Nachdem Tai, Kai und ich aufgeräumt hatten, hatte ich ihnen alles über die Digiwelt und unsere Abenteuer erzählt und die beiden waren fasziniert. Nachdem ich ihnen ihre Digivices gezeigt hatte, haben sie mir meine Geschichte geglaubt. Nun überlegten wir, wie wir weiter vorgehen sollten.

„Am besten treffen wir uns mit den anderen und Mimi erzählt ihnen alles, dann können wir ja versuchen heraus zu finden, was passiert ist und warum wir uns nicht erinnern können", schlug Kari vor. „Auch wenn uns wahrscheinlich keiner glauben wird."

„Wir müssen es versuchen!", sagte ich. „Auf jeden Fall sollten wir uns aufteilen. Jeder von uns übernimmt ein bis zwei der anderen und bringt sie dazu, dass sie sich mit uns treffen, dann sehen wir weiter."

Die beiden nickten synchron. „Aber nur solange ich nicht zu Ishida muss", stellte Tai klar.

Seine Schwester nickte und sagte: „Dann rede ich mit ihm, ich wollte sowieso zu TK, dann passt das ja."

Gut, TK und Matt waren also weg und wenn ich mit meiner Vermutung richtig lag und TK in Kari verknallt war, würde er sicher kommen. Um Matt machte ich mir da mehr Sorgen, denn er war nicht nur ein Einzelgänger und konnte weder Tai noch seinen kleine Schwester ausstehen, sondern war auch noch ein sehr misstrauischer Mensch. Es wird schwer sein, ihn zu überzeugen. „Geht klar, aber am besten sagst du nicht, dass Tai kommt, sonst schmeißt er dich hochkant aus der Wohnung."

Tai fragte ungläubig: „Und ich bin wirklich mit diesem Idioten befreundet? Beste Freunde? Niemals, er hasst mich und glaub mir, das beruht auf Gegenseitigkeit."

„Doch, am Anfang hattet ihr euch immer in den Haaren, aber irgendwann seid ihr dann Freunde geworden. Gute Freunde."

Tai stöhnte auf. „Na klasse." Er nahm sein Digivice, das auf dem Tisch lag und drehte es in der Hand. „Ich kann das immer noch nicht glauben, das ist echt zu abgefahren."

„Aber es ist wahr!", versicherte ich.

„Ich glaube dir ja schon, denn was du uns von dieser Digiwelt erzählt hast, klang logisch und kein Mensch kann so eine Geschichte mal kurz erfinden. Außerdem hatten wir diese Digivices, von denen du geredet hast und das beweist deine Geschichte. Ich meine nur, dass die Geschichte für die anderen unglaublich klingt. Ich selbst habe dich am Anfang für verrückt gehalten."

„Danke", meinte ich gespielt beleidigt und drehte mich weg, obwohl ich ihn verstehen konnte. Ich hätte mir an seiner auch nicht geglaubt.

„Was Tai sagen will", fuhr Kari fort, „ist, dass die anderen keinen Grund haben uns zu glauben."

„Ja, aber wir müssen es versuchen. Wenn wir wenigstens ein paar von den anderen auftreiben können, reicht das schon. Dann können wir versuchen, heraus zu finden, warum ihn euch nicht mehr erinnern könnt." Ich dachte nach. „Ich werde auf jeden Fall zu Sora gehen, sie ist immerhin meine beste Freundin."

„Gut, also geht Kari zu TK und Yamato und Mimi zu Sora, also versuche ich mein Glück bei Izzy und Joe."

„Okay, sagt ihnen, dass wir und treffen um zwei Uhr hier bei euch treffen, einverstanden?"

Die beiden nickten und wir machten uns auf den Weg.

Ich zitterte, als meine Finger die Klingel mit dem Namensschild ‚Takenouchi' berührte. Was würde Sora sagen? Würde sie mir glauben, oder zumindest zu dem Treffen kommen? Oder würde sie mich für verrückt halten und mich aus dem Haus schmeißen?

Ich drückte auf die Klingel und konnte kurz darauf Schritte in der Wohnung hören, dann öffnete Sora Mutter die Tür. „Nanu, Mimi was machst du denn hier?", fragte sie überrascht.

„Hall Frau Takenouchi", begrüßte ich sie höflich. „Ich verbringe meine Ferien hier in Japan und wollte meine beste Freundin mal wieder besuchen."

Frau Takenouchi ließ mich rein und schloss die Tür hinter mir. „Du weißt ja noch, wo Soras Zimmer ist, oder?"

Ich nickte und ging die Treppe nach oben zu Soras Zimmer. Vorsichtig klopfte ich und trat ein, als Sora ‚Herein' rief.

„Überraschung!" Ich fiel meiner besten Freundin um den Hals, die mich nur verdattert anschaute.

„Mimi? Was machst du denn hier?"

Ich ließ sie los und grinste sie an. „Ich verbringe meine Ferien hier in Japan und habe mir gedacht, ich besuche meine beste Freundin mal wieder."

Sora schaute mich mit leuchtenden Augen an. „Erzähl!", forderte sie. „Ich will alles wissen, was du in den USA gemacht hast."

Die nächsten eineinhalb Stunden erzählten wir uns gegenseitig, was wir in den letzten beiden Jahren alles gemacht hatten. So erfuhr ich zum Beispiel, dass Sora mittlerweile mit Matt zusammen war und ich freute mich für die beiden. Ich erzählte Sora alles von meinen Freunden in den USA und den vielen Jungs, die mir hinterher geschaut hatten.

Sora schaute mich nur viel sagend an. Sie wusste, dass mein Herz nur einem gehörte, auch wenn ich es mir selbst noch nicht eingestehen wollte.

„Hey Mimi, was ist los?", fragte Sora besorgt, als ich schon zum fünften Mal aus dem Fenster schaute.

Ertappt zuckte ich zusammen. „Nicht, ich dachte nur, jemand beobachtet uns vom Fenster aus."

Sora schmunzelte. „Seit wann bist du so paranoid? Außerdem sind wir hier im ersten Stock, da ist es schwierig sich vors Fenster zu hocken um uns zu belauschen."

„Schon klar, aber ich habe auch nicht von Menschen geredet."

Nun prustete Sora los. „Du glaubst also, wir werden von Vögeln ausspioniert?", kicherte sie.

Ich verdrehte die Augen. „Nein, verdammt, ich rede von einem Digimon."

Sora runzelte die Stirn. „Was ist ein ‚Digimon'?"

Erst schaute ich sie irritiert an, dann fiel mir wieder ein, dass sie sich ja wie alle anderen nicht erinnern konnte. Das war mir bei unserem Gespräch entfallen.

Also fing ich heute zum zweiten Mal an, unsere Geschichte über die Digiwelt zu erzählen. Ich sagte ihr alles, was ich auch Tai und Kari erzählt hatte.

Als ich geendet hatte, schaute Sora mich mit großen Augen an. „Das-das ist ein Witz", hauchte sie. „Das kann doch nicht wahr sein!" Sie schüttelte immer wieder ungläubig den Kopf.

„Doch, es ist wahr", widersprach ich. „Wir wissen zwar noch nicht, warum ihr euch nicht mehr erinnern können, aber deswegen wollen wir uns treffen; um genau das herauszufinden. Bitte, du musst mir glauben!"

Meine Freundin schüttelte fassungslos den Kopf. „Das Ganze ist echt zu verrückt." Sie ließ sich auf ihr Bett fallen.

„Heißt das du kommst nicht zu den Treffen?", fragte ich und schaute sie an. In ihren Augen konnte ich sehen, dass sie mir nicht glaubte und meine Hoffnung schwand. Etwas enttäuscht senkte ich den Blick. „Ich verstehe", murmelte ich.

Sora lächelte mich an. „Okay, ich komme zu dem Treffen. Wir werden schon eine Lösung finden", versprach sie und obwohl ich genau wusste, dass sie nur mitkommen wollte um mich nicht zu enttäuschen, freute ich mich.

„Danke." Ich umarmte sie. „Wir treffen uns dann morgen um zwei Uhr bei Tai und Kari, bis dann." Ich verabschiedete mich und machte mich auf den Weg zu den Yagamis um mich mit Kari und Tai abzusprechen.

Leises Flügelschlagen ertönte und hallte an den Wänden der großen, runden Halle ab. Ein kleines, fledermausähnliches Digimon flog in die Mitte des Raumes und landete. Es verneigte sich vor der schattenhaften Person, die vor ihr auf einem Thron saß.

„Herrin, ich habe das Mädchen wie befohlen beobachtet. Sie versucht anscheinend, die anderen Digiritter zusammen zu trommeln und ihnen ihre Erinnerungen wieder zu geben."

Die Person auf dem Thron öffnete den Mund und ein schauriges Lachen erklang. „Da wird sie sich die Zähne ausbeißen! Und dass alles ohne entdeckt zu werden, richtig?"

Das kleine Digimon schaute beschämt zu Boden. „Was das angeht …", begann es, „befürchte ich, dass das Mädchen mich entdeckt hat."

Die Person stöhnte auf. „Nicht kriegst du auf die Reihe. Erst vergisst du, auch ihre Erinnerungen zu löschen und jetzt lässt du auch noch zu, dass sie dich sieht!" Die Person seufzte und verscheuchte das Digimon. „Na wartet, Mädchen. Du hast keine Chance gegen meinen Zauber!"