KAPITEL 3: GEHEIMNISSE

Vorwort:


So, das war jetz eine laaaaaaaaange Pause, ich weiß. stressige prüfungszeit, sag ich nur. und irgendwann will man einfach an die frische luft und weg vom PC! aber eure lieben reviews haben mich motiviert, und ich hab ein weiteres kapitel aus dem ärmel gezaubert! übrigens hab ich mir nun die Charlaine-Harris-Romane gelesen (erhöhtes Suchtpotential!!!) und warte begeistert auf "dead in the family", der leider zur zeit nur in den USA erhältlich ist.

am 13. juni ist es soweit: SEASON 3!....freu mich schon wie ein kind auf weihnachten! da ich nun die guten englischen ff's durch hab, muss ich wieder an meiner eigenen arbeiten, um die zeit bis dahin zu überbrücken *g*

aja, in kap2 hab ich einen kleinen (aber wichtigen) inhaltlichen fehler ausgebessert, ich hoffe es ist keinem aufgefallen, dass die beiden nicht nach paris, sondern vermont fliegen wollten ^^ (das klisché war so naheliegend ;)

ich hoffe, meine diletantischen übersetzungen aus dem englischen (was ist ein "maker" im Deutschen?!?) irritieren euch nicht zu sehr *g*

so, viel spaß beim lesen, und ich freu mich natürlich weiterhin über euer feedback!

:* conna


Eric stand regungslos auf dem Dach des gegenüberliegenden Gebäudes. Die blauen Lichter des letzten noch anwesenden Streifenwagens durchzuckten die Nacht, die sich langsam aber sicher ihrem Ende zuneigte. Er würde sich bald auf den Weg machen müssen, seine Augenlider schmerzten bereits vor Müdigkeit. Doch er war noch hier, obwohl die Cops keine weiteren Fragen mehr an ihn hatten, und obwohl ihm Sookie überaus deutlich zu verstehen gegeben hatte, dass sie weder ihn noch Sam als Wächter für die Nacht brauchte („Ich bin kein kleines Kind mehr. Tara und Jason sind im Haus, und wenn ich eure Hilfe brauchen sollte, lasse ich es euch wissen").

Auch Pam war gegangen, nachdem ihr Rücken nach einer Stunde reglosem Stehens und Starrens zu schmerzen begonnen hatte. Ihr Blick hatte Bände gesprochen, als er gemeint hatte, er wolle sich bloß noch etwas in der Gegend umsehen.

Er wusste, was sie dachte, doch sie irrte sich. Er war nicht wegen Sookie hiergeblieben- sie war ihm egal. Natürlich, er begehrte sie, und ihre gefährlich Gabe, sich immer wieder aufs Neue in bedrohliche Situation zu begeben, übte eine gewisse Faszination auf ihn aus... aber dennoch war sie nur ein Mensch. Vielleicht würde er sie eines Tages zu seinem Kind machen, ihr Widerstand würde irgendwann bröckeln, soviel war sicher. Er hatte alle Zeit der Welt und praktischerweise brauchte sie gerade jetzt eine starke Schulter zum Anlehnen.

Doch viel mehr interessierte er sich für die Reihe von scheinbar schicksalhaften Fügungen, die dazu geführt hatten, dass Bill Compton sich vor einigen Monaten dazu entschlossen hatte, in dieses Kaff Bon Temps zu kommen, sich in dem verfallenen Haus irgendeines verstorbenen Vetters einzunisten und sich der Mainstream- Bewegung anzuschließen. Und dann noch diese geradezu lächerliche, romantische Eingenommenheit von Sookie! Man konnte doch tatsächlich glauben, er habe echte Gefühle für sie!

Eric versuchte sich an die Zeit zu erinnern, als er selbst noch keine 200 Jahre alt gewesen war. Es gab einen Zeitpunkt im Leben…oder besser gesagt, in der Existenz eines Vampirs, in dem sich die Persönlichkeit, welche er als Mensch besessen hat, zur Gänze auflöst und durch eine neue, Vampirische, ersetzt wird. Dies geschieht im Durchschnitt etwa zwanzig, dreißig Jahre nach der Schaffung eines Vampirs. Bei manchen Vampiren, den besonders widerspenstigen und sturen, dauerte dieser Prozess etwas länger. Diese Vampire klammerten sich verzweifelt an das letzte Bisschen Menschlichkeit, das sie noch in sich verspürten. Meist wurden aber gerade sie später zu den Grausamsten und Erbarmungslosesten, verbittert und gebrochen durch ihren aussichtslosen Kampf.

Mit 200 Jahren hatte man diese Phase allerdings mit Sicherheit hinter sich. Ein 200jähriger Vampir, so war sich Eric sicher, fand nicht von einem Tag auf den anderen seine Menschlichkeit wieder. Jahre...Jahrzehnte, viel eher, benötigte ein solcher Prozess. Selbst wenn Bill über einen stählernen Willen verfügt hätte, wäre seine Sinneswandlung sehr, sehr plötzlich gewesen. Ein Vampir wurde nicht einfach zum "Vegetarier", es sei denn…

Eric zog die kleine Schmuckschatulle und den Umschlag mit den Flugtickets aus seiner Tasche. Er war der Sheriff von Area 5, und er wusste genau, was in seinem Gebiet vor sich ging. Er kannte die Namen aller Vampire, die sich darin aufhielten, und er wusste von jeder noch so kleinen Gaunerei, die hier abgezogen wurde, Bescheid- was hauptsächlich daran lag, dass er meist selbst darin verwickelt war. Er hatte ein Gespür dafür entwickelt, wenn etwas faul war. Und seit Bills Rückkehr hatte es in area 5 gewaltig zu müffeln begonnen. Diese Flugtickets und der Ring überschritten beiweiten das Budget eines Bill Comptons. Er starrte auf die Tickets. Burlington, Vermont. Der einzige Staat, in dem die Ehe zwischen Menschen und Vampiren bisher legalisiert worden war. Es war ihm also tatsächlich ernst gewesen.

"Du hast es aber verdammt eilig, Bill", murmelte er mit zusammengezogenen Augenbrauen. Die Frage, die sich Eric stellte, war nicht wer Bill entführt hatte. Der Entführer hatte sich zwar alle Mühe gegeben, seine Spuren zu verwischen, doch Eric kannte die Tricks, die solche Leute anwandten. Dennoch hatte der bestialische Gestank des Werwolfs ihn beinahe das Wesentliche übersehen lassen.

Nein, die Frage war, warum Bill so versessen darauf war, diese Frau an sich zu binden.


Tara kämmte ihr vorsichtig die Haare und flocht sie langsam zu einem Zopf. Sookie liebte es, wenn ihr jemand das Haar machte. Sie hatte angedetet, dass sie in dieser Nacht kein Auge mehr zubringen würde, und Tara hatte daraufhin zwei Becher Eiscreme und einen alten Videofilm hervorgezaubert, und nun hockten sie im Dunklen auf der Couch vor dem Fernseher, umgeben von Haarspangen und allerlei anderen Accessoires, wie in Kindertagen. Tara hatte den ohnehin langweiligen Actionfilm lautlos gestellt, und niemand schenkte den explodierenden Autos und saltoschlagenden Helden darin Aufmerksamkeit.

Seit Eggs' Tod war Tara deutlich auf Abstand gegangen, und auch heute war sie ungewöhnlich schweigsam, doch es reichte Sookie, dass sie da war und hin und wieder eine Erinnerung ausgrub, die sie beide verband, und über die sie herzlich lachen konnten. Jason lag halb auf dem Couchsessel, halb auf dem Boden, und schnarchte aus weit geöffnetem Mund. Er war bereits nach einer halben Stunde vor dem Fernseher eingepennt.

Das einzige, was das friedliche Bild im Wohnzimmer des Hauses störte, war die geladene Schrotflinte auf dem Couchtisch. Sookie hatte sich bei Pam informiert: Werwölfe konnten zwar, im Gegensatz zu Vampiren, ein Haus uneingeladen betreten- doch sie vertrugen Silber genauso wenig wie ihre untoten Kollegen. Und wie es der Zufall so wollte, hatte Bill ihr vor nicht allzu langer Zeit eine Packung Monition mit Silberschrot* geschenkt.

„Meist sind es ohnehin bloß geifernde, mit Testosteron vollgepumpte Idioten, sowohl in ihrer menschlichen Form als auch als Werwölfe", hatte Pam abfällig hinzugefügt, „sie sind weder lautlos noch sonst irgendwie subtil. Aber sie sind stark, also sieh zu, dass sie dir nicht zu nahe kommen."

Irgendetwas hatte Sookie an dieser Aussage gestört- und in diesem Moment wurde ihr klar, dass es die Tatsache war, dass es zumindest ein Werwolf geschafft hatte, sich lautlos an Bill heranzuschleichen. Im nächsten Moment beschlich sie das ungute Gefühl, von irgendjemanden belogen worden zu sein.

Sie schüttelte den Kopf, als müsse sie sich selbst davon überzeugen, dass es Unsinn war, was ihr in diesem Moment in den Sinn kam.

„Was ist los?" Tara klang müde und besorgt.

Sookie zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht. Ich blöder Gedanke. Nichts."

Tara zog sie unsanft an den Haaren, sodass sie den Kopf in den Nacken legen und in ihr gespielt strenges Gesicht sehen musste.

„Sookie Stackhouse!", schalt sie von oben herab, „ich kann förmlich hören, wie die Zahnräder in deinem Kopf knirschen! Was ist los?"

Sookie grinste breit. „Das ist nicht mein Kopf, das ist Jason, was du da hörst".

Tara ließ endlich ihren Zopf los und lachte leise. „Na gut. Aber selbst wenn es dir unwichtig erscheint- möglicherweise kann es dabei helfen, Bill zu finden. Du hast gehört was der Detective vorhin gesagt hat."

Sookie zögerte dennoch kurz, bevor sie antwortete. „Als ich auf der Toilette war…naja, ich habe nichts gehört. Weißt du, gar nichts! Natürlich, der Teppich muss alle Geräusche gedämpft haben…aber wenn es einen Kampf gegeben hätte- auch nur einen kurzen- ich hätte ihn doch hören müssen!" Tränen stiegen unmittelbar in ihre Augen, als sie wieder an die Ereignisse im Restaurant zurückdachte, doch sie blinzelte sie rasch weg und fuhr fort: „Kein Kampf…kaum Spuren von Widerstand…der Angreifer muss also entweder sehr schnell oder sehr leise gewesen sein. Aber wer ist schnell und leise genug, um einen Vampir zu überraschen?"

Tara nickte, zuckte aber gleichzeitig mit den Schultern. „Ich weiß nicht…diese Werwölfe?"-

„Die sind anscheinend schnell, aber nicht leise."

„Du meinst, es war ein anderer Vampir?"

Sookie schüttelte hilflos den Kopf. „Ich weiß es nicht!"

Die einzige Person, die ihr einfiel, war Lorena, Bills Erschafferin. Plötzlich wurde ihr bewusst, wie wenig sie eigentlich über Bills Vergangenheit wusste.

Sie rieb sich mit einer Hand über die Stirn. Lorena hatte einen sehr entschlossenen Eindruck auf sie gemacht, und Godric hatte sie zwar aus Texas, nicht jedoch aus Area 5 verbannt. Doch was hatte Lorena mit Werwölfen zu tun? Vampire hassten Werwölfe, soviel war ihr im Laufe des heutigen Abends aufgefallen, und umgekehrt war es nicht viel besser bestellt.

Doch vielleicht war diese Werwolf- Geschichte einfach nur erlogen. Es wäre nicht das erste Mal, dass Eric ihr Vertrauen missbraucht hatte.

Ihre Hände ballten sich zu Fäusten, als ihr bewusst wurde, dass es ein Fehler gewesen war, Eric in die Sache einzuweihen.

Aber hatte sie tatsächlich eine Wahl?


* ja, der Zufall wollte es so ^^