…denn es wird euer Untergang sein!

Die Lehrer spannten die Siebtklässler, mit Blick auf die UTZs, ziemlich ein und die ersten zwei Monate in Hogwarts vergingen wie im Fluge. Ehe die Marauder sich versahen, kam der 27.10 und so langsam mussten sie sich auf ihren Festtag vorbereiten. Ihr Festtag, das war der 31.10, denn an diesem Tag trafen zwei sehr wichtige Ereignisse aufeinander: James 18. Geburtstag und Helloween. Es war Dienstag und sie entspannten sich grade in Zauberkunst von einer anstrengenden Doppelstunde Zaubertränke mit den Slytherins bei deren Hauslehrer Professor Wicked (An: ‚wicked' heißt gemein, mehr muss ich dazu glaube ich nicht sagen), während Flitwick immer noch versuchte ihnen irgendeinen, unwichtigen Zauber beizubringen, als Sirius Remus fragte: „Moony, den wievielten haben wir heute?" Remus überlegte kurz und antwortete: „Den 27.10, wieso?" „Weil am Samstag dann der 31.10 ist und du weißt, was das bedeutet", bemerkte Sirius und grinste dreckig, Remus bekam funkelnde Augen: „Ja, der absolute Hasstag der Slytherins…" „Mister Black und Mister Lupin, möchten Sie uns an Ihrem Gespräch teilhaben lassen?", quiekte Professor Flitwick.

Sirius Grinsen verbreiterte sich: „Wir haben nur grade überlegt, welches Datum wir haben und weil das der 27.10 ist und wir heute Dienstag haben, heißt das, dass am Samstag der 31.10 ist. James Geburtstag und Helloween – ein Marauderfesttag!" Professor Flitwick quiekte erschrocken und fiel von seinem Bücherstapel. Die Klasse grinste. „Ähm, meine Sie nicht, Sie könnten ihren ‚Festtag' mal ausfallen lassen? Ist ja ihr letztes Jahr hier und…", versuchte es der Lehrer, denn er wusste genau, was bei den Maraudern der Begriff ‚Festtag' bedeutete: Streiche bis zum Abwinken und ein ungeheures Chaos. James unterbrach ihn empört: „Das ist mein Geburtstag, den werde ich auch gebührend feiern. Außerdem haben Sie es schon gesagt: Es ist unser letztes Jahr und wir werden uns noch einmal selbst übertreffen." Sirius fügte hinzu: „Die Antwort lautet: Nein! Und könnten Sie jetzt mit dem Unterricht fortfahren? Wir müssen noch etwas planen und das geht nicht, wenn Sie zuhören." Darauf wusste Flitwick nichts mehr zu antworten und so fuhr er tatsächlich fort.

„Also", fragte Lily grinsend, „was habt ihr geplant?" Sie hatten sich direkt nach Zauberkunst in den Raum der Wünsche verzogen und planten den nächsten Samstag. Lily durfte tatsächlich bei sämtlichen Streichen mitmachen, auch wenn sie sich im Hintergrund hielt. Sie hatte gute Ideen oder wusste die anderen gut umzusetzen, aber das Ausführen der Streiche überließ sie den Jungen. „Falls ihr mal ein Alibi braucht, kann ich es euch geben, weil ich für alle nur so halb dabei bin. Die denken doch, Streiche spielen wäre unter meinem Niveau", hatte sie erklärt und das leuchtete selbst Peter ein. Das dreckige Grinsen erschien wieder auf Sirius Gesicht: „Die Slytherins müssen an Helloween mal so richtig dran glauben." Remus fügte hinzu: „Es wird ihr Untergang sein!" Und James stellte fest: „Sie werden ihre eigenen Mütter verfluchen, weil die sie auf die Welt gebracht haben…" Lily lächelte: „Schön und gut, aber wie wollt ihr das anstellen?" Schweigen! Lily hob eine Augenbraue. „Das heißt, die berühmten Marauder haben keine Idee?", fragte sie und grinste herausfordernd. James zog sie auf seinen Schoß, hauchte ihr einen Kuss und in Nacken und fragte: „Hast DU denn eine Idee, Süße?" Lily lächelte und nickte langsam.

„Erzähl!", forderte Sirius sie auf und Lily tat ihm den Gefallen: „Also, was haltet ihr davon, wenn den ganzen Samstag über nichts passiert, so dass alle irgendwann misstrauisch werden und hinter jeder Ecke einen Hinterhalt erwarten ohne das etwas passieren wird…" „Wie langweilig", unterbrach Peter sie. James Stimme war gefährlich leise, als er zischte: „Lass sie Ausreden, Wormtail, sonst…" Lily übernahm wieder das Wort, bevor James dem Jüngeren drohen konnte: „Irgendwann werden sie sich in Sicherheit wiegen und dann, nach dem Fest geht es los. Die ganze Nacht hindurch…" Sirius strahlte: „Perfekt, Jewel, wir werden sie eiskalt erwischen." Remus stimmte zu: „…und es wird ihr Untergang sein!"

Als Professor Sprout am nächsten Tag ins Gewächshaus kam – Doppelstunde Kräuterkunde mit den Hufflepuffs – und die Schüler durchzählte, fiel ihr auf, dass sowohl Potter, als auch Black fehlten. „Weiß jemand, wo Mister Potter und Mister Black sind?", fragte die Hexe und sah dabei besonders Remus, Peter und Lily an. Peter und Remus schüttelten unschuldig guckend den Kopf und Lily lächelte freundlich, während sie sagte: „Die beiden haben sich anscheinend mit irgendwelchem Zeug, dass sie sich aus Hogsmead mitgebracht hatten, den Magen verdorben. Wundert mich nicht, bei drei Packungen Schokofröschen, zwei Tüten Bertie Bott's Bohnen aller Geschmacksrichtungen, fünf Zuckerfedern und neun Butterbieren PRO NASE…" Professor Sprout nickte, auch wenn sie es nicht wirklich glaubte. Wahrscheinlich hatten die Jungen Miss Evans einen Bären aufgebunden. Sie kümmerte sich heute in ihrem Unterricht um Alraunen und vergaß die beiden fehlenden Schüler.

Die anderen fünf saßen grade beim Mittagsessen, als James und Sirius wieder zu ihnen stießen. Lily stand auf, umarmte James, während sie ihm leise ins Ohr flüsterte: „Hat's geklappt?" „Problemlos", wisperte er zurück. Laut fragte Lily: „Geht's euren Mägen besser?" Die beiden sahen sich für einen kurzen Moment irritiert an, dann schalteten sie. „Ja, haben wohl etwas zu viel gegessen gestern Nacht", log Sirius und James nickte leidend. Im schauspielern waren sie mittlerweile Meister. „Pech", stellte Remus fest und grinste fies. James setzte sich und zog Lily auf seinen Schoß. „James, was SOLL das?", fragte sie. Er grinste nur: „Naja, Sirius und ich sollten wohl besser noch nichts essen und weil ich keine Lust habe, den anderen beim Essen zuzugucken, darfst du mich jetzt ‚ablenken'." Lily verdrehte die Augen und murmelte: „Dann aber nicht hier." Sie stand auf und zog James hinter sich her aus der Halle.

Remus warf einen Blick auf die Uhr: „Wenn sie in 5 Sekunden nicht da sind gibt's Ärger… 4…3…2…1…Jetzt!" Genau in dem Augenblick stürzte James ins Klassenzimmer und zog Lily hinter sich her. Beide ließen sich auf ihren Platz fallen, grinsten die Freunde einmal kurz an und schon öffnete sich die Türe. Professor McGonagall trat ein. Sie warf einen amüsierten Blick auf Lily und James, denn beide waren außer Atem und Lilys Haar war leicht verstrubbelt, etwas, was bei ihr sonst nie, wirklich nie, passierte. Die Lehrerin dachte bei sich, dass die beiden ein schönes Paar abgaben. Beide gut aussehend, beide überragend intelligent, beide sehr talentiert, beide nicht leicht beeinflussbar und beide ziemlich mächtig. Aber auch beide stur, eigenwillig, leicht arrogant, schwierig und unheimlich stolz. „Nun, guten Morgen. Wie ich sehe seid ihr alle vollzählig. Gut, dann lasst uns mit dem Unterricht beginnen."

Nachdem sie Verwandlung überstanden hatten, hatten die Marauder den restlichen Tag frei, da Alte Runen ausfiel. Candy hatte noch Muggelkunde (sie hatte irgendwie alle möglichen Fächer belegt und war immer eingespannt) und Emmy versuchte ihre Verführungskünste an Professor Grippin aus, also waren die beiden schon mal ‚aus dem Weg'. Peter war im Verwandlungsunterricht irgendwann ganz grün angelaufen und aus der Klasse gerannt. Anscheinend hatte er sich WIRKLICH den Magen verdorben. „Lasst uns in unseren Schlafsaal gehen", schlug Remus vor, „Frank und Jonathan sind draußen mit Alice Diggory, so eine 6.Klässlerin aus Hufflepuff und ihrer Freundin Dana Simons. Die kommen so bald nicht wieder. Außerdem möchte ich Wormtail nicht ausschließen." Die anderen stimmten zu und Lily grinste bei dem Gedanken, was sie wohl erwaten würde… sie sollte es unterschätzen!

Sirius betrat den Schlafsaal der 7.Klässler als Erster. James schob Lily vor sich her und Remus bildete das Schlusslicht. An und für sich sah der Schlafsaal der Jungen dem der Mädchen recht ähnlich. Sechs Himmelbetten mit roten Samtvorhängen und einem Nachttisch daneben, drei Schränke und drei Kommoden (sie teilten sich das jeweils zu zweit) mit Spiegeln drüber, an einem Ende eine Tür, die ins Badezimmer führte und weicher, roter Teppich. Der einzige Unterschied: hier herrschte ein einziges Chaos. Schulbücher, Pergamente, Eulenfedern, Klamotten, Scherzartikel und andere, merkwürdige Dinge lagen überall herum. Sirius grinste. „Kleine Führung gefällig?", fragte er. Lily schüttelte nur stumm den Kopf und ging näher an die Betten heran.

Die ersten beiden sahen normal aus. „Frank und Jonathan?", fragte Lily und Sirius nickte. Die Vorhänge des nächsten waren zugezogen und auf dem Boden drum herum lagen Kuscheltiere aller Art. Auf dem Nachttisch fanden sich Süßigkeiten. Lily grinste: „Peter!" Wieder nickte Sirius. Lily ging zum nächsten Bett. Auf dem Nachttisch lagen tausend dicke und alte Bücher, und auf dem, penibel gemachten, Bett ein gefalteter, blau-weiß gestreifter Pyjama. „Remus", stellte Lily fest. Sirius Nicken nahm sie kaum mehr war. Jetzt blieben nur noch James und Sirius übrig. Das vorletzte Bett war ungemacht und zerwühlt, etwas Pyjamaartiges war nicht zu finden. Auf dem Nachttisch lagen ein einige Scherzartikel, eine halbleere Flasche Feuerwhiskey und eine Packung Kondome. Lily lachte: „Sirius!" „Höchstpersönlich", kam die Antwort vom Besitzer des Bettes. Das letzte Bett, dass am Fenster, war demnach James. Es war nachlässig gemacht und ein schwarzes T-Shirt lugte unter dem Kopfkissen hervor. Auf dem Nachttisch fand sich ein, so schien es, unbeschriebenes Pergament (Die Karte des Rumtreibers), ein Buch und, zu Lilys Überraschung, ein Bild von ihr selber. Sie lächelte still.

Dann wandte Lily sich den Schränken zu und öffnete sie. Der vorderste enthielt vollkommen normale Kleidung, ebenso die Kommode. „Klar, Frank und Jonathan", kam es von Lily. Der nächste enthielt zum einen eher triste, sorgsam aufgehängt und zusammengelegte Kleidung und einige Bücher, zum anderen etwas schmuddlig wirkende Klamotten, die teilweiße nahezu bizarr aussahen. Lily streckte die Hand aus und zog eine Unterhose mit kleinen, rosafarbenen Elefanten raus. Die Kommode öffnete sie nicht, da war ähnliches zu erwarten. „Remus und Peter", sie wandte sich dem nächsten Schrank zu, „dann ist der wohl von Sirius und James." Allgemeines Nicken zur Antwort. Lily öffnete den Schrank und Chaos trat ihr entgegen. Auf der einen Seite war einfach alles in den Schrank gestopft worden. Von halb geschmolzenen Schokofröschen, über nicht abgegeben Hausaufgaben bis hin zu Bruchstücken eines Besens, dazwischen einige, zerknuddelte Klamotten. Auf der anderen Seite sah es kaum besser aus, wenn auch ein bisschen. Alles war nachlässig zusammengelegt oder aufgehängt und es war einiges an Krempel zu finden. Das einzige, was ordentlich aufgehängt war, war ein silbriger Tarnumhang. Lily lachte: „Ja, das passt."

Sie hörte ein Grummeln hinter sich und Peter schob den Vorhang seines Bettes zur Seite. Alle drehten sich zu ihm um. Lily biss sich auf die Unterlippe um nicht laut loszulachen. Peter trug einen rosafarbenen Schlafanzug, der ihm um mindestens zwei Nummern zu klein war. Das an sich war ja schon schlimm genug, aber der Pyjama war auch noch über und über mit gelben Enten von vielleicht drei Zentimeter Durchmesser bedruckt, die sich bewegten und laut schnatterten. James beugte sich zu ihr nach vorne: „Er weiß nicht, dass sich die Enten bewegen. Sirius hat den Zauber so gewirkt, dass Peter der Einzige ist, der es nicht mitkriegt." Lily drehte sich zu ihm um: „Aber er weiß, dass er einen rosafarbenen Enten-Schlafanzug trägt, der ihm zu klein ist, oder?" James nickte.

Nachdem Peter sich angezogen hatte und sich halbwegs wieder beruhigt hatte (Lily musste ihm versprechen niemandem etwas ‚davon' zu erzählen), besprachen die 5 Marauder ihren Helloweenplan. Lily sah sich noch einmal im Zimmer um. Sie hatte bei sich auch das Bett am Fenster, daneben Candy, dann Emmy, dann Bertha, eine Außenseiterin, und dann die Ziege Undine und ihre Bewunderin Pasana. Als sie an die zwei dachte, verzog Lily das Gesicht…