Kapitel 2 – Keis wundervoller erster Schultag
Es läuft alles nach Plan. Ich bin schon jetzt das beliebteste Mädchen der Klasse. Das Glück wandelt auf meiner Seite: Kise Ryouta, ein erfolgreiches Fotomodel besucht diese Schule. Neben seinem guten Aussehen, ist er auch noch geradezu lächerlich charmant. Ein Wunder, dass ich mich selber noch nicht in ihn verliebt habe. Man kann ihn schließlich schon als geradezu übermenschlich ansehen... Er erinnert mich irgendwie an mich... Leider scheint Hide die Seirinhigh nicht so viel Spaß zu machen, wie mir. Ich höre sie immer nur, wenn sie irgendwas aufzuregen zu scheint. Gut, die meiste Zeit bin ich es, die sie aufregt, aber dazu sind doch kleine Schwestern da. Irgendwie.
Die Blondine lächelte vor sich hin ohne zu Bemerken, wie sich langsam ein Schatten von vorne näherte. Eine Stille bereitete sich im Klassenraum aus und sorgte für eine Anspannung, die man förmlich aus der Luft greifen konnte.
Plötzlich krachte ein Zeigestock mit einem lauten Geräusch auf den Tisch, der in gedankenversunkenen Schülerin.
„Kureiji Kei, ich würde es sehr begrüßen, wenn sie mit der Träumerei aufhören würden und stattdessen dem Unterricht folgen. Es ist ihr erster Tag hier und sie wollen es sich doch nicht jetzt schon bei mir verscherzen. Gehe ich korrekt mit dieser Annahme?"
Kei sah überrascht auf. Schnell, straffte sie ihre Schultern und setzte eine seriöse Mine auf. Der Lehrer musterte sie kritisch hinter einer Brille heraus. Er war jung, das war was Kei als erstes aufgefallen ist. Zu jung, um jetzt schon verbittert zu sein. Seine stylisch fallenden Haare, gepaart mit dem grauen Anzug, den er trug, verliehen ihm eine gewisse Aura von Eleganz und betonten zur selben Zeit seine stechend eisernen Augen. Wahrscheinlich, kommt sie am ehesten auf seine gute Seite, wenn sie sich etwas einschleimt.
„Nein Imayoshi-Sensei, dass möchte natürlich ich nicht. Ich entschuldige mich, wenn ich Sie gestört habe. Es ist nur so..." Kei machte eine kleine Pause und taxierte den Mann.
„Als sie angefangen haben zu reden, konnte ich nicht anders als mir vorzustellen wie wohl das restliche Schuljahr mit Ihnen ablaufen würde. Ich freue mich so sehr, dass Sie uns die nächsten Jahre begleiten werden. Es tut mir leid, dass ich mich so mitreißen habe lassen, Sensei."
Der Lehrer lächelte sie charmant an.
„Ich schätze mal, da es das erste Mal ist in dem du in meinen Unterricht sitzt, kann ich eine Ausnahme machen, aber bitte sorge dafür, dass du mir in Zukunft aufmerksam folgen kannst, ja?"
Kei bejahte und schenkte ihm ein zustimmendes Lächeln. Der Klassenlehrer begab sich wieder nach vorne. Eine unerwartete Gänsehaut bereite sich auf der Haut des Mädchens aus. Beruhige dich Kei, kein Grund sich voreinem alten Mann zu schauern... Die Oberschülerin sah sich in ihrer Klasse um, bevor sie ihren Blick wieder an die Tafel richtete. Nein... das kamnicht vom Alten…?
Kei schweifte kein weiteres Mal in ihren Gedanken ab, doch es fiel ihr trotzdem schwer sich auf den Unterricht zu konzentrieren.
Die Blondine wollte gerade den Raum verlassen als sie von jemanden zurückgehalten wurde. Sie drehte sich um, um zu erkennen wer sie festhielt und wurde von einem strahlenden Lächeln begrüßt.
„Hey, es war wirklich unglaublich wie du den Lehrer abwimmeln konntest. Ich habe gehört er soll ein richtiger Spielverderber sein."
„Wirklich? Ich schätze, da habe ich mal richtiges Glück gehabt."
Der blonde Junge lachte. „Tu nicht so. Ich bin mir sicher du wusstest genau wie du aus der Situation wieder rauskommst. Ich erkenne gute Schauspieler, wenn ich sie sehe."
Ihre Blicke trafen sich für einen kurzen Moment. „Haha, Ich denke, das ist nicht überraschend, dass du das kannst. Du bist immerhin Kise Ryouta, das Fotomodel, was es innerhalb von wenigen Wochen schaffte alle Topmagazine Japan für sich zu begeistern."
Für einen Augenblick glaubte Kei ein Glitzern in seinen Augen zu erspähen.
„Du hast mich also wieder erkannt? Ich war mir nicht sicher bei unserem Gespräch von vorhin. Normalerweise ist es das erste worüber die Leute mit mir reden. Aber du hast nicht ein Wort darüber verloren."
Ihre Blicke trafen sich wieder, doch dieses mal nahmen sie sich beide ganz genau in Augenschein. Es wirkte so, als ob ein stille Konversation zwischen ihnen ablaufen würde. Einverständnis spiegelte sich in ihren Augen wieder und Kei antwortete: „Mir war einfach nicht danach dich darauf anzusprechen. Ich kann mir vorstellen, es ist ziemlich nervig immer nur auf eine Seite von dir aufmerksam gemacht zu werden. Du bist schließlich mehr als nur eine Berühmtheit oder?"
Kises Augen weiteten sich etwas aus Überraschung bevor er anfing zu grinsen. „Ich denke wir werden noch richtig gute Freunde Keichi!"
Die Beiden verließen zusammen den Klassenraum und, obwohl Kei ein kleines Glücksgefühl durchströmte, beschlich sie gleichzeitig ein größeres, unangenehmeres Gefühl. Sie drehte sich noch einmal um, um zu schauen woher diese Ahnung kommt, doch es war niemand zu sehen bis auf ein paar kichernde Schulmädchen. Sie wurde das Gefühl nicht los, dass sie jemand beobachtet hatte.
Kei und Kise liefen zusammen den Schulflur entlang. Viele neugierige, aber vor allem bewunderte Blicke folgten ihnen dabei. Es war nicht so, als wäre die Aufmerksamkeit etwas Ungewohntes für die Blondine, aber ein Topmodel an der Seite war selbst für sie etwas Neues. Eine funkelnde Aura umgab die Beiden und lies nicht zu, dass etwas weniger leuchtendes sich ihnen nähern konnte. Die Jugendliche genoss dieses Gefühl und vergaß dabei völlig das Unbehagen, das seit dem Unterricht an ihr zu nagen schien. Ihren Kopf zu ihrem Gesprächspartner gedreht, lauschte sie gerade einer von Kises Geschichten: „Und dann sah ich ihn in einem Spiel..."
Auf einmal stieß sie gegen etwas und verlor dabei beinahe das Gleichgewicht, bevor sie dann einige Schritte zurück trat. Offenbar war sie gegen einen Schüler geraten. Es war ein Kerl, so viel konnte sie sagen, sogar ein ziemlich großer, wenn sie mit ihrem Gesicht genau in seine Brust geknallt ist. Außerdem hing ein seltsamer Geruch am Jungen. Er hatte etwas exotisch und vertrautes, als hätte sie ihn schon einmal gerochen. Jedoch ist sich Kei sicher, dass sie diesen Duft zum ersten mal in ihrem Leben gerochen hat. Er besaß etwas unvergleichliches und sorgte in ihr für das Verlangen den ganzen Tag nur noch in diesem Aroma baden zu wollen. Seit wann habe ich denn solche peinliche Gedanken? Kei öffnete irritiert ihre Augen um zu erkennen gegen wen sie gestoßen ist. Ein Typ mit müden dunkelblauen Augen und kurzen Haaren in der selben Farbe sah von oben auf sie herab. Sie hatte recht gehabt. Er war groß, mindestens 30 cm Abstand trennten sie in Höhe. Doch das war nicht das einzig Auffallende an ihm. Seine Haut besaß einen dunklen Teint und verlieh ihm so etwas Fremdes. Kei fragte sich automatisch, aus welchem Land er wohl ursprünglich kommt, aber ehe sie den Mund aufmachen konnte um zu fragen, lief der Fremde einfach weiter ohne auch nur einmal zurückzuschauen.
„Hey, Aominecchi! Pass doch auf wo du hinläufst. Du kannst doch nicht einfach ein Mädchen anrempeln und dann auch noch abhauen ohne dich zu entschuldigen!" schallte es neben der verdutzten Teenagerin.
Der Angesprochene hob faul die Hand zum Mund um sein Gähnen zu unterdrücken während er einfach weiter ging. „Nerv nicht Kise! Es ist zu früh um mich mit dir rumzuplagen."
Kei spürte wie sich eine leichte Wut in ihr anstaute.
„Aominecchi sei nicht so gemein! Ich wollte dich doch bloß fragen, ob du dich entschuldigen könntest."
Die einzige Antwort des blau-haarigen Jungen war ein Grunzen. Was denkt sich dieser Typ bloß dabei? Ist ihm nicht klar wie respektlos er sich gerade verhält?
„Ich muss mich für Aominecchi bei dir entschuldigen. Er ist einfach etwas..."
„Schon gut Kise-kun. Du kannst doch gar nichts dafür. Er sollte sich lieber Entschuldigen. Ich schätze ich muss da mal jemanden Manieren beibringen."
Das Mädchen stampfte ruhigen Schrittes zum anderen Jungen hin. Die Erinnerung an seinen Duft ließen ihren Zorn nur noch weiter anwachsen und ihre normalerweisen rot-braunen Augen schienen nun vollständig rot zu erglühen.
„Oha, pass auf! Dein Blick könnte töten, Kleines."
Mit einem Satz kickte sie seine Beine weg und beförderte ihn damit zu Boden.
„Ich würde sagen nicht ich bin es, die hier aufpassen sollte."
Überraschung und Verwirrung spiegelten sich auf Aomines Gesicht wieder. Währenddessen blickte Kei amüsiert auf ihn herab. Er wollte sich erheben, doch das Mädchen ließ das nicht zu und platzierte ihren Fuß geschickt auf die Brust des Unruhestifters.
„Du solltest dir gut überlegen, was du nun machen willst, Aomine-San. Du willst doch nicht etwa, dass das hier noch ausartet, oder?"
„Was ist eigentlich dein verdammtes Problem?"
Ein schmerzhafter Druck verbreitete sich auf Daikis Brustkorb , so dass er aufkeuchen musste. Ihre Gesichter waren nur noch wenige Zentimeter voneinander entfernt.
„Falls du es noch nicht begriffen hast, du bist mein Problem. Würdest du dich nun bitte entschuldigen?"
Ein Stöhnen entwich dem in Schmerzen liegenden Schüler.
„Es tut mir leid, 'kay? Könntest du jetzt verdammt nochmal endlich von mir runterkommen?"
„Braver Junge", lobte die Blondine ihn und ging davon.
Aomine erhob sich langsam wieder vom Boden und rieb dabei seine schmerzende Brust.
„Hätte nie gedacht, dass ich mal ein Mädchen bitten würde von mir runterzukommen..."
Die umstehenden Schüler, die das Spektakel mitverfolgt hatten, standen mit offenem Mund da. Selbst Kise war die Überraschung ins Gesicht geschrieben, doch er erholte sich schnell.
„Keicchi, ich dachte echt nicht, dass du so sadistisch werden kannst."
Normalerweise bin ich auch immer in der Lage mich zu beherrschen... Das ist alles bloß die Schuld dieses blau-haarigen Idioten. Kei sah den blonden Jungen an.
„Heißt das jetzt wir werden doch keine Freunde?"
Er lachte daraufhin, was Kei nur zum Stirnrunzeln brachte.
„Das habe ich nie gesagt. Das kam gerade nur etwas überraschend", entgegnete er.
Jetzt war es an Kei ihn mit offenen Mund anzustarren..
„Hey, guck nicht so! Ich habe es andauernd mit solchen Sachen zu tun."
Das Mädchen beäugte das Fotomodel noch einmal ganz genau.
„Und du bist dir da sicher? Hide kann da nämlich noch ganz andere Geschichten über mich erzählen..."
„Oh, ich habe vollstes Verständnis für deine Schwester. Ich kann mir vorstellen sie hat einen starken Charakter, wenn sie es mit dir aushält."
„Das hast du jetzt nicht gesagt!"
Kei und Kise verbrachten noch den restlichen Schultag gemeinsam, um über Gott und die Welt, in ihrem Fall die Schule zu reden.
Der Unterricht war vorbei und Hide und Kei begaben sich auf den Heimweg. Es war nicht so, dass ihr Zuhause in der Nähe der Schule liegen würde, doch es war auch nicht so weit weg entfernt, dass es sich lohnen würde Fahrkarten für den Bus zu kaufen. Doch den, seit heute, Oberschülerinnen macht das wenig aus, denn sie gingen ja zu zweit nach Hause und hatten so genügend Zeit um zu reden: „Und Hide? Wie fandest du unseren ersten Schultag?"
Die Angesprochene überlegte einen kurzen Moment, bevor sie antwortete: „Na ja...So wie ein erster Schultag eben ist. Man wird vollgestopft mit Informationen und trifft eine Menge neuer Leute. Ehrlich gesagt, ist das nicht wirklich so mein Ding."
„Das habe ich mir gleich gedacht. Hast du den wenigstens jemanden interessanten kennengelernt?"
„Nein... nicht wirklich, aber so wie ich dich kenne, hast du bestimmt oder? Was hat es mit diesem blonden Schönling auf sich?"
Neugierige himmelblaue Augen blickten von der Seite aus Scharlachrote an.
„Ah, du meinst Kise-kun?"
„Wenn du mich fragst, wäre es wohl eher Ken-kun. Wenn er nicht gesprochen hätte, hätte ich ihn glatt für eine männliche lebensgroße Barbiepuppe gehalten."
Die Blondine blieb mitten auf der Straße stehen. „Hide! Hast du im Ernst keine Ahnung wer das ist?"
Die Ältere starrte überrascht ihre jüngere Schwester an. „Sollte ich ihn kennen? Ist er etwa ein Model oder sowas?"
Fassungslosigkeit spiegelte sich in Keis Gesicht wieder.
„Ja, ja das ist er! Sein Name ist Kise Ryouta und er ist ein in Japan weit bekanntes Fotomodel. Ernsthaft Hide-chan manchmal frage ich mich, ob du hinterm Mond wohnst. War ich nicht diejenige, die letztes Jahr nach Europa gereist ist?"
Die Blondine setzte sich wieder in Bewegung. Das verdutzte blau-haarige Mädchen folgte ihr.
„Willst du damit sagen, dass so jemand wirklich in die gleiche Klasse, wie wir geht?"
„Ja, das tut er."
Für eine Weile herrschte Stille zwischen den Beiden bis Hide diese mit einem „Oh" brach.
„Wenn ich du wäre, wäre mir das jetzt auch peinlich."
Hide stieß einen Seufzer aus. „Du weißt doch, dass so ein Kram mich einfach nich' interessiert."
„Ja ich sollte es besser wissen. Jedenfalls hat mich das Ganze ziemlich hungrig gemacht. Meinst du nicht wir sollten einen kleinen Abstecher einschlagen und uns was kaufen gehen?"
Man sah Hide an, wie dankbar sie für die Ablenkung war . Kei wusste sie mochte es nicht, wenn eine negative Stimmung zwischen ihnen existierte. Natürlich gefiel es auch Kei nicht, doch ihre Stiefschwester war etwas empfindlicher für diese. Vielleicht war das der Grund, dass Hide nicht gerne unter Leuten ist? Doch zum Glück war Kei eine Meisterin, wenn es darum geht schlechte Stimmungen zu vermeiden.
„Also eigentlich gibt es doch zu Hause noch genug zu essen, oder? Es wäre doch Verschwendung, wenn wir für etwas Geld ausgeben, was wir schon haben. Und... Ich wollte ja noch diese eine Sendung anschauen und ich möchte sie wirklich gerne sehen..." Kei verfiel in Gelächter als sie beobachtete, wie sich Hide versuchte raus zureden.
„Dir ist doch völlig egal, dass wir noch essen zu hause haben! Du willst nur nicht diesen Anime verpassen, habe ich recht?" Sie wischte sich gespielt eine Träne vom Auge.
„Na gut von mir aus gehe ich alleine was holen. Du kannst schon mal vorgehen." Die Blauhaarige bedankte sich mit rotem Kopf bei ihrer Schwester und verschwand schnell hinter der nächsten Ecke.
Kei machte sich währenddessen (immer noch mit einem Lächeln im Gesicht) auf den Weg zum nächsten Supermarkt.
Hides Reaktionen sind immer noch die Besten. Obwohl ich sagen muss mir wäre es lieber gewesen, wenn sie mich begleiten würde. Es ist doch gerade mal unser erster Schultag und schon laufen wir getrennt nach Hause. Sie verpasst noch den ganzen Spaß. Die Blondine schaute sich ihre Umgebung an. Sie befand sich in einer Vorstadtregion. Es würde nicht all zulange dauern um in die Stadt zu kommen, aber für den bisschen Hunger lohnt sich der Weg dann doch wieder nicht. Außerdem wäre der Anblick nur halb so schön gewesen. Es war gerade April und das bedeutete die Kirschblüten haben angefangen zu blühen. Auf dem Weg verteilt lagen einzelne rosa Blüten herum und in regelmäßigen Abständen waren Kirschbäume angepflanzt worden. Kei atmete einmal tief ein. Eine Ruhe überkam sie als der süße Blütenduft in ihre Nase drang. Ich würde sagen heute war ein erfolgreicher Tag. Ich habe meine Rede perfekt vorgetragen, bei allen einen anständigen Eindruck hinterlassen, ich habe Kise-kun getroffen und auch... Sie runzelte ihre Stirn. Wieso muss ich gerade jetzt an den blau-haarigen Typen denken?
„Jetzt ist mir der Hunger vergangen", ächzte das Mädchen aufgebracht. Ich habe echt ein gutes Gefühl bei dieser Schule. Es sieht so aus als könnte ich ein paar echte Freunde neben Hide haben können. Wow, traurig.
Kei wollte sich gerade deprimiert auf den Rückweg machen als sie aus den Augenwickeln einen großen Schatten entdeckte. Ein Junge mit schulterlangen lila Haaren und einer ungeheuren Menge an Tüten befand sich auf der anderen Straßenseite. Er schien gerade aus einem Laden gekommen zu sein.Trägt er nicht die Schuluniform unserer Oberschule?
„Was will er denn mit den vielen Tüten?", fragte sich die Teenagerin neugierig. Er wirkte ziemlich träge und hatte einen gelangweilten Gesichtsausdruck, der sich aber schnell änderte als er aus einer der Tüten eine Packung Pocky herausnahm.
Kei beobachtete ihn faszierend und machte große Augen als sie erkannte, was er gerade herausgeholt hatte. In Nullkommanichts stand das Mädchen vor dem Pocky-essenden Schüler und beäugte die restlichen Beutel, die er mit sich herumtrug. Allerdings schenkte er ihr keinerlei Beachtung und ging einfach vorbei.
„Hey, warte mal!"
Der Junge, der sie wohl zu erst nicht bemerkt hatte, richtete nun passiv seinen Blick auf die Blondine. Es war ihr vorher gar nicht aufgefallen, aber der Jugendliche war ein regelrechter Riese. Im Vergleich zu ihm sah sie aus, wie ein kleines Kind.
„Hnn? Was ist?", fragte er mit vollem Mund.
„Du gehst auf die Seirinhigh in die Klasse 1A, hab ich recht?"
Der hochgewachsene Oberschüler schluckte das Essen runter, das er gerade gekaut hatte und starrte Kei an.
„Ja und wer bist du?"
„Also eigentlich wollte ich nur fragen, ob ich etwas von dem abhaben kann?" Kei zeigte auf die Pockyschachtel, die der Jungen gerade in der Hand hielt.
„Häh? Das sind aber meine", antwortete er besitzergreifend.
In einem beinahe flehenden Ton bettelte Kei: „Komm schon, gib mir etwas ab! Du hast doch so viele. Es würde gar nicht auffallen, wenn du mir einen geben würdest." Doch der lilahaarige Riese blieb standhaft und brummte: „Nein. Ich werde alles alleine essen."
Kei setzte eine winselte Miene auf: „Hä, das ist Unfair! Nur ein ganz kleines bisschen", bat sie. Die Blondine fing an auf und ab zu springen um an die Schachtel ran zukommen, doch er hob nur seine Hand mit der Packung nach oben und verwendete den anderen Am dazu, sich die quengelnde Blondine auf Abstand zu bringen. Er machte es somit unmöglich für die Blondine, jemals an die Süßigkeiten zu kommen. Inzwischen wusste Kei, sie sah nicht nur aus, wie ein kleines Kind, sie benahm sich auch so. Doch in ihren Augen war der Kerl vor ihr auch nicht viel besser.
„Du bist gemein!"
„Und du bist ein Winzling und nervig. Du erinnerst mich irgendwie an ein kleines Tier." Das blondhaarige Mädchen hörte schlagartig auf zu hüpfen und schaute ihren Gegenüber an.
„Ein Tier, Winzling, nervig? Ich denke du meinst eher ich bin süß und liebenswürdig."
Der Riese schüttelte den Kopf.
„Nein, klein und nervig, wie ein Floh oder eine kleine Schwester. Ich wette du bist sogar Eine."
Er griff sich eine Schokostange und biss von ihr ab. Skeptisch betrachtete sie ihn, wie er immer eine nach der anderen Stange aus der Schachtel nahm.
„Du bist ein ganz Schlauer, was?" Er antwortete ihr mit vollem Mund: „Nicht wirklich."
Nach einem kurzen Moment, in dem man nur die Kaugeräusche des Jungen hörte, entschied sich Kei, sie hatte genug von ihm.
„Ich schätze heute wird es keine Süßigkeiten für mich geben, aber das nächste mal werde ich nicht mit leeren Händen gehen. Wir werden uns wiedersehen, Murasakibara-kun!"
Mit einem Winken verabschiedete sich die kleine Schwester und lief zügig weg. Murasakibara tat es ihr gemächlich nach mit Ausnahme natürlich, dass er sich keine Gedanken mehr über das seltsame Treffen machte oder darüber, woher sie wohl seinen Namen wusste. Der lila-haarige Riese hatte keine Zeit für etwas so unnötiges, wenn doch noch so viele Pockystangen auf ihn warteten, verspeist zu werden.
Kei eilte den Weg zu ihrem Haus. Dieses mal ohne sich die Mühen zu machen ihre Umgebung zu betrachten. In ihrem Kopf spielte sich immer wieder die Unterhaltung von gerade eben ab. Das Mädchen seufzte.
„Ich sollte mich lieber beeilen."
Es bestand immer hin noch eine kleine Chance, dass sie Hide einholen könnte.
Der Teenie rannte praktisch die ganze Strecke lang. Nach unbelebten Straßen, einem friedlichen Grüngelände kam sie schließlich an einen Sportplatz vorbei. Kei entdeckte Hide nicht weit von dem Sportplatz entfernt stehen, neben ein paar Büschen und Bäumen. Sie näherte sich ihrer Schwester, doch deren Blick war starr auf den Platz gerichtet. Neugierig folgte Kei Hides Blick. Jemand spielte auf dem Platz Basketball. Die Oberschülerinnen sahen beide gleichzeitig zu, wie ein hochgewachsener Junge mit feuerroten Haaren einen Slamdunk absolvierte.
„Wow, nicht schlecht", murmelte die Kleinere von beiden.
Die Größere im Gegenzug zuckte zusammen und drehte sich ruckartig zu der Quelle der Stimme hin. „K-Kei?"
„Hey Schwesterherz", begrüßte das rotäugige Mädchen sie.
Die Angesprochene blieb für einige Sekunden stumm und guckte die Kleinere an. „Wolltest du dir nicht etwas zu essen hohlen?"
„Ja wollte ich, aber es kam leider was dazwischen."
„Und was? Wie kommst du überhaupt hier her? Ich bin doch extra schnell gelaufen", fragte die Blauhaarige verwirrt.
„Das bin ich auch. Du weißt doch wie schnell ich bin." antwortete Kei.
„Hmm, stimmt ja. Ich vergesse es immer wieder."
Die Jüngere grinste. „Und dafür liebe ich dich um so mehr, aber viel interessanter ist doch, was du hier noch machst? Wolltest du nicht schnell nach Hause gehen? Stattdessen versteckst du dich hinter ein paar Pflanzen und siehst einem fremden Kerl beim Basketball spielen z..."
„Eh, ich verstecke mich gar nicht! Und ich habe mich ja beeilt um Heim zu kommen, doch dann sah ich diesen Typen auf dem Basketballplatz und..."
Mit großen Augen unterbrach die Blondine sie: „Oh? Hast du dich etwa in ihn verguckt?"
„Was?! Nein! Natürlich nicht. Es ist bloß so... guck ihn dir doch an. Ich frag mich halt, wie ein Mensch sich so unglaublich bewegen kann."
„Hm, also hast du dich nicht in ihn verguckt?" Hide schüttelte den Kopf.
„Nein, hab' ich nicht."
„Wieso? Er ist sieht doch voll gut aus und er ist sogar ein Basketballspieler!"
„Egal wie gut ein Typ aussieht das reicht nicht aus damit ich mich in ihn verliebe. Das Innere zählt, weißt du?"
„Aber wegen einem schönen Äußerem kann man doch über das Innere hinwegsehen, nicht?"
Die größere Schwester nahm sich etwas Zeit um darüber nachzudenken. „Hm...also ich denke eher nicht. Ich muss gerade irgendwie an diesen einen Anime denken. Da ist es so, es gibt einen total gutaussehenden Typen, doch sein Charakter ist total verdorben. Er manipuliert die Leute so, dass sie nach seiner Pfeife tanzen und bei der ersten Gelegenheit nutzt er die Chance und wird zu einem Massenmörder um sich seine 'perfekte' Utopie zu schaffen. Dann hat er auch noch so eine verrückte Lache, da bekomme ich immer Gänsehaut."
Das blonde Mädchen lächelte als sie zuschaute, wie sich Hide schüttelte. „Ich verstehe, was du meinst."
Kei lächelte zwar, aber Hide konnte sehen, dass das Lächeln ihre Augen nicht erreichte. Wäre sie nicht mit ihr aufgewachsen, würde sie den Unterschied zwischen Keis 'echtem' und gespielten Lachen wahrscheinlich gar nicht erkennen, doch war sie sich in diesem Fall 100% sicher, dass das blonde Mädchen versuchte etwas zu verbergen.
„Was ist los?"
„Nichts ist los. Alles ist Bestens!"
„Kei-chan du kannst aufhören zu lügen. Ich kenne dich besser als jeder andere und deine Schauspielerei hat bei mir keine Wirkung. Sag mir einfach, was dich bedrückt."
Automatisch verschwand das Grinsen der Blondine und ein niedergeschlagener Ausdruck machte Platz auf ihrem Gesicht.
„Es ist nur so... Du weißt mein wahres Ich ist nicht gerade liebenswürdig. Schließlich bin ich ja ein Kiseki... Ich dachte ich könnte es vielleicht mit meinem Äußeren überspielen. Denn wie soll eine Person, die mein Innerstes kennt, mich noch mögen können?"
Die Kleinere spürte, wie sich eine sanfte Hand auf ihre Schulter legte.
„Kei, was redest du denn da? Bist du auf den Kopf gefallen als du mich einholen wolltest? Natürlich kann man dich dann noch mögen! Denkst du, ich würde so viel Zeit mit dir verbringen, wenn ich dich nicht mögen würde?"
Die Schwestern blickten sich in die Augen.
„Ja... du hast recht. So lange ich dich habe, spielen die anderen keine Rolle."
Hide lächelte und umarmte sie.
„Das gleiche gilt für mich. Das nächste mal möchte ich aber, dass du mit sowas eher zu mir kommst."
„Versprochen, Hide."
„Gut, dann lass uns jetzt endlich von hier verschwinden. Ich kann nicht fassen, dass uns niemand bemerkt hat."
Der restliche Weg verlief in Schweigen. Es gab keine weiteren Schwierigkeiten ...Na ja bis auf der Tatsache, dass Hide ihre Sendung verpasste. Kei versprach ihr als Wiedergutmachung eine Schachtel Pocky zu kaufen. Die Ältere lehnte jedoch ab und sagte, sie hätte lieber einen neuen Manga. So geschah es dann, dass Kei ihr Taschengeld online für Manga ausgab.
Sie wussten leider nicht, in welche Schwierigkeit sie deswegen noch geraten würden...
