Ich träumte. Ich war irgendwie auf einem Zug ... und dann, entdeckte ich Atlantis ... und da waren überall Meerjungfrauen.

„Bella", hörte ich eine Stimme im Hintergrund. „Bella, wach auf."

Ja richtig. Es war ein Traum. Ein sehr, sehr merkwürdiger Traum.

„Mmmm...", brummte ich.

Langsam öffnete ich meine Augen und eigentlich erwartete ich mich in meinem Zimmer, in meiner Wohnung in Seattle, wiederzufinden. Aber da war ich nicht. Aber wo war ich dann?
Ach ja, ich war in England. In London. Ich setzte mich etwas auf und sah Alice neben mir stehen.

„Wir haben dich länger schlafen lassen. Es ist aber schon 10:30 Uhr. Deswegen dachte ich mir, dass du vielleicht Frühstück willst, oder so.", sagte sie.

„Aber wenn du lieber noch schlafen willst, ist das auch in Ordnung."

Ich gähnte und streckte mich erst mal, bevor ich ihr antwortete: „Nein, nein. Ich hab wirklich gut geschlafen und ich denke 14 Stunden Schlaf sind erst mal genug. Sonst kann ich heute Abend gar nicht mehr schlafen ..."

Alice ging wieder nach unten und ich folgte ihr, noch immer in meinem Pyjama, unauffällig.

„Guten Morgen, Bella.", begrüßte Esme mich, als ich endlich unten war. „Möchtest du frühstücken?"

„Ja, das wäre nett."

„Also, ich könnte dir ein schönes englisches Frühstück zaubern, aber du kannst auch Toast oder Cornflakes haben."

„Toast klingt gut," sagte ich ihr. Ich sah ihr dabei die ganze Zeit zu.

Ich wollte nicht, dass Esme die dauernd für mich kochen würde. Irgendwann wollte ich es auch mal allein machen.

„Hast du gut geschlafen, Bella?", fragte sie und gab mir mein Toast und Butter dazu.

„Ja, sehr gut. Wie ein Stein hab ich geschlafen. Was hast du letzte Nacht noch gemacht, Alice?"

„Ich hab mich mit ein paar Freunden im Kino getroffen. Wir haben uns Sex and the City – Der Film angeschaut.", antwortete sie mir.

„Oh, cool. Ich hab den Film schon vor ein paar Monaten in den USA gesehen. Er ist ziemlich gut.", sagte ich und fragte dann: „Und was machen wir heute?"

„Naja, ich hab Edward gesagt das wir ihn um 13:00 Uhr zum Mittagessen treffen. Ich dachte mir, dass wir so in 30 Minuten losgehen und noch in einige Shops oder Museen gehen könnten, ehe es dann Zeit ist.", schlug Alice mir vor.

„Okay, ich geh mich dann mal anziehen. Ähm, wie ist das Wetter draußen?", fragte ich noch schnell nach, da ich noch nicht aus dem Fenster gesehen hatte.

„Es ist immer noch warm und sonnig, wie gestern.", antwortete Alice. „Gewöhne dich aber nicht daran, denn in ein paar Wochen wird es kälter und regnerischer werden."

Schnellen Schrittes ging ich wieder nach oben und entschied mich, ein rotes Kleid zu tragen, dazu braune Leggings und Ballerina. Meine Haare band ich zu einem unordentlichen Zopf zusammen und hing mir eine lange Kette, passend zu meinem Outfit, um. Dann trug ich noch ein wenig Make-Up auf und ging mir meine Zähne putzen. Als ich endlich fertig war, machte ich noch mein Bett, stellte aber fest, dass ich noch immer 20 Minuten Zeit hatte.

Ich entschied mich dazu, nach meinen Mails zu sehen. Ich nahm meinen Laptop aus der Tasche und steckte den Stecker in die Steckdose. Dazu musste ich auch meine Adapter benutzen. Als der Computer endlich hochgefahren war, hatte ich noch keinen Internetzugang.

Ich ging runter zu Alice und fragte sie danach: „Alice, habt ihr hier eine Internetverbindung?"

„Ja, natürlich. Ich zeig es dir.", sagte sie und ging mit mir wieder nach oben.

Sie setzte sich an meinem Computer und gab den Namen und das Passwort für die WLAN-Verbindung der Cullens ein. Sie öffnete noch meinen Internetbrowser um zu sehen ob es auch funktionierte.

Als sie sah, dass ich Facebook als Startseite hatte, rief sie fröhlich: „Oh, wie toll! Wir können Facebook-Freunde sein. Ich werde dich später noch adden."

Danach ging sie wieder nach unten, um sich selbst fertig zu machen.

Ich öffnete mein E-Mail-Postfach, hatte aber nur ein paar unwichtige Nachrichten von meiner Uni in Washington erhalten. Ich löschte sie gleich wieder und sah noch einmal bei Facebook rein. Ich hatte einen Pinnwandeintrag von Sophie, sie wünschte mir viel Glück hier in England. Nach dem ich es gelesen hatte, schaltete ich meinen Computer aus, nahm meine kleine Handtasche und ging nach unten.

Esme saß im Wohnzimmer und hatte einen Skizzenblock auf ihrem Schoß. „Kommst du mit uns mit?", fragte ich sie.

„Nein, leider nicht. Ich muss heute noch diesen Raum hier fertig machen.", erklärte sie mit einem Lächeln und zeigte dann auf ihren Block.

„Habt Spaß heute!"

„Danke," antwortete ich ihr als Alice die Treppen runter kam und mich aus dem Haus drängte.

Wir gingen zur Highbury/Islington Station und fuhren mit der Victoria Line nach Pimlico. Dort stiegen wir aus, gingen nach oben und liefen noch ein kurzes Stücken bis zur Themse.

„Wir haben jetzt noch ungefähr eine Stunde Zeit und wir kommen am Tate Britain Museum vorbei. Wollen wir da mal reingehen?", fragte mich Alice und fügte dann noch ein: „Es ist auch kostenlos." dazu.

„Ja, klar," antwortete ich.

Ich mochte Museen und eine Stunde würde nicht so schlimm werden.

Wir gingen bis zum Museum und liefen durch den Säulengang.
Alice und ich sahen uns die Ausstellung der modernen und historischen Kunst an. Alice sah aus, als ob sie mehr Spaß hätte, als ich.
Wir näherten uns dem Bild einer mittelalterlichen Frau in einem Boot. „The Lady of Shalott", sagte

Alice und seufzte.

„Dieses Bild war der Grund warum ich Kunstgeschichte studieren wollte. Wusstest du, dass dieses Bild auf einem Gedicht von Alfred Lord Tennyson basiert? Ich werd dir jetzt nicht das ganze Gedicht vortragen, obwohl ich es könnte, aber zwei meiner Lieblingsstrophen:

Dort webt sie Tag und Nacht ein magisches Tuch in
leuchtenden Farben. Denn sie hat eine Stimme flüstern
hören, dass Unheil über sie kommen wird, wenn sie ihre
Arbeit unterbricht, um auf Camelot hinunterzusehen. Und
da sie die Art des Unheils nicht kennt, webt sie unaufhörlich,
da sie kaum eine andere Wahl hat:
Die Lady von Shalott

Und in dem magischen Spiegel, der all die Jahre vor
ihr hängt, erscheinen die Schatten der Welt: sie sieht
die Straße, die sich nach Camelot hinunterwindet, ganz
nah ... und manchmal reiten durch den blauen Spiegel
paarweise die Ritter, aber sie hat keinen treuen Ritter,
der zu ihr hält,
die Lady von Shalott."

„Wow. Allein diese beiden Strophen sind wunderbar.", schwärmte ich.

Ich könnte ein Gedicht niemals so gut wiedergeben, wie Alice es getan hatte.

„Mit einer Kunstgeschichtsstudentin sind Museen doch gleich viel interessanter!"

„Danke", sagte sie und machte einen spielerischen Knicks.

Es waren sogar einige andere Leute stehen geblieben, um ihr zuzuhören.

„Jetzt müssen wir aber zu Edward."

Wir verließen das Museum und schlenderten wenige Häuser weiter. Dort war auch schon der Milbank Tower, in dem Edward arbeitete.

Wir betraten das Gebäude und Alice ging sofort zum Sicherheitsschalter.

„Ich bin Alice Cullen und das ist Bella Swan. Wir möchten gerne zu Edward Cullen vom World Bank Office.", sagte sie ihnen.

Der Sicherheitsmann gab uns zwei Besucherpässe und wir liefen zu den Aufzügen, oder Fahrstühlen wie ich eher sagen sollte. Alice war offenbar schon mal hier gewesen, denn sie drückte sofort auf die 28, als wir im Fahrstuhl standen.

Als wir das World Bank-Büro erreichten, war die Sekretärin gerade am Telefon.

„Wir sind hier, um Edward Cullen zu sehen.", sagte Alice trotzdem.

Die Frau zeigt mit einem gelangweilten Blick nach Rechts und beachtete uns nicht weiter.
Alice navigierte uns durch das Labyrinth von Arbeitskabinen, bis wir zu Nummer 235 kamen.

„Deine Sekretärin sieht aus wie eine Schlampe.", rief sie. Und das nicht gerade leise.

„Alice", flüsterte Edward daraufhin. „Mein Gott, einer von meinen Abteilungsleitern könnte dich gehörte haben! Was macht ihr überhaupt hier? Ich dachte wir wollten uns in 5 Minuten unten in der Eingangshalle treffen."

Edward hatte noch einige Tabellen offen, welche er aber schnell schloss, als er uns sah.

„Tja, wir haben uns entschieden eher zu kommen. Überraschung.", meinte sie. „Und benimm dich nicht wie ein Idiot, wenn Bella da ist!"

„Richtig. Bella, es tut mir wirklich leid, was ich gesagt meine kleine Schwester raubt mir den letzten Nerv." erklärte er mir mit einen wundervollen Grinsen.

„Mach dir keine Sorgen.", nahm ich seine Entschuldigung lachend an.
Edward stand auf, nahm sein Portemonnaie und wir gingen zurück zu den Fahrstühlen.

„Also, was würdest du gerne essen, Bella? Italienisch? Indisch? Japanisch? Fish&Chips? Fast Food? Oder im Pub?", fragte Edward, als wir gerade durch die Eingangshalle liefen.

„Kein indisches Essen bitte. Aber der Rest ist in Ordnung.", teilte ich ihnen mit.

Ich hatte schon einmal indisches Curry probiert, mein Magen war sehr ... aktiv danach.

„Würde es dir etwas ausmachen, wenn wir einfach ein Sandwich essen würden?", fragte er.

„Klar. Ich esse meistens ein Sandwich zu Mittag.", erklärte ich ihnen.

Wir schlenderten an der Themse entlang, Richtung Westminster. Ich konnte Big Ben und das Houses of Parlament sehen.

„Und, was hast du gestern Abend noch gemacht, nachdem ich eingeschlafen bin, Edward?", fragte ich an ihn gewandt.

„Nicht viel, eigentlich. Ich hatte keine Pläne, also blieb ich zu Hause und hab mir einen Film angeschaut.", antwortete er.

„Er ist langweilig.", flüsterte mir Alice zu.

„Hey! Wir werden ja sehen wie langweilig du wirst, wenn du jeden Tag arbeiten gehst und noch bei deinen Eltern wohnst.", neckte er sie.

Wir liefen noch ungefähr 15 Minuten, ehe wir ein kleines Café mit Namen Crussh erreichten. Wir betraten es, überflogen kurz das Menü und bestellten anschließend.
Alice nahm einen griechischen Salat, ich bestellte mir einen Chicken Caesar Wrap und Edward bestellte sich ein Chicken Salad Sandwich. Ich wollte meins schon bezahlen, da bestand Edward darauf, für uns alle zu zahlen.

„Du hättest es nicht tun müssen, aber danke.", bedankte ich mich freundlich und folgte Alice an einen leeren Tisch, nachdem wir unser bestelltes Essen bekamen.

„Also Edward, was genau machst du bei deiner Arbeit?", fragte ich ihn als wir alle saßen und schon anfingen zu essen.

„Also, du weißt, dass die Welt Bank versucht, Armut in den Entwicklungsländern durch finanzielle und technische Hilfe zu beseitigen. Ich arbeite in der Abteilung für Wirtschaftswachstum. Ich analysiere die Folgen unserer Hilfe für ein bestimmtes Land. Ich bin mit vielen Methoden von World Bank nicht richtig einverstanden, aber hinter der ganzen Sache steckt schon ein guter Gedanke … Und außerdem: Ein Job ist ein Job.", erklärte er.

„Es ist nicht mein Traumjob, aber für jetzt reicht´s."

Da mein Mund gerade voll war, nickte ich nur, um ihm mitzuteilen, dass ich zugehört und alles verstanden hatte.

„Willst du heute Nacht ausgehen, Bella?", fragte Alice danach.

„Ja, klar. Ich denke ich hab mich an die Zeitumstellung gewöhnt und werde nicht so schnell einschlafen, ich hoffe es zumindest. Was wollt ihr machen?", witzelte ich.

„Was denkst du, Edward? Pub oder Club? Du kannst natürlich mitkommen.", fragte Alice ihn und zwinkerte ihm verheißungsvoll zu

Genau in diesem Moment, drehte ich mich auch zu Edward um und sah, dass er eine andere Gesichtsfarbe hatte, die irgendwie tomatenähnlich war. Errötete er gerade? Ich wusste zwar, dass es ganz selten auch bei mir der Fall war, aber ich hatte keine Ahnung, dass es noch mehr Leute gab, die so leicht erröteten. Als Antwort auf Alice Zwinkern, funkelte Edward sie kurz an.

„Ähm … Bella? Würdest du lieber trinken, oder trinken und tanzen?", fragte er mich daraufhin leicht schüchtern.

„Ich kann nicht wirklich tanzen, also würde ich lieber nur trinken.", antwortete ich ihm ehrlich

„Aber wenn ich trinke, kann es natürlich auch passieren, dass ich zu tanzen anfange."

„Na dann in einen Pub.", entschied er und lachte bei meinem letzten Satz.

„Gehen wir dann zum Old Queen's Head?", fragte er Alice. „Das ist nicht so weit von zu Hause weg. Falls du also zu viel trinkst, müssen wir nicht mit der U-Bahn fahren.", erklärte er mir.

„Was ist mit euren Eltern? Werden sie nicht böse sein, wenn wir betrunken zurück kommen?", fragte ich die beiden grübelnd.

Ich wollte es nicht schon an meinem zweiten Tag mit meinen Gasteltern hier vermasseln.

„Carlisle und Esme wissen, dass wir erwachsen sind. Sie sind relativ zurückhaltend wenn es ums trinken geht. Das liegt aber daran, dass es ihnen egal ist. Außerdem werden sie schon im Bett sein bevor wir wieder da sind.", vertrieb Edward meine Zweifel sofort.

Ich stimmte also zu und wir gingen verließen das Café.

„Oh Bella, warte. Warst du schon mal bei Topshop?", fragte Alice sehr aufgeregt. „Wir könnten da mal hingehen, es ist einer in der Nähe."

„Sollten wir Edward nicht noch zurückbringen?", fragte ich.

Ich wollte ihn einfach noch nicht verlassen.

„Nein, nein. Ihr Mädchen könnt shoppen gehen, ich laufe selber zurück. Wir sehen uns später.", er verabschiedete sich von uns und lief schon in die andere Richtung, ehe ich etwas sagen konnte.

„Du musst von Topshop gehört haben. Dort haben sie sogar Kleidung von Kate Mosse. Die meiste Kleidung da ist sogar einigermaßen günstig.", plapperte sie, während wir dir Straße entlang liefen.

Ich musste zugegen, dass ich aufgeregt war, was das shoppen anging. Ich sparte mein Geld schon seit einigen Jahren und wartete auf eine Gelegenheit wie diese. Ich hatte also einen kleinen Vorrat an Geld und konnte ihn nun Stück für Stück zu Nichte machen.

„Suchst du nach etwas bestimmten, Alice?", erkundigte ich mich, als wir das Geschäft betraten.

Ich konnte einige tolle Kleidungstücke entdecken.

„Nein, nicht wirklich. Aber man weiß ja nie was man so findet." Sie zuckte nichts aussagend mit der Schulter und lief aufgeregt durch die Regale.

Wir waren fast eine Stunde in dem Laden, sahen uns die Sachen an und probierten sogar einiges. Am Ende hatten wir jedoch beide nichts gekauft. Ich wusste nicht was ich vielleicht brauchen könnte, also entschied ich mich dafür, dass ich nochmal herkommen würde, wenn mir noch etwas einfiel. Schließlich lief mir der Laden ja nicht weg.

„Alice, wir müssen nochmal herkommen, wenn es kälter wird. Ich konnte leider keine Winterjacke und Stiefel einpacken. Sie passten einfach nicht mehr in meinen Koffer. Und wenn mir noch was einfällt, sag ich dir natürlich Bescheid.", bemerkte ich bevor wir Topshop wieder verließen.

„Also, willst du dir noch ein bisschen in Westminster anschauen, wenn wir schon mal hier sind?", fragte Alice.

„Können wir zum London Eye gehen?", erkundigte ich mich stattdessen.

„Natürlich.",wir liefen über die Westminster Bridge, somit auch über die Themse und stellten uns dann in die Ticketreihe.

Wir mussten nur kurz warten, um uns in eine der Kapseln zu setzen und schon fuhren wir langsam hinauf über die Themse. 45 Minuten später waren wir schon in der U-Bahn auf dem Weg nach Hause. Als wir dort ankamen, war jedoch niemand da.

„Ist Esme gar nicht hier?" fragte ich Alice.

„Oh, nein. Ich hab ganz vergessen dir zu erklären, dass sie viel Zeit in ihrem Büro verbringt oder an den Orten, an denen sie dekoriert. Sie hat sich gestern frei genommen und morgens arbeitet sie immer von zu Hause aus.", erläuterte sie.

„Willst du einen Film oder Fernseh gucken?"

Ich zog meine Schuhe aus und legte meine Tasche ab. Erst zappten wir durch das Fernsehprogramm, bei dem ich jedoch nichts wiedererkennen konnte. Dann zeigte Alice mir ihre DVD-Sammlung und ich suchte Wedding Crashers aus.

Nachdem der Film zu Ende war, fragte ich Alice: „Warst du schon mal in den USA?"

„Nein, aber ich will unbedingt mal hin. Wie ist es dort so?", wollte sie gerne wissen.

„Naja, das ist jetzt eine schwierige Frage. Es gibt Unterschiede von Region zu Region. Ich würde sagen, dass die Architektur sehr anders ist. Und die Kultur ist auch irgendwie anders. Ich weiß nicht, es ist schwierig das jetzt zu erklären.", sagte ich ihr. „Meistens sind die Häuser auch größer. Und wir haben Kleiderschränke. Jedoch hab wir nicht so ein gut ausgebautes Bahnsystem. Und wir haben keine so lange Geschichte. Aber Amerika gibt es ja auch erst seit 234 Jahren."

„Irgendwann will ich auch mal dahin.", antwortete mir Alice mit leuchtenden Augen. „Ich würde gern mal nach New York und L.A. und nach Hawaii ..."

Wir hörten wie die Haustür geöffnet und wieder geschlossen wurde. Kurz darauf kam Carlisle ins Wohnzimmer. Er trug eine lange Hose, ein Button Down Hemd und dazu eine Krawatte.

„Deine Mutter hat angerufen und gesagt das sie heute nicht kochen wird.", teilte er Alice mit. „Wir könnten entweder Essen gehen, oder ihr beiden macht euch selbst etwas."

„Los, bestellen wir Pizza!", rief Alice aufgeregt. „Bella, was willst du auf deiner Pizza?"

„Ich wusste gar nicht, dass sie hier auch Pizza liefern. Ich nehme normalerweise einfach nur Käse und Peperoni.", sagte ich zu ihr. In dem Moment klang Pizza sogar richtig gut.

Alice nahm sich das Telefon und wählte eine Nummer. „Ich hätte gerne 3 große Pizzen. Eine mit Käse und Peperoni, einmal Supreme* und eine Tomate-Mozzarella. … Ja, genau zu dieser Adresse bitte. … Danke."

Alice bestellte das Essen und sagte uns dann: „In ungefähr 30 Minuten sind sie hier."

Kurz bevor die Pizzen geliefert wurden, kamen auch Edward und Esme nach Hause. Sie gingen nach oben und zogen sich um. Sie tauschten ihre Arbeitskleidung gegen etwas Lockereres. Und als es endlich an der Tür klopfte, öffnete Alice die Tür und bezahlte den Lieferanten. Sie nahm die Pizzen und brachte sie in die Küche.

„Ihr habt Pizza Hut hier?", fragte ich etwas ungläubig und zeigte auf die Verpackung.

Wir fingen mit Essen an und redeten ein bisschen dabei. Es stellte sich heraus, dass Edward und ich die Selbe mochten, deswegen teilten wir uns die Peperoni Käse Pizza. Esme und Alice teilten sich die Tomate-Mozzarella-Pizza und Carlisle aß etwas von der Supreme.

„Habt ihr schon Pläne für heute Abend?"

„Wir wollen mit Bella zum Old Queen's Head heute Abend." antwortete Edward Carlisle. „Sie in die 'Pub-Szene' einführen und so."

„Das klingt nach Spaß." Esme wirkte, als würde sie sich für mich freuen.

„Aber seit schön vorsichtig. Und vergiss nicht, dass du morgen arbeiten musst, Edward."

„Ja, Mum.", antwortete Edward und ich wusste, dass er ein Augenrollen unterdrücken musste.

Zweieinhalb Stunden später gingen wir, Edward, Alice und ich, die Straße zum Pub entlang. Alice hatte mir gesagt, dass ich das tragen solle was ich davor auch schon getragen hatte – Leggings, das rote Kleid und die Kette mit den Ballerinas. Alice trug jetzt High-Heels, Röhrenjeans und ein Top mit einem Blütenmuster. Und Edward sah in seiner dunklen, leicht ausgewaschen Jeans und dem Button Down Shirt äußerst attraktiv aus.

Als wir dann am Old Queen's Head ankamen, ging Alice zuerst rein, dann ich und nach mir kam Edward.

„Trinkst du Bier?". fragte mich Edward und lehnte sich näher zu mir, sodass ich ihn besser hören konnte. Ich konnte sogar seinen Atem an meinem Ohr spüren.

„Manchmal. Meistens bei College-Partys, aber das ist dann das billige amerikanische Bier, wie Keystone oder Natural Light. Es schmeckt grausam. Ich habe auch schon Dos Equi probiert, das war ganz in Ordnung. Aber ich weiß nicht was ich jetzt hier bestellen soll.", erklärte ich ihm meine Misere der Bierauswahl.

Wir gingen Richtung Bar und Alice bestellte für sich selbst einen Pint (großes Glas) halbdunkles Bier von Fuller's.

„Die Dame nimmt einen Pint Mann's brown ale (Mann's dunkes Bier) und ich nehme einen Pint starkes, dunkles Bier von Fuller's.", bestellte Edward beim Barkeeper und gab ihm das Geld.

„Ich hab dir ein dunkles Bier bestellt, das ist etwas süßer als die anderen. Du kannst ja unsere Mal probieren und dann entscheiden welches dir am besten schmeckt.", berichtete er mir.

Der Barkeeper gab uns unsere Getränke und wir gingen zu ein paar freien Plätzen. Ich trank etwas von meinem Bier und befand es als lecker. Ich konnte einen leichten Hauch von Schokolade und Karamell schmecken. Edward gab mir dann sein Porter, damit ich es auch probieren konnte. Ich nahm einen Schluck, aber konnte den Geschmack nicht genau einordnen. Es war aber dennoch ganz gut. Alice gab mir ihr halbdunkles Bier, jedoch mochte ich dieses überhaupt nicht. Es erinnerte mich an so ein fades Bier, welches ich mal auf einer Party getrunken hatte.

„Ich mag meins, aber Edward's ist noch besser.", äußerte ich.

„Auf Bella", sagte Edward und hob sein Glas hoch. Alice und ich stießen auch mit an und zusammen prosteten wir „Cheers!", um dann etwas zu trinken.

„Und Bella, warst du schon mal so richtig schön besoffen?", fragte mich Alice. „Ich weiß nicht wirklich wie das in Amerika so ist."

„Erst zweimal. Ich war schon öfter angetrunken, aber richtig betrunken erst zweimal. Das erste Mal war bei einem Footballspiel von unserer Universität. Wir saßen alle auf der Wiese rum und ich hab einfach zu viel Dschungel-Saft getrunken. Ich konnte mich nicht mal an die erste Hälfte des Spiel erinnern. Und das zweite Mal war erst letztes Semester in meiner Wohnung. Mit meiner Mitbewohnerin und ein paar von ihren Freunden. Wir haben Filme geguckt und ein Trinkspiel nebenbei gespielt. Ich hatte am Ende vier Gläser Wein, einmal Vodka und eine Cola intus.", schilderte ich ihnen. „Ich weiß, dass es nicht besonders oft ist, aber ich bin immer noch minderjährig in den USA. Und ich hab einfach zu viel Angst mit einem gefälschten Ausweis erwischt zu werden. Mein Vater ist Polizist und er würde mich umbringen, wenn ich erwischt werden würde."

„Was ist Dschungel-Saft?", überlegte Edward laut.

„Oh, das ist ein Mix aus Fruchtbowle, anderen Fruchtsäften und viel Vodka und Everclear. Der Sinn dahinter ist einfach, dass man schnell betrunken werden soll ohne, dass man es merkt. Den Alkohol schmeckt man kaum.", erklärte ich den beiden.

Eine Stunde und ein Bier später, merkte ich wie ich langsam beschwipst wurde. Ich fing an lauter zu reden und benutzte auch meine Hände. Ich bin viel offener, wenn ich leicht angetrunken bin. Alice jedoch, wurde so langsam aber sicher wirklich betrunken. Nur Edward blieb einigermaßen nüchtern. Alice fing an mit irgendwelchen Leuten hier im Pub zu reden und Edward und ich sahen ihr ziemlich amüsiert zu.

Je näher Mitternacht kam, desto mehr Leute gingen nach Hause. Ich schätze, dass der Pub zu dieser Zeit, jedenfalls unter der Woche, schloss. Edward musste Alice praktisch aus dem Pub heraus drängen und ihr immer wieder sagen, das es Zeit zum nach Hause gehen sei. Sie konnte noch selbst laufen, aber sie war sehr ruhig auf dem Weg nach Hause.

Plötzlich fing in meiner Tasche mein Handy an zu klingen. Ich nahm es raus und nahm auch gleich ab.

„Hallo?"

„Bella! Ich bin´s, Mum. Tut mir Leid, dass ich so spät anrufe. Wie geht es dir denn?", hörte ich die Stimme meiner Mutter sagen.

„Hey Mum. Es geht mir gut hier. Bis jetzt ist alles toll. Die Cullens sind einfach wunderbar. Wie spät ist es bei euch?", fragte ich interessiert nach.

„Es ist erst 16:00 Uhr.", sagte sie. „Hast du schon irgendwas Aufregendes gemacht?"

„Ja. Gestern waren Alice und ich im Tower of London. Und heute waren wir im Tate Britain Museum und mit dem London Eye sind wir auch gefahren.", zählte ich ihr freudenstrahlend auf.

„Und was machst du jetzt gerade?", fragte sie.

„Ich laufe gerade mit Edward und Alice von einem Pub zurück.", gab ich ihr die ehrliche Antwort. Ich war mir ziemlich sicher, dass es ihr egal war. Sie wusste, dass ich manchmal etwas trank.

„Oh, dann ist es bestimmt schon relativ spät bei euch, oder? Warte ... 8 Stunden weiter ... es ist also kurz nach Mitternacht bei euch, richtig?"

„Ja, Mum. So ist es."

„Na dann, werd ich mal wieder auflegen. Ruf an wann immer du willst. Wenn du nicht anrufst, schätze ich mal ist alles in Ordnung. Ich hab dich lieb, Bella.", verabschiedete sie sich von mir.

„Ich dich auch, Mom.", erwiderte ich und legte auf. Ich steckte mein Handy zurück in meine Tasche und lief mit Edward und Alice die restlichen 4 Blöcke nach Hause.

„Sei leise, Alice.", forderte Edward sie auf, öffnete die Tür und führte uns hinein. Wir halfen Alice die Treppen nach oben. Danach gingen Edward und ich zu unseren eigenen Räumen.

„Gute Nacht, Bella.", sagte Edward und sah direkt in meine Augen.

„Gute Nacht, Edward.", antwortete ich ihm und sah auch in seine wunderschönen Grünen.

Ich ging in mein Zimmer und schloss die Tür. Ich zog mir meinen Schlafanzug an und sah nochmal in mein E-Mail-Postfach und auf meine Facebook-Seite. Doch bei beiden war wie immer nichts. Ich nahm mir meinen Waschlappen, meine Zahnbürste und die Zahnpasta und ging raus Richtung Bad. Ich wollte gerade den Knauf greifen, da öffnete Edward die Tür von innen. Er musste geduscht haben, denn seine Haare waren nass und im Badezimmer war es leicht dunstig. UND, er trug nur er Handtuch um seine Hüfte.

Ich ging einen Schritt zurück, starrte nur für eine Sekunde auf seine trainierten Bauchmuskeln und sah dann hoch in sein Gesicht.

„Süße Träume.", grinste er, lief in sein Zimmer und schloss die Tür.

Ich ging immer noch etwas verdutzt ins Badezimmer, wusch mir mein Gesicht und putze mir noch meine Zähne, dann konnte auch ich endlich ins Bett.

Und während ich auf meinem Bett lag und versuchte einzuschlafen, gestand ich mir selbst etwas ein – ich war extrem verliebt in Edward Cullen.

*Supreme = Salami, Zwiebeln, Pizza-Soße, Käse, Pilze und schwarze Oliven

Bis nächsten Sonntag :)