Hallo,
nur für den unwahrscheinlichen Fall, dass Ihr es noch nicht bemerkt haben solltet: Es ist Freitag! An dieser Stelle wink wild zu meiner besten Lieblingsschatzi-Freundin, die diesen Insiderwitz verstehen wird.
So, kommen wir mal zur Sache, hier. Wie immer hab ich mich wirklich über eure Kommis gefreut und hoffe natürlich, dass sie noch viel mehr werden *g*. Als fleißigen Reviewschreibern gilt mein heutiger Dank besonders: -Ryuzaki-, xirix, Minimuff87, Silvereyes, Draconian Heart, Miss Lu, Ringelsocke, throfraSi, Cherry, Seraphin, Freaky, descartes, Reina-Reni und Abby.
Zum heutigen Chap kann ich nur soviel sagen, ihr lernt Draco und seine Beweggründe um einiges besser kennen und ich hoffe, so kann später jeder nachvollziehen, warum er sie wie verhält. Beta war meine hochgeschätzte Little Whisper, die mir mit ihren bissigen Kommentaren wirklich jede Korrektur versüßt *g*.
Viel Spaß und bis nächste Woche.
Eure Cassie
Chapter II - In Memoriam
Never again will I miss you
(Never again - Kelly Clarkson)
Draco
Mein lieber Schwan, der hatte es aber eilig mich wieder zu sehen! Dora schloss die Tür hinter ihm und wir starrten uns stundenlang an. Jedenfalls kam es mir so vor, auch wenn es nicht mehr als ein paar Sekunden gewesen sein dürften.
"Was willst du denn hier?", blaffte ich ihn ebenso gereizt an wie Dora zuvor. Ich war wirklich nicht begeistert davon mich schon wieder mit ihm beschäftigen zu müssen, die gestrige Nacht hatte mir völlig gereicht. Ich wollte ihn nicht wieder in meinem Leben haben. Auf gar keinen Fall!
"Mit dir reden.", sagte er kleinlaut und erinnerte mich an Roger. Mir fiel ein, dass Roger immer noch auf meinen Rückruf wartete. Abwesend angelte ich nach meinem Handy. Ich hatte es geschafft, das verflixte Ding gestern in die hinterste Ecke meiner Schreibtischschublade zu hexen und nun meine liebe Mühe es da wieder rauszukramen.
Potter trat einen unsicheren Schritt nach vorn und ging mir damit auf den Geist. "Himmelherrschaftszeiten, Potter. Ich werde nicht beißen, also steh nicht da rum wie ein geprügelter Hund. Wenn du was zu sagen hast, sag es, ich hab nicht den ganzen Tag Zeit."
Das war noch nicht mal gelogen. Endlich schaffte ich es, das Handy herauszuangeln. Ein Blick auf das Display und meine Laune sank in noch tiefere Gefilde. 37 Anrufe in Abwesenheit. Roger. Dieser Kerl hatte außer mir auch keinen Lebensinhalt. Da würde in allerkürzester Zukunft wohl ein klärendes Gespräch nötig werden.
"Wegen gestern.", begann Potter und lenkte mich von meinen Gedanken über sich unweigerlich verfestigende Beziehungen ab. Er atmete geräuschvoll ein und trat endlich näher. Trotzdem sah ich seine Anspannung, als er sich auf einem der Besucherstühle niederließ. Das Klingeln meines Handys hielt ihn vorerst davon ab weiter zu sprechen.
Ein Blick auf das Display genügte. Roger. Schon wieder. Potter rutschte unruhig auf dem Stuhl hin und her. Unwillkürlich wanderte mein Blick an ihm herunter während ich das Telefon aufschob und mich meldete. Er trug noch immer fürchterlich unpassende Jeans. Scheinbar hatte selbst seine Frau es nicht geschafft ihm zu zeigen, wie eine anständige Hose zu sitzen hat.
Meiner Erinnerung nach brauchte er sich für seine Figur nicht zu schämen. Bei allem was ich erkennen konnte, hatte ich nicht den Eindruck, dass sich dieser Umstand in den vergangenen Jahren geändert hatte. Er leckte sich die Lippen und jagte meinen Puls damit ungewollt in die Höhe. Verdammte Hormone!
Ich zwang mich auf die Papiere vor mir zu schauen und eventuell auch meinem Freund zu antworten, den ich am Apparat hatte. "Entschuldige, Honey, was hast du gesagt?" Potters Blick veränderte sich und ich witterte meine Chance ihm ein für allemal klarzumachen, dass er in meinem Leben nichts mehr zu suchen hatte. Und ich nicht bereit war, alte Erinnerungen aufzufrischen. Alles hatte seine Zeit und Potters Zeit in meinem Leben war definitiv vorüber.
Roger erkundigte sich, warum ich ihn nicht zurückgerufen hätte. Ich log ihm ohne rot zu werden vor, einen Notfall in der Klinik gehabt zu haben. Er erkundigte sich höflich - was ich zum kotzen fand - danach, ob ich mit ihm frühstücken wollte.
"Warte einen Moment." Ich hielt demonstrativ die Hand über die Sprechmuschel und bedachte Potter mit einem kühlen Blick. "Dauert es lange?" Er schüttelte leicht den Kopf. "Nein, wenn du Zeit hast, komm ruhig her. Bringst du mir einen Kaffee von Davies mit?" Potter rutschte schon wieder auf dem Stuhl hin und her. Himmel, ich musste ihn endlich loswerden. Ich lächelte sanft auf meine Papiere hinunter und verabschiedete mich von Roger mit einem mehr als übertriebenen "Bis gleich, Babe."
Nun, das war wohl deutlich genug, oder? Roger dürfte jetzt zwar endgültig verwirrt sein, aber das konnte ich zur Not später klären. Meine Priorität musste im Moment darin liegen Potter so schnell wie möglich loszuwerden, bevor er meine Gedanken noch mehr infiltrierte.
Ich beendete das Telefonat und wandte mich ihm wieder zu. Sein Blick war kühl und distanziert. "Nun?", sagte ich fragend.
"Was sollte das gestern? Musstest du vor allen deinen kleinen Studies, die dich anhimmeln, als wärst du Merlin persönlich, dermaßen den Arsch raushängen lassen?" Seine Augen verengten sich mit jedem Wort. Ein sicheres Zeichen dafür, dass er ernsthaft sauer wurde. Wie oft hatte ich diese Geste in Hogwarts gesehen, wenn ich es mir mal wieder nicht verkneifen konnte ihn zu triezen?
Ich legte die Stirn in Falten, wohl wissend, dass ich ihn mit dieser übertriebenen Darstellung meiner Überlegenheit ärgerte. "Deswegen kommst du her?", setzte ich noch hinzu, einen spöttischen Beiklang in der Stimme. Der Harry Potter, den ich von früher kannte, würde spätestens jetzt hochgehen wie einer von Weasleys Silvesterkrachern.
"Oh, komm schon, Malfoy! Das weißt du genau. Spiel nicht dieses bescheuerte Spiel mit mir!", schoss er gereizt zurück. Es fiel mir schwer ein Lächeln zu unterdrücken. Offenbar hatte er sich in dieser Hinsicht nicht geändert. Ich wusste noch immer, wo ich die Knöpfe zu drücken hatte. Ein Umstand, der es mir nicht leichter machte.
"Seit wann sind wir wieder auf der Ebene der Beleidigungen angelangt?", schloss er ruhiger. "Ich dachte nicht, dass du als bester Absolvent der Academy of Wizard Medicine so eine pubertäre Verhaltensweise nötig hättest."
Nun, das war interessant. Ich war mir fast sicher, dass er keine Ahnung hatte, wie viel er mit dieser Aussage über sich verriet. Er wusste also wo ich studiert hatte. Und er wusste, dass ich mit Auszeichnung abgeschlossen hatte. Eine Tatsache, die zwar nicht geheim, aber auch nicht so interessant für die Öffentlichkeit war, dass irgendwer mehr als einen zweiten Gedanken daran verschwendet hätte.
Dieser Umstand ließ nur einen Schluss zu und bereitete mir Bauchschmerzen. Er hatte mich im Auge behalten. Über all die Jahre hatte er meinen Werdegang verfolgt.
Warum? Warum tat er das, wenn er doch so offensichtlich – nun ja, vielleicht momentan nicht allzu glücklich – aber immerhin verheiratet war. Zumal Nachwuchs unterwegs war und die Ehe somit auch ihre guten Zeiten gehabt haben dürfte.
Immerhin wusste ich ja nicht genau, warum er bei Melinda war. Vielleicht waren es auch gar keine Eheprobleme, dann würde ich allerdings noch weniger verstehen, warum er sich so aufregte…
Auch wenn ich seine Hände nicht sehen konnte, hätte ich mein letztes Monatsgehalt darauf verwettet, dass er die Finger krampfhaft ineinander verschlungen hielt. Eine Angewohnheit, die mir schon zu unserer Schulzeit aufgefallen war.
"Seit wann hatten wir jemals eine andere Ebene?", entgegnete ich kalt. Es fiel mir nicht einmal schwer abweisend zu sein. Auch das hatte sich in der vergangenen Zeit offensichtlich nicht geändert. Seine fürchterlich gerechte Art ging mir noch immer auf die Nerven.
"Warum zum Teufel hast du den Brief nicht gelesen?", schrie er mich so unvermittelt an, dass ich schlucken musste. Diesen Ausbruch hatte ich beim besten Willen nicht erwartet. Er war aufgesprungen, stützte sich nun mit beiden Händen auf meinem Schreibtisch ab und funkelte mich wütend an.
Mit Wut konnte ich jedoch ebenso dienen. Was bildete sich der Kerl eigentlich ein? Er war doch derjenige, der mir, der uns, nie eine Chance gegeben hatte. Er war derjenige, der mir nie die Gelegenheit gegeben hatte ihm zu zeigen, wie viel ich bereit war für ihn aufzugeben. Es wäre vermessen zu behaupten, dass ich damals bereit gewesen wäre mein komplettes Leben für ihn umzukrempeln. Die Tatsache, dass er mich nach all der langen Zeit noch immer durcheinander brachte hieß aber wohl, dass ich es zumindest versucht hätte, nicht?
Doch er gab mir nicht die Chance herauszufinden, ob ich ihm folgen wollte oder nicht. Ich hatte nie Gelegenheit mich aus freien Stücken gegen meinen Vater und seine Ideologie zu entscheiden.
Potter erledigte Voldemort nach dem ersten Kriegsjahr, was ungefähr einem Jahr nach unserem Schulabschluss entsprach. Und mit dem dunklen Lord fiel auch mein Vater.
Ich trauerte Lucius nicht lange hinterher, denn als das Damoklesschwert seiner Erziehung nicht mehr über mir schwebte, wurde ich mir zum ersten Mal bewusst, was Freiheit wirklich bedeutete. Meiner Mutter ging es nicht anders. Von einem Tag auf den anderen wirkte sie wie befreit, erlöst von einem Tyrann als Ehemann. Die griesgrämige Frau meiner Kindertage, deren ewige Trauermine sie älter wirken ließ als sie tatsächlich war, verschwand und ich lernte meine Mutter völlig neu kennen.
Die Ironie des Schicksals wollte es wohl, dass ausgerechnet Potter mir zu diesem neuen Leben verhalf.
"Kannst du mir, verdammt noch mal, endlich antworten?", riss er mich aus meinen Gedanken, der Zorn in seiner Stimme wuchs ebenso schnell wie mein Ärger über sein Verhalten.
"Warum hätte ich das tun sollen? Ich wusste doch sowieso schon, was drin stand! Du hast gekniffen, Potter, und nicht mal den Mumm besessen, es mir ins Gesicht zu sagen!" Ich war ebenfalls aufgestanden, imitierte seine Haltung und lehnte mich über den Tisch. Keiner von uns wollte zuerst den Blick senken.
So standen wir uns auch noch gegenüber, als es erneut an meiner Tür klopfte, diesmal aber nicht Dora, sondern Roger hereinkam. Roger in seinem schicken Businessanzug, in der einen Hand eine Tüte mit Berthas Muffins und in der anderen Hand meinen Kaffee von Davies.
"Oh.", sagte er. "Entschuldige, ich wollte nicht…" Potter war für einen Moment abgelenkt, musterte Roger mit einem überraschten Blick, bevor er sich mir wieder zuwandte. Was nun? War mein kleiner Held etwa überrascht, dass ich im Gegensatz zu ihm noch immer Kerle vögelte? Und die Eier hatte auch dazu zu stehen?
"Nein, ich bin hier fertig.", antwortete ich ohne Roger anzusehen. Ein weiteres ärgerliches Funkeln trat in Potters Augen.
"Du bist primitiv, Malfoy."
Diese Aussage war so dermaßen typisch für Potter, dass ich mich wirklich zusammenreißen musste um nicht laut loszulachen. "Auf Nimmerwiedersehen, Potter!", schmiss ich ihn verbal hinaus.
"Potter?", versaute mein lieber Fast-fester-Freund mir den geplant ungalanten Rausschmiss. "Harry Potter?"
Potter verdrehte genervt die Augen, ich ahnte, dass er es noch immer hasste, wenn die Leute ihn in dieser Weise ansprachen. Nun, da hatte er bei Roger mehr als Pech, der litt schon an einem Superheldenfetisch als ich ihn kennen lernte. "Ja.", gab Potter schließlich miesmutig von sich, schien sich an seine rudimentären Manieren zu erinnern. Er wandte sich Roger zu, rang sich sogar ein Lächeln ab.
Roger überreichte mir meinen Kaffee und die Muffins, bevor er sich seinem Idol hingab. Ich setzte eine demonstrativ gelangweilte Mine auf, als Roger Potter die Hand gab, ihm sein bezauberndstes Schwule-Kerle-anmach-Lächeln schenkte und anfing ohne Punkt und Komma darüber zu lamentieren, wie stolz er doch sei ihn persönlich kennen zu lernen.
Ich setzte mich, packte den frischen Blaubeermuffin aus, schlürfte meinen Kaffee und konnte mich gerade noch davon abhalten, die Beine auf den Tisch zu legen um das Schauspiel zu genießen. Ja, wenn Roger erst einmal in Fahrt war, gab es kein Halten mehr. Potter sah mit jeder Minute genervter aus und sandte mir in immer kürzer werdenden Intervallen böse Blicke, welche ich geflissentlich ignorierte. Selbst schuld, ich hatte ihn nicht gebeten mich schon am frühen Morgen mit seiner Anwesenheit zu belästigen.
Erst als ich den zweiten Muffin verspeist hatte und Roger anfing sich zu wiederholen, was nicht nur Potter, sondern auch mir auf die Nerven ging, erbarmte ich mich. "Roger, lass es, er ist nicht schwul."
Potters Blick schoss zurück zu mir und ich wünschte mir eine Kamera um seine entgleisten Gesichtszüge für die Nachwelt festzuhalten. Roger wurde leicht rot im Gesicht, was bei einem Kerl von fast 2 m Körpergröße wirklich albern aussah und unterbrach seinen Redefluss.
"Also, Potter, da du mir deine wirklich wichtigen Nachrichten nun überbracht hast, wünsche ich dir noch einen schönen Tag.", machte ich noch einmal deutlich, dass er verschwinden sollte. Roger schenkte ihm eine entschuldigendes Lächeln.
"Du bist und bleibst…", begann Potter, unterbrach sich aber, als er nun Rogers fragenden Blick bemerkte. Unter unverständlichem Gemurmel verzog er sich endlich aus meinem Büro und, wie ich inständig hoffte, aus meinem Leben. Roger sah ihm nach.
"Starr ihm nicht auf den Arsch.", sagte ich trocken, bevor ich einen weiteren Schluck aus meinem Becher nahm.
Potter zögerte, drehte sich halb zu uns herum und ich dachte, er wollte noch etwas sagen. Er tat es nicht, nickte nur noch einmal halbherzig in unsere Richtung und zog die Tür hinter sich ins Schloss. Merlin sei Dank!
"Gütiger Himmel. Harry Potter! Ich fasse es einfach nicht! Er sieht in natura wirklich…", Roger ließ sich ungefragt auf einem meiner beiden Besucherstühle nieder.
"Er ist hetero."
"Wen interessiert das, Draco, hast du seinen Arsch gesehen?"
Nun, das hatte ich deutlicher als Roger es hätte ahnen können. "Er ist verheiratet und wird bald Vater." Informierte ich ihn, bevor er mir mit weiteren Lobeshymnen über die körperlichen Vorteile meiner persönlichen Nemesis auf die Nerven ging.
"Woher kennst du ihn?" Sein Enthusiasmus nahm ab und zu wirklich beängstigende Formen an. Ich schaute ihn an und verzog das Gesicht. "Selbe Schule, selber Jahrgang.", antwortete ich kurz angebunden. Er war noch lange nicht fertig mit seinen Fragen, dass sah ich ihm an. Nichtsdestotrotz hielt er sich zurück. Er kannte mich mittlerweile wohl gut genug um zu erkennen, wann es besser war ein Thema nicht weiter zu verfolgen.
"Was war gestern wirklich los?", fragte er stattdessen. Ich senkte den Blick auf den Haufen Akten auf meinem Tisch. "Viel Arbeit und nervige Assistenzärzte, das sagte ich bereits." Es gab wenige Dinge, die ich mehr verabscheute als wiederholte Erklärungen. Wenn ich sprach, war ich es gewohnt, dass man mir zuhörte. Das galt für meine Assistenzärzte, meine Patienten und erst recht für meinen Freund. Oder naja, die Person die einem Freund eben am nächsten kam, in diesem Fall Roger.
"Dafür, dass du mich hast antanzen lassen, bist du nicht sehr kommunikativ." Er klang beleidigt, was mich nur noch mehr auf die Palme brachte.
"Was eventuell daran liegt, dass du Potter gerade angehimmelt hast, als hätte er 'nen verfluchten Heiligenschein."
"Eifersüchtig, Dray?" Roger grinste.
Nun, mir reichte es. "Nenn mich nicht Dray! Mein Name ist Draco! D R A C O! Wann kapierst du endlich, dass ich dieses bescheuerte Kosename-Verteilen zum Kotzen finde?" Ich wurde ausfallend. Vielleicht war jetzt der richtige Zeitpunkt um Roger in seine Schranken zu weisen. Meine Stimmung war jedenfalls genau richtig für solch unangenehme Vorhaben.
"Ich denke, wir sollten uns eine Weile nicht mehr so oft sehen, Roger.", sagte ich geradeheraus und sah ihn an.
Er wurde blass und ihm stand im wahrsten Sinne des Wortes der Mund offen. Um ehrlich zu sein, hätte ich gedacht, dass er zumindest ahnte, dass es zwischen uns in letzter Zeit nicht so lief, wie es hätte sein sollen. Sein entsetzter Blick verriet mir das Gegenteil. "Was? Aber Draco…"
Ich schüttelte den Kopf. "Nein. Hör zu, Roger, ich mag dich. Wirklich." Gütiger Himmel, wer dachte sich nur immer solche Phrasen aus? Ich klang wie in einem schlechten Liebesfilm. Rogers Gesichtsausdruck änderte sich. Schlagartig war er wieder der kalte Geschäftsmann. Ich wusste, dass es nur eine Maske war und ich ihn ernsthaft verletzt hatte. Das war eigentlich nicht meine Absicht gewesen. Nichtsdestotrotz musste ich es zu Ende bringen.
"Aber in letzter Zeit klammerst du einfach zu sehr.", schloss ich etwas lahm.
"Warum hast du nie was gesagt?", fragte er kühl. Geschäftsmäßig. Antrainiert.
"Was genau außer 'Ruf mich nicht jede Stunde an', 'nein ich will nicht bei dir einziehen' und 'nein, ich will deine Eltern nicht kennenlernen' hätte ich denn noch sagen sollen?"
Er senkte betreten den Blick und tat mir fast ein wenig leid. Es war ja wirklich nicht so, dass ich ihn nicht mochte. Er konnte witzig und sehr charmant sein, von seinen körperlichen Vorzügen einmal ganz abgesehen…
"Lass mir einfach ein bißchen mehr Freiraum, ok?", meine Stimme klang wesentlich sanfter als zuvor und glücklicherweise bemerkte er das auch.
"Du machst nicht komplett Schluss?"
Ich musste bei dieser dämlichen Frage schmunzeln und schüttelte den Kopf. "Nein, Honey. Ich brauche einfach etwas mehr Zeit für mich. Mein Job hier ist anstrengend, das weißt du und ich muss auch mal Gelegenheit haben abzuschalten. Allein. Es bedeutet nicht, dass ich dich überhaupt nicht mehr sehen will."
Lange sah er mich an, bis schließlich ein leises Lächeln auf seine Lippen trat. Das war beispielsweise etwas, was mir noch immer das Blut in die Leistengegend absinken ließ. Er leckte sich die Lippen und stand auf. Ich musste zu ihm aufsehen.
"Gut.", sagte er mit diesem ganz besonderen Timbre in der Stimme. "Aber lass mich nicht zu lange warten."
Nach einem letzten süffisanten Blick wandte er sich zum Gehen und ich genoss den Anblick seines wohlgeformten Hinterns in den Anzughosen. Nein, das würde ich ganz bestimmt nicht.
Sobald sich die Tür hinter ihm schloss, musste ich lachen. Wenn ich geahnt hätte, dass er diese Seite an sich wiederentdeckt sobald ich ihm damit drohte Schluss zu machen, hätte ich das doch schon viel früher in Angriff genommen. Diese Art von Roger war es, die mich noch immer faszinierte, leider spielte er seine Karten viel zu selten aus.
Das nächste Klopfen an meiner Tür kündigte die Ankunft meiner Assistenzärzte und den Beginn meiner Visite an. Der restliche Morgen versank in gewohnter Routine. Visite, Laborkontrolle, Aufgabenverteilung an die Assistenzärzte, Appell beim Chefarzt.
Mein Mittagessen fiel angesichts der zu vielen Blaubeermuffins zum Frühstück entsprechend bescheiden aus und brachte mir einen erstaunten Blick von Dora ein. "Was ist mit ihnen los, Doc? Sind sie zum Karnickel mutiert?", kommentierte sie meinen Rohkostsalat. Ich zog eine Grimasse
"Was denken sie, wie ich diesen Spitzenbody in Form halte, Dores?", schäkerte ich lachend und schlich mit herausgedrückter Brust an ihrem Schreibtisch vorbei. Sie lachte herzlich.
Der Nachmittag verging rascher als der Morgen, denn es war einer jener Tage, die ich mir komplett für die Forschung offen gehalten hatte. So verbrachte ich Stunde um Stunde mit Reagenzgläsern, Zaubertranknotizen und Fallbeschreibungen. Für manch andere mochte diese Arbeit langweilig sein. Ich dagegen genoss es sorgfältig Zutaten zusammenzustellen, notfalls jede einzelne Komponente bis auf die Unze genau abzumessen, alles zu verwerfen und noch einmal von vorn zu beginnen.
Meine Geduld und die pedantischer Genauigkeit, welche ich wohl Severus' langwierigen Vorträgen über die Kunst der Zaubertrankbrauerei zu verdanken habe, waren das eigentliche Geheimnis meines Erfolges.
Ausschlaggebend für meine Forschungsarbeit dagegen war ein Ereignis, welches einschneidender nicht hätte sein können. Ich war noch im Studium, als Pansy eines Tages völlig aufgelöst vor meiner Tür stand. Sie sah furchterregend aus, leichenblass und mit fast zugeschwollenen Augen vom vielen Weinen.
Ich schaffte es nicht einmal, sie in den Salon zu bringen. Sie brach gleich auf dem Flur in meinen Armen zusammen, die Haustür stand noch offen und der kalte Januarwind ließ uns beide frösteln.
Unter jämmerlichem Weinen erfuhr ich, dass sie schwanger war. Im sechsten Monat. Eigentlich dachte ich, dass sie sich darüber freuen würde, wusste ich doch, wie sehr sie sich eine intakte Familie immer gewünscht hatte.
Nun, der Schock kam kurze Zeit später. Die Ärzte diagnostizierten einen unheilbaren Gendefekt an Pansys kleinem Sohn. Man überließ ihr die Entscheidung, ob sie das Leben ihres Kindes sofort beenden oder ihren Sohn austragen wollte, damit er in ihren Armen sterben konnte.
Pansy klammerte sich an mich und das Entsetzen, was mich in diesem Moment ergriff ließ mich nie wieder los. Noch in derselben Nacht begann ich mit meinen Forschungen. Ich las alles, was es zu diesem Thema gab, egal ob in der Muggelmedizin, Medizin der Naturvölker oder der Magie.
Nach monatelanger Arbeit fand ich eine theoretische Möglichkeit den Gendefekt zu beheben. Es war ein gefährlicher Eingriff ohne Erfolgsgarantie, aber immerhin eine Möglichkeit.
Für Pansy kam meine Entdeckung zu spät.
Sie verlor ihren Sohn nur wenige Tage später, brachte ihn im 6. Monat tot zur Welt. Ich war dabei, als sie das kleine Wesen in ihren Armen hielt und weinte. Ich war auch dabei, als ihr Mann sie verließ, weil er mit ihrer Trauer nicht umgehen konnte. Und ich war es, der sie identifizieren musste, nachdem sie sich von einer Zugbrücke gestürzt hatte.
Ich legte den Federkiel nieder, nahm meine klobige Laborbrille ab und fuhr mir müde durch das Gesicht. Es war lange her, dass ich mich so deutlich an all die Ereignisse erinnerte, die mir meine besten Freundin aus Kindertagen nahmen. Wie oft hatte ich seit jenem Tag wach gelegen und mich gefragt, ob ich sie nicht hätte retten können. Hätte ich nicht vorausahnen müssen, was sie vorhatte?
Die rationelle Antwort lautete: Nein, ich konnte es nicht ahnen. Die emotionelle Antwort schalt mich noch immer mitschuldig an ihrem Tod.
Ich schloss die Augen, legte den Kopf in den Nacken und atmete lange ein. So lange, bis nicht ein Hauch Luft mehr in meine Lungen passte. Langsam entließ ich die Luft wieder, fühlte den bekannten leichten Schwindel.
Mit den Ergebnissen des heutigen Tages konnte ich mehr als zufrieden sein, der Trank half. Die nächste Schwierigkeit bestand darin, wie ich sie den kleinen Patienten zu verabreichen gedachte. Normalerweise würde es reichen, wenn die Mutter den Trank zu sich nimmt. Nicht jedoch in diesem Fall. Einige wichtige Bestandteile des Trankes würden nicht durch die Plazentaschranke kommen und somit wäre der Trank für das Baby wirkungslos.
Ein leichter Anflug von Kopfschmerzen ließ mich auf die Uhr sehen. Es war bereits weit nach Mitternacht, was mich überraschte, normalerweise hätte mich der Hunger schon längst von allzu langen Studien abgehalten. Wie zur Bestätigung knurrte mir lautstark der Magen. Ich grinste und räumte die Reagenzgläser ein, verschloss sorgfältig alle Proben, säuberte meinen Arbeitsbereich und schaltete die Lichter aus. Es war nicht weiter verwunderlich, dass ich der Letzte im Labor war, meine Assistenzärzte hatte ich schon vor Stunden zum Spielen nach Hause geschickt.
Ich lächelte müde über diesen Gedanken, warf noch einen prüfenden Blick in die Laborräume, bevor ich in die Desinfektionsschleuse trat. Feiner Zaubertranknebel umwölkte mich, tötete jedes noch so kleine Lebewesen, welches sich unerwünscht auf mir niedergelassen hatte, in der Hoffnung in die große Freiheit jenseits der Glasfenster des Hochsicherheitslabores zu entkommen.
Es wurde dunkel im Trakt hinter mir, ich löschte mit nachlässigen Bewegungen meines Zauberstabes alle Lichter und verschloss den Zugang zum Labor mit dem eigens dafür konstruierten Sicherheitszauber. Niemand außer einer Handvoll Leuten konnten diesen Zauber aufheben und ich hatte das Privileg einer davon zu sein.
Im Hospital war die dankbare Stille eingetreten, die ich nach einem anstrengenden Arbeitstag besonders wohltuend empfand. Hier und da erklangen gedämpfte Unterhaltungen der Nachtschwestern oder ein Überwachungsgerät piepste leise vor sich hin. Einzig in dieser Stunde zwischen den Tagen gab es etwas wie Ruhe in diesem Hospital, ein leichter Friede schien über den verwaisten Gängen zu liegen und brachte den Patienten ihre wohlverdiente Genesung.
Der Tresen in der Eingangshalle war leer und ich nahm mir in einem Anflug von schlechtem Gewissen vor, mich morgen bei der Rezeptionistin zu entschuldigen. Ich hatte den Gedanken kaum zu Ende geführt, als ich mich fragte, wann genau ich eigentlich solch ein Waschlappen geworden war. Früher hätte es mich nicht die Bohne interessiert, ob ich ungerecht zu anderen Menschen war. Pansys Tod hatte mehr verändert, als ich mir eingestehen wollte.
Ich vermisste sie. Selbst nach all den Jahren vermisste ich sie noch immer. Ihre bissigen Kommentare, die kleinen Gemeinheiten, die sie mir an den Kopf schmiss, wenn ich mal wieder nicht nach ihrer Pfeife tanzen wollte.
Die kalte Nachtluft schmerzte im ersten Augenblick auf meiner Haut und ich zog wieder einmal den Umhang fester um meine Schultern. Ich hätte apparieren können, zog es aber doch vor, die Kälte zu akzeptieren. Müde trat ich meinen Heimweg an, bemerkte nur am Rande den aufsehenerregenden Sternenhimmel über mir.
Wieder einmal hatte ich mit den Dämonen der Vergangenheit zu kämpfen und ich ahnte bereits, dass ich eine weitere Nacht damit verbringen würde, Pansy vor mir zu sehen. Pansy, wie sie weinend in meinen Armen hing; Pansy, wie sie tot auf einer Bahre lag. Ich fühlte mich nicht in der Verfassung mit der Erinnerung an sie konfrontiert zu werden und überlegte, ob ich noch irgendwo einen Schlaftrunk gebunkert hatte.
Normalerweise kam ich mittlerweile ganz gut mit ihrem Fehlen zurecht. Doch dann gab es eben wieder Tage wie heute, an denen mir alles zuviel wurde und ich Jemanden brauchte, der mir zuhörte. Darin war Pansy immer unglaublich gewesen. Sie gab mir das Gefühl verstanden zu werden. Daheim zu sein, bei jemandem der mich liebt, auch wenn ich mich mal wieder wie der letzte Arsch benahm. Und das kam, wie ich mir in schwachen Momenten selbst eingestand, doch recht häufig vor.
Ein trauriges Lächeln glitt über mein Gesicht. Ich hatte keine Ahnung, warum Pansy mit mir in Hogwarts befreundet war. Ich war wirklich ein widerlicher, kleiner Schleimer, ein Arschkriecher und trotzdem hielt sie immer zu mir. Ganz egal wie sehr ich vielleicht im Unrecht war. Pansy war wie die Schwester, die ich nie hatte.
Ein lautes Hupen riss mich aus meinen Gedanken und ich stellte erstaunt fest, dass ich vor dem Gebäudekomplex stand, in dessen oberster Etage sich mein Loft befand. Ich hatte die Schlüssel in der Hand, fast schon im Türschloss und entschied mich spontan für einen kleinen Nachtspaziergang. Schlafen würde ich so oder so nicht können.
London bei Nacht hatte durchaus seinen Reiz, egal ob in der Muggelwelt oder in meiner. Die Straßen waren ruhiger, noch immer pulsierte in ihnen das Leben, doch alles schien gemächlicher abzulaufen. Nicht so hektisch wie am Tag. Hier und da kamen mir andere Nachtschwärmer entgegen, lachten, redeten, einige torkelten frohgelaunt ihrem Heim entgegen.
Ohne bestimmtes Ziel lief ich durch die Straßen. Bestaunte die übertriebene Beleuchtung einiger Muggelläden, mal wieder überrascht davon, dass mir sonst so wenig bewusst war, dass ich unter Muggeln lebte.
Ausgerechnet ich, nicht zu fassen, dachte ich mit einem leichten Anflug von Unglauben. Wie sehr unterschied sich mein heutiges Leben von meiner Vergangenheit. Materiell gesehen hatte sich nicht viel geändert. Ich war im Wohlstand aufgewachsen und konnte mich auch nun nicht beklagen. Der einzige Unterschied war, dass das Geld, welches ich jetzt besaß, meines war. Nicht das Blutgeld meines Vaters.
Ich beschloss zu meinem Lieblingsort zu gehen, oder vielmehr zu apparieren. Nach einigen prüfenden Blicken in die Umgebung disapparierte ich und tauchte im selben Augenblick im Schatten einer der großen Wehrtürme der Tower Bridge wieder auf, vergewisserte mich ein weiteres Mal, dass mich niemand bemerkte, bevor ich auf die Fußgängerbrücke hinaustrat.
Egal, an welchen Fleck dieser Erde mich meine Arbeit schon geführt hatte, es gab für mich nichts, was diesen Anblick übertreffen würde. Ich richtete meinen Blick stur auf meine Fußspitzen und den schwarzen Asphalt, wollte mir den Moment des Blickes über London exakt für den Augenblick aufsparen, wenn ich die Mitte der Brücke erreicht hatte. Stumm zählte ich meine Schritte bis ich annahm ungefähr die Mitte erreicht zu haben, schloss meine Augen und drehte mich zu dem Geländer um.
Es war überwältigend. Kaum hatte ich die Augen wieder geöffnet, ergoss sich das Lichtermeer der nächtlichen Stadt vor mir, spiegelte sich in den schwarzen Wassern der Themse, ebenso wie die Sterne darüber. Der leicht modrige Geruch des Flusses mischte sich mit dem Geruch der Nacht, irgendwo in den Docklands flimmerten die blauen Lichter eines Muggelkrankenwagens. Der Wind trug die entfernten Geräusche des Signalhorns gedämpft zu mir heran.
Ich kam mir albern vor, als ich mich mit den Ellenbogen auf dem Geländer abstützte und schwer schlucken musste. Heute hatte ich wohl wirklich einen meiner schlechteren Tage.
Ich dachte an meine Mutter. Wie oft hatte ich sie seit Vaters Tod gebeten Malfoy Manor endlich zu verlassen, doch sie weigerte sich standhaft. Seit Lucius` Tod hatte sich ihr Leben ebenso verändert wie meines, doch den alten düsteren Kasten wollte sie nicht verlassen. Eine Entscheidung, die ich weiß Merlin nicht verstand. Sobald ich konnte, war ich aus den düsteren Mauern meines Elternhauses geflohen, vielleicht auch um endlich die Erinnerung an das Monster, zu welchem mein Vater geworden war, zu vergessen.
Er war nicht immer so gewesen. Jedenfalls nicht zu mir. Zu Beginn meiner Hogwartszeit bekam ich einfach alles von ihm. Für die Liebe, die Wärme war meine Mutter zuständig, für alles andere mein Vater. Er brachte mir schon früh komplizierte Zauber bei, hielt mich zu Disziplin und Ordnung an und sorgte dafür, dass Severus mein Mentor wurde. Vielleicht auch weil er wusste, dass ich mich auf Severus würde verlassen können, wenn er nicht mehr da war.
So kam es tatsächlich. Als Harry Potter Voldemort auslöschte, schickte er den inneren Kreis der Todesser mit in die ewigen Jagdgründe. Mein Vater war einer von ihnen. Ich erinnerte mich noch ziemlich genau an den Morgen, als Severus plötzlich in Malfoy Manor auftauchte. Eine lange Fluchnarbe zog sich über seine Wange, sein Umhang war dreckig und zerrissen, das Haar klebte ihm von Blut durchtränkt am Kopf und seine Augen waren verschlossen und tief und schwarz wie nie zuvor. Vorher hatte ich ihn monatelang nicht zu Gesicht bekommen, der Krieg zwischen Voldemorts Anhängern und der restlichen magischen Welt tobte an allen Fronten.
Er stand einfach nur da in unserer pompösen Eingangshalle und schaute mich an. Sein Anblick genügte meiner Mutter um zu wissen was geschehen war. "Wann?", fragte sie mit merkwürdig ruhiger Stimme. "Heute Nacht.", antwortete Severus und klang müde.
"Was ist mit dem Jungen?" Meine Mutter trat neben mich, legte mir eine Hand auf die Schulter und ich brauchte einige Momente bis ich begriff, dass sie nicht mich meinte. Nein, sie fragte nach Harry Potter.
"Er lebt. Gerade so, aber er hat es wirklich geschafft." Der Anflug eines Lächelns glitt über Severus` Züge, als könne er selbst nicht glauben, was er zu berichten hatte.
"Was ist mit Lucius?", fragte meine Mutter, ich bildete mir ein, einen Hauch von Angst in ihrer Stimme zu hören.
"Er ist tot."
Meine Mutter tat einen zittrigen Atemzug, irgendwo zwischen Erleichterung und Trauer. Mich dagegen ließen diese drei Worte seltsam unberührt. Mein Vater war tot. Ich horchte in mich hinein und da war nichts, keine Traurigkeit, nicht einmal ein leises Bedauern.
"Komm herein.", hörte ich die Worte meiner Mutter und sah Severus dankbar nicken. Ich folgte ihnen wie im Nebel in den Salon, lauschte teilnahmslos Severus' Bericht über die Geschehnisse der Nacht und fragte mich, wieso ich nichts fühlte.
Die Trauer kam erst Tage später und mit ihr die Tränen. Ich weinte um meinen Vater wie er früher war. Jenen Vater, der mir das Fliegen beigebracht hatte, mit mir gemeinsam vom Besen stürzte, nur um anschließend lachend aus irgendwelchen Büschen zu krabbeln, die unseren Fall gebremst hatten. Um diesen Lucius weinte ich und er war jede Träne wert.
Der Wind frischte auf, brachte den leichten Geruch nach Fisch zu mir hinauf, nur um ihn ebenso schnell wieder zu vertreiben. Ich atmete ein weiteres Mal die Nachtluft ein, noch nicht bereit meinen Schauplatz zu verlassen. Es gab noch etwas, über das ich mir klar werden musste. Harry Potter war wieder da. Eigentlich war er nie wirklich weg gewesen, doch mit meiner Rückkehr nach London war auch er wieder erschreckend präsent. Unfreiwillig für beide Seiten und doch stand ich hier und versuchte verzweifelt mir zu erklären, warum mich diese kurze Begegnung mit ihm einfach nicht in Ruhe ließ.
Merlin, es lagen doch so viele Jahre zwischen dieser Nacht und heute. Damals war ich ein völlig anderer Mensch, noch ein halbes Kind ohne Ahnung davon wie es im wahren Leben sein würde. Mit einem geächteten Vater, einem besudelten Namen und der Tatsache, dass ich nicht auf Frauen stand, wie es sich für einen 'normalen' Zauberer gehörte.
Ein großes Geheimnis hatte ich eigentlich nie aus meiner Sexualität gemacht, auch wenn ich bezweifelte, dass mein Vater es jemals wusste. Meine Mutter wusste es, wahrscheinlich sogar schon bevor ich mir selbst darüber im Klaren war. Als ich ihr - mit der für mein damaliges Alter entsprechenden Dramatik - verkündete, dass sie niemals Großmutter werden würde, da ich auf Kerle stand, lächelte sie mich nur milde an. Sie tätschelte mir die Wange und meinte ganz trocken, dass ich ihr dann wenigstens einen Schwiegersohn mitbringen sollte, der genauso gutaussehend sei wie ich.
Nun, eigentlich war mein rebellischer Jugendplan ja meine Mutter zu schocken und so stand mir bei der unerwarteten Reaktion erst einmal der Mund offen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ich fragte sie, ob sie denn nicht geschockt, entsetzt oder wenigstens überrascht sei. Ein weiteres warmes Lächeln folgte, bevor sie meinte, dass sie sich schon so etwas gedacht hätte, warum sonst hätte ich soviel über Harry Potter sprechen sollen?
Ich grinste bei der Erinnerung und betrachtete einen Moment versonnen meine Schuhe. Himmel, was war mir dieser Satz meiner Mutter peinlich und ich könnte schwören, dass ich auch nach all den Jahren noch rot wurde. So war es eigentlich sie, die mich darauf brachte, dass ich in Potter mehr sah als nur den feindlichen Gryffindor, den ich gefälligst zu hassen hatte.
Es war nicht lange nach diesem Gespräch mit meiner Ma, da verbrachte ich jene schicksalsträchtige Nacht mit Harry im Trophäenzimmer. Und es war auch nicht lange nach diesem Gespräch, dass ich das erste Mal wirklich Liebeskummer hatte. Weil ausgerechnet Potter mich nicht wollte.
Ich knirschte mit den Zähnen. Die Wochen nach dieser einen Nacht waren wirklich schlimm für mich und ich weiß bis heute nicht, wie Pansy und Blaise meine ewige Jammerei unbeschadet überstehen konnten. Pansy versuchte mich zu trösten, indem sie vehement die Meinung vertrat, dass Harry heimlich in mich verknallt sei. Blaise dagegen blieb eher auf dem Boden der Tatsachen und teilte mir in seiner unvergleichlich charmanten Art mit, dass ich mir den Kerl aus dem Kopf schlagen sollte, weil es keine Zukunft hätte. Wir seien einander einfach zu ähnlich.
Pansy starrte Blaise damals ebenso fassungslos an wie ich und erkundigte sich dann halb lachend, halb ungläubig, was ich denn bitte mit Potter gemeinsam hätte. Blaise Antwort war nicht unbedingt schmeichelhaft. Er antwortet trocken, dass sowohl Potter als auch ich dickköpfige Esel seien, beide mit einem größeren Ego als der Wildhüter Haare auf dem Kopf hatte. Pansy lachte, was ich überhaupt nicht witzig fand und gab ihm schließlich sogar noch recht. Ich war fassungslos und tödlich beleidigt. Und ich hatte verdammt nochmal wirklich meine Schwierigkeiten mir den verflixten Gryffindor aus dem Kopf zu prügeln.
"Scheiße.", sagte ich in die Nacht, während sich ein nur allzu bekanntes Ziehen in meiner Brust breit machte. Ich wusste, dass es schon länger wieder da war, hatte es bisher jedoch erfolgreich ignorieren können. Sehnsucht. Sehnsucht nach der Vergangenheit. Nach einer Chance, die ich nie bekommen hatte. Und auch jetzt nicht bekommen würde, denn Harry war verheiratet.
Ich schloss die Augen und versuchte mich zu erinnern, wie ich es letztlich geschafft hatte, dass nicht mehr jeder zweite meiner Gedanken mit einem grünäugigen Gryffindor zu tun hatte.
Das Morgengrauen war nicht mehr weit entfernt, da schaffte ich es endlich mich loszureißen und auf den Heimweg zu machen. Ich disapparierte erneut im Schatten der Wehrtürme, diesmal direkt in mein Loft.
Ich hatte Kopfschmerzen und war völlig übermüdet. Noch im Regenumhang trat ich in die Küche, suchte in der kleinen Bar nach etwas wirklich Hochprozentigem. Was ich fand war eine Flasche Feuerwhiskey, welche Blaise mir irgendwann einmal geschenkt haben musste, denn auf dem Etikett prangte noch sein handschriftlicher Hinweis, dass Weicheier wie ich nicht viel vertrugen. Das war zwar nur die halbe Wahrheit, kratzte aber trotzdem an meinem Ego. Ich vertrug schon einiges, leider keinen Feuerwhiskey.
Seine Warnung ignorierend öffnete ich die Flasche, genoss das scharfe Aroma der bernsteinfarbenen Flüssigkeit bevor ich einen großen Schluck nahm. Flüssiges Feuer rannte durch meine Kehle. Ich musste husten und hatte Tränen in den Augen. Dieser Whiskey war genau das, was ich brauchte. Nach einigen weiteren großen Schlucken hatte ich das Gefühl, meine Mundschleimhaut komplett weggeätzt zu haben, ebenso wie meinen Magen. Doch ich war endlich fertig genug um schlafen zu können.
Keine Gedanken die nächsten Stunden…
Tbc…
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