Extra-Pairing für dieses Kapitel: Sara/Amaya, Ray/Eobard, Ray/andere Alphas

Extra-Warnings: Character Death, Extremer Dub-Con (aber nur impliziert, nicht beschrieben)


3. Spiegelmilch für Spiegelkatzen


Die Jagd war ein wenig enttäuschend gewesen, weil sie so schnell vorbei gewesen war, aber alles in allem war das Leben gut, das fand zumindest Sara. Als sie, Laurel, und Amaya ihre Gefangene zu Damien schleppten, erfüllte sie das inzwischen altbekannte Gefühl der Befriedigung, das sie immer empfand, wenn sie gerade einen Helden zur Strecke gebracht hatte. Dieses Gefühl der abflauenden Aufregung und der Zufriedenheit, das sogar noch besser war als das Gefühl der Übersättigung nach dem Sex.

Ja, Sara mochte ihr Leben, und das, soviel wusste sie, war keine Selbstverständlichkeit. Es gab viele, die ihr Leben nicht mochten, viele, denen es nicht vergönnt worden war als Alpha geboren zu werden, und die daher nicht zur regierenden Klasse gehörten. Viele, die nicht das Glück gehabt hatten von Damien Darhk adoptiert zu werden sowie sie und Laurel.

Nach dem Tod ihrer Eltern hätte viel mit den beiden Alpha-Mädchen geschehen können, doch zum Glück war Damien in ihr Leben getreten und hatte sich ihrer angenommen. Als Gegenleistung dafür arbeiteten sie nun für ihn, aber das war ein kleines Preis, denn immerhin machten ihnen beiden das, was sie taten, Spaß, und außerdem hatte ihre Arbeit für Damien dazu geführt, dass sie mit Amaya zusammen arbeiten konnten – einer zeitversetzten Kämpferin mit einem Totem, die für Damien arbeitete, weil sie ihm ebenfalls viel schuldig war, und die sehr gut im Bett war. Ja, Sara war sehr froh darüber, dass Amaya Teil ihres Lebens war und hätte sie gegen nichts eintauschen wollen, weil sie ihre Rivalin, ihre Freundin, und ihre Geliebte zugleich war –alles, was dazu beitrug, dass Sara immer ihr Bestes geben musste um in Form zu bleiben. Und das war auch gut so, denn man konnte ja nie wissen, wann ein neuer „Held" auftauchen würde, den es zu töten galt.

Inzwischen hatten sie Damiens Büro erreicht und zwangen ihre Gefangene auf einen Stuhl nieder. Damien wandte sich dieser nun zu. „So, so, Felicity Smoak", meinte er, „Die letzte Rächerin von Star City. Ich bin froh, dass wir uns endlich sprechen."

„Nehmen Sie es mir bitte nicht übel, wenn ich das sage, aber ich bin es nicht", erwiderte Felicity. Offenbar war sie immer noch erfüllt von Widerstandsgeist.

„Oh, nein, natürlich sind Sie das nicht", meinte Damien verständnisvoll, „Ich an Ihrer Stelle würde das nicht anders empfinden. Felicity Smoak, Sie sind anders als diese anderen sogenannten Helden, deren Masken meine Sammlung füllen." Er deutete auf seinen Schaukasten, der voll von den Masken all der Vigilanten war, die von ihm und seinen Angestellten zur Strecke gebracht worden waren. „Sie", fuhr er fort, „sind schlau. Deswegen konnten Sie mir auch so lange entgehen. Aber das ist nun vorbei, nicht wahr? Sie haben sich entschlossen die Waffen zu erheben anstatt weiterhin das zu tun, worin Sie gut waren - Cyberterrorismus und all das. Und das war Ihr Fehler, denn in der Sekunde in der Sie das getan haben, wurden Sie von einem Ärgernis zu einem Symbol für den Widerstand. Aber, weil ich Ihre Intelligenz zu schätzen weiß, will ich Ihnen noch eine letzte Chance geben. Legen Sie ihr Halloween-Kostüm zur Seite und schließen Sie sich mir an. Ich könnte jemanden, mit Ihren Fähigkeiten gut in meinem Team gebrauchen."

Die Gefangene funkelte Damien trotzig an. „Solange ich lebe, werde ich niemals damit aufhören für meine Stadt zu kämpfen", meinte sie mit leicht zitterender aber überzeugt klingender Stimme, „Star City ist meine Heimat. Und Sie richten sie zu Grunde. Das kann ich nicht tolerieren und schon gar nicht unterstützen."

Damien seufzte tief. „Nun, ich respektiere Menschen mit einer festen Überzeugung", meinte er, „Da kann man wohl nichts machen, denke ich. Laurel, wenn du so gut wärst…"

Laurel nickte, umfasste Felicitys Kopf mit ihren Händen und brach dieser dann mit einem gezielten Ruck das Genick. „Mir war nie klar, was jemand wie Green Arrow in dir gesehen hat", meinte sie dann noch wie nebenbei, „Er war ein Kämpfer, du hast nie zu ihm gepasst."

„Tja, damit wäre dieses Problem wohl gelöst", meinte Damien und schlug die Hände zusammen, „Zeit sich wieder der Arbeit zuzuwenden. Euch Mädels sehe ich heute Abend zum Essen, hoffe ich? Oh, und seid so gut und bringt den Müll raus, wenn ihr geht."

Sara warf Amaya einen vielsagenden Blick zu. Diese seufzte, fummelte dann kurz an ihrem Totem herum und hob die tote Rächerin dann hoch, als würde sie nichts wiegen, und warf sie sich über die Schulter. „Das nächste Mal ist eine von euch dran", meinte sie noch, „Nur, weil ich auf die Kraft eines Elefanten zurückgreifen kann, heißt das nicht, dass ich auch ein Tragelefant bin."

Sara zuckte nur die Schultern, ohne etwas zu versprechen. „Wer weiß, wann wir wieder einen Helden zu sehen bekommen, sie war doch die letzte von der wir wissen, oder etwa nicht?", erwiderte sie.

„Dir ist auch jede Ausrede recht um sich vor der Arbeit zu drücken, was?", gab Amaya vorwurfsvoll zurück, während Laurel nur seufzte und vor sich hinmurmelte, dass sich die beiden anhören würden wie ein altes Ehepaar.

Ja, Sara Lances Leben war gut. Das war es wirklich.


Ray Palmers Leben war nicht gut, und das wusste er auch. Er hatte irgendwie immer gedacht, dass er zu Höherem berufen war, aber letztlich war er als Putzkraft geendet. Der Grund dafür lag darin begründet, dass er dumm war. Er wusste, dass er dumm war, keiner brauchte ihm das zu sagen. Bei seiner Geburt war irgendetwas schief gegangen, oder vielleicht lag es auch an seinen Genen, wer konnte das schon sagen? Aber fest stand: Er war dumm. Sydney war nur der Erste gewesen, der nicht müde geworden war darauf hinzuweisen, und er hatte das nicht nur deswegen getan, weil er ein Beta war und deswegen auf seinem Omega-Bruder eifersüchtig gewesen wäre. Nein, er hatte es getan, weil es stimmte.

Manchmal dachte Ray, er hätte Ideen und geniale Einfälle, aber meistens kam bei diesen Ideen nichts heraus, was funktionierte. Jedes Mal, wenn er eine seiner Erfindungen Dr. Thawne vorstellte, dann wurde er von diesem sanft darauf hingewiesen, dass sie nicht funktionierten, und dass seine Ideen Müll waren.

Das hatte ihn irgendwann so frustriert, dass er auf die Idee verfallen war, dass Dr. Thawne ihn klein halten wollte. Deswegen hatte er sein nächste Erfindung Caitlin und Cisco vorgestellt, doch auch die beiden hatten ihm gesagt, dass seine Erfindung fehlerhaft war. Das nächste Mal, war er zu Professor Stein gegangen, der ihn einen lange und irgendwie seltsam angesehen hatte, ihn dann aber mit einem kurzen Blick auf seinen Supervisor, den jungen Jefferson Jackson, darüber informiert hatte, dass auch diese Erfindung nicht richtig funktionierte.

Also hatte Ray es irgendwann aufgegeben seine Basteleien vorzustellen und sich damit abgefunden, dass er dumm war. Ab und zu bastelte er noch etwas zusammen, doch er ließ es nur in seinem Mietraum in StarLabs herum liegen und tat auch nichts mehr damit. Wozu auch? Letztlich wusste er, dass er Glück hatte. Er durfte für StarLabs arbeiten, auch wenn es nur als Hausmeister war, und er durfte dort sogar wohnen gegen einen geringen Abzug von seinem Lohn. Es war nur ein kleiner Raum, den er sich angemietet hatte, aber er brauchte nicht viel, er hatte seinen Fernseher und seine Playstation und seine nutzlosen Erfindungen, die er aus übrig gebliebenen Teilen von StarLabs-Geräteressourcen zusammengebaut hatte. Und das war es dann auch schon wieder. Bücher brauchte er keine, da er sowieso zu dumm war um sie zu verstehen. Und ansonsten gab es nichts, das ihn interessieren würde.

Natürlich hatte seine Arbeit bei StarLabs auch ihre Nachteile, und zwar nicht nur die verstopften Toiletten. Ray war zwar dumm, aber er war nicht blöd, er wusste, warum ihn Eobard Thawne eingestellt hatte. Er wusste auch, dass er natürlich einfach nein sagen könnte, aber als Omega lernte man ziemlich schnell, dass man prinzipiell zu Alphas nicht nein sagte. Das war einfach keine gute Idee, und deswegen hatte sich Ray angewöhnt zu keinem Alpha jemals nein zu sagen.

Auf diese Weise kam er einfacher durchs Leben, wenn er sich auch manchmal schmutzig fühlte. Zumindest verloren die meisten Alphas schnell jedes Interesse an ihm, da er dumm war. Dr. Thawne würde auch irgendwann das Interesse verlieren, vermutlich, und wenn es soweit war, würde er Ray hoffentlich nicht entlassen, aber auch das lag im Bereich des Möglichen.

Nun selbst wenn, dann könntest du immer noch für Mick Rory arbeiten, oder?, sagte sich Ray, aber er rügte sich dann auch gleich wieder für diesen Gedanken. Mit Mick war das anders. Mick war nicht einer dieser Alphas, die ihn nur für das Eine wollten, aber vorgaben ihn für etwas anderes zu brauchen. Mick mochte ihn wirklich.

Und Ray mochte Mick, auch wenn er nicht wusste, was Mick eigentlich beruflich tat, abgesehen davon, dass er wohl für Leonard Snart arbeitete. Und da Leonard Snart der Bürgermeister und Hauptbesitzer von Central City war, konnte man so gut wie jedem Beruf nachgehen, wenn man für ihn arbeitete. Mick wirkte aber nicht wie der Typ, der irgendeinen normalen Beruf nachging. Ray fand er hatte ein bisschen was von einem Gangster, wenn aber auf verwegene Weise. Aber Mick verhielt sich nicht wie ein Gangster.

Er war nett zu Ray, und das nicht nur im Bett. Einmal hatte Ray den Fehler gemacht Mick gegenüber Dr. Thawne zu erwähnen und hatte dann schwer daran arbeiten müssen Mick davon zu überzeugen, dass es keinen Grund gab den Prime-Alpha zu einem Alpha-Kampf herauszufordern. „Niemand hat mich zu irgendetwas gezwungen, Mick, wirklich", hatte er gesagt, während er seltsam erfreut darüber gewesen war, dass Mick bereit war seine Ehre zu verteidigen, „Ich tue nichts, zu dem ich nicht bereit bin. Alphas mögen mich eben, aber daran ist nichts Schlimmes." Daraufhin hatte Mick ihn so angesehen, als wäre da doch etwas Schlimmes dran, aber er hatte nichts mehr gesagt.

Mick Rory war nicht wirklich Rays Alpha, aber das schien er manchmal zu vergessen, und diese Momente machten Ray glücklich, weil es noch nie jemanden in seinem Leben gegeben hatte, der auch nur den Eindruck erweckt hatte mehr in ihm zu sehen als ein Spielzeug fürs Bett. Mick jedoch erweckte diesen Eindruck ziemlich eindeutig, auch wenn manchmal Wochen vergingen, ohne dass Ray ihn sah. Letztlich kam er immer wieder zurück zu Ray, mit niedergeschlagener Miene und einer Körperhaltung, als hätte er gerade einen Alphakampf verloren, aber er kam immer wieder, und wenn sie Sex miteinander gehabt hatten, dann streichelte Mick Ray nachher mit nachdenklich-trauriger Miene, und dann ging er los und kaufte ihm etwas zu Essen oder ein Buch, in dem Ray nicht lesen würde, oder er sah sich Rays Basteleien an und steckte die eine oder andere ein, bevor er ging, und wenn er wieder kam, kam er ohne die Bastelei wieder, aber er kam wieder.

Sie hatten sich kennengelernt, weil Mick seit einigen Monaten öfter nach StarLabs kam, als Begleitung von Leonard Snart. Ray hatte zuerst gedacht, er würde es sich nur einbilden, dass der große imposante Alpha ihn anstarrte, wenn er ihn sah, aber dann trafen sie einander im Trainingsraum von StarLabs, und da wurde Ray klar, dass er es sich nicht eingebildet hatte, und der Rest war, wie man so schön sagt, Geschichte.

Mick Rory war kein Mann vieler Worte, aber das störte Ray nicht. Der schweigsame aber gefühlvolle Typ war ihm um einiges lieber als der ihm schmeichelnde aber in Wahrheit nur an sich selber denkende Typ, der ihm sonst so oft unterkam. Ja, Mick mochte ihn wirklich, und das obwohl er ihn eigentlich gar nicht mögen wollen wollte, und das wiederum gab Ray das seltsame Gefühl, dass er zumindest in einem Bereich seines Lebens die Macht hatte. Vielleicht war er Eobard Thawnes Fußabtreter, vielleicht würde er niemals ein großer Erfinder werden, vielleicht musste er die Beine für jeden Alpha breit machen, der das von ihm verlangte, weil er nicht nein sagen konnte, aber zumindest in Sachen Mick Rory hatte er die Macht. Und das machte ihn glücklich.

Zumindest immer dann, wenn Mick bei ihm war. Doch in der Zeit, in der er sich nicht sehen ließ, nun, in dieser Zeit fühlte Ray sich meistens nicht glücklich, weil sein Leben nun mal alles andere als gut war.

Aber, so sagte er sich immer, er hätte es auch schlimmer treffen können. Er hatte einen Job, einen (wenn auch oft durch Abwesenheit glänzenden) Liebhaber, und ein Dach über den Kopf. Ja, er hätte es wahrlich schlimmer treffen können.


Nate hätte es schlimmer treffen können. Zumindest redete er sich das ein. Ja, er war in keiner festen Beziehung, und ja, das lag vermutlich an seinem Charakter, und ja, er hatte keine fixe Anstellung und besaß keine nennenswerte Ausbildung, die von irgendjemanden anerkannt werden würde, aber er hatte ein Dach über den Kopf und besaß die absolute Unterstützung seiner Mutter.

Er redete sich ein, dass die Tatsache, dass er in seinem Alter im Keller seiner Mutter lebte, normal war. Immerhin waren Omegas Gruppentiere. Sie liebten und brauchten Gesellschaft, alleine zu leben wäre seltsamer gewesen als unter dem elterlichen Dach.

Und, es war nicht so, dass er kein Geld machen würde. Er hielt sich mit Gelegenheitsjobs gerade genug über Wasser um seiner Mutter Miete bezahlen zu können. Die hatte sie auch bitter nötig, da Hank sie verlassen hatte. Nate zog es vor nicht viel über seinen Vater nachzudenken, weil ihn jeder Gedanke an den Mann nur deprimieren würde. Er war sein ganzes Leben lang das Gefühl nicht losgeworden, dass er eine Enttäuschung für Hank blieb. Dass Hank seine Mutter wegen Nate verlassen hatte.

Der rationale Teil seines Gehirns sagte ihm natürlich, dass so etwas Blödsinn war, aber der Zweifel blieb. Ja, vermutlich hatte Hank sie beide verlassen, weil er sein ganzes Leben lang an dem Geheimnis um das Verschwinden seines eigenen Vaters geknabbert hatte, aber ob das der wahre Grund für seine Entscheidung war oder nicht, war nicht feststellbar. Und vielleicht war ja doch Nate der Grund.

Dabei konnte Nate doch nichts für die Tatsache, dass mit ihm offensichtlich etwas nicht stimmte. Er konnte nichts dafür, dass er keine Tätigkeit fand, die ihn genug ausfüllte um bei ihr bleiben zu wollen. Er hatte diverse Studien begonnen und abgebrochen, ja, aber das war alles erst passiert, nachdem Hank gegangen war. Und die Sache mit den Verschwörungstheorien, die hatten auch erst angefangen ihn zu interessieren, nachdem sein Vater ihn verlassen hatte.

Vielleicht war er dieser ganzen Tätigkeit deswegen verfallen, weil er sich nie hatte erklären können, warum sein Vater von einen Tag auf den anderen einfach so gegangen war. Vielleicht hatte er ursprünglich auf diese Weise nach Erklärungen gesucht. Vielleicht, aber inzwischen war es zu so viel mehr geworden.

Deswegen hatte er sein Geschichtsstudium abgebrochen, weil seine Professoren seiner Erklärung, dass nichts was geschehen war Sinn machte, keinen Glauben schenkten und ihn als Strafe für seine Theorien schlecht benoteten. Deswegen hielt es keine Partnerin mit ihm aus, weil er immer wieder mit seinen Theorien daher kam, aber die Sache war nun mal die: Er fühlte ganz tief in sich mit unzweifelhafter Sicherheit, dass die Welt, so wie sie war, keinen Sinn ergab. Dass irgendetwas nicht stimmte. Zum Beispiel die Gesellschaft, in der sie lebten - nach aller Logik müssten sie eigentlich in einer Welt leben, in der die Betas das Sagen hatten. Nach all den Fortschritten der letztem Jahrzehnte ergab es einfach keinen Sinn, dass immer nur die wilden Verteidiger des Rudels an der Spitze der Gesellschaft stehen sollten. Nein, es sollten die Betas sein. Es gab so viele Strömungen und Entwicklungen, die den rasanten Aufstieg der Betas vorgezeichnet hatten, zu dem es aber nie gekommen war. Es war fast so als hätte irgendetwas (oder jemand) die Betas daran gehindert in der Gesellschaft aufzusteigen. Jedes Mal, wenn sie damit begonnen hatten sich zu profilieren und ihre Effizienz zu beweisen, war irgendetwas schief gegangen, und ein Alpha war erschienen und war eingesprungen.

Und das war nicht das Einzige, das seltsam war. Seit dem ersten Weltkrieg schien es immer wieder Lücken in der Geschichtsschreibung zu geben, Momente, die nicht zu erklären waren, die aber von niemand als solche Lücken wahrgenommen wurden.

Und dann waren da noch die Narben. Dieses seltsame Gefühl, das Nate immer wieder überfiel, in den letzten Monaten verstärkt, dass die Realität einfach anders sein sollte, und dass sie eigentlich anders gewesen war, und dass ihr irgendetwas angetan worden war, das sie verändert hatte, aber auch Narben hinterlassen hatte. So wie die Narbe, dass Nate manchmal meinte sich an eine Welt mit Hank in seinem Leben zu erinnern, lange über die Zeit hinaus, in der sein Vater zuletzt Teil seines Lebens gewesen war. Und die Geschichte, die gesamte Menschheitsgeschichte, erschien ihm bei genauerer Betrachtung ebenfalls voll von Narben zu sein.

Es ist zum verrückt werden. Nate seufzte und schnitt das Brot in seiner Hand nachdenklich durch ohne weiter darauf zu achten, was er tat. „Aua!" Er hatte sich geschnitten, schon quoll das erste Blut aus dem Schnitt in seinen Finger.

„Nate!" Seine Mutter kam erschrocken angerauscht (vom hinteren Teil der Küche, was sie dort getan hatte, wusste Nate nicht, aber er nahm an, dass sie ihn beobachtet hatte, was sie aber abstreiten würde).

„Beruhig dich, Mom, es ist nicht so schlimm", meinte Nate schnell.

„Da muss ein Pflaster drauf", befand seine Mutter.

„Ach wo, siehst du, es hat schon wieder aufgehört zu bluten!", behauptete Nate, der den blutenden Finger in seinen Mund gesteckt hatte und nun die Wunde herzeigte.

„Es wird gleich wieder anfangen, also Pflaster!", widersprach seine Mutter, „Warum passt du auch nie auf dich auf?! Immer mit den Kopf in den Wolken! Sei froh, dass du so eine robuste Konstitution besitzt, bei deinem Glück wärst du inzwischen ansonsten vermutlich schon tot."

„Jetzt, übertreib mal nicht…"

„Ich übertreibe nicht. Deine Tante Cecilia, die ist Bluterin, wie du weißt. Stell dir vor, du wärst ein Bluter. Dann wäre das jetzt kein kleiner Schnitt, sondern eine ernste Verletzung", belehrte ihn seine Mutter, „Warum musst du mit deinen Gedanken auch immer irgendwo anders sein?"

„Es sind nur die Narben, Mom. Die Narben im Gewebe der Realität. So wie gerade eben. Eben hatte ich wieder das Gefühl … ich habe eine Narbe gespürt", erklärte Nate mühsam und versuchte das Gefühl von „etwas ist hier nicht so wie es sein sollte", das ihn erfasst hatte, abzuschütteln.

„Ja, ich habe deinen Blog gelesen", seufzte seine Mutter, „Und als Beta kenne ich das Gefühl öfter von der Unfairness des Lebens so frustriert zu sein, dass ich denke, die Welt kann gar nicht so unfair sein, aber sie ist es nun einmal. Wenn du mich fragst, dann leidest du unter irgendeiner Art nicht-diagnostizierbarer Geistesstörung."

„Mom!", empörte sich Nate - von seiner eigenen Mutter so etwas gesagt zu bekommen! Also wirklich.

„Nate, ich liebe dich, aber ich bin trotzdem dieser Meinung. Heutzutage sind geistige Probleme keine schlimme Sache mehr. Man kann dazu stehen. Eobard Thawne hat einen langen Artikel darüber in der letzten New York Times-Wochenendbeilage veröffentlicht. Ich meine, denk doch einmal logisch darüber nach, wenn es diese Narben in der Realität wirklich gäbe, warum sind sie dann noch keinem anderen aufgefallen außer dir? Ich meine, Dr. Thawne ist der klügste Mensch der Welt. Er hat die Eisbären gerettet. Denkst du nicht, dass es ihm auffallen würde, wenn irgendetwas mit der Realität nicht stimmen würde?", fuhr seine Mutter fort, „Oder zumindest würde er feststellen können, ob dem so ist oder nicht, wenn man ihn darauf aufmerksam macht. Und wenn es wirklich so wäre, dann hätte ihn doch wohl schon jemand darauf aufmerksam gemacht, oder nicht?"

Nate blinzelte. Trotz all ihres Geschwafels hatte seine Mutter einen Punkt. „Es sei denn, es hat ihn noch niemand darauf aufmerksam gemacht", murmelte er.

Nun war es an seiner Mutter zu blinzeln. „Was?!"

„Mom, du bist brillant. Ich liebe dich. Ich muss kurz weg, warte nicht mit dem Abendessen auf mich!", verkündete Nate begeistert, küsste seine Mutter auf die Wange, und rannte dann in seinen Keller um seine Unterlagen zusammen zu suchen.

„Wo willst du denn hin?!", rief ihm seine Mutter hinterher.

„Den klügsten Mann der Welt besuchen um mit ihm über Narben zu sprechen!", rief Nate die Kellertreppen hinauf.

Oh ja, natürlich, er hätte von selber darauf kommen müssen, er hatte seine Theorie bisher immer nur mit den falschen Leuten geteilt. Es war an der Zeit sie jemanden vorzustellen, der nicht darüber lachen würde, sondern die Welt wieder in Ordnung bringen würde.


A/N: Der Titel dieses Kapitels ist eine Anspielung auf „Through the Looking Glass and What Alice found there".

Reviews?