Danke für eure tollen Bewertungen. Diese Geschichte wird einige Flashbacks haben.

Kapitel 2: Schwester Jude

1948 eine kleine Bar in Boston

Frank hatte damit gerechnet, diesen Abend wie so viele andere zuvor allein zu verbringen. Nie war Frank McCann ein großer Gesellschafter gewesen und normalerweise hatte er es vermieden, sich unter zu viele Menschen zu begeben. Er fühlte sich wohler in kleiner Runde, umgeben von Freunden. Leider war von seinen Freundeskreis nicht mehr viel übrig. Der zweite Weltkrieg war seit 3 Jahren vorbei und Frank hatte in diesen, viele seiner Freunde verloren….auch seinen jüngeren Bruder. Von denen, die wie er zurück in die Heimat gekehrt waren, hatten sich viele verändert und nach und nach war niemand mehr da.

Frank hatte versucht einfach weiter zu machen und die Vergangenheit hinter sich zu lassen, doch kaum war er allein in seiner kleinen Wohnung, drohte die Einsamkeit ihn zu verschlingen. Er wollte wieder leben und doch wusste er nicht, wie er es angehen sollte. Er wusste er würde das erlebte nie vergessen und so versuchte er es zu verdrängen. Meist halfen ihn ein oder zwei Drinks dabei und so begab sich Frank auch an diesen Abend allein in eine Bar, um seine Einsamkeit zu ertränken.

Er ließ sich an der Bar nieder und bestellte einen doppelten Scotch, als er die sinnliche Stimme einer Frau vernahm, die begann einen Song zu singen, den Frank bis dahin nicht kannte, doch den er jetzt nie wieder vergessen würde. Langsam drehte er sich um und blickte auf die kleine Bühne, wo eine ganz in Rot gekleidete Frau stand. Ihre langen blonden Haare fielen ihr sanft über ihre Schultern und sie bewegte sich ebenso sinnlich, wie sie sang. Frank war wie gebannt von ihrem Anblick, doch nicht nur er….viele Augen waren auf die schöne Blondine gerichtet. Mit seinem Glas in der Hand, stand Frank auf und nährte sich der Bühne. Ein leichtes Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus, dass erste echte Lächeln seit Jahren.

Das Lied war zu Ende und lächelnd sah die blonde Frau in die Menschenmenge, bis sie auch endlich einen Blick auf Frank warf und ihm ein Augenzwinkern zu warf. Es folgten noch drei weitere Lieder und dann verließ sie die Bühne, sehr zum Missfallen der Band.

„Hey….wir wurden bis 11 Uhr bezahlt." rief ein Mann mit Klarinette ihr nach.

„Ich brauche aber jetzt etwas zu trinken, ihr könnt doch weiter spielen!" rief die blonde Frau zurück und ging geradewegs auf Frank zu. Es bestand kein Zweifel mehr, dass ihr nicht entgangen war, wie Frank sie angesehen hatte. Mit einemsüßen Lächeln stellte sie sich vor Frank.

„Lust eine Lady zu einem Drink einzuladen?"

Briarcliff 1962

Jude blickte den Mann neben Mary Eunice skeptisch an. Schon oft waren Männer gekommen und dachten sie wären der harten Arbeit in Briarcliff gewachsen gewesen, doch schon nach kurzer Zeit suchten die Meisten von ihnen das Weite. Jude war es manchmal Leid, ständig Leute über ihre Arbeit hier zu informieren und das nur, damit sie nach wenigen Wochen oder manchmal Tagen wieder verschwanden. Aber ein Ort wie dieser, war auf Wachpersonal angewiesen. Jude sah zu Mary Eunice und nickte mit den Kopf.

„Danke Schwester, Sie können draußen warten."

„Sicher Schwester Jude." leise verließ die junge Nonne das Büro und ließ Jude und Frank allein.

„Bitte, setzten Sie sich Mr. McCann." sagte Jude streng und deutete auf den Stuhl vor ihren Schreibtisch. Sie ging zu ihren eigenen Stuhl und setzte sich, während sie Frank genau musterte. Sie wusste nicht was es war, aber etwas an ihm kam ihr bekannt vor. Sie hatte das Gefühl, sein Gesicht schon einmal gesehen zu haben.

Frank, der immer noch völlig schockiert war, nährte sich langsam ihrem Schreibtisch und setzte sich auf den Stuhl, den sie ihm angeboten hatte. Jetzt nachdem er ihre Stimme hörte, war jeder noch so kleine Zweifel verschwunden. Sie war die Frau aus der Bar, mit den roten Kleid und den langen blonden Haaren. Die Frau mit der er eine unglaubliche Nacht verbracht hatte. Er sah ihr in die Augen, dieselben schönen braunen Augen …doch sie leuchteten nicht mehr. Es gab kein sinnliches Lächeln mehr auf ihren Lippen, keinen frechen flirteten Unterton mehr in ihrer Stimme und nicht ein Anzeichen davon, dass sie noch wusste wer er war.

„Ist alles in Ordnung Mr. McCann? Sie sehen etwas blass aus?" fragte Jude, doch klang wenig besorgt.

„Was? Ja…ja sicher….ich denke, ich muss mich erst an die Arbeit hier gewöhnen. Ich hatte unten ein kleines Zusammentreffen mit einer Patientin."

„Tatsächlich? Nun, ich hoffe es hat Sie nicht zu sehr verschreckt." Jude faltete die Hände zusammen und sprach dann weiter „Ich möchte eines gleich klarstellen, dieser Ort hier, ist kein Kindergarten und viele Menschen unterschätzen die Arbeit, die wir alle hier leisten müssen. Nicht jeder, ist so einer Aufgabe gewachsen."

Frank hörte ihr aufmerksam zu, weniger was sie sagte, sondern mehr wie sie es sagte. Es war als würde ein völlig anderer Mensch vor ihm sitzen. Ihre Stimme war streng und kalt und Frank fragte sich, wie ein Mensch sich so verändern konnte.

„Ich bin durchaus dieser Aufgabe gewachsen. Ich habe viele Jahre bei der Polizei gearbeitet und hatte auch dort mit vielen Störenfrieden zu tun." Frank versuchte sich auf das Gespräch zu konzentrieren und mit seinen Gedanken nicht ständig in die Vergangenheit abzuschweifen.

„Nun, davon haben wir hier viele! Wie dem auch sei, ich hoffe wirklich Sie unterschätzen ihre Aufgabe hier nicht. Schwester Mary Eunice wird Sie gleich herum führen und Sie über sämtliche Patienten aufklären. Einige von Ihnen sind ganz friedlich und machen nur selten Ärger, aber es gibt natürlich immer schwarze Schafe, die mit allen Tricks versuchen gegen die Regeln zu spielen. Es gibt kaum eine Zellenkontrolle, wo wir keine verbotenen Gegenstände finden. Besonders wichtig ist es, die Insassen nachdem sie in der Küche oder Bäckerei waren zu überprüfen. Mit der Zeit, werden Sie auch jedes einzelne Versteck oder jeden kleinen Trick von Ihnen kennen….das heißt, wenn Sie so lange bleiben werden." langsam stand Jude auf und ging um den Schreibtisch herum zu Frank.

Frank erhob sich ebenfalls und stand nun genau vor ihr…wie damals und doch war es völlig anders. Er hatte so lange nach ihr gesucht und jetzt wo er sie wieder sah, wollte er sie nicht wieder aus den Augen verlieren. Er wollte wissen, was sie so verändert hatte und sehen, ob sie sich doch noch an ihn erinnern würde. Aber was wäre dann? Sie war jetzt eine Nonne und damit unerreichbar, aber wenigstens wusste er jetzt ihren Namen.

Er sah Jude tief in die Augen und lächelte leicht „Glauben Sie mir Schwester Jude, ich werde bleiben."