3. Unerwartete Geschenke

"Mr. Kinney? Ein Paket wurde für Sie abgegeben." "Danke, Sara." Die zierliche Blondine nickte und lächelte, während sie die Tür für den Paketboten offen hielt. Der Bote brachte ein sperriges Paket ins Zimmer und lehnte es gegen die Wand. Mit einem kurzen Nicken in Brians Richtung verschwand er wieder und Sara schloss leise die Tür hinter sich. Brian seufzte. Er hatte Kopfschmerzen, kein Wunder, saß er schließlich seit Stunden vor dem Bildschirm, um seinen neuen Kunden zu beeindrucken. Er fuhr sich über seine Augen und stand auf, um das Paket näher in Augenschein zu nehmen.
Ein leichtes Lächeln trat auf sein Gesicht, als er den Absender las. Er hatte eine ziemliche gute Vorstellung, was es war. Vorsichtig löste er die Pappe und den darrunterliegenden Stoff.

"Sara?" Sara sah auf, als Brian sie ansprach. Er lehnte an der Tür zu seinem Büro. "Sagen Sie Mark Bescheid, dass er das Bild aufhängen soll. Ich mache eine Stunde Pause." Sara nickte und griff zum Telefon.

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Justin schaute neugierig den weißen Umschlag in seiner Hand an. Es war kein Absender drauf und keine Briefmarke, also musste er persönlich in seinen Briefkasten gesteckt worden sein. Der blonde Künstler ließ die restliche Post unbeachtet liegen und ließ sich auf dem Sofa nieder. Vorsichtig öffnete er das Kuvert und holte ein Blatt Papier heraus.

"Danke für das Bild. Es hängt gegenüber von meinem Schreibtisch. Immer, wenn ich es ansehe, fällt mir dein Gesicht und dein Lächeln ein, als wir auf deinem Abschlussball tanzten.

In dem Umschlag findest du ein Flugticket. Es ist an kein bestimmtes Datum gebunden, genauso wie der Rückflug.
Außerdem sollte auf der Post ein Päckchen für dich hinterlegt sein. Es ist ein kleines Geschenk für Daphne zur Hochzeit.

Genieß deine freie Zeit und feiere.
Brian"

Mit zitternden Finger holte er das Ticket aus dem Umschlag. Hin- und Rückflug nach London. Erstaunt und ein wenig peinlich berührt (Gott sei dank war niemand hier!) bemerkte er, dass ihm eine Träne über die Wange lief. Am liebsten wäre Justin aufgesprungen sofort nach London aufgebrochen. Aber erst kam Daphnes Hochzeit, dann der Geburtstag seiner Mutter und das Vorstellungsgespräch bei Future Media. Er seufzte und legte die Tickets auf den Tisch. Vermutlich würde es eine Weile dauern, bis er die Chance hatte, zu Brian zu fliegen.

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J.: Ich hab das Ticket bekommen.
B.: Hm!
J.: Hör auf so tun, als ob es dich nicht interessiert. Am liebsten wäre ich noch heute geflogen.
B.: Daphne wäre erfreut gewesen.
J.: lol Bestimmt. Erst wäre ich dran gewesen und dann du. Riskiere nie den Ärger einer Frau, vor ihrer Hochzeit.
B.: So weise Worte aus einem so jungen Mund.
J.: Hast du getrunken?
B.: Wie kommst du darauf?
J.: Gefällt dir das Bild?
B.: Ich hab es aufgehangen, oder?
J.: Komm schon, sag mir was du denkst. Es ist mir wichtig.
B.: Gut. Es ist wundervoll, du bist ein begnadeter Künstler mit einer großen Karriere vor sich und später werde ich das Bild für viel Geld an einen bescheuerten Sammler verkaufen.
J.: lol Genau das wollte ich hören. Ich bin gleich bei Debbie zum Essen eingeladen. Ich wollte mich auch nur bedanken.
B.: Essen bei Debbie, ja? Dann viel Spaß.
J.: Werd ich haben. Es gibt Lasagne :-) Ach Brian?
B.: Hm?
J.: Ich liebe dich.

"Ich dich auch," flüsterte Brian in die Leere seiner Wohnung. Er schaute auf das Foto neben seinem PC. Gus und Justin saßen vor dem Fernseher und lachten. Lindsay hatte es ihm geschickt.
Mit einem Kopfschütteln griff Brian seine Schlüssel und verließ seine Wohnung. Er war mit Sean im "Devil's" verabredet. Vielleicht fand er da ja Jemanden, der ihn für ein paar Minuten von einem gewissen blonden Mann ablenken konnte.

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Der Mann, der vor ihm auf dem schmutzigen Boden des Dark Rooms kniete, war Durchschnitt. Wenn überhaupt, als er eine Zahnspitze fühlte. "Pass auf!" fauchte er wütend und vergrub seine Händen in den kurzen blonden Haaren. Alles was er wollte, war schnell fertig zu werden und zu verschwinden. Doch seine Gedanken fingen wie von selbst an, zu wandern. Das blonde Haar unter seinen Fingern wurde länger, seidiger und voller. Die grünen Augen verwandelten sich in himmelblau, die ihn mit einem Lächeln beobachteten. "Justin!" keuchte Brian leise, als er kam. Ohne weiter auf den Mann vor ihm zu achten, knöpfte Brian seine enge Lederhose zu.

"Das ging schnell," bemerkte Sean, als Brian zu ihm an die Bar kam. Er nickte dem Barkeeper zu, der ihm wortlos ein Bier reichte. Brian nahm einen tiefen Schluck. "Du bist heute ziemlich ruhig." Brian sah Sean an und zog eine Augenbraue hoch. Der große Brite zuckte mit den Schultern. "Es stimmt. Seitdem du dieses Bild bekommen hast, bist du irgendwie schräg drauf." Brian schüttelte den Kopf. "Das bildest du dir ein," antwortete er leise. Sean rollte mit den Augen. "Hat er gesagt, wann er kommt?" Brian schüttelte den Kopf und trank den Rest seines Biers.

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"Justin!" Daphne warf sich ihrem Freund in die Arme und küsste ihn auf beide Wangen. "Mal langsam Daph," lachte Justin und umarmte die schlanke Frau. Sie trug ein elegantes Sommerkleid in leichten Gelbtönen. Wenn er auf Frauen stehen würde... Justin schüttelte den Kopf. Lieber nicht dran denken, dachte er sich innerlich schüttelnd.
"Komm. Ron wartet draußen beim Wagen. Du wirst natürlich bei uns wohnen. Es macht dir ja nichts aus, dir ein Zimmer mit Rons Bruder Steve zu teilen, oder. Er ist echt nett. Studiert auch Medizin, aber er will mal Kinderarzt werden..." Schweigend und etwas überfordert folgte Justin Daphne aus dem Flughafen, auf den großen Parkplatz. "...Anne und Marie. Die Beiden machen mich wahnsinnig. Wenigstens auf eine Farbe konnten sie sich einigen. Dort ist es!" sagte sie und zeigte auf einen roten BMW.

Ein großer Mann Anfang 30 lehnte lässig an der Tür. Eine Sonnenbrille verdeckte die Augen und auf dem kurzen schwarzen Haar, saß eine Baseballkappe der Seattle Mariners. "Du musst Justin sein," sagte er lächelnd und streckte seine Hand aus. Er sprach mit dem leichten Akzent eines gebürtigen Texaners. Justin schüttelte die Hand. "Genau und du vermutlich Ron." Daphne half Justin sein Gepäck im Kofferraum zu verstauen, bevor alle 3 in den Wagen stiegen. "Hast du Hunger," fragte Ron mit einem Blick in den Rückspiegel. "Machst du Witze?" fragte Justin. Ron grinste. "Stimmt, Daphne erwähnte etwas. Dann mal los, bevor du verhungerst."

Das Restaurant war gemütlich und das Essen köstlich. Justin aß Lachs mit frischen Bandnudeln und hörte aufmerksam dem liebevollen Geplänkel der beiden Verlobten zu. Ron schien ein wirklich angenehmer Mann zu sein. Aus seinen Telefonaten mit Daph wusste er, dass der Texaner seit kurzem Assistenzarzt in Seattle City Hospital war. Seine Eltern hatten eine große Ranch in Texas. Außer Steve, hatte Ron noch zwei weitere Brüder: Mark und Anthony. Mark lebte in New York und arbeitete als Architekt, Anthony war Musiker und spielte in einer Blues Gruppe in New Orleans. Steve war der einzige Sohn, der daheim in Texas geblieben war.

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"Und, was hältst du von ihm?" fragte Daphne als sie zusammen im Wohnzimmer saßen. Ron war zurück zum Flughafen gefahren, um Steve abzuholen, so dass die beiden Freunde endlich ein wenig Zeit für sich hatten.
Justin sah sich verstohlen in dem hellen Raum um. Die Wohnung war im 10. Stock eines modernen Hochhauses. Große, helle Räume, viel Platz. "Justin," quengelte Daphne. Der Blonde grinste. "Er ist toll. Und total in dich verliebt." Daphne kicherte. "Nicht wahr. Ach, Ron ist so wundervoll. Ich kann es kaum erwarten, seine Frau zu werden." "Pff," schnaubte Justin. "Du bist nur scharf auf die Flitterwochen. 2 Wochen in die Dominikanische Republik, beneidenswert." Justin gähnte herzhaft und Daphne sah ihn schuldbewusst an. "Du bist erschöpft. Leg dich doch ein bisschen hin. Ich weck dich, wenn Steve hier ist."

So, wie versprochen hier noch mal die korriegiert Fassung. Einen lieben Dank dafür an meine Beta Steffi:))