Kapitel 2
konran – Unordnung, Verwirrung
Es
war spät geworden an diesem Tag. Akane und Ranma waren kurz
nachdem Ryoga von Akari abgeholt worden war, ebenfalls gegangen,
aber erst nachdem Ukyo sie beinahe hinausgeworfen hatte, weil sie
ständig nachfragten ob denn auch wirklich alles in Ordnung
wäre.
Mit sanfter Gewalt hatte sie die beiden schließlich
nach Hause geschickt. Die Sauerei war schon lange beseitigt gewesen
und um sich abzulenken und auch der blöden Fragerei und der
ständigen Bemutterung aus dem Wege zu gehen, hatte sie Konatsu
den halben Tag frei gegeben. Sie hatte sich danach so sehr in Arbeit
gestürzt und alles allein erledigt, dass keine Zeit mehr blieb
an das Geschehen vom Nachmittag zu denken.
Jetzt
jedoch, wo der stille Mond mit den vielen anderen Lichtern am Himmel
stand und der Abend versprach eine laue und warme Nacht zu werden,
wurde sie wieder schwermütig. Sie hatte bereits den Boden
gefegt, die Stühle mit den Sitzen nach unten weisend auf die
Tische gestellt und die Tücher in die Wäsche gegeben. Das
Geschirr, die Arbeitsgeräte und die Herdplatten glänzten,
sie hatte so sehr gescheuert und geputzt, dass sie richtig ins
Schwitzen gekommen war. Jetzt schnallte sie sich ihre Spatula auf den
Rücken und klimperte mit dem Schlüssel in der Hand. Ihre
Arme und Beine schmerzten und nicht sehnlicher wünschte sie sich
jetzt ein Bad ... und vielleicht jemanden der zuhause auf sie warten
würde um ihr den Rücken zu scheuern...
Aber dem war
nicht so... sie war allein, sehr allein...
Sie trat vor die Tür
des Restaurants und eine schwül-feuchte Luft empfing und
umgarnte sie. Die Sommernächte waren angenehm, im Gegensatz zu
der heissen Mittagssonne wenn sie hinter dem Ofen stand.
Der
Schlüssel rastete im Schloss ein, es war abgeschlossen.
Undeutlich konnte sie ihren Schatten auf der Tür sehen, es war
Vollmond und sie spürte einen stechenden Schmerz im Unterleib.
Dieses verfluchte kleine rote Etwas das sich immer im falschen Moment
zu ihr gesellte meldete sich mit Nachdruck zurück und sagte mal
wieder auf seine eigene widerwärtige Weise: Hallo, da bin ich
wieder. Keine Sorge ich bleibe nicht lange, nur ein paar Tage und
dann sehen wir uns im nächsten Monat wieder...
Ukyo ließ
den Kopf hängen und stützte sich mit einer Hand an der Tür
ab. Solche Gefühlsausbrüche wie die von heute Nachmittag
kannte sie einfach nicht von sich... vielleicht hing es ja mit dem
unangemeldeten Besucher in ihrem inneren zusammen, aber das war
natürlich keine Ausrede für das was sie mit Ryoga
angestellt hatte.
Es
war ja klar dass er sich so revanchierte wie er es mit Akari getan
hatte, auf seine Weise, eiskalt und verletzend, aber sie war ja
genauso gewesen... ... und plötzlich
etwas Gegenüberstand mit dem sie heute Abend nicht gerechnet
hatte.
Ihre Wut war schon lange verraucht und wich
Schuldgefühlen. Vielleicht, vielleicht sollte sie sich bei der
nächsten Gelegenheit entschuldigen. Es war ihr sogar schon egal
das Ranma alles gesehen hatte, er war mit Akane zusammen, das hatte
er heute mehr als deutlich bewiesen. Diese helfenden Gestiken von ihm
waren nichts weiter als freundschaftlicher Natur. Sie schluckte
schwer und seufzte während sie sich langsam herumdrehte und ihr
Blick in den Himmel hinauf glitt...
Aber Etwas war nicht der richtige Ausdruck, sondern eher
Welchen Gestalten.
Mit einem ohrenbetäubenden Krach meldeten sich die drei Nervensägen vom Dienst:
„Die
drei Ninjas sind wieder unterwegs... Kodea... Kosume und die
wunderschöne Kotetsu. Los Ukyo von U-chans Restaurant. Gib uns
Konatsu wieder und dein gut laufendes Restaurant gleich dazu und wir
verschonen dich!"
Entnervt schlug Ukyo sich mit einer Hand
ins Gesicht und schüttelte mit dem Kopf während sich ihre
Augen entnervt zum Himmel drehte.
Das durfte doch nicht wahr sein,
war es denn schon wieder soweit? Diese drei Witzfiguren von Ninjas
kamen mindestens einmal, wenn nicht sogar zweimal im Monat abends,
kurz nach Feierabend zu ihr und versuchten sie auf diese Weise zu
erpressen. Es ging ihnen nicht um Konatsu, es ging ihnen vielmehr um
Geld, denn sie waren, seit dem Konatsu bei ihr arbeitete, Chronisch
Pleite, was darauf zurück zu führen war dass sie ihre
schönste männliche Kellnerin verloren hatten und das
Restaurant der Sexy Ninja-Frauen nun Pleite gegangen war.
Normalerweise war sie großzügig, gab ihnen ein bisschen
was und ließ sie dann verschwinden, aber heute Abend hatte sie
alles andere, nur keine Lust auf diesen Blödsinn.
„VERPISST
EUCH. ICH HABE SCHLECHTE LAUNE!" schrie sie erbost und kickte
alle Drei gleichzeitig davon. Sie flogen mit verschränkten Armen
und Beinen dem Mond entgegen und warn nicht mehr gesehen. Doch sie hätte ihnen lieber ein paar
Yen geben sollen statt sie davon zu kicken, denn sie hatte die drei
Ninjas direkt vor die Füße einer verhüllten Person
geschossen die sich nun herabbeugte und die drei Ninjas interessiert
beäugte...
Jetzt
hatte sie endgültig die Nase von diesem Tag voll. Sie nahm ihren
Schlüssel und die Einnahmen und machte dass sie nach Hause kam.
Ein Bad und eine Nacht schlaf und morgen würde wieder alles ganz
anders aussehen... vielleicht würde sich sogar mit Ryoga noch
alles wieder einrenken... ihr musste nur was einfallen und sie musste
ihn allein sprechen...
Frohen Mutes und glücklich einen Teil
ihrer miesen Laune an den drei Ninjas hatte auslassen können und
kein schlechtes Gewissen zu haben brauchen, ließ sie gleich
positiver Denken.
Schwach nahm er einen Geruch an den beiden wahr...
einen Geruch den er sehr gut kannte... und der ihn interessierte...
der Geruch nach Okonomyaki...
Ryoga und Akari waren nun schon fast sechs Stunden auf den Beinen. Er konnte es sich einfach nicht erklären…
Verwirrt
kramte er wieder in seiner Tasche herum, bis er auf das kleine
vergilbte zerknüllte Etwas stieß, was er und seine Familie
Hibiki Karte nannten.
Geschäftig drehte er das kleine Stück
Papier, das viel eher an eine Kinderzeichnung erinnerte, hin und her,
während Akari ihn mit ihrer Taschenlampe beschien, die die Form
eines kleinen rosa Ferkels hatte.
„Ryoga, es ist doch ganz egal wie lange wir noch brauchen", flüsterte das Mädchen in sein Ohr. „Hauptsache wir sind wieder beisammen."
Ryoga hörte ihr gar nicht richtig zu, da er mit seinen Gedanken an tausend Orten in der Welt war, nur nicht hier und schon gar nicht bei der Karte. Er dachte an all das, was er schon erlebt hatte, daran wie Ranma ihn geärgert hatte, als Akane und Akari bei ihm zuhause waren und er nicht wusste, zu wem er gehen solle, er dachte an den Showdown in Mount Phoenix, an Saffron, an Shampoo und Mousse und an seine Kindertage mit Ranma. Irgendwie, er konnte sich nicht helfen, waren seine Gedanken in dem Moment nur für eine Sache gut, zum verdrängen, verdrängen des heutigen Tages, den Tag seiner Ankunft in Nerima, nach so langer Zeit...
Hatschi dieses Geräusch weckte Ryoga aus seinen Erinnerungen. Akari hatte sich wohl etwas erkältet, obwohl die Nächte ziemlich warm waren. Ryoga nahm seinen Rucksack ab und reichte ihr seine Decke. „Hier das wird dich wärmen", lachte er sie an und dann nahm er sie kurz in seine Arme. Akari freute sich sehr darüber und ohne es zu bemerken, war sie daraufhin eingeschlafen.
Sie
sah so friedlich aus, wenn sie schlief, dachte sich der Junge, aber
friedlich war sie doch immer... Ryoga nahm sie auf seinen Rücken
und machte sich Huckepack mit ihr auf den Weg vielleicht einmal
Nerima wieder zu finden...
Wie es der Zufall wollte, bewegte sich
Ryoga wieder Mal in einem Kreis, er war in dem kleinen Wäldchen
angelangt, das neben der Furinkan-Oberschule lag. Er war schon so oft
dort gewesen doch dies half ihm auch nicht weiter. Während Ryoga
so vor sich hin trottete. Da entdeckte er zwei Gestalten in dem Wald,
Schatten huschte auf dem Weg. Kampfbereit brachte sich Ryoga in
Stellung, nachdem er Akari und seinen Rucksack sicher hinter einem
Busch versteckt hatte. Er versteckte sich ebenfalls hinter einem
Busch und wartete ab was passieren möge. Doch die Personen
schienen sich nicht wirklich ihm gegenüber zu nähern.
Stattdessen fanden die beiden nach einiger Weile viel mehr einen
Gleichklang im Takt und setzen sich auf den alten Baumstumpf, der
ganz in seiner nähe war. Als Ryoga etwas hervorlugte, bemerkte
er, dass die beiden wohl in Liebespaar zu sein schienen, denn ihre
Schatten lagen nun nahe beieinander. Sehnsüchtig dachte Ryoga
nun auch daran wie er dort sitzen würde, mit ... Schnell
schüttelte er diese wirren Gedanken ab und machte sich auf den
Weg zu den Personen dort vorne, um sie nach dem Weg zu fragen. Beim
genaueren Hinsehen wurde ihm nun endlich klar, um wen es sich
handelte.
„Akane? Ranma...? Was … was macht ihr denn hier?" brachte er da erstaunt von sich. Ranma war der erste, der sich bei diesen Worten rührte. Irgendwie hatte Ryoga das Gefühl die beiden bei etwas ertappt zu haben.
„Hey Ryoga!..", lachte sein Freund.
„Wir...wir haben dich gesucht.", führte Akane den Satz schnell zu Ende. Dies war allerdings wirklich der Fall gewesen. Nachdem sie mit Ranma vom Tendo-Hause bei Ryoga angerufen hatten und wie sie sich schon dachten niemand abgenommen hatte, machte sich Akane Sorgen und Ranma wusste, dass Ryoga nicht weit gekommen sein mochte. Allerdings haben die beiden während ihres Spazierganges nicht nur über Ryoga geredet...
Ranma schlug Ryoga daraufhin vor, die Nacht erstmal bei ihm und Akane zu verbringen, da es nun ohnehin zu spät war, um Ryoga nach Hause zu bringen. Der Junge willigte ein und Ranma nahm ihm Akari ab, da Ryoga ziemlich erschöpft dreinblickte. So machten sich alle drei auf den Weg.
Akane und Akari hatten sich mittlerweile schon Schlafen gelegt, als Ryoga und Ranma ein Gespräch im Garten der Tendos führten. Ryoga war so lange weg gewesen und Ranma wollte wissen, was er alles Neues gesehen hatte. Das war genau das, was Ryoga nun brauchte. Ranma brachte ihn auf total neue Gedanken und das tat ihm richtig gut. Begeistert erzählte er von allem, was passiert war, und dass er auch in China war, im Dorfe der Amazonen, wo er Shampoo und Cologne wieder getroffen hatte. Sie waren nach der Hochzeit auch erstmal wieder zurückgegangen, doch nun müssten sie sich auch wieder auf den Weg nach Nerima befinden, um das Cat Café weiterzuführen und Shampoo wollte Mousse Wiedersehen, da er sie zu einem Duell herausgefordert hatte. Dies konnte sie sich natürlich nicht entgehen lassen. Dabei hatte sie ihm einige Exemplare ihrer Seife mitgegeben, durch die sich die Flüche von Jusenkyo für einige Stunden abhalten ließen. Er kramte zwei davon aus seiner Tasche und gab sie Ranma
„Als verspätetes Hochzeitsgeschenk", fügte Ryoga noch lächelnd hinzu. Doch sein Freund schüttelte schnell ab und so erfuhr Ryoga, dass die Hochzeit noch gar nicht wiederholt wurde. Ranma nahm die Seife trotz allem dankend an sich aber er verspürte einen Drang nun schnell das Thema zu wechseln, denn wenn es um Akane ging, wollte er mit niemandem darüber reden, außer mit sich selbst und natürlich mit Akane, wenn es die Situation ergab.
„Ryoga, wegen heute noch Mal", begann Ranma ernst. „Du solltest dich bei Ukyo entschuldigen...", Ranma war in dem Moment gar nicht mehr klar, wie alles passiert war und dass Ryoga nun wirklich keine Schuld traf. Ryogas Miene wurde sofort düster und er erhob sich mit einem Grummeln.
„RANMA! Wieso sollte ich das denn überhaupt tun! Mich hat keine Schuld getroffen, ich wollte nur helfen!"
Ryogas Gegenüber erhob sich daraufhin auch und grinste ihn an. „Was lachst du denn so blöd?", wollte Ryoga wissen. Da hob Ranma nur seine Ellenbögen an und verschränkte seine Arme nicht wissend hinter dem Kopf.
„Also das ist doch egal. Was ich meine, ist dass ihr euch aussprechen solltet ...denn", nun hielt er kurz inne, „…Denn Freunde verzeihen sich doch und du wirst auch ihr verzeihen können, außerdem kannst du sie dann wieder sehen."
Gerade wollte Ryoga Ranma anbrüllen und ihn fragen weshalb er denn so brennend darauf bestehen solle dieses Weibsstück wieder zu sehen, doch er beherrschte sich, da es ja schon mitten in der Nacht war, also knirschte er nur mit den Zähnen und ballte eine Faust. Andererseits hatte Ranma irgendwo Recht.
Beide beendeten so ihr Gespräch und fanden sich im Dojo ein, wo sie nun neben Genma ihre Nachtruhe fanden.
Ukyo
hatte es nach diesem endlos erscheinenden Tag endlich geschafft ihre
Kleider unordentlich auf den Boden des Vorraums zu ihrem Bad zu
verteilen, sich ordentlich abgeschrubbt und sich gleich wohler in
ihrer Haut gefühlt. Ganz so als hätte sie den schlechten
Tag einfach von sich herunter gewaschen. Ihre Kleider würde sie
später in den Wäschekorb schmeissen, das hatte Zeit. Was
keine Zeit mehr hatte war das Bad das schon viel zu lange auf sie
wartete.
Endlich glitt sie mit einem Fuß in das angenehm
heisse Wasser hinein und hielt sich geschickt am Rand fest während
sie das andere Bein hinterher zog. Warme Nachtluft quoll herein, sie
hatte das Fenster geöffnet, aber immerhin den Vorhang davor
gehängt, schließlich wollte sie keine Spanner
anziehen.
Mit einem zufriedenen Seufzen glitt sie mit ihrem ganzen
Körper ins Wasser hinein und schloss geniessend die Augen
während ihr Kopf auf der Kissenrolle zum liegen kam.
Der
pochende Unterleib war jetzt nur noch ein schwindender Gedanke der
jemand anderem gehörte... aber die Gefühle, die gehörten
noch immer ihr...
Das flackern der Kerzen, die die einzige
Lichtquelle im Raum darstellten und eine romantische Atmosphäre
schafften, ließen sie ein wenig wehmütig werden. Leise
plätscherte das Wasser als sie sich bewegte und einer Kerze beim
flackern zusah.
Jetzt tat es ihr erst recht leid was sie mit Ryoga
abgezogen hatte... nichts würde sie jetzt davon abhalten sich
bei ihm zu entschuldigen, schließlich war es ein langjähriger
Freund, der ihr sogar schon geholfen hatte, vielleicht mit Ranma
anzubändeln... aber geholfen war eher das falsche Wort, sie
hatte ihn als Mittel zum Zweck missbraucht, jedenfalls wenn sie an
die Szene in den Geistergrotten dachte.
Sachte schloss sie ihre
Augen und ihre schmerzenden Glieder entspannten sich. Es tat ihr
jetzt sogar Leid dass sie ihn missbrauchte denn irgendetwas in ihrem
Inneren pochte sehr stark gegen ihre Brust wenn sie an ihn dachte...
und das war vor diesem heutigen Tage nicht gewesen.
Sie würde
sich bei ihm entschuldigen sobald sie ihn wieder traf und sie würde
versuchen die Freundschaft zu retten... sie würde es schon
hinbekommen, irgendwie...
Langsam drifteten ihre Gedanken ab. Die
wärme lullte sie ein, sie begann zu dösen...
Ryoga währenddessen hatte sich den Vorschlag Ranmas noch einmal deutlich durch den Kopf gehen lassen und beschloss nun auch noch einmal mit Ukyo reden zu wollen. Probleme aus der Welt zu schaffen, konnte ja nur Gutes an sich haben und zu schämen brauchte er sich auch für nichts.
„Also
was solls...", murmelte er kurz, als er sich langsam aus Ranmas
Fanggriff befreite, denn Ranma hatte im Schlaf alle Vieren weit von
sich geschlagen und Ryogas Hals war darin eingeklemmt. Ryoga wollte
lieber früher als später aufbrechen, da er ja wusste wie es
um seinen Orientierungssinn stand. Aufgrund der Tatsache dass es zu
U-chans an sich von den Tendos nur um einen Fußmarsch von
fünfzehn Minuten handelte, dürfte er in rund vier Stunden
da sein, rechnete er kurz nach.
So machte er sich früh in der
Morgendämmerung auf den Weg.
Er bog gerade in eine der für
ihn zahllosen Gassen Nerimas ein und ihm kam bei diesem Stück
des Weges ein mulmiges Gefühl auf. Ist hier nicht früher
auch immer etwas passiert, als er mit Ranma, Mousse und den anderen
im Kampf durchhetzte? Doch weiter kam der Junge mit seinen
Überlegungen gar nicht, da traf ihn schon ein Schwall kaltes
Wasser von der alten Frau, die durch einen wohl unerklärlichen
Zufall erneut Wasser aus ihrer Schöpfkelle auf die Strasse warf.
Das darf doch nicht wahr sein, dachte er ziemlich genervt, doch das
Glück sollte ihn noch weiter verlassen. Ziemlich eilig war er
nun auf dem Weg schnell heißes Wasser zu finden, doch er konnte
seine Kleider nicht einfach auf dem Gehweg liegen lassen, sonst wäre
er ja nackt, wenn er sich wieder zurückverwandelt. Irgendwie
musste es ihm gelingen die Kleider mitzunehmen.
Genervt kraxelte
er zu dem Haufen Klamotten, der sich nun nass neben ihm befand, doch
es sollte noch nicht dazu kommen, dass er sie wieder in seinen Besitz
bringen konnte.
Der Nebel der frühen Morgendämmerung
ließ zunächst nur einen flüchtigen Schatten am
Horizont erscheinen, doch dieser kam umso schneller und gewaltiger
auf Ryoga zu, besser gesagt der Schatten benutze einfach den
Fahrradweg des Bürgersteiges. Kaum versah sich das Ferkel, da
flitzen auch schon die Reifen eines altbekannten Fahrrades knapp vor
seinen Augen vorbei und eine kleine Gestalt mit einem Stock hüpfte
der Erscheinung hinterher. Das konnten nur Shampoo und ihre
Urgroßmutter gewesen sein, die nun wieder in Japan angekommen
zu sein schienen. Aber Zeit für ihn diese Tatsache zu verdauen
blieb nicht, denn der Fahrtwind hatte seine Kleider hoch gewirbelt
und diese befanden sich nun auf der Kühlerhaube eines
vorbeibrausenden Autos.
„QuIIkekKkKK", schrie der Kleine da von sich und versuchte so schnell wie möglich wieder an den Wagen heranzukommen.
Als der Wagen beim nächsten Haus auch schon stehen blieb, gelang es ihm sich auf die Kühlerhaube zu schmeißen und in seine Klamotten zu schlüpfen so gut das eben als Ferkle möglich war. Allerdings war er wohl mit zuviel Wucht auf den Wagen gesprungen, sodass die Haube mit einem gewaltigen Knall rückwärts aufsprang. Schon im nächsten Augenblick befand sich der Junge, in Gestalt eines kleinen schwarzen Ferkels, im Sturzflug in eine andere Richtung. In ihm drehte sich alles und die Welt bestand nur noch aus vielen Sternen. Aber da jeder Flug ja ein Ende haben muss, so hatte es auch dieser und Ryoga flog durch eines der offenen Fenster in eines der Häuser in der Nähe. Er setzte hart auf und merkte nur noch wie er eine Kanne voll heißem Wasser umwarf und mit der Gewissheit nun wieder ein Mann zu sein, fing auch schon erneut sein Tiefschlaf an, da sein Schädel nun auf die harte Wand des Raumes zuraste.
Ukyo wurde mit einem unfreiwilligen Ruck aus ihrem Tiefschlaf gerissen... was war denn das? Lauwarmes Wasser umspülte ihren Körper, die Vögel zwitscherten und die Sonne schien strahlend zum sperrangelweit geöffneten Fenster hinein, in dessen Blickfeld Ukyo lag und jetzt etwas an diesem Anblick vermisste...
„Wo... wo ist denn mein Vorhang abgeblieben?" murmelte sie noch halb im Schlaf und schüttelte ihren Kopf während sie sich halb aufrichtete. Verschlafen rieb sie ihre Augen, sie hörte wie die Kissenrolle ins Wasser fiel mit einem platschen. Schnell drehte sie sich herum und fischte das Ding aus dem Wasser heraus. „Verdammt, ich muss mir abgewöhnen in der Wanne zu schlafen!" mahnte sie sich selbst und bemerkte ihre runzelige Haut. „Ich sehe aus wie ein verquollenes Spanferkel..." heulte sie empört auf als sie ein Blubbern neben sich bemerkte. Schnell warf sie das Rollenkissen beiseite und blickte sich um, doch da war niemand der das Blubbern verursachen konnte... Sie blickte auf das Badewasser hinab und erkannte dort unter der Wasseroberfläche etwas. Sofort zog sie ihre Beine zu sich heran und kreischte laut auf, als sie erneut Blasen an der Oberfläche sah und drückte sich an das andere Ende der Wanne.
„Ein...
ein Spanner... ein Perverser!" schrie sie bibbernd und griff mit
zittrigen Fingern nach dem erstbesten Handtuch in ihrer nähe.
Das
war ja ein herrlicher Start in den nächsten Tag hinein.
Wieder
blubberte es und sie wimmerte leise vor sich hin. Doch schließlich
hielt sie inne... was war sie eigentlich, eine Kampfsportlerin oder
eine Maus?
„Eine Maus jedenfalls nicht!" zischte sie nun entschlossen und erhob sich langsam aus dem Wasser, vollführte dabei eine grazielle Bewegung mit beiden Armen und band sich das Badetuch um die Brüste, es reichte zum Glück bis unter die Hüften hinab.
„Du
kannst was erleben... dich schmeisse ich achtkantig wieder hier
raus!" knurrte sie und griff nun nach ihrer Spatula, ohne die
sie niemals badete.
Doch sie wollte nicht sehen wer da in ihr Bad
eingedrungen war, und ausserdem hatte sie doch ein bisschen
mädchenhafte Angst. Also griff sie erstmal nur nach der Waffe
während ihre Knie gegeneinander schlugen weil ihre Beine so sehr
zitterten. Wieder blubberte es... nicht mehr lange und der Spanner
würde ertrunken sein. Wenn es etwas Schlimmeres gab als einen
lebenden Spanner in der Badewanne dann war es ein toter Spanner in
der Badewanne.
Es half nichts, sie musste es hinter sich bringen.
Mit einem wütenden Schrei stapfte sie nun durch die Wanne
hindurch, schloss die Augen während sie die Spatula über
ihr kreisen ließ und den Kopf zur Seite neigte.
„FAHR
ZUR HÖLLE DU ELENDER SPANNER!" schrie sie, traf ihren
Peiniger ziemlich zielgenau und schleuderte ihn und einige
Wassermassen mit ihm hinaus durch das große und breite Fenster
in den strahlenden Morgen hinein.
Sie hörte den Flugwind des
Spanners und wie er sich langsam entfernte. Ein erleichterter Seufzer
verließ ihre Brust und sie entspannte sich langsam während
sie die Augen öffnete.
Das Bad war in einem erbärmlichen
Zustand. Der Vorhang war herab gerissen und das Bad stand unter
Wasser.
Entnervt seufzte Ukyo nun auf und ließ den Arm der
die Spatula hielt, herabhängen.
„So was Blödes ... so einen Tag zu beginnen." murmelte sie und machte sich daran das Chaos wieder aufzuräumen.
Ryoga erwachte aus seinem unfreiwilligen Schlaf, doch es waren nicht die Vögel im Wald die ihn weckten, es war auch nicht sein Wecker daheim, den er, wenn er denn mal zuhause schlief, auch gleich immer benützte, es war sein Schädel der gewaltig dröhnte. Mit einem schmerzlichen Laut richtete er sich langsam auf und kniff die Augen fest zusammen. Er rieb sich die Stelle die am meisten wehtat, direkt auf seiner Stirn.
Er spürte bereits den Bluterguss, auch Beule genannt, die sich langsam unter seiner Hand wölbte.
„Na toll, so sollte ein Tag immer beginnen. Erst in ein Ferkel verwandelt werden, dann die Klamotten verlieren und schließlich und letztendlich auch noch...", er verstummte und blinzelte in die Gegend. Angenehm kitzelte das Gras auf seiner nackten Haut während die Sonnenstrahlen seine nasse Haut trocknete, aber ihm keine Wärme brachte. Er nieste und blickte bei dieser Gelegenheit gleich an sich herab. Er war Splitterfasernackt! Wo waren denn seine Klamotten schon wieder? Wo waren sie gelandet nachdem die Motorhaube ihn und seine Kleidung durch die Luft geschleudert hatte? Aber war es nicht viel wichtiger zu fragen wo er gelandet war dass er wieder ein Junge war? Doch irgendwie war auch diese Frage nicht wichtig, denn viel wichtiger war dass er hier nackt wie Gott ihn Schuf in einem Vorgarten vor einem Haus in Nirema saß und sämtliche Leute ihn sehen konnten, unter anderem auch Akane... oder noch schlimmer Akari... oder ganz schlimm... Ukyo...
Sofort riss er seinen Kopf empor und sah sich mit einem Mal Mousse gegenüber, der in den Vorgarten hineinblickte, in dem er saß. Er war leicht hinter einem Busch versteckt, wie er schnell und erleichtert bemerkte, doch er quietschte doch erschrocken auf als Mousse nun seine Brille zurecht rückte und sich über den niedrigen Zaun beugte. Ausgerechnet der, er war doch so blind wie ein Maulwurf.
„Was machst du da, Shampoo? Machst du Sonnenbaden? Ich dachte du musst arbeiten." meinte er und ein merkwürdiges Grinsen erschien auf seinem Gesicht.
„Soviel nackte Haut..." murmelte er verträumt und Ryoga erkannte dass der Blindfisch anscheinend in der Lage war Farben zu unterscheiden.
„Ich
bin nicht Shampoo und nun verschwinde du Maulwurf!" schrie er,
sprang auf, bedeckte dabei seine Blöße und glitt hinter
den Busch der hinter ihm stand, nahe der Hausmauer.
Mousse zuckte
zurück, wurde leicht rosa um die Nase und murmelte ein
„T´schuldigung, die Dame", ehe er sich umdrehte und
endlich verschwand. Er war anscheinend nicht nur halb blind sondern
auch noch halb taub, denn er hatte Ryoga an der Stimme nicht erkannt.
Dieser hockte nun hinter dem Busch und vergrub die Hände
ins Gesicht. Wie sollte er nur in diesem Zustand Ukyo unter die Augen
treten und mit ihr reden? Es war immer dasselbe wenn er sich in ein
Ferkel verwandelte... immer passierte etwas, immer verlor er seine
Klamotten, immer war er der Dumme am Ende. Er lehnte sich genervt
gegen die Hausmauer, und zuckte wieder zurück. Es hatte sich
nicht kalt angefühlt, sondern eher weich, wie Baumwolle...
Er
drehte sich gänzlich herum und ein breites lächeln erschien
mitten in seinem Gesicht als er seine Hose und sein Hemd erkannte,
die irgendwo an einem Mauervorsprung hängen geblieben sein
mussten. Erleichtert pflückte er sie, zog sich noch hinter dem
Busch an und trat wieder auf die Straße hinaus. Er zog es vor
sich wieder bei den Tendos zu verkrümeln, sofern er sie vor dem
Mittagessen fand, was er sich wünschte, denn er hatte bereits
jetzt Hunger. Ärgerlich schlurfte er Barfuß über den
staubigen Boden und dachte daran dass er wohl hätte Frühstücken
sollen ehe er sich auf den Weg zu Ukyo gemacht hatte. Wieder nieste
er, sein Schädel brummte, er würde sich bei den Tendos
erstmal verarzten lassen.
Der jemand mit dem ich mich
anscheinend angelegt habe, hatte einen ganz schön harten Schlag
an sich , dachte er etwas wehleidig und rieb sich die schmerzende
Stirn während die Leute ihm hinterher blickten und sich
wunderten warum er nass, ohne Schuhe und anscheinend planlos, durch
die Straßen lief...
