Sofias Brust hob und senkte sich in ruckartigen Posen, wie es Erschrecken meist zur Folge hatte, während ihre Liegende Position diesen Effekt allein verstärkte. Die Überraschung war bei Ryans Worten aus ihrem Gesicht gewichen, als hätte man sie davon gewischt und was zurück blieb erinnerte an den leisen Anflug eines Lächelns. Er wollte ihr das Tanzen lehren? Nun, vielleicht verstand der alte Narr nicht, dass die Lamb selbst all diese Gebärden besser beherrschte, als die meisten anderen, allenfalls sogar besser als ihr Erfinder Andrew Ryan selbst. Gut lesbar schimmerte all dies durch ihr Schmunzeln hindurch, sickerte durch die Luft wie Wassertropfen gefangen in einem Vakuum und fanden schließlich ihren Weg zu Ryan, der es wohl noch einmal besser wusste.
Seine Augen tasteten sich langsam über die Erscheinung der Blondine, während sein Blick in stiller Diskretion, von nicht minder ruhiger Zufriedenheit kündete – ihn gefiel war er sah. Ob dies wohl allein daran lag, dass er wieder einmal über die allzu euphorische Psychiaterin dominierte, oder gar andere Gründe hatte, das wusste wohl nur der Erbauer Raptures selbst. Doch eines war nicht zu leugnen, Sofia Lamb stellte trotz ihrer verwirkten politischen Einstellung eine begehrenswerte Frau dar, eine Art Trophäe, wenn man es so wollte. Der Griff um die Hüfte der jungen Frau intensivierte sich leicht, seine Fingerspitzen vergruben sich im weichen Stoff des roten Kleides, und beinahe vermochte Andrew Ryan die natürlich pulsierende Wärme unterhalb der Kleidung zu verspüren. Seine dunklen Augen zogen langsam ihre Wege, sodass deren Regung kaum ersichtlich war, während sie dann und wann über die verlockendsten Körperpartien einer Frau strichen, jedoch keines Falls den Eindruck erweckten, als schämten sie sich gar dafür. Sofia registrierte seinen Blick und das Lächeln, welches sich um ihre zarten Lippen gekringelt hatte gewann an Intensität, während ihre Augen in der Luft stumm, und zu gleich fordernd nach den seinen suchten, bis sie sich schließlich begegneten, und die Amerikanerin ihre Beine in einer flinken Geste um seine Lendengegend wand, sodass Ryan und sie noch ein Stück näher aneinander rückten. Mittlerweile war es nicht einmal mehr möglich zwischen den Schoß der Dame, und der Lendengegend des Herrn einen Strich zu ziehen, geschweige denn eine Hand dazwischen zu schieben – demnach war auch Sofias Kleid noch weiter nach oben gerutscht, warf auf ihren Oberschenkeln und ihrer Hüfte Falten, ja versprach sogar einen winzigen Schatten von schwarzer Spitzenwäsche… doch Ryans Blick blieb an ihren Augen haften, als habe er es nicht nötig sich an ihrem Anblick zu ergötzen. Nein, warum auch? War es ihm als Herrscher von Utopia nicht möglich eine jede Frau an einem jeden Ort zu bekommen, wann immer es ihm danach gelüstete? Und gewiss war er kein Mann der stumpfen Wollust, wie sonst blieb er derart beherrscht bei einem Anblick, der so manchen Herrn zum Vergessen gebracht hätte? Nichts desto trotz zog er Sofia ein letztes Mal energisch zu sich, sie stießen beinahe unanständig gegen einander, und im gleichen Moment passten sich die Beine der Ärztin der neuen Position an, verhinderten jedes voneinander gleiten ihrer beiden, noch gänzlich bekleideten Körper und verdeutlichte auf ganz eigene Art und Weise, wie weit sie doch bereit war zu gehen.
Wieder war es Ryan, der den nächsten Schritt machte. Langsam glitten seine Hände von ihren Hüften, ebneten sich ihren Weg über den gerafften Stoff, bis sie schließlich mit einem Schlag auf die warme Haut seines Gegenübers trafen – nicht einmal Strümpfe trug sie, dieses Luder, wie er fand. Ja, sie schien unter der Berührung beinahe zu erbeben, wie schon zuvor, bei dem doch recht scheuen Kuss, breitete sich ein sanftes Kribbeln und Vibrieren in ihren Nerven aus, ob ihres Kontaktes, was Ryan dazu verleitete noch tiefer zu gleiten, wenngleich etwas grober. Sofia spürte die leicht rauen Flächen seiner Hände, konnte sich vorstellen, dass diese viel mehr tun könnten, als Briefe zu unterzeichnen und Siegel zu setzen, sie atmete betont leise und beherrscht aus, und dennoch, wie üblich, wenn man versucht besonders geräuschlos zu sein, vernahm Andrew augenblicklich ihre Regung und nahm das leichte Beben in ihrem Atem als das positive Zeichen auf, dass es war. Ein fast schon schelmisches Grinsen breitete sich auf seinen Zügen aus, während seine Hände zeitgleich stets tiefer glitten, und schließlich die warme Haut ihrer Innenschenkel berührte.
Seine Berührungen wurden sanfter, wirkten routiniert und gekonnt, während Sofias Blick abriss, sie es nicht länger vermochte dem nachdrücklichen Kontakt und dem nicht minder festen Blick Stand zu halten, ihre Lippen öffneten sich einen Spalt breit, heiß drang die Luft daraus hervor. Ryans Hände fanden rasch ihren Weg unter ihre Kleid, ebneten sich über ihre Schenkel, um diese zu um Runden und das blutrote Kostüm über ihren Allerwertesten zu streifen, selbstverständlich nicht, ohne diesen dabei in einer jeder seiner Handflächen zu berühren. Seine Hände fühlten sich warm an, auf Sofias glatter Haut, während sie zugleich angenehm rau über ihren Körper glitten und der bittersüße Kontrast Lamb beinahe an ihre persönlichen Grenzen zu trieben schien. In ihrem Kopf überschlugen sich die Gedanken, rasten wie ungebändigte Splicer auf der Suche nach Adam, was geschah hier nur? Mit den Momenten war all das Kalkül, mit welchem sie zu Beginn diesen Raum betreten hatte verschwunden, all die berechnenden Gedanken, welche sie auf diesen Schreibtisch gebracht hatten. Nur noch dumpf nahm sie das Geschehen um sich herum wahr, einzig und allein die Finger des politischen Gegners waren es, welche sie noch in der Wirklichkeit hielten, während die Gedanken der Lamb sich längst wie Abtrünnige davon gestohlen hatten, willig ihre eigenen Wege zu gehen. Schnell hatte sich der Spieß gedreht, wenn er nicht schon die ganze Zeit in dieser Position gestanden war.
„Erinnern Sie sich?", drang Ryans Stimme schließlich erstaunlich leise aus der unbändigen Stille hervor, und durchbrach sie, ohne dem leisen Flimmern der Begierde im Raum etwas anhaben zu können. In einem Lächeln entblößte Sofia ihre strahlenden Zähne, obwohl ihre Lider geschlossen blieben. „Ehrlich gesagt…", sie unterbrach sich in einer künstlerischen Pause, und als sie wiederholt zu Worten ansetzen wollte, ließen Andrew Ryans liebkosende Finger von ihrem Po ab, um sich bis zu ihrer Hüfte zu drängen, und sie schließlich an sich zu ziehen, zum aufrechten sitzen zu bringen. Sofia ließ ihn gewähren, wehrte sich nicht, und wollte es auch längst nicht mehr. Endlich wieder mit dem Erbauer der Stadt auf Augenhöhe, schlug sie ihre Äugelchen in sinnlicher Geste auf, sein Blick traf den ihren, ihre Lippen berührten sich, diesmal herrischer, mutiger…
Die ersten Tanzschritte gelangen, der Herr übernahm die Führung und die Dame folgte.
