3. Die Versammlung des Phoenix
Sie hatten eindeutig viel zu wenig trainiert, fiel Harry auf, als er am Mittwoch-Abend mit seinem Quidditch-Team übte. Nicht nur, dass sie nicht wirklich eine Strategie hatten, selbst das ganz normale Spielen klappte nicht sonderlich gut. Und dafür konnte man wirklich nicht nur den neuen Mitspielern die Schuld in die Schuhe schieben. Viola und Ron hielten sich ziemlich gut. Harry gab ganz offen zu, dass er selbst das Problem war. Unter Olivers strenger Führung waren sie ein wirklich gutes Team gewesen. Er selbst hatte als Kapitän offensichtlich bislang ziemlich versagt. Bis in zwei Wochen konnten sie diesen Rückstand unmöglich aufholen.
Außerdem hatten sie nicht gerade das Glück auf ihrer Seite. Heute war es ihnen ausnahmsweise mal gelungen, das Quidditchfeld für den ganzen Abend zu reservieren, ohne dass die Slytherins es ihnen vor der Nase wegschnappt hatten. Aber ausgerechnet heute fing es mitten im Spiel so stark zu schneien an, dass man kaum noch die Hand vor Augen sehen konnte. Alles war weiß. Harry kniff die Augen zusammen, um in dem Schneegestöber vielleicht noch den Schnatz auszumachen, aber es war unmöglich. Er konnte ja nicht einmal mehr die Torringe sehen.
Ron flog neben ihn. "Ich glaube, es hat keinen Sinn weiter zu machen." Er musste schreien, um sich verständlich zu machen. Das Wetter versprach sich in einen ausgewachsenen Schneesturm zu verwandeln. Harry nickte ergeben. Um ehrlich zu sein war er froh darüber, dass Ron ihm bei der Entscheidung zur Hilfe kam. "Wir machen für heute Schluss" brüllte er so laut er konnte über das Feld.
Die Spieler ließen sich erleichtert zu Boden sinken. Ron landete neben Harry. "Mach dir nichts draus" sagte er aufmunternd. "Wir schaffen das schon noch. Immerhin haben wir noch fast zwei Wochen bis zum . . ."
"Na? Ist sich Gryffindor zu schade bei dem bisschen Schnee weiter zu üben?" fragte Draco. Harry drehte sich ruckartig um und sah in sein hinterhältiges Grinsen. Er erstarrte. "Um so besser." Draco klang sehr zufrieden. "Dann haben wir den Platz ja heute doch noch für uns." Seine Mannschaft, die hinter ihm hertrottete, wie die Kälber zum Schlachthof, sah allerdings weniger erfreut aus.
"Ihr wollt doch nicht bei diesem Wetter spielen?" fragte Harry aufgebracht. "Das ist doch Wahnsinn."
"Meinst du Potter? Und was wenn es bei unserem Spiel auch so schneit? Quidditch wird bei jedem Wetter gespielt. Gewöhn dich besser daran, wenn du ernsthaft vorhast weiter zu spielen."
Harry wusste darauf keine Antwort. Ihm war durchaus klar, dass er sich in Wirklichkeit nicht über Draco ärgerte, sondern sich Sorgen machte. Manchmal übertrieb der Slytherin mit seinem Ehrgeiz.
"Wenn ihr euch unbedingt die Hälse brechen wollt, soll uns das nur Recht sein" sagte Fred Schulter zuckend.
"Ja. Wenn ihr es so bitter nötig habt zu trainieren, bitte" George machte eine einladende Handbewegung in Richtung des Spielfelds.
Draco schüttelte den Kopf. "Seltsam, dass den Gryffindors nachgesagt wir, sie wären mutig, wenn sie sogar vor ein paar Schneeflocken Angst haben." Er stieg auf seinen Besen und seine Mannschaft folgte ihm ohne zu zögern in die Luft.
Harry sah ihm kopfschüttelnd nach. Mittlerweile war der Sturm so stark geworden, dass es schwierig sein musste, sich überhaupt auf dem Besen zu halten, auch wenn man Draco nichts davon anmerkte. Er wirkte elegant wie immer. Als sei er dafür gemacht in der Luft zu sein. Trotzdem. Bei diesem Schneegestöber konnte Fliegen äußerst gefährlich werden. Hoffentlich wusste Draco was er tat. Offensichtlich war es ihm unheimlich wichtig, das Quidditch-Spiel zu gewinnen.
"Ach, lass sie doch." versuchte Ron ihn abzulenken. "Es wird ihnen sowieso nicht viel nützen jetzt zu üben. Kommst du mit in den Gemeinschaftsraum? Wir wollen Marshmallows im Feuer rösten."
Harry schüttelte den Kopf. Die Vorstellung nach der eisigen Kälte im warmen Gemeinschaftsraum zu sitzen, war eigentlich zu verlockend, aber er hatte etwas anderes vor. "Ich muss mich endlich bei Professor Snape bedanken. Gestern habe ich mich schon wieder davor gedrückt und desto länger ich warte, desto schwieriger wird es."
"Ach so, ich verstehe", sagte Ron schnell. In seinem Gesicht spiegelte sich Mitleid wieder. "Ich will es unbedingt hinter mich bringen, bevor ich Snape morgen im Unterricht gegenüber stehe. Das wäre mir unangenehm."
Ron nickte. "Ich verstehe. Dann . . . wünsche ich dir viel Glück."
Er sagte Ron nicht, dass er den Professor schon heute Abend bei der Sitzung sehen würde. Er hatte Sirius fest versprochen mit niemandem über die Versammlungen zu reden.
Harry war sehr mulmig zumute auf dem Weg zu Snapes Büro. Es war ja nicht nur, dass er sich für seine letzte Rettung bei ihm bedanken musste. Sie hatten ihn auch schon sehr oft falsch verdächtigt und geglaubt, dass er gegen sie arbeitete. Snape hatte allen Grund wütend auf ihn zu sein. Und dann hatte er auch noch sein Leben für ihn riskiert. Er atmete tief ein, bevor er an die schwere Holztür, die zu Professor Snapes Büro führte, klopfte. "Herein?" hörte er die bekannte strenge Stimme.
Entschlossen trat er ein.
"Harry Potter" Snape klang nicht besonders überrascht. "Was führt Hogwarts gefeierten Held in mein bescheidenes Büro?" Snape hatte noch einen schmalen weißen Verband um die Stirn. Er hatte die Ellenbogen aufgestützt und die Hände ineinander verschränkt. Und er schien nicht im Mindesten erfreut über Harrys Auftauchen.
Bei seinen Worten musste Harry sich zusammenreißen, um nicht aus den Augen zu verlieren, weswegen er hierher gekommen war. "Ich . . . ich wollte mich bei ihnen bedanken Professor Snape. Sie haben mir . . . uns das Leben gerettet."
Snape hob eine Augenbraue. "Und du glaubst natürlich, dass ich das für dich getan habe?"
"N . . . nein." Harry sah erschrocken auf.
"Natürlich denkst du das. Bist du mittlerweile tatsächlich schon so eingebildet, dass du wirklich glaubst, alles würde sich nur um dich drehen? Denkst du vielleicht, du mit deiner strahlenden Güte hättest mich zur richtigen Seite bekehrt?" Snape sah ihn hasserfüllt an. "Das ist es nicht", sagte Harry aufgebracht. "Ich denke nicht, dass sie das für mich getan haben."
"Dann gibt es auch keinen Grund sich zu bedanken." Snape machte eine Handbewegung zur Tür hin, wie um ihn zu verscheuchen.
Harry atmete tief ein. "Gut. Dann entschuldigen sie mich, Professor." Er schloss die Tür hinter sich und lehnte sich neben dem Büro an die Wand. Er hatte zwar geahnt, dass es schlimm werden würde, aber so schlimm? Einen Moment brauchte er, um sich davon zu erholen.
So eine Gemeinheit. Schließlich hatte er nur versucht höflich zu sein und es war ihm schwer genug gefallen hierher zu kommen. Und jetzt würde er Snape auch noch gleich in der Sitzung wieder sehen. Wenigstens würde dann Sirius bei ihm sein. Er beschloss gleich zu ihm zu gehen. Dann brauchte er nachher nicht noch eine Ausrede zu erfinden, warum er wieder weg musste. Langsam wurde es zur Gewohnheit Ron und Hermione zu beschwindeln. Harry traf in dem Gang, der zum Turm führte, auf Sirius und Professor Lupin. Er war erleichtert zu sehen, dass sein Pate wenigstens bei dem Schneesturm nicht auf dem Turm war. Stattdessen saßen sie auf zwei Sesseln, die sie vor den Ofen gestellt hatten, der den Gang beheizte. Die beiden wirkten so gut gelaunt, wie Harry sie schon lange nicht mehr gesehen hatte.
"Was ist los?" fragte er
"Nichts Besonderes." Sirius grinste ihn an. "Du siehst allerdings nicht besonders glücklich aus. Welche Laus ist dir denn über die Leber gelaufen?"
"Ich wollte mich bei Professor Snape für meine Rettung bedanken", sagte Harry missmutig.
"Und er hat dich natürlich sofort runtergeputzt?"
"Genau. Ich bereue es schon fast, dass ich da war."
"Das hätte ich dir gleich sagen können", Sirius lächelte ihn an. "Er ist nun mal ein hinterhältiger Fiesling. Daran wird sich nie etwas ändern."
"Immerhin hat er Harry das Leben gerettet", sagte Professor Lupin streng. "Ich finde es richtig, dass er sich dafür bedankt hat."
"Nimm ihn nur in Schutz."
Lupin wandte sich freundlich an Harry. "Ich habe gehört, dass du ein Animagus werden möchtest."
Harry nickte. Er hatte seit Montag darüber nachgedacht und war sich mittlerweile sicher. Selbst wenn er eine Schlange werden würde, wollte er es immerhin wissen. Profesor Lupin merkte sofort, dass er noch nicht weiter darüber reden wollte. "Wie geht es dir sonst? Freust du dich schon auf den Weihnachtsball?"
"Nein überhaupt nicht", sagte Harry schnell. "Ich hasse Bälle."
"Du warst doch erst auf einem", sagte Sirius lachend.
"Ja und den habe ich gehasst. Wahrscheinlich gehe ich gar nicht hin. Dieses Jahr bin ich ja nicht Champion oder so ein Quatsch. Da muss ich nicht." Er hatte sich tatsächlich schon überlegt, ob er überhaupt zum Ball gehen wollte. Mit demjenigen, mit dem er gern ginge, war es nicht möglich. Was machte es da überhaupt für einen Sinn?
"Na ja, du kannst es dir ja noch überlegen. Wart nur nicht so lange, bis alle hübschen Mädchen weg sind" Sirius zwinkerte ihm zu.
Wie kam er überhaupt darauf, dass Harry mit einem Mädchen hingehen würde? Das würde er auf gar keinen Fall tun. Immerhin wusste Sirius mit wem Harry . . . zusammen war. Er sah seinen Paten irritiert an, aber Sirius grinste nur fröhlich. "Oder liegt es etwa daran, dass die Person mit der du gerne hingehen würdest nicht mit dir gehen will? Das kommt mir irgendwie bekannt vor . . ."
"Lass ihn doch in Ruhe" stand Remus Harry bei. "Wenn er keine Lust hat, muss er ja nicht gehen."
"Ich kaufe dir auch neue Roben" bot Sirius bereitwillig an.
"Ich glaube, es ist langsam Zeit zu gehen", unterbrach Remus ihn, "wenn wir nicht zu spät zur Sitzung kommen wollen."
Harry ging nachdenklich zwischen Remus und Sirius in Richtung von Dumbledores Büro, wo die Versammlung stattfinden sollte. Er war völlig in Gedanken versunken. Wie wäre es, wenn er und Draco eine ganz normale Beziehung hätten? Würden sie dann zusammen zum Weihnachtsball gehen, wie alle anderen Paare auch? Eigentlich eine schöne Vorstellung. Abgesehen davon, dass Harry keinen einzigen Tanzschritt konnte. Mit wem würde Draco wohl gehen? Mit Pansy vielleicht? Harry würde sich jedenfalls bestimmt nicht ansehen, wie er den ganzen Abend mit irgendeinem Mädchen tanzte. Nein, er würde nicht zum Ball gehen. Das war beschlossene Sache.
"Träumst du?" Sirius zog ihn am Arm zurück. Er wäre beinahe an Dumbledores Büro vorbei gelaufen.
Professor Lupin flüsterte das Passwort und die geheime Treppe zeigte sich in der Wandnische.
Der Versammlungsraum befand sich hinter einer winzigen Tür in Dumbledores Büro, direkt hinter Fawkes Platz. Harry war sie schon früher aufgefallen, aber er hatte niemals gedacht, dass sie in einen so großen Saal führen würde. Der Raum war kreisrund, ebenso wie die Tafel in der Mitte. Offenbar befand sich das Zimmer in einem Turm, der an Dumbledores Büro grenzte, denn es gab fast ringsum kleine Fensternischen. Draußen konnte man die Schneeflocken gegen den dunklen Himmel sehen. Hoffentlich hatten die Slytherins aufgegeben und trainierten nicht mehr, dachte er besorgt.
Zwischen den Nischen hingen schwere kostbar gearbeitete Wandteppiche und es gab auch einen Kamin, in dem ein Feuer prasselte. Rings um den kreisrunden Tisch standen hohe gepolsterte Lehnstühle, von denen einige schon besetzt waren. Snape war bereits da und sah Harry, der sich zwischen Sirius und Professor Lupin niederließ, eisig an. Dumbledore war ebenfalls da und zwinkerte Harry freundlich zu. Neben ihm saß strickend Arabella Figg und hatte eine dicke Katze auf dem Schoß. Harry wollte sich gerade an Sirius wenden, um zu fragen, wer noch alles kommen würde, als sich die Tür öffnete.
"Verzeihung, wir haben uns etwas verspätet" rief Molly Weasley ein wenig gehetzt. "Die Kamine waren wegen dem schlechten Wetter überlastet und wir konnten keine Kutsche von Hogsmeade hierher bekommen . . . Harry!"
Sie stürzte zu seinem Stuhl, um ihn zu umarmen. "Wie geht es dir? Verheilen deine Wunden gut?"
Die Weasleys hatten ihn mehrmals im Krankenflügel besucht und Molly hatte es sich nicht nehmen lassen, ihm zusätzlich auch noch ein Paket mit selbstgebackenen Keksen zu schicken. Harry nickte. "Danke Mrs. Weasley. "
Hinter Molly tauchten Mr. Weasley, Charlie, Bill und Percy im Türrahmen auf und nahmen die restlichen Plätze ein.
Zu Harry Erleichterung wurde nicht mehr darüber diskutiert, ob er an der Sitzung teilnehmen durfte. Offensichtlich wurde seine Entscheidung akzeptiert.
"Ich eröffne hiermit die fünfte Sitzung des neuen Phoenix Ordens" begann Dumbledore. "Alastar Moody lässt sich für heute entschuldigen, da er auf einer wichtigen Mission unterwegs ist. Auf Rubeus Hagrid, der sich uns bald anschließen wird, müssen wir leider ebenfalls noch verzichten. Harry sah erfreut auf, als er hörte, dass Hagrid ebenfalls zum Orden des Phoenix gehörte. Er fühlte sich nicht mehr ganz so fehl am Platz.
"Als erstes hören wir wie immer die Berichte aus London darüber, was im Ministerium vor sich geht. Ich erteile Arthur und Percy Weasley das Wort."
"Danke sehr Albus" Arthur stand auf. "Wie ihr also bereits vernommen habt, arbeiten mein Sohn und ich wieder im Ministerium, werden also in der Lage sein, darüber zu berichten, was dort vorgeht. Die gute Nachricht ist natürlich, dass die Hetzkampagne auf Sirius Black nicht wieder aufgenommen wurde. Offensichtlich hat er sich im Kampf um Azkaban so verdient gemacht, dass das Ministerium sich jetzt nicht mehr einfach so gegen ihn stellen kann, ohne Misstrauen in der Bevölkerung zu erwecken. Stattdessen wird jetzt alles daran gesetzt Lucius Malfoy zu finden. Er ist momentan der meistgesuchte Mann der magischen Welt." Harry sah erschrocken auf.
"Natürlich ist es für das Ministerium besonders peinlich, dass Lucius Malfoy als ein treuer Diener Voldemorts enttarnt wurde, da er eine sehr hohe Position innehatte. Sie scheinen allerdings nicht die leiseste Idee zu haben, wo er steckt. Für unsere Suche nach ihm können wir also auch nicht mit Hinweisen dienen."
Harry setzte sich auf. "Aber . . ."
Dumbledore hob beschwichtigend die Hand. "Wir verurteilen ihn nicht für die letzten Ereignisse, bevor es klare Gegenbeweise zu deiner Aussage gibt, Harry. Seiner früheren Verbrechen ist er natürlich trotzdem schuldig. Hast du noch etwas hinzuzufügen, Percy?"
Percy schüttelte den Kopf.
"Dann fahren wir also fort mit unseren Überlegungen, wie wir weiterhin vorgehen wollen. Severus? Wie weit bist du mit deiner Analyse von Voldemorts möglichem Aufenthaltsort?" Professor Snape erhob sich. Er warf Harry noch einen missbilligenden Blick zu und es war klar, dass er nicht damit einverstanden war, dass Harry seinen Ausführungen lauschte. "Ich habe mit Arabella Figg gesprochen und was sie mir über die Auswirkungen des Talismans, den Potter trug, als ihn der Todesfluch traf erzählt hat, lässt darauf schließen, dass der dunkle Lord zum jetzigen Zeitpunkt stärker geschwächt sein muss als jemals zuvor. Wenn er überlebt hat, wovon ich allerdings ausgehe, dann wird er momentan in einer Form existieren, in der er zwar kaum Schaden anrichten kann, in der er aber auch so gut wie unsterblich ist. Ich weiß, dass er Vorkehrungen für den Fall geschaffen hat, dass sein Plan schief gehen könnte. Es ist mir allerdings nicht gelungen herauszufinden, welcher Art diese Vorkehrungen waren. Ich glaube, dass er einen Ort geschaffen oder gefunden hat, an dem er völlig sicher überleben kann, ähnlich vielleicht dem Tagebuch, mit dem wir es vor drei Jahren zu tun hatten. Es ist allerdings möglich, dass er noch weiter gedacht und damit bereits einen neuen Plan gefasst hat." Er ließ sich wieder auf seinem Platz nieder.
"Vielen Dank Severus. Das hilft uns bei unseren Überlegungen sehr viel weiter." Dumbledore nickte ihm zu. "Nun zu euch Sirius und Remus. Seid ihr weitergekommen beim Planen unserer möglichen Vorgehensweisen?"
Die beiden Männer links und rechts von Harry erhoben sich und sahen sich an. Sirius gab mit einer Handbewegung zu verstehen, dass er Remus den Vortritt ließ. Remus räusperte sich. "Offensichtlich ist Voldemort im Moment nicht in der Lage selbst etwas zu unternehmen. Das geht auch aus Severus' Ausführungen hervor. Er wird also warten, bis sich wieder einer seiner Diener zu ihm gesellt. Wir glauben beide nicht, dass er Wurmschwanz . . . Pettigrew noch vertraut. Unserer Meinung nach wird er diesmal auf einen stärkeren Untergebenen warten und sich so lange im Verborgenen halten. Wir müssen ihn diesmal unbedingt finden, ehe er seine volle Stärke zurückerlangt und ehe seine Anhänger wieder zu ihm gelangen."
Snape sah ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an. Remus senkte den Kopf. "Ich weiß, dass ich damit nichts Neues erzähle." Er sah auf. "Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass wir seinen Aufenthaltsort herausfinden. Wir sollten uns eher darauf konzentrieren, seine möglichen Anhänger ausfindig zu machen und zu vermeiden, dass sie sich wieder zu ihm gesellen. Außerdem hat er es bislang immer auf Hogwarts abgesehen. Es steht zu befürchten, dass er auch diesmal wieder hier zuschlägt. Wir sollten uns also gut schützen."
"Hervorragende Idee" sagte Severus ironisch.
"Wenn du eine bessere hast, nur heraus damit" fuhr Sirius auf.
Dumbledore hob die Hand. "Vielen Dank. Ich denke, dass eure Überlegungen uns weiterhelfen werden. Hat jemand weitere Ideen?"
Harry konnte später nicht mehr sagen, wann er den Anschluss an die Diskussion verloren hatte. Irgendwann schien alles durcheinander zu gehen und er konnte nicht mehr folgen. Ständig schien sich alles im Kreis zu drehen und der Zeitpunkt seiner üblichen Schlafenszeit war längst überschritten. Schließlich versuchte er nur noch, nicht seinen Kopf auf die Tischplatte sinken zu lassen und einzuschlafen. Er hatte wirklich versucht aufzupassen und sich zu konzentrieren, aber jetzt konnte er einfach nicht mehr.
Sirius war gerade in einer hitzigen Diskussion mit Professor Snape und bemerkte nicht, dass Harry neben ihm immer blasser wurde.
"Alles in Ordnung, Harry?" fragte Professor Lupin besorgt.
Harry nickte. Wenn er jetzt Schwäche zeigte würden alle Sirius vorwerfen, dass er ihn mit hierher gebracht hatte. Und er wollte selbst unbedingt an diesen Sitzungen teilnehmen, aber im Moment wünschte er sich einfach nur in sein Bett.
"Es ist bereits fast Mitternacht" rief Molly plötzlich erschrocken. "Wenn wir es noch zurück in den Fuchsbau schaffen wollen, müssen wir jetzt aufbrechen!"
Harry atmete erleichtert auf. Er war gerettet.
Dumbledore erklärte die heutige Besitzung für beendet und alle erhoben sich. Sirius und Snape tauschten noch ein paar finstere Blicke, bevor letzterer aus der Tür verschwand. Sirius wandte sich an Harry. "Wie hat es dir gefallen? Konntest du uns folgen?"
"Na ja, ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich alles mitbekommen habe" Harry lächelte entschuldigend. "Aber es war sehr interessant. Ich würde gern weiterhin teilnehmen." "Das habe ich mir gedacht. Ich kenne dich doch."
"Jetzt sollte er allerdings schnellstens in sein Bett" sagte Remus bestimmt.
"Natürlich" Sirius sah Harry erschrocken an. Offensichtlich merkte er erst jetzt, wie geschafft sein Patenkind aussah. "Wir bringen dich zu deinem Gemeinschaftsraum."
"Remus?" fragte Dumbledore. "Hast du noch einen Moment Zeit? Ich möchte etwas mit dir besprechen, das nichts mit dem Phoenix-Orden zu tun hat."
"Ja, natürlich" Lupin bedeutete Harry und Sirius schon vor zu gehen und wandte sich an Dumbledore.
Sirius sah einen Moment aufmerksam zu den beiden hinüber, doch dann legte er Harry eine Hand auf die Schulter und führte ihn durch die Gänge davon. "Ich weiß, dass du jetzt sehr müde bist Harry, aber ich denke, es ist trotzdem wichtig für dich dabei zu sein. Wenn es dir allerdings zu viel wird, besonders jetzt, da du noch nicht wieder ganz gesund bist . . ."
"Nein, nein, es geht schon" sagte Harry. Leider musste er genau in dem Moment niesen, was seine Aussage nicht unbedingt glaubwürdig machte.
Sirius sah ihn besorgt an. "Pass auf, dass du dich nicht erkältest, Harry. Es kann gut sein, dass dein Immunsystem etwas angeschlagen ist."
Sirius verabschiedete sich vor dem Gemeinschaftsraum von ihm. Nachdem er sich umgezogen hatte kroch Harry erleichtert in sein Bett. Was er gehört hatte war nicht beruhigend gewesen. Alle gingen davon aus, dass Voldemort noch lebte und wahrscheinlich irgendwann wieder angreifen würde. Lucius Malfoy war also der meistgesuchte Mann der magischen Welt. Sollte er das Draco erzählen? Wahrscheinlich lieber nicht. Er zog die Decke fester um sich. Noch drei Tage bis zum Hogsmeade Wochenende . . .
*** Authors notes:
Im nächsten Kapitel kommt wieder mehr von Harry und Draco. Versprochen. Erstmal muss ich mich wieder ganz herzlich bei meinen Betalesern Kathrin, Julia und Jenny bedanken. Und auch ganz lieben Dank für eure reviews. Die machen mir jedes Mal Lust weiterzuschreiben.
@Lady Arrogance: Mal sehen ob sich dein Verdacht bewahrheitet!
@SilentRoses: *lol* Ja es muss wahnsinnig kalt sein.
@aloha999: Danke. Es ist mir sehr wichtig, dass Draco irgendwie glaubhaft rüberkommt.
@Virginia: Vielen Dank! Ich hab mir viele Gedanken über die Animagusform gemacht.
@summsenine: Du kannst mich auch gerne fragen, wenn du dich an etwas nicht mehr genau erinnerst.
@Tinkalili: Das ist ja schön, dass du dich an die Szene noch erinnerst. Die mochte ich auch gern.
@Chibi-Kyoko: Harry kann einem echt leid tun. Draco im Grunde auch.
@Mael: Ich würde deine Vermutung ja gern wissen. Ich glaube mein Vorhaben ist etwas ungewöhnlich.
@Fellfie: Die beiden freuen sich bestimmt unheimlich über deine Kuscheltiere! (
@Matjes: Hallo! Schön, dass du auch wieder da bist!
Sie hatten eindeutig viel zu wenig trainiert, fiel Harry auf, als er am Mittwoch-Abend mit seinem Quidditch-Team übte. Nicht nur, dass sie nicht wirklich eine Strategie hatten, selbst das ganz normale Spielen klappte nicht sonderlich gut. Und dafür konnte man wirklich nicht nur den neuen Mitspielern die Schuld in die Schuhe schieben. Viola und Ron hielten sich ziemlich gut. Harry gab ganz offen zu, dass er selbst das Problem war. Unter Olivers strenger Führung waren sie ein wirklich gutes Team gewesen. Er selbst hatte als Kapitän offensichtlich bislang ziemlich versagt. Bis in zwei Wochen konnten sie diesen Rückstand unmöglich aufholen.
Außerdem hatten sie nicht gerade das Glück auf ihrer Seite. Heute war es ihnen ausnahmsweise mal gelungen, das Quidditchfeld für den ganzen Abend zu reservieren, ohne dass die Slytherins es ihnen vor der Nase wegschnappt hatten. Aber ausgerechnet heute fing es mitten im Spiel so stark zu schneien an, dass man kaum noch die Hand vor Augen sehen konnte. Alles war weiß. Harry kniff die Augen zusammen, um in dem Schneegestöber vielleicht noch den Schnatz auszumachen, aber es war unmöglich. Er konnte ja nicht einmal mehr die Torringe sehen.
Ron flog neben ihn. "Ich glaube, es hat keinen Sinn weiter zu machen." Er musste schreien, um sich verständlich zu machen. Das Wetter versprach sich in einen ausgewachsenen Schneesturm zu verwandeln. Harry nickte ergeben. Um ehrlich zu sein war er froh darüber, dass Ron ihm bei der Entscheidung zur Hilfe kam. "Wir machen für heute Schluss" brüllte er so laut er konnte über das Feld.
Die Spieler ließen sich erleichtert zu Boden sinken. Ron landete neben Harry. "Mach dir nichts draus" sagte er aufmunternd. "Wir schaffen das schon noch. Immerhin haben wir noch fast zwei Wochen bis zum . . ."
"Na? Ist sich Gryffindor zu schade bei dem bisschen Schnee weiter zu üben?" fragte Draco. Harry drehte sich ruckartig um und sah in sein hinterhältiges Grinsen. Er erstarrte. "Um so besser." Draco klang sehr zufrieden. "Dann haben wir den Platz ja heute doch noch für uns." Seine Mannschaft, die hinter ihm hertrottete, wie die Kälber zum Schlachthof, sah allerdings weniger erfreut aus.
"Ihr wollt doch nicht bei diesem Wetter spielen?" fragte Harry aufgebracht. "Das ist doch Wahnsinn."
"Meinst du Potter? Und was wenn es bei unserem Spiel auch so schneit? Quidditch wird bei jedem Wetter gespielt. Gewöhn dich besser daran, wenn du ernsthaft vorhast weiter zu spielen."
Harry wusste darauf keine Antwort. Ihm war durchaus klar, dass er sich in Wirklichkeit nicht über Draco ärgerte, sondern sich Sorgen machte. Manchmal übertrieb der Slytherin mit seinem Ehrgeiz.
"Wenn ihr euch unbedingt die Hälse brechen wollt, soll uns das nur Recht sein" sagte Fred Schulter zuckend.
"Ja. Wenn ihr es so bitter nötig habt zu trainieren, bitte" George machte eine einladende Handbewegung in Richtung des Spielfelds.
Draco schüttelte den Kopf. "Seltsam, dass den Gryffindors nachgesagt wir, sie wären mutig, wenn sie sogar vor ein paar Schneeflocken Angst haben." Er stieg auf seinen Besen und seine Mannschaft folgte ihm ohne zu zögern in die Luft.
Harry sah ihm kopfschüttelnd nach. Mittlerweile war der Sturm so stark geworden, dass es schwierig sein musste, sich überhaupt auf dem Besen zu halten, auch wenn man Draco nichts davon anmerkte. Er wirkte elegant wie immer. Als sei er dafür gemacht in der Luft zu sein. Trotzdem. Bei diesem Schneegestöber konnte Fliegen äußerst gefährlich werden. Hoffentlich wusste Draco was er tat. Offensichtlich war es ihm unheimlich wichtig, das Quidditch-Spiel zu gewinnen.
"Ach, lass sie doch." versuchte Ron ihn abzulenken. "Es wird ihnen sowieso nicht viel nützen jetzt zu üben. Kommst du mit in den Gemeinschaftsraum? Wir wollen Marshmallows im Feuer rösten."
Harry schüttelte den Kopf. Die Vorstellung nach der eisigen Kälte im warmen Gemeinschaftsraum zu sitzen, war eigentlich zu verlockend, aber er hatte etwas anderes vor. "Ich muss mich endlich bei Professor Snape bedanken. Gestern habe ich mich schon wieder davor gedrückt und desto länger ich warte, desto schwieriger wird es."
"Ach so, ich verstehe", sagte Ron schnell. In seinem Gesicht spiegelte sich Mitleid wieder. "Ich will es unbedingt hinter mich bringen, bevor ich Snape morgen im Unterricht gegenüber stehe. Das wäre mir unangenehm."
Ron nickte. "Ich verstehe. Dann . . . wünsche ich dir viel Glück."
Er sagte Ron nicht, dass er den Professor schon heute Abend bei der Sitzung sehen würde. Er hatte Sirius fest versprochen mit niemandem über die Versammlungen zu reden.
Harry war sehr mulmig zumute auf dem Weg zu Snapes Büro. Es war ja nicht nur, dass er sich für seine letzte Rettung bei ihm bedanken musste. Sie hatten ihn auch schon sehr oft falsch verdächtigt und geglaubt, dass er gegen sie arbeitete. Snape hatte allen Grund wütend auf ihn zu sein. Und dann hatte er auch noch sein Leben für ihn riskiert. Er atmete tief ein, bevor er an die schwere Holztür, die zu Professor Snapes Büro führte, klopfte. "Herein?" hörte er die bekannte strenge Stimme.
Entschlossen trat er ein.
"Harry Potter" Snape klang nicht besonders überrascht. "Was führt Hogwarts gefeierten Held in mein bescheidenes Büro?" Snape hatte noch einen schmalen weißen Verband um die Stirn. Er hatte die Ellenbogen aufgestützt und die Hände ineinander verschränkt. Und er schien nicht im Mindesten erfreut über Harrys Auftauchen.
Bei seinen Worten musste Harry sich zusammenreißen, um nicht aus den Augen zu verlieren, weswegen er hierher gekommen war. "Ich . . . ich wollte mich bei ihnen bedanken Professor Snape. Sie haben mir . . . uns das Leben gerettet."
Snape hob eine Augenbraue. "Und du glaubst natürlich, dass ich das für dich getan habe?"
"N . . . nein." Harry sah erschrocken auf.
"Natürlich denkst du das. Bist du mittlerweile tatsächlich schon so eingebildet, dass du wirklich glaubst, alles würde sich nur um dich drehen? Denkst du vielleicht, du mit deiner strahlenden Güte hättest mich zur richtigen Seite bekehrt?" Snape sah ihn hasserfüllt an. "Das ist es nicht", sagte Harry aufgebracht. "Ich denke nicht, dass sie das für mich getan haben."
"Dann gibt es auch keinen Grund sich zu bedanken." Snape machte eine Handbewegung zur Tür hin, wie um ihn zu verscheuchen.
Harry atmete tief ein. "Gut. Dann entschuldigen sie mich, Professor." Er schloss die Tür hinter sich und lehnte sich neben dem Büro an die Wand. Er hatte zwar geahnt, dass es schlimm werden würde, aber so schlimm? Einen Moment brauchte er, um sich davon zu erholen.
So eine Gemeinheit. Schließlich hatte er nur versucht höflich zu sein und es war ihm schwer genug gefallen hierher zu kommen. Und jetzt würde er Snape auch noch gleich in der Sitzung wieder sehen. Wenigstens würde dann Sirius bei ihm sein. Er beschloss gleich zu ihm zu gehen. Dann brauchte er nachher nicht noch eine Ausrede zu erfinden, warum er wieder weg musste. Langsam wurde es zur Gewohnheit Ron und Hermione zu beschwindeln. Harry traf in dem Gang, der zum Turm führte, auf Sirius und Professor Lupin. Er war erleichtert zu sehen, dass sein Pate wenigstens bei dem Schneesturm nicht auf dem Turm war. Stattdessen saßen sie auf zwei Sesseln, die sie vor den Ofen gestellt hatten, der den Gang beheizte. Die beiden wirkten so gut gelaunt, wie Harry sie schon lange nicht mehr gesehen hatte.
"Was ist los?" fragte er
"Nichts Besonderes." Sirius grinste ihn an. "Du siehst allerdings nicht besonders glücklich aus. Welche Laus ist dir denn über die Leber gelaufen?"
"Ich wollte mich bei Professor Snape für meine Rettung bedanken", sagte Harry missmutig.
"Und er hat dich natürlich sofort runtergeputzt?"
"Genau. Ich bereue es schon fast, dass ich da war."
"Das hätte ich dir gleich sagen können", Sirius lächelte ihn an. "Er ist nun mal ein hinterhältiger Fiesling. Daran wird sich nie etwas ändern."
"Immerhin hat er Harry das Leben gerettet", sagte Professor Lupin streng. "Ich finde es richtig, dass er sich dafür bedankt hat."
"Nimm ihn nur in Schutz."
Lupin wandte sich freundlich an Harry. "Ich habe gehört, dass du ein Animagus werden möchtest."
Harry nickte. Er hatte seit Montag darüber nachgedacht und war sich mittlerweile sicher. Selbst wenn er eine Schlange werden würde, wollte er es immerhin wissen. Profesor Lupin merkte sofort, dass er noch nicht weiter darüber reden wollte. "Wie geht es dir sonst? Freust du dich schon auf den Weihnachtsball?"
"Nein überhaupt nicht", sagte Harry schnell. "Ich hasse Bälle."
"Du warst doch erst auf einem", sagte Sirius lachend.
"Ja und den habe ich gehasst. Wahrscheinlich gehe ich gar nicht hin. Dieses Jahr bin ich ja nicht Champion oder so ein Quatsch. Da muss ich nicht." Er hatte sich tatsächlich schon überlegt, ob er überhaupt zum Ball gehen wollte. Mit demjenigen, mit dem er gern ginge, war es nicht möglich. Was machte es da überhaupt für einen Sinn?
"Na ja, du kannst es dir ja noch überlegen. Wart nur nicht so lange, bis alle hübschen Mädchen weg sind" Sirius zwinkerte ihm zu.
Wie kam er überhaupt darauf, dass Harry mit einem Mädchen hingehen würde? Das würde er auf gar keinen Fall tun. Immerhin wusste Sirius mit wem Harry . . . zusammen war. Er sah seinen Paten irritiert an, aber Sirius grinste nur fröhlich. "Oder liegt es etwa daran, dass die Person mit der du gerne hingehen würdest nicht mit dir gehen will? Das kommt mir irgendwie bekannt vor . . ."
"Lass ihn doch in Ruhe" stand Remus Harry bei. "Wenn er keine Lust hat, muss er ja nicht gehen."
"Ich kaufe dir auch neue Roben" bot Sirius bereitwillig an.
"Ich glaube, es ist langsam Zeit zu gehen", unterbrach Remus ihn, "wenn wir nicht zu spät zur Sitzung kommen wollen."
Harry ging nachdenklich zwischen Remus und Sirius in Richtung von Dumbledores Büro, wo die Versammlung stattfinden sollte. Er war völlig in Gedanken versunken. Wie wäre es, wenn er und Draco eine ganz normale Beziehung hätten? Würden sie dann zusammen zum Weihnachtsball gehen, wie alle anderen Paare auch? Eigentlich eine schöne Vorstellung. Abgesehen davon, dass Harry keinen einzigen Tanzschritt konnte. Mit wem würde Draco wohl gehen? Mit Pansy vielleicht? Harry würde sich jedenfalls bestimmt nicht ansehen, wie er den ganzen Abend mit irgendeinem Mädchen tanzte. Nein, er würde nicht zum Ball gehen. Das war beschlossene Sache.
"Träumst du?" Sirius zog ihn am Arm zurück. Er wäre beinahe an Dumbledores Büro vorbei gelaufen.
Professor Lupin flüsterte das Passwort und die geheime Treppe zeigte sich in der Wandnische.
Der Versammlungsraum befand sich hinter einer winzigen Tür in Dumbledores Büro, direkt hinter Fawkes Platz. Harry war sie schon früher aufgefallen, aber er hatte niemals gedacht, dass sie in einen so großen Saal führen würde. Der Raum war kreisrund, ebenso wie die Tafel in der Mitte. Offenbar befand sich das Zimmer in einem Turm, der an Dumbledores Büro grenzte, denn es gab fast ringsum kleine Fensternischen. Draußen konnte man die Schneeflocken gegen den dunklen Himmel sehen. Hoffentlich hatten die Slytherins aufgegeben und trainierten nicht mehr, dachte er besorgt.
Zwischen den Nischen hingen schwere kostbar gearbeitete Wandteppiche und es gab auch einen Kamin, in dem ein Feuer prasselte. Rings um den kreisrunden Tisch standen hohe gepolsterte Lehnstühle, von denen einige schon besetzt waren. Snape war bereits da und sah Harry, der sich zwischen Sirius und Professor Lupin niederließ, eisig an. Dumbledore war ebenfalls da und zwinkerte Harry freundlich zu. Neben ihm saß strickend Arabella Figg und hatte eine dicke Katze auf dem Schoß. Harry wollte sich gerade an Sirius wenden, um zu fragen, wer noch alles kommen würde, als sich die Tür öffnete.
"Verzeihung, wir haben uns etwas verspätet" rief Molly Weasley ein wenig gehetzt. "Die Kamine waren wegen dem schlechten Wetter überlastet und wir konnten keine Kutsche von Hogsmeade hierher bekommen . . . Harry!"
Sie stürzte zu seinem Stuhl, um ihn zu umarmen. "Wie geht es dir? Verheilen deine Wunden gut?"
Die Weasleys hatten ihn mehrmals im Krankenflügel besucht und Molly hatte es sich nicht nehmen lassen, ihm zusätzlich auch noch ein Paket mit selbstgebackenen Keksen zu schicken. Harry nickte. "Danke Mrs. Weasley. "
Hinter Molly tauchten Mr. Weasley, Charlie, Bill und Percy im Türrahmen auf und nahmen die restlichen Plätze ein.
Zu Harry Erleichterung wurde nicht mehr darüber diskutiert, ob er an der Sitzung teilnehmen durfte. Offensichtlich wurde seine Entscheidung akzeptiert.
"Ich eröffne hiermit die fünfte Sitzung des neuen Phoenix Ordens" begann Dumbledore. "Alastar Moody lässt sich für heute entschuldigen, da er auf einer wichtigen Mission unterwegs ist. Auf Rubeus Hagrid, der sich uns bald anschließen wird, müssen wir leider ebenfalls noch verzichten. Harry sah erfreut auf, als er hörte, dass Hagrid ebenfalls zum Orden des Phoenix gehörte. Er fühlte sich nicht mehr ganz so fehl am Platz.
"Als erstes hören wir wie immer die Berichte aus London darüber, was im Ministerium vor sich geht. Ich erteile Arthur und Percy Weasley das Wort."
"Danke sehr Albus" Arthur stand auf. "Wie ihr also bereits vernommen habt, arbeiten mein Sohn und ich wieder im Ministerium, werden also in der Lage sein, darüber zu berichten, was dort vorgeht. Die gute Nachricht ist natürlich, dass die Hetzkampagne auf Sirius Black nicht wieder aufgenommen wurde. Offensichtlich hat er sich im Kampf um Azkaban so verdient gemacht, dass das Ministerium sich jetzt nicht mehr einfach so gegen ihn stellen kann, ohne Misstrauen in der Bevölkerung zu erwecken. Stattdessen wird jetzt alles daran gesetzt Lucius Malfoy zu finden. Er ist momentan der meistgesuchte Mann der magischen Welt." Harry sah erschrocken auf.
"Natürlich ist es für das Ministerium besonders peinlich, dass Lucius Malfoy als ein treuer Diener Voldemorts enttarnt wurde, da er eine sehr hohe Position innehatte. Sie scheinen allerdings nicht die leiseste Idee zu haben, wo er steckt. Für unsere Suche nach ihm können wir also auch nicht mit Hinweisen dienen."
Harry setzte sich auf. "Aber . . ."
Dumbledore hob beschwichtigend die Hand. "Wir verurteilen ihn nicht für die letzten Ereignisse, bevor es klare Gegenbeweise zu deiner Aussage gibt, Harry. Seiner früheren Verbrechen ist er natürlich trotzdem schuldig. Hast du noch etwas hinzuzufügen, Percy?"
Percy schüttelte den Kopf.
"Dann fahren wir also fort mit unseren Überlegungen, wie wir weiterhin vorgehen wollen. Severus? Wie weit bist du mit deiner Analyse von Voldemorts möglichem Aufenthaltsort?" Professor Snape erhob sich. Er warf Harry noch einen missbilligenden Blick zu und es war klar, dass er nicht damit einverstanden war, dass Harry seinen Ausführungen lauschte. "Ich habe mit Arabella Figg gesprochen und was sie mir über die Auswirkungen des Talismans, den Potter trug, als ihn der Todesfluch traf erzählt hat, lässt darauf schließen, dass der dunkle Lord zum jetzigen Zeitpunkt stärker geschwächt sein muss als jemals zuvor. Wenn er überlebt hat, wovon ich allerdings ausgehe, dann wird er momentan in einer Form existieren, in der er zwar kaum Schaden anrichten kann, in der er aber auch so gut wie unsterblich ist. Ich weiß, dass er Vorkehrungen für den Fall geschaffen hat, dass sein Plan schief gehen könnte. Es ist mir allerdings nicht gelungen herauszufinden, welcher Art diese Vorkehrungen waren. Ich glaube, dass er einen Ort geschaffen oder gefunden hat, an dem er völlig sicher überleben kann, ähnlich vielleicht dem Tagebuch, mit dem wir es vor drei Jahren zu tun hatten. Es ist allerdings möglich, dass er noch weiter gedacht und damit bereits einen neuen Plan gefasst hat." Er ließ sich wieder auf seinem Platz nieder.
"Vielen Dank Severus. Das hilft uns bei unseren Überlegungen sehr viel weiter." Dumbledore nickte ihm zu. "Nun zu euch Sirius und Remus. Seid ihr weitergekommen beim Planen unserer möglichen Vorgehensweisen?"
Die beiden Männer links und rechts von Harry erhoben sich und sahen sich an. Sirius gab mit einer Handbewegung zu verstehen, dass er Remus den Vortritt ließ. Remus räusperte sich. "Offensichtlich ist Voldemort im Moment nicht in der Lage selbst etwas zu unternehmen. Das geht auch aus Severus' Ausführungen hervor. Er wird also warten, bis sich wieder einer seiner Diener zu ihm gesellt. Wir glauben beide nicht, dass er Wurmschwanz . . . Pettigrew noch vertraut. Unserer Meinung nach wird er diesmal auf einen stärkeren Untergebenen warten und sich so lange im Verborgenen halten. Wir müssen ihn diesmal unbedingt finden, ehe er seine volle Stärke zurückerlangt und ehe seine Anhänger wieder zu ihm gelangen."
Snape sah ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an. Remus senkte den Kopf. "Ich weiß, dass ich damit nichts Neues erzähle." Er sah auf. "Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass wir seinen Aufenthaltsort herausfinden. Wir sollten uns eher darauf konzentrieren, seine möglichen Anhänger ausfindig zu machen und zu vermeiden, dass sie sich wieder zu ihm gesellen. Außerdem hat er es bislang immer auf Hogwarts abgesehen. Es steht zu befürchten, dass er auch diesmal wieder hier zuschlägt. Wir sollten uns also gut schützen."
"Hervorragende Idee" sagte Severus ironisch.
"Wenn du eine bessere hast, nur heraus damit" fuhr Sirius auf.
Dumbledore hob die Hand. "Vielen Dank. Ich denke, dass eure Überlegungen uns weiterhelfen werden. Hat jemand weitere Ideen?"
Harry konnte später nicht mehr sagen, wann er den Anschluss an die Diskussion verloren hatte. Irgendwann schien alles durcheinander zu gehen und er konnte nicht mehr folgen. Ständig schien sich alles im Kreis zu drehen und der Zeitpunkt seiner üblichen Schlafenszeit war längst überschritten. Schließlich versuchte er nur noch, nicht seinen Kopf auf die Tischplatte sinken zu lassen und einzuschlafen. Er hatte wirklich versucht aufzupassen und sich zu konzentrieren, aber jetzt konnte er einfach nicht mehr.
Sirius war gerade in einer hitzigen Diskussion mit Professor Snape und bemerkte nicht, dass Harry neben ihm immer blasser wurde.
"Alles in Ordnung, Harry?" fragte Professor Lupin besorgt.
Harry nickte. Wenn er jetzt Schwäche zeigte würden alle Sirius vorwerfen, dass er ihn mit hierher gebracht hatte. Und er wollte selbst unbedingt an diesen Sitzungen teilnehmen, aber im Moment wünschte er sich einfach nur in sein Bett.
"Es ist bereits fast Mitternacht" rief Molly plötzlich erschrocken. "Wenn wir es noch zurück in den Fuchsbau schaffen wollen, müssen wir jetzt aufbrechen!"
Harry atmete erleichtert auf. Er war gerettet.
Dumbledore erklärte die heutige Besitzung für beendet und alle erhoben sich. Sirius und Snape tauschten noch ein paar finstere Blicke, bevor letzterer aus der Tür verschwand. Sirius wandte sich an Harry. "Wie hat es dir gefallen? Konntest du uns folgen?"
"Na ja, ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich alles mitbekommen habe" Harry lächelte entschuldigend. "Aber es war sehr interessant. Ich würde gern weiterhin teilnehmen." "Das habe ich mir gedacht. Ich kenne dich doch."
"Jetzt sollte er allerdings schnellstens in sein Bett" sagte Remus bestimmt.
"Natürlich" Sirius sah Harry erschrocken an. Offensichtlich merkte er erst jetzt, wie geschafft sein Patenkind aussah. "Wir bringen dich zu deinem Gemeinschaftsraum."
"Remus?" fragte Dumbledore. "Hast du noch einen Moment Zeit? Ich möchte etwas mit dir besprechen, das nichts mit dem Phoenix-Orden zu tun hat."
"Ja, natürlich" Lupin bedeutete Harry und Sirius schon vor zu gehen und wandte sich an Dumbledore.
Sirius sah einen Moment aufmerksam zu den beiden hinüber, doch dann legte er Harry eine Hand auf die Schulter und führte ihn durch die Gänge davon. "Ich weiß, dass du jetzt sehr müde bist Harry, aber ich denke, es ist trotzdem wichtig für dich dabei zu sein. Wenn es dir allerdings zu viel wird, besonders jetzt, da du noch nicht wieder ganz gesund bist . . ."
"Nein, nein, es geht schon" sagte Harry. Leider musste er genau in dem Moment niesen, was seine Aussage nicht unbedingt glaubwürdig machte.
Sirius sah ihn besorgt an. "Pass auf, dass du dich nicht erkältest, Harry. Es kann gut sein, dass dein Immunsystem etwas angeschlagen ist."
Sirius verabschiedete sich vor dem Gemeinschaftsraum von ihm. Nachdem er sich umgezogen hatte kroch Harry erleichtert in sein Bett. Was er gehört hatte war nicht beruhigend gewesen. Alle gingen davon aus, dass Voldemort noch lebte und wahrscheinlich irgendwann wieder angreifen würde. Lucius Malfoy war also der meistgesuchte Mann der magischen Welt. Sollte er das Draco erzählen? Wahrscheinlich lieber nicht. Er zog die Decke fester um sich. Noch drei Tage bis zum Hogsmeade Wochenende . . .
*** Authors notes:
Im nächsten Kapitel kommt wieder mehr von Harry und Draco. Versprochen. Erstmal muss ich mich wieder ganz herzlich bei meinen Betalesern Kathrin, Julia und Jenny bedanken. Und auch ganz lieben Dank für eure reviews. Die machen mir jedes Mal Lust weiterzuschreiben.
@Lady Arrogance: Mal sehen ob sich dein Verdacht bewahrheitet!
@SilentRoses: *lol* Ja es muss wahnsinnig kalt sein.
@aloha999: Danke. Es ist mir sehr wichtig, dass Draco irgendwie glaubhaft rüberkommt.
@Virginia: Vielen Dank! Ich hab mir viele Gedanken über die Animagusform gemacht.
@summsenine: Du kannst mich auch gerne fragen, wenn du dich an etwas nicht mehr genau erinnerst.
@Tinkalili: Das ist ja schön, dass du dich an die Szene noch erinnerst. Die mochte ich auch gern.
@Chibi-Kyoko: Harry kann einem echt leid tun. Draco im Grunde auch.
@Mael: Ich würde deine Vermutung ja gern wissen. Ich glaube mein Vorhaben ist etwas ungewöhnlich.
@Fellfie: Die beiden freuen sich bestimmt unheimlich über deine Kuscheltiere! (
@Matjes: Hallo! Schön, dass du auch wieder da bist!
