Zwei weitere Tage waren seit dem Kampf vergangen und die Gruppe näherte sich dem Breeland. In dieser Zeit hatten sie keine weiteren Feinde mehr entdeckt und somit etwas Zeit sich mit ihren Begleitern zu unterhalten.
Bilbo war ein aufgeweckter, kleiner Kerl der es auf seine vorwitzige Art Silmarien angetan hatte. Die ganze Zeit gingen sie neben einander und unterhielten sich. Wenn der Halbling so weiter macht wird Elendil noch eifersüchtig, dachte Sirinde bei sich und grinste immer wieder. Doch Elendil schien das nicht zu stören das Silmarien sich mit dem Halbling abgab. Zumal die fast Kindliche Freude Bilbos die Stimmung der Gruppe etwas besserte. Es lag wohl daran das Bilbo erst in vier Jahren Jährig wurde. Er zwar schon neunundzwanzig jedoch, erreichten Hobbits erst mit dreiunddreißig das Erwachsenen alter.
Thrain indes war ein weit weniger fröhlicher, ja fast mürrischer, Zeitgenosse. Er sprach nicht viel und wenn dann nur mit Elendil oder einem der beiden anderen Waldläufer. Doch war er Elendil zumindest etwas freundlicher. Warum aber konnte Elendil nicht sagen und befragte Thrain stattdessen über gesamt Situation in Arnor. Der Zwerg schilderte eine schwierige Situation.
Der Rat des Nördlichen Zepters, der seit Barahirs Tot versuchte Arnor als solches zusammen zu halten, tat zwar was er konnte hatte aber, durch die ständigen Orküberfälle, kaum Handlungsfreiraum. Das Heer Arnors war moralisch am Ende und unternahm nur noch halbherzige versuche gegen die Orkbanden vor zu gehen. Eine der größten hatte sich bei Amon Sul ein genistet.
„Es ist nicht leicht die Männer Arnors dazu zu bringen für eine Sache zu kämpfen und für diese womöglich zu sterben. Zumal sie seit Monaten keinen Sold mehr erhalten haben und die Dunedain zu allem Überfluss nicht mehr als Volk existieren. Der letzte reine Dunedain starb vor etwa zwei Jahren." Thrain legte eine Pause ein und Elendil sah nachdenklich über das Land das sie noch durch queren mussten. Die Dunedain des Nordens, waren also nicht mehr. Das war eine schlechte Nachricht, da die Dunedain von Arnor steht's die größten Feinde der Orks und anderer Kreaturen gewesen waren.
„Und sonst gibt es niemanden mehr der noch ernsthaft gegen die Orks noch vorzugehen gedenkt?" Die Vorstellung dass seit dem Ende der Dunedain niemand mehr gegen die Orks kämpfen wollte konnte sich Elendil nicht vorstellen. Mindestens einer muss doch den Kampf noch nicht verloren gegeben haben, dachte er sich und seine linke Hand verkrampfte sich leicht um das Heft seines Schwertes
„Der Truppenkommandant von Bree, der mehr oder weniger die Kontrolle über das Breeland hat, ist ein Mann namens Valandur. Ein aufrichtiger Mann der eher sterben würde als zu zulassen dass seine Heimat in die Hände der Orks fällt. Aufgrund seiner kühnen Taten in jungen Jahren haben die Menschen und Soldaten von Bree noch eine hohe Achtung vor ihm. Ohne ihn hätten die Orks von Amon Sul wohl schon vor dem langen Winter das gesamte Umland von Bree und womöglich Bree selbst verwüstet." Man hörte einen Hauch Respekt aus den Worten des Zwerges. Offenbar hatte auch Thrain eine gewisse Achtung vor Valandur. Dann sagte keiner von beiden etwas sondern gingen schweigend weiter.
Einige Tage nach diesem Gespräch, durch querten sie einen Wald. Als sie durch in hindurch gingen waren alle, besonders aber Nerdanel, angespannt und achteten auf jedes noch so kleine Geräusch. Doch es geschah nichts, bis sie kurz vor dem Waldrand einen am Boden liegenden Mann sahen. Bei ihm lagen zwei tote Orks. Er war verletzt und schien bewusstlos zu sein. Die ganze Gruppe, eilte zu ihm. Während Silmarien sich die Wunden besah, überwachten die anderen mit gezogenen Bögen, sofern sie welche besaßen die Straße. Der Mann war noch jung, etwas jünger als Elendil und trug Kettenhemd und Wappenrock. Der Wappenrock war dunkelblau und hatte den Weißenbaum und die Siebensterne. Während sie ihm Wappenrock und Kettenhemd abnahmen kam der Mann langsam wieder zu sich.
„Eru. Lass es nicht die Orks vom Amon Sul sein." Silmarien tauschte einen kurzen Blickkontakt mit Elendil aus ehe sie weiter machte nicht ohne mit ruhiger Stimme auf den Soldaten einzureden.
„Nein, wir sind keine Orks sondern viel mehr ihre Feinde. Haltet bitte still. Ich muss die Wunde ein wenig reinigen. Das könnte jetzt brennen." Warnte sie vor. Sie hatte einen Trinkbeutel mit Alkohol bei sich und mit diesem benetzte sie das Tuch und begann die Wunden zu reinigen. Der junge Mann den sie versorgte, sog scharf die Luft ein, da der Alkohol in der Wunde brannte. Doch sagte Silmarien nichts sondern verband die Wunden so gut sie konnte. Als die Beorningerin ihre Arbeit beendet hatte, halfen Beleg und Elendil dem Soldaten auf die Beine und stützten ihn während sie weiter in Richtung Bree gingen. Nerdanel trug den Wappen Rock und das Kettenhemd.
Der Mann sah nach einiger Zeit Elendil von der Seite an und sah dabei die Narbe die Kralle des Wargs hinterlassen hatte. Doch ersagte nichts. Er konnte auch kaum etwas sagen, dafür musste er sich zu sehr darauf konzentrieren musste nicht zu stolpern.
Nerdanel indes zog hinter drein und hatte nie ein Wort gesagt. Amandil war neben ihr um sicher zu stellen das sie den Anschluss an die Gruppe nicht verlor. Er empfand tiefes Mitgefühl für sie, konnte er sich doch ein stück weit in ihre Lage hinein versetzten. Denn auch er hatte fast alles verloren. Doch er sagte zu ihr nichts. Kein einziges Mal da er sich ihr nicht aufzwingen wollte. Doch hatte er ihr einige Male, abends etwas zu essen gegeben da sie von sich aus nichts genommen hatte. Sie wird damit wohl alleine umgehen müssen, dachte Amandil sich da er nicht wusste wie er ihr hätte helfen können.
Zwei Tage später, es war bereits Abend, erreichten sie das Dorf Bree. Das ganze Umland sah ein wenig wüst aus doch schien es nicht das Orks dies angerichtet hätten. Einige der Bäume waren Umgeworfen und zwischen ihren Wurzeln war noch Erde. Als Elendil dies sah fürchtete er Trolle hätten dies vollbracht doch sah er ringsherum kaum Zerstörung.
„Das war der letzte Herbst Sturm vor dem Winter. Es hat stark geregnet und dann kam da noch der starke Wind. Die Kiefer hat dem nicht standhalten können. Zum Glück ist der Baum in Richtung Wald gefallen, sonst hätte es weit größere Schäden gegeben die, die Bauern hätten beseitigen müssen." Der junge Soldat, konnte inzwischen halbwegs sicher gehen, dennoch musste er gestützt werden. Alle sahen über die nahen Felder die sichtlich mitgenommen waren. Man sah dass auf diesen Feldern nur wenig geerntet werden würde. wenn überhaupt.
Sie kamen alle zum Tor wo ein Trupp Soldaten sich aufhielt. Teils sitzend, teils wiederum stehend. Doch erweckten sie nicht den Eindruck als wenn sie ernsthaft bewachen wollten. Elendil sah die Mutlosigkeit ihnen an. Hinzu kam das ihre Ausrüstung leicht abgenutzt zu sein schien was aber nicht weiter schlimm war. Einer der Männer, ein Mann mit kahlem Kopf und von hohem Wuchs erhob sich und mit ihm drei weitere. Elendil nickte Amandil zu das dieser den Soldaten an seiner statt stützen sollte. Dann trat er dem anderen Soldaten entgegen.
„Halt. Ich kann euch nicht passieren lassen. Sagt mir zu erst wer ihr seit und welches Geschäft euch nach Bree führt." Er sah Elendil misstrauisch an. Er schien vorsichtig genug zu sein nicht jedem der ihm über dem Weg lief zu trauen. Doch womöglich lag es an seinem Äußeren und das seiner Gefährten. Doch ehe er antwortete trat der junge Soldat vor der noch immer von Amandil und Beleg gestützt wurde und mit ihm kamen auch Bilbo, Thrain und Nerdanel.
„Hauptmann Thoron. Ihr könnt ihnen trauen. Sie sind uns zu Hilfe gekommen als uns Orks vom Amon Sul bedrängten. Zumindest was mich, Thrain und Nerdanel angeht." Silmarien konnte nicht anders als schmunzeln als sie Bilbo ansah, der vor sie alle getreten war und für Elendil und seine Begleiter sprach. Thoron sah die ganze Waldläufergruppe noch einmal misstrauisch an doch als er den jungen Soldaten sah hellten sich sein Gesicht und die seiner Kameraden auf. Ehe sich Amandil und Beleg versahen, hatten man ihnen den jungen Mann abgenommen und diesen ins Dorf geführt.
„Offenbar ist in euch mehr als man euch ansieht. Wo habt ihr ihn gefunden?" Thoron war sichtlich erleichtert dass der junge Soldat noch lebte und führte die ganze Gruppe durch das Tor. Nicht alles was Gold ist glänzt, nun verstehe ich was mit diesem alten Vers gemeint ist, dachte sich Thoron als er die Gruppe, zusammen mit einigen seiner Männer, durch das Tor führte. Jedoch nahm er Elendil gleich hinter dem Tor in ein Wachhaus um dort in ruhe mit ihm zu sprechen.
Das Wachhaus war ein zweistöckiges Gebäude. Im oberen Teil waren die Schlafräume der Soldaten und im unteren Teil war der Aufenthaltsraum. Beide Männer setzten sich und Throrn begann Elendil zu befragen was sich alles zugetragen hatte. Als Elendil ihm berichtete was er über Nerdanels Vater wusste, verzog Thoron das Gesicht, schüttelte den kopf und sah aus dem schmutzigem Fenster.
„Wenn das was der Zwerg sagt Wahr ist, und ich fürchte das ist es, dann hat Arnor um die zwanzig Männer verloren. Das wird Valandur nicht freuen zu hören." Er seufzte schwer. Man sah ihm an das er die Männer gekannt hat, die gestorben waren. Wenn auch nicht alle, doch viele.
„Und noch weniger das sein Schwager das zu verschulden hat. Ich weiß ich sollte nicht schlecht über ihn reden, nun da er tot ist und seine Tochter alleine zurück gelassen hat, aber es ist offensichtlich das durch seinen Hochmut das Leben einer ganzen Truppe sinnlos geopfert wurde. Zumindest ist Nerdanel nun sicher und eines unser verlorenen Schafe wurde lebend zur Herde zurück gebracht. Auch wenn das noch bei weitem nicht zwanzig Mann ersetzt." Es war weder Freude noch Trauer in seiner Stimme sondern eine tiefe Resignation. Elendil sah den Hauptmann der Torwache, denn als solchen erkannte der Sohn Turambars ihn, an und sah einfach nur einen Mutlosen Mann der die Hoffnung auf Frieden aufgegeben hatte.
„Ihr könnt gehen und verzeiht meine Schroffheit gerade am Tor. Wir sind Fremden in diesen Tagen gegenüber nur selten offenherzig. Aber wenn ich euch das raten kann, solltet ihr euch im Tänzelnden Pony für die Nacht einquartieren." Elendil erhob sich und verneigte sich ehe er ging. Thoron sah ihm schweigend nach. Ein seltsamer Mann war dieser Elendil, er hatte gar nicht nach einer Belohnung für sich oder seine Leute gefragt, dafür das sie einen der Soldaten zurück gebracht hatten und ihn sogar noch ein wenig versorgt hatten. Eigentlich hatte Thoron sogar damit gerechnet doch war die Forderung nach der Belohnung nicht gekommen. Er winkte einen seiner Männer zu sich und gab den Befehl Elendil zu beobachten solange er in Bree war.
Elendil nun ging zu seinen Gefährten und berichtete ihnen auf dem Weg zum Gasthaus alles was er von Thoron erfahren hatte. Die Erkenntnisse über Nerdanel überraschten sie nun doch und erklärten auch warum die junge Frau und der Zwerg Thrain von zwei Soldaten fort gebracht worden waren. Nur Bilbo war bei ihnen geblieben und freute sich auf eine Pfeife und einen Krug Bier. Silmarien hoffte nur darauf mal etwas anderes zu essen als Dörrfleisch und Kram.
Das Pony war ein gutes Gasthaus und der Wirt eine wichtige Person. Überall rief man seinen Namen und sei es auch nur um ein paar Worte mit ihm zu wechseln. Das es gut besucht war und der Wirt Lothar Butterblüm nie über das Geschäft klagen konnte lag teils daran dass das Tänzelnde Pony das einzige Gasthaus im Ort war und das vor langer Zeit einst Aragorn, den die Menschen von Bree Streicher genant hatten, im Gasthaus verkehrte.
Sie gingen alle hinein und bestellten sich dort etwas zu essen. Da die Münzen im ganzen alten Reich, zu dem auch Arnor zählte einheitlich waren, brauchten sie sich keine Gedanken zu machen wie sie bezahlen sollten. Sie besaßen alle noch einheitliche Münzen da während des Bürgerkrieges jegliches Metall zur Waffen Herstellung genutzt werden musste. Sie aßen alle eine Suppe, die ein paar Fleischbrocken enthielt. Dazu tranken sie noch Bier. Nach dem Essen begaben sich alle sechs zum Tresen und wenige Augenblicke später kam der Wirt angewuselt. Doch gab er nur widerwillig ihnen, nach dem sie bezahlt hatten, vier Zimmerschlüssel. Da Bilbo ein Zimmer für Hobbits belegte, hieß das für die anderen dass sie sich jeweils zu zweit auf ein Zimmer begeben mussten. Elendil sprach sich dafür aus, das Silmarien und Sirinde zusammen auf eines gingen, während die drei anderen es unter sich ausmachen sollten wer mit wem auf eines ging.
„Nun ich würde eher vorschlagen das Beleg und Sirinde auf ein Zimmer gehen." Beim Vorschlag Silmarien sahen alle sie erst einmal überrascht an. Doch dann hellte sich Elendils Gesicht etwas auf und er nickte zustimmend. Amandil zuckte lediglich mit den Achseln, da er wohl alleine ein Zimmer aufsuchen würde. Doch im Stillen war im das Sogar recht. Nun sahen sich Sirinde und Beleg an. Die Frau aus Rhun lief tatsächlich leicht rötlich an und Beleg senkte sofort den Blick. Doch da die vier anderen bereits ihre Zimmer aufsuchten blieb ihnen nichts anderes übrig. Sirinde hatte noch immer den Zimmerschlüssel in der Hand.
„Keine Angst, Sirinde. Ich werde gewiss nicht versuchen euch zu nehmen. Zumal ich weiß wie gefährlich ihr werden könnt und seid." Als er das sagte lächelte er ein wenig welches scheu von Sirinde erwidert wurde.
„Ich hoffe nur das eure Disziplin in körperlichenbelangen besser ist als die deiner Landsleute. Abgesehen von Elendil und Amandil." Nach diesen Worten zogen sich beide in das Zimmer zurück. Erleichtert stellten sie fest das es kein Doppelbett war, was anderen falls aber wahrscheinlich keinen großen unterschied gemacht hätte, wenn es darauf angekommen wäre.
Als Elendil und Silmarien ihr Zimmer aufgesucht hatten, grinste die Beornigerin über ihr ganzes Gesicht. Elendil schüttelte nur Schmunzelnd den Kopf. Doch dann zuckte Silmarien die Schultern und legte ihre Sachen auf einen Hocker.
„Weißt du Elendil. Manchmal muss man Freunde zu ihrem Glück zwingen. Sie werden schon gewiss nichts Unanständiges machen." Sie lachte kurz und zog sich auf das Bett am Fenster Zurück, während Elendil das auf der anderen Seite nahm. Elendil legte seine Sachen selbst auf einen Hocker und sah sich um. Jeder hatte einen Nachttopf neben seinem Bett stehen, dazu zwei Hocker und ein Tisch zwischen den Betten.
„Sagt Silmarien? Was würde euer Vater sagen wenn er erfahren würde das wir uns ein Zimmerteilen?" Die Frage war nicht ganz ernst gemeint, was man auch hörte. Auf die Frage grinste die Prinzessin des Grünwaldes nur.
„Nun er würde es nicht nur nicht gutheißen, er würde euch aus dem Zimmer werfen, da sich so etwas, vor der Ehe eigentlich nicht gehört. Aus der sicht meines Volkes zumindest." Sie schmunzelte nun und sah Elendil mit leicht seitlich gelegtem Kopf an. Dieser lachte nur leise. Sie sprachen nicht mehr davon sondern legten sich. Nach dem sie sich Hände und Gesichter gewaschen hatten, legten sie sich schlafen. Froh darüber nach langer Zeit wieder in einem richtig Bett schlafen zu können.
