Sie war schön für einen Menschen, mit großen braunen Augen, die im Licht funkelten. Ihre gewellten, kastanienbraunen Haare fielen bis auf ihre Taille und wippten, wenn sie ging, womit sie ihrer beinahe kindlichen Grazie Ausdruck verliehen. Ein rosafarbener Schmollmund schimmerte unter ihrer kecken kleinen Nase.

Ihr bescheidenes Kleid war aus hellgrünem Stoff, geschmückt mit kleinen weißen Blüten, die von ihrer rechten Schulter über ihre Brust bis zum Saum knapp über ihrem Knie reichten.

Der flatternde Wind spielte mit ihrem Kleid und den braunen Locken, bevor er ihm ihren zarten Duft herübertrug…Kirschblüten und Erdbeeren. Er erkannte auch das Aroma von Brot und Schokolade…wahrscheinlich aus der Tasche, die sie mit sich führte. All dieses kombiniert in einem einzigartigen Wesen…voller Reinheit und Unschuld….

Niedergeschlagen erkannte er, dass sie die letzte wäre, die einen wie ihn kaufen würde….

Rin hatte angehalten, sie hatte etwas Silbrigweißes vor sich gesehen. Ihre Neugier übermannte sie und sie ging weiter bis zu den Händlerbuden am äußersten Ende des Marktes. Dort folgte sie dem flüchtigen Aufleuchten von Silber durch die Menge, bis sich ihr ein sehr erstaunlicher Anblick auftat.

Es war ein Mann…ohne Hemd…mit einem höchst ungewöhnlichen Schwall silbrig weißer Haare, die ihm beinahe bis an die Knie reichten.

Eingeschüchtert von seiner Größe stellte Rin fest, dass er ohne das Podest wohl gut zwei Meter groß war.

Für einen kurzen Moment hätte Rin schwören können, dass er glühte. Sie blinzelte eine Male, dann entschloss sie sich, einen genaueren Blick auf ihn zu werfen.

Zaghaft trat sie zu ihm.

Als sie nahe genug heran gekommen war, um ihn genau zu sehen, hielt Rin an. Ihre Beobachtungen teilten ihr mit, dass es sich hier nicht um einen gewöhnlichen Menschen handelte.
Er hatte etwas spitzen Ohren und so eine Art Tattoo im Gesicht, zwei rote Streifen zierten jede Wange und ein blauer Halbmond ruhte auf seiner Stirn.

Seine Augen...sie waren...von einer äußerst außergewöhnlichen Farbe...Bernstein? Oder war es Gold…und wie einem Hinweis folgend schimmerten sie leicht. Doch es fehlte ihnen an Glanz. Abgrundtiefe Leere vergiftete ihre Tiefen, als ob nichts sie jemals aufleuchten lassen könnte in ihrer verzweifelten Lage. Er schien ins Nichts zu starren.

Um das plötzliche, eisige Gefühl zu vermeiden, das sie beschlich, setzte sie ihre Inspektion fort.

Ihre Wangen erröteten, als ihr Blick von seinen breiten Schultern hinab glitt zu seiner muskulösen Brust. Sie wagte ihren Blick weiter zu senken auf seinen festen Bauch, dann sogar noch tiefer, und schnell huschte er über seine mittlere Partie und dann hinab auf seine Füße.

Was sie dann sah, war die Fußfessel.

Sie keuchte...‚Ein Sklave?'…sie hatte bisher…nie wirklich einen gesehen...schon gar nicht so nahe…nur noch die sehr Reichen hielten sich Sklaven…oder…arbeitsverpflichtete Bedienstete...wie sie genannt wurden…

Aber dieser war kein gewöhnliche menschlicher Mann...vielleicht ein Youkai…Sie ließ ihren Blick zurückwandern bis zu seinem Hals, um zu sehen, ob sich dort ein Metallkragen befand, der bisher unter seinen windzerzausten Haaren versteckt gewesen war.

Irgendwo tief in ihren Gedanken verborgen erinnerte sich an die Bedeutung der dicken, eisernen Halsbänder: ein Mittel sie zur führen als auch eine magische Bändigung.
Wegen seinem gegenwärtigen Aussehen und seines Zustands entschloss sie sich, ihn näher zu prüfen. Seine Augen waren dunkel umrahmt, und sein Gesicht blass. Er war dünn, zu dünn.

Rin fühlte ihr Herz schwer werden…dieses schöne Geschöpf wurde immer schwächer und würde jede Minute sein Leben verlieren.