Müde schloss Hermine die Tür ihrer Garderobe hinter sich und apparierte in das nahe gelegene Hotel

Als Dumbledore am nächsten Tag ins Krankenhaus kam, lief ihm Shelly schon im Flur über den Weg.
„Albus, gut dass ich sie erwische, bevor sie zu Professor Snape gehen. Ich würde sie vorher gern noch über seinen Zustand aufklären." Shelly stockte.
"Was ist mit ihm? Gab es Komplikationen? Nun reden sie schon, Shelly." sagte Dumbledore ungewöhnlich schnell.
„Hm, nun ja, also, sein körperlicher Zustand ist stabil. Allerdings ist er noch nicht aufgewacht und das ist sehr beunruhigend und ungewöhnlich."
"Beunruhigend und ungewöhnlich? Was heißt das genau? Wird er es schaffen?" fragte Dumbledore eindringlich.
„Das weiß ich nicht, Albus. Ich weiß weder, was das zu bedeuten hat, noch ob er es schaffen wird."
Dumbledore wurde blass. „Und was können wir jetzt tun? Was werden sie tun?"
„Wir werden seine körperlichen Funktionen stabil halten und vielleicht tut es ihm gut, wenn vertraute Personen um ihn herum sind, wer weiß das schon. Ansonsten können wir nur abwarten und hoffen.
‚Armer Severus, ich bezweifle ja, dass es ihm gut tut, vertraute Personen um sich zu haben. Aber vielleicht ist es doch wichtig, jetzt wo sich sein Bewusstsein nicht einmischen kann.'
Laut sagte Dumbledore: „Ich werde dafür sorgen, dass die meiste Zeit jemand bei ihm ist. Ich selber werde es so oft wie möglich einrichten."

So vergingen die nächsten Tage. Abwechselnd blieben Dumbledore und einige Mitglieder des Phönixordens bei Snape, dessen Zustand unverändert blieb.

Nach zehn Tagen suchte Shelly das Gespräch mit einem der Auroren, der öfter bei Professor Snape am Bett gesehen wurde.
Der Auror hieß Blalock Richis, wurde von allen aber nur Locke genannt, da sich auf seiner glänzenden Glatze nur eine dunkle Haarsträhne kringelte.
Er war gefürchtet, weil er seine Gegner oft noch grausam zappeln ließ, bis er sie schließlich tötete. Dem Orden war er ein Dorn im Auge, aber er war effizient, zuverlässig und dem Orden treu ergeben, weswegen man ihn dort duldete.
„Hey, Locke, kann ich sie einen Moment sprechen?" fragte Shelly ihn.
"Natürlich, worum geht es denn?" antwortete Locke mit seiner heiseren, tiefen Stimme.
„Professor Snape hätte schon lange wieder aufwachen müssen. Ich sehe keine Hoffnung mehr und wir können hier auch nichts weiter für ihn tun. Ich möchte Albus nicht damit belasten, er ist viel zu sentimental."
„Heißt das, sie wollen die erhaltenden Zauber von ihm nehmen?"
„Ja, es tut mir leid. Alles andere wäre doch nur eine Quälerei. Und der Orden hat sicher auch wichtigeres zu tun, als ständig bei ihm zu sein."
"Puh," stieß Locke eine Menge Luft aus, „ich weiß nicht, ob ich das ohne Albus entscheiden kann. Schließlich geht es hierum das Leben eines wichtigen Mitglieds und, im Gegensatz zu mir, hegt Albus eine gewisse Sympathie für Professor Snape."
"Aber Locke, Albus würde dem niemals zustimmen und wir wollen Professor Snape doch nicht unnötig leiden lassen." sagte Shelly eindringlich.
„Also, nun ja," fing Locke zögernd an.
„Locke." sagte Shelly empört.
„Nun ja, natürlich wollen wir das nicht." redete Locke wenig überzeugend weiter. „Na gut, ich bin einverstanden. Aber bringen wir es schnell hinter uns."

Das Thema Sterbehilfe war in der Zaubererwelt noch wenig diskutiert und Shelly und Locke hatten keine Konsequenzen zu fürchten.

Gemeinsam gingen sie zu Professor Snape.

Einen kurzen Moment beobachteten sie ihn, wie er blass und reglos in den weißen Laken lag.
„Fangen sie schon an, Shelly, bevor ich es mir anders überlege."
Shelly nickte zögernd und begann unverständliche Formeln zu murmeln.
Eine fast unsichtbare Wolke, ähnlich wie schwacher Nebel, verließ Professor Snape und hüllte seinen Körper ein.

Plötzlich ertönte ein lauter Schrei von der Tür her.
„Hören sie sofort damit auf." rief Dumbledore schneidend.
Shellys Augen weiteten sich entsetzt. „Albus, ich wollte nur,"
"Das interessiert mich nicht." unterbrach Dumbledore sie.
Hinter Dumbledore erschien Poppy, die Heilerin von Hogwarts, im Raum.

"Poppy, schnell, helfen sie ihm." sagte Dumbledore, während er Shelly und Locke eisig ansah.
Die Heilerin begann verschiedene Formeln zu murmeln und die Wolke zog sich in Professor Snape zurück.
Poppy und Dumbledore atmeten auf.
Letzterer taxierte die anderen beiden und sagte: „Ich nehme Severus mit nach Hogwarts. Und euch beide möchte ich nie wieder sehen. Ich setze mich umgehend mit der Klinikleitung und dem Orden in Verbindung."

Vier Stunden später lag Professor Snape in einem gemütlichen Einzelzimmer auf der Krankenstation in Hogwarts.
"Poppy, ich setze große Hoffnungen auf die vertraute Umgebung und natürlich auf deine außergewöhnlichen Fähigkeiten als Heilerin. Außerdem ist er hier sicher. Hast du alles, was du für die optimale Versorgung von Professor Snape brauchst?" fragte Dumbledore die langjährige Heilerin von Hogwarts.
„Natürlich Albus, es ist alles vorhanden. Wir werden den alten Knaben schon wieder hinkriegen. Er hat soviel furchtbares erlebt und durchgemacht. Gönnen wir seiner Seele diese Auszeit."