Und nun geht es weiter:

Gerade erst eingeschlafen, so erschien es Harry, wurde er auch schon wieder von einer lauten Stimme geweckt.

„Aufwachen! He, Harry, mach die Augen auf, wir sind da!" Harry fühlte sich, als hätte er einen Hammerschlag auf den Kopf bekommen. Er öffnete langsam die Augen. Draußen war es noch stockdunkel. Ron stand vor ihm und sah streng auf ihn hinab.

„Wir müssen gleich raus, du kannst doch nicht ewig pennen. Sogar McGonagall kam schon vorbei und hat versucht, dir einen Gutenachtkuss aufzudrücken. Selbst ein Faultier wäre davon hellwach geworden. Und jetzt raus mit dir oder ich fange an dich mit Hermines Lippenstift anzumalen."

Harry murmelte etwas, was so viel wie „Willnooocchslaaafen" klang und kuschelte sich enger in den Sitz. Ron seufzte laut und holte hinter seinem Rücken einen großen knallroten Lippenstift hervor und hielt ihn Harry vor die müde blinzelnden Augen.

„Also, soll ich den hier wirklich an dir ausprobieren?"

Langsam rappelte sich Harry auf und erwiderte dann mit einem Grinsen.

„Das würde ich lieber nicht probieren. Soweit ich weiß war das ein Geschenk von Krumm zu Weihnachten letztes Jahr und du weißt, sie hat ihn nur einmal bisher benutzt. Sie liebt das Teil abgöttisch. Wenn ich nicht auf ihren lebenslangen Zorn aus wäre, dann würde ich diesen wertvollen Liebesbeweis lieber ganz schnell zur Seite legen, bevor sie etwas bemerkt."

Ron starrte den Lippenstift in seiner Hand ungläubig an und warf ihn fast wieder zu Hermines Sachen, als hätte er sich daran verbrannt. Harry war jetzt jedoch vollkommen wach und stand auf.

Stens Kopf tauchte am Rand der Treppe auf.

„Habtehr alle eure Sach'n? Wir sin nämlisch da."

Sie griffen ihre Koffer von den Gepäckablagen und fingen an sie aus dem Bus zu hieven. Kurz fragte sich Harry, wo Malfoy, Crabbe und Goyle wohl waren, aber er verscheuchte diesen Gedanken schnell wieder, als Professor McGonagall auftauchte und noch während sie sprach, ihn mit merkwürdig blitzenden Augen ansah. Harry seufzte still.

„Also, draußen steht für jede Gruppe ein Portschlüssel bereit, der euch zu euren Behausungen bringen wird. Eure Betreuer werden sich euch dann innerhalb des nächsten Morgens vorstellen. Falls ihr irgendwelche Probleme oder Fragen habt, könnt ihr euch an sie wenden. Liebesbriefe könnt ihr aber auch direkt bei mir abgeben, ich freue mich immer über kleine Aufmerksamkeiten."

Sie lächelte sie alle mit breitem Lächeln an und Hermine beugte sich leicht zu Harry und Ron vor.

„Ich hoffe, der Urlaub wird ihr gut tun. Sie scheint ein wenig Erholung bitter nötig zu haben."

Die beiden nickten nur zustimmend. Dann traten sie zu einer großen Kiste mit unterschiedlichsten Dingen, um die sich auch schon einige andere gescharrt hatten. Harry sah sich noch einmal nach Malfoy um. Wo war der Typ bloß? Wenn er nicht sofort auftauchte, würde er wohl alleine nach Hause latschen müssen und Harry wäre schon mit dem Schlüssel zu Hause und hatte sich eine heiße Tasse Kakao aufgesetzt.

Er entdeckte unter der Puppe eines großen Kaspers mit dem Schildchen „Nott & Abott", einen länglichen Gegenstand, der wie eine Miniaturangel aussah, an deren Spitze eine Fahne hing, auf der es „Malfoy & Potter" in großen roten Buchstaben hieß. Na endlich. Musste der Idiot eben zusehen, wie er zu ihrer Wohnung kam, er, Harry wartete jedenfalls nicht länger.

Er hob seine Hand und griff zielgerichtet in die Kiste, genau als er noch eine andere Hand zupacken spürte. Wütend drehte er sich zur Seite um den Kerl anzusehen, der sich an seinem Portschlüssel vergriff (ähehehehe), doch bevor er Malfoy auch nur eine giftige Bemerkung zuzischen konnte, spürte er, wie er durch ein reißendes Gefühl hinter seinem Nabel nach hinten gerissen wurde und die Welt um ihn herum verschwand.

Sie landeten genau auf dem Bett eines großen hellen Zimmers, durch dessen Fenster der erste Schein der Morgenröte herauf in den Raum stieg und alles in helle, rote Pastelltöne zu kleiden schien. Sie atmeten eine Weile schwer bis schließlich Harry bemerkte, dass sie beide noch immer die Angel umklammert hielten. Harry zog daran doch sie bewegte sich kein Stück unter dem eisernen Griff Dracos.

„Lass los," quetschte eben dieser unter zusammen gebissenen Zähnen hindurch.

„Lass sie doch selber los! Blödmann," erwiderte Harry genauso gepresst. „Willst du Prügel oder was du Idiot?"

Sie starrten sich einen Augenblick an und begannen dann beide im gleichen Moment an der Angel zu ziehen. Mit einem lauten Knacks gab die Angel der Wut der beiden nach und beide wurden von ihrer eigenen Kraft vom Bett herunter geschleudert.

Schmerzvoll landete Harry auf seinem Hinterkopf. Er setzte sich langsam auf und sah sich nach Malfoy um. Der kam langsam am anderen Ende des Bettes hervor.

„Na super! Jetzt hast du sie zerbrochen! Potter, du Vollidiot."

„Was? Ich! Wer wollte denn seine Hände nicht von der Angel lassen?"

„Ach, aber du ganz bestimmt." gab Malfoy provozierend hervor und warf Harry mit einer lässigen Bewegung den Zerbrochenen Stock an den Kopf.

„Malfoy, du bist ein Arsch."

Dann ging Harry Malfoy ignorierend zu seinem Koffer hinüber, der schon an der Wand lehnte und begann seine Sachen auszupacken. Mit dem festen Vorsatz, sich von diesem Idioten von einem Malfoy nicht aus der Ruhe bringen zu lassen.

„Ach und du bist ein Hosenscheißer, Potter," gab Malfoy zurück, während er sich die Einrichtung ansah.

Der Raum war edel, anders konnte man es nicht sagen. Große schwere, weinrote Vorhänge aus Satin hingen vor dem Fenster, das den Blick auf einen prächtigen Stadtpark freigab. Ein dunkler Wandschrank stand auf der gegenüberliegenden Seite und zwei große doppelflügige Türen führten in die angrenzenden Räume. An der Wand, genau in der Mitte des Zimmers stand ein riesiges Himmelbett, sechspolstrig, wenn es so etwas überhaupt geben konnte und einer samtweichen, blütenweißen Bettdecke.

Auch Harry sah sich fasziniert um. Selbst Hogwarts' Zimmer waren kaum mit dem hier zu vergleichen.

„Wenigstens lässt es sich hier aushalten." gab Malfoy von sich.

Harry hatte derweil schon die beiden großen Flügeltüren geöffnet und tigerte durch das „Appartement". Er stieß auf einen kurzen Flur, der in ein großes, luxuriös eingerichtetes Badezimmer führte. Gleich daneben gab es ein Zimmer, das Harry an das Wohnzimmer in Onkel Vernons und Tante Petunias Haus erinnerte. Neben einem alten Großvaterstuhl gab es sogar noch einen Fernseher.

Die Küche war ordentlich und es gab sogar eine Terrasse auf der man essen konnte. Hoffentlich nur konnte Malfoy kochen, denn obwohl er, Harry, oft für die Dursleys im Haushalt hatte schuften müssen, waren seine Kochkünste eher begrenzt, um es mal milde auszudrücken. Das einzige, das er ohne fremde Hilfe zustande bekam, waren Spiegeleier und Toast, aber einen Monat lang sich nur davon zu ernähren, würde wohl sehr schmerzhaft werden. Und auf Instand hatte Harry erst recht keine Lust.

So versunken in seinen Gedanken schreckte Harry hoch, als er einen lauten, erschrockenen Schrei aus dem offensichtlichen Schlafzimmer kommen hörte. Er rannte zu einer der großen schweren Flügeltüren und riss sie auf. Draco stand mitten im Zimmer und starrte wie gelähmt auf das große Bett in der Mitte.

„Was ist denn los? Was siehst du," fragte Harry ihn aufgeregt und schüttelte Malfoys Schultern.

Der antwortete nicht und Harry packte ihn noch etwas fester. Malfoy schrie kurz auf und schüttelte ihn ab. Dann drehte er sich wütend zu Harry um.

„Danke, dass du mir nicht die Schulterblätter zertrümmert hast," meinte er sarkastisch.

„Was kann ich dafür, wenn du mir nicht antwortest. Und jetzt sag mir endlich, warum du geschrieen hast," fragte Harry nur kühl zurück.

Malfoy verzog das Gesicht, sagte aber nichts weiteres. Statt dessen zeigte er auf das Bett.

„Schau dir das mal an und dann sag mir was du siehst."

Harry sah erstaunt auf das Bett, doch es schien ganz OK zu sein. Es war weder schmutzig, noch liefen darauf Tierchen jedweder Art herum, noch konnte er auch nur einen Zipfel von Rons Socken irgendwo ausmachen (manchmal vergaß er sie in irgendwelchen Ritzen und nach zwei bis drei Wochen bemerkte man sie dann an Hand ihres einzigartigen Eau-de-Toilette-Geruches im ganzen Schlafsaal), noch irgend etwas anderes, was Malfoy an dem Bett nicht hätte gefallen sollen.

„Da ist nichts."

„Sieh mal genauer hin. Vielleicht bemerkst du Spatzenhirn dann endlich etwas."

Angemufft lehnte sich Harry noch weiter nach vorn, doch selbst dann konnte er nichts bemerken.

„Was soll denn da sein? Ich glaub' langsam fängst du an zu halluzinieren. Das ist nur ein ganz normales Bett."

Malfoy schien sich in diesem Moment die Haare ausreißen zu wollen. Er schrie fast als er Harry am Kragen packte und zum Bett schleifte.

„Grade das ist es ja du Vollidiot. Es. Ist. Nur. EIN. Bett! Es sind nicht zwei getrennte Betten, nein EINS! NUR EINES! Oder hast du hier irgendwo noch ein anderes rumstehen sehen?"

Stimmt, jetzt da Malfoy es erwähnte, wie sollten sie hier schlafen? Es gab nur ein Bett, wenn auch ein sehr großes. Und langsam dämmerte Harry noch etwas. Blitzschnell drehte er sich zu Malfoy um.

„Ich werde auf keinen Fall mit dir in einem Bett schlafen!"

„Denkst du ich hab große Lust dazu?"

Sie starrten sich nur eine Weile an. Doch Malfoy fing schon wieder an zu sprechen.

„Du schläfst auf dem Boden! Ich brauche das Bett."

„Was? Wieso Ich?"

Malfoy sah ihn eindringlich an und schubste ihn dann mit ausgestrecktem Finger auf Harrys Brust gerichtet nach hinten. „Weil. Ich. Keine. Lust. Habe. Einen. Monat. Lang. Auf. Einem. Staubigen. Schlafzimmerboden. Zu. Pennen."

Harry spürte wie seine Füße gegen die Querseite des Bettes schlugen. Er schaute kurz hinter sich und dann wieder zu Malfoy um.

„Kapiert?" fragte dieser bedrohlich und schubste ihn noch mal nach hinten.

Harry spürte wie er nach hinten wegkippte und krallte sich ihn Malfoys T-Shirt fest. Der wurde mit Harry nach hinten gerissen und gemeinsam landeten sie unsanft auf dem weichen Bett.

Von der Wucht des Aufpralls spürte Malfoy wie sein Kopf nach vorne gezogen wurde. Seine beiden Arme schnappten nach vorne zur Seite um ihn abzufedern. Er stoppte und spürte wie ihn etwas Weiches auffing. Er versuchte sich sofort wieder hochzustemmen, doch das weiche Material unter ihm gab einfach nach und er sank zurück. Eigentlich war es ganz angenehm so zu liegen, dachte er und öffnete nach dem Sturz erst einmal langsam wieder die Augen. Er stoppte mitten in der Bewegung und starrte in smaragdgrüne Augen vor sich. Und smaragdgrün starrte in grau zurück.

Oh mein Gott, wie war er nur in diese Situation gekommen. Malfoy kniete eine Nasenlänge vor ihm und starrte ihn aus großen grauen Augen an. Hübsche große graue Augen, wenn man so etwas behaupten durfte. Harry spürte wie er rot wurde.

Im Zimmer war es totenstill. Man hätte eine Feder zu Boden sinken hören können, wenn es hier eine Feder gegeben hätte. Aber so war es einfach nur totenstill.

Oh scheiße, was starrt mich dieser Idiot so unschuldig an, kann er nicht wenigstens was sagen. Komm schon, sag was, irgendwas. Komm starr mich nicht so smaragdgrün an. Schreie, oder hau mir eine runter, aber mach was. Verdammt, dann mach' wenigstens den Mund zu. Das kannst du mir doch nicht einfach antun. Mist... zu süß...

er ist total rot... zum küssen...

Langsam beugte sich Draco vor, er wusste nicht mehr was mit ihm los war. Nur noch ein 1Millimeter trennte ihn von diesen süßen Lippen. Langsam...

„TADAAAAAAA!"

Die Tür wurde mit einem lauten Knall aufgeschmissen. Die Köpfe von Harry und Malfoy drehten sich blitzschnell zu der Person, die sie jetzt aus dem Türrahmen heraus angrinste.

„Oh... ähm.. ich wollte euch nicht stören. Ja? Ähm... nun... ich warte dann lieber mal in der Küche auf euch. Lasst euch von mir... mal nicht... stören."

Und damit brauste die junge Frau ab in den Flur. Harry und Malfoy sahen sich erstaunt an... und schreckten zurück. Jeweils ans andere Ende des Bettes. Beide waren knallrot im Gesicht und keuchten schwer. Harry starrte Draco an.

„Du wolltest mich küssen, oder nicht?"

Der wurde noch roter und brüllte von der anderen Seite zurück.

„Natürlich nicht. Warum sollte ich DICH KÜSSEN wollen?"

„Weiß ich doch nicht, aber du wolltest trotzdem," Gab Harry zurück...

Nach einer weiteren halben Stunde saßen die beiden schließlich mit der jungen Frau bei einer dampfenden Tasse Tee in der Küche.

„Also, bevor einer von euch beiden jetzt noch ein was sagt, werde ich mich erst mal vorstellen. Ich bin Conny und ich bin eure Aufseherin für die nächsten paar Wochen hier in Lawney. Erfreut euch zu treffen."

tbc.


So das war es jetzt erst einmal wieder, ich danke allen, die sich trotz der langen Wartezeit meine Story weiterhin zu Gemüte geführt haben und hoffe, dass sie euch irgendwie gefallen hat. Ich versuche mich beim nächsten Chap ein wenig ranzuhalten. Und Conny werd ich dann auch noch mal richtig vorstellen. Ich mag diesen Chara. Ich wollte so jemanden vom ersten Moment an mit reinnehmen.

Gruß An:

Ralna: danke für deine suppi Betaarbeit

Und vielen lieben Dank für die netten Reviews

Bis bald

yari