Titel: Happy Ever After Disclaimer: Weder Shrek noch Fiona noch sonst eine Figur aus den Filmen gehört mir und ich verdiene kein Geld damit. Anmerkungen: Tja, auf die Geschichte bin ich an sich gekommen, als mir eine gute Freundin vom Ende des zweiten Teils erzählt hat (noch bevor ich "Shrek 2" gesehen hatte - ja, noch nicht mal den ersten Teil hab ich damals gesehen gehabt! Aber ich hatte sie schließlich darum gebeten) und wie moralisch und cheesy das doch eigentlich wäre. Ganz offen gesagt bin ich der Meinung, dass das Ende von "Shrek 2" genau den Ton des Films trifft und ich hätte wirklich beinahe losgeflennt. Trotzdem - was wäre, wenn Fiona sich anders entschieden hätte? Je weiter ich diese Story schreibe, desto mehr kommt mir ihre Film-Entscheidung wie ein "easy way out" vor...
Fandom: Shrek 2
Aber soweit nur meine Gedanken. Ich will hier niemanden länger auf die Folter spannen als nötig. Natürlich würde ich mich über Reviews sehr freuen, und hoffe die Geschichte gefällt euch.
Madainn mhàth*
Am nächsten Morgen weckte Shrek seine geliebte Fiona mit einem zärtlichen Kuss auf die Lippen. Scheinbar instinktiv schlang sie die zierlichen Arme um seine breiten Schultern und zog ihn näher zu sich herunter, den Kuss vertiefend. Darauf ging er natürlich nur zu gerne ein.
Die beiden lösten sich schließlich wieder voneinander und Shrek meinte sanft, "Guten Morgen, meine Prinzessin!" Und das war sie auch - seine Prinzessin, die engelsgleiche Liebe seines Lebens. Auch wenn sie in dieser neuen - oder alten? Shrek wunderte sich kurz. Fiona sah in ihrer menschlichen Gestalt so zierlich und... zerbrechlich aus. Er wusste natürlich inzwischen, dass sie das ganz und gar nicht war - im Gegenteil, seine Ehefrau war einer der toughesten Menschen, die Shrek jemals kennen gelernt hatte. Und doch...
Als sie langsam ihre Augen öffnete und ihn noch ein wenig schlaftrunken aus ihren leuchtenden blauen Augen ansah, ging für ihn die Sonne auf. Sein Blick hielt den ihren, hätte sich am liebsten darin verloren. Er könnte Stunden damit verbringen, einfach nur die niedlichen kleinen Sommersprossen, die Fionas Wangen und Nase zierten, einzeln zu küssen. Er fand sie schon als Oger unwiderstehlich, doch musste er zugeben, dass sie in ihrer menschlichen Gestalt einfach nur hinreißend war. Vor allem so direkt nach dem Aufstehen, mit ihrer wirren roten Mähne und dem Schlaf noch in den Augen, fügte er in Gedanken hinzu. Wenn er nur nicht andauernd Angst haben müsste, er könnte ihr mit seinen groben, grünen Händen wehtun.
Aber ab heute war er kein Oger mehr und würde nie wieder einer sein, rief er sich - bereits zum wiederholten Male an diesem Morgen - ins Gedächtnis. Ein leises Seufzen versuchte sich seiner zu bemächtigen, doch mit einem entschlossen glücklichen Lächeln verscheuchte er es rasch. Etwas verlegen blickte er auf seine eigenen Hände, die ihm mit einem Mal so fremd vorkamen wann immer sein Blick auf sie fiel. Er musste sich definitiv noch an den Anblick gewöhnen. Nur gut, dass Fiona nicht eitel war und er sich somit nicht ständig im Spiegel sehen musste.
Als er ein leises Kichern von Fiona hörte, sah er fragend auf. Ihre zarte Hand strich ihm federleicht über die Wange. "Hat mein geliebter Göttergatte heute eine kleine Auseinandersetzung mit dem Rasierer gehabt?" fragte sie neckisch.
Mit einem leichten Augenrollen legte Shrek eine Hand auf die Fionas. Seine Rasur heute morgen war wahrhaftig alles andere als entspannt verlaufen, so ungern er das auch zugab. Unwillkürlich glitten seine Fingerspitzen über die zahlreichen kleinen Schnitte, die nun seine Wange zierten, Fionas Hand dabei noch immer sanft umschlossen haltend. Mit einem verlegenen Grinsen stellte er schließlich wieder Augenkontakt her.
Bevor er jedoch etwas sagen konnte, ertönte ein lautes Klopfen an der Tür. Shrek sah in Fionas Augen, dass auch sie gerne noch ein wenig Zeit in friedlicher Zweisamkeit verbracht hätte, als sich auch schon die schwere Zimmertür schwungvoll öffnete. Ein um ein möglichst wichtig erscheinendes Gebaren bemühter Bote trat ein. "Verzeiht, Prinzessin Fiona, Prinz Shrek, der König und die Königin wünschen Euch zu sehen."
Die beiden Liebenden tauschten einen fragenden Blick, bevor sich Fiona direkt an den Boten wandte. "Haben meine Eltern gesagt, um was es sich handelt?" Sicher wollten Harold und Lillian, nun, da alles vielleicht endlich harmonisch zu werden schien, gemeinsam mit ihrer Tochter und ihrem Schwiegersohn frühstücken. Oder hatten sie den gestrigen Abend alle nur geträumt und es war wieder der Alltag eingekehrt?
Der Bote schüttelte nur leicht den Kopf und antwortete so neutral und leidenschaftslos, wie es sich für einen Bediensteten geziemte, "Nein, Prinzessin. Sie trugen mir nur auf, Euch zu holen."
Shrek tauschte erneut einen zärtlichen Blick mit seiner Ehefrau und ohne den Augenkontakt abzubrechen nickte er bedächtig. "In Ordnung. Wir sind in einer Viertelstunde da." Schließlich konnten sie nicht im Nachthemd vor das Königspaar treten, und Fiona war nun mal gerade erst aufgewacht.
"Sehr wohl. Ich werde vor der Tür auf Euch warten." Mit diesen Worten zog sich der Bote rasch zurück, und er schien froh darum. Shrek und Fiona hörten nur noch, wie die schwere Tür sich leise hinter ihm schloss.
Besagte Viertelstunde später trat das Pärchen Hand in Hand vor die Tür, wo der Bote mit gleichmütigem Gesicht bereits auf sie wartete. Fiona drückte einmal kurz aufmunternd Shreks Hand, und wandte sich dann direkt an den Boten. "So, da wären wir."
Dieser nickte erneut. "Dann folgt mir bitte, Eure Hoheiten." Mit diesen Worten wendete er sich bereits zum Gehen. Shrek und Fiona folgten ihm durch lange Gänge, prunkvolle Stufen hinauf und durch eine hohe, mit kunstvollen Holzeinlegearbeiten verzierte, zweiflügelige Tür. Shrek wunderte sich in Gedanken ein wenig. Dies war nicht das weite Esszimmer mit dem Kamin, in dem man noch am ersten Abend diniert hatte. Mit Grausen erinnerte er sich an die grobe Essensschlacht, die er sich mit seinem Schwiegervater geliefert hatte - und an den Streit, den er danach mit Fiona gehabt hatte. Zum Glück lag dieses Kapitel der Geschichte nun hinter ihm!
Als der Bedienstete ihnen die Tür öffnete und die beiden eintraten, erwartete sie ein seltsames Bild. An dem schweren Schreibtisch, der den größten Teil der Fläche in dem vergleichsweise kleinen Arbeitszimmer einnahm, saß die Königin, neben ihr auf der Arbeitsplatte des Schreibtisches der König. Beide trugen sie dezent dunkelblau gehaltene Hawaii-Hemden, Die Königin dazu einen eleganten khakifarbenen Rock, der König eine seiner Froschform angepasste braune Hose. Vor dem Schreibtisch stand eine große Truhe mit der Aufschrift "TWA" sowie einem Aufkleber darauf: "Sperrgepäck".**
Ein kurzer Seitenblick versicherte Shrek, dass Fiona genauso verwirrt von diesem Bild war wie er selbst - hatte er sich doch geistig auf ein ruhiges Frühstück eingestellt gehabt. Er runzelte die Stirn, sah vom Königspaar auf die Truhe und wieder zu seinen Schwiegereltern, die gerade ihre leise Unterhaltung beendet hatten und sie nun gutgelaunt begrüßen kamen.
"Vielen Dank, Samuel," fing Königin Lillian an den Boten gewandt an. Sie überfiel Fiona genauso wie Shrek mit einer herzlichen Umarmung. "Guten Morgen."
König Harold sprang herbei. "Ich hoffe, ihr habt beide gut geschlafen."
Shrek musterte ein höfliches Lächeln. Fiona neben ihm ebenso. Was wurde hier gespielt?
"Und ich hoffe, ihr nehmt es uns nicht übel, dass wir euch beide schon so früh hierher bestellt haben," ergänzte Lillian die Worte ihres Gatten. "Aber wir haben Neuigkeiten für euch beide." Ihr Strahlen im Gesicht spiegelte das des Königs wieder, den sie nun liebevoll auf ihren Händen trug. "Da nun endlich Ruhe in die Beziehungswirren der letzten Tage gekehrt ist, haben wir beschlossen, eine Woche Urlaub zu machen."
Was? Diesmal war Fiona schneller, diesen Gedanken auszusprechen. "WAS?"
"Nicht, dass wir uns schon wieder verabschieden wollen. Wir hoffen natürlich beide, dass ihr noch eine Weile hier bleibt, nachdem wir wieder zurück sind. Nur zu gern wollen wir unsere verlorene Tochter und ihren Ehemann endlich richtig kennen lernen," beschwichtigte ihr Vater sie rasch. "Doch Lillian und ich haben schon seit Jahren keinen Urlaub mehr gehabt, und nachdem sich die Ereignisse dann die letzten Tage auch noch so überschlagen haben... Da dachten wir, dass ein wenig Urlaub dringend nötig ist. Und jetzt seid ihr ja da, um uns für diese paar Tage zu vertreten."
Die Königin nickte. "Wir vertrauen euch beiden."
Just in diesem Moment öffnete sich die Tür erneut, und ein hochgewachsener, hagerer Diener trat mit einem dezenten Räuspern ein, wodurch beinahe augenblicklich sämtliche vier Augenpaar der Anwesenden auf ihm zu ruhen kamen. "Eure Hoheit, die Kutsche stünde dann bereit."
Der König nickte so elegant wie das einem Frosch eben möglich war, dass er verstanden hatte, und wandte sich dann mit einem langgezogenen Seufzen erneut Fiona und Shrek zu. "So denn, es sieht aus als müssten wir uns bereits verabschieden. Wir müssen unser Schiff noch rechtzeitig erreichen."
Das Königspaar verabschiedete sich mit einer raschen Umarmung von den beiden immer noch wie überfahrenen Jüngeren. "Passt auf euch auf, ihr zwei," meinte Lillian mit einem mütterlichen Lächeln. "Wir sehen uns dann in einer Woche wieder." Dann drehte sie sich, den König auf dem Arm, um und schritt rasch zur Tür hinaus.
Die große Truhe vor dem Schreibtisch erzitterte kurz, bevor sie sich auf eine Vielzahl kleiner Beine erhob und ihren Besitzern erstaunlich flink folgte.
...to be continued...
*) Madainn mhàth = (gälisch) Guten Morgen
**) Ach ja - die Truhe... magisches Birnbaum-Holz, übrigens!... Vielleicht hat sie ja jemand wieder erkannt. Die Idee dazu stammt leider nicht von mir, sondern ist aus Terry Pratchetts Scheibenwelt-Roman "Die Farben der Magie"
