02: [The Thing That Should Not Be]

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"Wie ist das möglich...?"
"Das weiß ich auch nicht, Herr Vizecommander. Gerade das versuche ich herraus zu finden..."
"Dann tun sie das schnell." mischte sich schließlich die tiefe Stimme Ikaris ein. "...Es muss um jeden Preis vernichtet werden... Wenn sie damit fertig sind, erwarte ich, dass Sie es unverzüglich autopsieren und den Rest überprüfen."
"Verstanden."
"Ach ja, und lassen Sie keine Informationen durchsickern. Wir werden den Zwischenfall als das Werk von gut vorbereiteten Terroristen darstellen."
Der ältere der beiden Männer, deren Silhouetten zusammen mit der ihres Schreibtisches das einzige waren, was sich in dem großen, größtenteils mit Glasfenstern eingefassten Raum ausmachen ließ.
Decke und Boden waren voll mit komplizierten Symbolen.
"Ikari..." begann der ältere Mann, der neben seinem sitzenden Kollegen stand.
"...Wie in aller Welt verträgt sich das hier mit unserem Szenario? Dieser Zwischenfall ist zu nah... zu nah an der Zeit der Prophezeiung..."

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Als die Abriegelung sich wieder öffnete - eine halb aus der Wand gerissene Schnittstelle erklärte, warum - stand das Kind einem ganzen Korridor voll bewaffneter Männer entgegen. Einige wunderten sich über das Aussehen ihres Ziels, erkannten vielleicht vertraute Züge in dem Gesicht oder wunderten sich über seine kindliche Beschaffenheit, doch sobald der Erste zu schießen begann, folgten sie alle.
Da war etwas am Gesichtsausdruck des Wesens, dass irgendwie... falsch aussah, nicht ganz.. richtig, und es erweckte bei den Männern das Bedürfnis, einen Schweizer Käse aus ihm zu machen.
Das einzige, was hier aber durchlöchert wurde, waren die Wände und der Bode, vielleicht auch die Decken; Das Ding hielt alle Geschosse mit seinem AT-Feld erfolgreich ab. Es zuckte nicht, es regte sich nicht, erschreckte sich nicht durch das Geräusch der Schüsse, es stand einfach nur da und starrte, ohne auch nur zu blinzeln.
"Los, Feuer! Feuer!"
"Wir... wir haben keine Munition mehr, Chef!"
Das war der Moment, in dem das Wesen weiterlief. Es ging einfach den Gang entlang, die verzweifelten Versuche der Sicherheitsmänner, sich vielleicht durch den Wurf ihrer Pistole oder ähnlich waghalsige Manöver noch zu retten, nicht einmal zur Kenntnis nehmend.
Sie zerplatzten um sie herum wie Luftballons, nur Fetzen in dieser Welt zurück lassend.
So wie die Sperrvorrichtung öffnete sich auch eine Fahrstuhltür für sie, die Tür eines Fahrstuhls, dessen Inneres sie bereits mit dem Blut zweier gewöhnlicher NERV-Angestellten verunstaltet hatte.
Sie schossen und schossen, doch am Ende blieb keiner von ihnen übrig. Ein Pärchen, das den Evakuierungsbefehl für diese Sektion wohl zu spät gehört hatte, kam um die Ecke gestolpert.
Das Grinsen der Wesenheit verbreiterte sich.

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„Sämtliches Personal wird angewiesen, in seinen jeweiligen Arbeitsräumen zu bleiben und die öffentlichen Bereiche schnellstens zu evakuieren. Im Übrigen sind die folgenden Bereiche nicht mehr zu betreten:..."

"Ich... ich sagte es doch, da muss... wirklich etwas passiert sein..." meinte Maya Ibuki ängstlich zu ihren Kollegen, während sie zur Decke aufschaute, als wolle sie die Durchsagen anstarren, die über ihre Köpfe hinweg verkündet worden.

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"...Nein, das ist zwecklos. Wenn das so weiter geht, verschwenden wir am Ende nur Munition und Personal... Die Messungen haben ergeben, dass das AT-Feld nicht durchgehend aktiv ist... Es projiziert es also nur, wenn es dass bewusst will. Versuchen Sie, von Hinten oder von der Seite darauf zu schießen, wenn es abgelenkt ist."
Dr. Akagi, die sich und ihrem Laptop eine ruhige Ecke gesucht hatte, telefonierte in irgendeinem dunklen Winkel des Hauptquartiers mit den Sicherheitsmännern. "Und ich würde Ihnen raten, weder daneben zu schießen, noch sich entdecken zu lassen... Das ist nicht die Art von Feind, die Ihnen eine zweite Chance lässt." Sie tippte irgendetwas ein, während sie der Person am anderen Ende der Leitung zuhörte. "Nein, übermitteln sie mir lieber die Daten der Überwachungssysteme. Was tut das Ding?"
Als Akagi in der Grafik auf ihrem Laptop sah, welchen Weg das Wesen bis jetzt genommen hatte, glaubte sie, die Welt nicht mehr zu verstehen.
Das Ding... war nicht nach unten Unterwegs. "Natürlich. Es war ja schon von Anfang an im Terminal Dogma. Wenn es die Verhaltensmuster eines Engels hätte, wären wir alle schon längst..."
Sie konnte es kaum glauben.
"Was... was macht es... es... es geht nach oben! Aber... dieser Weg... Diese Sektion, die es da durchquert... Es ist fast, als wolle es zu..."

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Und dann öffnete sich die Tür, und es stand direkt vor ihm und Fuyutsuki, und hinterließ mit ihren nackten, blutverschmierten Füßen Abdrücke auf dem gemusterten Boden seines durch seine Architektur scheinbar endlos wirkenden Büros, ohne inne zu halten auf die beiden Männer zugehend.
Der nackte, unreife Körper hätte aus der Ferne wohl wie ein Strich in heller Fleischfarbe gewirkt, wenn da nicht das immer noch feucht in dem Gesicht geklebt und den Großteil des Kopfes wie eine eng anliegende Haube umhüllte.
Der Geruch des LCL war tief in die Substanz eingezogen, und die frischen Blutspritzer intensivierten ihn nur noch.
Rote Sprenkel auf weißem Fleisch - und der Kopf eines unglücklichen Sicherheitsmitarbeiters, dessen Augen immer noch Weit offen standen, obwohl es dort nur noch das Weiße zu sehen gab, den es an den Haaren gepackt hatte.
Die unwahrscheinlichen sicheren Schritte der kleinen Füße erzeugten aufgrund der ihren Anhaftenden Flüssigkeit ein patschendes Geräusch;
Eigentlich hätte es selbst, wenn es irgendwie zu einem Verstand gekommen wäre, nicht fähig sein sollen, zu laufen; Als sie den letzten Klon aktiviert hatten, hatten sie diesen erst einmal gehörig mit Chemikalien vollpumpen müssen, um die noch nie benutzen Muskel nutzbar zu machen; Und selbst das wäre unmöglich gewesen, wenn sie die Klone nicht in einem Tank voll mit der Quelle des Lebens aufbewahren würden. Im normalfall tendierten nicht benutzte Muskeln dazu, sich zunehmend aufzulösen oder auf ein absolutes Minimum abzubauen.
Aber da stand es.
Es stand nicht nur, es lief auf sie zu.
Das Ding, das nicht da sein sollte.
Fuyutsuki wich instinktiv ein paar Schritte zurück;
Anders als Ikari.
Der Commander stand einfach da, ohne dass sein Gesichtsausdruck sich auch nur im Geringsten veränderte.
Er zeigte weder Angst noch Ekel, nicht vor dem Blutgestank, und auch nicht vor dem abgetrennten Kopf; Nachdem er es geschafft hatte, sich daran zu gewöhnen, regelmäßig in einen ganzen Tank voll mit solchen Perversionen zu blicken, ohne dabei Übelkeit zu verspüren, vermochte ihn gar nichts mehr zu erschüttern;
Auch nicht der Gedanke daran, sich im Austausch gegen deren Loyalität an zwei bestimmte Damen verkauft zu haben.
Es war auch von Anfang an nicht die Natur oder der Zustand dieser Objekte gewesen, der ihm zugesetzt hatte, sondern die Tatsache, das er selbst über jeden ihrer Schädel das Gesicht seiner Frau gezogen hatte.
Doch er schaffte es, schaffte es, jedes mal, wenn sein Untergebener anmerkte, das sie wohl entsetzt gewesen wäre, zu antworten, das Yui es verstanden hätte.
Sie hätte das selbe für ihn getan, für ihn den Anblick dieser Klone ausgehalten, für ihn ihren Körper hergegeben, für ihn die Erde verbrannt und den Himmel entzwei gerissen.
Sie hätte das selbe für ihn getan. Davon war er vollkommen überzeugt.
Er wusste einfach, dass sie das selben für ihn getan hätte.
Oh Gott, er hoffte, dass sie das selbe für ihn getan hätte.

Den besorgten Blicken seines Kollegen zum Trotz blieb Ikari ohne mit der Wimper zu zucken an seinem Platz stehen, und starrte die Perversion an.
Und die Perversion hob ihren Kopf an, den sie bis her fast schon beinahe achtlos hatte hängen lassen, und starrte mit blutroten Augen zurück, die Mundwinkel zu irgendeiner Mutation eines Grinsens verziehend.
Es besaß also tatsächlich Intelligenz, genau, wie Akagi es gesagt hatte.
"Was willst du?"
hallte Ikaris tiefe, raue Stimme durch den Raum.
Er war sich längst über die Gefahr bewusst, die von dieser Entität ausging - aber wenn es tatsächlich intelligent war, könnte er es durch Kommunikationsversuche vielleicht lang genug hinhalten, bis die von der Sicherheit hier auftauchten; Oder er könnte sich zumindest auf irgend eine Art eine Chance verschaffen, es zu erschießen.
Und tatsächlich, er hatte Erfolg: Das Wesen brachte ihn nicht um.
Es antwortete, es kommunizierte, obwohl es dazu nicht im Geringsten in der Lage hätte sein sollen; nicht ohne vorher die 'Programmierung' eingeprägt bekommen zu haben. Woher in aller Welt hatte es eine Vorstellung von menschlicher Kommunikation, ausgerechnet von ihrer Sprache?
Aber so unmöglich es auch war, es sprach.
Das Ding, dass nicht da sein sollte, sprach Worte, die nicht hätten sein sollen:
Ich will dich
Egal, wie unfassbar es erschien, dass es überhaupt sprach, oder von was es da sprach, am erstaunlichsten war immer noch, wie es sprach.
Nicht als erste Existenz hatte es die sanfte, ätherische Stimme von Ikaris Frau gestohlen, doch ihren Worten schien stets ein Echo zu folgen.
Nicht sofort, aber recht schnell realisierte Ikari auch, wieso.
Er hörte die Worte, wie sie aus ihrem Mund kamen... aber er hörte sie auch in seinem Kopf, als eine Art Resonanz in seinen tiefsten Schichten, wo er längst alles für abgestorben hielt.
Als sei es etwas, dass er gut kannte, und auch etwas, dass ihn gut kannte.
Es war, als könnte sie sein Innerstes berühren, ohne dafür seine Haut durchdringen zu müssen... eine ungute Ahnung huschte durch seinen Verstand.
Könnte es etwa sein, dass...?
Das Kind ging noch einen Schritt vorwärts.
Ihre Augen blickten direkt in die seinen.
Endlich treffen wir uns... Mann von hinter der Glasscheibe.
Ikari konnte hören, wie sein Kollege hinter ihm ein leises "Wie in aller..." vernehmen ließ. Dieser Grad von Bewusstsein war in der Tat beunruhigend, insbesondere, wenn das Ding Erinnerungen an Dinge besaß, die es gesehen hatte, bevor es auf irgendeine Art und Weise Intelligenz erlangte.
War das hier das Ergebnis eines längeren Prozesses?
Würden noch... weitere folgen? Wenn er bedachte, was er mit diesen Gegenständen plante, könnte die Existenz dieses Wesens einen einzigen großen Torpedo für seine Pläne darstellen, vielleicht sogar seine Absetzung bedeuten...
So kurz vor der Zeit der Prophezeiung, vor seiner Chance, sie wiederzusehen... Niemals.
Ikari hatte seine Hand fest an der Waffe in seiner Jackentasche.
Ich bin gekommen, um mich erkenntlich zu zeigen. Vielen Dank.
Noch bevor Ikari eine Chance hatte, sich einen Reim auf diese Worte zu machen, zerfetzte ein ohrenbetäubender Lärm die Stille des Büros, während seine Ursache ein Loch in die Glaswand des Büros, vorher aber noch eines in den Schädel des entflohenen Testsubjekts bohrte und Ikari dabei ausgiebig mit Blut bekleckerte zumal dieser sich nicht einmal die Arme vors Gesicht gehalten hatte.
Er verschwendete keine Zeit damit, geschockt in die Luft zu starren, sondern warf durch die vereinzelten Blutspritzer auf seinen Brillengläsern hindurch einen prüfenden Blick auf das Wesen, dass zu seinen Füßen zusammengesackt war.
Erst, als er sich vergewissert hatte, dass dieses sich nicht mehr regte und sich das Blut aus dessen zertrümmerten Schädel rapide auf dem Boden ausbreitete, wendete er sich in die Richtung aus der der Schuss gekommen war.
Vor ihm stand keine geringere als Dr. Akagi, untypischerweise mit einer großen Waffe, die sich mit einer Art Gurt über ihren weißen Kittel gehängt hatte - sie hatte die Weitsicht gehabt, schwere, panzerbrechende Projektile einzusetzen, um zu sicherzugehen, dass sie den Feind auch mit dem ersten Schuss ausradieren konnte.
"Sieh an, sieh an, sieht aus, als ob ich Ihnen dieses Mal das Leben gerettet hätte." merkte sie beinahe amüsiert an, bevor sie, wieder vollkommen ernst, ihr Telefon aus der Tasche zog und es rasch aufklappte.
"Ich bin's. Störelement eliminiert. Regeln sie die 'Aufräumarbeiten' so, wie ich es vorher erwähnt habe. Und schicken sie mit ein Code-Blau Quarantänegefäß ins Büro des Commanders."
Nachdem sie das Komunikationsgerät wieder zusammengeklappt hatte, folgten ein paar Sekunden der Stille, welche die Beteiligten damit verbrachten, näher an den kleinen Körper auf dem Boden heranzutreten und diesen zu mustern.

Schließlich war es Fuyutsuki, der die große Frage stellte: "Dr. Akagi. Was denken sie... war die Ursache?"
"Das... hoffe ich durch die Analyse des Körpers herausfinden zu können..."
"Dann möchte ich, dass die Tests unverzüglich vorgenommen werden." befahl Ikari.
"Aber zuerst sollten die verbliebenen Klone auf Anomalien untersucht und alle kürzlich erschaffenen Exemplare terminiert werden. Das wirft uns zwar im Zeitplan etwas zurück, aber es ist besser, als noch einen solchen Vorfall zu riskieren."
"Verstanden." bestätigte die Frau. "Und... das überprüfen der 'verbliebenen Klone' schließt auch den aktuell aktiven mit ein...?"

Ikari kam nicht mehr dazu, diese Frage zu beantworten. Etwas anderes beantspruchte seine Aufmerksamkeit.
Zuerst war da nur ein leichtes Zucken, das einer unaufmerksamen Person vielleicht entgangen wäre, aber spätestens, als die Haare hervorschossen, war allen klar, dass das Ding nicht so tot war, wie sie es gerne hätten.
Mit einem Mal hatten die Haare des Wesen einen unglaublichen Wachstumsschub hingelegt, neue, feuchte, hellblaue Haare präsentierten sich glänzend im Licht.
Und das sollte nicht die letzte Transformation sein.
Zwar zog Ikari augeblicklich seine Pistole und schoss, doch dieses Mal war das Wesen vorbereitet und wehrte die tödliche Kugel mühelos mit seinem AT-Feld ab.
Die achteckigen Formen vor sich verlöschen sehend konnte keine der drei im Raum befindlichen Personen die Wesenheit daran hindern, sich auffzurichten.
Aber sie stand nicht einfach nur auf, sie veränderte sich.
Der ganze Leib schien weich wie Butter zu sein, als ob die Ärme sich nur dadurch verlängern könnten, dass sie sie eine Zeit Hängen ließ, als ob die Beine zuerst einsinken, und sich dann in die Länge strecken könnten, nur, weil sie sich von der Hocke in den Stand begab.
Was auch immer in diesem Körper steckte, war wohl fähig, ihn seinen Wünschen anzupassen. Und nicht nur das: Auch das Fleisch an ihrer Brust und an ihrem Kopf schien zu fließen, die Wunden ausfüllend und glättend, das Auge, das Schuss der blonden Wissenschaftlerin ihr herausgeblasen hatte, vor ihren Augen neu formend, um sie direkt damit anzusehen, noch bevor das Fleisch den Augapfel eingerahmt und mit der Ausrichtung des anderen Auges in Gleichklang gebracht hatte.
Als das Wesen wieder stand, war es volkommen regeneriert und zeigte es die äußere Form einer jungen Frau von siebzehn oder achzehn Jahren mit hüftlangen, blauen Haaren. Es war noch einiges von dem ürsprünglichen Pagenschnitt übrig, die in die Mitte der Stirn hängenden- oder die and die Wangen gränzenden Strähnen, auch wen letztere nicht mehr bei den Wange aufhörten, sondern noch ein gutes Stück weiter gingen; Die Frisur war als ganzes noch recht Haubenartig, bei näherer Betrachtung schienen nur die am weitesten unten, also nahe des Nackens, so etwa unterhalb der Ohren liegenden Haare von diesem plötzlichen Wachstum betroffen gewesen sein schienen.
Das Ding gab den Wissenschaftlern keine Chance, es irgendwie zurück zu halten, sondern stürzte sich ohne auch nur eine Sekunde zu zögern durch die Glasscheibe, die Dr. Akagi vorhin beschädigt hatte.

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Die Nachfolgenden Untersuchungen ergaben rein gar nichts.
Absolut nichts.
Es gab weder bei dem First Child, dass sie gesamte Zeit über unter fast schon akribischer Überwachung und konstanter Aufzeichnung ihrer Körperfunktionen
auf der Intensivstation des NERV-internen Krankenhauses befunden hatte, noch bei der Üperprüfung der restlichen Klone irgendeinen Befund, der nicht... nun, normal wäre wohl das falshe Wort gewesen, aber es lag alles innerhalb der geplanten Parameter. Es hatte sich absolut gar nichts verändert.
Wobei man allerdings auch nichts fand, war die Suche nach der Leiche des Wesens.
Nachdem, was geschehen war, hielt man es durchaus für möglich, dass es den Sturz aus dem Fenster und das herrabrollen eines großen Teils der NERV-Pyramine überlebt haben könnte, aber das Fehlen von ungeklärten Morden mit zerteilten Leichen sprach fürs erste dagegen.
Dr. Akagi war sogar der Meinung, dass es vielleicht schon zerfallen sein könnte.
Weil der Schaden sich auf eine zerbrochene Teströhre, und - was bei NERV weniger störte, als man man annehmen könnte - die Leben von 23 Angestellten begrenzte, und keine für die zahlreichen Projekte wichtigen Komponenten beeinträchtigt zu sein schienen, beschlossen der Commander und sein Stellvertreter, einfach mit ihrem Szenario fortzufahren, und da die Zeit der Prophezeihung noch nicht gekommen war, wurde ihnen die Geschichte mit dem Terorristenangriff ohne viel Tamtam abgekauft - es schien, als sei alles wieder dabei, seinen gewohnten Gang.
Erst viel später sollten alle Beteiligten erfahren, was für ein Schatten sich in diesem Moment über die Welt gelegt hatte...

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"Dann hast du... bereits nach ihm geschickt, Ikari...?"
"Ja. Captain Katsuragi wird ihn abholen."
"Ich nehme an, dass bedeutet..."
"Ja, es dauert jetzt nicht mehr lange, Fuyutsuki. Es ist Zeit."

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"Waaas?" beklagte sich das Mädchen in dem gelben Kleid auf Deutsch, ihre Hände in die Hüften stemmend.
"Warum ausgerechnet in Japan? Das ist praktisch am anderen Ende der Welt! Wie soll ich da denn noch schnell genug hinkommen! Das ist doch nicht dein Ernst, oder, Kaji-san... "
"Ich fürchte, leider doch." entgegnete der unrasierte Mann mit einem leichten Grinsen, das verriet, das er da etwas besser informiert war als seine junge Begleiterin. "Wie es aussieht, ist es Zeit."
"Das sieht übel für die Welt aus, wenn der einzige richtig ausgebildete Pilot auf diesem Planeten hier festsitzt, während man irgendwelche ahnungslose Amateure in unzuverlässigen Prototypen raus schickt!"

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"Es ist Zei-eit, Es ist Zei-eit..." gab das Mädchen mit den Zöpfen in einer stillen Ecke erstaunlich gut gelaunt in einer Art Singsang zu dem wilden mischmasch aus englischem und Russischen Gerede dazu.

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"Ja ich weiß, Herr Lorenz..." sagte der breit lächelnde Junge mit seiner scheinbar stehts in Freude getränkten, hellen Stimme.
"Es ist Zeit, nicht wahr? Der Gedanke daran, wieder an diesen Ort zurückzukehren fühlt sich doch eigenartig an..."
Er lehnte sich ein wenig aus dem Fenster, um die kühle Nachtluft einzuatmen, bevor er seinen Blick auf den Mond richtete.
Das Licht der silbernen Scheibe fiel über die nächtlichen, vollkommen flachen Heidelandschaften Norddeutschlands, die sich jenseits des auf den für diese Gegend typischen, rostroten Ziegelsteinen erbauten Gebäudes erstreckten.
Obwohl, so weit erstreckten sie sich dann doch nicht; Der salzige Geruch, den der Wind gelegentlich hierher bließ, verriet, dass die Ostsee nicht all zu weit entfernt war. Als auf der Nordhalbkugel liegendes und daher recht weit von der ehemaligen Antarktis entferntes Binnenmeer hatte diese im Zuge des Second Impact nicht ganz so viel Verseuchung abbekommen, wie diverse andere Gewässer; Dennoch hatten die rieseigen Filteranlagen, die man im Zuge des Wideraufbaus irgendwo zwischen Dänemark und Skandinavien aufgezogen und vereinzelt an den Küsten sämtlicher Anreinerstaaten verteilt hatte, bis zum heutigen Tag gebraucht, um der Flüssigkeit zumindest nahe der Küste wieder ihre urprüngliche Farbe zurückzugeben. Für mehr als Plankton, Mikrorganismen und vereinzelt auch Muscheln und Quallen gab das Wasser jedoch noch kein zu tolles Habitat ab; Wenn die Fische, von denen man einige Arten in speziellen Aquarien weiter verwahrte, jemals zurückkehren würden, dann würde das noch eine ganze Weile in Anspruch nehmen.
"Ich denke, ich werde ihn vermissen..." kommentierte der Junge.
"Ich meine... den Duft der Meeresküste."

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(1) Weiter geht's im nächsten Kapitel: 03: [Angriff der Engel], wo wir endlich unseren charmanten Protagonisten treffen!