Von irgendwo sehr weit entfernt tönte rhythmisches Piepen. Kim fühlte sich als würde ein gewaltiges Gewicht auf ihr liegen. Dies war das erste was sie wahrnahm als sie langsam erwachte. Es fiel ihr ungewöhnlch schwer, normalerweise war sie immer fast sofort hellwach. Diesesmal jedoch schien der Schlaf sie einfach nicht gehen lassen zu wollen. Je weiter sie sich in die Welt der Wachen kämpfte desto schwerer fühlte sie sich, ihre Arme und Beine waren wie aus Blei. Dann begann ihr ganzer Körper zu kribbeln als würden viele kleine Ameisen über ihre Haut hin und her laufen. Zuerst war es ganz angenehm, kitzelte, doch je mehr sie aufwachte desto intensiver wurde das Kribbeln bis es zu einem unangenehmen Ziehen wurde das aus ihren Gliedmaßen in ihren ganzen Körper strahlte. Auch Kims Rücken schien davon betroffen zu sein, fast glaubte sie zu fühlen wie jeder einzelne Wirbel knackend protestierte. Die Gedanken der Heldin klärten sich und begannen sich zusammen zusetzen und zu ordnen. 'Wo bin ich?' Nicht ihn ihrem Bett da war sie sich absolut sicher, doch wo dann? Die Schmerzen wurden nicht mehr schlimmer waren erträglich und dumpf. Es erinnerte Kim an die Morgen nach besonders schweren Missionen, wenn sie zum Beispiel eine senkrechte Felswand hochklettern oder sich durch dutzende Handlanger kämpfen musste. Nur war es heute ungefähr zehnmal so schlimm. Kims ganzer Körper schien ein einziger Krampf zu sein. Selbst ihre Augenlieder waren viel zu schwer und nur langsam konnte sie diese öffnen. Durch den winzigen Spalt den sie schaffte blendete sie ein gleissend helles Licht, so grell das die Heldin sofort wieder ihre Augen zusammenkniff. Sie fühlte sich als hätte ihr gerade jemand mit dem Finger in die Augen gepiegst und wollte sich mit einer Hand gegen das Licht abschirmen, die aber bewegte sich kein Stück. Erneut versuchte sie ihre Augen zu öffnen und wieder erwartete sie ein viel zu helles Licht. Mit Mühe zwang sie sich dazu ihre Augen wenigstens einen kleinen Spalt breit offen zu lassen bis das strahlende Licht endlich erträglicher wurde. Sie musste mehrfach blinzeln bis sie erkannte das sie direkt in eine Lampe blickte die ihr von oben ins Gesicht strahlte. Kim wollte den Kopf drehen doch genau wie ihre Hand zuvor bewegte auch dieser sich kaum einen Millimeter. Sie fühlte wie etwas die Haut ihrer Stirn abschnürte. Inzwischen hatten sich ihre Augen an das Licht gewöhnt. Wo sie zuerst nur Schemen erkannte erwartete Kim ein Anblick der sie zutiefst erschreckte. Sie lag im Zentrum eines großen runden Raumes um sie herum standen Maschinen deren Kabel und Schläuche zu dem Bett führten auf dem sie lag. Die Hände und Füße der rothaarigen Heldin waren mit dicken Gurten an den Bettramen festgebunden worden und in ihren Arme steckten Schläuche, manche von ihnen pumpten unentwegt eine klare Flüssigkeit in sie hinein. Sofort wollte sie die Schläuche herauszuziehen, aber ihre Fesseln hinderten sie daran. Panisch versuchte sie ihre Hände durch die fest anliegenden Schlaufen herauszuziehen. 'WAS IST DAS? WO BIN ICH HIER?' wollte sie laut herausschreien, aber mehr als ein unverständliches Gemurmel brachte sie nicht zustande. Etwas stecke in ihrem Mund und sie so hinderte zu schreien. Testend biss sie zu und es fühlte sich an wie eine dickes Stück Gummi, das ebenfalls mit einem Riemen um ihren Kopf geschnallt war und zwischen ihren Zähnen feststeckte. 'LASST MICH RAUS! HILFE! HILFE!' Kim war schon mehrfach von Schurken gefangen genommen worden doch noch nie zuvor hatte man soetwas mit ihr getan. Man fesselte sie an Stühle, sperrte sie in Zellen oder Ähnliches. Mit sowas hatte sie Erfahrung, doch das hier war anders. So ausgeliefert war sie noch nie gewesen. Normalerweise konnte sie sich immer rechtzeitig befreien bevor es wirklich gefährlich wurde, oder Rufus tauchte durch einen der Lüftungsschächte auf um ihre Fesseln durchzunagen. Diesesmal war sie wirklich am Arsch. Die Augen der Heldin wanderten schnell umher, aus den Augenwinkeln heraus konnte sie einen Teil des Raumes um sich herum erkennen. Mal abgesehen von dem Bett und den Maschinen die noch immer vollkommen unbeeindruckt weiterpiepten war er völlig leer. Sie konnte überall auf der Welt sein. Dann bemerkte Kim die Kameras, die von der Decke hingen, die roten Lämpchen verrieten ihr das sie beobachtet wurde. Kim bäumte sich mit aller Kraft gegen die Fesseln auf, dabei konnte sie den Kopf gerade genug bewegen um in einer großen verspiegelten Glasscheibe ihr eigenes Spiegelbild zu sehen. Die gefangene Heldin schrie so laut sie nur konnte, selbst mit dem Knebel in ihrem Mund konnte man sie noch durch die Scheibe hindurch hören. So fest sie konnte zerrte sie an ihren Fesseln, die Schmerzen in ihren Muskeln ignorierte sie, genauso wie die ersten Abschürfungen ihrer Haut. Miss Possible? Eine Stimme klang aus einem Lautsprecher bei der Tür, doch Kim war so verängstigt das sie diese kaum registrierte. Sie wusste nur das sie sich so schnell wie möglich befreien musste. Die Schlaufe ihrer rechten Hand begann sich unter ihrem panischen Zerren leicht zu dehnen. Erst nur ein Millimeter doch langsam wurde die Fessel etwas lockerer. Diese wenigen Millimeter brauchte Kim denn nun konnte sie ruckartig und immer fester Ziehen bis schließlich die ersten Fasern rissen. Weitere folgten und dann hatte Kim ihre Hand befreien können. Miss Possible, bitte beruhigen sie sich. Sie sind in Sicherheit! Natürlich glaubte Kim das nicht eine Sekunde, wenn sie als Teenager-Heldin eines gelernt hatte dann das sie einer gesichtslosen Stimme ganz sicher nicht einfach vertrauen sollte, erst rechtnicht wenn sie gefesselt und unter Drogen gesetzt wurde. Da sie nun endlich eine Hand frei hatte zog sie als erstes die Schläuche aus ihrem Arm, was immer sie ihr verabreichten Kim wollte es ganz sicher nicht in ihrem Körper haben. Nachdem die Nadeln aus ihrer Haut gezogen waren machte sie sich an der Fessel ihrer Linken zu schaffen. Wären ihre Finger nur etwas ruhiger wäre es sicher schneller gegangen aber die Angst ließ das nicht zu. So sehr sie es auch versuchte ihre Hand zitterte so stark das sie den Verschluss einfach nicht aufbekommen konnte. Schließlich gab sie es auf und zurrte stattdessen daran wie sie es auch bei der anderen Schlaufe getan hatte. Miss Possible! Bitte hören sie zu, wir wollen ihnen helfen. die Stimme aus den Lautsprecher klang besorgt und verunsichert, aber selbst wenn sie die Wahrheit sagte hatte Kim nicht vor weiterhin handlungsunfähig zu bleiben. MISS! ... Weckt die Chefin! Sofort! Die Frau die zu Kim sprach klang fast so panisch wie die rothaarige Heldin sich gerade fühlte. Endlich riss der dicke Stoff und nun, konnte sie endlich mit beiden Händen nach dem Riemen tasten der ihren Kopf fest am Bett fixiert hielt. Schnell fand sie den Verschluss zu diesem und konnte ihn sogar relativ einfach öffnen. Kaum war spürte sue wie der Druck auf ihre Stirm nachlies setzte die Heldin sich im Bett auf und zog das Gummi-Stück aus ihrem Mund. Der erste freie Atemzug, wenn auch von einem scharfen Geruch nach Desinfektionsmitteln begleitet, ließ Kims Zuversicht zurückkehren. Sie war fast wieder frei, frei um sich gegen ihre Geiselnehmer zu wehren, wenn nötig mit erheblicher Gewalt. Angewiedert schleuderte sie den Gummi-Knebel fort ohne ihn eines weiteren Blickes zu würdigen. Hätte sie ihn sich nur einmal kurz etwas genauer angesehen hätte Kim mit Sicherheit die tiefen Abdrücke bemerkt die ohne Zweifel von ihren Zähnen stammten. Stattdessen machte sie sich daran nun auch ihre Füsse zu befreien. Als sie aber die erste Fessel schon fast gelöst hatte stoppte sie. Der Grund war eine ihr vertraute Stimme, die gleichzeitig unendlich müde und freudig erleichtert klang. "Kimmie!" "Mum?"

Einge Etage über den zwei Possible Frauen stand eine Krankenschwester einem der Vorratsschränke und zog ein Handy aus ihrer Hose. Ihre silbernen Haaren waren zu einem strengen aussehenden Dut zusammengebunden der von zwei scharf-metallisch funkelnden Nadeln gehalten wurde. Ihre Haltung aber wirkte nicht wie die einer Schwester sondern eher wie die einer Adligen die es gewohnt war das Horden von Dienern vor ihr knieten und ihren Befehl erwarteten. Ihr Anruf wurde sofort angenommen. [Viktor, ich hab ihn gefunden. Er ist in dieser Stadt. ... Ja, sobald die Sonne untergeht werde ich die Spur aufnehmen und ihn finden. In seinen Zustand ... ja, ohne Zweifel. Ich hatte dir gesagt das er ... schon gut, aber in Zukunft solltest du auf mich hören. Noch etwas, er hat jemanden angegriffen. Ein Mädchen, sie hat den Übergang überlebt. Was soll ich mit ihr machen? ... verstehe.] Die 'Schwester' beendete den Anruf. Als sie die Flecken auf dem Bildschirm sah berührte sie mit der anderen Hand ihre Wange. Sie verdrehte genervt ihre eisblauen Augen als sie unter ihren Fingerspitzen den Unterschied fühlte. Das Telefon wurde regelrecht zerquetscht als ihre Hand sich fest darum schloss. Sie warf das nun vollkommen zerstörte Gerät in den nächsten Mülleimer, zog eine kleine Puderdose hervor öffnete sie und betrachtete ihre Reflexion in dem kleinen Spiegel. Ein winziger Teil ihres Make-Ups war verschmiert und darunter lag eine Haut fast so weiss wie frischgefallener Schnee.