Bellas POV
Da war er endlich, es tat so gut, so unendlich gut, ihn zu sehen. Wie seine Augen, jetzt wieder karamellfarben, anfangen, in dem wunderschönen Dämmerlicht zu glitzern. Die Haare leicht feucht von dem regnerischen Wetter draußen, halt typisch Forks…
Sie sind nur wenig zerzaust, Gott wieso musste er auch noch nach Regnen, Schnee und sonstigem Niederschlag noch so perfekt aussehen, meine Haare wären danach ziemlich im Eimer.
Irgendwie kann ich nichts anderes tun, als ihn und sein perfektes Gesicht ansehen… doch etwas ist anders als sonst, mein Blick löst sich von seinem Gesicht und seinen Augen, bevor ich endgültig in ihnen versinke und wandern hinab zu seinem Körper. Ich vermute mal, er ist perfekt gebaut…
Bisher habe ich ihn noch nie „oben ohne" gesehen, was ich bis jetzt noch nie in diesem Maße vermisste, wie jetzt. Er sah sogar grazil aus, wenn er durch das Fenster kletterte und es leise schloss, damit Charlie nichts davon mitbekommt. Um von meinen Gedanken abzulenken und natürlich um meine wahre, pure Freude, ihn wiederzusehen auszudrücken, sagte ich leise, geheimnisvoll und ein wenig leidenschaftlich zu ihm: „Ich habe dich vermisst, Edward!" Kann es sein, dass nicht nur mein Herz in diesem Moment einen Hüpfer gemacht hat?
Zu seiner Belustigung lief ich wieder rot an. „Schatz, was denkst du den, dass du direkt rot wirst?" Ich weiß gar nicht, wie oft ich dem lieben Gott schon gedankt habe, dass Edward meine Gedanken, als einziges Lebewesen nicht lesen konnte und ich danke Gott in diesen Momenten umso mehr. Kann es gar nicht einschätzen, wie er reagieren würde, wenn er wüsste, dass ich mir, neben seinem perfekten Gesicht, mir einen ausgedehnten Blick auf seine Brust gegönnt habe und ich es mir so sehr wünschte, diese anzufassen, zu streicheln, mit Küssen zu bedecken…
Es ist doch kein Wunder, dass ich da rot werde, oder?
Doch augenblicklich wurde ich noch mehr rot als ohnehin schon, als ich daran dachte, was ich gleich vorhabe, mit ihm vorhabe…
Fest hatte ich mir vorgenommen, dass ich diesmal nicht abgewiesen werde, er mich nicht dazu bringt, aber ich glaube, dass war mehr theoretisches Denken als praktische Umsetzung. Wie sollte ich ihn den dazu bringen mir zu vertrauen, sich fallen zu lassen? Und konnte er erahnen, was ich vorhatte, wenn ich schon das Zimmer in ein sanftes Licht hauche und mich in meinem kürzesten Schlafanzug in einem Schneidersitz auf das Bett setze?
Meine Gefühle versuche unter Kontrolle zu bekommen, meinen Herzschlag? Ich hoffe er hält es erstmal für ein besonders Wiedersehens"geschenk". Aber die wichtigste Frage von allen war, wie sollte ich es anstellen, ihn zu verführen? Ihn zu einem intensiveren Kuss zu bewegen, als seine strikten Regeln zuließen? Würde er mich direkt abweisen?
Ah, jetzt weiß ich es…
Edward POV
Hatte ich irgendetwas verpasst? War irgendwie nicht richtig informiert? Was hatte sie vor?
Auf irgendeine Art kam mir die Szene hier so fremd vor, doch einem sehr großen Teil von mir gefiel sie trotzdem. Ich sah sie an, beobachtete sie. Ließ mich kurz von der Ansicht ihrer perfekten geformten Beine ablenken, die von dem Unterteil des Shortys nicht wirklich viel verdeckt wurden. Ging mit den Augen ihre Waden entlang, immer höher, über das Knie, blieben an den Oberschenkeln hängen…
Dieser kurze Augenblick brachte mich total durcheinander, ich benötigte ein paar Sekunden, um mich wieder zu fangen, ich schluckte und entdeckte, dass sie rot geworden war… Hatte sie etwa bemerkt, dass ich sie angestarrt habe, an Stellen, die ich normalerweise nicht genau ansah, weil ich mir selbst diese Gefühle nicht zulasse? Konnte sie es überhaupt gesehen haben, es war nicht besonders hell in dem Zimmer, nur halt sehr… romantisch!
Was mich wieder zu der Frage zurück führte, was sie vorhatte. Um mich endgültig ein wenig abzulenken, fragte ich sie, wieso sie auf einmal so rot geworden ist und wie es dazu gekommen sei! Seltsamerweise wurde sie noch röter und ich verfluchte es ziemlich, dass ich ihre Gedanken nicht hören konnte…
Wie gern hätte ich das, was jetzt in ihrem Kopf herumging, gehört. Setze mich zugleich auf das Bett und nahm sie in den Arm. Sie schmiegte sich an mich. Ich genoss einfach den Augenblick, sie einfach zu fühlen, ihre warme Haut, ihren Atem an meinen Schultern.
Nach ein paar Minuten sagte sie sehr leise, aber ich konnte es trotzdem sehr genau hören: „Du, Edward? Ich habe irgendwann in den letzten Tagen noch mal „Stolz und Vorurteil" gelesen und ich habe eine wunderschöne Szene bemerkt, der ich bis jetzt noch nicht so viel Beachtung geschenkt hatte, darf ich sie dir vorlesen?" Sie sagte es vorsichtig, als wäre es irgendetwas peinliches.
Aber ich hatte nichts dagegen, im Gegenteil, Stolz und Vorurteil ist eines meiner Lieblingsstücke. Konnte zwar das ganze Buch auswendig rezitieren, aber ich freute mich seltsamerweise sehr darauf, dass sie es mir vorliest. „Kann ich dich noch etwas fragen?" flüsterte sie ebenso leise, wie vorhin. „Ja, natürlich, mein Schatz, was ist denn?" antwortete ich ihr. „Ich möchte dir gerne diese Szene vorlesen, aber da ich weiß, das du die Jane Austen Romane kennst, will ich daher doch sicher gehen, dass du dich auch entspannst und mir nicht den Spaß nimmst!" sagte sie gespielt ernsthaft. „Ähm, ja, was hast du vor?"
Worauf wollte sie hinaus? Also heute kam sie mir ein wenig seltsam vor. Ich habe wirklich keinen blassen Schimmer, was sie vorhat und was das mit der Geschichte sein soll, aber auf die Tour kriegte ich gewiss meinen tollen „Kuss" heute nicht mehr.
Und dabei hatte ich es mir selbst versprochen, dass sie den Anfang macht. Also ist sie noch nicht so weit und ich wollte sie auch nicht dazu drängen, dass wäre geradezu arrogant und selbstsüchtig. Nein, sie wollte ES und die damit verbundenen Küsse gewiss erst in der Hochzeitsnacht, also Edward, reiß dich zusammen. Du hast schon so lange gewartet, dann machen die paar Wochen auch nichts mehr. Ha, und wie es mir etwas ausmacht.
„Schatz, ich möchte, das du dich einfach nur fallen lässt heute und auf den Text hörst, kannst du das, oder soll ich zu „drastischeren" Mitteln greifen?", fragte mich Bella geheimnisvoll wie verführerisch.
„Äh, was stellst du dir den unter „drastischeren" Mitteln vor?", fragte ich ganz unschuldig lachend zurück. „Mach die Augen zu!" hauchte sie in mein Ohr. Ich bekam eine Gänsehaut. „Und bewege dich nicht!" Fast regungslos saß ich nun auf ihrem Bett und fragte mich, was sie vorhatte.
Noch nicht einmal aus den Geräuschen im Hintergrund wurde ich schlau. Sie öffnete etwas, schloss es wieder. Herr Gott, ich wurde aus ihr einfach nicht schlau. Ein Teil von mir freute sich auf den Roman, ein Teil von mir möchte einfach in ihren Armen liegen, mal zur Abwechslung der „Schwache" sein, der zu Beschützende, nicht der Beschützer. Und sie konnte mir dieses Gefühl geben. Allerdings gab es dort ein weiteres Gefühl, was ich unbedingt haben wollte, danach war ich süchtig….
Huch, was war DAS denn?
Sie legte etwas, was sich wie ein Tuch anfühlte um meine Augen und band es mir auf dem Hinterkopf fest.
In diesem Augenblick war ich mir mehr als 100% sicher, dass ich irgendetwas verpasst hatte…
„Und damit du wirklich nicht abgelenkt wirst, nur meinen Worten lauscht und nur meinen Worten!" flüsterte sie geheimnisvoll an mein Ohr und drehte mich auf den Rücken, sodass ich jetzt auf dem Bett lag. Irgendetwas war mir hier suspekt, komisch, konnte es nicht zuordnen. Als wären Rollen vertauscht.
Ich sah jetzt nichts mehr, aber meine anderen Sinne funktionierten besser denn je. Und vor allem ratterte mein Gehirn über den Grund für diesen „Überfall" ihrerseits. Während ich meine Hände hinter dem Kopf verschränkte, hörte ich, wie sie sich neben mir in den Schneidersitz setzte. „Darf ich anfangen?" „Ja, natürlich, wenn es dich erfreut, dass ich so wehrlos neben dir liege und gewiss ziemlich dämlich aussehe!" sagte ich glucksend. „Und WIE es mich erfreut!" antwortete Bella verführerisch und gab mir ein kleines, aber dennoch sehr süßes Bussi auf den Mund.
Mein Herz raste, ich hasse es unwissend zu sein und ich hasste es gerade mehr als alles andere, das ich unfähig war, ihre Gedanken zu lesen oder ihre Gedanken versuche in ihren Augen zu erkennen. Aber vielleicht, flüsterte eine kleine Stimme in meinem Kopf, hat sie das extra gemacht. Du bist ausnahmsweise mal ganz Bella ausgeliefert. Und tatsächlich, ich gab der Stimme Recht, ich war ausgeliefert und irgendwie hatte ich ein irrsinniges Vergnügen daran. Weil mir ja eh nichts anderes übrig blieb, warte ich einfach ab, was Bella vorhatte.
Sie begann zu lesen: …„Her father was walking about the room, looking grave and anxious. "Lizzy," said he, "what are you doing? Are you out of your senses, to be accepting this man? Have not you always hated him?" How earnestly did she then wish that her former opinions had been more reasonable, her expressions more moderate! It would have spared her from explanations and professions which it was exceedingly awkward to give; but they were now necessary, and she assured him, with some confusion, of her attachment to Mr. Darcy…."
Natürlich kannte ich diese Textstelle. Bella hat diese Stelle aus dem Kapitel 59 herausgegriffen, aber ich wusste noch nicht ganz, wieso. Es kam mir durchaus auch sehr seltsam vor, dass sie sich beim Lesen immer weiter zu mir gebeugt hatte. Alles heute ist ein wenig… anders. Konnte es nicht zuordnen.
Ich spürte die Wärme ihrer Haut. Wurde nervös und gleichzeitig ein wenig, wie soll man es sagen, erregt…
Es gab nichts anderes zwischen uns, außer diesem Tuch um meine Augen und ihre Wärme an der Nähe meines Kopfes. Wurde wirklich unheimlich nervös. Als ob sie spürte, welchen Aufruhr sie innerlich in mir verursachte beugte sie sich sadistischer Weise noch ein wenig weiter vor zu mir und flüsterte mir den Rest des Textes in mein Ohr: "Or, in other words, you are determined to have him. He is rich, sure, but will they make you happy?""Have you any other objection," said Elizabeth, "than your belief of my indifference?" "I do, I do like him," she replied, with tears in her eyes, "I love him…"
Noch nie hatte ich diese Textstelle so „sexy" empfunden. Was machte sie mit mir? Mein Herz überschlug sich, eine Gänsehaut wanderte meinen Körper herunter, als sie „I love him!" zitierte, ja Liebe WIDER der Vernunft.
Da war kein Brennen in meiner Kehle, ein anderes Brennen breitete sich aus, Ein Verlangen, Ein-nicht-mehr-länger-warten-können, etwas verdammt erotisches. Ich wusste, in diesem Moment war ich verloren. Verloren in Begierden, die ich so lange versuchte habe zu unterdrücken. Verloren in Verlangen, in Lust…
Ich keuchte auf. Holte tief Luft. Versuchte mich zu entspannen. Doch meine Bemühungen wurden schlagartig zunichte gemacht, als sie ihre warmen, zarten Lippen auf die meinigen presste….
