A/N: Ihr zweites Zusammentreffen. :)

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Dies bewerkstelligte sie, indem sie sich zu Hause ein heißes Bad einlaufen ließ (die Wasserrechnung kam schließlich noch nicht gleich sofort), eine Gurkenmaske auflegte und sich dann mit den sphärischen Klängen einer merkwürdigen Muggelband namens Enigma oder so ähnlich zu beruhigen versuchte.

Auch wenn es für einen Slytherin eigentlich nicht richtig war, hatte Pansy kein großes Problem mit Muggeln. Ehrlich gesagt, mochte sie sie sogar ziemlich, sie waren schon findig, ziemlich intelligent und vernünftig (oder zumindest intelligenter und vernünftiger als Zauberer) und hatten einfach wahnsinnig tolle Ideen. Kaffeemaschinen zum Beispiel, dies kam für Pansy auf Platz eins der Top Ten Der Besten Muggelerfindungen, knapp gefolgt von der Kreditkarte, der Handcreme, dem Fernseher und natürlich dem Telefon.

Pansy hatte ein pinkfarbenes, pelzbesetztes Telefon, das mit kleinen, rosafarbenen Opalen verziert war und im Allgemeinen ziemlich grässlich aussah, aber sie hielt es trotzdem in Ehren, weil Blaise, der langsam begonnen hatte, die Muggelwelt mit immer größer werdendem Staunen zu erkunden, es ihr geschenkt hatte. Und außerdem war es ziemlich wertvoll wegen der Opale und wertvolle Sachen schmiss man nicht einfach weg, so etwas sog ein Slytherin schon mit der Muttermilch ein.

Nebenbei bemerkt war sie zwar nie gestillt worden, das hatte eine Hauselfe mit einem Fläschchen übernommen, aber trotzdem. Es ging ums Prinzip und außerdem mochte Pansy Sprichwörter, auch wenn sie noch so dumm waren – als ob irgendwelche Lebensgrundsätze durch Muttermilch übertragen werden könnten! Wie auch immer. Blind tastete Pansy nach besagtem pinkfarbenem Telefon, das wie immer in der Nähe der Badewanne lag, weil man da einfach am besten telefonieren konnte.

Hm. Wen könnte sie anrufen, um diese Zeit? Sie überlegte träge eine Weile, dann fiel ihr schließlich ein, dass sie vor ein paar Wochen die Nummer einer 24-Stunden-Astro-Hotline in ihrem Telefon gespeichert hatte – ja, sie wusste, wie man Telefonnummern speichern konnte, vielen Dank auch. Das war wieder so etwas, das Pansy an Muggeln pries: Elektronische Telefonbücher und Bedienungsanleitungen. Hier bekam man selbst zum Öffnen einer Packung Knäckebrot eine Bedienungsanleitung, während man in der Zauberwelt die gefährlichsten magischen Apparate einfach so vorgesetzt bekam, weswegen St. Mungo's gleich eine ganze Abteilung für Unfälle mit magischen Artefakten benötigte.

Mit einem Seufzen unterbrach Pansy ihre abschweifenden Gedanken, wählte die Nummer im Telefonspeicher (natürlich wusste sie, welche Nummer sie wo gespeichert hatte – sie als Frau hatte selbstverständlich ein hervorragendes Gedächtnis) und lauschte dann, träge und ohne auf die vergehende Zeit zu achten, der rauchigen Stimme, die ihr wunderbare Dinge über Draco und sie selbst ins Ohr raunte.

Entspannt räkelte sie sich in der Badewanne, legte schließlich auf und warf das Telefon dann in hohem Bogen von sich. Natürlich hatte sie es vorher bruchsicher gehext (wie die meisten wertvollen Dinge in ihrer Wohnung), da sie die ein wenig bizarre Angewohnheit hatte, alle Dinge einfach irgendwohin zu werfen. Sie wusste auch nicht, woher dieser Drang kam, aber er war auf jeden Fall sehr vorteilhaft, wenn man Fenster oder Türen schließen wollte, ohne dabei aufzustehen.

Geschickt entfernte sie die Gurkenmaske aus ihrem Gesicht, entstieg der Badewanne wie eine Schönheitskönigin (nun, eigentlich war sie eine Schönheitskönigin, keine falsche Bescheidenheit) und hüllte sich in ihr flauschiges Handtuch. Mit einem Blick auf die Uhr – es war drei Uhr morgens – stellte sie fest, dass sie durchaus ins Bett gehen konnte. Pansy ging niemals vor Mitternacht ins Bett – das war absolut undenkbar.

Nur Gryffindors gingen vor Mitternacht ins Bett – Slytherins waren Geschöpfe der Nacht und der Dunkelheit; allerdings mussten auch sie sich den Gesetzen der Natur beugen und irgendwann schlafen. Außerdem war sie schon ein wenig erschöpft von dem anstrengenden Tag und ließ sich so mit einer gewissen Erleichterung in ihr großes Doppelbett fallen.

Eigentlich war es sinnlos, als allein lebende Person ein Doppelbett zu haben, zumal sie sowieso immer nur auf einer Seite schlief und ihre Männerbekanntschaften fast nie mit nach Hause nahm, aber es gehörte sich eben. Wie trostlos sah denn bitte ein Zimmer aus, in dem nur ein einzelnes Bett stand, auf dem womöglich auch noch Kuscheltiere saßen? Außerdem war das in allen Muggelfilmen auch immer so und da Pansy sich gerne Muggelfilme ansah (ganz egal welche, Hauptsache, die Schauspieler sahen gut aus), hielt sie fast alles, was darin gezeigt wurde, für sinnvoll. (Mal abgesehen davon, dass am Schluss immer das schüchterne Mauerblümchen anstatt der heißblütigen, gerissenen Schönheit (mit der sie sich selbstverständlich identifizierte) den bestaussehenden Schauspieler abkriegte, aber hier ging es mehr um Materielles. Und außerdem hatten heißblütige, gerissene Schönheiten in Filmen immer ein Doppelbett. Die Gründe waren zwar meist fadenscheinig bis nicht vorhanden, aber Gründe waren sowieso unwichtig.)

xXx

Klingelingeling. Klingelingeling. Klingelingeling. Klingelingeling. Klingelingeling.

Das Geräusch störte. Unwillig drehte Pansy sich um und zog sich die Decke über die Ohren, doch es ging unaufhörlich weiter. Nach gefühlten zehn Minuten hörte es auf und sie ließ sich erleichtert in die Kissen zurückfallen – fuhr jedoch wie von der Tarantel gestochen hoch, als es nur zwei Minuten darauf wieder zu klingeln begann.

Wer zur Hölle wagte es, sie um diese Zeit – sieben Uhr dreißig – anzurufen?! Erzürnt sprintete sie ins Bad, fischte das Telefon aus dem Wäschekorb und fauchte: "Wer ist da?!"

"Guten Morgen, Pansy", hörte sie eine sanfte Stimme. "Wo bist du denn?"

"Rein hypothetisch bin ich im Bett!", schnauzte Pansy in den Telefonhörer. "Wer –"

"Oh", sagte die Stimme, die Pansy erst jetzt als Lunas identifizierte. "Nun ja. Wir fangen jetzt an zu arbeiten."

"Wie, arbeiten?", fragte Pansy, während die Zahnräder in ihrem Gehirn ratterten. Arbeiten? Luna? Da war doch irgendetwas gewesen…

"Wer ein Magazin erstellen will, muss früh aufstehen", entgegnete Luna munter. "Ich erwarte dich spätestens in einer halben Stunde hier. Bis gleich." Sie legte auf und Pansy ließ sich stöhnend auf den Badewannenrand sinken.

Sie hatte gerade mal viereinhalb Stunden geschlafen – normalerweise stand sie gegen zwölf Uhr mittags auf! Leider sah sie auch entsprechend aus, stellte sie entsetzt fest, als sie wagemutig in den Spiegel blickte.

Ihre Haare waren schlaff, ihr Gesicht käsig und zerknautscht und dunkle Ringe lagen unter ihren Augen. Im ersten Moment wollte Pansy aufgeben, sich zurück ins Bett schleppen und noch mindestens fünfeinhalb Stunden schlafen. Scheiß auf den Job. Scheiß auf das Geld.

Dann jedoch rieb sich ihre innere Kämpferin den Schlafsand aus den Augen und blies zum Angriff. Wer war sie denn, dass sie wegen einer solchen Lappalie einfach aufgab? Ha! Wofür gab es Gesichtscremes, Make-Up und Kaffee? Sie wollte nicht Pansy Parkinson heißen, wenn sie es nicht schaffte, sich in höchstens einer Viertelstunde so schön herzurichten wie… wie… leider fiel ihr im akuten morgendlichen geistigen Leerlauf kein passender Vergleich ein, aber sie würde auf jeden Fall toll aussehen!

Entschlossen warf sie ihr seidenes Nachthemd von sich, sprang eine Minute unter die kalte Dusche (womit sie zumindest hellwach war), putzte sich die Zähne, schlüpfte in eine enge Hose und ein modisches Shirt, legte drei Schichten Make-Up auf, kämmte ihre Haare so lange, bis sie seidig glänzten, band sie zu einem Zopf zusammen, stieg in ein Paar hoher Stiefeletten und trank drei Tassen Kaffee.

Ein Kontrollblick in den Spiegel – perfekt. So konnte sie die Welt erobern. Entschlossen machte sie sich auf zum Ort ihres geldbesudelten Niedergangs, wie sie das Büro des Klitterers schön metaphorisch-dramatisch zu nennen beschlossen hatte, und marschierte mit durchgedrücktem Rücken und energisch schwingender Handtasche in Lunas Büro.

Sie hatte die Hoffnung gehabt, dass Luna zumindest ein klitzekleines bisschen müde aussah, aber weit gefehlt – sie sah rosig, gesund und wach aus wie das blühende Leben selbst, was noch durch den pinkfarbenen Nickistoff-Jogginganzug verstärkt wurde. "Guten Morgen", strahlte Luna sie an und sprang auf. "Ziehen wir gleich los?"

"Wohin?", fragte Pansy verwirrt.

"Na, auf den Weihnachtsmarkt", erwiderte Luna als sei dies klar.

"Und was wollen wir da?", erkundigte Pansy sich.

Luna antwortete nicht, da sie damit beschäftigt war, aus einem Haufen undefinierbarer Dinge zwei Nikolausmützen hervorzuklauben, von denen sie eine Pansy zuwarf.

Pansy fing sie zwar auf, ignorierte das rote, plüschige Ding jedoch, um eine Frage zu stellen, die ihr schon seit ihrem abrupten Aufwachen im Kopf herumgegeistert war. "Woher hast du eigentlich meine Telefonnummer?"

"Aus dem Telefonbuch, natürlich", entgegnete Luna ungerührt. "Glaubst du, ich stelle dir hinterher?"

Aus Höflichkeit konnte Pansy das natürlich nicht bestätigen – irgendwie hatte sie das Gefühl, dass Luna mehr dunkle Seiten hatte als irgendjemand wusste beziehungsweise ahnte. Allerdings war sie wohl die Erste, die davon erfuhr, also sollte sie diese Position ausnutzen und davon so viel wie möglich in Erfahrung bringen, schließlich könnte es später einmal wichtig werden. Alles konnte wichtig werden. Slytherin-Regel Nummer Die-kann-man-gar-nicht-mehr-alle-zählen.

Unterdessen hatte Luna sich die Nikolausmütze übergestülpt, was sie wie einen verjüngten, hübschen und weiblichen Weihnachtsmann wirken ließ. Um zu testen, ob die Mütze auch saß, schüttelte sie ihren Kopf probeweise – hielt. Sie strahlte. "Los, zieh deine auch auf."

"Bitte, was?", fragte Pansy empört. "Ich zieh die bestimmt nicht auf!"

"Wie willst du denn sonst in Weihnachtsstimmung kommen?", fragte Luna verwundert.

"Wieso sollte ich in Weihnachtsstimmung kommen wollen?", antwortete Pansy mit einer Gegenfrage.

"Weil wir auf den Weihnachtsmarkt gehen", erklärte Luna.

"Und warum gehen wir auf den Weihnachtsmarkt?"

"Um in Weihnachtsstimmung zu kommen", erwiderte Luna munter. Pansy wollte gerade schon eine sehr intelligente und verächtliche Bemerkung über Argumentationskreise vom Stapel lassen, da fuhr Luna fort: "Und um verschiedene Sachen zu kaufen. Und Glühwein zu trinken."

Nun gut, damit konnte Pansy sich schon eher anfreunden. Zögernd setzte sie sich das alberne Ding aufs Haupt und betrachtete sich prüfend in ihrem Handspiegel. Zum Glück biss sich die Mütze weder mit ihrer Hose noch mit ihrer Jacke (über Lunas Kleiderwahl wollte sie lieber nicht erst reden) und sie sah sogar auf eine Weihnachtsbunny-mäßige Weise sexy aus, wenn sie den Kopf ein wenig schieflegte und verrucht dreinblickte. (Das konnte sie sehr gut.) "Perfekt", urteilte sie zufrieden.

Während sie das Büro verließen, fiel ihr ein, dass sie Luna noch fragen musste, wie es gestern Abend bei Potter gelaufen war.

"Zuerst wollte er nicht", sagte Luna nachdenklich. "Ich glaube, er hatte schon etwas anderes vor. Aber dann hat er es sich doch noch anders überlegt und gesagt, dass er mich an Weihnachten abholen und mir eine Überraschung zeigen will."

"Klingt doch… toll", log Pansy. Eine Überraschung von Potter? Was konnte das sein? Freikarten für ein Quidditch-Spiel, die man ihm sowieso mit vollen Händen nachschmiss? Oder die Ministeriums-Weihnachtsfeier, eine ganz schrecklich spießige Veranstaltung, die nur von den Ministeriumsangestellten, pflichtbewusst wie sie nun einmal waren, besucht wurde? (Als ihr – sie musste kurz nachrechnen, kam aber nicht auf das Ergebnis – soundsovielter Exfreund sie dorthin mitgeschleift hatte, hatte sie anschließend Schluss gemacht. Obwohl er wirklich süß gewesen war, kam sie nicht mit jemandem klar, der auf Betriebsweihnachtsfeiern unter einem kitschigen Weihnachtsbaum Geschenke vom Ministerium (Christbaumkugeln mit einem "M" drauf, für… Magie? Oder Ministerium? Das war jedenfalls das Gesprächsthema des Abends gewesen) entgegennahm und Glühwein aus umwerfsicheren Elchmuster-Tassen trank.)

"Und wie war es bei Draco?", fragte Luna, während sie sich von der Nasenspitze bis zur Taille in einen etwa fünf Meter langen Schal mit Sternchenmuster einwickelte.

"Er hat mich natürlich eingeladen", erklärte Pansy lässig. "Gar kein Problem."

"Wundervoll", sagte Luna. "Ganz wundervoll. Was für Weihnachtsplätzchen isst du denn am liebsten? Ich will auf dem Weihnachtsmarkt einen ordentlichen Vorrat kaufen."

Einen Moment lang schwelgte Pansy in Träumereien über Lebkuchenherzen, Kräuterprinten, Zimtsternen, Spekulatius, Mandelsplitter, Anisküchlein, Schokoplätzchen, Kokosmakronen und Pfeffernüsse, dann versetzte ihr die Realität einen harten Schlag auf den Hinterkopf und sie sagte steif: "Ich esse keine Plätzchen."

"Warum nicht?", fragte Luna mit der größten Verwunderung. "Hast du irgendeine Allergie oder so?"

"Ich bin auf Diät", erwiderte Pansy unterkühlt. "Sellerie und Kohlsuppe."

Luna inspizierte sie prüfend. "Ich finde, dass du keine Diät nötig hast. Du bist doch total schlank!"

"Das Gewicht muss ich ja irgendwie halten", erklärte Pansy eisig. Sobald es um ihr Gewicht ging, war sie empfindlicher als ein ganzes Regal voller Porzellan, auf das jemand mit einem Maschinengewehr zielte.

"Na ja, ehrlich gesagt, interessiert es niemanden, ob du jetzt drei oder mehr Kilo weniger wiegst", sagte Luna ungerührt. "Den Leuten ist so was egal, weißt du."

"Mir aber nicht!", fauchte Pansy. "Außerdem passe ich sonst nicht mehr in meine Klamotten!"

"Wenn sie enger sind, sieht es doch nur besser aus", erwiderte Luna zwinkernd.

Darüber musste Pansy wider Willen lachen. "Leider sind meine Klamotten schon an der äußersten Belastungsgrenze angekommen, was die Dehnbarkeit betrifft."

Nachdenklich schob Luna die Unterlippe vor. "Das ist natürlich schwierig", sagte sie mitleidig, fuhr dann aber wieder in ungerührtem Tonfall fort: "Dann wirst du mir eben zusehen müssen, wie ich die ganzen Weihnachtsplätzchen alleine esse."

Pansy schnaubte missmutig. Oh, sie hasste Luna. Nun gut, nicht wirklich, Luna war niemand, den man ernsthaft hassen konnte, dafür war sie viel zu… na ja, es gab vermutlich tausend Begriffe, mit denen man Luna beschreiben konnte, bei denen "anders" an ganz vorderster Stelle stand. Aber sie war Pansy ein wenig… unheimlich, weil sie nicht nur anders war, sondern auf eine andere Weise anders als man dachte. Sie war überraschend und – nennen wir das Kind beim Namen – abgedreht und auf eine merkwürdige Weise sehr slytherinhaft – oder zumindest sehr slytherinhaft für jemanden, der eigentlich ravenclawhaft weltfremd sein sollte. Auch irritierte Pansy dieser ständige Wechsel zwischen vernünftig-pragmatisch und abgehoben-durchgeknallt, aber sie schätzte, dass man sich daran gewöhnen würde, nach achtzig Jahren vielleicht oder so.

Und außerdem sollte sie nicht solche fiesen Bemerkungen machen, die tief in schwärenden Wunden bohrten! Das war Pansys Part, vielen Dank auch.

Im Laufe des Nachmittags stellte Pansy fest, dass Luna eine sehr angenehme Gesellschaft war (wenn man mal davon absah, dass sie ständig auf unsichtbare Dinge zeigte und dabei laut "Oooohhh, schau mal! Ein…" (was-auch-immer) rief) und dass sie sehr überzeugend sein konnte.

So überzeugend-überwältigend, dass Pansy hinterher mit Schrecken feststellte, dass sie doch Weihnachtsplätzchen gegessen hatte. Nun gut, es waren nur zwei Butterplätzchen gewesen, aber es ging hier ums Prinzip. Sie wusste nicht genau, wie Luna das geschafft hatte, sie hatte munter geplaudert, Pansy ein paar Glühweine spendiert, ihre Finger am Glühweinglas gewärmt und auf einmal hatte da diese Tüte mit den Plätzchen zwischen ihnen gestanden, die auf einmal auf unerklärliche Weise in direkten Kontakt mit Pansys Fingern traten, die wiederum auf unerklärliche Weise in Kontakt mit ihrem Mund traten und plötzlich hatte sie dann ein Plätzchen gegessen, zack, ganz schnell war das gegangen.

Am liebsten wäre Pansy schreiend im Kreis gerannt und hätte die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen (natürlich nur zu fünfzig Prozent aus Entsetzen über sich selbst, die anderen fünfzig Prozent aus dem von tausend Diätbüchern, Ratgebern und Fitnesstrainern eingehämmerten Drang, Kalorien abzubauen), aber so konnte sie sich selbstverständlich nicht blamieren. Gut, Luna hätte wahrscheinlich nicht mit der Wimper gezuckt, aber hier waren viele Leute anwesend und Pansy hatte einen Ruf zu verlieren.

So zwinkerte sie nur ein paar Mal sehr konzentriert, hielt ihre zuckenden Glieder unter Kontrolle und zwang sich dazu, ruhig und kühl lächelnd stehen zu bleiben. Contenance war das Geheimrezept. Allerdings nahm sie sich sehr fest vor, heute noch mindestens zwei Stunden auf ihrem Hometrainer zu verbringen.

Luna jedoch schien ihren Fauxpas nicht bemerkt zu haben und erzählte mit ihrer sanften, dahinplätschernden Stimme Geschichten über Expeditionen, die sie mit ihrem Vater unternommen hatte, und die unglaublich langweilig und einschläfernd waren. Allerdings wurde Pansy hin und wieder aus ihrem vagen Desinteresse gerissen, und zwar durch nebenbei eingeworfene Sätze wie "und dann haben wir ihn zerfleischt und ausgenommen und seine Leber gegessen, weil das gut gegen Hühneraugen ist" oder "und dann ist er einfach explodiert und hat alles in seiner Umgebung abgebrannt, aber wir konnten dann immerhin die gebratenen Eichhörnchen essen" oder "und dann haben wir ihnen die Beine abgehackt, weil das das Einzige ist, was hilft, und sie dann zusammengeflochten und als Schiffstaue verkauft, weil wir Geld gebraucht haben". Jedesmal bei einem solchen Satz zuckte Pansy erschrocken hoch, hielt aus einem Reflex ihre Tasse mit dem Glühwein fest und trudelte dann aber sogleich wieder in die angenehme Schläfrigkeit zurück, als Luna mit gleichmütiger Stimme vom Sozialverhalten des Doppelköpfigen Waggawagga-Käfers in Südschweden erzählte.

"Wollen wir eigentlich mal zurückgehen?", fragte Luna dann urplötzlich und blickte auf ihre Uhr, die ein merkwürdig anmutendes, grün gefiedertes… Ding war. Sie hatte nicht einmal ein Ziffernblatt oder einen Zeiger oder irgendeine magische Vorrichtung, es waren einfach nur grüne Federn, aber anscheinend konnte Luna daran irgendwie die Zeit ablesen.

"Gute Idee", sagte Pansy, die wirklich kein empfindliches Wesen war, aber nach Stunden in der Kälte wurde trotz Glühwein und Wärmezaubern selbst der taffsten Frau kalt. Pansy wusste nicht genau, wie Luna es angestellt hatte, aber irgendwie hatte sie es geschafft, ihre zahlreichen mitgebrachten Taschen bis zum Anschlag zu füllen, sodass sie jetzt wie ein pinkfarbener Strich mit zwei großen Ausbeulungen links und rechts durch die Menge wandelte.

Allerdings schien es ihr nichts auszumachen, dass sich manche Leute nach ihr umdrehten, zuerst einen Blick auf die vollgestopften Taschen und dann auf ihren Jogginganzug warfen und die Augenbrauen in einer äußerst vielsagenden Weise hochzogen. (Pansy hatte jedoch die vage Vermutung, dass sie es gar nicht bemerkte, da ihr die Mütze längst so weit in die Augen gerutscht war, dass sie höchstens einen Meter Boden vor ihren Füßen sehen konnte.)

xXx

Zurück im Büro, wollte Pansy sich schon ihres Mantels entledigen, da fiel ihr auf, dass es selbst hier drinnen kalt war. "Oh, da hab ich wohl vergessen, den Kamin anzumachen", sagte Luna ungerührt, lud ihre Taschen ab und entzündete das Kaminfeuer mit einem Schnipsen ihres Zauberstabs. Das Feuer loderte fauchend empor und Pansy kam es vor, als wichen die Gegenstände in seiner Umgebung zurück, um nicht versehentlich als Brennmaterial fehlinterpretiert zu werden, aber das war natürlich nur eine optische Täuschung.

Sie schüttelte sich kurz, um einen klaren Kopf zu bekommen und ließ sich dann auf einem Sitzkissen in der Nähe des Kamins nieder, der eine beruhigende Wärme ausstrahlte. "Ich hab noch Glühwein", verkündete Luna und zog eine Thermosflasche aus einer Tasche hervor. "Willst du auch noch welchen?"

"Nein, danke", sagte Pansy, die zwar dem Alkohol nicht abgeneigt war, jedoch von ihrem gesunden Menschenverstand dahingehend beraten wurde, dass es keine gute Idee sein konnte, sich gemeinsam mit Luna Lovegood zu betrinken.

"Zu spät, tut mir Leid", sagte Luna. "Jetzt musst du es auch trinken, sonst ist die Tasse umsonst schmutzig geworden."

Dieser Logik konnte Pansy sich nicht entziehen und außerdem – was war schon so ein bisschen Glühwein? Das würde sie ja wohl kaum umwerfen, ha! Entschlossen nahm sie die Tasse und trank sie rasch aus. Luna hatte sich unterdessen neben ihr niedergelassen, kramte einen Schokoladennikolaus hervor und biss ihm den Kopf ab. Sie schmatzte ein bisschen und leckte sich die schokoladigen Lippen ab und auf einmal wurde Pansy ganz heiß und sie musste den Blick abwenden, was war das aber auch für eine Hitze in der Bude hier.

Sie befreite sich von ihrem Mantel und wollte sich gerade erheben, als sie sah, dass ihre Glühweintasse bis zum Anschlag gefüllt war. Nanu? Hatte sie die eben nicht ausgetrunken? Misstrauisch kniff Pansy die Augen zusammen und fixierte die Tasse sehr genau. Normalerweise war Pansy sehr gut in Legilimentik, aber die Gedanken der Tasse konnte sie einfach nicht lesen, geschweige denn, ihr die Wahrheit entlocken.

"Ist was?", fragte Luna, die inzwischen bei der Körpermitte des Schokonikolaus' angelangt war und nun an den Rändern lutschte.

"Nein", sagte Pansy hastig und trank ein paar Schlucke Glühwein. "Ich dachte nur… egal."

Luna lächelte erfreut. "Geht es dir manchmal auch so, dass du etwas siehst oder hörst und dann im ersten Moment total baff bist, bis dir auffällt, dass es gar nicht wirklich so ist?"

"Ja, manchmal schon", antwortete Pansy, unsicher, worauf Luna hinauswollte.

"Küss mich", sagte Luna.

xXx

A/N: CLIFFIE. Hehe.