Disclaimer: Mir gehört immer noch nichts, außer der Idee zu dieser Geschichte... leider.
Kapitel 2 – Flucht
Snape betrat das Büro der Direktorin. Er hatte viel Zeit gehabt, sich mental auf diese Sitzung vorzubereiten. Es widerstrebte ihm trotzdem, heute hier hin zu gehen. Er wusste, dass Hermine Hauslehrerin von Gryffindor war. Also würde er ihr heute begegnen. Doch als er sie nun vor sich sah, stockte ihm der Atem. Nichts erinnerte mehr an den kleinen Wuschelkopf, den er kennen gelernt hatte. Sie war groß, sehr schlank gebaut, fast zu schlank. Ihre sonst so wirren Haare waren nun locker nach hinten gebunden und ein paar vorwitzige Locken umrahmten ihr Gesicht. Er hörte ihr leises Lachen, doch dieses Lachen erreichte ihre Augen nicht. Im Gegenteil. Ihre sonst so glänzend wissbegierigen Augen hatten jeglichen Glanz verloren. Trotzdem wies nichts darauf hin, dass sie einen traurigen Eindruck machte. Nur sehr resigniert. Er wusste, dass er daran Schuld war und es schmerzte ihn. Mehr als er sich selbst zugeben würde.
„Professor Snape, schön sie wieder zu sehen." Hermine hatte ihren ehemaligen Lehrer zuerst bemerkt.
Er jedoch nickte ihr nur zu. Was sollte er darauf erwidern? Dass es ihn nicht freute, weil er von ihr wieder schmerzlich an seine Taten erinnert wurde?
„Severus, nun da wir jetzt alle komplett sind, können wir ja beginnen." Minerva erlöste ihn aus der unangenehmen Situation und brachte sie sogleich in die nächste.
„Wie du bestimmt noch nicht weißt, übernehmen die älteren Schüler für die jungen Schüler immer Patenschaften. Damit sich die Häuser untereinander besser vertragen werden diese Hausübergreifend gemacht. Gryffindor und Slytherin zusammen, genauso wie Ravenclaw und Hufflepuff zusammen. Die Hauslehrer halten jede Woche eine gemeinsame Sitzung ab um über Probleme zu sprechen. Außerdem wird immer Donnerstag Abend eine Sitzung für alle Hauslehrer stattfinden. Aber das kennst du ja bereits."
Er nickte und Minerva sprach weiter.
„Weshalb wir heute hier sind: In einer Woche beginnt das neue Schuljahr. Wir haben immer noch ziemlich wenige Schüler, doch es werden stetig mehr. Dieses Jahr werden noch ein paar Schüler aus Irland zu uns kommen. Die Zauberschule in Irland wurde geschlossen, da sie sich nicht mehr gelohnt hatte. Es werden insgesamt 40 Schüler zu uns stoßen. Sie werden auch in die Auswahlzeremonie einbezogen werden. Danach werden sie eine kleine Prüfung ablegen um ihre Fähigkeiten zu testen. Dann kommen sie in die Klassen. Bitte achtete darauf, dass die neuen Schüler auch willkommen geheißen werden. So nun zu dein neuen Passwörtern. Gryffindor: Mondscheinsonate, Hufflepuff: Alraunenwurzel, Ravenclaw: Koalabär „Snape rümpfte die Nase" und Slytherin: Boa Constrictor. Das wäre es erst einmal für heute. Wir treffen uns nächsten Freitag, dann werden die neuen Patenschaften bekannt gegeben. Habt ihr noch irgendwelche Fragen?" Die Lehrer schüttelte die Köpfe. „Gut, Hermine, ich weiß, dass du heute noch etwas vorhast, dann werden wir für heute Schluss machen."
Bis auf Snape waren alle gegangen. Dieser blieb sitzen. Er musste einfach wissen, ob er wirklich an Hermines Veränderung Schuld war.
„Minerva?"
„Ja, was kann ich noch für dich tun?"
„Was ist mit Herm... Professor Granger?"
„Was meinst du?"
„Sie hat sich verändert..." druckste er herum.
„Ja, seit dem Vorfall vor 8 Jahren ist sie nicht mehr die selbe. Da du an der Quelle saßt, weißt du bestimmt, dass es einen Überfall in ihrem Haus gab."
Er nickte. „Ich habe davon gehört. Ihre Eltern wurden gequält und sie ja auch."
„Nun, sie selbst kann sich nicht daran erinnern. Ihre Eltern wurden schwer verletzt, konnten sich aber vollständig erholen. Seit dem ist sie nicht mehr die selbe. Sie hat ihre Eltern gezwungen, umzuziehen und hat nun ungefähr 50 Zauber auf das neue Haus ihrer Eltern gelegt. Sie macht sich noch heute Vorwürfe, dass sie es nicht verhindern konnte. Sie scheint jegliches Vertrauen in die Menschheit verloren zu haben und lässt niemanden mehr an sich heran. Vor allem vor Männern macht sie einen großen Bogen. Aber das weißt du bestimmt schon. Kannst du mir sagen, wer es war?"
„Nein, Malfoy hat damit geprahlt, doch ihm traue ich es nicht zu."
„Nun, die Heiler vermuten, dass sie vorher mit dem Imperius belegt wurde. Und das würde nicht zu Malfoys Masche passen."
„Nein, er hatte immer Vergnügen daran, seine Opfer zu quälen."
„Severus, ich dürfte es dir nicht sagen, ich habe es Hermine versprochen, niemanden etwas davon zu erzählen. Aber da du ja von der anderen Seite schon einiges weißt..."
„Ich verstehe. Heißt das, niemand weiß davon außer dir und Miss Granger?"
„Nun nicht ganz. Harry weiß es auch."
„Und Weasley bestimmt auch" knurrte er.
„Nein, Harry hat es von mir erfahren. Einen Tag nach dem Überfall. Sie selbst hat nie ein Wort darüber verloren. Ich denke, deshalb ging auch die Freundschaft der beiden mit Ron auseinander. Sie haben keinen Kontakt mehr."
Wie er sich verändert hatte, dachte Hermine, als sie aus der Dusche stieg. Dieser gehetzte Ausdruck in seinen Augen... Irgendwie hatte sie Mitleid mit ihm. Denn die Jahre in Askaban schienen Severus Snape mächtig zugesetzt zu haben. Kein abschätziger Blick mehr, kein hochnäsiges Auftreten. Er wirkte in sich zusammen gesunken, alt. Er war nicht mehr der gefürchtete Lehrer und Todesser mehr, nur noch ein Schatten seiner selbst.
Hermine ging zu ihrem Kleiderschrank und suchte sich einen weiten dunklen Pullover und eine einfache Jeans heraus und zog sie sich an. Die Jeans hatte sie bereits seit ihrem 17. Lebensjahr uns sie passte noch immer wie angegossen. Sie wusste, dass sie zu dünn für ihren Körper war. Doch sie hatte in den letzten 8 Jahren verlernt zu essen. Nichts schien in ihrem Körper bleiben zu wollen. Kein Tag verging, dass sie nicht daran dachte, was vor 8 Jahren passiert war. Immer und immer wieder versuchte sie sich an diesen Tag zu erinnern, wie eine Wunde, die man immer und immer wieder aufkratzen muss, obwohl man weiß, dass es schmerzt. Sie konnte einfach nicht loslassen. Ein leises Seufzen entfuhr ihr. Noch ein letzter Blick in den Spiegel, der ihr zu sagen schien, lerne endlich damit umzugehen, und dass obwohl sie gar keinen magischen Spiegel besaß... dann zog sie ihren Umhang über die Kleidung und machte sich auf in die Eingangshalle, wo Harry bereits wartete.
„Na, kann's losgehen?"
„Klar," grinste sie.
Sie waren noch nicht einmal aus dem Schloss heraus als Harry schon bohrte.
„Und wie war die Sitzung?"
„Das willst du doch gar nicht wissen, Harry, also frag mich schon, was du wissen willst."
„Wie war Snape?"
„Ruhig, hat kein Wort gesagt, er wirkte noch nicht einmal anwesend. Er tut mir leid..."
„Warum?"
„Weil er so viel durchmachen musste in den letzten 8 Jahren. Das hat er nicht verdient, dass hat niemand... Er sieht auch richtig schlecht aus."
„Wir haben alle nicht verdient, was uns in den letzten Jahren angetan wurde." Sein Blick fiel auf seine beste Freundin, die schlimmeres durchmachen musste, als manch anderer.
Hermine bemerkte diesen Blick. Sie hasste es, bemitleidet zu werden, daher ignorierte sie es.
„Das stimmt schon, aber er wirkt so gehetzt, als wenn er das dicke Ende noch erwartet."
Das tut er, ganz bestimmt, dachte Harry. Doch er erwiderte nichts seiner Freundin gegenüber. Sie sollte selbst entscheiden, ob sie es wissen wollte. Sie waren bereits in der Kneipe angekommen. Harry hatte für beide an der Theke 2 Butterbier bestellt, während Hermine einen Platz für beide suchte. Sie bemerkte nicht, dass ein dunkel gekleideter Zauberer ganz in der Nähe saß und das ganze Gespräch mithören konnte.
„Harry, wie geht es Ginny?" fragte Hermine als sich Harry zu ihr gesellte
„Keine Ahnung, ich habe schon seit 2 Wochen nichts mehr von ihr gehört. Sie ist im Augenblick in Ägypten als Fluchbrecherin unterwegs. Ich hoffe, ich höre bald mal wieder was von ihr, sonst muss ich mal dahin apparieren."
„Sie hat bestimmt einiges zu tun. Und ich glaube nicht, dass man Posteulen in den Gräbern findet um zu schreiben." erwiderte Hermine sanft.
„Das weiß ich doch... Trotzdem. Jeden Tag, den ich sie nicht sehe und nichts von ihr höre ist ein verlorener Tag. So kommt es mir jedenfalls vor. Aber lass uns doch von etwas anderen reden. Was hast du denn die letzten 4 Monate gemacht?"
„Gearbeitet, dass weißt du doch. Ich lebe für die Arbeit." erwiderte Hermine.
„Mine, langsam muss dass aber aufhören! Du kannst dich nicht dein Leben lang hinter deiner Arbeit verstecken. Du bist schon genauso eigenbrötlerisch wie es Snape zu seinen besten Zeiten war. Schau dich doch mal um. Jeder halbwegs intelligente Zauberer würde alles tun, um dass du ihn bemerkst."
„Harry. Du weißt, dass ich von Männern nichts mehr halte. Dich als meinen Besten Freund, ok, aber eine Beziehung? Nein. Ich habe mir geschworen, dass mir nie ein Mann zu nahe kommt!" sagte sie schroff.
„Aber du bist doch so nicht glücklich, oder?"
„Ich werde niemals wieder glücklich, ich kann mit meiner Vergangenheit nicht abschließen. Ich habe Angst davor. Genauso wie ich Angst vor deinen Erkenntnissen habe."
„Ich weiß" Harry nahm ihre Hand in seine. „Aber wenn du es jemals wissen willst, komm zu mir. Vielleicht kannst du es dann hinter dir lassen."
Doch Hermine erwiderte nichts darauf. Harry wusste, dass sie nicht fragen würde. Er sah den traurigen Blick, den sie seit 8 Jahren hatte. Er bemerkte auch die Angst vor jedem männlichen Wesen, dass sie auch nur ansprach. Wieder keimte der unglaubliche Hass auf Snape auf. Er war Schuld daran, dass seine beste Freundin nur noch ein Schatten ihrer selbst war. Er lenkte das Gespräch auf unverfänglichere Themen und sie saßen noch bis nach Mitternacht in dem kleinen Pub. Auch er bemerkte die dunkle Gestalt nicht, die ganz in der Nähe saß und sich jetzt von Rosmerta verabschiedete um zurück in seine Kerker zu gehen.
Severus Snape saß noch lange in seinen Kerkern und dachte über das mitgehörte Gespräch nach. Er war Schuld daran, dass Hermine Granger so unglücklich war. Er hatte diese bemerkenswerte Person zerstört. Bisher dachte er immer, dass sie das ganze vergessen hatte. Doch dies war nicht der Fall. Im Gegenteil. Die Vergewaltigung ließ sie nicht los. Und er hatte es immer heruntergespielt. „Es war ja nicht so schlimm, weil sie sich eh nicht daran erinnern konnte". Die Erkenntnis traf ihn wie ein Schlag. Dabei war sie bei weitem nicht sein einziges Opfer. Aber das einzige Opfer, dass er näher gekannt und das einzige Opfer, dass er wieder getroffen hatte. Ihr gehetzter und unendlich trauriger Blick hatte sich tief in seinen verkrüppelte Seele gebrannt. Wenn er es nur rückgängig machen könnte... Immer wieder sah er ihre Augen. Und immer wieder wurde ihm bewusst, dass es allein seine Schuld gewesen war.
Es schmerzte. Schlimmer als jegliche Flüche es hätten anrichten können. Schlimmer als jegliche Taten die er bisher ausführen musste. Schlimmer als alles bisher erlebte. Und der Schmerz wollte einfach nicht von ihm gehen. Es gab nur noch eine Möglichkeit, diesem Schmerz zu entfliehen. Allem zu entfliehen.
Severus Snape wusste, dass es feige von ihm war, als er die Flasche mit dem Gift aus seinem Vorratsschrank holte. Doch er war nie ein besonders mutiger Mann gewesen. Kein Gegengift der Welt würde gegen dieses Gift wirken, auch das wusste er. Er verriegelte seine Tür, setzte an und trank die Phiole mit einem Zug aus. Er spürte nicht einmal mehr, wie er auf dem Boden aufschlug.
- TBC -
