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Vier Gestalten betraten hinter John die Eingangshalle. Vorne waren offensichtlich Mr. Und Ms Romanow. Dahinter waren zwei jüngere Frauen. Die eine erkannte Draco fast augenblicklich. Es war Marija. Die Frau die ihm seit seinem elften Lebensjahr versprochen war. Wer die andere Frau war konnte Draco nicht einschätzen. Sie musste zwischen dreissig und vierzig sein und ihre Kleidung war wohl elegant, aber weniger teuer als die Umhänge der Romanows. Aber es war egal war wer sie war. Draco sollte hinunter gehen und sie in Empfang nehmen. Er wartete bis die Leute alle im wieder hergerichteten Salon verschwunden war, zählte langsam auf zwanzig und setzte sich in Bewegung.
Als er den Raum betrat hatten alle Anwesenden bereits ein Getränk und hatten sich gesetzt. Nun erhoben sich die vier gestalten augenblicklich und die Gesprächsfetzen in russisch verstummten augenblicklich.
„Die Familie Romanow. Guten Abend." Draco ging auf das Familienoberhaupt zu und reichte ihm die Hand.
„Mr. Malfoy. Es ist schön sie endlich persönlich kennen zu lernen. Unser tiefstes Beileid wegen ihren Eltern. Ihr Butler hat uns eben gerade informiert."
Sein Händedruck war kräftig und seine Stimme rau. Dennoch schien seine Umgangsform angenehm.
„Danke. Es ist wirklich traurig, dass sie diesen Zeit nicht miterleben können." Draco senkte kurz den Kopf. Er hatte nicht verlernt was es hiess sich formell zu benehmen. Er hatte nicht vor die Romanows zu enttäuschen. Das würde kein gutes Licht auf ihn werfen, noch würde es dieser Familie etwas bringen. Galant wandte er sich an die Frau des Oberhauptes und schenkte ihr einen Handkuss.
„Ms Romanow. Ich hoffe sie hatten eine angenehme Reise." Er nahm nicht anderes an. Höchstens die Behörden könnten sich angestellt haben, doch er glaubte nicht, dass es weiter Probleme gemacht hat. Die gute Frau war zu alt um noch zu erröten, doch sie zeigte sich offensichtlich erfreut über die Geste, worauf hin sie sich auch gleich an ihre Tochter wandte.
„Mascha, Kind, komm Herr und begrüsse Mr. Malfoy."
Marijas Erscheinung liess nicht trügen. Sie war eine zierliche Persönlichkeit und einem scheuen Blick. Während sie ihm die Hand reichte, sah sie ihn kaum. Doch in dem kurzen Moment da sie den Blick hob, sah er in ihre tiefen, klaren Augen. Er sah Angst darin.
Galant küsste er auch ihre Hand bevor er sich an die dritte Frau im Raum wandte. Sie hatte sich dezent im Hintergrund und blieb auch nun weiter unauffällig.
„Und ihr seid.", fragte Draco doch etwas neugierig.
Statt selbst zu antworten, erklärte der Herr der Familie um wen es sich handelte. „Dies ist Jekatarina Borkjiew. Sie ist Marijas Dienerin seit Marija klein ist und wird zusammen mit ihr hier bleiben. Etwas Heimat, wenn sie verstehen."
Die Stimme des Herrn war immer noch gutmütig, doch Draco meinte auch zu den Schwung von Sorge zu spüren. Nun, sie liessen ihre jüngste Tochter bei einem Mann den sie nicht kannten in einem Land das kaum kannten. Jeder würde sich sorgen.
„Natürlich. Ich werde gleich ein Zimmer für sie richten lassen."
„Das sind deine Räume."
Draco öffnete die Tür zu Marijas Gemächern und liess sie eintreten. John hatte alles wundervoll hergerichtet. Frische Blumen standen auf einem kleinen Tisch und machten den Raum einladender.
„Wenn du noch etwas brauchst, sag es einfach. John wird Miss Borkjiew alles zeigen, dass auch sie deine Wünsche hier erfüllen kann."
Das Mädchen nickte und Draco hoffte, dass sie ihn auch wirklich verstanden hatte. Zwar wusste er, dass sie Englisch verstand, aber er hatte sie noch nie sprechen hören. Nun, wenn es so weiter ging, so würde es eine sehr Stille Ehe werden.
„Ich lasse dich nun allein. John wird dich zum Abendessen abholen." Wieder nickte sie nur.
Sie assen in der Küche, alle zusammen. Draco sah keinen Grund die beiden Bediensteten auszuschliessen. Sie waren ja nur zu viert. Jekatarina schien sich schneller einzuleben oder einfach der sozialere Mensch zu sein. Sie hatte sich im Handumdrehen an John gewandt und sich alles zeigen lassen, ja bereits beim Abendessen geholfen.
„Um Fräulein Romanow etwas Heimat zu geben.", wie sie erklärt hatte. Draco konnte es nur Recht sein. Das Fräulein war nun auch am Tisch und schwieg die meiste Zeit. Allgemein war es schweigsam. Umso schneidender war die Frage, als sie alle schon ausgegessen hatten.
„Warum sind so viele Räume hier leer?"
Draco betrachtete die junge Frau. Das erste Mal blickte sie ihn an. Ihr Englisch war perfekt. Er nahm einen Schluck Wein.
„Weil wir nicht alle Räume bewohnen." Sie nahm die Antwort ohne wiederrede hin. Doch Draco sah das Verlangen nach mehr Wissen in ihren Augen. Er war nicht bereit ihr zu sagen, dass er kein Geld hätte alles herrichten zu lassen und bei gewissen Räumen auch keine Lust. Vielleicht wenn er die Mitgift erhielt zur Hochzeit. Doch sie würde erst zur Hochzeit kommen.
Schweigsam wurde das Essen beendet.
„Sie spricht kaum."
„Du wirst ihr auch gleich mit der ich bin Herr du Nichts Masche gekommen sein.", Pansy durchsuchte die Küche nach einem geeigneten Krug für Tee.
„Ein Schrank weiter, Pans. Nein habe ich nicht und das weisst du. Sie scheint vollkommen eingeschüchtert. Verlässt kaum ihre Räume."
„Danke.", Pansy griff nach dem Krug und füllte Wasser ein um es zu erhitzen. „Kein Wunder. Sie weiss seit sie zehn ist, dass sie dich heiraten wird. Wahrscheinlich ist ihr jeder Kontakt zu Männern verboten worden und sie ist hier völlig fremd. Und entschuldige Draco, aber du bist nicht das Sinnbild einer sozialen Wesens."
Das wusste er auch selbst. Er blickte zum Fenster hinaus, während Pansy weiter in der Küche werkte. Draussen fiel der Regnete es in Strömen. Was sollte er nur mit diesem Mädchen tun.
„Ich kann mich schon um sie kümmern."
„Darum werde ich dich nicht in tausend Jahren bitten, Blaise." Eine theatralische Enttäuschung zeigte sich auf Blaise Zügen.
„Dann halt nicht. Deine Entscheidung."
„Da bin ich mir ganz sicher." Das Mädchen war jetzt schon wie ein scheues Reh. Wenn Blaise sie in den Fingern gehabt hätte, wäre sie nicht nur ein scheues Reh sondern auch noch psychisch gestörtes.
„Vielleicht solltest du mal mit ihrer Zofe reden." Er hatte sich in das Wort Zofe verfressen, weil es ihm vorkam wie im Mittelalter, dass ein Mädchen seit seinem ersten Lebensjahr immer die gleiche Bedienstete hatte. Wie er sie nannte war ja eigentlich egal. Recht hatte er alle Mal.
Bestimmte klopfte Draco an der Tür zu Jekatarians Zimmer. Damit sie bestimmt in ihren Räumen und alleine war, hatte er John damit beauftragt mit Marija die Kleider seiner Mutter durch zu gehen um zu sehen was sie behalten wollte und was nicht. Tatsächlich öffnete sich die Tür.
„Dachte mir schon, dass sie kommen. John hätte sonst nicht darauf bestanden."
Die Begrüssung war eigensinnig. Draco hatte sich bereits an ihr gebrochenes Englisch und an ihre etwas direktere Art gewöhnt.
„Darf ich reinkommen?"
Die Bedienstete trat zur Seite um ihn einzulassen. Dankend betrat Draco den Raum. Das Zimmer war geprägt von seiner Bewohnerin. Mit dem kalten Wetter zusammen kam er sich vor wie in Russland.
„Wie kann ich helfen?" Sie hatte die Tür geschlossen. Draco betrachtete die Bilder, welche auf ihrem Tisch standen. Es waren Bilder der Familie Romanow. Keine anderen. Als wäre es ihre eigene Familie.
„Geht es Marija gut?", fragte er schliesslich als er ein Bild der jungen Frau betrachtete.
„Warum fragen sie nicht selber?"
„Weil sie immer ja sagen würde. Ich will aber wissen wie es ihr wirklich geht." Er sah sich zu Jekatarina um. Ihr Blick war zweifelnd, fast misstrauisch.
„Sie ist einsam. Vermiss ihre Familie."
So etwas hatte Draco erwartet, doch es schien nicht alles zu sein, denn Katarina fuhr fort.
„Und sie sind kalt. Sie hat Angst vor ihnen." Das war offen. Vielleicht etwas zu offen für Dracos Geschmack, aber bestimmt hatte sie Recht. Wahrscheinlich war er kalt. Er öffnete sich nicht gern gegenüber anderen. Auch nicht einem Mädchen, dass ihm versprochen war.
„Sie muss keine Angst haben. Ich werde ihr niemals etwas tun." Damit verliess er den Raum.
Draco besah sich die Liste an Anlässen die John im zugestellt hatte. Im Vertrag hiess es eigentlich, dass es eine offizielle Verlobungsfeier geben sollte. Allerdings war Draco mit Marijas Eltern übereingekommen, dass wegen der veränderten Situation, sich lediglich an dem Tag an einem öffentlichen Anlass zeigen würden und Marija dann ihren Verlobungsring tragen sollte. Das Datum änderte sich allerdings nicht, was bedeutete, dass sie an einem der Sommerbälle teilnehmen würde. Der Grösste war der Hogwarts Gedenkball. Ein Ball an dem an den Opfer der Schlacht und dem Wiederaufbau der Schule Gedenkt wurde. Der erste hatte an der Einweihung der neuen Gemäuer stattgefunden. Seither hatte sich das Ereignis jedes Jahr wiederholt und immer mehr Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Draco hatte mit guten Gründen niemals daran teilgenommen.
„Marija?" Er klopfte an der Tür, bedeutend sachter als er dies vor einiger Zeit bei Jekatarina getan hatte. Es dauerte einen Moment, dann hörte er ihre Fusstritte und kurz darauf öffnete sich die Tür zu ihren Gemächern. Ihr scheuer Blick traf ihn.
„Guten Tag Mr. Malfoy."
Draco runzelte ein wenig die Stirn, trat jedoch erst ein, bevor er etwas sagte. In den Händen hatte er die Liste an Anlässen, welche sich eignen würden.
„Nenn mich doch Draco."
Sie nickte ergeben und Draco gab sich damit zufrieden, dass sie einwilligte. Er war sich anderes von Frauen gewöhnt. Oder hatte er nur einfach bis anhin die Frauen gemieden die einem immer nur haltlos ergeben waren? Er wusste es nicht und er wusste auch immer noch nicht ob ihm ihr Verhalten gefallen sollte.
„Du weisst dass es eine Verlobungsfeier geben sollte?"
Wieder nickte sie und brachte sogar einige Worte zwischen ihren Lippen hervor. „Ja. Meine Eltern haben mir davon erzählt."
„Nun, ich habe mit deiner Eltern ausgemacht, dass wir keine Feier geben, sondern lediglich an einer Feier teilnehmen werden." Erklärte er ruhig. Er erinnerte sich an Jekatarinas Worte und versuchte einen etwas freundlicheren Ton anzuschlagen. Doch es wollte ihm nicht wirklich gelingen.
„Ich habe eine Liste an Feierlichkeiten um das Datum herum. Du kannst dir einen Aussuchen, wenn du das möchtest."
Er reichte ihr das Blatt hin, welches Marija erst kurz musterte, dann aber dankend entgegen nahm. Sie studierte die Liste und Draco wollte sich bereits wieder entfernen, als sie doch nochmal das Wort ergriff.
„Warum gibt es keine Feier von unserer Seite?" Wieder trafen ihn diese klaren Augen und der Durst nach Wissen darin. Einen Moment fragte sich Draco was Marija den ganzen Tag auf dem Manor machte. Er hatte sich noch nie wirklich darum gekümmert. Doch er schob den Gedanken wieder beiseite.
„Die Umstände haben sich geändert. Die Familie Malfoy hat nicht mehr das gleiche ansehen und die gleichen Gepflogenheiten wie vor zehn Jahren. Es hat schon lange keine Festlichkeiten mehr auf dem Manor gegeben."
Wieder liess sie sich mit dieser nicht sehr viel sagenden Antwort abspeisen. Er fragte sich kurz warum, akzeptierte dann aber Dankbar, dass es so war. Seine Lust längere Ausführungen zu machen war nur bedingt.
Ein klopfen erklang. Erstaunt hob Draco den Blick. Sowohl Jekatarina als auch John traten einfach ein. Die Tür war immer offen. Entsprechen konnte das nur eines bedeuten. Marija stand an der Tür zum Arbeitszimmer.
„Entschuldige. Darf ich stören?", sie hielt den Zettel in die Höhe den er ihr vor einigen Tagen gegeben hatte.
Sofort wirkte er sie heran.
„Komm rein."
Ihre Schritte waren zögerlich, so als wollte sie eigentlich gar nicht hier sein und so war es wahrscheinlich auch.
„Setz dich.", bot der junge Zauberer an, doch die Marija blieb stehen. Das erste Mal, dass sie nicht seinem Befehl folgte. Sollte er das als Fortschritt sehen? Er blickte sie fragend an. Vielleicht etwas zu aufdringlich, denn sie schien richtig gehen Mut fassen zu müssen um ihren Mund auf zu bekommen. „Ich würde gerne auf den Hogwarts Gedenkball gehen.", gab sie sehr zu Dracos Missgunst bekannt und legte die Liste auf den Tisch. Wahrscheinlich war ihm anzusehen, dass er lieber nicht dort hinging, denn sofort fügte sie an: „Wenn das für dich Recht ist."
Er versuchte ihretwillen den Gram aus seinen Zügen zu streichen und wohl gelang es ihm. Sie schien erleichtert, als er ihre Entscheidung bestätigte.
„Natürlich. Sonst wäre es nicht auf der Liste." Er nahm das Blatt wieder entgegen und legte es zur Seite. Der Ball würde in einer Woche sein, genug Zeit um sich vorzubereiten. Zumindest äusserlich. Sozial war das eine ganz andere Sache. Dort würden all die Menschen sein die er verachtete und dies würde nicht Arbeit sein. Dies war ein gemeinnütziger Anlass, er konnte nicht einfach wie bei der Arbeit reagieren. Marijas Andeutung der Raum verlassen zu wollen, holte ihn aus seinen Gedanken zurück.
„Warte noch einen Augenblick."
Erstaunt blieb die junge Frau stehen und Draco öffnete eine Schublade seines Pultes. Sachte nahm er die kleine, in samtgehüllte Box heraus und stand auf um zu Marija zu gehen.
Sorgfältig nahm er den zierlichen Diamantring heraus.
„Gib mir deine Hand.", bestimmte er und Marija gehorchte. Etwas zittrig und sehr zaghaft legte sie ihre schmalen Finger in seiner Hand und er streifte ihr behutsam den Ring über ihren Finger. Es war der Verlobungsring seiner Grossmutter. Manche Erbstücke hatte er nun mal behalten um die Ehre der Familie zu wahren. In Gedanken strich er über Ring und Finger seiner nun mehr offiziell Verlobten, bevor er den Blick hob und sie ansah.
Ihre Augen waren auf das Schmuckstück gebannt, ihre Wangen gerötet. Einige Strähnen ihres Haars waren in ihr Gesicht gefallen und Draco gönnte sich den Moment sie eingehend zu betrachten.
