Get it Started
The Pirate Chronicles N°I
(POV Blair)
„Guten Morgen, Schlafmütze."
Laut gähnend, wie ich zu meinem Leidwesen übermüdet feststellen musste, streckte ich mich in meiner viel zu unbequemen Hängematte und versuchte gerade verzweifelt ein paar Gründe zu finden, warum das Reisen auf See so schön sein sollte.
Blinzelnd schaute ich auf, als mein Blick sich fokussiert hatte und entdeckte erstaunt, dass Zagger neben mir stand und eine dampfende Tasse in der Hand hielt. „Ist das etwa...?", begann ich ehrfürchtig und sprang aus meinem provisorischen Bett. Grinsend gab Zagger mit einem Nicken zu verstehen, dass ich vollkommen richtig lag und ehe ich mich versah, nippte ich vorsichtig an meinem Kaffee. Eine glückliche Sekunde später strahlte ich ihn hellwach an und war drauf und dran, mich ihm an den Hals zu werfen, würde meine Stirn vom Vorabend nicht immer noch so unangenehm pochen.
„Danke dir, das kann ich jetzt wirklich gebrauchen!".
Als er mir eine Hand auf die Schulter legte und leicht dahin sagte: „Weiß ich doch.", hatte ich das ungute Gefühl, dass er auch von den Geschehnissen vom Vortag sprach. Dass meine drei besten Freunde mich am Hafen abgefangen und schließlich begleitet hatten, war ja auszudenken gewesen. Aber ich freute mich. Denn das mit dem Alleinsein hatte ich ja früh genug mitbekommen…
Auffällig räuspernd, um seinen nachdenklichen Blick loszuwerden, blickte ich im Raum umher, dankte Zagger nochmals für den Kaffee, ehe ich aufsprang und über eine kleine Treppe zum Deck gelangte. Das war es leider auch schon, was unser Schiff anging. Unten eine Kabine zum Schlafen, in der wir vier gerade genug Platz hatten und dann das Deck, auf dem notgedrungen gekocht wurde. Wie gesagt, ich wollte zuerst allein reisen.
„Guten Morgen, Blair. Alles okay? Hast du schlecht geschlafen?", zwitscherte mir eine besorgt klingende, sanfte Stimme entgegen und verwundert blickte ich zum blonden Mädchen, das im Schneidersitz auf dem Boden saß und gerade dabei war, Gemüse zu schnippeln. Meine allerbeste Freundin auf der ganzen, weiten Welt!
„Fatina! Du bist schon wach?", fragte ich erstaunt, kniete mich neben sie und half ihr, indem ich mich daran machte, das Brot zu teilen. Zur Bestätigung meines Vorhabens begann mein Magen zu knurren.
„Ja, konnte es nicht mehr aushalten. Zagger hat geschnarcht, mein Rücken tut weh, da weiß ich Sinnvolleres anzustellen, als mich zu quälen.". Lachend schüttelte sie ihren blonden Lockenkopf und wandte sich wieder der Arbeit zu, während ich noch inne hielt und den Blick nicht von ihr abwandte. „Aber du wusstest doch, dass es so kommen würde. Warum bist du dann trotzdem mitgekommen?". Ihr Lächeln war breit und in ihren Augen schimmerte ein Ausdruck von klarer Belustigung.
„Ist doch klar, Blair. Alleine würdest du dich nur in Schwierigkeiten bringen. Außerdem will ich dir zur Seite stehen, bezüglich der ganzen Sache mit deinem Vater."
Ehe ich mich versah hatte ich meine Arme um sie geschlungen und sie fest an mich gedrückt. „Danke, danke, danke…"
„Schon gut, Blair, ich bekomm keine Luft mehr, wenn du so weitermach…"
„Danke, danke, danke…"
„Blair, bitte, ich…"
„Danke, danke, dankeeeeaaahhhhh!"
In meiner schier unendlichen Freude hatte ich sie mit mir gerissen und mit einem lauten Platschen fiel etwas ins Wasser. Zuerst glaubte ich, Fatina hätte es erwischt, bis mir mit großen Augen die Abwesenheit unseres Essens bewusst wurde. Mein einziger Kommentar bestand aus einem zaghaften „Oh oh.", während meine Freundin mich mit bösen Blicken strafte und ihre Arme verschränkt hatte. „Blair!"
Natürlich hatten auch die Jungs davon Wind bekommen und nacheinander traten sie zu uns. „Was ist denn hier passiert?", fragte Zagger, als er sich mit den Händen in den Taschen vorbeugte und mich neugierig musterte. Ehe ich rot werden konnte, stellte Seth nüchtern, aber mit ziemlich verbittertem Unterton in der Stimme folgendes fest: „Das Essen ist weg.".
„…"
„Blair!"
„Es tut mir ja leid!", rief ich beschämt, blickte dann zögerlich lachend auf und kratzte mich verlegen am Hinterkopf. Langsam stiegen auch die Anderen mit ein und plötzlich hatte Zagger mich halb umarmt, während er sich mit der anderen Hand den verkrampften Bauch hielt. Seth und Fatina schienen auffällig beschäftigt, während sie am Boden hockten und vor Lachen nach Luft schnappten.
In einem verzweifelten Versuch, mein erstarrtes Herz zum Schlagen zu bewegen, lehnte ich mich ganz vorsichtig, nur minimal, an seine Schulter. Er schien nichts zu bemerken, lachte weiter, würdigte mich keines Blickes.
Während ich panisch versuchte, nicht in Tränen auszubrechen, kniff ich meine Augen zusammen und senkte den Blick. Ein paar Mal tief durchatmen, sagte ich mir, aber in meiner derzeitigen Situation, so dicht neben ihm, war das leichter gesagt als getan.
„Land in Sicht! Schaut, dort drüben!"
Froh über diese Art Ablenkung sah ich auf, suchte den Horizont erfolglos ab, ehe ich Seths Finger folgte, der nach Norden zeigte. Ich brauchte einige Sekunden lang, doch mit zusammengekniffenen Augen und forschendem Blick sah ich es dann auch endlich. Eine Insel.
„Na, damit wäre unser kleines Proviant-Problem beseitigt!"
