Die peinliche Geschichte, wie ich Draco Malfoy einen Heuler zu Weihnachten schickte

Nach dem Weihnachtsball hatte Malfoy mich weitesgehend ignoriert und gelegentlich schlich sich der Gedanke ein, er würde das Date und den Kuss bereuen. Jedes Mal wenn ich anfing dies zu denken, ertappte ich mich dabei, wie ich mir die Ohren zuhielt und langsam bis zehn zählte. Und als ob dieser quälende Gedanke nicht schon schlimm genug wäre, hatte Pansy Parkinson wieder angefangen, Draco wie die Fliege einen Misthaufen zu umschwärmen. Gerade saß sie gemeinsam mit Malfoy, Crabb und Goyle um den Kamin, die die letzten Hausaufgaben für dieses Jahr fertigstellten. Pansy hingegen schmachtete Draco über den Rand ihres Arithmatikbuches an und noch ekeliger, zog ihn mit Blicken aus.
Ich wandte schnell den Blick ab, um nicht brechen zu müssen und schrieb stattdessen an meinen Weihnachtskarten weiter. An meine Eltern, Großeltern und Freunde. Schließlich würde ich dieses Jahr über die Feiertage nicht nach Hause fahren, denn ich musste noch ein paar Essays schreiben!
Ich seufzte und schaute wieder in Richtung Kamin. Draco und Pansy lehnten sich gemeinsam über ein Buch und studierten es. Just in diesem Moment sah die Mistkröte auf und starrte mich ebenfalls direkt an. Sie streckte mir die Zunge heraus und rutschte näher zu Draco heran. Am liebsten hätte ich ihr mein Tintenfass an den Schädel geschmettert, doch ich beherrschte mich, denn jetzt blickte auch Draco in meine Richtung.
Meine Hände wurden wieder schwitzig und allem Herzklopfen zum Trotz schaffte ich es, mir ein Lächeln in seine Richtung abzuzwingen. Er nickte höflich und mit einem leichten Lächeln auf den Lippen in meine Richtung.
„Draco? Kannst du mir diese Formel nochmal erklären?", fragte Pansy ihn mit honigsüßer Stimme und zog die Aufmerksamkeit wieder auf sich.
„Das hab ich dir doch schon dreimal erklärt…", Malfoys Stimme klang genervt aber nichtsdestotrotz beugte er sich wieder mit dem Mistkäfer über das Buch.
Es machte mich ein wenig traurig, die Beiden so nah beieinander zu sehen und so beugte auch ich mich wieder über meine Weihnachtskarten. Wie gerne ich ihm sagen würde, dass ich den Tanz mit ihm genossen hatte, wie sehr ich den Kuss genossen hatte und das ich die letzten drei Nächte nur von ihm geträumt hatte. Doch wie? Morgen würden alle Schüler nach Hause fahren und momentan nahm Pansy ihn in Beschlag.
Ich nahm wieder meine Schreibfeder zur Hand und unterschrieb die letzte Karte für meine Familie. „Eure euch liebende Lina", kritzelte ich darauf und plötzlich hatte ich eine Idee. Warum schrieb ich Malfoy nicht einfach eine Weihnachtskarte? Ich konnte ihm danken, ohne dass Pansy etwas davon mitbekam und vielleicht freute er sich ja sogar ein wenig!
Mit schnellen Fingern steckte ich die fertigen Karten in die Umschläge und holte eine neue hervor, auf die ich aber nicht sofort meine Schreibfeder setzte. Nein Lina, ganz blöde Idee gleich loszuschreiben. Du solltest dir erstmal ganz genau überlegen, was du ihm eigentlich sagen möchtest. Also nahm ich stattdessen erst einmal ein Stück Pergament zur Hand und kritzelte ein paar Sätze vor:
Geliebter Draco…
Oh Gott nein, viel zu dick aufgetragen.
Hey Draco…
Nein, auch das war nicht das Richtige.
Fröhliche Weihnachten, Draco…
Mmh klang eher nach einem Schlusssatz.
Frustriert zerriss ich das Pergament und nahm das nächste zur Hand. Wie wäre es mit…
…Hallo Draco ?
Nein, auch nicht. Ich schüttelte verzweifelt den Kopf. Puh, irgendwann musste mir doch mal etwas einfallen! Ich setzte die Feder zum gefühlten hundertsten Mal an.
Lieber Draco…
Auch nicht das Gelbe vom Ei, aber ich würde es jetzt nehmen. Was Besseres wird mir ohnehin nicht in den Sinn kommen und „Lieber Draco" war wenigstens nicht zu schnulzig, aber auch nicht zu lasch: Die perfekte Würze eben!
Also, wie geht es weiter?
Danke, für die schöne Ballnacht…
Jep, das ist schon mal gut
Ich habe mich wie eine Prinzessin, nein Königin, gefühlt…
Auch der Satz war meiner Meinung nach in Ordnung
Der Kuss kam überraschend und ich denke, auch für dich…
Der Satz ist in Ordnung!
Ich hoffe, der Kuss ließ deine Gedanken nicht so sehr wirbeln wie meine…
Vielleicht etwas zu dick aufgetragen? Nein. Ich denke, er ist angemessen.
Ich wünsche dir schöne Feiertage, von Lina Livingsten.
Ich zögerte kurz, ob ich nicht „deine Lina Livingsten" schreiben sollte, beließ es aber dabei. Schließlich war ich nicht SEINE Lina, sondern leider nur IRGENDEINE. Aber das würde sich hoffentlich durch die Karte ändern und er würde mich wieder mehr beachten als Pansy Parkinson.
Ich setzte mein Federkiel zur Seite und begutachtete mein Werk:
Lieber Draco,
danke, für die schöne Ballnacht.
Ich habe mich wie eine Prinzessin, nein Königin, gefühlt.
Der Kuss kam überraschend und ich denke, auch für dich.
Ich hoffe, der Kuss ließ deine Gedanken nicht so sehr wirbeln wie meine!
Ich wünsche dir schöne Feiertage.
Von Lina Livingsten

Ich beglückwünschte mich selbst zu dem gelungenen Text und klopfte mir imaginär auf die Schulter. Kein Wunder, dass der Sprechende Hut damals bei mir so lange gezögert hat. Ich wäre dem Haus Rawenclaw mehr als würdig gewesen. Ich wäre überragend gewesen!
Mit einem zufriedenen Seufzer erhob ich mich von meinem Sitz am Schreibtisch und schlenderte zum Schlafsaal, um mein Siegel und Wax für den Umschlag zu holen. Für einen Malfoy nur das Beste, oder nicht?
Siegel und Wax waren schnell gefunden, doch als ich den Gang zum Gemeinschaftsraum einbog musste ich leider feststellen, dass Pansy meine kurze Abwesenheit genutzt hatte, um sich neugierig über meinen Text zu beugen. Die hohle Nuss sollte sich lieber um ihren Kram scheren, aber im Grunde hatte ich auch selbst Schuld. Warum ließ ich die Sachen offen liegen, ohne sie mit Schutzzauber vor neugierigen Blicken zu schützen? Vielleicht war ich ja doch nicht für Rawenclaw gemacht…
„Nette Weihnachtskarte, Livingsten", Pansys Stimme quoll fast über vor Ironie und Sarkasmus.
„Danke, Parkinson, dass weiß ich bereits!".
„Du denkst doch nicht allen Ernstes darüber nach, Draco diesen Müll zu schicken?".
„Hätte ich die Karte sonst geschrieben, Parkinson?". Bei Merlins Bart, das Mädel konnte echt blöde Fragen stellen.
„Als ob er sich zu so einem Geschmiere freuen würde", sagte sie herablassend und mit garstigem Blick.
„Und falls nicht, hab ich ihm wenigstens alles gesagt, was ich zu sagen habe! Moment mal, warum rede ich überhaupt mit dir? Zieh leine, Parkinson", schnauzte ich sie an und signalisierte ihr mit einer Handbewegung, Land zu gewinnen. Sie schnaubte verächtlich.
„Tja, dann schrei ihm mal dein Herz entgegen", sagte sie plötzlich und gesellte sich ohne weitere Erklärungen zu den Jungs zurück. Ich war verwirrt, ihre letzte Aussage machte gar keinen Sinn und fast befürchtete ich, die heckte wieder etwas aus.
Kopfschüttelnd, um den fiesen Gedanken zu vertreiben, setzte ich mich wieder an den großen Schreibtisch und lass mir noch einmal leise selbst den Text vor, um sicher zu gehen, dass auch jedes Wort so rüber kam, wie es gemeint war. Ich war zufrieden: Kein Wort oder Satz war doppel- oder zweideutig, alles war gut formuliert, er würde verstehen, was ich meinte.
Glücklich, müde und ein wenig nervös steckte ich die Karte in den Umschlag, den ich schließlich versiegelte. Es war schließlich schlimm genug, dass Parkinson den Inhalt kannte. Es sollten nicht noch mehr Leute Wind von meinen Gefühlen für den Blondschopf kriegen. Kurz kam nämlich schon der Gedanke, dass Pansy die Karte auch laut hätte vorlesen können, als sie so darüber gebeugt stand. Aber nach dem ruhigen Verhalten meiner Mitschüler zu urteilen und daran, dass mich bisher niemand angegrinst oder komisch angestarrt hatte, schloss ich schließlich, dass sie wohl die Klappe gehalten hatte. Sie hatte eine Chance ausgelassen mich zu schikanieren. Es passieren also doch noch Wunder!
Ein Blick auf die Uhr verriet, dass es bereits halb 11 war und allmählich lehrte sich auch unser Aufenthaltsraum. Von meiner Position am Schreibtisch sah ich zu, wie einer nach dem anderen sich erhob und in Richtung der Schlafsäle davonging. Es dauerte auch gar nicht mehr lange, bis Malfoy und seine Gorillas ihren Platz am Kamin verließen, einzig Parkinson und ich blieben in dem großen Raum zurück. Leichte Panik machte sich in mir breit. Was, wenn sie die Karte nur nicht vorgelesen hatte, weil mich jetzt noch etwas viel schlimmeres erwartete als das Gelächter der anderen?
Doch nichts passierte! Pansy räumte ihre Bücher und Pergamente zur Seite, löschte den Kamin und verschwand ebenfalls. Träumte ich? Sonst ließ sie keine Gelegenheit aus, mich schlimmer zu schikanieren, als ein Gryffindor oder ein Hufflepuff. Und jetzt? Nichts?!
Eine Stimme in meinem Hinterkopf schrie mich an, auf der Hut zu sein. „Pansy Parkinson ist ein Biest und kennt den Inhalt des Briefes", schrie diese Stimme und mein Atem beschleunigte sich automatisch. Ruhig Lina, ermahnte ich mich, kein Grund paranoid zu werden.
Mit zitternden Beinen erhob ich mich von meinem Stuhl, drehte eine kleine Runde durch den Raum um sicherzugehen, dass ich auch wirklich alleine war, und legte den Umschlag schließlich unter den Weihnachtsbaum zu Malfoys Geschenken. Auch hier vergewisserte ich mich ein letztes Mal, dass ich den ausreichend versiegelt hatte, um mich letztlich mit ruhigem Gewissen schlafen zu legen.
Ich schlief tief und fest, wurde jedoch unsanft geweckt, als mehrere Koffer über die alten Holzdielen geschoben wurden. Ernsthaft? Wussten die nicht wie Magie funktionierte? Man kann Koffer auch schweben lassen! Stöhnend warf ich ein Kissen nach Millicent Bulstrode, die, dick wie ein Walross, das Ding schnaubend wieder zurückwarf. Leider war es schon halb 7 und so lohnte es sich nicht mehr, liegen zu bleiben. Seufzend stand ich also auf und trottete zum Badezimmer. Hier ließ ich mir schön viel Zeit: Ein ausgiebiges Bad, schminken, frisieren, anziehen. Schließlich war Weihnachten. Eine halbe Ewigkeit später kam auch ich im Aufenthaltsraum an und sah ein halbes Duzend Schüler, die sich über ihre Geschenke hermachten. Ein schneller Blick durch den Raum verriet mir, dass Draco nicht unter ihnen war. Aber er war auch zu fein für so ein kindisches Gehabe!
Ich für meinen Teil verkroch mich etwas abseits von den anderen und setzte mich im Schneidersitz in eine Ecke hinter den Baum. Mein Cardigan fest um mich gezogen, denn es hatte noch niemand den Kamin angemacht. Mal sehen: Von meinen Eltern war eine handvoll Pakete gekommen (wie erwähnt, würde ich nicht nach Hause fahren) und auch meine Großeltern hatten eine Kleinigkeit geschickt. Des Weiteren ein Päckchen von Millicent, eines von Astoria Greengrass und eine Karte ohne Absender, wahrscheinlich die alljährlichen Weihnachtsgrüße vom Schulleiter. So eine Karte bekam jeder! Mmh, hatte ich auf Malfoys Karte einen Absender geschrieben? Ich wusste es nicht. Aber ich hatte die Karte auf jeden Fall signiert von daher, machte das nichts.
Besagter Slytherin-Schönling kam auch keine zwei Sekunden später in den Raum. Er musterte abwertend die Horde Schüler, die sich wie Aasgeier über ihre Geschenke hermachten und nahm auf dem großen Sofa Platz. Crabb und Goyle waren bei ihm, Pansy nicht. Aber sie war auch bekanntlich kein Morgenmensch! Ich beobachtete die Drei von meinem Platz hinter dem Weihnachtsbaum.
„Weniger Geschenke als letztes Jahr, Draco? Warst du unartig?", fragte Goyle ihn. Crabb kicherte.
„Tch, das sind nur die Geschenke von irgendwelchen Mitschülern. Die meiner Eltern warten Zuhause auf mich", knurrte er die Beiden an, die sofort still waren. Mit hochgezogener Augenbraue musterte er seinen Stapel an Paketen, allen voran, meiner Karte. Er nahm den Umschlag elegant zwischen zwei Finger, lass den Absender (den ich wohl doch draufgeschrieben hatte) und legte ihn mit einem spöttischen „Tch" auf den Kaffeetisch neben sich. Dann widmete er sich seinen Geschenken, eins nach dem anderen. Fast war ich enttäuscht, dass er der Karte kaum Beachtung schenkte, aber ich riss mich zusammen. Um mich abzulenken, packte auch ich meine Geschenke aus. Von meinen Eltern gab es ein hübsches Silberarmband, eine neue Schallplatte der „Schwestern des Schicksals", Eintrittskarten für ein Quidditchspiel England gegen Frankreich, ein Buch über moderne Mumien und ein Taschenwärmer, der Stundenlang warm blieb. Von meinen Großeltern kam ein neuer Schal und Millicent Bullstrode hatte mir ein Paket meiner Lieblingssüßigkeiten geschenkt. Von Astoria gab es ein Duschgel mit passender Bodyloation, die nach Mandel rochen. Alle Geschenke kamen von Herzen und ich freute mich wirklich sehr, besonders zu der Quidditch-Karte.
Doch meine gute Laune nahm ein jähes Ende. Gerade, als ich die anonyme Karte öffnen wollte, hallte eine markerschütternd laute Stimme durch den Raum. Sie war hell, mädchenhaft und klang verflixt nach meiner! Erschrocken spähte ich durch das Tannengrün und musste zu meinem Entsetzen feststellen, dass die Stimme aus der Richtung kam, wo Draco, Crabb und Goyle saßen. Und da war der blonde Schönling: Er hielt eine Karte vor seine Nase, genauer gesagt die Karte, die ich ihm geschickt hatte. Und genau diese Karte brüllte ihm mit meiner Stimme den Text entgegen, den ich noch am Vorabend geschrieben hatte. Jedes einzelne Wort. Und jeder konnte es hören: Crabb, Goyle, Millicent, Astoria, ihre Schwester Daphne, Blaise, Pansy, die jetzt in den Raum gestürmt kam und am schlimmsten, Malfoy. Er saß regungslos in seinem Sessel. Die Fäuste angespannt, den Kiefer angespannt und seine Haare wehten in der Wucht, mit der die Karte ihm die Worte vor die Füße knallte. Dann war es still. Die Karte segelte zu Boden, niemand sagte etwas, auch Malfoy nicht und ich traute mich nicht, aus meiner Deckung zu kommen geschweige denn, zu atmen.
Pansy war die Erste, die das Schweigen brach. Sie lachte und lachte und lachte.
„Haha Lina Livingsten…verschickt einfach einen Heuler zu Weihnachten…wie blöd kann man sein?!".
Jetzt stimmten auch die anderen in das Gelächter mit ein. „Wie peinlich" und „Armer Draco, dass er sich so anschreien lassen musste", war vereinzelt zu hören. Ich verkroch mich immer weiter in meine Ecke und hoffte, dass mich niemand sah. Tränen stiegen mir in die Augen und ich musste echt die Zähne zusammenbeißen, um nicht loszuheulen. Das warst du, Pansy Parkinson, dachte ich still bei mir. Gestern Abend, als du dich über die Karte gebeugt hattest, hast du sie verhext und als ich den Text vor mich hingemurmelt hatte, wurde er zum Heuler. Wie naiv zu denken, sie würde sich endlich wie eine 14 Jährige benehmen und nicht mehr jede Gelegenheit nutzen, mir einen auszuwischen.
Das Gelächter endete abrupt, als Malfoy sich erhob. Er blickte einmal suchend durch den Raum, wahrscheinlich nach mir, fand mich aber zum Glück nicht. Schließlich blieb er mit seinem Blick an Pansy kleben und musterte sie eine Weile stirnrunzelnd. Sie lachte noch immer ausgelassen vor sich hin.
„Pansy, das ist auf deinem Mist gewachsen, stimmt's?", fragte er kühl. Sofort war sie still und schaute ihn erschrocken an, genauso wie der Rest von Slytherin. Ich gab zu, dass auch mir bei dem harschen Ton das Blut in den Adern gefror.
„I-ch weiß gar nicht, wo-wovon du r-redest!", stammelte Pansy kleinlaut.
„Ich habe gesehen, wie Lina ihren Schreibtisch verließ und du dich über ihre Arbeiten gebeugt hast. Gib es einfach zu, Parkinson".
Ich wusste in dem Moment nicht ob ich mich freuen sollte, dass Malfoy mich beobachtet hatte oder wütend darüber, dass mein Verdacht über Pansy sich bestätigte. Ich entschied mich für letzteres und erdolchte sie von meinem Platz aus mit Blicken zu feige, um aus meinem Versteck zu kommen und mich den neugierigen Blicken der anderen zu stellen. Malfoy wurde indessen ungeduldig und zog verärgert eine Augenbraue hoch. Pansy wurde blass. Beschämt darüber, dass ihr „ach so toller Plan" nach hinten losgegangen war. Sie ließ nur ein kleinlautes „Tch, denk doch was du willst", hören und stürmte davon. Wieder war es still und wieder waren alle Blicke auf Draco geheftet.
„Was glotzt ihr so? Seht zu, dass ihr Land gewinnt!", keifte der Blonde die übrigen Slytherin an, die sich auch sofort in alle Himmelsrichtungen verteilten.
Seufzend massierte Draco sich die Schläfen. Als er die Augen wieder öffnete, fixierte er den Baum mit seinem Blick genau an der Stelle, wo ich hinter den Ästen kauerte.
„Livingsten, ich weiß dass du da bist. Komm raus!", befahl er.
Ich schüttelte verbissen den Kopf und kauerte mich noch etwas dichter unter die Äste. Ich hatte mich schon blamiert und würde ihm jetzt nicht auch noch die Genugtuung geben, mir ins Gesicht zu sagen, dass ich auf ganzer Strecke auf die Nase geflogen war. Dazu war ich einfach zu stolz.
„Livingsten…", forderte er mich noch einmal auf, ungeduldiger jetzt. Bei Merlins Bart, konnte der Kerl mich nicht einmal beim Vornamen nennen?
„Lina…". Na bitte, ging doch. Doch egal was er sagte, ich kam nicht aus meinem Versteck. Frustriert fuhr er sich durch die Haare und schaute Crabb und Goyle an, die die ganze Zeit stumm auf dem Sofa gesessen und das bizarre Schauspiel mit angesehen hatten.
„Wir gehen Frühstücken", kommandierte der Blonde. Ohne mit der Wimper zu zucken standen die beiden Gorillas auf und stapften zur Tür. Draco folgte den Beiden, drehte sich bei der Tür aber nochmal um.
„Lass es dir eine Lehre sein, in Zukunft deine Sachen nicht unbeaufsichtigt in Parkinsons Nähe liegen zu lassen".
„Ja, Sir", antwortete ich, aber so leise, dass er es nicht hören konnte.
„Nicht, dass es viel ausmachen würde, da die meisten anderen ohnehin über dich lachen…", sagte er und kicherte leicht dabei. Ich schauderte, weil ich unfreiwillig daran denken musste, wie ich halbentblößt vor dem gesamten Kurs stand, nur weil Pansy meinte, ihren missglückten Zaubertrank über mir auskippen zu müssen! Ich errötete und vergrub mein Gesicht in den Händen. Malfoy, der wohl immer noch auf eine Reaktion von mir wartete, seufzte wieder genervt.
„Tch, wie dem auch sei, fröhliche Weihnachten, Livingsten". Jetzt drehte er sich endgültig um und folgte Crabb und Goyle in den Essenssaal. Ich blieb alleine zurück.
„Kann der Kerl mich nicht einmal beim Namen nennen?!", sagte ich frustriert und kam endlich aus meinem Versteck hervor. Meine Beine waren schon ganz taub vom knien auf dem kalten Boden. Doch augenblicklich machte sich ein Lächeln auf meinen Lippen breit: Draco hatte mich in Schutz genommen und mir fröhliche Weihnachten gewünscht. Zufrieden, aber noch immer mit mulmigem Gefühl, ging auch ich endlich frühstücken!