dann machen wirs doch so, oder hat jemand eine andere Idee?", fragte Blaise in die Runde.
Allgemeines Kopfschütteln war die Antwort.
„Dann würd ich sagen, fangen wir mit Zauberkunst an, wartet mal kurz.", mit diesen Worten stand Harry auf, ging zum Schreibtisch und holte sich Elf seiner Federkiele.
Dann reichte er jedem der Anwesenden einen.
„Man sollte immer mit was leichtem beginnen und da ich nicht weiß, ob ich's mit Zauberstab hin krieg, fang ich auch mit der Feder an.
Also, jeder von euch sucht sich eine freie Stelle im Zimmer und legt die Feder vor sich hin.
Wir üben jetzt erst mal die Handbewegung und danach die Betonung. Alle einverstanden?"
Ein allgemeines „Ja.", war zu hören und jeder suchte sich einen freien Platz.
Harrys Anweisungen folgend begannen alle zusammen den Spruch zu üben.
Nach ungefähr einer dreiviertel Stunde hatte auch der letzte seine Feder zum Schweben gebracht.
„Hey, Harry, versuchs doch mal mit was schwererem.", meinte Blaise, als Harry die Federn, die die Übungsstunde Gott sei Dank alle heil überstanden hatten, zurück in den Schreibtisch räumte.
„Und womit?", fragte dieser Neugierig. Er hatte überhaupt keine Probleme damit gehabt, die Feder schweben zu lassen, trotz Zauberstab.
„Dem Sessel.", schlug Draco vor.
„Wenn ihr meint.", schulterzuckend ging Harry in die Mitte des Zimmers, während alle anderen Platz für ihn machten.
Er richtete seinen Zauberstab auf einen der beiden Sessel am Kamin, machte die vertraute Handbewegung und sagte den Spruch.
Wie ein Pfeil schoss die Couch in die Höhe, direkt auf Harry zu.
Aufschreiend brachten sich alle in Sicherheit und der Sessel krachte an die Mauer, direkt neben der Zimmertür und landete, in mehreren Einzelteilen auf dem Boden. Einige Sekunden war geschocktes Schweigen zu vernehmen.
„Ups.", entkam es Harry leise.
Augenblicklich füllte sich der Raum mit Lachen. Nach einiger Zeit fiel auch Harry mit ins Lachen ein.
Dann wurde plötzlich die Zimmertür geöffnet und Severus schaute verwirrt ins Zimmer.
„Was ist denn hier los?", fragte der Tränkemeister, mit einem Blick auf die Überreste des ehemaligen Sessels.
Augenblicklich war Ruhe eingekehrt.
„Ähm...na ja, wir wollten ein wenig üben, für morgen und...", begann Blaise kichernd.
„Und was?"
„Da ich ja ein paar Zauber schon stablos kann, hab ich ihnen den Wingardium Leviosa mit Stab beigebracht und ihn selbst noch mal mit Stab ausprobiert. Bei den Federn war ja noch alles in Ordnung und da meinte Blaise, ich soll es doch mal mit dem Sessel versuchen...das Ergebnis siehst du ja?", antwortete Harry grinsend.
Severus runzelte die Stirn.
„Du kannst stablose Magie?", fragte er misstrauisch.
„Jep.", meinte Harry, setzte mit einer einfachen Handbewegung den Sessel wieder zusammen und ließ ihn langsam zurück auf seinen ursprünglichen Platz schweben.
„Kannst du mir sagen, warum es nicht geklappt hat?"
Seufzend betrat Severus den Raum und schloss die Tür hinter sich.
„Wolltet ihr noch mehr üben oder wars das für heute?"
„Wir wollten eigentlich noch Verwandlung üben und ein paar Rezepte in Zaubertränke durchgehen."
„Dann erklär deinen Hauskameraden, was sie machen sollen und während sie beschäftigt sind, erklär ich es dir.", meinte Severus, durchquerte den Raum und setzte sich auf die Couch.
Schulterzuckend ging Harry zum Schreibtisch, kramte dort ein paar Streichhölzer, welche zum Anzünden von Kerzen gedacht waren, hervor, verteilte sie an seine Hauskameraden und erklärte ihnen wieder Schritt für Schritt, wie sie das Streichholz in eine Nadel verwandeln sollen.
Als alle beschäftigt waren, ging er zu Severus und setzte sich neben ihn.
Erwartungsvoll sah er den Tränkemeister an.
„Du zauberst schon lange stablos, oder?"
„Seit ein paar Jahren. Warum?"
„Deine Magie ist daran gewöhnt. Stablos zaubern, noch dazu stumm ist sehr schwierig, da es ein hohes Maß an Magie und sehr viel Konzentration erfordert. Wenn du auf ein mal mit Stab zauberst, musst du, um den Zauber auszuführen, weniger Magie freisetzten, als vorher. Bei dir ist es allerdings so, dass du schon automatisch das für stablose Magie benötigte Maß an Magie freisetzt."
„Und wie schaff ich es, dass unter Kontrolle zu bringen?"
„Musst du dich bei der Ausführung der Zauber stark konzentrieren?"
„Nein, ich denke eigentlich nur daran, was ich machen möchte."
„Dann versuch es mal ohne Denke. Anstatt zu denken, welchen Gegenstand du schweben lassen möchtest, zeigst du einfach mit dem Zauberstab drauf und sagst den Spruch. Versuchs mal mit dem Buch.", meinte Severus und holte sich mit einer leichten Handbewegung ein Buch aus Harrys Regal, auf der anderen Seite des Raumes und legte es auf den Tisch.
Schulterzuckend probierte Harry, was Severus ihm vorgeschlagen hatte. Langsam hob das Buch vom Tisch ab.
„Hey, es klappt. Danke Severus."
„Nicht dafür, Harry. Aber denk bitte dran, wenn du mit Stab einen Zauber ausführst, den du stablos schon problemlos beherrscht, dann stell dir nicht vor, was du tun möchtest, sondern tu es einfach."
„Okay."
„Macht ihr das jetzt eigentlich täglich?", wollte Severus wissen, als er einen kurzen Blick in den Raum warf, wo alle dabei waren, ihr Streichholz in eine Nadel zu verwandeln.
„Wenn die anderen wollen, warum nicht. Zusammen lernen ist bestimmt einfacher, als einzeln."
„Macht aber nicht mehr zu lange. Denk dran, ihr müsst morgen früh raus."
„Geht klar. Tschau Severus."
„Tschüß.", damit verschwand der Tränkemeister wieder und ließ die Erstklässler Slytherins schwer mit dem Verwandlungszauber kämpfend zurück.
