Kapitel 3

Das Foto, das auf das Board geklatscht wurde, zeigte einen Mann in seinen Mittdreißigern, gelocktes braunes Haar, das über seine Stirn fiel und mit einem jungenhaften Lachen, das ihn weit jünger als seine 34 Jahre wirken ließ.

Er war ein Fond-Verwalter gewesen, der in sechs Monaten mehr verdiente als Kate in zwei Jahren. Nur noch drei Monate waren es bis zur High-Society Hochzeit mit Juliana Parks, der einzigen Tochter des Immobilienmaklers Kenneth Parks, gewesen.

Und jetzt war Levi tot, von hinten erstochen von einem unbekannten Angreifer. Seine Verlobte, Schwester und Eltern waren von dem Verlust völlig zerstört.

Kate wusste das, weil sie jedem persönlich die Nachricht von Levis Tod überbracht hatte. Sie hörte zu, wie seine Mutter am Telefon in South Carolina geschluchzt hatte und sah seine Verlobte mitten im Wohnzimmer des Sandsteinhauses, das sie gemeinsam renoviert hatten, zusammenbrechen.

Über ein Jahrzehnt in der Mordkommission und es wurde nie einfacher das Leben von jemandem mit der Nachricht, sie hätten einen geliebten Menschen verloren, zu zerstören.

Mit einem Seufzer fügte Kate ein zweites Foto am Board hinzu, dieses von weiter weg aufgenommen. Es war verpixelt, da es von der ursprünglichen Smartphone-Version vergrößert worden war. Es war kurz nach Mitternacht von einer Gruppe Jugendlichen gemacht worden, die den Clown entdeckten, als er auf den Stufen von Grants Grabstätte herumlungerte und ihn als verdächtige Person meldeten. Obwohl die Polizisten keinen Clown vorfanden, stolperten sie jedoch drei Straßen nördlich von der Grabstätte entfernt, über Levis Leiche.

Es war noch nicht sicher, dass der gleiche Clown der Täter wie bei Olivia Fabre war, aber jahrelange Arbeit als Polizistin lehrte sie, dass Zufälle selten waren und fast niemals auf Mordfälle zutrafen.

„Haben wir schon eine Verbindung zwischen Olivia und Levi gefunden?", fragte sie, sich vom Board wendend. Sie schaute zu Ryan und Esposito, die jeweils mit unterschiedlichen Aufgaben im Zusammenhang mit dem Mordfall beschäftigt waren.

„Noch nicht", antwortete Espo, der den Telefonhörer auflegte und abwesend zwischen seinen Augenbrauen rieb. „Sie lebten in verschiedenen Wohngebieten, gingen in verschiedene Fitnessstudios, arbeiteten in verschiedenen Bereichen. Keine Verbindung über Schulen, die sie besuchten und niemand, mit dem ich gesprochen habe, erinnerte sich an eine Olivia, die mit Levi bekannt war. Ich maile ihr Foto mal rum, vielleicht regt es die Erinnerungen an, aber es sieht nicht sehr vielversprechend aus."

„Ich hab mehr Glück gehabt", sagte Ryan und drehte seinen Schreibtischstuhl zu Kate. „Olivias Mutter erinnerte sich an ein Kind namens Levi, aber nur, weil Olivia von einem Sommercamp zurückkehrte und von einem Jungen mit diesem Namen erzählte. Ihre Mutter dachte, dass sie vielleicht in ihn verschossen war, aber sie hat ihn nie selber getroffen, sagte, er lebe nicht in der Stadt. Sie will mal durch die Sachen ihrer Tochter stöbern, die sie nie weggeräumt hat, ob sie alte Fotos von dem Camp findet."

„Sagte sie, wie das Camp hieß?"

„Das hat sie tatsächlich", antwortete er. Er blätterte durch seinen Notizblock, bis er seinen Aufschrieb fand. „Camp Yocona Falls, oben bei den Catskills. Olivia ist jeden Sommer für einen Monat dahin, im Alter von dreizehn bis sechzehn, und hat dann einfach das Interesse verloren."

„Espo, ruf' nochmal Levis Eltern an, frag, ob er jemals das Camp besuchte. Ein Foto zu haben wäre eine gute Bestätigung, aber ich will nicht, dass wir Zeit vergeuden, während wir auf Olivias Mutter warten", erklärte Kate. „In der Zwischenzeit wird Vikram eine Suche starten, was es über das Camp rauszufinden gibt."


„Ich habe mich mal nach dem Camp erkundigt, wie Sie gesagt haben", teilte Vikram Beckett und Castle eine Stunde später mit. Der Schreiberling hatte eine Pause vom Dekorieren für die Party eingelegt und hatte ihr Mittagessen vorbei gebracht, wollte sich in dem Fall auf den neuesten Stand bringen lassen. „Es ist ein Camp, in dem jeden Sommer drei Abschnitte stattfinden, den ganzen Monat, und jeder Abschnitt ist für eine Altersgruppe: elf bis dreizehn, vierzehn bis sechzehn und siebzehn bis achtzehn. Jede Gruppe macht die üblichen Sommercamp Aktivitäten wie Schwimmen und Sport, aber den Rest der Zeit werden Projekte, die das Führungsverhalten fördern und Collegevorbereitungskurse angeboten."

„Die Webseite sieht ganz schön aus. Moderne Sanitäranlagen, großzügige Schlafhütten, sehr schöne Landschaft, aber im Jahr 1998 ging's nicht nur um Händchenhalten und Lieder singen."

Der Zeitungsartikel, der auf dem Bildschirm zu sehen war, stammte offensichtlich aus den frühen Tagen des Internet, eine einfache Webseite mit dem 23. Juli 1998 als Erscheinungsdatum. Eine riesige Überschrift dominierte die Seite: Teilnehmer des Camps bei einem Unfall schwer verletzt, die örtliche Polizei ermittelt.

„Es gibt viele solcher Artikel, alle reden von einem Teilnehmer namens Anthony Deveney, der traumatische Gehirnverletzungen erlitt, als er tief in eine Schlucht außerhalb der Yocona Wasserfälle fiel", sagte Vikram. „Die Camp-Teilnehmer sollten eigentlich das Camp-Gelände, vor allem bei Nacht, nicht verlassen, aber ein paar der Jungs in Deveneys Hütte behaupteten, dass er sich mit einem Mädchen treffen wolle und sich deshalb wegschlich. Er überlebte den Sturz, war aber auf fremde Hilfe angewiesen und hatte bald hohe ärztliche Rechnungen angesammelt. Seine Eltern versuchten das Camp auf Vernachlässigung der Aufsichtspflicht zu verklagen, was im Jahr 2000 außergerichtlich geregelt wurde." Er betonte die letzte Aussage mit einem weiteren Artikel, dessen Überschrift nur lokal war und sich darauf fokussierte, dass das Camp einen unbekannten Betrag an Anthonys Eltern bezahlt hatte.

„Die örtliche Polizei hat den Unfallhergang rekonstruiert und andere Artikel zitieren Kinder, die sagen, dass Deveney öfter von den beliebteren Teilnehmern des Camps gehänselt und geärgert wurde, aber die Polizisten konnten keine krummen Machenschaften nachweisen."

„1998? Laut ihrer Mutter war dieses das letzte Jahr, in dem Olivia Fabre in dem Camp war", meinte Kate.

„Klingt irgendwie verdächtig in meinen Ohren", fügte Rick hinzu, warf seiner Frau einen Blick zu. „Wir sollten Anthony Deveney durchleuchten, wo er lebt und was er macht. Vielleicht hat er sich von seinen Verletzungen erholt und will Rache?"

„Hab ich schon gemacht", teilte Vikram mit, der mit krauser Stirn auf den Bildschirm schaute. Ein erneutes Tippen auf der Tastatur brachte die Ergebnisse seiner Bemühungen zu Tage. „Anthony Deveney hat sich nicht von seinen Verletzungen erholt. Er lebte bei seinen Eltern in Astoria, bis zu seinem Tod vor zwei Monaten. Er hat nie die Schule abgeschlossen oder ein College besucht. Hatte keinen Job, soweit ich das sagen kann. Das ist Pech, weil eine Internetsuche alle möglichen Artikel über den Jungen in seinen Teenager-Jahren aufzeigte. Sehr klug, er gewann viele Auszeichnungen für Wettbewerbe im Roboter-Bereich. Er hatte sogar ein Stipendium für die MIT."

„Und ein geschickt eingefädelter Unfall beendete all das", bemerkte Kate, als sie ihre Arme überkreuzte und über damalige krumme Machenschaften nachdachte, oder was so eine Rache nach über zehn Jahren normalen Lebens entfachen könnte. „Der Tod kann einen dazu bringen über die Stränge zu schlagen, und zwei Monate sind genug Zeit, um die Leute ausfindig zu machen, von denen du denkst, sie seien verantwortlich, und dann den Rachefeldzug zu planen."


„Chief Kemper, danke, dass Sie sich Zeit für mich nehmen", sagte Kate, schaute durch die Wunder der modernen Technik in die Augen des lokalen Chefs der Strafverfolgung der Stadt Yocona. „Ich las alle Artikel Ihrer lokalen Zeitung und sie nannten Sie als den ermittelnden Polizist bei dem Unfall von Anthony Deveney."

„Das war vor achtzehn Jahren, aber Sie haben Recht", antwortete Kemper, sein Ton ebenso wie sein Gesichtsausdruck: vorsichtig neutral und vollkommen unbeteiligt. Er war höflich, sogar respektvoll, aber selbst die beiden Computerbildschirme, die sie trennten, konnten die Zurückhaltung des Kleinstadtpolizisten nicht verbergen. Es war klar, dass er diese Unterhaltung hinter sich bringen wollte. „Was kann ich für Sie tun, Captain Beckett?"

„Mein Revier ermittelt gerade in zwei Mordfällen, die zwei Personen betreffen, von denen wir wissen, dass sie im Juli 1998 das Camp Yocona Falls besucht haben. Danach stehen sie nicht mehr in Verbindung, was mich fragen lässt, ob sie eventuell irgendwie in Deveneys Unfall verwickelt waren und ihre Morde die Rache, welche durch Deveneys Tod ausgelöst wurde, dafür sind. Ich möchte Sie also über die Umstände des Unfalls befragen und ob sie dachten, dass es krumme Machenschaften gab."

Der Moment Stille, der sich zwischen den beiden Polizisten ausbreitete, war nicht sehr lange, aber er wog schwer mit einem Fall, der nie abgeschlossen worden war. Alle Polizisten hatten solche Fälle und sie alle hatten mit ihnen zu kämpfen. Auf dem Bildschirm vor sich beobachtete Kate den inneren Krieg des Veteranen mit sich selber. Er schien zu einer Entscheidung zu kommen, fuhr sich seufzend mit einer Hand durch das grau-braune Haar.

„Anthony Deveney hatte extremes Glück den Sturz zu überleben", begann er. „Das ist ein armseliger Trost, wenn man bedenkt, dass sein Leben danach aussah, als ob er wieder ein Baby wäre. Aber nichts, was mit seinem Unfall zu tun hatte, machte je Sinn für mich."

Jetzt, wo Chief Kemper es laut ausgesprochen hatte, fiel das Gewicht von seiner Brust und er wurde lebhaft. Plötzlich setzte er sich in seinem Stuhl auf, Hände gefaltet auf seiner Schreibtischunterlage, gänzlich erpicht seine Geschichte der Ermittlungen mit jemandem zu teilen, der nicht nur zuhören, sondern, viel wichtiger, auch helfen wollte.

„Der Junge war nicht einer, der Ärger machte. Er hat das Camp besucht, seit er elf war, und jeder hat darüber geredet, wie klug er war und wie nett. Er war eigentlich ein bisschen ein Außenseiter, sehr an Wissenschaft und Technik interessiert, er war nicht so gut im Sport und all den anderen Sachen, in denen die beliebten Kinder gut waren. Aber er hatte seine Freunde, alle Betreuer bestätigten, dass er sich an diese hielt und immer versuchte, den anderen Kindern, die ihn hänselten, aus dem Weg zu gehen. Niemand dachte, er wäre der Typ, der Regeln bricht um nachts im Wald herumzustreunen.

„Was hat sich also geändert?"

„Ein Mädchen", sagte Kemper mit einem verständnisvollen Augenrollen. „Außenseiter oder nicht, Deveney war ein Junge im Teenager-Alter, und er hatte sich ein Mädchen aus dem Camp verschossen. Als ich mit der Aufsichtsperson für die Hütte sprach, in der Deveney schlief, sagte dieser mir, er habe die zwei schon so manches Mal miteinander gesehen. Es schien ihm, dass Olivia sich auch in ihn verschossen habe. Anscheinend seien die beiden schon seit Jahren zusammen in das Camp gegangen…"

„Warten Sie mal, das Mädchen hieß Olivia?", unterbrach Kate die Erinnerungen an den Fall von Kemper, da ihr Herz wild angefangen hatte zu schlagen, in Aussicht auf eine erste heiße Spur.

Mit einem Nicken griff der Polizeichef nach einem Aktenordner, der auf seinem Schreibtisch lag. Er schlug ihn auf und blätterte darin bis er fand, wonach er suchte. Sein Finger huschte an der Seite entlang, hielt am unteren Rand schließlich an. „Olivia Fabre. Sehr hübsches Mädchen, langes blondes Haar, große blaue Augen. Ich hab auch mit ihr geredet, und sie war sehr aufgebracht wegen Anthony. Sie hat allerdings nie zugegeben, dass sie im Wald war, als ich sie befragte. Ich habe nicht auf eine Antwort bestanden, da wir andere Spuren und Hinweise hatten."

„Welche waren das?", fragte sie, während sie Olivias Namen in Großbuchstaben in ihr Notizbuch schrieb und eine Linie zu Anthonys Namen mit einem kleinen Herz zwischen beiden malte, gefolgt von einem Fragezeichen.

„Eine Gruppe von Jungen des Camps, die Anführer der beliebten Teilnehmer. Sie hatten Anthony auf dem Kieker, ärgerten ihn, beschimpften ihn, haben ihm und seinen Freunden Streiche gespielt. In der Nacht von Deveneys Unfall haben ein paar Kinder von einem benachbarten Camp ausgesagt, sie hätten die drei nach Bettruhezeit in den Wald schleichen sehen. Alle drei haben zugegeben, in den Wald gegangen zu sein, behaupteten aber, dass sie im Wald nur den eingeschmuggelten Alkohol tranken."

„Aber Sie haben ihnen nie geglaubt."

„Nein. Ich ließ ein paar Beamte den Pfad nachlaufen, den sie laut ihren Aussagen benutzt hatten", antwortete er. „Haben Sie Kinder, Captain Beckett?"

Mit einem warmen Lächeln ließ Kate ihre Hand unter ihren Schreibtisch gleiten, legte sie auf den unteren Teil ihres Bauches, wo ihr Baby heranwuchs. „Nein, ich habe keine Kinder. Noch nicht."

„Nun ja, ich habe Kinder", gluckste er. „Zwei Jungen und zwei Mädchen, und keiner von ihnen hat sich jemals die Mühe gemacht, sauber zu machen. Vor allem die Jungs. Wenn ein paar Teenager im Wald tranken, hätten sie sicherlich Beweise hinterlassen, aber es gab keine. Es kam aber noch dazu, dass es Fußspuren gab, die der morgendliche Regen nicht ganz weggewaschen hatte. Sie führten direkt zu dem Abgrund, in den Deveney fiel."

Mit einem Mal wieder ernst, runzelte Chief Kemper seine Stirn. „Mein Bauchgefühl sagte mir, dass diese Kerle was gemacht haben, aber wir konnten es nie beweisen."

„Wenn Sie mir ihre Namen geben, werde ich sehen, was ich tun kann, um den Fall für Sie zu lösen", entgegnete Kate. Der Stift in ihrer Hand war bereit, die vielleicht wichtigste Information auf ihr schon gut gefülltes Blatt zu notieren.

„Aber sicher. Ich brauche nicht mal meine Notizen, ich werde die Namen niemals vergessen", seufzte Kemper. „Levi Graves, Cameron Warrington und Tyler Renner."


Das Board war aktualisiert, es hing jetzt auch ein Ausdruck des Fotos daran, das Olivias Mutter eingescannt und Ryan gemailt hatte. Darauf waren ihre Tochter mit Levi Graves und zwei anderen Jungen, die sich nach einem kurzen Suchlauf als Cameron Warrington und Tyler Renner herausstellten.

Nachdem die Verbindung bestätigt worden war, arbeiteten Ryan und Esposito daran, Informationen über die anderen beiden herauszufinden. Sie mussten sie gezwungenermaßen sowohl als potentielle Ziele, aber auch als Verdächtige behandeln.

Tyler Renner war das kleinere Problem, da er aktuell mit der Armee im mittleren Osten stationiert war. Aber während sein älterer Bruder Ryan gerne erzählte, wo Tyler steckte, war die US-Armee nicht so kooperationsbereit, dies offiziell zu bestätigen. Für den restlichen Tag reichten sie ihn telefonisch von Abteilung zu Abteilung. Oft endete der Anruf mit einem Anrufbeantworter von jemandem, der das machte, was die meisten in der Bevölkerung taten – das Wochenende genießen, welches für ihn hinüber war, weil er einen Doppelmord aufzuklären hatte.

Im Moment hing Ryan in der Warteschleife, seine Finger auf den Schreibtisch klopfend, während eine Sekretärin ihren Chef kontaktierte um die Frage ein für allemal zu klären, wo Renner steckte.

„Wir wissen, warum'", warf Castle in den Raum, der auf Espositos Schreibtisch saß, den er aber oft noch als Becketts ansah, seine Augen auf den Bildern der beiden Clowns ruhend. Sie waren absichtlich so gemacht, dass sie unterschiedlich aussahen, und vielleicht waren sie verschiedene Leute, aber die schlaksige Erscheinung und die dünnen Schultern – fast zu dünn für einen Mann, obwohl es übergroße Overalls sein könnten – waren auf beiden Fotos nicht zu übersehen. Wenn es mehrere Täter gab, hatten sie den gleichen Körperbau. „Aber das hilft uns nicht mit ‚wer'."

„Nein", stimmte Kate zu. Sie bemühte sich, nicht aufgrund der Verkrampfung im Unterteil ihres Rückens zu zucken. Stundenlanges Herumgehen, Bücken um Finanz- und Zeugenberichte zu lesen und einen Körper, der anscheinend entschlossen war, schon jetzt weh zu tun, obwohl ihr Kind erst die Größe einer Erbsenschote hatte, könnten Gründe dafür sein. „Jeder, der in diesen Fall verwickelt ist, hat ein Alibi, selbst Deveneys Eltern", seufzte sie. „Also entweder lügt jemand oder wir haben den wahren Täter noch nicht."

„Oder beides", erwiderte er mit einem bösen Blick auf das Board.

Während Ryan sich am Telefon verabschiedete und dann auflegte, griff Rick nach der Akte mit den Tatortfotos von Olivias Mord und dann von Levi. Er blätterte durch die Bilder und versuchte alles, um eine Verbindung herzustellen. Letztendlich musste er einsehen, dass es einfach keine gab.

„Nachdem ich lange im Dunklen gefischt habe, kann ich endlich bestätigen, dass Renner da ist, wo er sein soll. Sein nächster Heimaturlaub ist erst in höchstens vier Monaten", verkündete Ryan, der mit einem langen Seufzer seine Hände über die Augen rieb.

„Und ich ließ mir von der Platzanweiserin, die das Telefon abgenommen hat, bestätigen, dass Cameron Warrington in seinem Restaurant in Brooklyn arbeitet. Er verlässt selten vor der Belegschaft die Arbeit, die Bar macht erst um zwei Uhr zu", fügte Esposito hinzu als er sich zu der Gruppe gesellte. Er las von seinem Notizblock ab, um sicher zu gehen, die korrekten Informationen weiterzugeben. „Ich lasse sein Restaurant und sein Haus von Polizisten überwachen. Sie werden bis zum Morgen vor Ort bleiben, schreiben alles auf, was verdächtig wirkt, was sein Verhalten angeht oder das von jemand anderem."

„Und damit meinst du Clowns", grinste Castle, der viel zu erfreut war, dass es Espo schüttelte. „Tödliche Clowns mit roten Nasen und fürchterlichen Grinse-Mäulern, die an einer Straßenecke stehen und beobachten, wie du von der U-Bahnstation zu deiner Eingangstür läufst. Planend und ausheckend…"

„Das ist einfach nur falsch", grunzte Espo und Ryan und Beckett versuchten ihr Bestes, ihr Kichern zu verbergen. „Du weißt, dass du einen Verrückten geheiratet hast, oder?", fragte er Kate, die daraufhin doch einen Lacher nicht verkneifen konnte. Sie tätschelte Espo mit einem Grinsen den Rücken.

„Wenn du so verängstigt bist, frag Ryan, ob er dich nach Hause fährt", stichelte sie. „Vielleicht kommt er sogar mit rauf und macht dir das Licht an. Schaut nach Clowns im Schrank oder unter deinem Bett."

„Gerade hasse ich euch alle ein bisschen", seufzte der Detective, nahm sein Handy vom Schreibtisch und schüttelte seinen Kopf. „Aber ich werde euch trotzdem morgen dann sehen."

„Vorausgesetzt, die Clowns kommen dich nicht holen heute Nacht", rief Castle Espo hinterher, der in Richtung Aufzüge lief. Alle drei grinsten einander an, als der Detective in Beantwortung des Abschiedsgrußes des Schreiberlings seine Hand hob und den Mittelfinger sehen ließ.