Hier hat sich ebenfalls net viel geändert... also wundert euch nicht xD
Um acht gingen Jake und ich herunter in den Stripclub. Er befand sich in einem Nebengebäude vom Haus der Blacks. Der Barkeeper, Olly, stand schon hinter der Theke und polierte Gläser. „Ah, Bella, Jake. Ihr kommt gerade richtig. Heute wird's mal wieder ganz schön voll. Ein Junggesellenabschied wird zum regulären Betrieb hier auch noch gefeiert." Er drückte Jake den Lappen in die Hand, damit dieser das Gläserwischen übernahm.
Ich band mir die Schürze um und putzte die Tische. Angela, eine der Stripperinnen trat gerade aus der Tür mit der Aufschrift: Nur Personal. Dort befanden sich die Umkleiden.
Sie trug einen langen schwarzen Latexmantel und hochhackige, schwarze Lackstiefel.
Angela war die aufregendste Person, die ich kannte und abgesehen von Jake war sie meine beste Freundin. Ich bewunderte sie für ihr Selbstbewusstsein und ihren Wagemut. Man musste sich nur das genaue Gegenteil von ihr vorstellen, und schon war man über meine Person ausreichend informiert. „Hey, Bella" Angela umarmte mich. „Hi, Ang." Sie lehnte sich über den Tresen und küsste Jake. Die beiden waren schon seit einem Jahr zusammen. Angela war vier Jahre älter als Jake und ich, sie hätte jeden anderen Job haben können, mit ihrer tollen Ausstrahlung, doch sie liebte ihren Beruf. „Das macht mir einfach Spaß", sagte sie immer.
Während sich das Lokal langsam füllte und Angela, Naomi, Patricia und Elaine mit ihrer Show loslegten, vergaß ich den drohenden Umzug. Ich hatte keine Zeit, mir darüber Gedanken zu machen, denn ich kam vor lauter Arbeit kaum noch zu Atem. Jake und ich waren zum Glück ein eingespieltes Team, nur deswegen schafften wir es, die ganzen Gäste zu zweit zu bedienen. Jakes Mutter, Evelyn half Olly bei der Getränkeausgabe und sein Vater, Billy, schleppte ständig neue Bierkästen und andere alkoholische Getränke aus dem Lagerraum. Freitags und samstags war immer am meisten los. Seit zwei Wochen waren Sommerferien, sodass ich mehr arbeiten konnte als das sonst der Fall war.
Angela kämpfte sich zu mir durch die Menschenmenge. „Billy lässt fragen, ob du heute wieder singen willst?", brüllte sie mir ins Ohr. Der laute Bass der Musik wummerte in meinen Ohren. „Ich würde ja gern, aber es ist einfach zu viel los", brüllte ich zurück. „Olly kann mich gerade nicht entbehren." Ang lächelte mich an und nahm mir das Tablett mit den Gläsern aus der Hand. „Schon okay. Ich übernehme für dich. Naomi, Patricia und Elaine tanzen ohne mich weiter." Ich gab ihr dankbar ein Küsschen auf die Wange und verdrückte mich auf die Bühne. Ich setzte mich auf einen Schemel am Bühnenrand, während sich die Mädels in neuen Outfits auf die Bühne getanzt kamen. „Welche Nummer sollen wir zuerst machen?", fragte ich Patricia. Sie dachte kurz nach. „Am besten fangen wir mir Lady Marmelade an und machen dann mit Express und Somethings gotta hold on me weiter", schlug sie vor.
Christina Auguilera-Songs waren meine absolute Stärke.
Ich gab Jakes Bruder, Sam ein Zeichen und nach dem Discohit von eben erklangen die Ersten Töne von dem Musikplayback von Lady Marmelade.
Ich holte tief Luft und sang mit bester Reibeisenstimme:
Hey sister, go sister, soul sister, flow sister
Hey sister, go sister, soul sister, flow sister
He met Marmelade down in old Moulin Rouge
Struttin´ her stuff on the street.
She said, Hello, hey Joe, you wanna give it ago?
…
Das Singen entspannte mich und Patricia, Naomi und Elaine gaben alles. Das Publikum, hauptsächlich bestehend aus Männern, johlte und pfiff. Ich hatte nie Gesangsunterricht bekommen, weil das viel zu teuer für uns gewesen wäre, doch Singen war etwas, dass ich einfach beherrschte. Ich konnte es einfach.
Ich würde das hier schrecklich vermissen.
Als ich ausgelaugt und müde aus Jakes altem Toyota Corolla stieg und ihm ein Küsschen zum Abschied auf die Wange drückte, bemerkte ich, dass im Haus noch Licht brannte.
Es war halb Fünf Uhr morgens! Ich hörte, wie Jake den Motor aufheulen ließ und davon fuhr. Eilig schloss ich de Haustüre auf und stolperte über einen Berg Umzugskartons, die sich im Flur stapelten. Vorsichtig stieg ich über die Kisten und hielt mich vorsorglich noch an der Wand fest. In der Küche herrschte ein heilloses Durcheinander. Renee hatte anscheinend unbedingt schon mit dem packen anfangen wollen. Ich schüttelte, halb entsetzt, halb amüsiert den Kopf. Im Wohnzimmer lag Renee auf dem Sofa und schlummerte friedlich vor sich hin. Ich deckte sie mit einer Wolldecke zu und löschte die Lichter, dann ging ich hinauf ins Bad, putze mir im Schnellverfahren die Zähne und schlüpfte ins Bett.
Ich wachte erst am Nachmittag wieder auf und polterte nach einer ausgiebigen Dusch die Treppe herunter. Renee saß zwischen ihren zahlreichen Umzugskartons auf dem Boden und stopfte willkürlich irgendwelchen Krempel hinein. Ich schnupperte, irgendwie roch es ziemlich verbrannt. „Bella, Schatz, hast du gut geschlafen?", fragte sie und lächelte ihr Renee-Lächeln. „Ja, hab ich", sagte ich. „Du musst die Sachen sortieren, Mom. Und meine Pflanzen lässt du lieber mal in Ruhe", fügte ich ein bisschen ungeduldig hinzu, als sie eine meiner Topfpflanzen zu den CDs in den Karton packen wollte. Renne lächelte entschuldigend. „Es scheint so, als sei ich wirklich zu nichts zu gebrauchen... Zum Glück habe ich so eine schlaue Tochter." Sie lachte und ich musste automatisch auch grinsen. „Ich hab dir Frühstück gemacht", sagte sie plötzlich und sprang auf. Ich hüstelte und versuchte so mein Lachen zu tarnen, doch Renee merkte es. „Mist, ich habe die Eier vergessen..."
„Schon gut, Mom", sagte ich. „Ich mache mir mein Frühstück schon selbst und danach helfe ich dir beim packen."
Ich kippte die verkohlten Reste, die noch in der Pfanne schmorten in den Abfall und machte mir neue Spiegeleier.
„Wann ist eigentlich genau der Umzugstermin?", fragte ich und schaufelte mir das Essen in den Mund. „So bald wie möglich. Carlisle kann uns leider nicht unterstützen, weil er arbeiten muss." Ich nickte. „Erzähl mir von ihm und seiner Familie", sagte ich, als ich meinen Teller abgespült hatte und mich neben sie auf den Boden hockte, um die Umzugskartons zu packen.
„Wie kommt es, dass er schon drei Kinder hat?"
Ich sah Renee an, wie gerne sie über Carlisle sprach. Ihr Blick verschleierte sich ein bisschen und ihre Lippen formten sich willkürlich zu einem Lächeln.
„Carlisle und ich haben uns bei einer meiner Ausstellungen kennen gelernt. Er ist ein großer Kunstliebhaber und er hat auch sehr wertvolle Original-Gemälde zuhause. Jedenfalls kamen wir ins Gespräch und verabredeten uns... Wie das eben so läuft... Als sich unsere Augen das erste Mal trafen, wusste ich genau, dass er der Mann ist, mit dem ich den Rest meines Lebens zusammen sein möchte", schwärmte sie. Ich konnte ihre Gefühle nicht nachvollziehen, weil ich noch die so etwas für einen Jungen empfunden hatte.
„Es war schwierig, weil wir so weit voneinander entfernt wohnen, doch wir trafen uns häufig. Die Mutter seiner Kinder, Esme, ist vor zwei Jahren an Krebs gestorben. Seine Söhne, Emmett, Jasper und Edward litten sehr unter dem Verlust. Als ich Carlisle das erste Mal zuhause besucht habe, waren sie ein bisschen verschlossen, doch sie freuen sich für ihren Vater."
Renee strahlte. „Sie brauchen einfach noch ein bisschen Zeit. Jedenfalls sind sie sehr wohlerzogen und gut aussehend, genau wie ihr Vater. Emmett sind beide achtzehn und Edward siebzehn. Emmett und Jasper beginnen nach den Sommerferien ihr letztes Jahr an der Highschool und Edward wird einige Kurse mit dir zusammen haben. Leider sind sie alle drei schon vergeben." Renee seufzte und zwinkerte mir zu. „Da wäre bestimmt einer nach deinem Geschmack dabei gewesen. Ich schüttelte energisch den Kopf. „Mom, es ist wirklich das letzte, was ich will, dass du versuchst mich zu verkuppeln... Ich habe keine Zeit für einen Freund! Ich möchte mich auf die Schule konzentrieren, damit ich ein Stipendium bekomme", sagte ich und verschränkte die Arme vor der Brust.
Renee lächelte entschuldigend. „Ich hab es doch nicht so gemeint... Aber ich fände es einfach schön, wenn du einen Jungen kennen lernen würdest... Ich möchte doch nur, dass du schnell Anschluss findest." Ich hob abwährend die Hände. „Schon gut, Mom. Ich werde bestimmt schnell Freunde finden." Ich wusste nicht, ob ich Renee oder mich damit beruhigen wollte.
Ich stellte mich nicht unbedingt gut an, wenn es darum ging, Freundschaften zu knüpfen.
„Nicht weinen, mein Schatz." Jake umarmte mich heftig und ich klammerte mich an seinem T-Shirt fest. „Du weinst doch auch", schluchzte ich und wischte ihm eine Träne von der Backe. „Ruf mich an, sobald du angekommen bist, egal um welche Uhrzeit", sagte er und hielt mein Gesicht in seinen großen Händen fest. „Ich werde dich so schrecklich vermissen."
Renee sah uns noch eine kleine Weile zu, doch dann klopfte sie mir auf die Schulter. „Bella, unser Flieger geht in ein paar Minuten...", warnte sie. „Und ihr habt euch doch schon vorher verabschiedet." Unser für einen Umzug eher spärliches Gepäck war bereits verladen worden und wir standen alleine zwischen den Leuten vor der Absperrung und vergossen bittere Tränen. „Warte", sagte Jake, als ich mich schon von ihm weg gedreht hatte. „Ja?", fragte ich. Er holte drei Bilderrahmen aus seinem Rucksack und drückte sie mir in die Hand.
Auf dem einen Foto, waren Jake und ich in Smoking und Abendkleid beim Jahresabschlussball der Schule zu sehen, auf dem anderen In Bikini und Badehose am Meer und auf dem letzten Bild hatte Jake die Arme um mich geschlungen und ich betrachtete ihn mit schief gelegtem Kopf. Auf allen drei Bildern sahen wir fürchterlich glücklich aus.
„Danke", hauchte ich. Jake wuschelte mir noch mal kurz durchs Haar, dann drehte er sich auf dem Absatz um und eilte zum Ausgang. Ich blickte immer wieder über meine Schulter, doch er sah nicht zurück.
Renee ließ mich zum Glück währen des Fluges in Ruhe und versuchte nicht, ein Gespräch zu beginnen. Ich starrte mit von Tränen verschleierten Augen auf die Fotos von Jake und mir.
Und trotz Jaks Worte, war die Angst wieder da, dass die Entfernung etwas zwischen uns verändern könnte. Im Terminal des sehr kleinen Flughafens in Seattle, wurde Renee immer nervöser und drehte wild den Kopf hin und her. Sie hatte noch im Flugzeug extra neues Make-up aufgelegt. Plötzlich stieß sie einen spitzen Schrei aus, und rannte geradewegs auf einen gut aussehenden Mann zu. Er hatte blondes Haar und schöne gleichmäßige, ein bisschen kantige Gesichtszüge. Er war einer dieser Menschen, bei denen einem die Luft weg blieb, vor Staunen über seine Perfektion. Er breitete die Arme aus und umarmte Renee stürmisch. Dann begannen die beiden wie zwei Teenager rumzuknutschen. Peinlich berührt starrte ich in die andere Richtung, bis sie sich wieder voneinander gelöst hatten. Carlisle trat lächelnd auf mich zu. „Wie schön dich endlich kennen zu lernen, Bella. Ich hab schon sehr viel von dir gehört", sagte er und umarmte mich herzlich. „Ich freue mich auch", sagte ich ein bisschen überrascht.
Als wir aus der Flughafenhalle traten und Carlisle und Renee auf einen riesigen roten Geländejeep zusteuerten, musste ich schlucken. Dieser Carlisle schien wirklich Geld zu haben. Renee kicherte, wie ein Mädchen, als er ihr die Beifahrertüre aufhielt, doch sie wirkte nicht überrascht. Anscheinend tat er das immer. Carlisles Kleidung wies subtil auf ihre Designerherkunft her. Wie reich war er eigentlich? Die Fahrt nach Forks wurde mehr als unangenehm. Renee säuselte ständig, wie sehr sie Carlisle doch vermisst hatte und verschlang ihn förmlich mit ihren Blicken. Ich fand ihr Verhalten nur peinlich und beschränkte mein Blickfeld auf meinen billigen MP3-Player und die sehr grüne Landschaft, die an uns vorbei flog. Wahrscheinlich lag es daran, dass ich noch nie verliebt gewesen war, dass mich das Dauergrinsen und die emotionalen Reaktionen von verliebten Menschen irritierten.
Mittlerweile war ich mir nicht mal sicher, ob ich zu etwas wie Liebe fähig war. Wahrscheinlich sah ich die Welt dazu einfach zu objektiv.
Du weißt woran es liegt, sagte eine leise Stimme in meinem Kopf. Ja, es gab einen Grund dafür, warum ich jeden Jungen weggestoßen hatte, der mir auf diese Weiße nahe sein wollte.
Es war derselbe Grund, der mich oft mitten in der Nach mit rasendem Herzen aufwachen ließ. Ich wünschte mir die Erinnerung einfach ungeschehen machen zu können. Doch jede Nach erinnerte sie mich daran, dass verdrängen zwecklos war.
jaa also der Grund warum Bella keine Jungs an sich ran lassen kann wurde ja schon im Vorwort in ihrem Traum erwähnt
Später wird das aber noch ein seeehr wichtiges Thema :)
