Alle Charaktere und sämtliche Rechte an ‚Arrow' gehören CW Network, Berlanti Productions, DC Entertainment und Warner Bros. Television. Die folgende Geschichte dient keinerlei kommerziellen Zwecken, sondern wurde nur zum Vergnügen geschrieben. Eine Verletzung des Copyrights ist nicht beabsichtigt. Alle weiteren Personen gehören der Autorin.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen. Über Rückmeldungen von euch freue ich mich.

Kapitel 3

Julia erholte sich erstaunlich schnell von den körperlichen Strapazen. Da es nicht ihre Art war, andere für sich arbeiten zu lassen, begann sie, sich nützlich zu machen. Sie sammelte Feuerholz, holte Wasser, begleitete Shado beim Sammeln essbarer Pflanzen und half beim Zubereiten der Mahlzeiten. Ohne sich dessen bewusst zu sein, lernte Julia, wie sie auf der Insel überleben konnte.

Shado und Oliver gingen vollkommen unkompliziert mit Julia um, indem sie sie in ihr tägliches Leben, ihre Gespräche, mit einbezogen. Allerdings gab es gewisse Themen, die Shado und Oliver in Julias Gegenwart gar nicht erst ansprachen. Manche Dinge musste sie nicht wissen.

Slade dagegen wusste nicht, wie er mit Julia umgehen sollte. Sie wirkte verletzlich, hilf- und wehrlos, ein Typ Frau, mit dem er nichts anfangen konnte. Trotzdem hatte Julia Dinge überlebt und getan, die so manche der energischen, kämpferischen Frauen, die Slade kannte und bevorzugte, nicht geschafft hätten. Ihr freundliches, hilfs- und lernbereites Wesen löste bei ihm brummiges, ablehnendes Verhalten aus, das er sich selbst nicht erklären konnte. Er hatte deswegen von Shado und Oliver schon manchen bösen Blick und scharfe Bemerkung bekommen. Dass er sich Julia gegenüber so hilflos fühlte, behagte Slade ganz und gar nicht.

Julia wurde wach, als Shado das Wrack verließ. Nach den Lichtverhältnissen zu urteilen, konnte die Sonne gerade erst aufgegangen sein. Da die Männer ruhig schliefen, war wohl alles in Ordnung. Trotzdem beschloss sie, Shado nachzugehen.

Nicht weit vom Wrack entfernt blieb Shado stehen und machte ein paar Dehnübungen. Sie hatte ihre Verfolgerin zwar bemerkt, aber beschlossen, Julia zu ignorieren. Dann konzentrierte Shado sich auf ihre Übungen.

Verblüfft beobachtete Julia, wie Shado mitten in der Wildnis Tai Chi machte. Nach ein paar Minuten, in denen sie Shado aufmerksam zugesehen hatte, begann Julia, die Bewegungen nachzuahmen.

Entgegen Julias Annahme, hatte Slade nicht mehr geschlafen. Sobald Shado sich gerührt hatte, war er wach geworden. Neugierig folgte er den beiden Frauen. Slade wusste von Shados morgendlichen Ausflügen. Er folgte ihr jedes Mal, um sicher zu stellen, dass ihr nichts geschah. Erstaunt sah er nun Julias ein wenig unbeholfenen Versuch, Shados Übungen nachzumachen. Obwohl ihr diese Art sich zu bewegen definitiv fremd war, gab sie nicht auf. Julia hielt durch, bis Shado fertig war. Dann wollte sie schnell verschwinden.

„Warte, Julia."

Sie seufzte. Shado hatte sie also bemerkt. Daher blieb Julia, wo sie war und wartete, bis Shado sie erreicht hatte.

„Hast du schon mal Tai Chi gemacht? Oder eine andere asiatische Sportart?"

„Nein. Ich bin nicht sehr sportlich. Ein bisschen schwimmen, hin und wieder mal etwas Rad fahren." Julia zuckte mit den Schultern. „Ich habe den Sinn im Sport nicht gesehen."

Shado blieb ernst, obwohl sie gerne laut gelacht hätte.

„Hier könnte es nützlich sein. Diese Insel hat immer eine Überraschung parat. Körperliche Fitness, die Fähigkeit, sich verteidigen zu können, mit und ohne Waffen, können helfen, hier zu überleben." Shado ließ einen prüfenden Blick über Julia wandern. „Du bist gesund genug, um dies alles zu lernen. Wir fangen heute mit dem Training an."

Zweifelnd sah Julia die Asiatin an. Sie war sich nicht sicher, ob sie alles richtig verstanden hatte, was Shado gesagt hatte.

„Du willst, dass ich kämpfen lerne? Und wie man Waffen benutzt?"

„Ja. Ich werde dir den Umgang mit dem Bogen beibringen und wie du dich selbst verteidigen kannst. Slade kann dir die Handhabung von Schusswaffen zeigen und ebenfalls mit dir trainieren, sobald du die Grundlagen hast. Es ist auch immer wichtig, sich gegen einen körperlich möglicherweise überlegenen Angreifer zur Wehr setzten zu können."

Okay, sie hatte also alles richtig verstanden. Trotzdem bezweifelte Julia, dass dies ein erfolgreiches Unterfangen war. Dann fiel ihr etwas auf.

„Was ist mit Oliver? Was soll ich mit ihm üben?"

Jetzt lächelte Shado ganz offen.

„Er ist selbst noch Schüler. Aber vielleicht fällt mir noch etwas ein, was er dich lehren kann."

Julia seufzte, ganz und gar nicht überzeugt.

„Wenn du meinst…"

Für Julia brach eine anstrengende Zeit an. Shado machte Übungen mit ihr, damit sie die Kraft zum Bogenschießen bekam. Oliver musste lachen, als er sah, wie sie konzentriert mit der flachen Hand auf Wasser in einer Schale schlug. Im Gegensatz zu ihm stellte Julia diese, wie auch andere seltsame Übungen, nicht in Frage. Außerdem übte Shado mit ihr die Grundbegriffe der Selbstverteidigung.

Brummig und schlecht gelaunt brachte Slade Julia bei, Schusswaffen in ihre Einzelteile zu zerlegen und wieder zusammenzusetzen. Sie ließ sich dabei von seinem miesepetrigem Wesen nicht aus der Fassung bringen. Stattdessen fragte sie in aller Ruhe nach, wenn sie eine seiner Erklärungen nicht verstand. Meistens handelte es sich dabei um ein Vokabelproblem. Technische Fachausdrücke der Waffenkunde hatten in ihrem Englischunterricht nicht auf ihrem Stundenplan gestanden.

Für Oliver hatte Shado auch eine Aufgabe gefunden. Sie ließ ihn jeden Tag mit Julia laufen. So sollte ihre Kondition aufgebaut werden. Als Nebeneffekt lernte Julia nach und nach immer mehr Teile der Insel kennen.

Obwohl Julia ein volles Programm hatte, beschwerte sie sich nicht. Ebenfalls ohne zu murren, erledigte sie alle sonstigen Aufgaben, die man ihr zuteilte. Aufmerksam beobachtet Julia, wie die drei miteinander umgingen. Schnell erkannte sie, dass Oliver und Shado ein Paar waren. Slade dagegen blieb ihr ein Rätsel. Julia erinnerte sich an einen Blick, der tief in sie hineingedrungen war, wenn auch nur für einen kurzen Moment. Sie erinnerte sich an sanfte Gesten und Berührungen, als sie krank und schwach war. Jetzt war er brummig, mürrisch und abweisend. Julia war durcheinander wegen dieses ambivalenten Verhaltens, wusste aber auch nicht, was sie dagegen tun konnte. Daher wartete sie ab.

„Ich habe dir doch schon dreimal erklärt, was du machen sollst! Wenn du es nicht lernen willst, dann sag es mir und wir hören sofort auf. Ich muss meine Zeit nicht verschwenden!"

Langsam legte Julia die Einzelteile der Waffe vor sich hin, wobei ihre Hände leicht zitterten. Dann sah sie Slade direkt in die Augen.

„Ich bin Deutsche. Meine Muttersprache ist deutsch. Englisch ist eine Fremdsprache für mich, die ich einige Jahre in der Schule gelernt habe. Danach habe ich sie nur noch gesprochen, wenn ich im Urlaub war. Ich bin also aus der Übung. Dazu kommt, dass du Worte verwendest, die ich nie im Schulunterricht gehört habe. Ich lerne sie gerade neu und was auch immer du sagst, ich gebe mir sehr viel Mühe dabei." Julia deutete auf die Einzelteile vor sich. „Ich bin mir nicht einmal sicher, ob ich die deutschen Worte für diese Teile kenne. Außerdem folge ich jeder deiner Anweisungen. Oder denen von Shado. Ich habe nicht einmal irgendeine dieser Anweisungen in Frage gestellt. Ich stelle nur Fragen, wenn ich etwas nicht verstehe. Wenn ich die Worte nicht verstehe." Julia holte tief Luft, ballte ihre zitternden Hände zu Fäusten. „Ich bin mehr als dankbar für alles, was ihr drei für mich getan habt und noch tut. Und ich erwarte absolut nichts von euch. Außer das, was jedem Menschen zusteht: Respekt. Und ich glaube nicht, dass dies zu viel verlangt ist. Wenn du also ein Problem mit mir hast, Slade, dann sag es mir. Vielleicht können wir es aus der Welt räumen. Wenn nicht, müssen wir einen Weg finden, damit umzugehen. Respektvoll." Julia stand auf. „Unter den gegebenen Umständen halte ich es für besser, bei dir keinen Unterricht mehr zu haben." Sie verließ das Flugzeugwrack und ließ einen sprachlosen Slade zurück.

„Sie hat Recht. Du behandelst sie unmöglich und das ohne jeglichen Grund. Sie ist immer nett, freundlich und hilfsbereit, jammert nie, beschwert sich nie, passt sich uns und der ganzen Situation an. Julia tut alles, was notwendig ist, um mit uns und der Insel klar zu kommen. Sie hat es verdient, respektvoll behandelt zu werden." Shado sah Slade unergründlich an. „Du stellst dich und dein Verhalten selten in Frage. Diesmal solltest du es tun." Damit ließ sie Slade ebenfalls stehen.

„Frauen!"

Den Rest murmelte er vorsichtshalber in seinen Bart.

„Vielleicht solltest du in Erwägung ziehen, dir selbst die Kehle durchzuschneiden. Das erspart dir und uns eine Menge schlechter Laune."

Oliver war ebenfalls von Slades Verhalten alles andere als angetan. Aber auch wenn er und Slade inzwischen Freunde geworden waren, so war Oliver trotzdem klar, dass er besser manche Dinge nicht sagte. Das ein oder andere musste Slade selber herausfinden.

Frustriert und wütend beschloss Julia, ihr Lauftraining heute früher und ohne Oliver zu absolvieren. Ihr wäre es zwar lieber gewesen, Slade eine gewaltige Tracht Prügel zu verpassen, aber bis sie dazu die Chance bekam, lag noch ein weiter Weg vor ihr. Wenn sie ein Sparring zwischen Shado und Slade sah, musste sie sich zusammenreißen, nicht mit einem vor Staunen offenen Mund zuzusehen. Von diesen kämpferischen Fähigkeiten war sie Jahre entfernt, wenn nicht sogar Jahrzehnte. Dieses Wissen frustrierte Julia noch ein wenig mehr und sie erhöhte das Tempo. Bis sie oben auf dem Plateau ankam, war Julia nicht einmal bewusst gewesen, wohin sie lief. Keuchend blickte sie über das Meer. Dann tat Julia etwas, das sie selbst überraschte.

Julia schrie, was ihre Stimmbänder hergaben. Angst, Schmerz, Frust, Wut, Enttäuschung, jedes negative Gefühl, dass sich in ihr angesammelt hatte, bahnte sich so den Weg. Schließlich verklang der letzte Ton. Erschöpft sank Julia auf die Knie. Zum ersten Mal, seit sie auf der Insel gestrandet war, ließ sie allen Emotionen freien Lauf. Jetzt kamen die Tränen.

Ruckartig riss Slade den Kopf hoch, als er den Schrei hörte. Bevor Oliver oder Shado etwas sagen konnten, rannte er auch schon los.

„Julia?...Julia!"

Slades Fantasie gaukelte ihm eine Unmenge schrecklicher Bilder vor. Er sah Julias Körper zerschmettert am Fuße eines Felsens liegen; zerfetzt von einer Landmine; aufgespießt auf eine alte japanische Bambusfalle. Jedes dieser Bilder trieb Slade an, ließ ihn schneller laufen. Immer wieder rief er ihren Namen. Schließlich erreichte er das Plateau und sah Julia am Rand knien. Slade war so schnell, dass er schlitternd zum Stehen kam. Sofort kniete es sich neben Julia und zog sie zu sich herum.

„Was ist geschehen? Bist du verletzt?"

Hastig musterte er Julia, suchte nach Verletzungen. Aber er fand lediglich Spuren von Tränen.

„Jules, was ist geschehen? Ich konnte deinen Schrei bis zu unserem Lager hören! Bist du in Ordnung?"

Verwirrt sah Julia Slade an. Eben hatte er sie noch beschimpft, schlecht behandelt. Jetzt konnte sie nur ehrliche Sorge in seiner Miene sehen.

„Sprich mit mir, Jules! Was ist los?"

„Nichts, Slade. Alles ist gut."

Julia wusste nicht, was sie von Slades plötzlichem Wesenswechsel halten sollte, daher wollte sie nicht mit ihm über ihre Gefühle sprechen. Aber der ließ sich zu ihrer Überraschung nicht abschrecken.

„Sicher. Deswegen schreist und weinst du." Ganz sanft berührte er ihre von den Tränen feuchte Wange. „Jules, es tut mir leid, wie ich dich behandelt habe. Du löst etwas in mir aus, was ich nicht erklären kann. Mit dem ich nicht umgehen kann. Das sollte niemand merken, deswegen war ich so…ruppig zu dir. Aber, Jules, als ich deinen Schrei hörte und dachte, dass dir etwas Schreckliches geschehen ist…"

Julia konnte für einen Augenblick Panik und Horror in Slades Augen sehen. Außerdem benutzte er eine Koseform ihres Namens, etwas ganz neues. Ratlos, immer noch sehr durcheinander, sah sie den Australier an.

„Also, Jules, was ist los mit dir?"

„Was, zum Teufel, ist mit dir los?" Wut und Frustration fanden einen weiteren Weg nach draußen. „Mal bist du sanft und freundlich zu mir, dann behandelst du mich wie den letzten Dreck. Und jetzt machst du dir Sorgen um mich? Slade, was soll der Mist?"

Slade zog Julia an sich heran und küsste sie sanft und vorsichtig. Julia reagierte ohne nachzudenken, als sie Slade von sich stieß und ihn mit weit aufgerissenen Augen ansah. Allerdings nur für einen Moment, dann warf Julia sich in seine Armen und küsste ihn. Dieser Kuss war nicht sanft und vorsichtig, sondern sehr leidenschaftlich. Slades Umarmung wurde fester und er erwiderte diesen Kuss nicht weniger leidenschaftlich.

„Na endlich, er hat's begriffen!"

Oliver machte seiner Erleichterung Luft. Er und Shado hatte Mühe gehabt, Slade zu folgen. Als sie das Plateau erreichten, bekamen sie noch Julias Ausbruch und die folgenden Küsse mit.

„Wurde auch langsam Zeit. Komm, verschwinden wir und lassen den beiden ihre Privatsphäre."

Shado bemühte sich erst gar nicht, ihr breites Schmunzeln zu verstecken. Oliver griff ihre Hand, gab Shado einen Kuss und zog sie dann mit sich zurück in den Wald.

Nachdem Slade zu seinen Gefühlen stand, wurde es deutlich friedlicher und freundlicher im Lager. Shado und Slade setzte ihr kompromissloses Training mit Oliver und Julia fort, wobei sich der ehemalige Playboy deutlich besser anstellte, als die ehemalige Büroangestellte. Wie Slade schon festgestellt hatte, steckte irgendwo in Oliver ein Kämpfer, und der war herausgekommen. Bei Julia suchte man den noch, aber sie gab nicht auf. Dafür fielen bei ihr Shados Lehrstunden über die Flora auf dieser Insel auf fruchtbaren Boden. Julia merkte sich beinahe mühelos, welche Pflanzen essbar waren, welche als Heilpflanzen genutzt werden konnten und wie man sie zubereitete oder verwertete. Das Bogenschießen fiel Julia schwer, dafür stellte sie mit geschickten Fingern Fallen her und knüpfte Netze zum Fischfang. Was auch immer die Zukunft auf dieser Insel bringen würde, Julia konnte hier überleben.