Wenn the Bough Breaks
Harry öffnete langsam die Augen. In seinem Kopf hämmerte es. Scharfer, stetiger Schmerz flammte in seinen Schläfen auf und grillte sein Gehirn. Er stöhnte laut auf und zog so die Aufmerksamkeit der Krankenschwester auf sich.
''Mister Potter, wie fühlen Sie sich?", fragte Madam Pomfrey, während sie einen Kelch voll blutroter Flüssigkeit hielt.
Harry besah sich vorsichtig den Kelch und antwortete: "Nicht gut."
Ihre Augen leuchteten und innerhalb weniger Augenblicke wurde ihm der Kelch in die Hand gedrückt. "Austrinken! Ich hole noch etwas aus den Lagerraum."
"Ja, Ma' am", murmelte er und leerte den Kelch in einem Zug. Der Trank glitt durch seine Kehle. Sein Magen begann sofort zu brennen, und Blasen zu bilden. Es fühlte sich an, als hätte er einen Kessel voll kochender Säure geschluckt. Er verschluckte sich sogar noch. Seine Augen schwammen in Tränen. Krampfend fiel er zurück auf das Bett, wo er an den Laken zerrte.
"Wow! Das ist mal eine Überreaktion", schwebte eine melodische Stimme zu seinen Ohren.
"Was zur Hölle!?", würgte er, während sich seine Brust hob und senkte. "Wer - oder?"
"Ich bin Gabrielle. Du kennst mich, du hast mich aus dem See voller Meermenschen gerettet", grinste sie.
Minuten vergingen, in denen nur das stöhnende Gurgeln von Harry zu hören war, als er sich vor Schmerzen wand. Endlich entspannte er sich, als die Schmerzen zurückgingen, sodass Harry sich mit ein wenig mehr Energie zurücklehnte.
"Okay, Gabrielle. Was führt dich hierher?", keuchte Harry, seine Augen auf die Decke gerichtet.
Harry hörte ein Seufzen. "Sieh mich an. Du wirst es eh ziemlich schnell herausfinden."
Er drehte langsam den Kopf, zur Quelle der Stimme und verharrte wie angewurzelt in seiner Bewegung. Gabrielle saß, von Kissen gestützt, im weißen Krankenhausbett. Ihre Haut war blass, noch weißer, als die Laken und ihr Gesicht war von lilablauen Flecken übersät. Am schlimmsten waren die Gezackten, wütend aussehende rosa Narben, die ihren Hals, Arme und Gesicht entstellten. Ihr Gesicht war hager und besah ihn mit einem hohlen Blick. Er hatte so etwas bisher nur noch bei einer weiteren Person gesehen. Bei seinem Paten Sirius Black, nachdem er zwölf Jahre in Askaban war. Was war mit diesem armen Mädchen nur geschehen, dass sie so … gebrochen wirkte?
Das Mädchen lächelte traurig und nickte. "Ja, ich bin ein toller Anblick, nicht wahr."
Harry konnte nur entsetzt nicken. "Was ist passiert?"
"Ich wurde angegriffen", sagte sie einfach. "Bolt dort hat mich gerettet."
Harry sah zu der Stelle, zu der sie nickte und geschockt realisierte er, dass es sein beschworener Wolf war!
"Du hast meinen Wolf Bolt genannt?", fragte Harry ungläubig
Das Mädchen sah mit plötzlichem Interesse zu ihm herüber. "Yup! Ich nehme an, das macht nun zwei Lebensschulden, die ich dir schuldig bin."
Harry runzelte die Stirn. "Ich kann mich nicht erinnern, was nach …" Er brach ab.
"Nach dem Zauber geschah", beendete der Wolf.
"Ja!", nickte Harry. "Was ist passiert?"
Der Wolf starrte ihn an, und nach einem Moment, in dem er nachdachte, antwortete er: "Ich habe gehört, dass Gabrielle angegriffen wurde, so sagte ich Dumbledore, er solle gehen und dich auf die Krankenstation bringen, während ich mich um die Angreifer kümmerte."
"Was meinst du mit "kümmerte"?", fragte Harry vorsichtig.
"Ich verbrannte sie es mit goldenem Feuer", antwortete der Wolf.
"Was und warum?", fragte Harry, entsetzt. "Sind sie tot?"
"Ja, ich habe sie getötet! Schau dir an, was sie Gabrielle angetan haben. Ich gab ihnen eine Chance und sie versuchten, mich zu töten, als ich mich herumdrehte. Es war Selbstverteidigung und die Verteidigung eines Anderen", knurrte der Wolf aufgeregt. Aus seinen Nasenlöchern sprühende Funken versengten den weißen Boden.
"Ich glaube dir, aber war es wirklich notwendig?", fragte Harry verzweifelt.
"Ja!" Es war nicht Bolt, der reagiert, sondern Gabrielle. "Sie waren unerbittlich. Wenn sie überlebt hätten, hätten sie niemals damit aufgehört, uns zu töten."
Der Wolf schnaubte. "Sie können mich nicht töten. Es geht über ihre mageren Fähigkeiten."
"Was?", fragte Harry.
"Wir sind sehr mächtig", sagte Bolt geheimnisvoll.
"Oh, danke", sagte Harry sarkastisch.
"Du bist immer herzlich willkommen", meinte Bolt mit einem wölfischen Grinsen.
"Zurück zum Thema -" Harrys Tirade wurde unterbrochen, als Madam Pomfrey mit einem ganzen Tablett voller roter Tränke, in den Raum eilte. Harrys Gesicht wurde leichenblass und er versteckte sich, beide Hände vor seinen Mund haltend hinter seiner Bettdecke.
"Wirklich jetzt, Mister Potter. Sie sind wirklich nicht so schlimm … " Nachdem sie den ungläubigen Blick von Harry sah, er hielt noch immer beide Hände vor den Mund, gab sie nach. "In Ordnung, Mister Potter. Ich lasse sie ein paar Minuten in Ruhe."
Harry atmete erleichtert auf und nahm seine Hände runter. Er stützte sich auf die Seite seines Bettes, während er Gabrielle und den Wolf anstarrte.
Die Uhr tickte. Immer wieder kam der wenige Lärm in den Fokus der peinlichen Stille. Man hörte die Sekunden in den Nebeln der Zeit verblassen, als sie sich selbst verloren, und prompt schlief er ein.
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Als Albus Dumbledore in den Krankenflügel kam, bot sich ihm ein besonderer Anblick. Harrys Zauber-Animation bewachte Gabrielle, während Harry, der aus dem Bett gerutscht war, auf dem Boden zusammengesunken schlief. Mit einer kaum wahrnehmbaren Bewegung seiner Hand, ließ er den schlafenden Jungen in einer bequemeren Position auf das Bett schweben.
"Das sollte reichen", bemerkte Albus mit Genugtuung. "Nun, warum war ich doch gleich wieder hier? Ich hasse dieses Alzheimer wirklich."
"Du hast kein Alzheimer, Albus. Ich habe es dir bereits gesagt", sagte Madam Pomfrey, als sie ihr Büro verließ.
"Warum kann ich mich dann nicht an eines dieser Gespräche erinnern, meine Liebe?" Dumbledore sah leicht selbstgefällig aus, als er dies sagte.
"Weil du ein Idiot bist." Dumbledores Grinsen verschwand sofort.
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Das britische Zaubereiministerium war über Jahrhunderte als das größte magische Reich der Welt bekannt. Mit seiner Stärke überlebte es Zeiten der Hungersnot, Aufruhr und Krieg. Es war die Säule der magischen Gesellschaft. Die helle Flamme, die weit in der Ferne aus dem dunklen Himmel leuchtete. Seit Hunderten von Jahren wurde der Begriff ''Zaubereiminister'' verehrt. Und dann kam Grindelwald.
Der mächtige dunkle Lord war in den 1940er Jahren für unzähligen Magier und Muggel gleichermaßen verheerend. Es war eine Zeit der Angst, und die Öffentlichkeit sah wieder nach Großbritannien, um die Welt zu retten. In seiner immensen Macht dachte das Ministerium, es sei allmächtig. Es mobilisiert eine kleine Armee von Auroren, um das Gefängnis Nurmengard, von wo Grindelwald mit eiserner Faust regierte, zu stürmen. Fünfundzwanzigtausend Männer und Frauen marschierten auf Nurmenguard zu. Die magische Gesellschaft dachte, sie würden gerettet. Sie feierten in den Straßen und tranken in dem Wissen, dass Großbritannien Grindelwald besiegen würde.
Am nächsten Morgen, als sie verkatert und träge aufstanden, konnten sie zunächst nicht verstehen, was sie da sahen. Dann kam der Horror über sie. Fünfundzwanzigtausend lange Pfähle waren grob in den Boden gerammt worden und auf jedem Einzelnen steckte der Kopf eines Aurors.
Zu dieser Zeit begannen die Leute, die Briten zu hassen. Sie tolerierten fürderhin weder ihre Bigotterie noch ihre übermäßige Arroganz. Die britische Nation wurde auf eine einzelne Erinnerung reduziert, zu einem Schatten von dem, was sie gewesen war. Der Minister trat in Schande zurück. Alle Hoffnung für die Welt war verloren.
Dann kam Albus Dumbledore, der Leuchtturm der Hoffnung. Er zerstörte die Schutzzauber, die Nurmengard umgaben, und ging in die Burg. Drei Tage lang war er verschwunden. Die Welt wagte nicht, zu hoffen. Endlich, am vierten Tag kam Albus Dumbledore siegreich aus dem Gebäude.
Dumbledore wurde bei seiner Rückkehr nach Großbritannien, als glorreicher Held gefeiert. Er wurde in den Status eines Gottes erhoben. Egal, wie sehr er dagegen protestierte, wurde darauf bestanden, dass er Großbritanniens höchste Auszeichnung, den Orden des Merlin erster Klasse akzeptierte.
Die nächsten dreißig Jahre vergingen ohne Zwischenfälle. Die Briten hatten etwas von ihrem allmächtigen Bild restauriert und die Ministerin, Milicent Bagnold, tat nichts, um das zu verhindern. Seit dreißig Jahren herrschte Frieden. Dann fiel ein weiterer Schatten über sie.
Der Aufstieg des dunklen Lords Voldemort war leise, schnell und tödlich. Fast explosionsartig erreichte er, schneller als alle vor ihm, die absolute Macht. Das Ministerium glaubte, in seiner Allmacht törichter Weise, Voldemort mit einen Kontingent von zwölf gut ausgebildeten Attentätern, angreifen zu können. Durch den scheinbaren Mangel an Respekt und Angst verärgert, schlachtete er das Auroren Corps ab. Die einst so stolze und mächtige Armee, die in die Tausende ging, wurde auf ein kleines Kontingent an Polizisten reduziert.
Die Welt sah wieder einmal das Ministerium, als das, was es wirklich war. Schwach, arrogant und grausam. Ein gefallenes Reich. Eines, dass jede Aufmerksamkeit verloren hatte, bis es zu spät war. Viel zu spät.
Deren magische Bevölkerung wurde, in einer Angelegenheit von sieben Jahren, von blühenden Milliarden auf ein paar Hunderttausend reduziert. Als alle Hoffnung verloren schien, kehrte Voldemort wieder nach Großbritannien zurück, um ein kleines Kind zu töten. Harry Potter. Als die Auroren Voldemort Leiche im Haus der Potters fanden, waren sie verblüfft. Noch erstaunlicher war die Tatsache, dass der junge Harry überlebt hatte. Auch die Zaubererwelt feierte dies. Nur dieses Mal gab es keine Missverständnisse über die Macht Großbritanniens. Sie hatten sich auf der Leistungsskala niedriger als Simbabwe degradiert.
Zaubereiminister Cornelius Oswald Fudge wusste nicht, was zu tun ist. Großbritannien stand wieder einmal im Blick der Welt und es war ganz sicher kein positiver. Er bekam noch immer jeden Tag Heuler von den führenden Köpfen der Welt, wegen des erzwungenen Eintritts des Potter Jungen in das trimagische Turnier. Er war verständlicherweise wütend und versuchte sofort dieses Turnier vorzeitig zu beenden.
"Minister Fudge, wir können nicht einfach das Turnier abbrechen, wenn nicht alle Teilnehmer einen schmerzhaften Tod sterben wollen", sagte ihm Ludo Bagman, der Leiter der Abteilung für magische Spiele und Sportarten zu ihm. "Barty sagte dies ebenfalls."
Fudge hatte das Gefühl zwischen einem Berg, und einem Felsen eingezwängt zu sein. Er konnte den Jungen wegen der schlechten Presse nicht weiter teilnehmen lassen. Andererseits konnte er das Turnier nicht ohne schlechte Presse abbrechen. Mit einem Seufzer erkannte er, dass es wahrscheinlich noch sehr viel schlimmer kommen würde, falls er die Champions dadurch tötete.
"Verdammt!", schrie Fudge und warf seine Kaffeetasse an die Wand, als ein weiterer Heuler in seinem Büro landete.
