Es steckt doch mehr dahinter...

Am frühen Nachmittag erschien Kathryn wieder auf der Brücke, setzte sich neben Chakotay und meinte dann: "Chakotay, Sie haben die Brücke, ich werde mir mal einen halben Tag Urlaub gönnen."
Der erste Offizier blickte sie überrascht an. Daß Kathryn sich freiwillig Urlaub nahm, auch wenn es nur ein halber Tag war, war so ungewöhnlich, daß er schon daran dachte, das ins offizielle Logbuch einzutragen.
Es muß ihr wirklich schlecht gehen, dachte er besorgt, ließ sich aber nichts anmerken. Er schenkte ihr ein Lächeln und nickte. "Eine ausgezeichnete Idee, Captain, viel Spaß."
"Danke, Commander. Wir sehen uns dann morgen früh."
Damit stand sie auf und verließ die Brücke.

Wenige Minuten später erreichte sie das Holodeck.
"Computer, Programm Goldenbird aktivieren."
"Das Programm wurde aktiviert, Sie können eintreten."
Die Türen des Holodecks glitten beiseite und Kathryn stand vor einem Kornfeld, das am Rande eine große, uralte Trauerweide beherbergte. Eine leichte Sommerbrise bewegte die langen, weit nach unten hängenden Zweige der Weide und sie schloß für einen Moment die Augen und sog tief das ihr aus der Kindheit vertraute Aroma von Indiana ein. Frische Kräuter, Blumenduft und ein unverkennbarer, würziger Geruch von Lehm stieg in ihre Nase. Als Kind hatte sie geglaubt, diese Düfte besäßen Heilkräfte und könnten Kopfschmerzen und Kummer vertreiben - wenn man sie nur tief genug einatmen würde. Die Wissenschaftlerin in ihr wußte natürlich, daß das nicht stimmte, aber heute wollte sie wieder dran glauben. Sie hoffte, dieser kleine Ausflug in ihre Heimat würde ihr helfen ihre Balance wiederzufinden, denn sie hatte keinen Zweifel daran, daß ihre Albträume nur daher rührten.
Sie ging zum dicken Stamm der Weide und begann, an ihm heraufzuklettern bis sie den Ast erreicht hatte, auf dem sie als Kind oder später auch junge Erwachsene schon stundenlang gesessen hatte.
Als sie eine bequeme Position gefunden hatte verbrachte sie die nächsten Stunden damit, die Gegend zu betrachten und dabei zu überlegen, wann diese Albträume angefangen hatten und was der Grund war. Und vor allem, warum es dabei immer nur um Chakotay ging.
Mit der Zeit wurde sie müde. Sie hatte es immerhin geschafft ihre Gedanken zu ordnen und schob ihre derzeitige Schlafsituation nach einer genauen Analyse auf ihre Überarbeitung und ihren ständigen Kampf Captain gegen Kathryn gegen Sternenflottenprotokolle. Denn jeden Abend, wenn sie im Bett lag und lauschte, ob sie aus Chakotays Quartier etwas hören konnte, dachte sie immer wieder darüber nach, ob eine Beziehung mit dem Indianer nicht doch möglich wäre. Bisher hatte sie aber keinen Ausweg gefunden.
Jetzt kletterte sie wieder von der Weide herunter, atmete ein letztes Mal ganz tief das Aroma Indianas ein und beendete dann das Programm um in ihr Quartier zu gehen. Sie fühlte sich seit langer Zeit entspannt und die Angst vor dem Einschlafen war auch verschwunden. Sie würde heute nacht sicher wie ein Baby schlafen. Fast schon mit Freude erfüllt zog sie sich ihr seidenes Nachthemd an und schlüpfte dann unter die Decke. Es dauerte nicht lange, bis sie eingeschlafen war.

Chakotay hatte den ganzen Nachmittag über an Kathryn denken müssen.
Hoffentlich hat ihr der freie Nachmittag geholfen, dachte er, als seine Gedanken wieder einmal zu ihr abschweiften. Seufzend legte er das Buch beiseite, in dem er schon über eine Stunde las, aber gerade mal einen Absatz auch wirklich wahrgenommen hatte. Es half nichts, er machte sich einfach zu viele Sorgen um seinen Captain und hatte sich deshalb auch in den Wohnbereich gesetzt um zu lauschen, ob sie diesmal ruhig schlief. Vor einigen Stunden hatte er leise Geräusche gehört und wußte, daß sie jetzt schlafen gehen würde. Seitdem hatte er nichts mehr gehört, was er als gutes Zeichen nahm.
"Computer, wie spät ist es?", fragte er und gähnte einmal.
"Es ist 01.47 Uhr."
"Was? Schon so spät?", fluchte Chakotay laut. Er hatte gar nicht bemerkt, wie schnell die Zeit doch verstrichen war und beschloß, auf dem schnellsten Wege in sein Bett zu kommen. Ein letztes Mal lauschte er noch an der Trennwand, doch er konnte absolut nichts hören.
Wenigstens bin ich schon umgezogen und bettfertig, dachte er und war im höchsten Maße überrascht, als der Türsummer erklang.
"Wer ist da?", fragte er etwas ungehalten und sah an sich herunter. Er trug seine Shorts und sein T-Shirt, notfalls würde das reichen, sollte er wirklich noch einen mitternächtlichen Gast bekommen.
Aber er bekam keine Antwort. Stattdessen ertönte der Türsummer erneut. Ärgerlich trat er an die Tür und öffnete sie. Er wollte gerade denjenigen, der bei ihm vor der Tür stand fragen, warum er nicht antworten konnte, doch jegliches Wort blieb ihm im Hals stecken, als er realisierte, daß Kathryn vor ihm stand - und zwar nur in ihrem rosa Satinnachthemd, mit verräterisch glänzenden Augen und Tränenspuren auf dem Gesicht.
"Kathryn?", fragte er und trat zur Seite, damit sie eintreten konnte, doch sie bewegte sich nicht. Ein leises "Chakotay" kam ihr über die Lippen und erneut kullerten Tränen aus ihren Augen.
Chakotay schaute sie genauer an und dann bemerkte er, daß sie ihn gar nicht anschaute sondern ihr Blick starr an ihm vorbei ging.
Schlafwandelt sie etwa?, ging es Chakotay durch den Kopf und er überlegte, was er jetzt am besten tun konnte. Doch dann nahm ihm Kathryn die Entscheidung ab, in dem sie in sein Quartier trat und auf sein Bett zusteuerte.
Hastig schloß er die Türen und hoffte nur, daß niemand gesehen hatte wie der Captain im Nachtkleid in sein Quartier gegangen war.
Kathryn war unterdessen an seinem Bett angekommen, hatte sich hineingelegt, das Kopfkissen von ihm genommen und drückte es nun fest an sich. Mit einem leisen Seufzen, das mit einem Schluchzen gepaart war, schloß sie die Augen und schlief weiter.
Chakotay stand sichtlich geschockt im Türrahmen. Er hatte gewußt, daß sie Probleme beim Schlafen hatte, aber daß sie jetzt sogar schlafwandelte und zu ihm kam, weil sie ihn anscheinend so dringend brauchte, das hatte er sich nicht einmal vorgestellt.
Minutenlang stand er unbeweglich dort, betrachtete sie und überlegte, was er jetzt tun sollte und auch mußte. Er konnte es unmöglich verantworten, daß sie aufwachen würde und feststellen, daß sie in seinem Quartier war. Sie würde in Panik geraten oder zumindest einen Schock bekommen, das wußte er. Die einzige Lösung schien ein Ort-zu-Ort-Transport zu sein, was ihm aber auch übertrieben vorkam, da kein Notfall vorlag und das Quartier des Captains auch gleich nebenan war. Aber wenn er sie rübertragen würde lief er Gefahr, daß sie aufwachen könnte und dann hätte er dasselbe Problem, als wenn sie hier aufwachen würde. Schließlich entschied er sich, das MHN zu verständigen. Erstens schien mit Kathryn ernsthaft etwas nicht zu stimmen und zweitens konnte er ihr vielleicht ein Sedativum geben.
So leise wie möglich schloß er die Schlafzimmertür und ging in den Wohnbereich zurück.
"Chakotay an die Krankenstation."
Eine etwas überrascht klngendes MHN antwortete ihm: "Krankenstation hier."
"Doktor, bitte kommen Sie in mein Quartier."
"Ich bin auf dem Weg", sagte das MHN ohne sich weiter mit Fragen aufzuhalten.
Chakotay zog sich rasch eine Hose über und nur zwei Minuten später öffnete er dem Doktor die Tür.
Dieser schaute ihn fragend an und als die Türen sich hinter den beiden Männern geschlossen hatten fragte er: "Was fehlt Ihnen, Commander?", und holte seinen Tricorder hervor.
Doch Chakotay winkte ab. "Mit mir ist alles in Ordnung, Doktor, aber ich fürchte, dem Captain geht es nicht so gut."
"Dem Captain? Und was mache ich dann bei Ihnen?", fragte er und wollte gerade schon das Quartier verlassen um in das von Kathryn zu gehen, wurde aber von Chakotay zurück gehalten.
"Warten Sie, ich muß Ihnen noch etwas erklären vorher."
"Commander, wenn der Captain krank ist, dann wird mir das mein Tricorder schon früh genug sagen", entgegenete das MHN ungehalten.
"Der Captain ist in meinem Schlafzimmer", erklärte Chakotay schnell, "aber bevor sie zu ihr gehen müssen sie wissen, daß sie nicht weiß, daß sie hier ist. Sie ist geschlafwandelt."
Der Doktor blickte ihn mit einer Mischung aus Verblüffung und Sorge an und Chakotay erklärte noch hastig und in kurzen Zügen, was in der Nacht vorher passiert war und daß der Captain anscheinend schon länger unter Schlafproblemen litt.
"Ich dachte, es ist vielleicht keine gute Idee sie hier zu lassen, wenn sie aufwacht und merkt, daß sie nicht in ihrem Quartier ist.."
"Es ist gut, daß Sie mich geholt haben Commander, Sie haben absolut richtig gehandelt. Bringen wir sie wieder in ihr Quartier und morgen werde ich sie auf der Krankenstation untersuchen."
Das MHN öffnete sein Medkit und holte ein Hypospray hervor. "Ich werde sie sedieren, so daß sie nicht aufwachen wird. Können Sie sie tragen?"
Chakotay nickte. "Leicht. Aber wir sollten vorher sicher sein, daß uns keiner sieht. Ich möchte nicht, daß Gerüchte entstehen, die auf komplett falschen Umständen basieren."
Der Doktor mußte sich ein Grinsen verkneifen, wenn Chakotay wüßte, was die Crew von den beiden dachte oder besser, sich erhoffte...
"Natürlich, Commander. Ich werde nachsehen, ob alles frei ist." Damit betrat er ganz leise das Schlafzimmer des Commanders, drückte der schlafenden Kathryn vorsichtig das Spray an den Hals und bedeutete dann Chakotay, daß er sie jetzt gefahrlos hochheben könne.
Chakotays Herz schlug einige Takte schneller, als er seine Arme unter Kathryns Rücken und Beine schob um sie hochzuheben. Durch das dünne Nachthemd konnte er die Wärme und Konturen ihres Körpers spüren. Er rief sich selber zur Ordnung und wartete dann, bis das MHN ihm signalisierte, daß der Gang frei war.
Ungesehen kamen sie in Kathryns Quartier an und Chakotay legte sie vorsichtig in ihr eigenens Bett und deckte sie dann zu.
"Was ist, wenn sie noch einmal in der Nacht aufsteht?", wandte er sich an das MHN und dieser antwortete: "Keine Sorge, Commander, ich habe ihr eine Dosis Morphazin gegeben, sie wird traumlos und ungestört bis morgen früh schlafen."
"Dann bin ich beruhigt. Erklären Sie ihr dann was passiert ist oder soll ich das lieber tun?"
"Es wäre besser, wenn Sie das machen, Commander. Und dann schicken Sie sie bitte sofort zu mir auf die Krankenstation. Oh, und richten Sie ihr aus, daß das ein Befehl des leitenden, medizinischen Offiziers ist und nicht verhandelbar."
Chakotay hatte Mühe, sich das Lachen zu verkneifen. Er wußte natürlich, wie sehr Kathryn die Besuche beim Doktor 'liebte', zumal dieser immer etwas zu beanstanden hatte, was ihren Kaffeekonsum und ihre Erholungszeiten anging.
"Notfalls werde ich sie persönlich zu Ihnen bringen. Ich werde dann auch wieder in mein Quartier gehen. Danke, daß Sie gleich gekommen sind, Doktor."
"Das ist meine Aufgabe, Commander. Ich wünsche Ihnen dann eine gute Nacht."
Die beiden Männer gingen zur Tür, da meinte Chakotay noch: "Ach Doktor, bitte schauen Sie noch einmal nach, ob der Gang leer ist, wenn der erste Offizier nachts aus dem Quartier des Captains kommt..."
Das MHN seufzte leise. "Natürlich, Commander..."
Warum können die beiden nicht einfach ihre Zuneigung füreinander öffentlich machen?, dachte das MHN kopfschüttelnd und winkte Chakotay, daß er kommen konnte.
Während das MHN zurück auf die Krankenstation ging legte sich Chakotay in sein Bett. Er strich kurz über die Stelle, an der Kathryn noch vor ein paar Minuten gelegen hatte und wünschte sich, sie wäre noch hier, allerdings unter anderen Umständen. Dann schlief er, wenn auch von Sorgen um Kathryn getrieben, endlich ein.

Am nächsten Morgen war Chakotay bereits 20 Minuten vor seinem Dienstbeginn auf der Brücke. Er wollte die üblich anfallenden Routineaufgaben schon erledigt haben, wenn Kathryn auf die Brücke kommen würde und sie dann gleich um ein Gespräch bitten.
Diese trat 5 Minuten vor Schichtbeginn sichtlich gut gelaunt und ausgeruht aus dem Turbolift und begrüßte die Brückencrew.
"Guten Morgen Chakotay", begrüßte sie ihn extra noch einmal und lächelte ihn an.
Der erste Offizier erwiderte den Gruß, allerdings sah er dabei etwas gequält aus, fand Kathryn. Sie beugte sich leicht zu ihm herüber und flüsterte: "Hatten Sie eine schlechte Nacht, Commander?"
"Ja... nein... oder doch, ja", entschied sich Chakotay schließlich zu sagen. "Kathryn, haben Sie einen Moment Zeit für mich?", bat er dann.
Kathryn nickte. "Natürlich, Chakotay, gehen wir in meinen Bereitschaftsraum."
Ein weiteres Mal folgte der erste Offizier seinem Captain und als sich die Türen hinter den beiden geschlossen hatten, bot sie ihm den Platz auf der Couch an und auch etwas zu Trinken.
Vielleicht kann ich mich jetzt bei ihm revanchieren, überlegte sie und dachte nicht im Entferntesten daran, daß Chakotays Betroffenheit wegen ihr war.
"Also Commander, Sie haben mir zugehört, jetzt kann ich dasselbe für Sie tun. Hatten Sie auch einen Albtraum letzte Nacht?", fragte sie und nahm einen Schluck Kaffee.
Chakotay schluckte und überlegte, wie er ihr die Situation möglichst schonend beibringen konnte.
"Nein, ich hatte keinen Albtraum, allerdings hatte ich in der Nacht auf einmal einen unerwarteten Besucher."
Kathryn zog eine Augenbraue hoch und hakte nach. "Einen unerwarteten Besucher? Von einem Crewmitglied? Ist etwas passiert?"
"Nein... oder doch, ja, dieses Crewmitglied suchte offenbar meine Hilfe, obwohl es ihm gar nicht bewußt war."
Kathryn war jetzt komplett verwirrt und setzte ihre Tasse ab. Mit leicht gerunzelter Stirn fragte sie: "Wie darf ich das verstehen? Chakotay, Sie sprechen in Rätseln."
Erneut seufzte ihr erster Offizier und sah dann ein, daß er nicht länger um den heißen Brei herumreden konnte.
"Um ehrlich zu sein Kathryn, Sie waren es, die Nachts vor meinem Quartier stand und dann hereinkam. Sie sind schlafgewandelt."
Kathryn riß ihre blauen Augen auf und starrte Chakotay an, als ob dieser ihr gerade gesagt hätte, daß Tuvok einen Lachanfall bekommen hätte.
"Sie scherzen!", sagte Sie dann heftiger als gewollt, stand auf und wandte ihren Blick den Sternen zu.
Chakotay redete möglichst sanft weiter. "Mit so einer Angelegenheit würde ich mir niemals einen Scherz erlauben, Kathryn."
Die Betroffene massierte sich mit einer Hand die Stirn. Wie konnte das sein? Doch sie glaubte Chakotay, er würde niemals so etwas erfinden. Aber sie hatte doch so gut geschlafen und als sie aufgewacht war, war sie in ihrem Quartier gewesen und hatte sich schon lange nicht mehr so ausgeruht gefühlt. Ein leiser Verdacht schlich sich plötzlich in ihren Verstand und sie beschloß, wieder Platz zu nehmen.
"Was habe ich genau getan, Chakotay?", fragte sie dann ihn musternd als sie sich wieder hingesetzt hatte.
Die Wangen des Indianers nahmen jetzt eine leicht rötliche Färbung an als er weitersprach.
"Sie sind in mein Schlafzimmer gegangen und haben sich dann in mein Bett gelegt. Dort haben Sie weiter geschlafen. Und Sie schienen geweint zu haben."
Kathryn faßte sich mit einer Hand an das Brustbein, schloß kurz die Augen und atmete einmal tief ein und aus. "Und weiter?", fragte sie.
"Ich wußte nicht genau, was ich machen sollte, aber mir war klar, daß ich Sie nicht wecken konnte und Sie auch nicht bei mir liegenlassen konnte. Deshalb habe ich den Doktor gerufen. Er hat Ihnen ein Schlafmittel verabreicht und wir haben Sie wieder in Ihr Quartier gebracht." Chakotay schaute auf den Teppich und hoffte, sie würde nicht allzu geschockt sein.
Deshalb habe ich also so gut geschlafen, weil der Doktor mir etwas gegeben hat, rekonstruierte Kathryn und bestätigte damit ihre Ahnung. Gleichzeitig war sie im höchsten Maße besorgt, sie konnte es sich keinesfalls erlauben als Schlafwandlerin durch das Schiff zu streifen. Was, wenn jemand von der Besatzung sie sehen würde? Oder war das etwa schon passiert? Sie brauchte Gewißheit.
"Hat mich jemand gesehen?"
Chakotay schaute sie wieder an und schüttelte den Kopf. "Nein, wir haben aufgepaßt, daß der Gang leer war und als sie bei mir geläutet haben, konnte ich auch niemanden sehen."
Kathryn war erleichtert, aber nur darüber. Sie spürte eine immer stärker werdende Verzweiflung in sich aufsteigen. Was sollte sie bloß tun? Eine Weile sagte sie nichts und Chakotay wagte es nicht, sie in ihren Gedankengängen zu unterbrechen.
Schließlich kam die Vernunft in ihr durch und die Einsicht, daß es jetzt wohl doch an der Zeit war, beim Doktor vorzusprechen, zumal er eh schon wußte, was passiert war. Vermutlich würde er sie schon erwarten.
"Chakotay?", fragte Kathryn jetzt fast schüchtern und sah ihn an.
Der Indianer richtete seine volle Aufmerksamkeit auf sie und wartete.
"Vielen Dank für Ihre Diskretion. Ich vermute mal, ich werde um einen Besuch beim Doktor nicht mehr drum rum kommen, oder?" Sie versuchte zu lächeln, aber es gelang ihr nicht wirklich.
Chakotay spürte ihre Verzweiflung darüber, daß sie sich nicht mehr unter Kontrolle zu haben schien und tastete nach ihrer Hand. Zu seiner Überrraschung zog sie sie nicht weg und er drückte sie sanft. Sie erwiderte die Geste und er sagte: "Der Doktor erwartet Sie schon und wenn Sie möchten komme ich auch mit. Ich werde immer für Sie da sein, Kathryn."
Sie war den Tränen nahe vor Rührung und beherrschte sich gerade noch ihre Hand zu heben und ihm über die Wange zu streicheln. Sie sagte nur: "Vielen Dank, ich werde dann mal gehen. Sie haben die Brücke, Commander."
Mit einem traurigen Blick ließ Chakotay ihre Hand los und sah ihr hinterher, wie sie diesmal den Hinterausgang aus ihrem Bereitschaftsraum nahm und sich auf den Weg zu Deck 5 machte.
Oh Kathryn, warum sagst Du mir nicht, warum Du jede Nacht nach mir rufst, was passiert in Deinen Träumen? Chakotay wollte ihr so gerne helfen, aber sie mußte es auch wollen. Er konnte nur hoffen, daß sie sich ihm gegenüber doch noch öffnen würde.
Seufzend stand er auf und ging auf die Brücke zurück, wo er die Besatzung lediglich informierte, daß der Captain zur Krankenstation gerufen worden war und hoffentlich bald wieder zurück sein würde.