So dann mach ich mal weiter, obwohl ich nicht weiß ob es hier überhaupt jemanden gibt der das liest. Falls doch dann wünsche ich weiterhin viel Spaß und bitte hinterlasst mir doch ein kurzes Review, damit ich weiß ob es sich überhaupt lohnt eine Fortsetzung zu posten. (In case there are readers from other countries, you can also write a comment in your language. I will find a translator ;) .)


03. The Red Face

Als Patrick wieder zu sich kam bemerkte er sofort, dass er woanders war. In der Luft hing der beißende Geruch von Desinfektionsmitteln. Die Stimmen und das geschäftige Treiben um ihn hallten von den kalten schmucklosen Wänden wider. Und die gleißende Helligkeit der Neonröhren, die an der hohen Decke hingen, brannte schmerzhaft in seinen Augen, als er diese blinzelnd öffnete.

Nachdem sich sein Blickfeld geklärt hatte stellte er fest, dass er sich in der Notaufnahme befand. In einem separaten Behandlungsraum. Er lag ausgestreckt auf einer Liege. Man hatte ihm bereits eines dieser schrecklichen Krankenhaushemden übergezogen, die am Rücken offen waren. Unmittelbar neben ihm stand noch der Instrumentenwagen. Blutige Tupfer und Mullkompressen lagen in einer Nierenschale, zusammen mit abgeschnittenen Resten des schwarzen Nähmaterials. Erst jetzt wurde ihm bewusst, dass der Schmerz oberhalb seiner rechten Hüfte einem dumpfen tauben Pulsieren gewichen war. Örtliche Betäubung schloss er daraus. Er wand sich zur anderen Seite und sah Lisbon in der offenen Tür stehen, wie sie sich flüsternd mit einer Ärztin unterhielt. Zweifelsohne arrangierte sie gerade seine weitere Betreuung hier vor Ort. Das musste er unbedingt verhindern. Mal davon abgesehen, dass er Krankenhäuser verabscheute, weil sie ihn an seinen Zusammenbruch vor acht Jahren erinnerten, hatte er auch nicht die Zeit für einen längeren Aufenthalt in diesen Gefilden. Er musste herausfinden was es mit der Botschaft auf sich hatte, die ihm dieser tätliche Angriff auf ihn übermitteln sollte.

„Ich dachte, ich könnte Ihnen vertrauen", rief er Lisbon deshalb zu. Das war zwar etwas dramatisch, aber es garantierte ihm ihre sofortige und ungeteilte Aufmerksamkeit. Die Agentin bat die Ärztin einen Moment zu warten und kam dann zu ihm.

„Ich musste das tun", rechtfertigte sie sich. Ihr Gesicht zeigte Spuren von ernst gemeinter Reue, weil sie gegen seinen Willen gehandelt hatte. Gleichzeitig strahlte es aber auch die Überzeugung aus, dass sie das Richtige getan hatte. Zu seinem Schutz.

„Sie haben sich Sorgen gemacht", teilte er ihr seine Beobachtung mit.

„Ich wollte nur nicht Ihre Leiche am Hals haben", bestritt sie es jedoch, obwohl ihr klar sein musste, dass sie ihn unmöglich belügen konnte.

„Autsch, das war gemein." Er sah sie kurz gespielt betroffen an. Dann setzte er sich auf und schwang die Beine über die Bettkante. „Und jetzt bringen Sie mich zurück ins Büro."

„Was? Nein. Die Ärzte haben Ihnen strikte Bettruhe verordnet", wiederholte sie bestürzt die Anweisung der Medizinerin, die unweit hinter Lisbon stand.

„Bett. Couch. Wo ist da der Unterschied? Ich kann genauso gut in der Zentrale rumliegen", wurde er jetzt fordernder. Es war wichtig, dass er dorthin zurückkehrte. Innerhalb dieser trostlosen weißen Mauern konnte er nicht nachdenken. Sie engten ihn ein. Und es war unbedingt notwendig, dass er sich voll auf seine Sinne und seine Beobachtungs- und Auffassungsgabe verlassen konnte.

„Sagen Sie mir lieber wer Ihnen das angetan hat", ging Lisbon nicht darauf ein und stellte die Frage, die sie bis jetzt hatte zurückhalten müssen. Die ihr aber, seit sie erkannt hatte, dass er angegriffen worden war, die ganze Zeit über auf der Stirn geschrieben stand.

„Wenn Sie mich zurück ins Büro bringen, dann erzähl ich´s Ihnen", versprach er und sah sich nach seinem Hemd um, damit er nicht im Nachthemd durch die Stadt fahren musste. Er fand das blutgetränkte Kleidungsstück zerschnitten auf dem Fußboden neben der Liege. Auch wenn es völlig unbrauchbar schien, machte er Anstalten es aufzuheben.

Lisbon stoppte ihn mit erhobener Hand, ihre Fingerspitzen berührten seine Brust. „Darüber werden wir nicht verhandeln."

Abweisend schob er ihre Hand beiseite. „Gut. Dann können wir ja gehen."

„Nein!" Ihre Entschlossenheit blieb weiterhin standhaft.

„Wenn Sie mich nicht fahren, finde ich jemand anderen." Völlig ruhig und unbeeindruckt von ihrer strikten Gegenwehr, setzte er darauf, dass Lisbon verstand, dass er über die nötigen Mittel und Fähigkeiten verfügte, um von hier wegzukommen. Bisher hatte er es noch immer geschafft eine Mitfahrgelegenheit zu finden. Beispielsweise konnte er die tablettensüchtige Krankenschwester draußen auf dem Flur davon überzeugen, dass sie ihm half zurück ins Dezernat zu gelangen, wenn sie nicht wollte, dass er ihrem Boss verriet, dass sie für die Fehlmengen im Vorratsschrank verantwortlich war.

Für einen Moment lieferten sie sich ein stummes Blickduell, bis Teresa klar wurde, dass ihr kaum eine andere Wahl blieb. Ergeben seufzte sie. „Na schön. Auch wenn ich das mit Sicherheit bereuen werde."

Patrick grinste schelmisch über seinen Triumph und rutschte dann von der Liege. Er schwankte kurz wegen der ruckartigen Bewegung, die sein geschwächter Kreislauf so schnell nicht verarbeiten konnte. Intuitiv griff Teresa nach seinem Arm, während er den Schwindel wegblinzelte.

„Alles gut", versicherte er und sie ließ ihn los. „Würden Sie mir Ihre Jacke leihen?"

Entnervt verdrehte Lisbon die Augen und verließ kopfschüttelnd den Raum.

„Lisbon?"


Zurück in der CBI-Zentrale hinderte Lisbon ihn allerdings daran zu seiner braunen Ledercouch zu schlurfen. Stattdessen zog sie ihn am Durchgang zum Großraumbüro vorbei und zwang ihn ihr in ihr Teamleiter-Büro zu folgen. Schwerfällig ließ er sich dort auf dem cremefarbenen Stoff ihres Sofas nieder, das er ihr einst ungefragt gekauft hatte. Allmählich verlor das Narkosemittel seine Wirkung. Das Brennen des Desinfektionsmittels in der Wunde, das Ziehen des genähten Schnitts und das Ziepen der Pflaster auf seiner Haut nahm er nun deutlicher wahr. Sofort umringte ihn auch der Rest der Sonderermittlungseinheit.

„Also gut, nun erzählen Sie uns endlich was passiert ist! Damit ich eine Fahndung rausgeben kann." Lisbon lehnte sich mit verschränkten Armen gegen den Tisch, der dem Sofa am nächsten stand. Alle zusammen sahen sie ihn gespannt an.

„Grace? Würden Sie mir einen Tee machen?", wand er sich zuerst an das jüngste Mitglied der Mannschaft. Eine frisch aufgebrühte Tasse seines Lieblingsgetränks würde ihm helfen, bei dem was er gleich aussprechen musste.

„Jane", mahnte in Teresa ungeduldig, entließ Van Pelt jedoch mit einem knappen Nicken in die Küche. Eigentlich hatte er auch noch Agent Cho darum bitten wollen ihm ein frisches Hemd aus seinem Spind zu holen, da er sich in dem geliehenen schwarzen Sweatshirt irgendwie deplatziert fühlte, verzichtete aber nun darauf.

„Raus mit der Sprache. Wer hat Sie angegriffen?" Lisbons Stimme wurde nun fordernder. Sie hatte genug von seiner Geheimnistuerei.

„ER", platzte es schließlich aus ihm heraus. Patrick bohrte seinen Blick förmlich in ihren, um ihr zu suggerieren wen er meinte. Wessen er sich so sicher war. Die einzig mögliche Schlussfolgerung.

„Er?", wiederholten alle drei Anwesenden ahnungslos im Chor. Dann grub sich schlagartig Erkenntnis in ihre Gesichtszüge.

„Sie meinen, Red John hat sie angegriffen?", sprach Rigsby als Erster seine Vermutung aus. Hinter ihm betrat Grace mit einem blauen Teegedeck den Raum.

„Wie können Sie sich da so sicher sein?", fragte sie ihn und reichte ihm das Gefäß mit der dampfenden Flüssigkeit. Dankbar nahm er einen Schluck.

„Genau. Da draußen gibt es mindestens ein Dutzend Leute, die Sie noch provoziert haben", warf Cho ein.

„Mag sein. Aber die Wenigsten hinterlassen eine rote Fratze am Tatort", nahm Patrick ihm prompt den Wind aus den Segeln.

„Wo hat er sie hinterlassen?", wollte Lisbon sofort wissen.

„An meinem Wagen."

„Verdammt. Warum haben Sie uns das denn nicht gleich gesagt?", verärgert funkelte sie ihn mit ihren grünen Augen an. Warum? Das war leicht. Red John gehörte ihm. Er wollte es sein, der ihn zur Strecke brachte. Der grausam an ihm Rache nahm. Je mehr von dieser neuen Spur wussten - zumal diese speziell ihm zugespielt worden war - desto größer war die Wahrscheinlichkeit, dass jemand versuchte ihn von seinem Vorhaben abzubringen oder ganz und gar verletzt wurde. Allen voran Lisbon und ihr Team. Das war auch der Grund, warum er ihnen lieber hatte nichts sagen wollen. Leider war er nun auf ihre Hilfe angewiesen. Und das war vermutlich sogar beabsichtigt. ER wollte, dass sie dabei waren und ihn daran hinderten das Rätsel im Alleingang zu lösen. Wozu, das galt es noch herauszufinden.

„Und Sie haben ihn nicht kommen sehen? Ihnen entgeht doch sonst nichts." Mit dieser Feststellung verhinderte Grace glücklicherweise, dass er diese Überlegung aussprechen musste. Sie wirkte sichtlich verwundert. Immerhin war sie die Einzige im Team, die noch am ehesten daran glaubte, dass er übersinnliche Fähigkeiten besaß. Dass er nicht daran gedacht hatte, dass sich der Täter womöglich noch in der Nähe befand um seine Reaktion zu beobachten, konnte sie nicht glauben.

„Ich war abgelenkt", gab er betrübt zu. Die gesamte Einheit sah ihn misstrauisch an. Sie erkannten sofort, dass etwas vorgefallen sein musste, dass ihn in eine wahre Schockstarre hatte fallen lassen. Etwas, das ihn so aus der Bahn geworfen hatte, dass er nicht einmal realisierte wie ihm ein Messer in den Rücken gerammt wurde. Die Sekunde, als er das blutrote Smiley auf der Heckscheibe seines Citroën erkannt hatte, war mit einem Mal so lang wie jene Nacht gewesen, als er die Botschaft von Red John an seiner Schlafzimmertür vorgefunden hatte. Allerdings war es nicht das unverwechselbare Zeichen allein, was dazu geführt hatte, dass ihm die Welt um ihn herum entglitt. Kraftlos angelte Patrick nach seiner Jacke, die nach wie vor über der Rückenlehne der Couch hing. Mit fahrigen Fingern zog er nun die Fotografie aus der Brusttasche, die unter dem verlaufenen Gesicht hinter seinem Heckscheibenwischer geklemmt hatte. Das Bild war von seinem Blut ganz verschmiert. Red John´s Erkennungsmerkmal stach dennoch deutlich hervor. Daneben, nicht ganz so klar zu erkennen, das schrecklich vertraute Bild einer brutal ermordeten Frau. Mit zittriger Hand reichte er das Beweisstück Lisbon.

„Er hat wieder zugeschlagen." Es war mehr eine unsichere Frage als eine Feststellung. Ihre Stimme bebte dabei kaum merklich. Aber ihm entging es nicht. Sie hatte offenkundig Angst, dass es wahr sein könnte.

„Nein. Das ist kein neues Opfer", antwortete Patrick tonlos. „Das auf dem Foto ist meine Frau."