Disclaimer:

Alle bekannten Personen, Orte etc. gehören natürlich JKR.

Zu mir gehört lediglich der „Zeitsprung" sowie Sina, Lena und Tina/Temptation.

A/N: Dieses Kapitel ist der letzte Teil der Einführung, danach geht es richtig los!

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Auch in den darauffolgenden Tagen konnte Sayda lediglich bei den Mahlzeiten einen Blick auf Snape erhaschen – sonst schien er einfach nicht aufzutauchen. Ihr Lieblingsfach war „Dunkle Künste" – die Carrow-Geschwister waren immer von Saydas doch ziemlich beeindruckenden Flüchen begeistert und gaben ihr fast täglich Extra-Hauspunkte. Mit Siria traf sie sich immer nach dem Unterricht in der Bibliothek und sie machten gemeinsam ihre Aufgaben.

Immer wieder wurden die beiden gefragt, wo und warum sie eigentlich hergekommen waren. Mit Vergnügen erzählte Sayda die ausgedachte Geschichte:

„Wir kommen aus den USA, aus einem kleinen Dorf, da gibt es fast nur Hexen und Zauberer, einen Muggel anzutreffen ist ziemlich schwer!", berichtete sie.

„Bist du reinblütig?", fragte eine Slytherin-Drittklässlerin.

„Naja… Meine Mutter ist ein ¾-Blut, ihre Mutter war Halbblüterin und ihr Vater Reinblüter. Mein Dad ist auch ein Reinblüter, dann bin ich sozusagen… ein 7/8-Blut", meinte Sayda grinsend. „Aber in meiner Familie sind noch nie Squibs vorgekommen."

Die Drittklässlerin zog mit einem freundlichen Lächeln ab.

„Wieso seid ihr hier her?", erkundigte sich eine ängstlich wirkende kleine Gryffindor. „Ich meine, wo Du-weißt-schon-wer doch hier in England sein soll!"

Sayda zog die Augenbrauen hoch. „Bei uns daheim herrscht Bürgerkrieg. Wenn du loyal bist, oder zumindest nicht im Weg stehst, kannst du mit Du-weißt-schon-wem sicher besser leben als mit Nachbarn, die dich bei nächstbester Gelegenheit abknallen!"

„Abknallen?", kam es misstrauisch von einem Slytherin.

„Äh, ja, manche gehen tatsächlich schon so weit, Muggel-Waffen zu benutzen, um von sich abzulenken!", erklärte Sayda hastig, als ihr ihr Fehler auffiel.

In all den Gesichter um sie herum konnte sie ein und denselben bewundernd-erstaunten Ausdruck erkennen. Die Story kam echt gut an!

Bis Weihnachten wusste dann so ziemlich ganz Hogwarts über Sayda und Siria Bescheid und sie konnten ein relativ normales Schülerleben führen. Nur eins machte Sayda Sorgen: Insgeheim wusste sie, dass sie nur hierhergekommen war, um Snape zu retten – irgendwie sagte ihr das ihr Unterbewusstsein. Aber wenn sie ihn nie sah – wie sollte sie dann wissen, wie sie ihn davon abhalten konnte, am 2. Mai des nächsten Jahres in die Heulende Hütte zu gehen? Sie konnte ja nicht einfach in sein Büro marschieren und ihn entführen! Die ganzen Ferien lang, die sie mit Siria in Hogwarts verbrachte, grübelte Sayda über dieses Thema nach. Siria half ihr dabei, sie hatte mal wieder erraten, was ihre beste Freundin bedrückte.

„Es ist schon ziemlicher Mist, dass er ausgerechnet in diesem Jahr Schulleiter ist", meinte sie. „Wie wäre es, wenn du irgendetwas anstellst, damit du zum Direktor musst? Aber es muss was sein, was Snape lustig findet..."

Sayda dachte nach.

„Ich könnte das Stundenglas der Gryffindors sprengen!"

Siria verdrehte die Augen und schüttelte den Kopf.

„Nicht so! Ich hätte eher daran gedacht, dass du einen so guten Trank braust, dass Slughorn dich gradewegs zu Snape schickt um zu zeigen, wie genial du bist."

„Einen Trank? Bist du sicher?" Sayda wirkte wenig überzeugt. „Ich denke nicht, dass ihn das sonderlich beeindrucken würde, dann müsste der Trank schon sehr tödlich sein…"

Auch nach den Ferien widmete Sayda ihre ganze Freizeit der Suche nach einer Lösung für ihr Problem. Leider litten ihre schulischen Leistungen ziemlich darunter und so wurde sie eines Tages kurzerhand von Professor McGonagall ins Schulleiterbüro geschickt. Die alte Dame machte dabei einen recht verzweifelten Eindruck, so als wäre das die letzte Möglichkeit für Sayda.

Aufgeregt machte sich Sayda am Nachmittag auf den Weg. Das Passwort für den Wasserspeier war „Bezoar" – Sayda schauderte bei der Vorstellung, in einem Ziegenmagen herumzukramen. Trotz ihrer Vorfreude spürte sie einen Kloß im Hals, während sie die sich bewegende Treppe hinaufstieg. Was, wenn sie eine Strafe bekam? Oder sogar von Hogwarts verwiesen wurde? Und dann stand sie auch schon vor der Tür und klopfte zaghaft an.

„Herein", klang eine kühle Stimme nach draußen.

Sayda kniff die Augen zusammen, holte noch einmal tief Luft, öffnete die Türe und trat ein.

Snape saß mit geradem Rücken hinter seinem Schreibtisch und sah sie nichtssagend an. Die Porträts der ehemaligen Schulleiter hinter ihm schliefen alle.

„Guten Tag. Was führt Sie hierher?"

„Ich…" Sayda schluckte. Warum war sie plötzlich so nervös? „Ich soll Ihnen diese Nachricht überbringen."

Mit entschlossenen Schritten ging sie zu Snape hinüber und hielt ihm das Pergament von Professor McGonagall hin.

Er streckte seine bleiche lange Hand aus und nahm es ihr ab, wobei seine kalten Finger kurz die Saydas streiften. Ohne eine Miene zu verziehen studierte er die Nachricht. Als er fertig war, zog er die Augenbrauen nach oben und sagte spöttisch: „Ihre Leistungen lassen also zu wünschen übrig, Miss Shevell? Tja, was soll ich da tun? Ich kann Ihnen nur raten, sich zu verbessern, ansonsten werden Sie sich in Kürze nicht mehr hier befinden." Snape bedachte Sayda mit einem hämischen Grinsen. „Sonst noch was?"

„Nein, das war's. Auf Wiedersehen, Sir."

Sayda wandte sich um und rauschte mit wehendem Umhang hinaus. Wenn sie es nicht so eilig gehabt hätte, wegzukommen, hätte sie vielleicht gemerkt, dass Snapes Blick ihr folgte. Es war der 7. Januar und sie fühlte sich mies. Sie hatte sich bis auf die Knochen blamiert! Jetzt fielen ihr tausend Dinge ein, die sie zu Snape hätte sagen können, aber nun war es ja leider schon zu spät!

Zwei Tage später ging es dann weiter: Sie hatte ihre Prüfung in Zaubertränke glücklicherweise noch bestanden und lief gerade gedankenverloren auf die Ergebnisse starrend zu Pflege magischer Geschöpfe, als ihr ein großer, schwarz gekleideter Mann in den Weg trat – Snape!

„Miss Shevell? Haben Sie ihre Noten bereits verbessert?", fragte er und griff sich flink ihren Notenbogen.

Überrumpelt schaute Sayda auf. Was war denn das jetzt?

„Ja, ich komme wieder ganz gut mit, hatte wohl einen Hänger", meinte sie mit einem leicht eisigen Unterton in der Stimme, der ganz deutlich sagte, dass es ihr nicht gefiel, wie Snape mit ihr umsprang. Doch den interessierte das nicht, er studierte immer noch konzentriert Saydas Noten.

„Naja", meinte er schließlich etwas verachtend, „da könnte man noch einiges verbessern!"

„Ich bin dabei!", antwortete Sayda mit einem hässlichen Lächeln und schnappte sich den Notenbogen wieder und ging.

Ha ha, gearscht!, dachte sie mit grimmiger Genugtuung. Und heute – ach, wie geil! Heute war Snapes Geburtstag!

Doch irgendwie empfand Sayda kein Mitleid mit ihm.

Von diesem Moment an sah Snape sie nicht mehr an, er wich demonstrativ ihrem Blick aus und Sayda glaubte so etwas wie Unsicherheit und Verwirrung in seinen schwarzen Augen zu sehen. Er ließ sich doch nicht etwa von einer Schülerin einschüchtern, oder? Doch egal was Sayda auch tat, sie traf den Schulleiter auch nie mehr zufällig irgendwo, es schien ihr fast so, als wolle er sich vor ihr verstecken – sollte er nur, vielleicht kam er dann ja auch nicht in die Nähe von Voldemort?

Anscheinend konnte Sayda ihre Sorgen nicht ganz so gut verbergen, wie sie dachte, denn sogar Draco Malfoy sprach sie auf ihr unsicheres Verhalten an.

„Hey, alles klar? Du wirkst so… als hättest du vor etwas Angst…", meinte er eines Tages gegen Ende April. „Es ist doch alles in Ordnung oder hast du Stress mit jemandem?"

„Nein, danke, Draco. Es ist alles OK, nur ein bisschen viel Gelerne", wiegelte sie ab.

Machte der kleine Todesser jetzt auch noch einen auf Beschützer? Wusste er denn gar nicht, was ihnen allen in ein paar Tagen bevorstehen würde?

„Du, Sayda", sprach jetzt auch Pansy sie an, „wenn's dir nicht gut geht, geh' doch mal zu Madam Pomfrey, vielleicht kann sie dir was geben… und pass' mit Draco auf…"

Verwirrt drehte sich Sayda zu ihr um, doch da war Pansy schon auf dem Weg in die Kerker und Sayda lief kopfschüttelnd die Treppen hinauf zur Bibliothek, wo Siria auf sie wartete.

„Hey, was ist?", begrüßte diese sie. „Du siehst so bedrückt aus!"

„Ach, weißt du, ich hab' gestern Abend noch mal die ganzen Geschichte gelesen und bin zu dem Schluss gekommen…"

„WAS? Du hast die Bücher dabei? Bist du denn des Wahnsinns? Wenn jemand von denen die in die Finger kriegt… oh mein Gott, dann kennen alle die ganze Geschichte! Das ist mehr als eine Prophezeiung, das ist… das ist die Wahrheit, sie würden die Wahrheit über ihre Zukunft kennen! Sayda, das ist gefährlich!", rief Siria entsetzt.

„Ich hab' sie ja gut versteckt", meinte Sayda unwirsch. „Jedenfalls… glaube ich nicht, dass wir länger als bis zur Schlacht von Hogwarts bleiben sollten. Ich hab' es mir so gedacht, dass das unsere – meine – letzte Chance ist… und wenn wir einfach abhauen, kann sich eh keiner mehr an uns erinnern."

Siria nickte.

„OK, aber dann gehen wir! Wir sind schon so lange weg, was sollen unsere Eltern denn denken?"

„Wir sind auf so 'nem Austausch, von der Schule aus…", meinte Sayda abwesend.

„Und die Schule? Was wissen die?"

„Die wissen gar nichts. Wir sind von unseren Eltern entschuldigt. Hab' ich alles so eingefädelt!" Sayda lächelte müde, aber stolz.

„Oh je, und das soll klappen?", fragte Siria zweifelnd.

„Hat ja schließlich auch geklappt, dass wir zaubern können", kam die schnippische Antwort zurück.

„Okay, okay. Schon gut. Aber nur noch bis zum 2. Mai!"

Der 2. Mai kam schneller als geplant. Sayda arbeitete sich noch einmal an Snape heran, doch der war abweisender denn je und verschanzte sich immer mehr in seinem Büro.

Drauf und dran, noch ein letztes Mal in die Geschichte einzugreifen, liefen Sayda und Siria am späten Abend des 1. Mai den Gang entlang zum Ravenclaw-Turm, als sie ganz plötzlich auf Professor McGonagall trafen, die zusammen mit anderen Lehrern und Harry Potter durch ein großes Loch in einem Fenster hinaus auf das Gelände starrten.

Erschrocken hielt Sayda inne.

„Er ist weg!", wisperte sie. „Er ist schon weg, wir haben ihn verpasst!"

„Na, dann Beeilung!", flüsterte Siria. „Vielleicht kriegen wir ihn noch!"

Die beiden rannten los, doch schon als sie die erste Treppe hinunter waren, brach um sie herum das Getöse los. Die Riesen begannen, das Schloss in seine Einzelteile zu zerlegen. Todesser drangen durch die große Flügeltür ein. Grüne und rote Blitze flogen umher. Siria schrie, doch Sayda versuchte, sich hindurch nach draußen vorzukämpfen.

„SINA!", brüllte Lena aus Leibeskräften. „Es ist zu spät, wir können nichts mehr machen! Lass' uns von hier abhauen!"

„Nein! Lena, ich…" Sina blickte ein letztes Mal niedergeschlagen auf das Schlachtgetümmel, dann drehte sie sich um und ging auf ihr Freundin zu. „Okay… gehen wir."

Lena zerrte die widerstrebende Sina die Treppen wieder nach oben, bis sie vor einer gigantischen Wanduhr standen.

„Noch 3 Minuten, dann ist es Mitternacht", murmelte sie.

Sina zitterte und Tränen liefen ihr übers Gesicht. Sie hatte versagt, sie hätte nie hierher kommen sollen.

„Noch 2 Minuten…" Lena blickte gebannt auf das riesige Zifferblatt. „Noch eine Minute… Wieder nach Hause, bei 00:00! Nach Hause bei 00:00!"

Die Sekunden verrannen, während um sie herum Fenster zerbarsten, Rüstungen umherirrten und die Riesen grölten. In diesem Moment wünschten sich Sina und Lena wirklich nichts anderes mehr, als nur endlich, endlich heim zu kommen.

Um Punkt 00:00 verschwamm alles um sie herum und sie landeten in Sinas Zimmer. Weinend brach diese auf ihrem Bett zusammen. Lena setzte sich mit zu ihr und streichelte ihren Rücken. Sie fühlte sich selbst so, als ob sie gleich weinen würde.

„Ist alles gut… ist alles gut", beruhigte sie sie etwas. „Denk' dran, es gibt ihn gar nicht wirklich, er ist nur eine Romanfigur. Vergiss' ihn."

Sina hörte auf zu schluchzen und wimmerte nur noch leise. Dann nickte sie.

„Du hast recht", schniefte sie. „Ich sollte ihn einfach vergessen. Aber es geht nicht!"

„Doch, es geht, hab' nur Geduld!", redete Lena auf ihre beste Freundin ein. „Irgendwann wirst du darüber lachen, über unser Abenteuer, hm?"

Sina lehnte sich gegen sie.

„Wahrscheinlich ist es so…"

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Greta-Serebro – Vielen Dank erstmal Und was die Freundschaft angeht – danke für den Hinweis, ich hab das so noch gar nicht wahrgenommen, die Story ist nur schon komplett geschrieben, also ändern kann ich das nicht mehr, aber ich versuche es mal zu erklären: Lena kann mit Sinas Überschwänglichkeit und fast schon fanatischer Leidenschaft für Snape nicht allzu viel anfangen, da sie selbst nichts von ihm hält, aber dennoch sind sie eigentlich beste Freundinnen. Es kommt nur in dem Umfeld nicht so heraus. Ich denke, im Verlauf der Geschichte wird es deutlicher, allerdings stecken die beiden auch ein bisschen in der Selbstfindung und müssen so dies und das ausprobieren… Vielleicht liegt es auch einfach daran, dass mein Hauptfokus beim Schreiben nicht auf der Freundschaft von Sina und Lena lag…