Geheimnisse des fahrenden Volks

Kurz nach Sonnenaufgang waren Eragon und Saphira auf den Beinen. Eragon wollte sich nicht wieder die Vorwürfe seinen Cousins anhören, er verstand Rorans Gefühle und dennoch. Schnell machten Eragon und Saphira sich auf den Weg zu Lilu und Daray. Sie liefen eine Weile umher, bis Eragon endlich jemanden Ansprach. „Entschuldige bitte", eine ältere Frau ließ von ihren Schülern ab und wandte sich zu ihnen um. „Du schon wieder, immer noch auf der Suche nach deiner Tänzerin?" giftete sie. Eragon schüttelte den Kopf leicht. „Nein, dieses Mal habe ich einen Namen. Ich suche nach Morna." Die Alte blickte ihn eine Weile zweifelnd an, dann nickte sie. „Lilu hat also beschlossen dir zu vertrauen. Na dann. Dort ganz am Ende, die Wagen, neben dem Wäldchen." Eragon schmunzelte. Bei genauerem hinsehen, war dieses Wäldchen groß genug, um einen Drachen zu verbergen. Viele wachsame Augen folgten Eragon und Saphira dort hin. Vorsichtig klopfte Eragon an die Tür eins der Wagen. Eine Frau, die aussah als wäre sie Mitte vierzig, riss die Tür auf und starrte ihn wütend an. „Was?" keifte sie. Dann fiel ihr Blick auf Saphira. Sie seufzte. „Ich habe euch bereits erwartet." Sie trat hinaus und schloss die Tür hinter sich. Ihre Züge waren hart und ernst. „Folgt mir, Lilu ist bei ihrem Drachen. Sie bevorzugen es unter freiem Himmel zu schlafen."

Daray lag tief im Wäldchen auf einer kleinen Lichtung und kaute auf seiner Beute. Lilus Frühstück bestand aus einem Obstsalat. Lilu verdrehte die Augen, als sie Valeskas bittere Mine sah. „Ihr habt Gäste." Begrüßte die Lehrerin ihre Schüler. Eragon und Saphira traten auf die Lichtung. „Guten Morgen", begrüßte Lilu sie. Habt ihr schon gefrühstückt, Daray schob Saphira seine Beute hin. Verlegen legte Saphira sich zum lilanen Drachen. Danke, hätten Drachen rot werden können, dann wäre Saphira jetzt rot wie eine Tomate. Eragon schmunzelte und setzte sich ebenfalls. Lilu hielt Eragon ihren Obstsalat hin. „Wie wäre es mit einem Frühstück, ich habe noch mehr und ihr habt bestimmt noch nicht gefrühstückt." Auch Eragon nahm dankend an. Aus den Augenwinkeln sah er ein Schwert, es hing an einem Ast neben Lilu. „Es steckte in seiner Scheide, deshalb sah er nicht, welche Farbe es hatte, doch schon der Griff, verriet, das es die Arbeit eines Elfen war. Die Tänzerin folgte seinem Blick und nahm das Schwert vom Ast. Sie ignorierte Valeskas Blick und zog es heraus. Es hatte sogar die richtige Farbe, ein helles Lila, das von silbernen Fäden durchzogen wurde. „Vor langer Zeit gehörte dieses Schwert einmal mir"; erklärte Valeska. „Aber das war in einem anderen Leben." Eragon nickte leicht. „Brom hat mir ein ähnliches Schwert gegeben, doch dass habe ich verloren." Einen Augenblick lang hellte sich Valeskas Blick auf. „Brom lebt noch?" Eragon schüttelte traurig den Kopf. „Nein, er starb, als er versuchte mich zu beschützen." „Er war ein guter Mann, schon zur Zeit unserer Ausbildung." Eragon nickte leicht, es überraschte ihn wenig, dass sie Brom gekannt hat. Lilu wechselte des Thema: „Entschuldige bitte, dass wir gestern so schnell verschwunden sind." Eragon blickte sie direkt an. „Das ist wohl etwas worüber du nicht sprechen willst." „Nicht jetzt, irgendwann vielleicht. Aber sag mir, was führt euch hier her. Ihr wollt euch doch nicht nur die Eier ansehen, oder?" Eragon sah Lilus lächelndes Gesicht. Sie war eine hübsche Frau, doch an Aryas Schönheit kam sie nicht heran. „Nein, wir wollten euch um Hilfe, bitten. Du erinnerst dich an Roran, meinen Cousin. Die Schergen des Königs haben jemanden entführt, der ihm sehr wichtig ist. Seine Verlobte und wie wollen sie befreien." Valeska lachte bitter. „Ihr wollt in Urû'baen eindringen und jemanden befreien?" Eragon schüttelte schnell den Kopf. „Nein, sie wird auf dem Helgrind gefangen gehalten." Nun verfinsterte sich auch Lilus Gesicht. „Und sie lebt noch?" Sie schien zu wissen, was dass bedeutete. „Ja, da sind wir uns sicher." „Wenn die Ra'zac sie am Leben gelassen haben, dann lauft ihr direkt in eine Falle", meinte Valeska. Eragon lächelte schief. „Ich weiß, aber ich habe keine Wahl. Woher kennt ihr diese Viecher?" Lilu seufzte. „Sie haben eine vorliebe für das fahrende Volk, denn außer uns selbst vermisst uns niemand, wenn ein oder zwei Spielleute verschwinden und nur blanke Knochen übrig bleiben." Eragon nickte kaum merklich. „Wir werden sie befreien, aber wenn wir Hilfe haben, wäre das alles vielleicht einfacher." Lilu blickte Valeska an. „Ich kann euch doch eh nicht aufhalten oder, " grummelte die Lehrmeisterin. Lilu lächelte: „Gut, dann wird das unsere Feuertaufe, doch zuvor will ich euch noch etwas zeigen."

Lilu führte sie zurück zum Lager, zu einem kleinen Wagen. Davor stand ein riesiger Mann, der erst zur Seite trat, als Valeska einige Worte Mit ihm gewechselt hatte. Lilu trat vor die Tür und murmelte etwas in der alten Sprache. Die Tür öffnete sich und Lilu gewährte Eragon und Saphira einen Blick auf den Schatz des fahrenden Volkes. Eragon stockte der Atem. Er blickte sich um. „Siebzehn", flüsterte er. „Siebzehn Eier." Keara Lächelte: „8 weibliche und neun männliche Drachen die auf ihre Reiter warten. Sie wurden vor Ewigkeiten magisch geprüft" „Wie habt ihr das all die Jahre verstecken können und wie konnten Kinder die Eier berühren, ohne dass sie es wussten?" Daray schmunzelte, Das bleibt ein Geheimnis unseres Volkes.

Lilu hatte versprochen, vor Sonnenuntergang wieder in der Burg zu sein und sie hielt Wort. Dieses Mal trug sie eine Rüstung, die leicht war und dennoch Schützte. Daray trug einen Sattel, er war fest und mit silbernen Verziehrungen, versehen. An ihrer Seite trug sie das Elfenschwert. Roran musterte sie einen Augenblick lang. „Ich danke dir, dass du uns Hilfst." Doch Lilu schüttelte den Kopf. „Bedank dich erst bei mir, wenn wir wieder zurück sind und deine Frau haben." Dann kletterte auch Valeska aus dem Sattel. „ Unser Volk hat eine Entscheidung getroffen." Erklärte sie und blickte zu den Toren. Der kleine Wagen in dem das fahrende Volk die Dracheneier versteckte, fuhr hindurch. „Schweren Herzens geben wir die Aufgabe die Hüter über diese Dracheneier zu sein ab Vielleicht, nur vielleicht seit ihr erfolgreicher bei der Suche." Sie sprach mit fester Stimme, doch wirklich überzeugt war sie nicht. Der Fahrer, der Koloss dem Eragon bereits begegnet war, stieg ab. „Doch haben wir eine Bedingung. Mirron wird weiterhin der Wächter dieser Eier sein. Der Riese nickte nur stumm. „Wir danken euch, für euer Vertrauen", antwortete Nasuada. Dann hielt sie kurz inne. „Dürften wir vielleicht einen Blick darauf werfen?" Valeska konnte ein schmunzeln nicht unterdrücken. Nasuada und Arya waren genau so fasziniert von den Eiern, wie Eragon es gewesen war, doch auch sie erfuhren nicht, wie es dem fahrenden Volk gelungen war, sie all die Jahre zu verstecken.

„Seit ja vorsichtig", mischte Arya sich plötzlich ein. „Wir müssen noch reden." Eragon hob eine Augenbraue. „Müssen wir das?" Arya nickte nur und wandte sich ab. Valeska wandte sich Lilu zu. „Sei vorsichtig, du weißt, dass die Ra'zac wahre Bestien sind." Lilu lächelte sacht, dieses Lächeln wurde schief, als Valeska an der Rüstung zu zupfen begann und hier und dort etwas richtig schob. „Ihr weißt nicht, was Galbatorix noch für euch geplant habt, also seit auf alles vorbereitet, wirklich auf alles." Lilu nickte sacht. „Wir werden vorsichtig sein." Valeska blickte Daray an: „Und du halte dein Temperament im Zaum. Keine unüberlegten Handlungen. Und friss ja nichts, dass im Entferntesten nach Ra'zac riecht. Dein Magen würde es schnell bereuen." Daray brummte leide, wofür hältst du mich, ich fress' doch nicht alles. Antwortete es gespielt böse. Valeska nickte: „In den Satteltaschen findest du alles, was du vielleicht gebrauchen könntest und jetzt geh, sonst lass ich dich gar nicht mehr gehen."

Sie stiegen auf die Drachen, Roran klammerte sich an Eragon fest, als Saphira abhob. Sie ist ehr eine Mutter für euch, als eine Lehrmeisterin, oder? Hörte Lilu Eragon in Gedanken. Das Mädchen lächelte verträumt. Ja, sie ist beides. Man könnte sagen, dass sie mir die Mutter ersetzt hat, nachdem meine bei Nacht und Nebel verschwunden ist. Es schien Lilu nichts auszumachen, dass ihre Mutter sie verlassen hatte, zumindest klang sie nicht so, doch Eragon wollte auch nicht weiter nachfragen, er kannte diese Gefühle nur zu gut.

Galbatorix saß auf seinem Thron und ließ seinen Blick von einem der beiden Personen im Raum, zur anderen wandern. Murtagh wirkte erschöpft, die spezielle Behandlung, der man ihn unterzogen hatte, schien erste Früchte zu tragen. „Geh jetzt", meinte Galbatorix nur. Murtagh nickte und verschwand wortlos. Der König war sich sicher, Murtagh würde nie wieder versagen. Dann wandte er sich der anderen Person zu. „Es scheint tatsächlich zu funktionieren." Die Frau Lächelte ihn an. „Natürlich, denn ich weiß was ich tue. Du hättest es mich sofort tun lassen sollen und dich nicht auf diesen Elf und die wahren Namen verlassen sollen. Nun wird alles Reibungslos verlaufen." Sie wirkte sehr von sich überzeugt. Galbatorix lächelte amüsiert. „Vielleicht hast du Recht, doch nun kannst du gerne alles in die Hand nehmen, liebste Lyza. Er gehört ganz dir. Was ist mit dem Mädchen, hatte deine … Behandlung bei ihr auch solchen Erfolg." Ihr Lächeln wurde breiter. „Sie hat sich weit aus weniger gewährt als er. Also hat sie auch weit weniger gelitten, als er. Doch das Ergebnis war dasselbe, die gehören nun voll und ganz dir." Galbatorix nickte zufrieden. „Schön zu hören. Sag mir Lyza, Für ein bisschen Macht würdest du sogar deine eigenen Kinder Verkaufen nicht wahr." Lyza lachte kalt. „Lilu und Nolan. Ich habe sie seit 15 Jahren nicht gesehen. Das fahrende Volk hat mir viel beigebracht. Ohne ihre Geheimnisse könnte ich nichts für dich tun und dennoch, sie haben mir nie getraut. Ich kenne viele ihrer Geheimnisse bis heute nicht. Die Zwillinge sind mir egal." Galbatorix betrachtete sie lachend. „Gibt es für deine Gifte ein Gegenmittel." Zu seiner Überraschung nickte Lyza. „Nein, aber es verliert irgendwann seine Wirkung, wenn man es nicht öfter einnimmt." „Und das bedeutet?" Lyza erhob sich wieder, über Gifte, Gegengifte und Zaubertränke wusste der König erstaunlich wenig. „Das Gift, das ich dem Mädchen gegeben habe, verliert mit der Zeit seine Wirkung. Aber das spielt wohl kaum eine Rolle. Murtagh hat ein viel stärkeres Gift bekommen. Doch auch das wird seine Wirkung irgendwann verlieren aber daran wird dein Drachenreiter keinen Spaß haben, die Nachwirkungen sind enorm" Erst jetzt ließ Galbatorix sie los. „Solange du sich um ihn kümmerst, wird dein Gift seine Wirkung nicht verlieren?" Sie schüttelte schnell den Kopf. „Nein und nun muss ich ihm nicht einmal mehr wehtun um die Wirkung zu verstärken." Galbatorix lächelte zufrieden. Zumindest Murtaghs uneingeschränkter Treue konnte er sich sicher sein.