Kapitel 2:

Cherry-boy Riot – Wovon sollen wir Träumen

Song: Adele – Set fire to the rain

Ungeduldig tappe ich mit dem Fuß auf den Boden, schaue immer wieder auf meine Uhr und in Richtung Bad. 'Junge, wer von uns beiden ist hier das 'Mädchen'?' denke ich mir zum wievielten mal auch immer seit dem ich hier bin. Meine Tante streckt ihren Kopf auf der Stubentür, hebt fragend eine Augenbraue und deutet ebenfalls in Richtung Bad. „Nein, er ist immer noch nicht fertig. Wenn ich so eitel wäre wie Sean Tante Marilyn, dann wäre ich gar nicht mit der Schule fertig geworden. Denn dann würde ich 50% meines Tages im Bad verbringen und nicht mehr raus kommen, weil irgendein Haar nicht richtig liegt!", schnaube ich belustigt und höre sie lachen. „Noch 5 Minuten!", ruft mir Sean entgegen. Das hat er zwar vor 20 Minuten schon mal gesagt, aber was solls. „Na komm, eh er fertig ist haben wir noch nen Kaffee getrunken.", lädt sie mich in die Küche ein und lässt Wasser in ihre Kaffeekanne laufen. Ich könnte mit ihr sogar wetten dass wir noch 2 Tassen davon schaffen würden. Sam wird mir so an die Gurgel wollen wenn ich endlich dort am Strand aufkreuze. Und während ich so meinen Gedanken nachhänge, steigt mir der Duft von frischem Kaffee in die Nase. Wohlig atme ich einmal tief ein, es geht absolut NICHTS über einen heißen frisch aufgebrühten Kaffee sag ich euch. Natürlich süß und nicht Schwarz. Wenige Augenblicke später habe ich meine geliebte grüne Tasse in der Hand und schlürfe genüsslich das leckere Gebräu. Meine Tante setzt sich neben mir auf einen der Hocker, ihre eigene Tasse in der Hand. Ein poltern und fluchen dringt bis zu uns in die Küche und wir müssen lachen. „Man könnte meinen ihr seid das erste mal abends unterwegs, so wie Sean sich aufführt. Er war noch mal duschen und ich schätze seine Haare wollen nicht so wie er es gerne hätte..", schmunzelt sie in ihre Tasse. „Hmh, ich sags ja, er ist schlimmer als jedes Mädchen!", brumme ich zustimmend, stütze mein Kinn auf der Hand ab, betrachte meine Fingernägel.

„Hätte ich vorher gewusst, dass blondiertes Haar so viel Wasser aufsaugt, hätte ich's mir zwei mal überlegt. Das geht ja mal gar nicht, auch wenns gut aussieht!", kommt gegen kurz vor 10Uhr endlich Sean aus dem Bad. Irgendwann vor ein paar Tagen hat er sich dazu entschieden sein Dunkelblond in ein Erdbeerblond umzuwandeln. Es stand ihm, das muss man ihm lassen. Aber es hat auch so seine Nachteile, wie mein lieber Herr Cousin eben erkennen muss. „Kaffee?", bietet ihm seine Ma gleich an. Dankend lehnt er ab dreht sich zu mir, will wissen wann wir uns endlich los machen wollen. „Eigentlich wollte ich schon vor ner guten Stunde los. Drei mal darfst du raten weshalb ich immer noch hier sitze und mich angeregt mit meiner Tante unterhalte!", entschuldigend sieht er mich an. „Wir sind dann mal weg Mum. Weiß nicht wann wir wieder da sind. Ich schreib dir ne SMS ja?", kurz wird Tante Marilyn von ihrem Sohn in die Arme geschlossen und gedrückt. Sie wünscht uns lächelnd viel Spaß und schon sind wir aus der Tür raus und warten auf den Fahrstuhl. Ein Blick auf meine Uhr verrät mir, dass wir gegen 11h, vielleicht auch etwas später, dort sein würden, den Shuttle-Bus haben wir leider schon 2 mal verpasst. 11H war noch immer früh genug, wenn es nach mir ginge. Eine angenehm warme Luft schlägt uns entgegen, wir machen uns auf den Weg zur Haltestelle. Sean trifft dort ein paar seiner Klassenkameraden und sie kommen ins Gespräch. Es hat mal echt Vorteile in einer Stadt zu wohnen, alles in greifbarer Nähe, vor allem Familie und selbst deine Freunde.

„Glückwunsch Sweetheart, du hast so eben für den ganzen Abend freie Auswahl an Getränken gewonnen!", grinst mich das Mädchen hinter der Kasse an während sie mir das Band ums rechte Handgelenk macht. Wieder was dazu gelernt. „Err, danke?", ich gebe ihr das Geld für meinen Eintritt, bedanke mich nochmals und stelle mich zur Seite. Sean ist etwas weiter hinten in der Schlange, da er sich irgendwie fest gequatscht hat. Wenigstens scheint er sich mit seinen Klassenkameraden zu verstehen. Leute können ja manchmal recht komisch sein, wenn sie erfahren dass du sitzen geblieben bist oder dich hast zurückstufen lassen. 'So Noel, Gedanken weg von der Schule, du bist hier um Spaß zu haben.!', ermahne ich mich selbst. Ich glaube, ich werde gleich mal Gebrauch von dem Band machen. Wir sind noch nicht mal wirklich in der Menge und die Hitze der ganzen Körper strahlt einem schon entgegen. Entgeistert vergleicht mein Cousin die Farbe seines mit meinem Band. „Und wieso hast du nen Grünes bekommen und meins ist so eklig Neon-pink?", platz es aus ihm heraus. „Gute Frage, vielleicht, weil man damit die ganze Zeit auf dem Gelände freie Getränke bekommt? Und eh du mir die Ohren voll jammerst, sag mir einfach was du willst und ich hols dir!", halte ich schnell eine Hand nach oben, um ihm zu signalisieren dass er nicht meckern soll. Mit einem breiten Grinsen werde ich auch schon zum nächsten Stand geschleppt und bestelle und jeweils eines dieser süßen Alcopops mit Wodka. Genüsslich nippt Sean an seiner Flasche, kostenlos schmeckt es doch gleich noch mal so gut.

Irgendwann, ich weiß nicht wie viel Zeit schon vergangen ist, schleppt mich mein Cousin aus der Menge in Richtung eines der Stände. Ah ja. „Übertreibs aber nicht zu sehr ne Sean? Ich will dich nicht nach Hause schleifen müssen. Oder womöglich noch tragen!", schaue ich zu ihm auf. Er ist größer als ich, um einen halben Kopf, dafür bin ich der Ältere von uns beiden. Ich lasse mir einen der Eiswürfel auf der Zunge zergehen, als ich etwas eiskaltes im Nacken spüre. Brr, da bekommt man sofort ne Gänsehaut. Ein mir bekanntes kichern hinter mir, lässt schon erahnen wer der Übeltäter ist. Übeltäterin trifft es dann eher, als Samantha kurz darauf neben mir steht, mich überschwänglich in den Arm nimmt. Mit einigen aus meiner alten Klasse habe ich keinen bis nur spärlichen Kontakt, umso mehr freue mich sie wieder zu sehen. Baby I have no story to be told. Kurz verschwindet sie noch mal in der Menge. Sean klopft mir kurz auf die Schulter, er hat wieder ein paar seiner Mitschüler entdeckt, scheinen alle Ausgang zu haben heute, deutet mir an, dass er sich zu ihnen gesellt. „Jetzt wo du Gesellschaft hast, kann ich dich ja kurz alleine lassen was?", und damit ist er weg. Ob ich den nach her wieder finde? Ich schaue in die Richtung in die Sam verschwunden ist. Lasst mich alle alleine, klar. 'Ah, da ist sie ja wieder, nicht alleine!', wie ich unsinniger Weise feststelle. Auch Amy umarmt mich kurz, was Sam mit einem fragenden Blick quittiert. „Er ist schon Stammgast in unserem kleinen Café musst du wissen. Und eh ich's vergesse, dass hier ist Alex, eigentlich Alexis. Da du fast nen Monat nicht da warst kennst du ihn sicherlich noch nicht!", sie dreht sich um, streckt ihren Arm in Richtung eines jungen Mannes aus. Ein sachtes Lächeln stiehlt sich auf meine Gesichtszüge. „Freut mich dich kennen zu lernen. Noel, wie die Nacht!", stelle ich mich kurz vor. But I've heard one of you. Wir plaudern über dies und das. Sam schwelgt in Erinnerungen an unsere alte Schulzeit und den Zeitpunkt als ich noch fast täglich bei ihnen ein und aus gegangen bin. Ich weiß nicht ob sie es ihrem Bruder nachgetragen hat was er für eine Aktion gebracht hat. Aber eigentlich, war es doch von Beginn an klar gewesen, uns beiden.

[Baby I have no story to be told

but I've heard one of you

and I'm gonna make your head burn

think of me, in the dephts of your despair

making a home down there

it reminds me of the home we shared]

So langsam sollte ich Sean wieder finden. Irgendwie habe ich mich doch etwas zu sehr mit den Anderen und Sam fest gequatscht. Wo ist er denn? Aber es hat gut getan mal wieder mit wem so zu plaudern, ohne im Hinterkopf zu haben, dass man eigentlich schon längst was anderes machen soll. Müssen wir wiederholen, vielleicht im '13th Hour', wenn die beiden frei haben. Nach einer halben Stunde und zwei mal Sam, welche dann Alex und Amy aus den Augen verloren hat, finde ich Sean. Er hat irgendeine Tusse, nach mehr sah sie nicht aus, am Arm hängen. Sie reden über etwas oder jemanden und schauen immer wieder auf einen Punkt weiter weg von ihnen. So schnell kann ich gar nicht gucken, kommt Bewegung in ihn. Bevor ich ihn jedoch erreichen kann, höre ich schon das knackende Geräusch einer zu Bruch gehenden Brille. And I'm gonna make your head burn. Alkohol macht alle männlichen Wesen zu aggressiven Idioten, stelle ich erneut für mich fest. Nach einiger Mühe, in der ich mich durch den kleinen Ring gekämpft habe, der sich um Sean und wen auch immer gebildet hat, schnappe ich mir seinen Arm, bevor er erneut ausholen kann. Mein Kopf ist komplett klar, vergessen sind die 2 Drinks welche ich schon hatte. Wütend dreht er sich zu mir, um zu sehen wer ihn daran hindert sich zu prügeln, seine Augen verengen sich zu Schlitzen. Er zieht an seinem Arm. „Lass los, ich werde dem Wichser schon zeigen was er davon hat dumm über ich zu reden!", erneut stemmt er sich gegen mich. Plötzlich finde ich mich auf dem Boden wieder, rapple mich auf und gehe mit wackligen Beinen auf Sean zu. „Ich verbiete dir nicht Dinge klar zu stellen, aber mach das VERDAMMT NOCH MAL dann, wenn ich nicht in der Nähe bin!", brülle ich zurück. In die restlichen Zuschauer scheint Leben gekommen zu sein. Der Typ, welcher ein nun ein Veilchen hat, wird von 2 Leuten der Security von uns weggezogen. Ich selbst ziehe mit Christina, wo auch immer er her kommt meinen Cousin von dem Tumult weg. Er wehrt sich vehement mit Händen und Füßen, versucht immer wieder zu seinem Widersacher zurück zu kommen. Meine Knie zittern immer, auch meine Stimme als ich versuche ihm Vernunft einzureden zittert. Mein Mund ist komplett trocken. „Komm erst mal mit deinem Leben klar, eh du versuchst mir Vernunft einzureden!", zischt er mich an. Gerade bekomme ich etwas Angst vor ihm. Think of me, in the dephts of your despair. Die Tusse von vorhin dackelt ihm hinter her.

Geistesabwesend klopfe ich mir den Staub von Hose und Shirt. „Tollen Cousin hast du!", jubeln mir ein paar Leute zu die ihn kennen. Mir entweicht ein abfälliges schnauben. Die sind doch eh alle auf Blut aus. Kommt es hart auf hart, ziehen sie die Schwänze ein. Nochmals schaue ich mich um, kein Sean in Sicht. Soll er zusehen wie er Heim kommt. „Irgendwo hier war doch.. ah da!", murmle ich vor mich hin, betrete den Steg zum kleinen See hier in der Nähe. Ich schlucke erneut trocken, was zum Trinken wäre jetzt nicht schlecht. Mir ist jedoch gerade alles vergangen. Meine Schuhe stehen neben mit auf dem Steg, meine Füße habe ich ins Wasser gehangen. Ja das tut gut. Im fahlen Licht des Vollmondes betrachte ich meinen Arm, der Geruch von Blut dringt zu meiner Nase vor. Nen Fingernagel ist auch abgebrochen, toll. Making a home down there. „Alles okay bei dir?", erschrickt mich eine männliche Stimme fast zu Tode. Ich lehne mich zurück sehe über meine Schulter und am Anfang des Stegs steht Alexis. Der aufkommende Wind ist kü Schritte nähern sich mir, er setzt sich neben mich, ohne seine Füße ins Wasser hängen zu lassen. Ich reibe mir kurz über die Arme, fange an zu frösteln. Ich weiß nicht mehr wie ich darauf kam, aber ich fange an zu reden. Frage ihn ob er es versteht wieso jeder so geil darauf ist während einer Rangelei Blut zu sehen. Ob er auch dazwischen gegangen wäre, in dem Wissen dass es sein bester Freund ist, der sich da prügelt. Geduldig hört er mir zu, nickt hier und da, redet. Ich werde vom Klingelton meines Handys unterbrochen, krame es aus meiner Tasche hervor. Tante Marilyn fragt was los ist, da Sean schon zu Hause sei. Kurz tippe ich eine Antwort, soll sie ihn fragen was denn los war. „Sorry, ging um Sean. Den Idioten der sich vorhin hatte prügeln wollen!", entschuldige ich mich kurz. It reminds me of the home we shared. „Gib es mir wieder wenn du dich in unseren Laden verirrst. Amy vermisst dich schon!", lächelt er mich an, als er mir sein Hemd um die Schultern legt und aufsteht. Perplex sehe ich ihm nach, meine Füße sind inzwischen trocken. Kurz schnuppere ich daran. Augenblicklich fühle ich mich an Christian erinnert, sehe auf das grüne Band an meinem Handgelenk hinab. „Du hast mir auch nicht viel gebracht außer der Erkenntnis, dass Sean keinen Alkohol mehr bekommt wenn er mit mir weg ist!", flüstere ich vor mich hin, gehe in Richtung eines der Getränkepunkte.