„Ich kann es noch immer nicht glauben, dass du mir das erlaubst!" „Dann wiederhole ich es nochmal. Wir holen deine Lichtschwerter, aber du darfst sie nur unter meiner Aufsicht haben. Wenn ich dich alleine lasse, werde ich sie mitnehmen." Ich hüpfte neben ihm her. „Das ist besser als nichts!" „Jetzt beruhige dich doch mal. Wie viele Lichtschwerter hast du eigentlich?" „Zwei. Ein Standardschwert und ein Shoto." „Welcher Stil?" „Niman." Form VI passte zu mir. Ich konnte alles mittelmäßig, hatte aber kein Gebiet, auf dem ich glänzen konnte. Genau wie Niman. „Der Diplomatenstil? Und damit hast du die Order 66 überlebt?" Der Unglauben in seiner Stimme ärgerte mich. War mir das etwa nicht zuzutrauen? Ich war vielleicht keine Konkurrenz für den Auserwählten, aber ich konnte es mit jedem durchschnittlichen Jedi aufnehmen. „Offensichtlich.", schnappte ich. Er sah mich unergründlich von der Seite an. Irgendwann, als sein Blick mich schon nervös machte, sagte er: „Beeindruckend." Und damit schien das Thema für ihn beendet. Aber ich wollte nicht, dass er aufhörte, zu sprechen. Seine Gegenwart machte mich unruhig, und wenn er nichts sagte, war es noch viel schlimmer. Ich hatte dann die ganze Zeit das Gefühl, er würde einen Plan aushecken, der mir nicht gefallen würde. „Und du?" Er schmunzelte. „Nun, das dürfte allgemein bekannt sein. Ich habe ein Standardschwert und praktiziere Form V." Natürlich hatte ich das gewusst. Er war schließlich der Auserwählte, jeder kannte ihn. Ich war zwar eine Jedi, hatte im Orden aber immer eine kleinere Rolle gespielt. Niemand hatte sich jemals sonderlich für mich interessiert, außer meinen wenigen Freunden und meinem Meister. „Shien und Djem So. Und damit hast du die Order 66 überlebt?", scherzte ich. „Ich habe die Order 66 nicht überlebt. Ich habe sie ausgeführt." Sein Ton war absolut neutral. „Oh." Kaum hatte ich gedacht, ich würde seine Anwesenheit bis zur nächsten Fluchtmöglichkeit ertragen können, sagte er so etwas. Aber das spornte mich nur an. Ich musste hier weg, so bald wie möglich.

Wir traten auf eine absolut überfüllte Hauptstraße. Er zog seine Kapuze tief in sein Gesicht, um seine Identität zu verbergen. Ich nutzte die Gelegenheit, um ein Stückchen von ihm abzurücken. Jetzt zu rennen hatte keinen Sinn. Er würde mich sofort wieder erwischen. Aber vielleicht würde es mir gelingen, in der Menge unterzutauchen, wenn er es nicht erwartete. Dummerweise durchschaute er offenbar meinen Plan, denn er griff nach meiner Hand und zog mich mit durch die Masse. Ich fluchte innerlich. So würde ich nicht unbemerkt verschwinden können. Dieser Mann war wahrlich frustrierend. Dann lachte er plötzlich und blieb abrupt stehen. „Warum bestimme ich eigentlich, wohin wir gehen? Ich habe doch keine Ahnung, wo deine Lichtschwerter eigentlich sind." Ich stimmte in sein Gelächter mit ein. „Ich weiß auch nicht, warum du das tust. Ich hab das schließlich nicht beschlossen." „Gewohnheit." Er grinste schuldbewusst. „Aber jetzt bist du dran. Wo müssen wir hin?" „Hier entlang." Ich zog ihn in eine Gasse.

Ebene für Ebene näherten wir uns der Planetenoberfläche, die in grauer Vorzeit von Ozeanen bedeckt gewesen war. „Warum hast du sie so weit weg versteckt?", jammerte er. Ich zog die Augenbrauen hoch. „Damit weder du noch deine Handlanger versehentlich darüber stolpern. Ich bin einfach mal davon ausgegangen, dass die, die tatsächlich wissen, was sie tun, sich seltener in der Unterwelt von Coruscant herumtreiben." „Und da hattest du auch verdammt recht. Das wäre mir nicht mal im Traum eingefallen. Und siehe da, hier bin ich." „Eine Lücke in eurem Sicherheitssystem." Im nächsten Moment biss ich mir auf die Zunge. Mist, ich war wahrscheinlich nicht die einzige, die dort unten Schutz gesucht hatte. „Weißt du etwa..." Er beendete seinen Satz nie. Stattdessen zog er mich um die Ecke hinter ein Haus, und einen Augenblick später wusste ich auch schon, warum. Ein Blasterschuss verkohlte die Wand, nur Zentimeter von dem Ort entfernt, an dem wir gerade noch gestanden hatten. Das Geräusch peitschte durch den Lärm der Menge. Sofort wurde es totenstill. „Was war denn das?", flüsterte ich. „Ich nehme an, der galt mir. Du bist nicht die einzige, die mich nicht leiden kann." Er lächelte säuerlich. „Verdammt. Warum hätten sie nicht auf dich schießen können, sobald wir meine Lichtschwerter haben?" Er kicherte, strich mir mit zwei Fingern über den Kiefer und hob bei dieser Bewegung mein Kinn an. „Keine Angst, Süße, ich habe ja meins. Ich pass schon auf dich auf. Dir wird nichts passieren." „Na ist ja sehr beruhigend.", brummte ich. Er lachte wieder. Langsam glaubte ich, dass ich für ihn nur eine Witzfigur war. Doch dann spürte ich, wie sich drei Lebensformen langsam näherten. Hören konnte man sie nicht, aber ich wusste, dass sie da waren. Als ich Vader ansah, nickte er. Er hatte sie also auch gespürt. Lautlos bedeutete er mir, still zu sein und mich nicht zu bewegen. Dann duckte er sich an der Hausecke vorbei. Als ich wieder Schüsse hörte, schloss ich die Augen und zuckte zusammen. Hoffentlich passierte ihm nichts. Halt, eigentlich wäre es gut für mich, wenn sie ihn erwischen würden. Dann wäre ich frei. Ich überlegte, ob ich jetzt weglaufen sollte. Über den kleinen Platz konnte ich nicht verschwinden, dort fand gerade ein erbitterter Kampf statt. Aber die Gasse, in der ich stand, hatte ja schließlich zwei Ausgänge. Seit dem Fall der Republik hatte ich das Labyrinth der Unterwelt Coruscants sehr gut kennengelernt. Ich hatte ja schließlich auch genug Zeit gehabt.

Eine bessere Chance würde ich nicht bekommen. Also nutzte ich die Macht, um meine Präsenz zu verschleiern und das Geräusch meiner Schritte zu dämpfen. Ich verschwand um die nächste Ecke und stand direkt vor einem Turbolift, der wirklich bis zur Planetenoberfläche fuhr. Ich stieg sofort ein. Mein Magen blieb, wo er war, als der Lift sich mit dem Rest meines Körpers nach unten bewegte. Deswegen hasste ich Turbolifte. Kurz, bevor der Boden der Ebene, auf der ich mich gerade noch befunden hatte, aus meinem Blickfeld verschwand, sah ich das schwaches rotes Glühen eines Lichtschwertes und pechschwarze Stiefel. Vader wusste, wohin ich verschwunden war. Die Jagd hatte begonnen.

Ich hatte ihm ja nicht verraten, wo ich meine Lichtschwerter versteckt hatte, also riskierte ich es, sie zu holen. Sie waren beide noch tief unter den losen Dielen in einer uralten, baufälligen Hütte vergraben. Die dicke Staubschicht verriet mir, dass schon seit langer Zeit niemand mehr hier gewesen war. Als ich meine Lichtschwerter vergraben hatte, hatte ich meine Fußspuren im Staub gewissenhaft verwischt. Die Dielen hochzustemmen war kein Problem, aber anders als damals hatte ich keine Schaufel. Glücklicherweise fand ich ein loses Brett und begann, zu graben. Schon bald lief mir der Schweiß den Rücken hinunter und tropfte von meinem Kinn auf meine Hände. Aber sobald ich meine Finger um die vertrauten Griffe schloss, durchströmte mich das altbekannte Gefühl von Selbstsicherheit und Überlegenheit. Kein Normalsterblicher würde es jetzt mit mir aufnehmen können. Ich war bereit für jede Herausforderung, die auf mich wartete. Den Planeten so bald wie möglich zu verlassen, war die erste. Aber vielleicht sollte ich davor diese lächerliche Kleidung loswerden. Das rosa Kleid war über und über mit Erde beschmiert und schweißdurchtränkt, die Sandalen fielen mir fast von den schmutzigen Füßen. Sie waren wohl nicht zum weglaufen gedacht. Müde und erschöpft strich ich mir mit dem Handrücken den Schweiß von der Stirn. Dabei fiel mir wieder das Armband auf, kalt an meiner erhitzten Haut. Verdammt, der Peilsender! Den hatte ich ja komplett vergessen. Sofort sprang ich auf und zog neue Kraft aus der Macht. Ich musste meinen Standort ständig ändern. Er wusste, wo ich war. Also musste ich ständig meinen Standort verändern, damit ich schon verschwunden war, wenn er ankam. Und ich musste unvorhersehbar werden. Das einfachste wäre wahrscheinlich, hier in den unteren Ebenen zu bleiben. Hier kannte ich mich aus. Hier hatte ich den Heimvorteil.

Deswegen würde er das wahrscheinlich erwarten. Das bedeutete also, dass ich hoch musste. Zumindest so hoch, dass ich die Sonne sehen konnte. Und ich musste einen Weg finden, den Peilsender loszuwerden. Auf der Suche nach dem nächsten Turbolift untersuchte ich das Band genauer. Es war weit genug, dass es mir keine Schmerzen bereitete, aber eng genug, dass ich es nicht abstreifen konnte. Und ich hatte das unangenehme Gefühl, dass ich das Material kannte. Leicht und silbrig weiß... Verdammt, es war Ultrachrom! Ich fluchte laut. Ultrachrom konnte Lichtschwertern standhalten. Das war einer der Gründe, warum Kar Vastor die Vibroschilde der Akk-Wächter von Haruun Kal daraus gebaut hatte. Theoretisch konnte man Ultrachrom mit einem Lichtschwert schmelzen, aber das dauerte lang. Das Band war nur dünn, also müsste es relativ schnell gehen, aber... es wäre sehr schmerzhaft. Allerdings musste ich Darth Vader entkommen, koste es, was es wolle. Also bog ich nur eine Querstraße vor dem Turbolift ab und ließ mich von der Macht in einen verlassenen Hinterhof führen. Ich seufzte. Jetzt oder nie. Mit geschlossenen Augen kauerte ich mich in eine Ecke. Ultrachrom ließ sich zu meinem Leidwesen nicht biegen. Deshalb würde ich es wohl oder übel an zwei Stellen schmelzen müssen. Ich biss die Zähne zusammen, als mir auffiel, dass noch etwas fehlte. Schließlich wollte ich mir nicht die Zunge abbeißen. Ich suchte mir die sauberste Stoffschicht meines Kleides aus, riss einen Teil davon ab, rollte den Stoff zusammen und schob ihn mir zwischen die Zähne. Dann konnte ich es nicht mehr aufschieben, beeilen musste ich mich ohnehin, denn ich wusste, dass er mit jeder Sekunde näher kam. Ich wickelte mich so gut es ging in die Macht, dann zündete ich die blaue Klinge meines Shotos und setzte es an dem Band an. Die Hitze war unerträglich auf meiner Haut. Aber ich biss fest auf den Stoff und ließ nicht zu, dass meine Hände zitterten. Wenn ich frei sein wollte, musste ich das tun.

Endlich schmolz das Metall unter meiner Klinge und ich hatte den ersten Teil geschafft. Ich sah meine Haut lieber gar nicht an und bemühte mich krampfhaft, nicht vor Schmerzen ohnmächtig zu werden. Ich drehte mein Handgelenk und setzte die Klinge erneut an. Jede Sekunde fühlte sich an wie tausend Jahre. Dann, endlich, fiel das Band ab. Unglücklicherweise berührten die geschmolzenen Enden im Fall mein Handgelenk und brannten sich in mein Fleisch. Es war das schlimmste, was ich in meinem ganzen Leben gespürt hatte. Ich hatte keine Kontrolle mehr über meinen Körper. Ein unmenschlicher Schrei brach aus meiner Kehle hervor, dann wurde um mich herum alles schwarz.