Wie gesagt - was diese FF angeht, sprudele ich zur Zeit nur so über

Keine Ahnung, warum, aber ich dachte mir mal, ich genieße es solange es so ist!

DANKE an meine lieben Reviewer: Lewanna, oAmyBlacko und Nuya Dex Genoveva Belle! (übrigens ein sauschwieriger Name!)

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Nur das Sternenlicht beleuchtete den auf ihn zu kommenden Menschen und Harry stockte der Atem, während er den eleganten Gang der Person und die Art, wie sich das Mondlicht in den hellen Strähnen des Haares fing, heimlich bewunderte. Die Bewegungen waren von einer beiläufigen Gelassenheit, die schon fast arrogant wirkte, und strömten gleichzeitig eine gewisse Bedrücktheit aus, so als ruhten auf den Schultern dieses Menschen schwere Lasten, die einer allein kaum zu tragen vermochte.

Als die Person Harry erblickte, erstarrte sie und für einen kurzen Moment glühten dem Gryffindor zwei Augen wie Silberstücke im Regen entgegen. Malfoy.

Die Schritte des Slytherin verlangsamten sich, wurden schleppend und zögerlich, bis der Blonde endlich im Schloss angekommen war. Kaum hatte er die Steinfliesen der Halle betreten, als er sich schon ohne ein Wort an den Gryffindor umwandte und in Richtung der Kerker verschwinden wollte.

"Halt!" rief Harry hektisch und stürzte die Treppen hinunter, nicht darauf achtend, dass seine Stimme fast panisch durch das Gewölbe hallte und er bei seinem mörderischen Tempo fast der Länge nach hinfiel, "warte gefälligst!"

Malfoy hielt wie gewünscht an, wandte sich jedoch nicht um, sodass Harry, als er schließlich schlitternd anhielt, nur dessen Rücken anstarren konnte. "Warum warst du draußen?" fragte er atemlos, woraufhin der Slytherin leicht die Schultern zuckte.

"Frische Luft schnappen", war die gelangweilte Antwort, doch Harry entging nicht das leise Zögern in seiner Stimme sowie die kaum merkliche Veränderung in der Haltung Malfoys. Dessen Schulterblätter zeichneten sich markant durch den feinen Stoff seiner Robe ab und verkrampften sich für einen kurzen Moment, ehe sie sich langsam und augenscheinlich gezwungenermaßen wieder in ihre Ursprungsposition zurückbewegten, ohne jedoch ihre unterdrückte Spannung zu verlieren. Wie ein lauerndes Raubtier - oder ein fluchtsuchendes Beutetier. Harry konnte sich nicht wirklich entscheiden, welche der beiden Metaphern besser auf den Slytherin passte und ballte, aus Gründen, die er sich selbst nicht erklären konnte, erbost die Fäuste.

"Du dürftest überhaupt nicht draußen sein", stieß er wütend hervor, "oder im Verbotenen Wald, schon gar nicht um diese Uhrzeit."

Malfoy drehte sich halb herum und sah ihn aus kalten, grauen Augen unbeteiligt an. "Ich wüsste zwar nicht, was dich das angeht", erwiderte er leise und sandte mit seiner tiefen, monotonen Stimme prickelnde Schauer über Harrys Rücken, "aber ich besitze uneingeschränkte Bewegungsfreiheit in Hogwarts."

"Hä?" fragte dieser und blinzelte überrascht, auch wenn er schon Malfoys schnippischen Kommentar auf diesen - zugegebenermaßen ziemlich dummen - Ausdruck hörte. Entgegen dieser Erwartung jedoch seufzte der Blonde nur und wandte den Blick von Harrys Gesicht ab, so als könne er dessen Anblick nicht länger ertragen.

"Uneingeschränkte Bewegungsfreiheit", wiederholte er ruhig und eben diese Ruhe reizte Harry noch viel mehr als der gewohnte Malfoy-Zynismus, der ihm die letzten Jahre hindurch begegnet war, "für mich gelten die alten Regeln nicht mehr."

Harry starrte ihn sprachlos an und versuchte, irgendeinen Sinn in diesen Worten zu ergründen. Wieso sollte irgendwer Malfoy solche Rechte einräumen? Nicht mal Snape würde das tun, schon allein aus dem Grund, dass seinem Patensohn ja vielleicht irgendetwas geschehen konnte, von Dumbledore ganz zu schweigen. Es war schlicht und ergreifend unmöglich, und die unheimliche Gelassenheit, mit der der Slytherin ihn hier so unverblümt anlog, brachte sein Blut vor Wut zum Kochen. "Ja, sicher", höhnte er daher spöttisch, "vermutlich hast du dich mit deinem stinkenden Geld von allem freigekauft, was uns 'Normalos' so belastet." Er schnaubte. "Dazu würde nicht einmal dein Geld reichen, Malfoy!"

Der Blonde betrachtete ihn kühl und zuckte mit den Schultern. "Glaub es oder lass es", erwiderte er gleichgültig und drehte sich wieder um, anscheinend von dem Gedanken beseelt, von Harry wegzukommen.

"Bleib stehen", rief dieser wiederum fast panisch und griff aus Reflex nach dem Handgelenk des sich entfernenden Slytherin. Die Haut, die er da berührte, war überraschend weich und schmiegte sich in glatter Perfektion an seine Haut, und dies in einer Weise, die auf verstörende Art vertraut wirkte. "Geh nicht", murmelte er leise, und fühlte verwundert, wie sich die Muskeln unter seinen Fingerspitzen verkrampften.

"Lass mich sofort los, Potter", zischte Malfoy gefährlich und sandte ihm aus dunkelgrauen, verstörend aufgewühlten Augen einen Blick zu, der ihn wie geblendet zurücktaumeln ließ, "und fass mich nie wieder an, verstanden?"

Harry sah ihn geschockt an und bewegte lautlos seine Lippen wie ein Goldfisch auf dem Trockenen. "Ich... äh..."

"Was ist hier los?"

Beide Jungen wandten ihre Köpfe der neuerlichen Störungsquelle zu, die ihnen aus der Gegend um den Speisesaal entgegen geeilt kam.

"Professor Dumbledore...", erkannte Harry verblüfft und versuchte vergeblich erneut, irgendetwas sinnvolles von sich zu geben, wurde aber wieder von Dumbledore unterbrochen.

"In der Tat, Harry", erwiderte dieser nur und ließ langsam seine wachen Augen zu Draco wandern, der äußerlich gelangweilt da stand und sich sogar tatsächlich dazu bequemt hatte, dem Schulleiter in die Augen zu sehen - etwas, was Harry in ihrem gesamten Gespräch (falls man es denn so nennen wollte) nur zweimal hinbekommen hatte, wie er selbst missmutig feststellte. Dumbledore sagte jedoch nichts zu dem Slytherin, seufzte nur leicht und wandte sich dann wieder Harry zu.

"Du solltest längst in deinem Turm sein. Es ist schon spät." Unnötig, darauf einzugehen, dass er Ausgangssperre hatte. Sie wussten es alle, genauso wie sie wussten, dass Dumbledore Harry deswegen nicht bestrafen würde, solange man es nicht unausweislich machte.

Harry warf einen spekulierenden Blick auf Malfoy und fragte sich eine wahnwitzige Sekunde lang, warum dieser nichts sagte - bis ihm auffiel, dass Malfoy sich somit selbst auch ausgeliefert hätte. Vermutlich schwieg er nur deshalb - so konnte schließlich auch der Slytherin ungeschoren davon kommen. Die angebliche Bewegungsfreiheit kaufte ihm der Gryffindor nämlich immer noch nicht ab.

"Ich konnte nicht schlafen", gab er zurück und sah wieder den Schulleiter an, der bei diesen Worten bedächtig nickte. Wieder wanderten seine Augen zu dem Slytherin, der ruhig wie eine Statue da stand und der Konversation mit abwesendem Gesichtsausdruck folgte.

"Mr Malfoy", sagte Dumbledore dann plötzlich mit einem hörbaren Unterton von Entnervtheit, "ich nehme an, Sie wissen, dass ich ungehalten bin?"

Der Blonde kräuselte leicht die Lippen und verschränkte provozierend die Arme vor der Brust. "Und ich nehme an, Sie wissen, dass mir das egal ist?" erwiderte er in exakt der gleichen Betonung, wenn auch mit etwas schärferem Tonfall, woraufhin Dumbledores Augen hinter seiner Brille leicht blitzten. Malfoy registrierte es mit einem leichten Zucken seiner Augenbrauen, fast so als würde er sich über ihn amüsieren.

"Überschätzen Sie sich nicht", mahnte Dumbledore leise, "Sie würden es bereuen."

Der Blonde schenkte dem Schulleiter ein spöttisches Grinsen, das Harry sehr an alte Tage erinnerte. Irgendwie hatte er dieses Grinsen fast vermisst. "Unterschätzen Sie mich lieber nicht", antwortete er knapp in einem Tonfall von kühler Verachtung, drehte sich auf dem Absatz um und verschwand mit wehendem Umhang in Richtung der Kerker, eine perfekte Miniatur von Snape, wie Harry schaudernd feststellte. Dumbledore sah ihm mit einem bedauernden Gesicht hinterher und schüttelte leicht den Kopf.

"Äh... Professor?" fragte Harry vorsichtig, um den alten Mann nicht zu erschrecken, "Professor, dürfte ich Sie etwas fragen?"

Die blauen Augen, die zuvor noch sinnierend der schon längst entschwundenen Gestalt des Malfoy-Sprosses hinterhergeblickt hatten, richteten sich urplötzlich wieder auf Harry. "Das tust du doch schon", meinte er mit einem kleinen Lächeln und zwinkerte leicht, woraufhin Harry kurz zurückgrinste und dann sofort herausplatzte, weil die Frage wie Säure unter seinen Fingernägeln brannte: "Hat Malfoy wirklich uneingeschränkte Bewegungsfreiheit?"

Dumbledore sah ihn einen Moment lang abwägend an, so als müsse er entscheiden ob Harry die Antwort wert sei oder nicht. Anscheinend viel die Benotung positiv aus, denn nach einiger Zeit antwortete er kurz: "Ja, hat er."

Harry blinzelte verblüfft und sah stirnrunzelnd in Richtung der Slytherin-Türme. Dann hatte Malfoy also nicht gelogen... Aber was war der Grund dafür? Warum hatte Malfoy plötzlich Rechte, die ihm solchen Freiraum gaben? Und warum ließ Dumbledore zu, dass der Slytherin sich dermaßen respektlos ihm gegenüber verhielt?

Bevor der Gryffindor eine dieser Fragen loswerden konnte, holte Dumbledore tief Luft und sah Harry dabei fest in die Augen. "Frag mich nichts weiter - ich würde dir nicht antworten. Und er wird es auch nicht tun. Halte dich am besten von ihm fern, Harry, verstanden? Und jetzt geh schlafen."

Das zweite Mal an diesem Tag, dass Harry nahe gelegt worden war, den Umgang mit dem Slytherin zu meiden. Und wieder hatte der Gryffindor nicht die geringste Lust, dieser Anweisung nachzukommen - vor allem, da sich das Rätsel um den Malfoy-Erben immer weiter vergrößerte.