Teil 3
Mittlerweile waren Foreman und Chase in Angelas Wohnung eingebrochen.
"Welche Zimmer willst du?" fragte Chase.
"Ich nehme auf jeden Fall die Küche, ich habe heute noch nicht gefrühstückt."
"Okay, dann nimm noch das Wohnzimmer dazu, ich nehme Schlafzimmer und Bad."
"Was hast du nur immer mit den Schlafzimmern von Frauen? Du siehst wohl in deiner Freizeit keine von innen."
"Sehr witzig."
Während Foreman sich erstmal in Ruhe über den
Kühlschrank hermachte, begann Chase sich im Schlafzimmer umzusehen.
Auf den ersten Blick sah alles ganz normal aus. Das Zimmer war in
einem hellen gelb gestrichen und die Einrichtung bestand aus einem
Doppelbett, einem Kleiderschrank und einer Kommode.
Als Chase den
Kleiderschrank öffnete hob er interessiert die Augenbraue. Die
meisten der Outfits waren äußerst gewagt: kurze Röcke, tief
ausgeschnittene Tops, enge Blusen und viel Lack und Leder. Chase
fragte sich unwillkürlich wie wohl die Frau aussah, der diese Sachen
gehörten. Da er außer den extravaganten Kleidungsstücken nichts
Ungewöhnliches im Schrank fand wandte Chase seine Aufmerksamkeit der
Kommode zu. Wow ! dachte er als er die oberste der beiden
Schubladen öffnete. Sie war gefüllt mit erotischen Dessous aller
Art. Als Chase die zweite Schublade öffnete blieb ihm die Luft
weg.
"Foreman, komm mal her, das musst du dir ansehen!" rief er.
Eine Stunde später saßen die vier Ärzte wieder zusammen im Konferenzraum um ihre Erkenntnisse zusammen zu tragen.
"Der Test auf Pocken war negativ," verkündete Cameron.
"Eine weitere Krankheit die es nicht ist. Das bringt uns nicht viel weiter." House wandte sich an Chase und Foreman. "War die Hausdurchsuchung aufschlussreich?"
"Das kann man wohl sagen," antwortete Foreman. "Die Kommode der Frau ist voll mit Reizwäsche und Bondage Utensilien. Und sie hat ein Adressbuch, in dem nur Initialen, Adressen und Notizen über 'spezielle Vorlieben' stehen. Unsere Patientin ist eine Professionelle."
"Das wusste ich schon," sagte Cameron und versuchte dabei ihre Stimme so sicher klingen zu lassen als hätte sie täglich mit dem ältesten Gewerbe der Welt zu tun. "Sie hat es mir gesagt als sie wegen dem Ausschlag hier war. Ich hielt es nicht für relevant."
"Womit sie vollkommen Recht hatten," mischte sich House ein. "Sie sollten herausfinden was unserer Patientin fehlt, nicht wie sie ihre Brötchen verdient."
"Möglicherweise hat sie sich bei einem Freier etwas gefangen. Wir könnten die Adressen in ihrem Notizbuch abklappern und sehen ob einer von ihnen krank ist," schlug Chase vor.
"Nein," sagte House, etwas zu schnell. Die drei Assistenzärzte sahen ihn überrascht an. Bemüht seinen Fehler wieder gut zu machen fuhr House in gelangweiltem Tonfall fort. "Die Wahrscheinlichkeit dass eine Nutte sich eine sexuell übertragene Krankheit fängt ist nahe null. Bei denen gibt es keinen Sex ohne Kondom. Und wenn sie jeden auf Hautausschlag und Fieber untersuchen wollen, mit dem die Frau Kontakt hatte, dann viel Spaß. Aber tun sie es in ihrer Freizeit. Sie können mit den Nachbarn oder im Supermarkt an der Ecke anfangen und jeden untersuchen der an Akne oder einer Erkältung leidet." House drehte sich um und wandte seine Aufmerksamkeit dem Whiteboard zu.
"Was machen sie da?" fragte Cameron überrascht als House die Tafel wischte.
"Ich schaffe Platz für die Auflistung aller Tropenkrankheiten, die mit Hautausschlag und Fieber einhergehen. Während sie das Blut der Patientin auf eine Krankheit getestet haben die seit den 70er Jahren ausgerottet ist und Chase und Foreman in Damenunterwäsche gewühlt haben, hatte ich eine Unterhaltung mit unserer Patientin und habe erfahren, dass sie letzte Woche Mittwoch aus dem Urlaub in Brasilien zurückgekehrt ist. Also, Vorschläge bitte."
"Bei der kurzen Inkubationszeit vermute ich Bilharziose," antwortete Cameron.
"Das würde alle Symptome erklären. Will jemand dagegen wetten? Niemand? " House schaute fragend in die Runde. "Dann eben nicht. Foreman, sie gehen runter in die Apotheke und besorgen schon mal ein paar Ampullen Praziquantel. Cameron, sie testen ob die Zahl der eosinophilen Granulozyten im Blut erhöht ist. Ich werde noch einen kurzen Abstecher auf die Station machen und der Schwester sagen sie soll eine Stuhlprobe für den endgültigen Nachweis besorgen. Das schaffe ich noch bevor General Hospital anfängt. Chase, sie übernehmen meinen Klinikdienst. Und bevor sie gehen geben sie mir dieses Adressbuch. Diese interessante Lektüre lenkt sie nur von der Arbeit ab." Widerwillig reichte Chase ihm das Buch.
Sobald sie außer Hörweite von House waren stellte Chase seinen Kollegen die Frage, die ihn brennend interessierte: "Glaubt ihr, House ist einer von ihren Freiern?"
"Wie kommst du denn auf die Idee?" Fragte Cameron entsetzt.
"Denk doch mal nach: House wirkte nicht im Mindesten überrascht als Foreman ihm erzählte, dass unsere Patientin eine Prostituierte ist. Er will uns anscheinend von der Patientin fernhalten. Und er scheint unbedingt verhindern zu wollen, dass wir uns ihr Adressbuch näher ansehen."
"Das ist doch Blödsinn. Ihr Beruf hat ihn einfach nicht interessiert. Und so wie ihr beide gegrinst habt als ihr von eurer Hausdurchsuchung erzählt habt, könnte House Recht damit haben, dass das Adressbuch euch von der Arbeit abhalten würde," entgegnete Cameron.
"Ich finde Chase hat
Recht. House ist merkwürdig drauf. Bleibt nur die Frage wie wir
wieder an das Adressbuch herankommen sollen."
Foreman
grinste wie ein Schulkind, das gerade einen besonders guten Streich
plante.
"Ihr seid einfach kindisch." Camerons Miene zeigte pure Verachtung.
"Ich bin im Labor, falls ihr irgendwann heute noch mal anfangt an etwas zu denken das mit der Arbeit zu tun hat."
Auf dem Weg ins Labor fiel es Cameron immer schwerer, sich selbst von dem Gesagten zu überzeugen. Auch wenn sie Chase beinahe automatisch widersprochen hatte, konnte sie nicht leugnen, dass er mit seinen Beobachtungen Recht hatte. House hatte tatsächlich keinen von ihnen in die Nähe der Patientin gelassen. Und er schien wirklich nicht zu wollen, dass sie sich das Adressbuch näher ansahen.
