Großes Dankeschön an meine Schwestern fürs Betalesen und die moralische Unterstützung.
Mara, dieses Kap ist dir gewidmet, du weisst schon warum. ;)
Bis Ende Mai werde ich kein weiteres Kap hochladen, da ich mich auf meine Prüfungen konzentrieren muss.
Es kommen aber auf jeden Fall noch welche.
Viel Spass!
Einer sturer als der Andere
Ich versuchte, die Spuren der Tränen zu verwischen und spritzte mir kaltes Wasser ins Gesicht. Meine geröteten Augen sahen schon nicht mehr ganz so schlimm aus. Noch ein bisschen mehr kaltes Wasser, dann würde ich endlich in den Unterricht gehen können. Die Türe ging wieder einen Spalt auf.
„Jemand zu Hause?", fragte eine Männerstimme.
„Falsche Türe", sagte ich gereizt. "Kannst du nicht lesen?"
„Noch jemand außer dir da drin?"
„Nein und jetzt verzieh dich endlich." Ich hoffte, wer auch immer das war, würde gehen und mir meine Ruhe lassen. Stattdessen öffnete sich die Türe ganz und als ich meinen Kopf drehte, um ihm klar zu machen, dass Jungs auf der Mädchentoilette nichts zu suchen hatten, traf mich fast der Schlag. Er!
„Du hast vielleicht Nerven!", rief ich und bemühte mich, die Wut unter Kontrolle zu halten.
„Ich wollte nur sichergehen, dass du ok bist", antwortete er und setzte dabei dieses Lächeln auf. Warum war mir vorher nicht aufgefallen, wie dümmlich dieses Grinsen war? Arrrrgh. Schon allein dafür hätte ich ihm am liebsten den Hals umgedreht.
„Was interessiert dich das denn?! Läufst du mir etwa hinterher?!" Er lehnte sich lässig gegen die Wand neben der Tür und verschränkte die Arme.
„Mr. Banner war besorgt, da du noch nicht zum Unterricht gekommen bist und hat gebeten, dass sich jemand bei der Schwester erkundigt, wie es dir geht. Ich hab angeboten, den Job zu übernehmen, da ich wusste, dass du nicht im Sanitätszimmer zu finden wärst." Nur Angela wusste, dass ich mich hier aufhielt. Und sie hatte es ihm mit Sicherheit nicht erzählt.
„Woher...?" Die Neugier stand mir bestimmt ins Gesicht geschrieben. Er grinste noch hinterhältiger, wenn das überhaupt möglich war.
„Sagen wir mal, ich kenne ein Vögelchen, das ein anderes Vögelchen kennt, das davon gehört hatte." Ich schüttelte ungläubig den Kopf. Das war irgendwie... krank. Ich musste hier raus. Nein. Ich musste weg von ihm. Ich wollte keine Sekunde länger in der Nähe dieses Geistesgestörten sein.
„Lass mich bloß in Ruhe!", zischte ich, als ich an ihm vorbei zur Tür rausstürmte.
„Bella, warte..." Er kannte meinen Namen. Klar. Er hatte sich bestimmt erkundigt, welche Wahnsinnige es gewagt hatte, eine Hand gegen den selbstverliebten Schönling zu erheben. Ich ignorierte ihn. „Hey, jetzt bleib doch mal stehen." Das klang genervt. Gut. Ich war auch genervt, vor allem von seiner aufdringlichen Art. Er eilte an mir vorbei, drehte sich um und machte vor mir halt. Es hätte nicht viel gefehlt und ich wäre auf ihn draufgelaufen. Ich funkelte ihn kurz böse an und versuchte, um ihn herumzugehen. Er schnitt mir den Weg ab. Ich probierte die andere Seite, wieder nichts.
„Was soll das?!", herrschte ich ihn an. Und da war es wieder, dieses dümmliche Grinsen.
„Ich wollte dich noch was fragen und du gibst mir ja sonst keine Chance."
„Dann frag, damit ich's endlich hinter mir hab", fuhr ich ihn an.
„Erst mal: Hi, ich heiße Edward Cullen." Er hielt mir seine Hand entgegen. Demonstrativ verschränkte ich die Arme vor der Brust.
„Das war keine Frage", sagte ich eisig. Er zog seine Hand zurück.
„Schön. Ich lad dich zum Essen ein. Samstag, Sechs Uhr." Das war auch keine Frage. Es klang mehr wie ein Befehl. Einen Moment lang war ich perplex.
„Du wärst der Letzte, mit dem ich irgendwo hingehen würde. Da geh ich lieber mit dem Tod persönlich aus." Damit hatte er wohl nicht gerechnet, denn sein Grinsen verschwand, endlich.
„Ich bin dir noch ein Essen schuldig." Er sagte das mit einem derart ernsten Gesichtsausdruck, dass ich Mühe hatte, keinen Lachanfall zu kriegen.
„Wie kommst du denn darauf?", fragte ich und versuchte noch immer böse dreinzublicken. Das war die falsche Frage, er grinste wieder.
„Wegen mir hast du dein Mittagessen heute verpasst."
„Ich werd's überleben." Ich hatte angenommen, dass es das jetzt war und wollte wieder an ihm vorbeigehen. Er stellte sich mir erneut in den Weg.
„Nein. Ich lad dich ein. Möchtest du an einem anderen Tag gehen?" Oh, Himmel noch mal. Gibt der denn nie Ruhe?
„Noch mal, so, dass es in dein Spatzenhirn geht. Ich. Gehe. Nicht. Mit. Dir. Aus. Verstanden?" Er musterte mich nachdenklich.
„Wieso nicht?" Mir klappte der Mund auf, ich starrte ihn ungläubig an. War es nicht offensichtlich, dass ich ihn nicht ausstehen konnte? Sprach ich chinesisch?
„Das... du... das ist jetzt nicht dein Ernst", stammelte ich, irritiert von so viel Dummheit. Er musterte mich noch immer, schien auf eine plausible Erklärung meinerseits zu warten. In diesem Schädel war wohl nicht mal Stroh. Ich machte den Mund ein paar Mal auf und zu, schüttelte leicht den Kopf und gestikulierte hilflos mit den Armen in der Luft. Was sollte ich denn noch sagen, um ihm klar zu machen, dass ich absolut nichts mit ihm zu tun haben wollte? „Du... du bist echt zu dumm für diese Welt. Such dir eine, die auf deine Macho-Gehabe steht. Und am Besten noch so ein blondes Püppchen...," als ich das sagte, verzog ich angewidert das Gesicht, „dann bist du vielleicht sogar intelligenter als sie." Er starrte geschockt ins Leere. Scheinbar hatte er endlich verstanden. Ich ging an ihm vorbei. Und diesmal hielt er mich nicht auf.
Als ich am Klassenzimmer ankam, klopfte ich kurz, ging rein und entschuldigte mich bei Mr. Banner, der sich nach meinem Befinden erkundigte. Ich versicherte ihm, dass es mir wieder gut ging, aber ich musste ihm versprechen, dass ich zum Arzt gehen würde. Als ich diese Notwendigkeit über mich ergehen hatte lassen und mich währenddessen alle, wahrscheinlich wegen des Vorfalls in der Cafeteria, anstarrten, hielt ich Ausschau nach meiner Tasche. Sie lag an meinem üblichen Platz. Zum Glück. Ich hatte in Bio einen Tisch für mich. Ich war froh darüber, da mir die anderen somit kein Klotz am Bein waren. In Bio war ich immer außergewöhnlich gut. Es war mein Tisch und darauf lagen jetzt Bücher, die mir nicht gehörten. Bevor ich genauer darüber nachdenken konnte, ging hinter mir die Tür erneut auf. Ich musste mich nicht umdrehen, um zu wissen, wer das war. Edward ging an mir vorbei und setzte sich... an meinen Tisch. Womit hab ich DAS verdient? Ihm musste mein geschockter Gesichtausdruck aufgefallen sein, denn er grinste mich wieder mal dümmlich an. Seufzend schlurfte ich an meinen Platz und setzte mich... neben ihn. Als Erstes inspizierte ich kurz meine Tasche, um mich zu vergewissern, dass noch alles da war. Ich spürte seinen Blick auf mir ruhen. Ich starrte finster an die Tafel und versuchte, wenigstens so zu tun, als ob ich dem Unterricht folgen würde. Einmal schaute ich kurz zu ihm rüber, er starrte mich an, wie wahrscheinlich schon den Rest der Stunde, und in genau dem Moment, da ich ihn ansah, setzte er dieses dümmliche Grinsen auf. Ich heftete meinen Blick sofort wieder auf die Tafel. Was hatte der bloß? Als der Unterricht endlich zu Ende war, schnappte ich meine Bücher und stopfte sie arglos in meine Tasche. Ich wollte hier weg.
„Bella?" Arrrgh. Ignorieren oder umdrehen? Er nahm mir die Entscheidung ab, indem er um den Tisch herumging und mir gegenüber stehen blieb. Ich sah auf und giftete ihn an. Wenn Blicke töten hätten können, wäre er jetzt umgefallen. Scheinbar nahm er es gelassen, er grinste. Reiß ihm doch einer diese Grimasse aus dem Gesicht! „Du hast mir noch nicht gesagt, wann ich dich abholen soll." Nicht. Schon. Wieder. Ich atmete tief ein, um ruhig zu bleiben. Eines musste man ihm lassen, er hatte sich schnell von meiner Abfuhr erholt. Aber wie es aussah, würde er nicht so schnell aufgeben.
„Moment. Sagen wir... gar nicht?!", antwortete ich und ging. Er holte mich ein und lief neben mir her. Ausnahmsweise war ich froh darüber, dass ich gleich Sport haben würde, denn das hieß, ich konnte ihn vor der Umkleide stehen lassen. Dorthinein würde er mir sicher nicht folgen.
„Freitag Abend?", fragte er weiterhin.
„Nein", sagte ich jetzt schon deutlich gereizter.
„Nächsten Samstag?"
„Nein! Und für die nächsten fünf Fragen: Nein, nein, ähm... nein, nein und nein!" Und damit ging ich durch die Tür zur Umkleide. Ich blieb kurz stehen und atmete tief durch, froh darüber, meinem Verfolger für den Moment entkommen zu sein. Dann eilte ich an meinen Spind und zog mich für Sport um, als Jessica angetippelt kam. Angetippelt? Anders hätte man ihre Art zu ‚gehen' kaum beschreiben können. Sie setzte sich neben mich auf die Bank und als ich zu ihr aufsah, erkannte ich die neugierig aufgerissenen Augen. Bitte nicht.
„Worüber hast du mit dem Neuen geredet?", fragte sie.
„Über gar nichts", gab ich seufzend von mir.
„Ich hab doch gesehen, dass ihr geredet habt. Und er hat dich gefragt... nach einem... Termin?"
„Es ging um die Sache in der Cafeteria", sagte ich leise und band mir den ersten Schuh zu. Ihre Augen weiteten sich leicht vor Überraschung.
„Ist er sauer auf dich?"
„Nein."
„Was dann?" Ich wusste, ich würde es bereuen ihr davon zu erzählen. Andererseits würde sie nicht eher locker lassen, bis sie es wusste. Hatte ich eine Wahl? Wohl kaum.
„Er meint... er glaubt, er müsste es wiedergutmachen", sagte ich kopfschüttelnd.
„Was?", fragte sie jetzt noch neugieriger.
„Mein entgangenes Mittagessen." Sie riss die Augen auf, teils überrascht, teils entsetzt.
„Er hat dich zum Essen eingeladen!", rief sie. Ich starrte sie erschrocken an und um uns herum alle anderen Mädchen ebenfalls. Wenn es um Jungs ging, kapierte Jessica schnell.
„Jess, das... ich gehe nicht", sagte ich abwehrend. Aber auf die Reaktion, die ich damit auslöste, war ich nicht gefasst. Jessica sprang auf, diesmal total entsetzt.
„Der heißeste Typ der Schule lädt dich zum Essen ein und du gibst ihm einen Korb?!" schrie sie so laut, dass jetzt auch noch einige Mädchen in den Reihen neben uns interessiert hinter den Spinden hervorlugten. Ich war so perplex, dass ich nur nicken konnte. „Bist du übergeschnappt?!" Das war genug. Auf so eine Unterhaltung konnte ich getrost verzichten.
"Von mir aus kannst du ihn gerne haben", giftete ich sie an und stand auf, um in die Halle zu gehen. Jessica hielt mich am Arm fest und ich drehte mich genervt zu ihr um.
„Aber... aber... wieso?!" Sie sah mich verwirrt an, flehte geradezu um eine Antwort. Ich seufzte.
„Jess, dieser Widerling hat mich... angegrabscht. Ich will nicht wissen, was passiert wäre, wenn ich ihn nicht aufgehalten hätte. Und ich will erst recht nicht wissen, was er noch tun würde, wenn ich mit dem irgendwohin gehe." Ich riss meinen Arm los und ging in die Halle. Jessica sprach weder während, noch nach dem Unterricht das Thema erneut an. Nach Sport trödelte ich lange in der Umkleide. Ich wollte ihn heute nicht noch mal sehen. Ich befürchtete, er könne auf mich warten, also blieb ich extra lange, in der Hoffnung, dass er vermuten würde, ich wäre schon weg. Als ich mich endlich aus der Umkleide traute, war tatsächlich niemand zu sehen. Erleichtert machte ich mich auf den Weg zur Arbeit.
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