Eine Woche später machten wir uns zusammen auf den Weg zu dem Alten Brunnen, durch den ich vor über vier Jahren das erste Mal in diese Welt gekommen war.
Inuyasha reiste mit mir in meine Zeit, um meiner Familie die frohe Botschaft zu überbringen.
Ich war total nervös.
Nicht mal mein Verlobter konnte mich beruhigen.
Verlobter… seltsam ihn so zu nennen.
Tausend Dinge schwirrten durch meinen Kopf.
Was wenn meine Mutter dagegen war? Was wenn sie Inuyasha nicht akzeptieren würden.
Was wäre wenn...
Meine Gedanken wurden kurz unterbrochen, denn wir waren am Knochenfresser Brunnen angekommen.
Das alte Holz war schon ganz morsch, doch das machte nichts.
Inuyasha und ich stiegen auf den Rand. Ich hielt mich an ihm fest und sah ihn an.
Dann sprangen wir.
Wir fielen durch die Zeit.
Ich hatte das schon so oft gemacht, jedoch konnte ich das Gefühl noch immer nicht beschreiben. Nach einigen Sekunden waren wir auch schon da.
Sanft landeten wir auf dem Boden des Brunnens.
In meiner Zeit.
Ebenso sanft hob Inuyasha mich hoch, so dass ich mich am Brunnenrand hochziehen konnte.
Er kletterte mir hinter her und nahm mich wieder bei der Hand.
Zusammen verließen wir den Tempel auf dem Grundstück meiner Familie.
Mit ihm an meiner Seite fühlte ich mich zwar schon viel sicherer aber meine Unruhe war noch immer in meinem Herzen verankert.
Mein Herz überschlug sich beinahe.
Es klopfte so stark, dass ich wirklich Angst hatte, dass es mir die Rippen brechen würde.
Ich überlegte gerade wie ich meiner Familie das erklären sollte, als mir plötzlich Sota entgegen kam.
"Kagome, Inuyasha, was macht ihr denn hier?" grinste er uns an.
Er war groß geworden in den letzten Jahren und ich war froh, dass ich das hatte miterleben können.
Aus dem kleinen Jungen, der Inuyasha damals so aufgekratzt begrüßt hatte war ein Teenager geworden.
Naja, verändert hatte er sich zum Glück nicht all zu sehr.
Sota packte uns an den Armen und zog uns Richtung Haus.
Ich musste Lachen.
Inuyasha sah mich verwirrt an, doch ich schüttelte nur den Kopf.
An der Tür angekommen rief mein Bruder: „Mama, Opa! Kagome und Inuyasha sind da. Kommt schnell her!"
Sofort eilten die beiden herbei, denn während meine Freunde mich drei Jahre nicht gesehen hatten, so galt das gleiche für meine Familie und Inuyasha.
Mama rannte uns entgegen.
Zuerst umarmte sie Inuyasha. Es war, als wolle sie ihn auch gar nicht mehr gehen lassen.
Seine goldenen Augen spiegelten seine Überforderung wieder.
Erneut musste ich kichern.
Ohne weitere Umschweife wurden wir ins Esszimmer verfrachtet, wo meine Mutter auch Augenblicklich damit begann den „Verlorenen Sohn" mit unzähligen Fragen zu löchern.
"Also eigentlich sind wir ja gekommen um euch etwas Bestimmtes mitzuteilen" gestand ich, als ich Inuyashas gequälten Blick sah.
Erstaunt richteten sich plötzlich alle Blicke auf mich.
Meine Wangen leuchteten Purpur.
Wie sollte ich ihnen das bloß erklären?
Meine Hände zitterten leicht.
Man, warum war das bloß so schwer. Okay. Sag's einfach grade heraus.
"Inuyasha und ich werden heiraten" lies ich die Bombe platzen.
Meiner Familie blieb der Mund offen stehen. Das war harter Tobak.
"Was?" brachte meine Mutter nur hervor.
"Ist das wahr?" fragte Opa.
„Ehm.." machte Sota.
„Wir werden heiraten. Inuyasha hat mir einen Antrag gemacht und ich hab mich entschlossen ihn anzunehmen" erklärte ich vorsichtig.
Noch immer wurde ich angestarrt und mein ach so toller Verlobter machte keine Anstalten mir zu helfen.
Da brach Mama plötzlich in Freudentränen aus.
Sie schluchzte und flüsterte immer wieder: "Mein kleines Mädchen heiratet..."
Ich atmete erleichtert aus.
Sie freute sich.
Es folgten Stunden lange Gespräche über Kleider und Torten und lauter Dinge, die ich nicht verstand.
Am Abend stand fest, wir würden zwei mal heiraten. Morgen würden wir mit Sango und den anderen feiern und eine Woche später würden wir hier heiraten.
Mama war zwar nicht begeistert von der Idee, dass erst die zweite Hochzeit hier stattfinden würde und dass sie nur eine Woche Zeit hätte um das alles zu planen, doch wir wollten nicht noch länger warten.
Wir hatten schon so viel Zeit verloren.
Danach verabschiedeten Inuyasha und ich uns wieder und kehrten zurück nach Hause.
Wir beide waren völlig erschöpft.
Zwar war die Reaktion meiner Familie besser gewesen als erwartet, aber der Tag war dennoch sehr anstrengend gewesen und wir hatten morgen noch viel vor.
Die Einladungen hatten wir bereits vor einigen Tagen verschickt, aber das war ja nicht alles was zu organisieren war.
Sobald wir wieder da waren, wollte ich mich direkt schlafen legen. Ich war müde und immerhin war morgen mein großer Tag.
Kaede hatte darauf bestanden, dass Inuyasha bei Miroku schlief, also rollte ich mich alleine in meinem Bett zusammen.
Es dauerte ewig, bis ich endlich den Weg in das Land der Träume fand, und dann bekam ich auch noch unschönen Besuch.
Es war Kikyou.
Sie hatte sich aus dem Jenseits heraus in meine Träume eingeschlichen.
Zunächst war ich erschrocken, dann jedoch wurde ich wütend.
Wie konnte sie es wagen!?
Kikyou hob einen Spiegel hoch, doch ich verstand nicht was sie wollte.
Es war ein sehr großer Spiegel und in ihm erkannte ich mich an Inuyashas Seite. Er sah glücklich aus und küsste mich liebevoll.
Ich trug nicht meine üblichen Klamotten, nein. Ich trug die Kleidung der Priesterinnen, das Haar hatte ich mit einem weißen Band zurück gebunden… Das war nicht ich!
Das war Kikyou!
Mit einem lauten Knall zersprang der Spiegel. Hunderte Scherben fielen zu Boden.
Ich konnte mich nicht rühren und ließ es einfach geschehen.
Kikyou bückte sich wortlos, nahm eine der Scherben in die Hand und kam auf mich zu.
"Kagome, egal was passiert und egal was Inuyasha sagt, wir wissen doch beide, dass er immer mich geliebt hat, liebt und auch lieben wird" flüsterte sie mit einer süßlich klingenden Stimme.
Sie gab mir die Scherbe in die Hand und riet mir, es zu beenden, ehe es anfing.
Entsetzt starrte ich ihr in die kalten toten Augen.
Ich verstand noch immer nicht was sie meinte, aber da löste sich mein Traum schon in Luft auf.
Mit einem Mal war ich wach.
Der Schweiß stand mir auf der Stirn und meine Brust zog sich schmerzhaft zusammen.
Ich keuchte.
Zu meinem Entsetzen stellte ich fest, das ich in meiner Hand eine Scherbe befand.
Die eines Spiegels, um genau zu sein.
Ich erinnerte mich an Kikyous Worte, und fasste einen Entschluss.
Auch wenn er sie noch immer liebte, so liebte er auch mich. Egal was kommen würde, Kikyou war tot und ich liebte Inuyasha.
Leise stand ich auf und schlich aus der Hütte.
