Ungarn, kleines Dorf in der Nähe von Budapest, 12 Oktober 2012

Sherlock lag zusammengerollt in der Ecke seiner Zelle. Abgesehen von einer dünnen Matratze und einer simplen Toilette vom Typ ‚Loch im Boden' war der Raum leer. Die Wände waren aus rauem Mauerwerk und eine dicke, altmodische Metalltür machte jeden Versuch zu entkommen aussichtslos. Mit diesen spärlichen Informationen konnte Sherlock nur schlussfolgern, dass er im Keller eines älteren Hauses war, in den fünfziger Jahren gebaut und vermutlich eine Art Bauernhof, wenn er die breiten Flure außerhalb seiner Zelle richtig deutete. Die Toilette war ein relativ neuer Umbau und der Raum wurde vermutlich ursprünglich als Lager genutzt. Er vermutete, dass er sich immer noch in Ungarn befand, aber er konnte sich nicht sicher sein, da er für einige Zeit nach seiner Gefangennahme bewusstlos war. Wenn sie ihn in dieser Zeit an einen unbekannten Ort verschleppt hatten, dann war die Chance, dass Mycroft ihn fand verschwindend gering. Und so sehr es ihm auch missfiel, sein Bruder war der Einzige der überhaupt realisieren würde, dass er in Schwierigkeiten war.

Sherlock hatte den Überblick verloren, wie lange er schon hier war. Es gab keine Fenster oder Lichtquellen um die Tage zu verfolgen und seine Wärter folgten keiner wahrnehmbaren Routine. All dies war mit Absicht, um ihm die Orientierung zu nehmen, dessen war sich Sherlock bewusst, aber er musste sich eingestehen, dass es funktionierte. Ein Schauer durchlief ihn als er an den Mann dachte der für seine Gefangenschaft verantwortlich war. Jacob ‚Jake' Moriarty, genauso verrückt wie sein Bruder, aber noch brutaler und gnadenloser. Und er hatte den Tod seines kleinen Bruders ziemlich persönlich genommen und machte es nun zu seiner Mission, Sherlock Holmes zu zerstören. Anfangs hatte Jake die Lüge über den Selbstmord des Detektives noch geglaubt, er wurde jedoch misstrauisch, als mehr und mehr seiner Geschäfte von scheinbar zufälligen Polizei Razzien getroffen wurden. Und dann hatte sich Sherlock unbeabsichtigt – und zu dem Zeitpunkt auch unbemerkt – vor einem von Moriartys Kontakten in Athen enttarnt und die Jagd hatte begonnen. Und der Detektiv war direkt in die Falle gegangen, zu selbstsicher, um zu erkennen, dass er der Gejagte und nicht der Jaeger war. Im Nachhinein war die Falle offensichtlich, aber in dem Moment war er zu arrogant gewesen, zu sehr darauf fixiert, Moriartys Netzwerk zu zerstören und endlich zurück nach Hause zu kommen. Zuhause, das war John, 221B Baker Street und gemeinsam Verbrecher zu jagen. Zuhause schien unendlich weit entfernt.

Sherlock hatte schnell gelernt, dass Jake - er weigerte sich ihn Moriarty zu nennen - ihn nicht sofort töten wollte. In den ersten Stunden seiner Gefangenschaft wurde er an einen Stuhl gefesselt, aber ansonsten nicht weiter verletzt.

Dies hatte sich im Verlauf der letzten Wochen geändert. Waren es wirklich schon Wochen? Es fühlte sich zu mindestens an wie eine Ewigkeit, aber sicher war er sich nicht. Jake war sehr darauf bedacht ihn nicht ernsthaft zu verletzen, er bevorzugte eine langsamere, subtilere Variante der Folter: Erniedrigung. Jake hatte kein Interesse an Informationen, es ging ihm darum, seinen Gegner zu brechen, langsam und schmerzhaft. Sherlock brauchte keine fünf Minuten um dies herauszufinden, aber zu seiner Verblüffung fand er, dass er keine Strategie hatte um dieses Spiel zu gewinnen.

Trotzdem kämpfte um jeden Millimeter, gab nicht mal den einfachsten Befehlen seiner Wärter nach. Egal was diese ihm androhten. Er wusste, dass der Moment in dem er nachgab, in dem er anfing den Befehlen zu folgen und seine eigene Hilflosigkeit zu akzeptierte, sein sicheres Ende wäre. Er benutzte seine Intelligenz und Sarkasmus um die wachsende Schwäche zu überdecken, und bisher hatte seine Strategie Erfolg. Nur wenn er alleine in seiner Zelle war erlaubte er sich, die Maske der Arroganz fallen zu lassen. Jake hatte sich damit gebrüstet, wie er Sherlock brillantes Hirn brechen würde, die gesamte Person Sherlock Holmes von innen heraus zerstören und seine leere Hülle zurückgeben würde, als Zeichen für alle Beteiligten das das Moriarty Netzwerk stärker und mächtiger war als je zuvor. Und obwohl er wusste, dass er auf verlorenem Posten kämpfte, würde Sherlock es dem Kriminellen so schwer wie möglich machen dieses Ziel zu erreichen. Dem rationellen Teil seines Verstandes war bewusst, dass Jake ihn eventuell brechen würde wenn er nicht bald von hier entkam, auch wenn sein Bewusstsein sich weigerte, diesen Fakt zu akzeptieren. Der menschliche Körper und Geist konnte nur ein gewisses Maß an Misshandlung tolerieren und selbst ein überlegenes Hirn wie seine eigenes stieß irgendwann an sein Limit.

Als er sich enger zusammenrollte, schob er die Gedanken der Verzweiflung so weit wie möglich von sich weg und zog sich in seine Gedankenpalast zurück, der einzige Platz an dem er sich sicher fühlte. Er öffnete die Tür die mit ‚John' beschriftet war und entfloh der harschen Realität für eine Weile, ohne zu ahnen, dass die Person die er am Meisten vermisste keine fünfhundert Meter von ihm entfernt im Wald verborgen lag.


John starrte mit verbissenem Fokus durch sein Fernglas. Er beobachtete dieses Haus bereits seit Stunden ohne irgendein Zeichen seiner Bewohner zu sehen. Von außen sah das heruntergekommene Anwesen komplett unbewohnt aus. Trotzdem, dies musste es sein.

Mycrofts briefing war extreme ausführlich gewesen und je mehr John über Sherlocks Erfolge im Kampf gegen Moriartys Netzwerk hörte, umso so mehr war er beeindruck mit der Leistung seines Freundes. Polizeieinheiten in ganz Europa fanden plötzlich eine Vielzahl von anonymen Hinweisen und neuen Beweisstücken, die zu einer ganzen Reihe von hochkarätigen Festnahmen von bis dato unantastbaren Kriminellen geführt hatten. Und dank Mycrofts Strippen ziehen waren all diese Erfolge ganz und gar den lokalen Behörden zu verdanken. Die Geschwindigkeit und die Präzision, mit der Sherlock ganze Syndikate aushob, waren atemberaubend, und John war unheimlich stolz auf Sherlock, wenn auch etwas enttäuscht das er ihn zurückgelassen hatte.

Die Vorbereitungen für Johns eigene Mission begannen umgehend nach der ersten Orientierung. Wenn überhaupt noch Hoffnung bestand Sherlock lebend zu finden, dann mussten sie sich beeilen. Im Endeffekt entschied Mycroft, dass John auf eine lange Urlaubsreise gehen sollte anstatt Selbstmord zu begehen. Es war einfacher zu organisieren und der Einschnitt für seine Freunde und Familie war weniger drastisch. Nachdem er sich von allen verabschiedet hatte, flog er nach Italien, allem Anschein nach um sich die antiken Sehenswürdigkeiten Roms anzusehen. In Wahrheit saß er innerhalb weniger Stunden nach seiner Ankunft in Rom im Schnellzug nach Budapest, der letzte Ort an dem Sherlock lebend gesehen worden war.

Es war relative leicht Sherlocks Spuren in der ungarischen Hauptstadt zu verfolgen. John, unter seinem alten Alias Andrew Doyle, brauchte keine zwei Tage um das Haus in einem kleinen Dorf knapp außerhalb der Metropole zu finden. Alles was ihm jetzt noch fehlte war die Bestätigung das seine Zielperson sich auch wirklich im Haus aufhielt. Sein Ziel war Moriarty, nicht Jim, sondern Jake, der ältere Bruder des beratenden Kriminellen, Erbe dessen kriminellen Netzwerks und an erster Stelle in Sherlock Holmes Liste. Und der Mann, den John für die Entführung seines Freundes verantwortlich machte. Er hatte Fahndungsbilder von Mycroft bekommen, aber die Fotos waren verschwommen. Alle offiziellen Bilder von Jake Moriarty waren Jahrzehnte alt und zeigten einen grinsenden Jugendlichen mit langen, schwarzen Haaren und einem unmöglich aussehenden Schnurrbart. Der Mann selbst war ein Schatten, unsichtbar und selbst hochrangige Mitglieder im Moriarty Netzwerk hatten ihn noch nie zu Gesicht bekommen. Aber alle fürchteten ihn für seine Gnadenlosigkeit und seine Expertise mit Waffen aller Art.

Sherlock hatte Jake durch halb Europa verfolgt, bevor er schließlich hier in Budapest auf eine heiße Spur stieß. Das war vor fast einem Monat gewesen, und im Zuge seiner eigenen Nachforschungen hatte John kein weiteres Lebenszeichen des Detektives finden können. Auch Jakes Spur verlor sich in Budapest. John vermutete, dass Sherlock beim Versuch Moriarty zu enttarnen gefasst worden war. Er weigerte sich hartnäckig die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass Sherlock bereits tot war.

Plötzlich sah er Bewegung am Hintereingang des Hauses, was ihn schlagartig zurück in die Realität brachte. Ein einzelner Mann hatte die Terrasse betreten und war dabei sich eine Zigarette anzuzünden. John stellte sein Fernglas scharf und versuchte einen Blick auf das Gesicht des Mannes zu erhaschen, aber es war inzwischen fast komplett dunkel und der Mann stand mit dem Rücken zu ihm. Er war kurz davor, frustriert aufzugeben und sich einen besseren Aussichtspunkt zu suchen als der Mann sich umdrehte, und langsam die Umgebung des Hauses absuchte. John sorgte sich nicht darum entdeckt zu werden, er war unter einem Berg von Blättern begraben und gut getarnt. Im fast kompletten Dunkel der Dämmerung war er so gut wie unsichtbar. Aber die Bewegung hatte ihm ermöglicht einen Blick auf das Gesicht des Unbekannten zu werfen, und dieser kurze Blick reichte ihm für eine Identifizierung.

Er ließ sein Fernglas langsam zu Boden sinken und atmete tief ein. Mist. Er kannte den Mann aus Afghanistan. Einer der besten Scharfschützen im SRR und ein brillanter Kommandeur. Und John verdankte ihm sein Leben. Was machte ein hochdekorierter Soldat wie Lt. Col. Sebastian Moran hier? Warum würde er für einen Mistkerl wie Jake arbeiten? Seine Präsenz machte Johns ursprünglichen Plan unmöglich. Moran war ein Experte für Überwachung, das Haus war mit Sicherheit extrem gut beschützt, auch wenn keine Kameras direkt sichtbar waren. Er brauchte einen neuen Plan…

London, 12 Oktober 2012

Mycroft wurde durch das Piepen seines Handys aufgeschreckt. Seine Mine verriet nichts über die unerträgliche Spannung die in ihm herrschte, sie war beherrscht und kühl, wie immer. Er würde dies nie zugeben, aber das ungewisse Schicksal seines Bruders lastete schwer auf seinem Gemüt. Und es half seinen unruhigen Nerven nicht wirklich, dass nun auch noch Johns Leben in Gefahr war. Über die letzten Jahre hatte er den jüngeren Mann zu schätzen gelernt, dass ursprünglich angespannte Verhältnis hatte sich in eine vorsichtige Freundschaft gewandelt als Mycroft sah, was für ein guter Einfluss John für Sherlock war. Und obwohl er wusste, dass der ehemalige Soldat mit solchen Situationen umgehen konnte, konnte er das Gefühl nicht abschütteln das etwas schief lief. Mit einem Seufzen wandte er sich seinem Handy zu und sah, dass die Nachricht wie erwartet von John war.

Brauche echten Namen und

Hintergrundinfo von Lt.

Col. Sebastian Moran, SRR.

DRINGEND

Noch ein SRR Offizier? In was um Himmels Willen waren John und Sherlock hier hineingeraten? Er loggte sich in seinen Computer ein und suchte die Informationen für John heraus. Wenigstens konnte er endlich etwas Sinnvolles beitragen. Es hatte schon seit langem keine komplette Hintergrundsuche mehr selbst gemacht – die Akten von John herauszusuchen war eine andere Sache, da wusste er wonach er suchte – und die ganzen Passwortseiten und Sicherheitsfragen testeten seine Geduld, aber dies war zu wichtig um es wie sonst immer einem seiner Mitarbeiter anzuvertrauen.

Als sich die Akte endlich öffnete, suchte er gezielt nach den Einsatzplänen des Colonels. Er fand, dass mehrere mit Andrew Doyle überlappten, also kannte John den anderen Offizier relativ gut und war nicht an seiner Militärgeschichte interessiert. Er öffnete ein weiteres Programm und machte sich auf die komplizierte Suche nach der realen Person hinter dem Decknamen.

Seine Hände flogen zu seinem Handy im gleichen Moment als Morans echter Name auf seinem Bildschirm erschien. Schlechte Nachrichten. Der Name stand bereits seit einiger Zeit auf Mycrofts persönlicher Abschussliste und in dieser brisanten Situation könnten seine Anwesenheit, und vor allem der Fakt das er John gut kannte, dessen Erfolgsaussichten von sehr gering auf null bringen. Er hoffte, dass seine Warnung John noch rechtzeitig erreichen würde und das dieser seine Taktik entsprechend anpassen konnte. Trotzdem war er plötzlich extreme besorgt um seinen Bruder und seinen loyalen Freund. Die Zeit für verdeckte Operationen und Geheimnisse war definitiv vorbei. Er musste einige dringende Telefonanrufe machen und hoffte verzweifelt, dass er nicht zu spät war.

Ungarn, kleines Dorf in der Nähe von Budapest, 12 Oktober 2012

Die Gruppe streifte lautlos durch den dunklen Wald. Sie waren Experten auf ihrem Gebiet, hervorragend ausgebildet und konnten sich problemlos mit Gesten und Handsignalen verständigen. Sobald sie ihr Ziel in Sichtweite hatten signalisierte der Anführer dem Rest der Gruppe zu warten während er sein Gewehr in Position brachte. Es war ein kleines Gewehr das Betäubungspfeile schoss, sein Boss wollte den Eindringling lebendig. Er lächelte grimmig, der arme Kerl würde sich bald wünschen er wäre tot. Eine Kugel war gnädiger, verglichen mit was er unter der Hand seines Bosses erleiden würde.

Ein leises ‚plop' war alles was zu hören war als sich der Pfeil auf seinen Weg machte und kurz darauf sein Ziel im linken Arm des Eindringlings fand. Der Mann verlor das Bewusstsein innerhalb weniger Sekunden, das Fernglas und ein Handy fielen aus seinen erschlafften Händen. Das Betäubungsmittel war hochkonzentriert und würde ihn für Stunden außer Gefecht setzen. Sie griffen den hilflosen Mann an den Armen und zogen ihn unsanft hoch bis er in einer halbstehenden Position war, gehalten von zwei der Männer. Der Anführer griff sich das Handy und sah, dass es gerade eine neue Nachricht empfing. Unbeeindruckt öffnete er die Abdeckung und entfernte die Sim Karte und den Akku, warf das Handy auf den Boden und zermalmte es unter seinem Schuh. Er signalisierte seinen Männer und die Gruppe machte sich auf den Weg zurück zum Haus, die Gefahr war vorüber. Sein Boss würde mit ihm zufrieden sein.


Sebastian Moran betrachtete den Mann vor ihm mit Interesse. Er hatte das Gefühl gehabt, dass er beobachtet wurde als er seine Zigarette rauchte und hatte seine Wachleute alarmiert. Aus reinem Instinkt hatte er den Männern befohlen den Eindringling lebendig zu fassen anstatt ihn an Ort und Stelle zu erledigen und seine Leiche im Wald zu verscharren. Keine zehn Minuten nachdem die Truppe in den Wald verschwunden war, kam der Anruf, dass ein Endringling gefasst worden war. Und jetzt starrte er in das Gesicht der Person, die er verantwortlich dafür machte was mit ihm geschehen war.

Afghanistan, November 2009

Lt .Col. Moran schaute seinen Kommandierenden Offizier mit ungläubigen Augen an. Das konnte nicht wahr sein. Nicht nach allem was er in den letzten Monaten durchgemacht hatte! Einen Soldaten unter seinem Kommando zu verlieren, mehr als das, einen Freund, das war doch Grund genug dafür das sein Benehmen etwas daneben war, verdammt noch mal!

„Colonel, Ihr Verhalten in den letzten Wochen lässt mir leider keine andere Wahl." Er blätterte durch die dicke Akte vor ihm. „Angriff mit Körperverletzung auf einen Kameraden, Unerlaubte Entfernung von der Truppe, betrunken im Dienst… Und das sind nur die gemeldeten Vorfälle. Ich weiß, dass sie mit Cap. Doyle einen guten Freund verloren haben, deshalb habe ich ja so lange weg geschaut, aber ich kann das nicht länger decken. Es sind mehr als drei Monate seit seinem Tod und sie zeigen keine Anzeichen, dass sie die Ereignisse verarbeitet haben. Wenn sie klug sind dann nehmen sie die ehrenhafte Entlassung aus medizinischen Gründen, PTBS ist heute keine Schande mehr. Wenn sie sich weigern, dann kann ich leider nichts mehr für sie tun um eine Ermittlung wegen Amtsmissbrauch und Fehlverhalten zu verhindern. Es ist ihre Wahl, aber egal wie sie sich entscheiden, ihre Karriere im SRR ist vorbei."

Keiner verstand ihn. Und keiner würde ihn je verstehen. Er war immer alleine. Wechselnde Teams, immer neue Orte, er mochte den Lebensstil den ihm sein Job ermöglichte, brauchte die Macht des Befehlshabers. Er hatte schon öfter Soldaten unter seinem Befehl verloren, aber er war immer in der Lage gewesen darüber hinweg zu kommen. Bis er Andrew Doyle traf. Mit ihm verband ihn eine tiefe Freundschaft, fühlte sich näher zu ihm dann zu seinem Bruder. Sie waren zusammen durch drei Missionen gegangen, uncharakteristisch für SRR Mitglieder, die mit immer neuen Teams arbeiteten. Es war nur möglich gewesen weil sie das beste Scharfschützengespann der ganzen Einheit waren. Und entgegen all dem Spott, die Freundschaft war rein platonisch. Und dann hatte dieser Bastard von einem Taliban Andrew erschossen. Er hatte zwei Stunden um das Leben seines Freundes gekämpft, und dann, als er endlich in Sicherheit im Hubschrauber war, hatte Andrew aufgegeben. Sein Herz hörte auf zu schlagen und obwohl der Sanitäter, Sgt. Murray ihn wiederbeleben konnte, verstarb er später im Krankenhaus in Kabul. Und Moran hatte nicht mal die Chance bekommen Abschied zu nehmen. Sein eigener Transport zurück ins Hauptquartier war verspätet und als er endlich drei Tage später in Kabul ankam war Andrews Leichnam bereits auf dem Weg zurück nach England. Er hatte sich in der nächsten Bar betrunken und war seitdem nie mehr wirklich nüchtern.

Er überlegte sich seine Optionen, und entschied, dass seine Talente auch auf dem freien Markt gefragt waren. Wenn ihn die Armee nicht mehr wollte würde er sich eben einen neuen Job als Söldner suchen.

„Danke für ihre offenen Worte, General. Ich nehme die Entlassung aus medizinischen Gründen an. Sie haben meine offiziellen Papiere bis Morgen auf ihrem Schreibtisch. Ich bin sicher der Truppenarzt wird die PTBS Diagnose unterstützen." Damit drehte er sich um und floh aus dem Büro seines Kommandanten, und aus dem einzigen Leben das er bis dato kannte.

Ungarn, kleines Dorf in der Nähe von Budapest, 12 Oktober 2012

Es war wirklich erstaunlich wie sich die Dinge manchmal ergaben. Seine Gedanken wandten sich wieder seinem neuesten Gefangenen zu und ein Grinsen schlich über sein Gesicht. ‚Ja', dachte er, ‚das ganze wird jetzt er richtig interessant!'