Ich habe nichts von Vampiren gesagt, oder? Ich sprach nur von anderen Un- lalalala... naja, in diesem Kapitel kommt es eh heraus. ; )

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Rhythmisches Schütteln, und ein dunkles, gleitendes Geräusch. Das Atmen von vielen Menschen, ruhig, gleichmäßig. Unbesorgt.

McKay öffnete langsam die Augen. Es war dunkel, und er blinzelte vorsichtig. Erinnerungen wollten sich nur spärlich einstellen. Weißer Rauch, oder war es Nebel gewesen? Atemnot, und dann sanfte Dunkelheit. Und nun war er hier, immer noch in Dunkelheit. Doch langsam schienen sich seine Augen den Lichtverhältnissen anzupassen, und er begann, seine Umgebung wahrzunehmen.

Menschen. In der Dunkelheit kaum zu erkennende, schattenhafte Figuren, die absolut ruhig und beinahe vollkommen bewegungslos dasaßen oder lagen. Das einzige, was zu hören war, war ihr ruhiges Atmen. Ein, aus. Ein und wieder aus.

Beunruhigung kroch wie Gift durch seinen Körper, und er setzte sich vollkommen auf. Wo war er?

Immer noch war das dunkle, kollernde und gleitende Geräusch zu hören, und er konnte spüren, wie der hölzerne Boden unter ihm vibrierte. Er schauderte. Es war kalt hier, wo immer er auch war, und der Atem der stillen Menschen um ihn herum hing weiß in der Luft.

McKay versuchte aufzustehen, und stieß mit seinem Bein an etwas weiches und warmes. Er zuckte heftig zusammen, und sah sich um. Er hatte eine Frau mittleren Alters angestoßen.

„Entschuldigung", sagte er, und wand sich innerlich beim Klang seiner Stimme, der vollkommen deplaziert in der eisigen Stille wirkte.

Die Frau reagierte zunächst nicht, und McKays Herz machte einen Satz, als sie schließlich doch den Kopf wandte, und ihm mit einem leeren Blick bedachte. Er starrte zurück, eine Sekunde, zwei, noch länger, und die Frau blinzelte träge. Ansonsten nichts. Es war, als wäre er nicht da, oder als wäre er ein Baum oder ein Fels, nichts, mit dem man kommunizieren konnte. Der Blick der Frau starrte zwar nicht vollkommen durch ihn hindurch, doch nahm ihn ebenso wenig war. McKay wandte sich ab. Er ließ den Blick über die anderen schweifen. Ein paar sahen ihn an - auf die gleiche Art wie die Frau ihn angesehen hatte, leer und bedeutungslos, und McKay dachte, dass sie vielleicht nur auf das Geräusch reagiert hatten, dass er gemacht hatte. Sie schienen ungefährlich, vollkommen antriebslos, doch das konnte ihn nicht beruhigen.

Vorsichtig richtete er sich weiter auf. Manche der Blicke, die eh schon auf ihn gerichtet waren, folgten ihm, leer und träge, manche nicht. Mit klopfenden Herzen stand er nun, und machte dann ein paar vorsichtige Schritte in Richtung Wand. Er konnte sehen, wie Licht schwach durch die Längsritzen fiel, und dachte, es müsste wohl eine Holzwand sein, genau wie der Boden. Das rhythmische Rütteln machte es zunächst etwas schwierig, zu stehen, doch er fand rasch sein Gleichgewicht wieder.

Die Wand war in der Tat hölzern. Sie vibrierte ebenfalls schwach, fand er, als er seine Hand dagegen drückte. Zögernd versuchte er, durch eine der Ritzen zu starren. Es war nichts zu erkennen, bis auf Schatten, die vorbeihuschten.

Wir fahren, dachte er, und dann: Das ist ein Zug.

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Sheppard saß mit dem Rücken zur Wand des Abteils, und hielt die schweigenden Menschen, die ihn umgaben, im Auge. Bis jetzt hatte keine von ihnen irgendeine Bewegung gemacht, die nicht in Zeitlupe zu sein schien, oder auch nur im Geringsten als aggressiv aufgefasst werden konnte, doch er wagte es nicht, dem scheinbaren Frieden zu vertrauen. Die Menschen reagierten kaum, wenn man sie ansprach, sprachen selbst nicht, versuchten nicht zu kommunizieren. Sie taten nichts, saßen nur stumm und regungslos in den sanft ruckenden Abteil. Es war verstörend.

Mühsam waren Sheppards Erinnerungen zurückgekehrt, in Stücken und Schüben, wie Fetzen, die Stück für Stück eingesammelt werden mussten.

Sie waren betäubt worden, und in diesen Zug verfrachtet worden. Nun, eigentlich konnte er sich beim zweiten Punkt noch nicht einmal so sicher sein. Er hatte keine Ahnung, wo McKay war, konnte nur hoffen, dass der Mann sich ebenfalls in dem Zug befand.

Hoffen? Vielleicht auch nicht, dachte Sheppard. Er wusste nicht, wohin sie fuhren, was man mit ihnen vorhatte. Vielleicht wäre es besser für den Kanadier gewesen, nicht in dem Zug zu sein...

Und was war mit den Menschen? Sie wirkten ... zombiehaft, dachte Sheppard, und lächelte beinahe bei dem Wort. Vollkommen leer. Das einzige, was sie noch von den Zombies, die er kannte, unterschied, war, dass sie ihn bis jetzt noch nicht hatten essen wollen.

Verdammt. Diesen Gedanken hatte er nun wirklich nicht gebraucht. Aufseufzend lehnte er den Kopf wieder an die Bretter hinter ihm. Er konnte keine bequeme Position finden, und Hinlegen kam nicht infrage. Obwohl er bezweifelte, dass das bequemer sein würde. Der Boden war hart, und das andauernde Vibrieren ging durch Mark und Bein. Obwohl er keine Ahnung hatte, wohin sie unterwegs waren, wünschte er doch, sie würde endlich ankommen. Nichts war schlimmer als warten.

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McKay hatte sich in eine Ecke verkrochen. Er war müde und spürte, wie Kopfschmerzen begannen. Immer noch fror er, obwohl die Luft im Abteil stickig zu werden schien.

Wohin waren sie unterwegs? Wo war Sheppard?

Oh Gott, bitte, lass ihn hier auf dem Zug sein, dachte McKay. Ich möchte nicht allein sein, nicht hier, umgeben von diesen merkwürdigen... diesen... diesen Zombies. Bitte nicht.

Oder, noch besser, fiel ihm plötzlich ein, lass ihn unterwegs nach Atlantis sein, oder schon auf dem Rückweg mit mehreren Jumpern und einem ganzen Haufen bis an die Zähne bewaffneter Marines...

Er musste seine Zähne aufeinanderpressen, um das Klappern zu unterdrücken. Mittlerweile zitterte er am ganzen Leib. Angst und Kälte hielten ihn fest im Griff, und an Schlaf war nicht zu denken. Das monotone Geräusch des Zuges, der über die Schienen fuhr, und das gleichmäßige Atmen um ihn herum wirkten nicht im Mindesten beruhigend, sondern war eher wie eine spannungsaufbauende Geräuschkulisse. Wann würden sie ankommen? Wo würden sie ankommen?

Er hatte keine Antworten.

ooo

Der Geruch von Urin erfüllte das Abteil, und Sheppard verzog leicht das Gesicht. Keiner der Anwesenden schien dem Geruch irgendeine Art von Aufmerksamkeit zu schenken, und er fragte sich, ob sie ihn überhaupt wahrnahmen. Vielleicht nicht, wenn sie schon nicht einmal aufgestanden waren, um sich zu erleichtern. Oder sich überhaupt gerührt hatte.

Lebende Tote, dachte Sheppard, und zog die Beine näher an den Körper heran, und schlang dann die Arme darum. Die Temperatur schien im Laufe der Zeit weiter gefallen zu sein, und er hätte alles für eine Decke oder einen anderen warmen Körper gegeben.

Nun, letzteres gab es schon, doch der bloße Gedanke, eine von diesen atmenden Leichen zu berühren, war ihm zuwider. Zudem war er sich immer noch nicht sicher, wie sie reagieren würden.

Mittlerweile schmerzte jeder Knochen in seinem Körper. Der Zug war bis jetzt die ganze Zeit mit unveränderter Geschwindigkeit gefahren, und Sheppards Nerven lagen blank.

Im Abteil war es zu dämmerig, zu eng. Langsam begann er wirklich zu hoffen, dass McKay nicht im Zug war. Diese ... Situation würde dem Wissenschaftler weit mehr zu schaffen machen als ihm selbst, dachte Sheppard, und versuchte Trost in dem Gedanken zu finden.

Doch es half nicht. Er war immer noch allein und ahnungslos, er fror immer noch, war immer noch umgeben von unheimlich Fremden, und wurde langsam immer müder. Er wurde immer schwerer, die Augen offen zu halten, auch wenn sein Verstand und sein Instinkt unisono schrieen: Nicht einschlafen!

Er fuhr sich mit der Hand über das Gesicht, fühlte die Bartstoppeln. Ein großer Teil seiner Erinnerung lag noch immer im Nebel. Wann waren sie hierher gekommen? Wie? Warum?

Gedankenfetzen und Traumbilder vermischten sich in seinem Kopf, und einen Moment lang umschlang ihn die Dunkelheit, dann fiel sein Kopf nach vorne, und er schreckte wieder hoch.

Nicht einschlafen.

Er blinzelte. Die kauernden Figuren um ihn herum verschwammen immer wieder, und seine Augenlider schienen bleischwer zu sein.

Nicht einschlafen... nicht...

Wieder fiel sein Kopf nach vorne, und wieder öffnete er die Augen, doch nicht für lange. Langsam glitten seine bleischweren Lider wieder herunter, und dieses Mal konnte er sich nicht gegen die Schwärze wehren.

ooo

Sein Mund war ausgedörrt, als er erwachte. McKay fuhr sich mit einer trockenen Zunge über spröde, aufgesprungene Lippen, und sehnte sich nach einem Glas Wasser.

Es stank im Abteil. Die anderen schienen es entweder nicht zu bemerken, oder kümmerten sich nicht darum. Sie hatten sich nicht gerührt, und saßen nun in ihren feuchten Sachen da, stumm wie eh und je. Vor einiger Zeit war McKay aufgestanden und in eine Ecke des Abteils gegangen, die am weitesten entfernt von der war, in die er sich gerade kauerte.

Und der Zug fuhr immer noch weiter. Die Kopfschmerzen waren nun vollkommen ausgeprägt, und das rhythmische Klopfen hinter seiner Stirn passte zum Rucken des Zuges.

Er sehnte sich nach Wärme. Und Weiche. Die Bretter in seinem Rücken und unter ihm schienen immer härter geworden zu sein, und obwohl er sich unangenehm wehrlos dabei fühlte, hatte er sich auf die Seite gelegt, mit dem Rücken zu den Brettern, und die Arme um die angezogenen Beine geschlungen.

Ratt- tatt – tatt. Der Zug raste durch das Dunkel, ungestört. Dunkelheit im Abteil, Dunkelheit hinter seinen Lidern. Kälte. Durst, Durst der so quälend war, dass er nicht wieder einschlafen konnte, so sehr er sich es auch wünschte.

Sein Kopf war auf die Bretter gesunken. Er spürte das Vibrieren, das langsam zu einem Teil vom ihm zu werden schien.

Ratt – tatt – tatt. Dunkelheit.

Er schloss die Augen, lauschte dem gleichmäßigen Atmen.

Dunkelheit.

Und dann streifte etwas seine Wahrnehmung, und er riss die Augen auf.

Licht. Licht von außerhalb, das in regelmäßigen Abständen durch die Ritzen in das Abteil huschte. Laternen?

Er kauerte einen Moment lang erstarrt da, zuckte dann zusammen, als sich das Vibrieren änderte. Ein hoher, kreischender Ton schoss durch die Dunkelheit, und er spürte die Änderung in ihrer Vorwärtsbewegung.

Der Zug bremste.

Die anderen hatten es ebenfalls bemerkt. Gleichgültige Augen öffneten sich, während der Zug immer langsamer wurde, und das Licht in immer länger werdenden Intervallen ins Innere fiel.

Das Vibrieren wurde intensiver, ließ dann nach. Mit einem Ruck kam der Zug zum Stehen.