Disclaimer: Charaktere nur ausgeliehen, gehören alle Kishimoto-sama. Wenn mir Naruto gehören würde, würde Sasuke nicht dem Wahnsinn verfallen.

Vergangenheit und Zukunft

Schreie. Überall schrillten diese verängstigten, gequälten Stimmen durch die Luft und zerrissen das einst so friedvolle Bild des versteckten Dorfes. Kinder, Frauen, Männer. Jeder. Alle starben, verbrannten, wurden aufgeschlitzt wie Tiere. Feuer züngelte über Häuser, leckte an Fleisch. Der Geruch war unerträglich, verhöhnte ihn für seine eigenen Fehler. Das war die Strafe. Er hatte kläglich versagt.

Krieg. Immer und überall. Seit Tagen, Wochen, die sich anfühlten wie Jahre. Seine Schritte, seine Bewegungen, sein Verhalten war geprägt von diesem so sinnlosen Krieg. Seine Freunde, sein Sensei, fast alle ließen ihr Leben. Diejenigen, die sich retten konnten und willig waren, schickte er eigenhändig fort. So weit fort, wie es ihm möglich war. Er war allein. So schrecklich allein, aber er durfte noch nicht aufgeben. Er musste noch ein einziges Versprechen einlösen, das er mit dem Leben bezahlen musste. Tief im Inneren wusste er, dass die Zeit näher rückte, dass der entscheidende Moment bald eintreffen würde. Die Zeit war kein Freund, der Wunden heilen sollte, sondern sein Gegner, der die Wunden erst aufriss.

Zeichen. Sie alle hatten sie übersehen. Er hatte sie übersehen. Während sein Dorf sich mit den anderen zusammenschloss, waren die Gegner schon um ein, zwei, nein drei Schritte voraus. Wer hätte gedacht, dass die miese Schlange wieder von den Toten auferstehen konnte? Keiner. Nicht er, nicht sein Sensei, der schon selbst so viel Leid überstanden hatte und ihm immer mit seinem Rat zur Seite stand. Sie waren alle blind.

Kampf. Endlich war er da. Wie lange hatte er auf diesen Moment gewartet? Er war so müde. So unendlich müde. Sehnsüchtig erwartete er die kalten Klauen des Todes, aber er kam nicht. Nicht für ihn war der Sensenmann gekommen, er wurde völlig ignoriert, sondern für seinen Gegner, seinem Freund, seinem Bruder. Wahnsinn und Dunkelheit spiegelten sich in diesen roten, fremden Augen wider. Es waren nicht die Augen, an die er sich erinnern konnte. Er war nicht die Person, an die er sich erinnern konnte. Wo war der Sinn für dieses Unterfangen? Warum tat er, was er tat? Wofür? Er äußerte die Gedanken.

Lachen. Kaltes, freudloses Lachen. Das Lachen war weder böse, noch gut, weder freundlich, noch hasserfüllt. Es war leer, tot. Er hatte sich verloren und es schmerzte ihn in seinem Herzen ihn so zu sehen. Kein Flehen, kein Betteln kam über seine Lippen. Keine Schwäche wollte er seinem Bruder zeigen, kein Erbarmen wollte er für ihn aufbringen. Feuer bekämpfte man am besten mit Feuer, so sagte man zumindest, aber war er zu so etwas fähig? So sehr er es auch versuchte, so sehr scheiterte er an dem Versuch sein Gegenüber zu hassen.

Worte. Satz um Satz wurde gewechselt. Der eine verstand, der andere würde zu spät verstehen. Es war nur das Vorspiel. Beide redeten von Dingen, die der andere verstand, aber nicht einsehen wollte. Sinnloses Gerede, aber doch musste es geschehen. Am Ende war es egal, was erzählt wurde, denn sie wussten, wie es ausgehen würde. Und so begann ein epischer Zweikampf, während alles um sie herum still stand. Alle anderen in ihrer Nähe hörten auf sich gegenseitig umzubringen, denn jeder wusste, dass dies der entscheidende Moment war. Alles hing davon ab, welcher der beiden Freunde als Sieger hervorging.

Klirren. Metall auf Metall krachte gegeneinander und Funken stoben. Scharfe Klinge traf auf eine Tödlichere. Ein Fehler und es war vorbei. Haut wurde verletzt, Muskeln wurde getrennt, roter Lebenssaft quoll hervor und versickerte im Erdboden. Durchtränkte die Erde für die nächste Generation. Schweiß perlte von ihrer Stirn, ihr Atem stockte mit jeder fortschreitenden Stunde. Chakra wurde verbraucht, Jutsus wurden eingesetzt mit dem Ziel den jeweils anderen in die nächste Welt zu schicken.

Ende. Kein Erfolg, denn einer hatte damit gerechnet mit dem anderen unterzugehen. Die Bürde zu schultern, denn geteiltes Leid war doch halbes Leid, aber es war nicht so. Nicht für ihn, denn der Tod seines Bruders war auch der Tod für seine eigene Seele. Sein eigenes Kunai hatte das Ziel nicht verfehlt. Er hatte das lebenswichtige Organ getroffen. Sein Herz. Er spürte wie sein eigenes brach. Warmes Blut floss aus der Wunde, die Körperwärme verschwand von Augenblick zu Augenblick ein bisschen mehr. Jetzt war er vollkommen allein. Einsamkeit, Trauer, Wut, Hass. Der letzte Atemzug wurde ausgehaucht, der Körper erschlaffte in seinen Armen. Tränen, die er für den Verstorbenen vergoss, bis er nicht mehr weinen konnte. Er schrie seine Verzweiflung gen den Himmel, in die Welt.

Schweiß gebadet und mit einem erstickten Schrei auf den Lippen wurde der Lilahaarige aus seinem unruhigen Schlaf gerissen, von der Person, die er in seinen Träumen immer und immer wieder tötete, nur etwas jünger. Einen kurzen Moment wusste er nicht, wer über ihm kniete. Seine Hand wanderte blitzschnell zu seinem treuen Kunai, packte den Gegner an der Schulter. Mit einer ungewöhnlichen Stärke für jemanden, der gerade erst erwacht war, rammte er den Schwarzhaarigen auf den Boden und lenkte die Klinge an dessen Hals. Schwer atmend dämmerte ihm langsam, wer etwas verängstigt und geschockt unter ihm lag. Verzweifelt versuchte er Worte aus seinem Mund zu zwingen, scheiterte aber jämmerlich und als hätte er sich verbrannt zog er die Hand wieder zurück, rutschte von ihm herunter und schaute den Jungen angespannt an. Wann würden diese verdammten Träume endlich aufhören? Wahrscheinlich nie.

„Es tut mir leid", nuschelte der 18-Jährige, stand auf und schritt zur Tür, „Träume sind manchmal richtig ätzend."

„Hn", Sasuke wusste nur zu gut, was die Ereignisse der Vergangenheit mit Träumen anstellen konnte, „das kenne ich nur allzu gut."

Angenehmes Schweigen legte sich um die beiden wie eine beruhigende Decke, während sie sich gegenseitig musterten. Das sanfte, bleiche Licht der aufgehenden Sonne drang durch das Fenster in ihr gemietetes, kleines Zimmer, während das Treiben einiger emsiger Frühaufsteher an ihr Ohr schwebte. Es war friedlich, auch wenn es ihnen nur für einige kurze Minuten vergönnt war, genossen sie es.

„Pack alles zusammen, wir werden nach dem Mittagessen aufbrechen. Sayuri hat dich in den letzten drei Monaten alles gelernt, was sie für nötig hielt, also können wir mit unserem Training weitermachen", unsicher ging der Ältere wieder zurück zu seinem Schüler und bemerkte unbewusst, dass dieser um einige Zentimeter in die Höhe geschossen war, „Ich muss noch einiges besorgen, also benimm dich, während ich weg bin."

Ohne auf die Proteste zu hören, zerzauste er die Haare des jungen Ninjas, kehrte ihm ein weiteres Mal den Rücken und war verschwunden. Murrend stopfte der Junge seine wenigen Habseligkeiten in seinen Rucksack, rollte die Futons zusammen und schnappte sich sein Kusanagi. Training erschien ihm im Moment am sinnvollsten um die Zeit totzuschlagen – vielleicht flog ihm ja die Antwort auf die wechselnde Haar- und Augenfarbe seines Senseis zu. Warum sollte er ein Henge no Jutsu verwenden?


„Hey, alter Mann", grinsend betrat der Maskenträger das kleine Geschäft am anderen Ende des Dörfchens, nachdem er noch einmal mit Sayuri über die Fortschritte und Erfolge seines Schülers gesprochen hatte, und übergab dem Besitzer seine Abholbestätigung. Es hatte seine Vorteile ein Held zu sein, zum Beispiel musste er nirgends für etwas bezahlen.

„Guten Tag, Senshi. Wollt ihr heute schon wieder aufbrechen", ein weißhaariger Brillenträger kramte ein Päckchen unter seinem Tresen hervor, „Hier ist deine Bestellung. Hoffentlich freut sich der Junge darüber und weiß zu schätzen, was du alles für ihn tust."

„Danke, aber das bezweifle ich ein wenig. Er ist etwas düster und sein Sozialverhalten lässt zu wünschen übrig."

„Du erntest, was du säst, mein Freund. Vielleicht erscheint es dir nur so und doch sieht es in seinem Inneren anders aus."

„Hm, wenn du meinst", nachdenklich ließ er seinen Blick nach draußen schweifen, beobachtete für einen kurzen Moment die zufriedenen, friedlich wirkenden Menschen und verlor sich in seinen wirren Gedanken, „Wie kann ich sicher sein, dass er nicht vom rechten Weg abkommt?"

Ein sorgloses Lachen war die Antwort.

„Gar nicht. Wir können unsere Kinder nicht immer unter Kontrolle halten, aber wir können ihnen unsere Ideale und Motive vorleben und hoffen, dass sie sie später, wenn sie auf eigenen Beinen stehen, nicht vergessen, sondern beherzigen."

„Sag mal, für wie alt hältst du mich eigentlich? Der Bengel ist nicht mein Sohn. Er ist mein Schüler", genervt über diese Unterstellung, welche übrigens nicht zum ersten Mal gefallen war, packte er die Tüte fester und wollte gerade den Laden wieder verlassen, als die kraftvolle Stimme zu ihm herüber flog und ihn innehalten ließ.

„Vielleicht bist du nicht sein Vater, aber du stellst so etwas wie eine Elternrolle oder einen Bruder dar, auch als sein Sensei. Vergiss das nie, Senshi, du bist seine Familie und er die deine."

„Wo hast du all die Weisheiten her? Sag bloß, du hast eine Glückskeks-Fabrik geplündert?"

„Pessimismus und Sarkasmus passt eher zu deinem Schüler, Senshi", lachte der alte Mann und warf ihm ein weiteres Päckchen zu, „Hier, ein Geschenk des Hauses. Dein alter Mantel scheint schon einiges durchgemacht zu haben."

„Danke vielmals, alter Mann. Leb wohl."

Gedanken verloren streifte der Lilahaarige für einige Minuten ziellos durch die Gegend, er hatte immerhin noch ein paar Stunden zu überbrücken. Ein Gedanke schlich sich in sein Gehirn und lenkte ihn zu den hiesigen heißen Quellen. Es war ein kleines öffentliches Bad und die Kälte, die ihn für die nächsten Wochen erwarten würde, ließ die Idee noch mal besser aussehen. Ja, ein Bad würde ihm sicher gut tun.

„Guten Tag, Senshi", irgendwie nervte es ihn von allen erkannt zu werden, auch wenn er früher in einem anderen Leben dafür alles gegeben hätte, „was kann ich für dich tun?"

„Konnichiwa. Ich möchte bloß ein entspannendes Bad ohne Schnickschnack genießen", ein freundliches Lächeln war alles, das die junge Frau brauchte um rot zu werden, „Hier, der Rest ist für dich."

„Aber du musst doch nicht bezahlen", damit hatte er schon gerechnet, packte grinsend das Geld wieder weg und schritt nach hinten.

Nachdem er sich seiner Kleidung entledigt hatte, ließ er sich langsam ins heiße Wasser, welches seine Wirkung um nichts verfehlte, sinken. Erinnerungen blubberten von seinem Unterbewusstsein herauf. Er war einmal hier gewesen mit seinem alten Sensei. Jiraiya. Es war so lange her, als er es sich das letzte Mal selbst erlaubt hatte an diesen zu denken. Meistens war er danach nur depressiv, aber es geschah auch des öfteren, dass er mit einem Lächeln an ihn dachte. Der alte Ero-sennin.

Aber manchmal, so wie jetzt, hörte er ihn in seinen Gedanken. Wie er über die drei Laster eines Ninjas schwafelte und ihnen dann selbst immer zum Opfer fiel. Meistens allen drei auf einmal. Frauen, Alkohol und Geld. Er sah ihn noch genauso deutlich wie an jenem Tag, an dem er ihn in diesem Gasthaus vorfand. In der einen Hand hielt er eine Sakeflasche, in der anderen ein Bündel Geldscheine und um seinen Hals hing eine gutaussehende, gutgebaute Frau mittleren Alters. Er hörte ihn so lebendig vor sich hin kichern, als wäre er genau neben ihm.

Warte mal, da kicherte wirklich jemand. Gelangweilt drehte er seinen Kopf in die Richtung des Lachens eines Perversen und ertrank beinahe selbst bei dem Anblick, der sich ihn bot. Schock fuhr in seine Glieder, als er genau die Person sah, die er seit über drei Jahren nicht mehr glaubte jemals wieder zu sehen. Die lange, wilde, weiße Mähne war unverwechselbar. Dort an der Bambuswand saß sein alter Lehrmeister und blickte durch ein Loch zum Damenbereich hinüber.

Gaki, hau ab.

Ein Kampf zwischen Vernunft und Gefühlen entstand. Wie lange hatte er seinen Sensei nicht mehr gesehen? Wie viel hatte er ihm damals nicht mehr sagen können? Jetzt hatte er die Chance. Nie hatte er sich bei ihm bedanken können. Nie würde Jiraiya erfahren, was er für ihn empfunden hatte. Nie hatte er ihm erzählt, was er ihm durch seine bloße Anwesenheit gegeben hatte.

Du darfst nicht!

Wie ferngesteuert hievte er sich aus dem Wasser und betrachtete nachdenklich den Rücken des Mannes.

Denk an das Zeitparadoxon.

Langsamen Schrittes steuerte er auf den älteren Mann zu. So nah. Nur noch ein Schritt und er könnte ihn berühren.

NARUTO!

Geschockt hielt die Hand, die er unbewusst schon ausgestreckt hatte, inne. Wie lange hatte er seinen richtigen Namen nicht mehr gehört? Es war schon so unendlich lange her.

Vergiss niemals das Gesetz. Du darfst dich nicht zu sehr einmischen. Je mehr du dich mit ihm einlässt, desto mehr wird es dich schmerzen, wenn du ihn sterben lassen musst.

Nach einem letzten, langen Blick auf den alten Sannin machte er schweren Herzens kehrt und ging zurück um sich umzuziehen, als ihn ein Gedanke plötzlich übermannte. Wenn der alte Ero-sennin hier war, dann war sein jüngeres Ich ebenfalls hier. Er wollte sich gar nicht ausmalen, was passieren könnte, wenn zwei gewisse Jugendliche auf einander trafen. Schnell konzentrierte er sich auf Sasukes Chakra, shunshinte zu ihm und packte ihn an der Schulter, was den Jüngeren fast einen Herzinfarkt verpasste.

„Könntest du das lassen hinter meinen Rücken ohne Vorwarnung-", weiter kam der Schwarzhaarige leider nicht.

Das nächste, das er wusste, war, dass er sich in dem kleinen Zimmer wiederfand, in dem er heute Morgen aufgewacht war. Mit neutralem Gesichtsausdruck sah er seinem Sensei dabei zu, wie dieser deren Rucksäcke schnappte, eine Nachricht auf einen Zettel kritzelte und ihn dann irgendwohin shunshinte. Es kümmerte ihn mittlerweile gar nicht mehr, wenn sich sein Körper in kleinen Portionen durch Raum und Zeit teleportierte. Er fragte nicht einmal mehr, warum sie auf einmal verschwinden mussten, es geschah in den vergangen Monaten schon oft genug, dass sie aus heiterem Himmel auf einmal verschwinden mussten. Entweder waren Nukenins hinter ihnen her und sein Sensei hatte keine Lust zu kämpfen, oder eine Frau hatte ihn entdeckte, wie er ihr hinterher stellte. Ein müder Seufzer kam über seine Lippen, was dem Sensei nicht entging.

„Hat es einen Sinn nachzufragen?", lustlos warf er sich seinen Mantel über, schulterte seinen Rucksack, schnallte sein Kusanagi um die Hüfte und stellte sich an die Seite des Lilahaarigen, welcher zu lachen anfing.

„Ich traf jemanden, den ich nicht sehen sollte", der Ältere tat es dem 13-Jährigen nach und marschierte in eine für ihn bestimmte Richtung los, „Komm gaki, wir haben einen langen Marsch vor uns. Training, Training, Training. Augenbinde auf, folge mir und ahne meine Angriffe voraus."

Ein weiteres Seufzen später verband er sich die Augen, konzentrierte sich und schritt los. Es würde ein langer Tag werden und er sollte auch recht behalten.


„Essen ist fertig", die kräftige Stimme seines Senseis schallte zu dem jungen Ninja, welcher versuchte sein Raichakra in das verfluchte Schwert zu zwingen, herüber.

Sterne funkelten am Firmament, der Mond hing noch tief am Horizont und Wind pfiff klirrend kalt an ihnen vorbei. Wenigstens hatte der Lilahaarige eine Höhle gefunden, in der sie Schutz für die Nacht finden konnten. Erschöpft, aber zufrieden setzte sich Sasuke ans Feuer, nahm die Schüssel ohne ein Wort entgegen und begann zu essen, während er seinen Sensei eingehend musterte. Die Haarfarbe war heller, als vor fünf Monaten, die Augen waren brauner.

„Wann werde ich dich in deiner echten Gestalt sehen?"

Überrascht über die Frage wandte er sich seinem Schüler zu, grinste ihn keck an und summte vor sich hin.

„Warum ist mein wahres Aussehen so wichtig? Du kennst meine Persönlichkeit und die ist echt."

„Hn", war die einfallsreiche, aber doch klare Antwort seinerseits, während er an einer gekochten Tomate nagte. Nur ein Uchiha konnte seine Stimmung mit nur ein und demselben Laut von sich geben und nur sein Sensei war die gesegnete Person diesen Laut auch richtig zu deuten.

„Hier, gaki, alles Gute zum Geburtstag", Freude und Brüderlichkeit spiegelte sich in den Augen des Älteren, während er ihm das Paket überreichte, „Es ist nichts besonderes, aber nützlich."

Essstäbchen und Schüssel beiseite legend betrachtete er skeptisch das in braune Papier gewickelte Geschenk. Er fragte nicht nach, woher er seinen Geburtstag kannte, sondern so etwas wie Freude, dass sich jemand erinnerte, wärmte ihn von innen heraus. Soviel zum Thema Gefühle abtöten. Langsam riss er die Verpackung auf. Darin befanden sich neue Kleidung und eine weitere kleine Schachtel. Es war eine Kette aus Silber mit einem Anhänger in Form eines Fächers, seinem Familienwappens, auf welchem bei näherer Betrachtung Fuchs eingraviert hatte.

„Warum ist da ein Fuchs drauf?"

„Es symbolisiert unsere Verbindung. Der Fuchs ist nämlich mein Zeichen. Egal was passiert, Sasuke, vergiss niemals, dass ich an deiner Seite stehen werde, auch wenn du es für unnötig oder sinnlos hältst. Für mich bist du mehr als nur mein Schüler, sondern meine Familie", ein sanftes, melancholisches Lächeln war auf den Lippen des 18-Jährigen zu erahnen, während sein Blick so ernst wie noch nie war und seinen Schüler herausforderte etwas dagegen zu sagen.

Etwas verwirrt und perplex starrte der Junge den Anhänger, dann seinen Lehrmeister an. Er wusste, dass dieser emotional war, aber er hatte keine Ahnung von seinen konkreten Gefühlen ihm gegenüber. Ein leises Danke stieß er hervor, legte sich die Kette um und begann weiter in seinem Essen herumzustochern.


Tage wurden zu Wochen, Wochen zu Monate. Die Jahreszeiten lösten sich langsam ab. Schnee begann zu tauen, die Bäume trugen Knospen und saftige Früchte. Der Sommer kehrte ins Land ein, bis die Blätter bunt wurden. Aber sie blieben nie lange genug an einem Ort um es wirklich zu bemerken. Sie absolvierten ein paar Missionen um Geld zu verdienen und waren dann wieder verschwunden. Niemand lernte sie wirklich kennen, daran waren beide nicht wirklich interessiert.

Der junge Uchiha wurde mental und physisch stärker, seine Techniken ausgefeilter und seine Waffen und Jutsus beherrschte er wie kein anderer. Sein Sharingan wurde zuerst unterschätzt, dann gefürchtet. Wo früher nur zwei Tomoe waren, befanden sich nun drei. Er hatte die höchste Stufe gemeistert. Er hatte gekämpft und ging immer als Sieger hervor. Er hatte getötet und nie bereut. Sie waren selbst schuld, alle wollten sie ihn zum Schlangen-Sannin, welcher auf seiner Abschussliste noch über Itachi stand, schleifen, aber bis jetzt immer ohne Erfolg. Der schwarze Blitz war mittlerweile zu seinem zweiten Namen geworden.

Die Bindung zu seinem mysteriösen Sensei wurde von einem Moment zum nächsten ein wenig stärker, was allerdings nicht bewusst geschah. Er war sein Mentor, sein Freund, seine Familie. Ihm war es nicht klar, aber tief in seinem Herzen wusste er die Antwort. Auch wenn er seinen richtigen Namen immer noch nicht kannte, auch wenn er immer noch nicht wusste, wie er in Wirklichkeit aussah, dennoch vertraute er seinem Sensei. Die Kette, die er noch nicht einmal abgenommen hatte, war Beweis genug.

Namen waren bloß Schall und Rauch hatte Senshi vor etlichen Wochen einmal gesagt. Das Aussehen würde eines Tages verblühen. Das Wichtigste waren Persönlichkeit, Motive und Ideale, das war der Leitsatz des inzwischen Rothaarigen, dessen Haarlänge aber immer gleich blieb. Niemals aufgeben und stur seinen Weg gehen. Er erinnerte ihn so sehr an einen gewissen Blondschopf, dass er sich manchmal fragte, ob die zwei nicht verwandt waren. Daraufhin hatte der Ältere gelacht und den Kopf geschüttelt.

Die Wahrheiten, die der Ältere ihm versprochen hatte, hatte er noch nicht alle eingelöst, aber eine Wahrheit und zwar diejenige über Naruto und Akatsuki hatte er ihm geliefert. Wut war das Gefühl, das die Oberhand als erstes erlangte. Er verstand nicht, wie sein eigener Bruder diesen Loser ihm vorziehen konnte. Fuchsteufelswild war er vor dem Lagerfeuer und seinem Mentor auf- und abgegangen. Hatte einen Fluch nach dem anderen von seinen Lippen gelassen. Der damals 19-Jährige hatte ihn gelassen. Verständnis und ungewohnte Geduld strahlte er damals aus und hatte ihn erst nach einigen Stunden wieder zu sich geholt und weitererzählt.

Er hatte von Narutos Vergangenheit erzählt, wie er von den Dorfleuten behandelt wurde, wie er alleine überlebt hatte und warum er immer so furchtbar laut war. Ihm wurde erst dann wirklich bewusst, was Naruto in ihm sah, warum er so hartnäckig an ihrer Verbindung hing. Aber der Blondschopf hatte keine Ahnung davon, was er durchlebt hatte. Sein Mentor hatte in dem Moment reumütig gelächelt, ihm die Haare zerzaust und nur gemeint, dass die Zeit alles bringen kann. Mit der Zeit würden die Erfahrungen und mit den Erfahrungen die Weisheit kommen, er verstand diese Worte noch nicht, aber seine Wut hatte sich gelegt.

Stolz und Freude waren die vorherrschenden Gefühle, wann immer der Rothaarige seinen Schüler betrachtete. Die Früchte seiner Arbeit waren bereits zu sehen und das wiederum ließ seine Hoffnungen in die Höhe schießen. Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft, darauf, dass Sasuke den rechten Weg niemals wieder verfehlen würde. Aber auch wenn er zufrieden mit der Entwicklung seines Schülers war, wurde er von Tag zu Tag angespannter.

Noch genau drei Monate, zwei Wochen und fünf Tage, dann würden sie zu Orochimaru gehen und dort auf sein altes Team treffen müssen. Wenigstens dürfte es nicht schwer werden Sasuke davon zu überzeugen dorthin zu gehen, denn er konnte den wachsenden Hass auf den Schlangen-Sannin in dem Jungen spüren. Er konnte es ihm nicht verübeln langsam die Geduld zu verlieren, denn in den letzten Wochen wurden die Angriffe auf sie immer verstärkter. Die Ninjas, die er aussendete, wurden immer stärker, skrupelloser und hartnäckiger. Es kam schon des öfteren vor, dass er eingreifen und dann auch noch den unbändigen Zorn des jungen Uchiha besänftigen musste.

Ein Rascheln hinter den Büschen ließ den 20-Jährigen innehalten, während er die Gegend nach fremden oder bösartigem Chakra abcheckte. Wieder ein Angriff? Sein Blick schweifte auf die Seite zwischen den Bäumen umher, aber entdecken konnte er nichts, was eigenartig war, denn normalerweise ließen ihn seine Sinne nicht so schnell im Stich.

Kurzerhand blieb er stehen, seinen Schüler immer im Augenwinkel und bedeutete diesem ebenfalls zu halten. Schnell tauschten sie einen Blick aus, wechselten ein paar Fingerzeichen und Sasuke aktivierte sein Kekkei Genkai. So schnell wie der Wind flog er durch den Wald mit dem Rothaarigen dicht auf den Fersen. Dort mitten in der Lichtung stand eine Person gekleidet in einem schwarzen Mantel mit roten Wolken darauf gedruckt.

„Akatsuki", presste der Ältere zwischen den Zähnen hervor und lenkte noch mehr Chakra in seine Beine um das Tempo zu erhöhen.

Langsam drehte sich der Mann zu den beiden, sein Gesicht drückte absolute Gefühllosigkeit und Langeweile aus. Uchiha Itachi. Ein Knurren entwich dem Jungen und abrupt blieben Lehrer und Schüler stehen.

„Sasuke", begrüßte er seinen jüngeren Bruder, welcher nur mit den Zähnen zu knirschen begann, mit einem spöttischen Kopfbeugen, rührte sich aber sonst nicht weiter vom Fleck, „Wie ich sehe, hast du ein neues Anhängsel."

„Itachi", wurde er ebenfalls höhnisch von dem Rothaarigen begrüßt, „Wie geht 's mit deiner Sehkraft? Keine blutenden Augen in letzter Zeit?"

„Hn", das lag wahrscheinlich in den Genen, dass jeder Uchiha mit diesem Laut auf alles antwortete.

Es grenzte an ein kleines oder eher größeres Wunder, dass sich Sasuke bis jetzt noch nicht mit einem Kampfschrei auf seinen Bruder geschmissen und sich bei dem Versuch ihn zu töten nicht selbst schon schwer verletzt hatte. Aus den Augenwinkel konnte er allerdings erkennen, dass die Hand um den Griff seines Kusanagis verkrampft und seine Kiefermuskulatur ebenfalls angespannt waren.

„Bleib ruhig, du kannst ihn noch nicht besiegen."

Ein kleines zynisches Lächeln legte sich um Itachis Lippen, was Sasuke noch verzweifelter machte. Warum? Er trainierte so hart und das schon seit Jahren. Warum war das nicht genug?

„Wann willst du ihm die Wahrheit erzählen?", das wischte das Grinsen mit einem Schlag von seinem Gesicht.

„Wage es ja nicht", es war selten eine Gefühlsregung von dem älteren Uchiha zu erlangen, aber wenn man einen bestimmten Nerv traf, geschahen doch noch Wunder.

„Nein, noch nicht, aber bald. Er hat ein Recht es zu erfahren, aber es wäre besser, wenn es von dir käme als von mir."

Schweigen breitete sich aus, während skeptische Blickte getauscht wurden und jeder angriffsbereit blieb.

„Was könnte mir dieser Verräter denn schon erzählen, das meine Meinung ändern sollte?", kam die leise Stimme seines Schülers.

„Vorsicht Sasuke, der Schein kann sehr leicht trügen, ne?", der Kopf des Rothaarigen wanderte von dem Jungen zum Älteren und fixierte diesen mit harten, stahlblauen Augen, forderte ihn heraus etwas zu sagen.

„Hn", antworteten beide Uchiha, der eine drehte sich um zum Gehen, der andere sah der langsam verschwindenden Person hinterher.

„Sehr geistreich."