Ein herrlicher Morgen brach über Anaheim an. Ein kühler, frischer Wind wehte durch die Stadt, die langsam aus ihrem Schlaf erwachte und lebendig wurde. Geschäftig liefen die ersten Menschen ihren Zielen entgegen. Motivierter vielleicht als an den Tagen zuvor, da nun das Wochenende vor der Tür stand.

Auch die Bewohner des Arrowhead Pond waren bereits auf den Beinen. Wie auf den Straßen, war auch hier die Stimmung gut... oder zumindest schien es so.

"Guten Morgen!"

"Morgen", begrüßte Duke knapp und noch etwas schläfrig den Hünen von Erpel, der in der Küche sein Frühstück machte, und Tanya, die bereits am Tresen saß und ihr Müsli kaute.

"Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit des Tages. Sie gibt uns Energie und lässt uns schon früh am Tag Dankbarkeit für die Gaben dieser Welt spüren", philosophierte Grin.

"Oh Grin, es ist definitiv noch zu früh für New Age-Kram", stöhnte Duke und goss sich einen Kaffee ein. Er war von jeher eher eine Nachteule gewesen.

"Das ist das Alter, mein Freund. Wird wohl Zeit, dass wir dir deine Rente ausrechnen", kam eine fröhliche Stimme von der Tür. Duke wand nicht einmal den Kopf.

"Selbst in diesem Zustand besiege ich dich Küken in allen Disziplinen, glaub mir", erwiderte er träge. Nosedive schlug ihm lachend auf die Schulter, so dass Duke beinahe seinen Kaffee verschüttete.

"Du bist gut drauf heute Morgen", äußerte Tanya zwischen zwei Bissen.

"Ja, und das hat auch einen guten Grund, denn der liebe Duke hier", er legte einen Arm um Besagten und schüttelte ihn, "wird mir heute Abend zeigen, ob sein Wort etwas wert ist, und ob in den alten Knochen doch noch Leben steckt."

Immer noch bemüht den Inhalt seiner Kaffeetasse in selbiger zu halten, schaute Duke den Blonden irritiert an. "Wie war Ihre Bestellung?"

"Dement sind wir wohl auch schon?" Nosedive schüttelte gespielt enttäuscht den Kopf. "Na, dann muss ich wohl jemand anderen finden, der mit mir auf die 'Jagd' geht." Er drehte sich zu Grin um.

"Grin, mein Freund, wie sieht es aus? Du lädst deine süße Blondine ein und wir machen heute Abend gemeinsam Anaheim unsicher. Was sagst du?"

Der Große schüttelte lächelnd den Kopf. "Meine innere Ruhe danach wieder ins Gleichgewicht zu bringen, stelle ich mir äußerst mühsam vor."

"Wow, Leute, es ist Freitag. Wir sind jung.. Naja zumindest ich. Was ist nur los mit euch?" In einer dramatischen Geste warf er seine Hände in die Luft. "Tanya!" Er zeigte abrupt auf sie und die Genannte schaute erschrocken auf.

"Unter dieser hochpraktischen Schale verbirgt sich doch sicher ein fescher, verwegener Kern. Lassen wir die Tigerin aus dem Käfig und suchen ihr einen Dompteur. Raaaw!"

Tanya schaute mit großen Augen zu Grin und Duke. "Ich sollte dringend unseren Arzneischrank kontrollieren. Was auch immer er genommen hat, es war eindeutig zu viel!"

"Eigentlich ist er doch immer so", hörte man nun Mallory, die ebenfalls in die Küche getreten war, sagen. Sie war in ein weites Fanshirt der Ducks gekleidet, dessen Rücken die Nummer 00 zierte. Nosedive betrachtete sie kurz kritisch und wand sich dann wieder Duke zu.

"Siehst du, Bruder, du bist meine letzte Hoffnung meine Jugend noch zu leben, bevor ich so werde wie ihr."

"Und ich dachte ich sei dein Bruder?" Nun war auch der letzte der Ducks zum Frühstück erschienen. "Morgen zusammen."

Auch er betrachtete Mallory, die seinem Blick auswich und zum Kühlschrank ging, um sich einen Orangensaft einzuschenken. Duke, der die ganze Zeit geschwiegen hatte, beobachtete die anderen und meinte eine seltsame Spannung zu spüren, die in der Luft zu hängen schien.

An Nosedive gewandt fragte er: "An was genau hattest du denn gedacht?" Dieser war sofort wieder Feuer und Flamme.

"Beim Einkaufszentrum hat dieser neue, hippe Club aufgemacht. Wir beiden schmeißen uns in Schale und machen die Tanzfläche und ganz besonders die Damenwelt unsicher!" flüsterte er und wackelte mit den Augenbrauen.

"Du willst ausgehen und tanzen?" kam Wildwing Dukes Antwort zuvor.

Der jüngere sah zu seinem Bruder und antwortete etwas überrumpelt: "Ähm, ja.. genau!"

"Hm, das klingt eigentlich nach einem guten Vorschlag. Die Echsen verhalten sich zurzeit ruhig und wir könnten alle etwas Spaß gebrauchen." Der weiße Erpel drehte sich zu den anderen um. "Was meint ihr, Leute?" Er blickte durch die Runde und blieb dann bei Mallory hängen. Auffordernd lächelte er sie an. Sie verstand.

"Oh ja, das klingt in der Tat gut. Tanya und ich werden uns heute Mittag etwas Nettes zum Anziehen kaufen, nicht wahr Tan?"

"Aber ich wollte heute eigentlich die Aerowing-"

"Ach, sei nicht so steif Tanya! Es ist Ewigkeiten her, dass wir uns", sie schaute zu Nosedive, "in Schale geworfen haben." Mallory nahm Tanya am Arm und zog sie halb aus der Küche. "Dann bis heut Abend Jungs!"

"A-aber-", stotterte Tanya und damit schloss sich die Tür hinter den Frauen.

Wildwing sah zum Hünen. "Grin?"

"Naja, nur mitten im Chaos des Lebens kann man die Dinge erkennen, die in der Ruhe die Seele nähren."

"... das bedeutet wohl ja. Also kleiner Bruder", Wildwing gab Nosedive einen liebevollen Stoß mit dem Ellenbogen, "dann werden wir heute Abend mal die Puppen tanzen lassen."

Nosedive sah Duke entgeistert an. "Manchmal glaube ich, Wing ist im Grunde noch älter als du."

"Hey!", rief Wildwing gespielt entrüstet, nahm seinen kleinen Bruder in den Schwitzkasten und wuschelte ihm durchs Haar.

Duke lachte. "Also gut, machen die Ducks heute Abend die Stadt mal zur Abwechslung unsicher."

Tanya stöberte durch einen Stapel Blusen. Sie war nunmehr schon zwei Stunden mit ihrer besten Freundin durch diverse Läden geschlendert und hatte überraschend viel Spaß dabei. Wobei sie sich nicht halb so sehr freute, wie es Mallory zu tun schien.

Diese lief mit ihr im Schlepptau von einem Laden zum nächsten und wurde nicht müde Tanya die unpassendsten Outfits in die Hand zu drücken. Kleider und kurze Röcken waren einfach nicht ihr Stil. Aber die Rothaarige versicherte ihr immer wieder: "Wenn eine Frau sich schön fühlt, kann sie alles tragen", "Probier es einfach" und "Du siehst großartig darin aus!".

Tanya schmunzelte. Eigentlich hatte sie keine rechte Lust gehabt, heute Abend mitzugehen aber die unerschütterliche Euphorie Mallorys hatte sie inzwischen doch angesteckt.

Zum gefühlt hundertsten Male kam die Genannte aus der Umkleidekabine und drehte sich vor einem großen Spiegel unschlüssig hin und her.

"Was meinst du, Tan?"

"Du siehst gut aus."

"Das sagst du jedes Mal."

"Na, es stimmt ja auch jedes Mal."

Mallory lächelte ihrer Freundin zu. "Du bist wirklich charmanter als die meisten Jungs. Willst du die Bluse anprobieren?"

Tanya legte das besagte Stück zurück auf den Stapel. "Nein, ich hab eigentlich gar nicht vor etwas zu kaufen. Ich werde einfach etwas Bequemes anziehen."

Mallory drehte sich mit empörtem Gesicht zu ihr um. Gerade trug sie ein knielanges, pastellgrünes Cocktailkleid mit dünnen Trägern und schrägem Saum. Sie wusste wirklich, was ihr stand.

"Und du meinst, ich lasse dir das durchgehen?", lachte sie. "Vergiss es, Tan. Wir werden aus dir einen Schwan machen, den die Jungs heute Abend nicht wiedererkennen werden, vertrau mir!"

Und damit marschierte sie forschen Schrittes zu den Kleiderständern, um etwas Passendes rauszusuchen.

Tanya schwante übles…

"Hey Dive, was ist das eigentlich für ein Club? Ist heute Abend Dresscode angesagt?"

Nosedive, der mit Duke und Grin im Gemeinschaftsraum saß und fernsah, winkte ab, wobei er beinahe seinen Softdrink verschüttete. "Nah, die sind wohl locker. Keine Anzug-und-Krawatten-Pflicht. Das würde auch wesentlich meinen Tanzstil behindern."

"Ich frage mich gerade, ob das wirklich ein Vorteil ist", meinte Duke während er bedächtig mit einem Stohhalm in seinem Becher rührte.

"Ha, auf Puckworld nannte man mich auch den Dämon des Dancefloors!"

Mit schiefen Lächeln musterte Grin ihn und dann Duke. Der lachte laut auf. "Das glaub ich dir allerdings!"

"Du wirst heute Abend schon sehen, wie ich die Ladies umhaue."

"Na hoffentlich nicht!"

"Ha-ha."

"Gut, dann kann ich mich ja leger kleiden, das passt mir gut. Ich habe genau das Richtige, um euch Anfängern zu zeigen, was einen echten Charmeur ausmacht."

"Natürlich helfen junge Frauen alten Leuten gerne aus, aber das zählt nicht, Opa- AUA!" Ein Eiswürfel hatte den Blonden am Kopf getroffen. Duke pfiff vor sich hin. Grin grinste.

"Was genau ist eigentlich dein Plan, Dämon?"

"Na, wir checken die Lage und wenn ein heißer Feger kommt, gehen wir zum Angriff über."

"Das klingt ein wenig nach Mallory", erwiderte Duke.

Dive schwieg. Unbewusst verdüsterte sich wieder seine Miene. Duke sprach schnell weiter. "Und wie gedenkst du der Damenwelt zu imponieren? Lässt du den Athleten raushängen?"

"Nein, ich punkte durch meinen jugendlichen Witz und Charme. Dinge, die du vor laaaanger Zeit vielleicht auch mal hattest." Er grinste wieder.

"Und am Ende des Abends stellen wir fest, dass die ganzen Hühner auf unseren Muskelberg hier stehen."

Duke und Nosedive sahen zu Grin, der mit unbewegter Miene erwiderte: "Innere Stärke und Ausgeglichenheit haben ihre eigene Anziehungskraft. Eine Stärkere sogar als Jugend", er schaute zu Dive, "oder Selbstsicherheit", sein Blick ging zu Duke.

Zwei Eiswürfel trafen nacheinander Grins Kopf. Und alle drei fingen an zu lachen.

Wildwing überlegte. Er überlegte nun schon eine ganze Weile, war aber letztendlich noch immer zu keinem Entschluss gekommen. Was sollte er tun? Und was lassen?

Er hatte sich an diesem Morgen selbst überrascht. Hatte er wirklich die Gruppe überredet gemeinsam in einen Club zu gehen? Das war wieder einer dieser in letzter Zeit vermehrt auftretenden Impulse gewesen. Und noch bevor er darüber nachgedacht hatte, war er mit seinem Vorschlag herausgeplatzt. Auf der anderen Seite hatte er Recht gehabt, denn es war wirklich Ewigkeiten her, dass sie gemeinsam ausgegangen waren.

Mühsam versuchte er sich selbst davon zu überzeugen, dass dies seine einzige Motivation gewesen war. Aber er wusste es besser.

Er musste wieder an Mallory denken. Ihr Lächeln, ihre Augen, ihr Haar... Er brauchte sich wohl nichts vor zu machen, es hatte ihn erwischt. Aber was sollte er tun? Ratlos lies er sich auf sein Bett fallen.

Vielleicht sollte er sie zum tanzen auffordern. Ob sie ihn ablehnen würde? Momentan sicher nicht. Dieser Abend würde der Höhepunkt ihrer kleinen Farce sein. Aber was, wenn der Scherz sein Ende fand? Würde er sich wieder normal verhalten können? Würde er verbergen können, was er begonnen hatte zu fühlen?

Er hörte Canard zu sich sagen: "Denk nicht so viel nach, Wildwing. Hör auf deinen Instinkt. Im Zweifel kannst du dich darauf verlassen!"

Sein alter Kommilitone war immer selbstbewusst gewesen und hatte dementsprechenden Schlag bei den Frauen gehabt. Er wünschte, er könnte mit ihm darüber sprechen.

"Na, da hab ich mir ja etwas schönes eingebrockt."

Er würde sein Glück versuchen.. heute Abend.

...

"Auf keinen Fall!"

"Aber du siehst wirklich fantastisch darin aus!"

"Und ich sage trotzdem: Nie im Leben ziehe ich das heute Abend an!"

Tanya war knallrot angelaufen. Sie stand vorm Spiegel ihrer Umkleidekabine und starrte ungläubig auf das Stück Stoff, das sie kleidete. Sie sah erneut an sich herab und wiederholte noch einmal: "Auf keinen Fall! Das ist lächerlich. Das bin doch nicht ich!"

"Natürlich bist du das!" Die Rothaarige war nun hinter sie in die Kabine getreten und legte ihre Hände auf die Schultern der Zweifelnden. Über den Spiegel schaute sie Tanya ernst an.

"Du willst einfach nicht sehen, wie hübsch du bist. Das steht dir großartig. Alle werden sich nach dir umdrehen. Sei stolz darauf, wie du bist."

"Das bin ich", erwiderte die Blonde mit einem Kopfschütteln. "Aber was ich nicht bin, ist ...das hier." Ratlos sah sie wieder in den Spiegel.

"Red keinen Unsinn. Nur weil es dir ungewohnt ist, heißt das nicht, dass du es nicht tragen kannst. Hab nur etwas Mut. Wir gehen doch aus, um Spaß zu haben." Leger stelle sie sich neben Tanya, lehnte ihr rotes Haare an Tanyas blonden Schopf und sah verführerisch in den Spiegel.

"Heute Abend ist für uns Ladies Night. Wir werden die Jungs umhauen!"

Tanya betrachtete Mallory, die in dem Kleid, für welches sie sich letztendlich entschieden hatte, wirklich atemberaubend aussah und betrachtete dann erneut ihr eigenes.

"Meinst du?" Damit hatte sie verloren.

"Aber natürlich!" frohlockte ihre Freundin. "Abgemacht, der Fummel wird gekauft. Jetzt brauchen wir nur noch ein paar Accessoires, die passenden Schuhe und natürlich müssen wir uns noch frisieren."

Sie trat aus der Kabine und machte überschwänglich eine kleine Drehung. Mit funkelnden Augen sah sie Tanya an. "Ach Tan, ich habe so viel Spaß, wie schon lange nicht mehr."

Tanya sah sie zweifelnd an aber konnte sich nicht länger gegen ein Lächeln wehren. Mallorys Freude war einfach zu ansteckend.

"...Ich auch."

...

Die Frauen waren erst am Nachmittag zurückgekehrt. Mallory hatte nur kurz den Kopf in den Gemeinschaftsraum gestreckt und gerufen: "So Jungs, wir Mädels machen uns dann mal hübsch und wünschen bis heute Abend nicht gestört zu werden. Wir treffen uns um 9 Uhr vorm Club... Ach, und wir erwarte euch in euren besten Outfits!"

"Wollen wir nicht zusammen hingehen?" hatte Duke gefragt.

"Und euch die Überraschung verderben? Auf keinen Fall! Bis später!" Das letzte hatte sie fast geträllert.

Duke sah irritiert zu Grin und Nosedive. "Versteht ihr das?"

"Nein, aber sie scheinen sehr viel Spaß zu haben", erwiderte Grin lächelnd.

"Naja, Tanya sah etwas... mitgenommen aus." Er erinnerte sich an ein hochrotes Gesicht unter blondem Haar, dass hinter Mallory zu sehen gewesen war.

"Da bin ich ja mal sehr gespannt was sie uns heute Abend bieten, was Dive?"

Duke sah zum Angesprochenen, der keine Antwort gab. Dieser schaute noch immer zur Tür, die schon lange geschlossen war und lächelte gedankenverloren.

Duke grinste. Das würde ein interessanter Abend werden. Er hoffte nur, dass die seltsame Vorahnung, die an ihm nagte, sich nicht bewahrheiten würde.


Puh, geschafft. Dieses Kapitel hat es mir etwas schwer gemacht. Es ist wirklich schwierig, die Leute charaktertreu zu halten. (Nicht, dass ich es geschafft hätte. XD Aber zumindest habe ich es versucht!)

Nun steht also ein interessanter Abend an. Ich bin sehr gespannt, was passiert! (Paradox, ich weiß!)

Vielen lieben Dank noch an Cindy und 'Guest' für die netten Reviews. Das motiviert wirklich noch mal doppelt und dreifach! *strahl*

Ich kann nicht versprechen, dass ich täglich ein neues Kapitel hochlade (ich muss zwischendrin leider auch mal Geld verdienen und einen Haushalt schmeißen (oder ich sollte, haha)) aber so lange ich einen so guten "Flow" habe, werden die nächsten Kapitel nicht lang auf sich warten lassen.

Vielen Dank fürs Lesen!


Beta-Reader: Tojatic (Und nein, Mallory flirtet nicht schamlos mit Tanya, mein Lieber! XD)