Feuertaufe
Mit Entsetzten erblickte sie zum ersten Mal in ihrem Leben diese Geschöpfe, wie sie mir Schwertern und Keulen die Bewohner des Gehöfts zusammen trieben. Viel wusste Alatariel nicht über diese Geschöpfe, nur dass sie blutrünstig und mordlustig waren – und sich normalerweise nicht am helllichten Tag auf freiem Feld bewegten!
Während sich die Distanz zu dem dutzend Orks verringerte überlegte sie krampfhaft, was sie tun sollte. Von Merenwen aus hatte sie eine vorteilhafte Position, doch gut genug, um gegen zwölf Gegner anzukommen waren ihre Kriegskünste bei weitem nicht. Dennoch zog sie ihr Schwert und hielt auf eine Gruppe von fünf Orks zu, die Frauen und Kinder zusammen drängten. Dem ersten rammte sie ihre Klinge von oben in den Hals, an der ungeschützten Stelle. Der zweite den sie angriff war vorbereitet und parierte drei ihrer Schläge ehe sie wieder ihre höhere Position ausnutze und ihm wieder das Schwert in die ungeschützte Halsbeuge rammte. Mit Genugtuung sah sie wie der zweite Ork viel und sein schwarzer Lebenssaft aus ihm floss und das nichtswürdige Leben hinfort spülte. Ein ihr bis dahin ungekannter Hass durchströmte sie und sie schlug auf den nächsten Ork ein, der jedoch flinker war als seine Kumpane und unter ihrem Schlag einfach wegtauchte um sie, mit einem heftigen Ruck am Bein, auf den Boden zu befördern.
Der Aufschlag trieb ihr einen Moment die Luft aus den Lungen, doch geistesgegenwärtig rollte sie sich auf die Seite und das Breitschwert des Orks traf nur auf staubige Erde. Merenwen, nun, da ihre Reiterin nicht mehr auf ihrem Rücken war, er griff in Panik die Flucht, wobei sie einen Ork gleich umrannte. Alatariel sprang schnell auf die Beine und hieb auf den Ork ein der sie herab gezogen hatte. Gerade aus den Augenwinkeln bemerkte sie eine heransausende Klinge und rettete sich gerade noch durch einen Satz zurück. Die drei, die von den fünfen noch übrig waren hatten sie eingekreist und nun setzte all ihr Denken aus. Geschickt glitt sie unter den Schlägen hinweg, wich mit scheinbarer Leichtigkeit den heransurrenden Klingen aus, so dass es beinahe wie ein Tanz wirkte. Gerade duckte sie sich unter einem Schlag weg, als sie die Möglichkeit ergriff und sich mit dem Schwert voran in die kurz aufgegebene Deckung ihres Gegners fallen ließ. Spielend durchdrang die starke Klinge de dürftigen Panzer des Orks und auch dieser fiel. Mit einer Rolle vorwärts brachte Alatariel, der Bewegung des fallenden Orks folgend, sich aus der Reichweite der zwei Orkklingen und kam, aus der Bewegung heraus, wieder auf die Beine. Sie wirbelte gerade noch rechtzeitig herum, um einen Schlag mit einer Streitaxt abfangen zu können. Das Parieren kostete sie nun all ihre Kraft, denn sicher war sie Arbeit gewöhnt, doch keinen Kampf.
Durch den Lärm, den sie hörte, schloss sie, dass die Männer des Gehöfts gegen die anderen Orks kämpften. Schweiß rann ihr über die Stirn und sie war zu beschäftigt die zwei Orks sich vom Leibe zu halten, so dass sie nicht darauf achten konnte, wohin sie trat. So geschah es, dass sie stürzte und wieder nur durch Seitwärtsrollen einem tödlichen Streich entkam. Zu ihrem Glück hilet der Ork über ihr kurz inne und schien sich mit dem zweiten zu unterhalten. Von dem verkrüppelten Westron, das sie sprachen, verstand Alatariel nur die Worte: „viele" und „tot". Auch wenn ihre Arme schwer waren, so nutzte sie die Gelegenheit und rammte auch diesem Ork ihr Schwert in den Bauch. Mit einem erschreckten Schrei machte der andere, noch lebende, sich davon. Mühsam rappelte sie sich wieder auf die Beine und sah, wie vier Orks, die letzten Lebenden der zwölf, flohen.
Schwer atmend wischte sie sich den Schweiß von der Stirn, ehe sie sich den Frauen und Kindern zuwandte.
„Ist jemand verletzt?" rasch zuckten ihre Augen von einem zum anderen.
„Nicht schwer." Antwortete eine junge Frau, nur ein wenig älter als sie selbst, die sich anscheinend als Erste von dem Schrecken erholt hatte.
„Dann helft beim Löschen!" Alatariel deutete auf die brennenden Häuser, die zu dem Gehöft zählten und machte sich selbst auf zu den Männern, die die übrigen Orks erschlagen hatte. „Seid ihr alle wohl auf?" viel verstand sie zwar nicht von der Heilkunst, aber Verletzungen wie Schnittwunden und solche, die bei der täglichen Arbeit passieren können, konnte sie versorgen.
„Nein, dort hinten liegen einige Verletzte! Könnt ihr sie versorgen?" ein großer, stämmiger Mann, breiter noch als Éomer, war zu ihr heran getreten, während alle anderen eilig versuchten das Feuer zu löschen, bevor es alles vernichten würde.
„Ich werde tun was ich kann!" sie nickte ihm knapp zu und machte sich auf zu den Verletzten. Es waren meist die Älteren, die etwas abbekommen hatte, als die Orks angriffen, aber auch drei junge Knechte lagen blutend da. Alatariel nahm weder die Rufe der Männer und Frauen im Hintergrund, noch das Schreien der Kinder wahr, auch das Tosen des Feuers hörte sie nicht, als sie sich neben einem jungen Mann ihres Alters nieder ließ. Ein langer Schnitt klaffte über seiner Brust. Sie zog ihm das Hemd aus um ich genauer begutachten zu können. Eine leise Mädchen Stimme hinter ihr riss sie aus der Beobachtung.
„K-Können wir euch helfen?" ein Mädchen, um die zwölf Sommer stand zitternd hinter ihr, die Kinderaugen geweitet vor Schock und ein Jüngeres klammerte sich an ihren Rock.
Sie lächelte den Mädchen freundlich zu. „Holt mir bitte eine Schüssel mit klarem Wasser, eine mit kochendem und sauberen Stoff, wenn ihr welchen finden könnt!"
Artig nickend machten sich die Kinder davon, um das Gewünschte zu holen und Alatariel konnte nahm einen kleinen Beutel von ihrem Gürtel, in dem sie einige Heilkräuter aufbewahrte. Diese tat sie, in bestimmter Menge, zu dem kochenden Wasser hinzu. Mit dem klaren Wasser, von dem die Kinder auf ihren Geheiß eine zweite Schüssel brachten, wusch sie sich zuerst den Schmutz von den Händen und begann dann, vorsichtig die Wundränder zu säubern. Der Schnitt über der Brust war zum Glück nicht sonderlich tief und mit dem Kräutersud beträufelte sie eine saubere Stoffbahn, die sie über die Wunde legte und fest band. Sie kümmerte sich um alle verletzten so gut sie konnte und als sie fertig war, blickte sie auf.
Die Männer und Frauen standen ungläubig vor dem brennenden Gehöft. Sie hatten keine Chance gehabt, das Feuer zu löschen, so hatten sie sich darauf beschränkt, die wenigen Habseligkeiten und Tiere zu retten. Der breite Mann, mit dem sie zuvor schon gesprochen hatte trat auf sie zu.
„Habt vielen Dank meine Herrin!" er neigte das Haupt vor ihr. „Mit eurer Hilfe konnten wir diese Scheusale vertreiben. Auch für die Versorgung der verwundeten möchte ich euch im Namen von uns allen herzlich danken. Wir stehen in eurer Schuld!"
Alatariel's Wangen glühten. Sie hatte rein einer Eingebung folgend gehandelt. „Ihr solltet von hier fort. Am besten nach Edoras. Wie ich sehe habt ihr noch einige Karren und ein paar Ochsen, so können auch die Verletzten mit euch reisen. Brecht sofort auf, wenn es Nacht wird kommen diese Kreaturen vielleicht wieder um ihr Werk zu vollenden."
„Das werden wir! Habt vielmals unseren Dank! Wenn es etwas gibt, das wir für euch tun können…"
„Nein, da gibt es nichts." Lächelnd lehnte sie das gut gemeinte Angebot ab. „Ich bin auf Reisen und werde gleich weiter ziehen." Erklärte sie.
„Ohne Pferd?" war der überraschte zwischen Ruf eines kleinen Jungen.
Leise fluchend sah sie sich kurz um – und erblickte in sicherer Entfernung ein sandfarbenes, grasendes Pferd. „Verfluchter Gaul! MERENWEN!" rief sie und brav kam das Tier an getrottet, als könne es kein Wässerchen trüben. „Verzeiht meine Eile, doch es ist sehr wichtig! Unter anderen Umständen hätte ich euch nach Edoras begleitet." Sie saß auf das Pferd auf und tätschelte ihm den Hals. Immerhin bist du nicht ganz weggelaufen.
„Ich bitte euch, ihr habt genug für uns getan!" der Mann nickte ihr freundlich zu und wandte sich daraufhin ab, um den Aufbruch zu koordinieren.
Alatariel lenkte ihr Pferd wieder auf die Nord-Süd-Straße, der sie bis zum Gwathló (Grauflut) folgen würde. Auch an diesem Abend ritt sie weit in die Nacht, bevor sie ein einfaches Lager ein wenig abseits der Straße aufschlug. Nun, da sie vor dem kleinen Feuer saß, drangen alle Eindrücke auf sie ein. Die verzweifelten Schreie der Menschen hallten in ihrem Kopf. Die hässlichen Fratzen der Orks tanzten vor ihren Augen und auch ihre schrecklichen Stimmen konnte sie nicht vergessen. Der Kampf, den sie sich mit fünf Orks geliefert hatte spielte sich noch einmal vor ihren Augen ab. Sie hatte unglaubliches Glück gehabt! Vielleicht liegt es am Blut meiner Ahnen, dass ich solch ein Kampfgeschick bewies. Dachte sie, kurz bevor der Schlaf sie übermannte.
Worauf habe ich mich nur eingelassen? Eine Stimme in ihrem Inneren sagte ihr, dass dies bei Weitem nicht das schlimmste Ereignis auf ihrer Reise sein würde. Sie könnte umkehren. Nein, das kann ich nicht. Ich bin eine Rohir und Éomer vertraute mir diese Aufgabe an. Ich werde weder ihn noch meine Ahnen enttäuschen!
Bevor jetzt irgendwelche Proteste aufkeimen, dass es nicht sein kann, dass sie plötzlich so gut kämpfen kann, ich weiß es aber das hat sehr wohl einen logischen Grund, der später auch noch aufgeklärt wird. Genauso weiß ich, dass Alatariel ein elbischer Name ist, aber das hat alles seinen Grund. ;) Ich freu mich über Reviews!
