Tarik und Naomi liefen durch einen Eistunnel und kamen schließlich in eine große Höhle. Es gab keine externe Lichtquelle, die Wände schimmerten von allein in einem angenehmen und ausreichend hellen, bläulichen Ton, doch das nahmen beide nur am Rand wahr. Sie hatten schon vor einigen Metern Geräusche gehört, wie aus einer Werkhalle und als sie nun die Höhle betraten kamen sie auf einem kleinen Balkongitter heraus, von dem aus sie alles überblicken konnten.
"Lt.", hauchte Naomi atemlos, sehen Sie nur, das sind Weihnachtselfen!"
"Und sie arbeiten für mich!", ertönte hinten ihnen eine grollende Stimme, die beide erschreckt herumfahren ließ.
"Oh mein...", begann Naomi, doch der Rest blieb ihr im Hals stecken. Ayala brachte ebenfalls kein Wort mehr heraus und starrte das monströse Wesen vor ihm an.
Es überragte den Sicherheitsoffizier um mindestens 2 Köpfe, sein Körper war gebaut wie der eines Bären, das Gesicht hatte allerdings menschliche Züge. Die Augen lagen tief in den Höhlen und schienen die beiden zu durchdringen. Buschige Augenbrauen, eine große Knollennase und ein breiter Mund gaben ihm ein sehr finsteres Aussehen und abgesehen davon war er komplett grün. Sein Gesicht wirkte schrumpelig von den vielen Falten und als letztes fielen Naomi die großen Klauenhände- und Füße auf.
"Haben Sie uns hierhergebracht?", wagte Ayala zu fragen, als er seine Stimme wiedergefunden hatte.
Das Monster (Naomi hatte sich zumindest entschieden, daß dieser Begriff passend war) nickte und grinste dabei fies. Selbst Ayala, der sonst wirklich selten vor irgendetwas Angst hatte, war zumindest eingeschüchtert. Er hatte keine Waffe um sie beide zu verteidigen und er bezweifelte stark, daß er in einem Kampf von Mann zu Monster lange überleben würde. Seine Krallen wirkten messerscharf und ein gezielter Hieb würde ausreichen, um ihn aufzuschlitzen. Er blieb also lieber vorsichtig, bis er zumindest wußte, was hier los war oder er sich einen Vorteil ausrechnen konnte.
"Und warum? Und wer sind sie?", hakte Ayala weiter nach.
"Wer ich bin geht euch nichts an", erwiderte das Ungetüm grantig. "Warum ihr hier seid kann ich euch aber verraten. Ich habe sie", er zeigte auf Naomi, "mit diesem anderen über Weihnachten sprechen hören. Sie klang so glücklich und voller Freude und Liebe…" (er spuckte an der Stelle einmal auf den Boden), "das hasse ich! Unglück und Mißtrauen wollte ich verbreiten, damit jeder begreift, daß es so etwas wie Glück und Liebe nicht gibt! Niemand wird wirklich geliebt, das ist nur eine Lüge. Es war zu gefährlich euch auf dem Schiff zu lassen, ihr habt mein Geheimnis entdeckt. Und welcher Wichtel auch immer so schlampig war und nicht aufgepaßt hat, ob jemand in der Nähe ist wenn das Paket erscheint, wird dafür noch büßen!"
"Nein, bitte", sagte Naomi und trat einen Schritt vor, wurde jedoch von Ayala sofort zurückgezogen.
"Du darfst ihnen nicht die Schuld geben, es war meine Idee, daß sich der Lt. auf die Lauer legt."
"Naomi", flüsterte Ayala und trat dann vor. "Nein, wenn einer bestraft werden sollte, dann ich, weil ich es gemacht habe."
"Schluß jetzt!", brüllte das Wesen so laut, daß Ayala und Naomi rückwärts gegen die Brüstung fielen.
"Ihr werde beide dafür büßen!"
Die Elfen unten hatten angsterfüllt ihre Arbeit für einen Moment eingestellt und schauten nach oben, um zu sehen, was sich dort abspielte.
Sie konnten sehen, wie ihr Herr die beiden Wesen packte und mit sich zerrte und hörten die Schmerzensschreie des Mädchens. Wenig später erklang ein dumpfer Hall und die Elfen wußten, daß ihr Herr die beiden in das Verlies gesperrt hatte. Traurig blickten sie nach unten, wandten sich aber sofort wieder ihrer Arbeit zu, als sie die polternden Schritte hörten die ankündigten, daß ihr Meister zurückkam.
"Du da!", brüllte er von oben und zeigte auf ein zitterndes, älteres Elfenwesen. "Du wirst dafür sorgen, daß sie morgen noch am Leben sind!"
"Ja, Herr", erwiderte sie gehorsam und eilte davon um sich um die beiden Gefangenen zu kümmern.
"Was glotzt ihr so?", wütete das Ungeheuer weiter. "Geht wieder an die Arbeit!"
Die Elfen verdoppelten ihr Tempo und schließlich verschwand ihr Herr wieder in seinem Thronraum.
Ein Stockwerk tiefer saß Naomi zitternd in dem eiskalten Gefängnis während Ayala nach einem Fluchtweg suchte. Doch gegen die dicke Eisschicht konnte er nichts ausrichten.
Seufzend gab er seine Suche auf, zog seine Jacke aus und gab sie Naomi, die sie dankend anzog.
"Ist Ihnen nicht zu kalt?", fragte sie besorgt, weil Tarik jetzt nur noch sein Shirt trug.
"Nein, das geht schon", meinte er und griff nach ihren Händen. Sie waren an den Fingernägeln schon bläulich verfärbt und eiskalt. "Du brauchst sie auf jeden Fall dringender als ich."
Ein immer lauter werdendes Hallen von kleinen Schritten ließ sie ihre Aufmerksamkeit auf die Treppe richten. Sekunden später kam ein Stapel Stoff auf Füßen herunter. Zumindest dachte das Naomi im ersten Moment, doch dann erkannte sie, daß es eine der Elfen war, die Kleidungsstücke und Decken trug. Sie kam bis an die Gitterstäbe heran und schob dann die Sachen einzeln durch die Spalten.
"Hier, das schützt euch hoffentlich gegen die Kälte", sagte sie und die beiden Gefangene zogen die Sachen eilig herein. Für Naomi war ein warmes Kleid dabei, das sogar ziemlich hübsch war (blauer, warmer Stoff mit einer weißen, langärmeligen Bluse und einer weißen Schürze), Ayala bekam ein paar warme Hosen, ebenfalls ein Hemd mit langen Ärmeln und darüber eine Lederweste. Zum Schluß schob die kleine Elfe noch zwei warme Umhänge durch die Gitterstäbe.
Naomi seufzte dankbar, denn die Kleidung wärmte sie wirklich.
"Vielen Dank!", sagte sie und kniete sich vor den Gitterstäben hin um mit der Elfe auf Augenhöhe zu sein.
Ayala hocke sich neben sie und meinte: "Ich danke ebenfalls. Aber können Sie uns vielleicht sagen, wer dieses Ungeheuer ist? Warum ist er so böse?"
Die Stimme der Elfe klang hoch und ziemlich kläglich, als sie antwortete: "Ich darf darüber nichts sagen, sonst wird der Herr sehr böse!"
Naomi nickte. "Schon gut, Sie müssen es auch nicht erzählen, aber wenigstens seinen Namen? Wer ist er? Wie sollen wir ihn ansprechen?"
Die Elfe schaute sich um und flüsterte dann: "Er beherrscht Magie. Aber er haßt das Gute und die Liebe, deshalb will er sie zerstören wo er sie findet. Für uns ist er nur unser Herr, aber ich glaube, sein Name, den ihr wissen wollte, lautet 'Grinch'."
"Der Grinch?", fragte Naomi überrascht und sah Ayala an. Auch ihm kam das bekannt vor, aber er konnte den Namen nicht zuordnen.
"Ich habe den Namen schon einmal gehört", sagte Naomi, "aber ich kenne seine Geschichte nicht."
Die Elfe sah sich noch einmal ängstlich um bevor sie sagte: "Vielleicht kannst Du sie eines Tages nachlesen, er bewahrt sie hier auf."
Naomi schaute sie fragend an, doch die Elfe legte ihren Kopf leicht schief und meinte dann: "Ich muß gehen, man braucht mich." Und mit einem leisen 'Plopp' war sie plötzlich verschwunden.
"Wie zum..." Ayala machte große Augen als die Elfe auf einmal verschwunden war. "Genau wie das Päckchen. Es hat leise 'plopp' gemacht und dann war es da."
"Lt., halten Sie mich jetzt bitte nicht für verrückt, aber ich glaube, die ganzen Geschichten um den Weihnachtsmann sind wahr. Das können nur Weihnachtselfen sein. Und ich weiß, daß der Grinch auch etwas mit Weihnachten zu tun hat. Nur nicht gerade im positiven Sinn."
Tarik blickte sie doch ein wenig skeptisch an. "Weihnachtselfen? Glaubst Du das wirklich?"
"Ja", sagte sie schlicht. "Es würde fast alles erklären."
"Hm...", meinte der Lt. nachdenklich. "Wie auch immer, wir müssen zusehen, daß wir irgendwie den Captain benachrichtigen."
"Sie wird uns bestimmt schon suchen lassen", sagte Naomi optimistisch.
"Vermutlich, das Problem ist nur, daß sie nichts finden wird. Ich habe diese merkwürdigen Energiesignaturen erst entdeckt, als ich die Scanner auf die Werte programmiert habe."
"Oh", sagte sie nur und wirkte jetzt doch etwas angespannt. "Aber vielleicht kann uns eine der Elfen hier herausbringen. Schließlich sind wir auch irgendwie hier hereingekommen."
"Ich möchte sicher Deinen Optimismus nicht trüben, Naomi, aber ich fürchte, bevor uns die Elfen helfen würden, müßten wir erst einmal den Grinch ausschalten. Sie haben viel zu viel Angst vor ihm."
"Er ist tatsächlich sehr angsteinflößend", gab das Mädchen dann zu. "Und was machen wir jetzt?", fragte sie.
Ayala zuckte die Achseln. "In erster Linie hoffen, daß der Captain uns doch findet und wir müssen so viel wie möglich über den Grinch herausfinden. Seine Schwachstellen suchen und dann versuchen zu fliehen. Wenn es uns gelingt auf die Planetenoberfläche zu kommen, kann uns die Voyager sicher orten."
"Okay", das klingt nach einem Plan. "Ich hoffe nur, er läßt uns hier unten nicht verschmoren."
"Das hoffe ich auch nicht. Aber im Moment können wir wohl nur abwarten und hoffen."
Naomi setzte sich wieder auf die schmale Pritsche und zog den Umhang enger um ihre Schultern.
"Ist Dir noch sehr kalt?", fragte Ayala besorgt.
"Ein wenig. Am Anfang haben die Sachen mich gut gewärmt, aber da war ich auch eingefroren. Jetzt wird es wieder kälter."
Wortlos setzte sich Ayala neben sie, zog seinen Umhang aus und legte ihn ihr zusätzlich um. Dann legte er seinen Arm um ihre Schultern und Naomi kuschelte sich an ihn damit beide von der Körperwärme des jeweilig anderen profitieren konnten.
Die beiden mußten fast 5 Stunden dort ausharren, bis sie endlich abgeholt wurden. Es war zwar der Grinch persönlich, der sie wieder nach oben schleifte, doch das war Naomi in dem Falle egal. Sie war schon fast steifgefroren und wollte nur Wärme. Ayala erging es nicht viel besser und beide atmeten erleichtert auf, als er sie vor einem Kamin mit einem lodernenden Feuer absetzte.
"Ihr beide werdet ab jetzt für mich arbeiten", donnerte er. "Du wirst den Wichteln helfen", er deutete hier auf Ayala, "und Du wirst die alte Elfe in der Bibliothek ablösen. Sie schreibt nur noch Schmarrn auf."
"Was soll ich denn aufschreiben?", fragte Naomi, die immer noch vor Kälte bibberte.
"Du wirst notieren, wer wann welches Geschenk erhalten hat. Immer wenn eins geschickt wird, wirst Du das in der Bibliothek mitbekommen. Wir wollen schließlich keine Doppellieferungen haben."
Naomi nickte nur.
"Und was ist meine Aufgabe?", fragte der Lt., in erster Linie, damit Naomi wissen würde, wo er später zu finden sei.
"Du wirst in der Fabrik den Elfen helfen. Sie werden Dir zeigen, was Du zu tun hast." Er winkte daraufhin kurz mit seiner Kralle und sofort kamen zwei Elfen angelaufen.
"Bringt sie weg", schnauzte er sie an und die beiden Elfen nahmen Naomi und Tarik schnell an der Hand und zogen sie hinter sich her.
Sie führten sie durch die große Halle und überall sahen die beiden die verschiedensten Geräte stehen, aus denen fertig Päckchen kamen. Es dauert nicht lange, bis die Elfe, die Tarik führte, stoppte und ihn vor eine Machine stellte. Naomi wurde weitergezogen.
"Naomi!", rief der Lt. ihr noch hinterher. "Sei vorsichtig!"
Antworten konnte sie nicht mehr, denn die Elfe, die sie an der Hand hatte, bog um eine Ecke und hielt schließlich vor einer sehr großen, goldenen Tür an, die mit vielen Riegeln gesichert war. Gerade, als das Mädchen sich fragte, wie sie all die Riegel öffnen wollte, da die meisten weit oben waren, glitten diese von selbst zur Seite.
Natürlich, die Elfenmagie, dachte sie und folgte der Elfe hinein, als die Türen offen waren.
Sie wurde zu einem großen Buch in der Mitte des Raums gebracht, das aufgeschlagen auf einem Pult ruhte. Eine sehr alte, müde wirkende Elfe saß davor und kritzelte umständlich und mit der Nase fast im Buch versunken, etwas hinein.
Als sie bemerkte, daß sie nicht mehr allein war, blickte sie auf.
"Hallo", sagte Naomi, als weder die eine noch die andere Elfe etwas sagte und lächelte.
"Junge Augen sind besser geeignet. Aber paß auf, daß Du Dich öfters ausruhst, sonst wirst Du Deine Sehkraft zu schnell verlieren", sagte die Buchelfe, während sie langsam von dem Podest kletterte.
Naomi schaute sie verblüfft an. "Ehm, danke", sagte sie dann, "ich hatte aber eigentlich nicht vor, so lange zu bleiben."
"Du wirst hier nie mehr rauskommen, Mädchen. Gewöhne Dich lieber an den Gedanken. Ich bin schon seit 230 Jahren hier und habe seither das Sonnenlicht nicht mehr gesehen."
"Was? So alt werden Elfen?", hauchte Naomi erstaunt.
"Bis zu 500 Jahren", korrigierte sie nun die Elfe, die sie hergebracht hatte. "Aber Rinnys Sehkraft ist fast verschwunden von der täglichen Arbeit und ihr Nacken hat sich über die Jahre hinweg versteift. Außerdem trinkt sie zu wenig. Deshalb sieht sie vielleicht älter aus, als sie ist."
"Wie alt sind Sie denn?", fragte das Mädchen neugierig.
"245 Jahre", antwortete Rinny und tippelte dann an ihnen vorbei nach draußen, den Rücken gekrümmt und leicht humpelnd.
Naomi blickte ihr betroffen hinterher. Wir müssen unbedingt einen Weg hier raus finden, dachte sie mit einem kleinen Anflug von Angst. Sie konnte sich nicht vorstellen den Rest ihres Lebens hier verbringen zu müssen, immer in der Dunkelheit und niemals mehr die Sonne auf der Haut zu spüren.
Reiß Dich zusammen, Naomi. Keine Zeit für solche Gedanken und außerdem wartet Icheb auf mich.
"Du schreibst alles einfach in das Buch, was Dir die Elfen in den Kasten hier legen", sagte die Elfe und deutete auf einen Stapel Papierfetzen, die sich von selbst immer wieder aufzustocken schienen.
"Okay, ich schaffe das schon. Danke für Ihre Hilfe", sagte sie in der Hoffnung, allein sein zu können.
Sie hatte noch sehr gut die Worte der Elfe im Kopf, die ihnen die Kleidung gebracht hatte und wo konnte wohl eine Geschichte besser aufbewahrt sein, als in einer Bibliothek?
"Du solltest schnell arbeiten, der Herr wird sonst sehr böse werden", gab ihr die Elfe noch einen Ratschlag, bevor sie die Bibliothek wieder verließ und Naomi einschloß.
Schnell arbeitete sie den Stapel ab. Die alte Rinny war zum Glück für sie wirklich sehr langsam gewesen, was ihr die Gelegenheit später gab, die Bücher nebenbei zu durchstöbern. Bald schon hatte sie einen Rhtythmus gefunden, in dem sie Stapel abarbeitete und dann wieder Bücher las. Nach ein paar Stunden jedoch machte sich eine leichte Verzweiflung in ihr bemerkbar, denn sie wußte eigentlich nicht einmal, wonach sie suchen sollte, geschweige denn wo. Die Bilbliothek war nicht geordnet. Der Grinch, oder wer auch immer, hatte einfach jedes Buch egal von Thema, Titel oder selbst Größe irgendwohin gestellt.
Naomi stand jetzt in der Mitte des Raumes und schaute sich um.
Okay, denken wir mal nach, begann sie ein Zwiegespräch mit sich selber. Wenn ich der Grinch wäre und ein Geheimnis hätte, würde ich es natürlich gut verstecken wollen. Auf wenn es hier 10.000 Bücher gibt, die Gefahr, daß irgendwer aus Zufall das Richtige erwischt, ist da. Also muß ich es an einem Ort verstecken, der nicht so leicht zugänglich ist. So etwas wie ein Geheimfach, ein geheimer Raum oder…, sie grübelte halblaut vor sich und dabei wanderte ihr Blick durch den Raum. Dann stockte sie plötzlich und lief auf eine Ecke zu, in der eine halb geöffnete und schon leicht verrottet Truhe stand. Oder einen doppelten Boden!
Ihr war aufgefallen, daß der Boden der Truhe ungewöhnlich hoch war und nicht so richtig zur Symmetrie paßte. Also hob sie den schweren Deckel an und holte ein paar alte Schriftrollen und einzelne, vergilbte Papiere heraus, die sie achtlos auf den Boden warf. Dann tastete sie den Boden ab und klopfte drauf. Es klang tatsächlich hohl. Es dauert nicht lange, bis sie mit den Fingern zwei kleine Löcher ertastete, steckte ihr Finger hinein und zog. Nach einem Moment löste sich der Boden und Naomi hob ihn triumphierend heraus, um ihn beiseite zu legen. Dann blickte sie in Erwartung, das gesuchte Buch zu finden, in die Truhe und erstarrte. Sie war leer. Kein Buch. Unter dem doppelten Boden war nichts.
Enttäuscht glitt sie auf den Boden und lehnte sich mit dem Rücken an die Truhe. Dabei stieß sie sie etwas an und der Deckel krachte herunter. Naomi stutzte, drehte sich wieder um und betrachtete den Deckel genauer. Als dieser nämlich gerade heruntergekommen war, meinte sie ein Geräusch gehört zu haben, als ob irgendetwas in der Truhe gegen eine Seite gerutscht war.
Den doppelten Boden hat man auch relativ gut erkannt, dachte sie dann lächelnd. Die perfekte Irreführung also, wenn die Truhe tatsächlich zwei Geheimverstecke hat.
Sie hatte diesmal mehr Mühe den Mechanismus zu finden, der im Deckel versteckt war, doch dann klappte der Deckelboden herunter und ein Buch kam ihr entgegen.
"Das ist es!", rief Naomi aus und las noch einmal den Titel, um sicherzugehen, daß sie sich nicht geirrt hatte.
'Der Grinch', stand einfach nur drauf. Naomi stand auf, nahm das Buch und setzte sich nahe einer kleinen Lichtquelle auf eine Stufe und begann zu lesen.
