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3. Kapitel

Gib mir die Kartoffeln!

Lily lehnte sich zurück und las den Brief noch einmal durch, den sie gerade geschrieben hatte.

Lieber Mr. Prongs,

wie dir ja bestens bekannt sein sollte, habe ich seit über eineinhalb Monate Briefe von dir erhalten (insgesamt elf sind es jetzt). Du hast mir keine Mittel gegeben dir deine Briefe zu beantworten, bis jetzt bin ich ruhig geblieben. Doch nach deinem letzten Brief, fand ich es unmöglich dir nicht zurückzuschreiben.

Ich werde jetzt offen und ehrlich sprechen – äh, schreiben! Ich weiß nicht, ob man dir trauen kann oder nicht. Ich würde es sehr gerne tun, wirklich. Deine Briefe sind einfach unglaublich. Aber bitte verstehe mich, denn wenn du der bist, der du vorgibst zu sein – und das ist Mr. Prongs – dann bist du bekannt als der größte Streichespieler. Ich weiß nicht, wer du wirklich bist und ohne dieses Wissen, kann ich dir nicht vertrauen.

Bitte, wenn ich dich eine Sache fragen dürfte: Lass mich dich treffen. Dein wirkliches Ich. Nicht Mr. Prongs, sondern den Mann hinter diesen Briefen. Gib dich vor mir zu erkennen. Ich kann es nicht länger befürchten; wenn du einen Narren aus mir machen willst, dann hast du das bereits getan.

Bitte antworte mir. Ich möchte mich nicht in ein Stück Pergament verlieben.

Deine Lily

Ja, so war der Brief okay. Er war bei weitem nicht so wundervoll wie seine Briefe, aber er war okay. In diesem Augenblick schrillte die Schulglocke. Verdammt, sie würde erst heute Abend zur Eulerei gehen können. Wenn sie jetzt gehen würde, würde sie zu spät zum Unterricht kommen.

Lily eilte hinunter in die Kerker, während sie hastig ihren Brief in ihre Ausgabe von Zaubertränke für Fortgeschrittene stopfte.

„Lily, meine liebe", sagte Professor Slughorn fröhlich als sie sich auf ihren Platz setzte. „Es geht Ihnen gut, hoffe ich?"

„Sehr gut, Professor", lächelte Lily. Sie hatte Professor Slughorn immer gemocht, auch wenn er manchmal etwas seltsam war.

Schnell füllte sich der Kerker mit plaudernden Sechstklässlern. „Willkommen, willkommen", sagte Professor Slughorn und strahlte in die Runde. „Ich denke, heute werden wir einen weiteren Versuch mit unserem Verbrennungstrank machen –"

Einige Schüler kicherten, weil sie sich an den Vorfall von Anfang der Woche erinnerten, als Sirius Black und Peter Pettigrew ihren Verbrennungstrank ein wenig ZU wörtlich genommen hatten.

„Jedoch denke ich, werden wir diesmal versuchen andere Partner zu nehmen. Miss Green, würden Sie bitte hier herüber kommen und mit Mr. Pettigrew arbeiten?"

Lily schaute betrübt drein, als Harriet, ihre letzte Partnerin, zu Peter Pettigrew auf die andere Seite der Klasse wechselte. „Und Mr. Black, Sie können mit Miss Evans arbeiten."

Lily unterdrückte ein Stöhnen. Sirius Black war jämmerlich schlecht in Zaubertränke. Und nicht zu vergessen auch noch unausstehlich.

„Hallo, Partnerin", sagte Sirius heiter.

Natürlich, dachte Lily bitter. Leicht für ihn fröhlich zu sein. Seine neue Partnerin hat ja nicht die Angewohnheit Zaubertränke explodieren zu lassen und Dinge in Brand zu stecken.

„Sorry, Lily", meinte Professor Slughorn, als er an ihr vorbei ging. „Aber ich weiß, Sie sind die Einzige, die es mit ihm aufnehmen kann." Er zwinkerte ihr zu. Black grinste.

Lily seufzte und holte ihr Lehrbuch heraus. Sie schlug Zaubertränke für Fortgeschrittene auf Seite 62 auf und strich ein wenig Asche von der Überschrift „Verbrennungstrank".

„Alles klar", sagte Lily erfrischt. „das ist ein sehr komplizierter Trank – wie du sicherlich schon bemerkt hast – wenn du dich also um die ersten Schritte kümmerst, werde ich den Rest vorbereiten."

„Von mir aus", sagte Sirius gleichgültig und verließ ihren Tisch um die Zutaten zu holen.

Lily erhitzte gerade den Kessel auf die richtige Temperatur als er zurückkam und die Zutaten auf den Tisch warf.

„Du hast die Feuersamen vergessen", sagte Lily zu ihm.

„Ich hole sie gleich", zuckte Sirius mit den Schultern.

„Du holst sie jetzt!" befahl Lily und funkelte ihn an.

Sirius gab nach. „Schon gut, schon gut. Komm runter, Evans."

Lily rollte mit den Augen und bereitete weiter den Trank zu. Sie würde nicht zulassen, dass ihre Note von einem pyromanischen Schwachkopf vernichtet wurde.

„Jetzt hack die Feuersamen mit einem silbernen Messer – einem silbernen, Black", sagte sie genervt, als Sirius ein Zinnmesser nehmen wollte. „Und schneide sie vorsichtig", betonte sie dazu. „Sie müssen gleichmäßige Größen haben. So klein wie möglich."

„Yes, M'am!" rief Sirius.

Bald, zwischen ihrer Arbeit, nahm der Zaubertrank eine feurig rote Farbe an, exakt der Farbton, den er haben sollte. Lily war zufrieden.

„Okay, du arbeitest jetzt am fünften Schritt, klar?" Sie hatte ihn bis jetzt nur verschiedene Zutaten zerhacken lassen und Sirius langweilte sich zusehends und seine Arbeit wurde auch schlampiger.

„Na gut, leih mir dein Buch einen Moment, okay?"

„Ich brauche es aber… Wo ist deins?" fragte Lily und ihre Augen verengten sich zu Schlitzen.

„Wenn du es genau wissen willst… Ich habe keins", antwortete Sirius sorglos.

„Wie bitte?"

„Ich hab es vor einem Monat verloren."

„Was hast du dann die ganze Zeit über gemacht?" wollte Lily ungläubig wissen.

„Ich habe Petes benutzt. Komm schon, lass mich deins nur für eine Minute benutzen."

„Schön", sagte Lily und gab ihm, ziemlich angenervt, „Zaubertränke für Fortgeschrittene". Dann begann sie damit fortzufahren, den Trank weiter umzurühren.

Sie hörte einen dumpfen Aufschlag. Sie drehte sich um, um zu sehen, dass Sirius sich nach vorne lehnte um ihr Lehrbuch aufzuheben.

„Ich hab's fallen lassen, sorry!" meinte er entschuldigend. „Guck mich nicht so an!"

Lily verdrehte die Augen und wollte sich gerade wieder umdrehen, als ihr das Blut in den Adern gefror.

Als Sirius das Buch aufhob, flatterten ein paar zerknitterte Pergamente auf den Boden. Ohne Lilys Entsetzen zu bemerken, bückte sich Sirius und griff nach ihnen, um sie dann in das Buch zurück zu stopfen. Aber dann entdeckte er Lilys Gesichtsausdruck und der neugierige Blödmann faltete ein Stück Pergament auseinander und warf Lily einen gespannten Blick zu. Sein gespannter Gesichtsausdruck wich entzückter Freude, als er die ersten paar Worte las.

„Was ist das?" lachte er. „Bewahrt Lily Evans etwa Liebesbriefe in ihren Lehrbüchern auf?"

„Gib sie mir", sagte Lily in ruhigem, aber scharfem Ton.

Sirius allerdings, hatte andere Pläne. Zu ihrem größten Entsetzen, begann er, einen der Briefe vorzulesen.

Liebe Lily", sprach er in einem übermütigen Ton. „Ich habe wieder an dich gedacht diesen Nachmittag. Nicht, dass ich das nicht jeden Tag tun würde…"

„Gib sie zurück, Black!"

Ich bin geflogen, im wahrsten Sinne des Wortes und im übertragenen Sinne zugleich… Der Himmel hatte den strahlendsten Farbton von rot und orange… von deinem Haar…"

„Ich warne dich –"

Und obwohl es einer der kältesten Abende gewesen sein muss, an dem ich jemals draußen war für eine Weile, überkam mich eine plötzliche Wärme… Wie süß…"

Lily hatte ihren Zauberstab erhoben und war bereit ihn durchzuhexen, dass ihm hören und sehen verging, doch plötzlich hielt Sirius unerwartet inne. Er starrte auf das Ende des Briefes und blickte Lily mit einem schockierten Gesichtsausdruck an.

„Gib mir die Briefe, Black", forderte Lily ein weiteres Mal. Sie wusste, was er dachte. Natürlich war er, genau wie sie, überrascht, dass Mr. Prongs – einer von Hogwarts größten Streichespielern – ihr geschrieben hatte. Er dachte vermutlich an den Streich von Halloween… Es würden überall Gerüchte entstehen…

Aber dann, Gott sei Dank, steckte er die Briefe zurück in ihr Lehrbuch, gab es ihr und musterte sie immer noch mit einem seltsamen Blick. Lily schnappte das Buch und funkelte ihn an.

Ein lauter Knall hinter ihr ließ sie einen Sprung zur Seite machen. Aber diesmal war es kein Buch; es war ihr Zaubertrank.

„Oh nein!" rief sie und warf dabei „Zaubertränke für Fortgeschrittene" unachtsam auf ihr Pult. Sie hatte sich vollkommen ablenken lassen. „Er ist zu heiß!"

Lily versuchte verzweifelt den Trank zu kühlen.

„Nicht schon wieder", stöhnte Sirius.

Und mit einem weiteren Knall ging der Trank in Flammen auf.

Professor Slughorn eilte bei dem Anblick des Feuers herbei. „Ach du liebe Zeit! Ich glaube, dieser Trank bringt ihnen Pech, Mr. Black", sagte er, als Lily den Trank mit ihrem Zauberstab löschte, damit er nicht den ganzen Raum in Brand steckte.

„Er ist ruiniert!" keifte sie. „Professor, ich kann mit diesem…diesem… Idioten nicht arbeiten!" Ihr Zorn bezog sich auf die Ruinierung ihres Trankes, der perfekt geworden wäre und Blacks höhnische Bemerkung über den Liebesbrief.

„Hey, das ist nicht alles meine Schuld", rief Sirius entrüstet. „Es war ja wohl eher dein Job, sich darum zu kümmern, dass der Trank kein Feuer fängt, als meiner!"

„Ja, aber wenn du nicht meinen…" Ihre Stimme wurde leiser; sie wollte den Brief nicht vor der gesamten Klasse erwähnen.

Sirius schien dies zu realisieren und grinste triumphierend.

Zum Glück war die Klasse schnell wieder beschäftigt und Lily, wütend über sich selbst und Black, stürmte hinaus aus den Kerkern.

Nun war die beste Zeit um den Brief abzuschicken. Sie war sich nicht wirklich sicher, ob er wirklich ankommen würde, der Brief war ja schließlich adressiert an „Mr. Prongs".

Ein Teil von ihr war sich sicher, dass die Eule den Brief auf direktem Wege an sie zurückbringen würde, dass sie außerstande war, den Empfänger zu orten, aber sie musste es ausprobieren.

Als sie die Treppen zur Eulerei hinaufstieg, kam sie an James Potter vorbei, der in die entgegengesetzte Richtung unterwegs war.

„Du hast Ruß auf deiner Schulter", war alles, was er sagte. Sie schnitt hinter seinem Rücken eine Grimasse, als er weiter ging.

Glücklich, die Eulerei leer vorzufinden, lockte Lily eine Schuleule hinunter zu ihr. Dann holte sie das Lehrbuch aus ihrer Tasche heraus und blätterte durch die Seiten um den Brief zu finden. Doch weder ihr Brief noch der von Mr. Prongs waren irgendwo aufzufinden.

Leicht panisch durchsuchte sie hastig ihre anderen persönlichen Sachen. Wo war er? Sicherlich hatte sie ihn nicht verloren… Was, wenn Black ihn geklaut hätte? Was, wenn er ihn in der ganzen Schule herumzeigte?

Aber sie hatte doch gesehen, dass er die Briefe zurück in ihr Buch gesteckt hatte... sie hatte es gesehen! Sie mussten heraus gefallen sein. Sie verfluchte sich selbst und rannte zurück in Richtung Kerker, fest entschlossen ihre Schritte nachzuvollziehen und den Brief aufzufinden.

Aber sie konnte ihn nirgendwo entdecken.

Sie konnte ihn einfach noch einmal schreiben, klar, aber sie wollte auf keinen Fall, dass der Brief in der Schule die Runde machte.

Lily machte sich deprimiert auf en Weg in ihren Schlafsaal. Sie hatte überhaupt keinen Appetit auf das Abendessen.

Der Gemeinschaftsraum war, wie sie erwartet hatte, fast vollkommen leer. Nur ein paar vereinzelte Schüler waren anwesend: Ein Fünftklässlerpärchen, die am Kamin herumknutschten, eine Gruppe Siebtklässler, die für die UTZ-Prüfungen lernte und, Lily war alles andere als erfreut sie zu sehen, James Potter und Sirius Black. Die zwei hatten eine wütende, doch gedämpfte Auseinandersetzung, inklusive vielen finsteren Blicke und bösen Gesten. Was für ein Glück, dass sie Lily beide ignorierten.

Nachdem sie sich bequem in ihren Lieblingssessel gekuschelt hatte, zog Lily ein Buch hervor und fing an zu lesen. Sie würde den Brief später noch einmal schreiben. Jetzt konnte sie sich damit nicht befassen.

„Das werde ich NICHT!"

Lily schreckte auf bei diesem Wutausbruch, sowie fast jeder andere im Gemeinschaftsraum. Sie schaute von ihrem Buch auf, gerade rechtzeitig um James Potter die Treppen zu den Schlafsälen hinaufstürmen zu sehen, dicht gefolgt von Sirius Black.

Die Neugier gewann die Oberhand über sie. Unter dem Vorwand auf das Schwarze Brett gucken zu wollen, begab sich Lily näher an die Treppen zu den Jungsschlafsälen heran. Offenbar hatte Sirius seinen Freund ganz oben auf den Stufen gestoppt, denn Lily konnte ihr Gespräch mitanhören.

"Ich werde es nicht tun", sagte James wütend, versuchte aber dennoch seine Stimme so leise wie möglich zu halten.

„Du musst! Du wirst uns sonst total verraten -"

James zögerte. „Was macht das denn schon?"

Was macht das denn schon? Willst du mich verarschen?" entgegnete Sirius ungläubig. „James, du musst damit aufhören!"

„Ich kann nicht! Ich hab's dir doch gesagt. Ich bin -"

„Hör einfach auf sie zu schicken! Als wäre nichts passiert, als hätte ‚Mr. Prongs' hat nie existiert."

Lilys Atem blieb ihr im Halse stecken. Das konnte nicht sein…

„Sie wird letztendlich drüber weg kommen. Sie wird denken, es war nur ein Streich", fuhr Sirius fort. „Und dann kannst du aufhören, dich hinter diesen lächerlichen Briefen zu verstecken -"

„Ich kann nicht, ich liebe -"

„Nein, tust du nicht", sagte Sirius grob. „Du denkst nur, du würdest es tun. Du kennst sie kaum. Wie könntest du also?"

„Du würdest es nicht verstehen."

„Vielleicht nicht, aber ich verstehe genug um zu wissen, dass du aufhören musst, diese Briefe zu schicken."

James war still. „Ich werde keinen mehr schicken", sagte er dann nach einem kurzen Moment. Sirius atmete erleichtert auf. „Weil ich den letzten schon abgesendet habe." beendete James seinen Satz.

Lily hörte nichts mehr. Sie ging, oder vielmehr taumelte, zurück zu den Mädchenschlafsälen. Sie kletterte langsam sie Stufen hinauf, wie in einem Film. Es war unmöglich! James Potter war Mr. Prongs. James Potter. Es war einfach nicht möglich! Er hasste sie. Er hatte sie immer geärgert, hatte auf ihr herumgehackt… Er nannte sie Streberin! James Potter hatte die wundervollen Briefe geschrieben, die seit über einem Monat bekommen hatte? Lächerlich! Das einzig Intelligente, was James Potter jemals zu ihr gesagt hatte, war „Gib mir die Kartoffeln!"

Nein. James Potter konnte nicht Mr. Prongs sein. Er konnte es einfach nicht!

Aber instinktiv, als Lily ihren Schlafraum betrat, zog sie langsam die Bettvorhänge zurück. Ein Brief mit einem scharlachroten Siegel aus Wachs ruhte auf ihrem Kopfkissen…


Und, krieg ich n Review:-)