Ein RIESENDANKE an alle, die gereviewt haben, ich hätte nicht gedacht, dass ich überhaupt

welche bekomme ^____________________^. An der Tatsache dass mir FFX zusammen mit dem

großartigen Aurieboy und dem etwas weniger coolen Tidus nicht gehören hat sich immer noch

nichts geändert (aber ich spar schon fleißig *meinnameistflachwitz*). Bleibt mir nur noch zu

sagen, dass Wassereis ein echtes Gottesgeschenk ist und ich keinerlei Verantwortung übernehme

für eventuelle Folgeschäden, die das hier verursacht. Ach ja, vielleicht ein ganz bisschen Spaß

noch, an alle, die´s hören wollen ^^.

Baibai

PS @Xiao Lin

Jaja, ich weiß, ich kann mich nicht kurzfassen. Ich denk an dich, wenn ich das nächste Chap

schreibe, ok? Ich hatte das hier leider schon so gut wie fertig, als ich dein Review bekommen

hab´, aber ich wird mir Mühe geben.

3. The Crowd At Night

Er rannte, seine Schritte tapperten auf dem Teerweg, was sich zu einem stetigen schnellen

Rythmus formte. "Doppelmist!", keuchte Tidus. Er hatte die Zeit verpennt und lief nun Gefahr,

zu spät zu kommen. Vor ihm kam nun die Schule in Sicht, er hatte noch vier Minuten, bis es

klingelte. Erste Stunde Deutsch bei Herrn Wallace, dem alten Giftsack. Der verstand nie Spaß,

wenn jemand zu spät kam. "Komm schon, nicht langsamer werden.", murmelte der braunhaarige

Junge, er sprintete die Treppe herauf über den Schulhof, die Mauer entlang. Dort standen welche,

aus der vierten, aber denen schenkte Tidus gar keine Beachtung, als er merkte, dass zwischen

dem Boden und seinem Fuß ein Hindernis stellte und er der Länge nach hinfiel. Er stützte sich

mit den Armen auf, es gab zum Glück keine Schürfwunden, weil er lange Sachen an hatte, aber

an seiner Jeans und an seinen Ärmeln blieben trotzdem Beweise des Sturzes in Form von

Schrammspuren und Dreck. Tidus schaute sich um. Er konnte sich denken, wer das war.

"Oooooooh, das tut mir leid, war keine Absicht!", grinste Lasse auf sein Opfer herunter.

Tidus rappelte sich blitzschnell wieder auf. "Lass mich in Ruhe, du Penner."

Ein `Oooooooh´ ging durch die drei-Mann-Gefolgschaft, die sich hinter Lasse versammelt hatte.

"Hab´ das ja gelesen mit deiner Mutter, dass sie jetzt in der Klappse sitzt und so." Lasses Grinsen

wuchs jetzt noch weiter. Tidus knirschte mit den Zähnen. Seine Mutter hatte sich schließlich

damit einverstanden erklärt, zweimal in der Woche einen Psychologen aufzusuchen. Irgendwie

hatte die Klatschpresse davon Wind bekommen und die Story dermaßen aufgebauscht, dass die

Frau des verschollenen Blitzstars Jecht plötzlich mit einem Nervenzusammenbruch in eine

Psychiatrie eingeliefert worden war. Dank der Geschichte hatte seine Mutter drei Wochen, nach

Antritt die Therapie wieder abgebrochen, weil sie sich belagert vorkam. Das war jetzt ca. einen

Monat her.

"Halt die Klappe, was weißt du denn schon?", schrie Tidus Lasse an.

Wieder dieses "ooooooooh", das Tidus fast auf die Palme brachte.

"Schnauze!", keifte Tidus.

"Kein Wunder, das der Sohn so bescheuert ist, wenn schon die Mutter einen an der Klatsche

hatte.", das Grinsen aus seinem Gesicht verschwand, stattdessen schaute Lasse Tidus kalt in die

Augen.

"Wenn man´s sich recht überlegt, ist es auch kein Wunder, dass Jecht einfach verschwunden ist,

bei einer so irren Tussie."

Tidus ballte seine Fäuste, die Glocke läutete zur ersten Stunde, aber das ging an dem Jungen

vorbei. Blanke Wut breitete sich in Tidus Kopf aus, übertönte das Klingeln, verschleierte alles

um ihn herum und machte es ihm unmöglich, darüber nachzudenken, was er tat. Was wusste

denn dieser Idiot schon, was seine Mutter gerade wegen seinem beschissenen Vater gerade

durchmachte. Wieso glaubte dieser Drecksack, irgendeine Ahnung von seiner Familie zu haben,

nur weil er ein paar beschissene Zeitschriften gelesen hatte, die sonst darüber berichteten, wie die

Hochzeit von Prinz Hans-Peter Krawullnich von Pipiberg verlaufen war.

Ein kaltes Lächeln huschte über Lasses Lippen, als er winkte und sich zum gehen wendete. Er

hatte sich gerade umgedreht, als Tidus ihn hinten am Kragen packte, umriss und ihm mit der

Faust ins Gesicht schlug. Viel erreicht hatte er damit nicht. Viel Kraft hatte Tidus in seinen

Armen noch nie gehabt.

Lasse torkelte einen Schritt nach hinten und schaute Tidus mit hasserfüllten Augen an.

"Das hast du nicht umsonst gemacht!", schrie er und schmiss seinen gegenüber zu Boden.

Tidus wusste nicht genau, wie oft Lasse auf ihn eingeschlagen hatte. Nach den ersten drei

Schlägen fühlte er sein Gesicht nicht mehr. Der Zorn in ihm wurde durch eine alles erfassende

taubheit einfach weggeschwemmt. Er spürte etwas warmes in seinen Augen, hörte Stimmen

schreien und merkte schließlich, wie sich der Griff von seinem Pullover langsam löste, er fiel

keuchend nach hinten. Er hörte Schritte,die sich schnell von ihm entfernten. Lasse und Co.

wollten wohl zusehen, dass sie noch in den Unterricht kamen. Er wartete, bis sie nicht mehr zu

hören waren, dann stand er langsam auf. So heftig hatte Lasse Tidus bisher noch nie verprügelt.

Aus Nase und Mund floss Blut, er hatte sich wohl auf die Zunge gebissen. Im Gesicht hatte er

einige Kratzer von Lasses Fingernägeln.

Wie ein verprügelter Hund schlich Tidus vom Schulhof. Er wollte so nicht in den Unterricht

gehen. Die Lehrerin würde Fragen stellen und das würde die Sache nur noch schlimmer machen.

Er schluckte. Zwei Wochen noch, dann war das Schuljahr zu ende. Und dann war er Lasse

sowieso los, da für ihn die Grundschulzeit dann endete. Kein Grund, sich in der Zeit noch einmal

extra Probleme zu machen.

Er schluchzte und merkte, wie ihm warme Tränen die Wangen runterliefen.

Naki saß auf der Couch in Aurons Wohnung und schaute den beiden Männern bei der Arbeit zu.

Von Handwerksarbeit verstand sie so viel wie eine Schlidkröte von Servolenkung. Sie war

vielmehr als moralische Stütze und Mädchen für alles mitgekommen. Momentan langweilte sie

sich königlich, weil es einfach nichts zu tun gab. Sie hatte sich heute freigenommen und ihren

Freund Freddie eingespannt, um in Aurons Wohnung einen Tapetenwechsel vorzunehmen, weil

die alte langsam von der Wand runterkam, insofern sie nicht schon abgerissen war.

"Puuuuuh...", stöhnte der stämmige Mann auf der Leiter, "nur noch eine Wand."

Er schaute eine Etage Tiefer auf Auron, der noch die frische Tapete unten feststrich.

"Pause?" fragte Freddie nach unten.

"Klingt gut.", Auron schaute zu Naki. "Hattest du nicht vorhin Tee gemacht?"

Sie klatschte sich gegen die Stirn. "Ich hab die Kanne bei Lilian stehen lassen. Ich geh sie

holen.", sie blickte fragend in die Runde, "Soll ich euch noch was zu essen mitbringen?"

"Für mich nicht, danke.", antwortete Auron höflich.

"Es wär nett, wenn du mir ein Salami-Sandwich mitbringen könntest, Schatz." Freddie kratzte

sich am Hinterkopf, dass seine dunkelbraunen, stoppeligen Haare dort zerzausten.

"Geht klar.", lächelte Naki und ließ die beiden Männer allein.

Auf der Straße atmete sie einmal tief ein. Der ständige Geruch von Tapetenkleber schlug ihr ganz

schön auf den Kreislauf. Aber jetzt hatte sie wenigstens etwas zu tun, auch wenn es sich nur auf

Tee machen und Sandwiches schmieren beschränkte. Ihr war jeder Grund recht um aus dieser

Nebelkammer wieder rauszukommen.

Als die junge Frau sich Lilians Appartment näherte, sah sie einen, zu einem Ball

zusammengerollten Tidus vor dem Eingang hocken.

"Tidus, warum zum Teufel bist du nicht in der Schule!!!?" schrie sie die Straße herunter. Der

Junge hob den Kopf und sah sie aus verheulten Augen an. Sie ächzte überrascht und rannte dann

zu ihm hin.

Er sah furchtbar aus. Es war offensichtlich, dass er Nasenbluten gehabt hatte, das Blut war jetzt

jedoch einmal quer über das Gesicht verschmiert. Auch aus seinem Mund führte eine schmale

Blutspur. Er hatte außerdem einige Kratzer im Gesicht.

Sie fasste ihn an den Schultern. "Was um Gottes Willen ist passiert?" fragte sie, ihre Stimme

voller Sorge. "W-wo....", er schluchzte laut, "...wieso war denn niemand zu Hause?...ich hab

mehrere Male geklingelt... w-w-wo ist denn Mama?" schniefte er.

Naki seufzte. Sie durchforstete ihre Hosentasche nach einem Taschentuch. Nachdem sie fündig

geworden war, wischte sie ihrem Neffen ersteinmal das Blut aus dem Gesicht, so gut es ging.

"Sie ist vorhin zum Arzt gefahren, wegen ihrer Spritze, das weißt du doch.", erklärte Naki. Sie

ließ sich jetzt einmal die Woche eine Vitaminspritze verbabreichen, um etwas gegen ihre

schlechte Immunabwehr zu tun.

"Ach...ja", er schien sich wieder einigermaßen gefasst zu haben. "Hast du denn keinen Schlüssel

heute dabei?", fragte sie verwundert, als sie die Tür aufschloss.

"Vergessen...", Tidus starrte auf den Boden.

Drinnen setzt ihn Naki ersteinmal an den Esstisch und holte aus dem Bad Pflaster, Taschentücher

und Desinfektionsmittel. Als sie zurückkam, schien Tidus sich wieder beruhigt zu haben., denn

das Schluchzen hatte aufgehört.

"Wer hat das mit dir gemacht?" er sah nicht zu seiner Tante auf als sie das fragte.

"Ich bin hingefallen auf dem Weg zur Schule..."

Sie hockte sich vor ihn hin um ihn anzusehen. Niemand sah so aus, nachdem er hingeflogen war,

es sei denn es war von einer zehn Meter hohen Klippe. Sie konnte sich schon denken, wer das

gewesen war.

"Sollst du deine Tante anlügen?", sie blickte ihm streng in die Augen, " Es war dieser Lasse-

Junge, oder?" Tidus hatte ihr einmal von ihm erzählt, als er mit einer Beule am Kopf

heimgekommen war.

Tidus starrte wieder nach unten und nickte.

"Wieso hat er das gemacht? Ich hab´ dir doch gesagt, du sollst ihm aus dem Weg gehen!!"

Das nächste was ihr Neffe war so leise, dass es kaum zu verstehen war.

"Was hast du gesagt?", Naki nahm Tidus Kopf in die Hand und zwang ihn, aufzuschauen.

"Ich hab´ ihm eine reingehauen.", Naki ließ ihn wieder los und Tidus sah zur Seite, beobachtete

aber die Reaktion seiner Tante. Ihre Augen weiteten sich in Ungläubigkeit.

"Bist du bescheuert? Du hättest dir doch denken können, dass das dabei herauskommt!!! Ich hab

dir doch gesagt, dass du dich nicht provozieren lassen sollst, du Dummkopf, oder es im Notfall

deiner Lehrerin erzählst!!!", sie richtete sich wieder auf, als sie das schrie. "Wieso hast du das

gemacht!!!!?"

Tidus sah sie immer noch aus den Augenwinkeln aus an. Er wusste, dass sie so reagieren würde.

"Er hat schlecht über Mama gesprochen...", sagte er beinahe im Flüsterton. Er spürte, als er das

sagte, dass neue Tränen aufstiegen. Er presste seine zitternden Lippen zusammen um ein

aufkommendes Schluchzen zu unterdrücken, allerdings vergeblich.

Tidus merkte, wie sich die Arme seiner Tante um ihn schlossen.

"Ich versteh schon,", flüsterte sie sanft, "aber sowas sollte man am besten ignorieren. Es gibt

immer Leute, die sich mit sowas witzig vorkommen aber eigentlich gar keine Ahnung haben. Da

solltest du drüber stehen... und außerdem sollst du deiner Mutter doch nicht solche Sorgen

machen."

Es herrschten einige Minuten Stille, bis sich Tidus beruhigt hatte.

"Naki... erzähl Mama bitte nichts davon, okay?"

Sie schob ihn etwas von sich weg um ihn anzusehen.

"Keine Sorge, wenn sie fragt, erzählen wir ihr einfach, du wärst auf dem Weg zur Schule

hingefallen.", grinste sie den Jungen an. Tidus, der den Wink auf seine grottige Ausrede von

vorhin verstanden hatte, verzog beleidigt das Gesicht. "Haha!"

"Nein, im ernst. Ich lass mir schon was einfallen. Wenn man mal von deiner Nase absieht, ist es

ja auch halb so schlimm. Wir sagen, du hättest gestern die Nachbarkatze zu viel geärgert und sie

hätte dich dafür ins Gesicht gekratzt. Und dir war in der Schule schlecht, deswegen bist du

wieder nach Hause gekommen.", sie schaute ihn immernoch grinsend an. "Ist doch ein

Superplan, oder?"

Tidus schaute sie an, als hätte sie gerade erzählt, dass sie sich einen Computerchip in den Hintern

hatte implantieren lassen und musste ebenfalls leicht grinsen.

"Herrje, jetzt mecker nicht! Sei lieber froh, dass ich dir überhaupt helfe. Und jetzt halt still."

Sie tränkte eines der Täschentücher mit Desinfektionsmittel und ging damit über die beiden

größeren Kratzer auf seiner Stirn.

"Aua!", schrie der Patient.

"Halt still Tidus, ist ja gleich vorbei."

"Wieso bist DU eigentlich heute hier?" fragte Tidus, während er zwei Pflaster über die Wunden

geklebt bekam.

"Ich hab´ mir frei genommen."

"Hast du nicht in ein paar Tagen deine Prüfung, oder so?"

"Ja, aber ich schreib nach. Hab´ ich so abgemacht, weil ich ja momentan hier so viel zu tun hab´

und kaum Zeit für´s Lernen hab´.", sie kuckte Tidus ins Gesicht, "Dieser Lasse, geht er ab

nächstem Jahr weiter zur Gesamschule?"

"Ja, komischerweise, obwohl er mehr Fehltage hat als ein drittel seiner Klasse zusammen und er

grottenschlecht ist. Aber die Lehrer wollen ihn wohl auch endlich lo sein.", lachte Tidus.

"Na siehste. Also musst du nur noch 2 Wochen durchhalten, dann hast du Ruhe.....".

Es ertönte plötzlich ein piependes Geräusch einer ID-Karte an der Tür. Diese öffnete sich und

Lilian trat ein. Ihr Blick fiel auf Tidus, der immernoch am Tisch saß.

"Tidus, wieso bist du nicht in der Schule?".

"Ihm ist auf dem Weg dorthin schlecht geworden und sit deshalb wieder umgekehrt.", antwortete

Naki für ihn.

Sie lief zu ihrem Sohn und fasste ihm an die Schulter: "Mein armer Tidus, ist es immer noch

schlimm?".

"Es geht schon wieder, Mama...", beruhigte sie Tidus, als seiner Mutter die Kratzer in seinem

Gesicht auffielen: "Was ist denn mit deinem Gesicht passiert?"

"Die Nachbarskatze, er hat sie mal wieder geärgert.", seufzte Naki. Sie konnte ziemlich gut

Schauspielern, im Gegensatz zu ihm selbst, fand Tidus. Er nickte halbherzig und nuschelte ein

"Tut mir leid". Er konnte sich nicht helfen, aber er kam sich dabei schäbig vor. Aber vermutlich

war es richtig so.

Seiner Mutter schien es momentan wieder etwas besser zu gehen, und das wollte er nicht wieder

kaputt machen, indem er ihr neue Sorgen bereitete.

Lilian sah ihren Sohn sorgenvoll an, wandte sich dann am ihre Schwester.

"Hast du Desinfektionsmittel drauf gemacht."

"Keine Sorge, alles schon erledigt.", grinste diese.

Lilian nichkte und fuhr ihrem Sohn durchs strubbelige Haar. Heute schien sie einen guten Tag zu

haben, dachte Tidus.

"Was macht das tapezieren?" fragte sie beiläufig.

Naki schlug sich mit der Hand auf die Stirn. "Kacke!", fluchte sie. Ihr war eingefallen, dass sie ja

noch die zwei Männer in Aurons Wohnung zu versorgen hatte.

"Was ist denn?", fragte ihre Schwester überrascht.

"Hast du was degegen, wenn ich deinen Kühlschrank ein bisschen plündere? Ich sollte Freddie

ein Sandwich machen."

"Nur zu.", sagte Lilian. Naki bedankte sich und sah sich nach der Teekanne um, die sie vorhin

hier hatte stehenlassen. Sie entdeckte sie einsam und verlassen am anderen Ende des Tisches. Zu

ihrer Erleichterung war er sogar noch warm.

Während Naki in der Küche in der Küche verschwand um ihrem Zukünftigen sein Sandwich zu

schmieren, setzte sich Lilian neben ihren Sohn an den Tisch.

"Noch zwei Wochen.", lächelte sie, "dann hast du endlich Ferien.".

"Ja...", Tidus war sich nicht sicher, was er dazu sagen sollte.

"Du... warst dieses Jahr ziemlich gut, so weit ich weiß.". Sie hatte seine Leistungen nur am

Anfang des Schuljahres wirklich verfolgt, bis zu Jechts Verschwinden, aber Naki hatte ihr oft

genug versichert, dass seine Leistungen größtenteils ziemlich gut waren, sah man einmal von

Mathe ab.

Im Hintergrund hörte man seine Tante "Bis später" rufen und das Klacken der Tür, die sich

schloss.

Tidus nickte und sah sie an, nicht sicher, worauf sie hinauswollte.

"Vorhin... bin ich am Stadion vorbeigekommen... mir ist eingefallen, dass ich schon lange nicht

mehr da war.". Auch seit ihr Mann verschwunden war. Lilian hatte es lange Zeit nicht mehr

ertragen, Blitzball zu gucken, weil es sie zu sehr an Jecht errinnerte. "Ich hab Karten gekauft,",

ihr Lächeln wuchs ein Stück, "für Morgen abend, da spielen die Snakes... die mochtest du doch,

oder? Als Belohnung, weil du dich dieses Jahr so wacker geschlagen hast. Es war nicht leicht für

dich.". Tidus starrte sie eine Weile ungläubig an, dann aber fing er an zu strahlen, wie ein

Honigkuchenpferd und fiel seiner Mutter um den Hals. Er hatte es doch gewusst, auch wenn er

ab und zu daran gezweifelt hatte, dass irgendwann alles wieder gut werden würde und jetzt ging

es tatsächlich aufwärts mit ihr.

"Danke Mama!!!", lachte er und drückte ihr einen dicken Schmatzer auf die Wange.

Sie lachte ebenfalls und drückte ihn fester an sich.

Sie saßen eine ganze Zeit einfach so da. Tidus konnte sich nicht errinnern, sich jemals so

erleichtert und froh gefühlt zu haben. Er war einfach überglücklich, endlich wieder etwas Leben

in seiner Mutter zu sehen, und dann gingen sie auch noch gemeinsam zu einem Spiel der Snakes!

Er sah Lilian an.

"Gegen wen spielen die Snakes denn morgen?", fragte er neugierig.

Sie erwiederte Tidus Blick, er merkte, dass ein Teil ihrer Freude aus ihr gewichen war.

"Die Zanarkand Abes...", als sie das sagte, sah Tidus für den Bruchteil einer Sekunde wieder

seine Mutter, wie sie die letzten Wochen war, traurig und müde.

"Alles in Ordnung mit dir, Mama?" fragte er vorsichtig. Er wusste, was los war. Es war Jechts

Mannschaft gewesen, bevor er verschwunden war.

"Aber ja, mach dir keine Sorgen.". Tidus atmete innerlich auf. Die Traurigkeit schien aus ihrem

Gesicht wieder verschwunden zu sein.

"Ich hab für Auron, Naki und ihren Freund auch Karten gekauft.", erzählte sie, "Als Dankeschön,

weil sie uns so viel geholfen haben.".

Ein bisschen Enttäuschung wuchs in Tidus schon, als er das hörte. Er hatte gehofft, den Abend

mit ihr alleine verbringen zu können. Außerdem konnte er Aurons und Nakis Gesichter jetzt

schon sehen.

Auron würde wahrscheinlich während des Spiels einpennen und Naki würde Freddie eine Szene

machen, weil er ihr zu enthusiastisch rumgrölen würde. Es war schon ein Abenteuer, mit den

beiden ein Spiel im Fernsehen zu verfolgen. Aber freuen tat er sich trotzdem.

Mittags kam Naki mit Auron und Freddie im Schlepptau zurück. Nakis Freund führte ersteinmal

einen zweiminütigen Freudentanz auf, was Naki dazu veranlasste, die Augen zu verdrehen und

sie ihn anschließend anblökte, dass er das lassen sollte. Aurons Begeisterung hielt sich in

Grenzen, aber eine Reaktion, wie die von Freddie hatte sowieso niemand von ihm erwartet.Man

konnte trotzdem ein bisschen Erleichterung in seinem Gesicht zu sehen. Es war offensichtlich

gewesen, dass auch er sich in den letzten Wochen Sorgen um Tidus Mutter gemacht hatte.

Tidus konnte den nächsten Abend gar nicht erwarten. Am liebsten hätte er gleich bis zum Spiel

durchgeschlafen, aber zur Schule musste er trotzdem am nächsten Tag. Tidus hatte ein mulmiges

Gefühl auf dem Weg dorthin, weil er Angst hatte, wieder Lasse und seinem Drei-Mann-Fanclub

über den Weg zu laufen, aber von denen blieb er heute verschont. Die Stunden schienen dafür im

Geleemodus zu verstreichen und Tidus erwischte sich dabei, wie er entweder auf dem Tisch mit

seinen Fingern ungeduldig herumtrommelte und einmal deswegen von der Lehrerin ermahnt

wurde oder raus aus dem Fenster schaute und sich ausmalte, wie es heute abend werden würde.

Zu seinem Glück hatte er heute nur bis zwölf Uhr Unterricht. Endlich, dachte Tidus, als er aus

dem Haupteingang hinaus in die Freiheit trabte.

Der Nachmittag verging dummerweise genauso zäh, wie der Vormittag. Auf Hausaufgaben hatte

Tidus keine Lust. Es war Freitag, das hieß, es lagen noch ganze zwei Tage vor ihm, an denen er

sie machen konnte. Als er nach hause kam, feuerte er ersteinmal seinen Schulrucksack in die

Ecke.

Ein Blick ins Schlafzimmer seiner Mutter verriet ihm, dass sie schlief. Obwohl sich ihre

Stimmung langsam aufzuklären schien, war ihr Zustand immer noch nicht der Beste. Aber

langsam wurde es, da war sich Tidus sicher.

Er setzte sich ins Wohnzimmer und schaltete den Fernseher an, um sich seine Cartoons

anzuschauen.

Es lief gerade diese Serie mit diesem komischen blauen Igel und so einem fetten Doktor, der die

Weltherrschaft an sich reißen wollte. Tidus hatte vergessen, wie die Serie hieß, er fand sie noch

nicht mal besonders gut, aber sonst lief ja nichts. Nach einer Zeit achtete Tidus noch nicht mal

mehr auf die spärliche Handlung, er hörte zwar, was die Gestalten auf dem Bildschirm sagten,

aber irgendwie erreichte davon nichts mehr sein Gehirn. Gedanklich war Tidus dann auch schon

wieder bei dem Spiel heute abend. Ihm war eingefallen, dass er sich nachher noch umziehen

musste, er hatte von Freddie, ebenfalls ein begeisterter Blue Snakes-Fan, zum Geburtstag letztes

Jahr Sweat-Shirt mit dem Logo der Mannschaft geschenkt bekommen. Das war heute abend

Pflicht.

"Tust du eigentlich in deiner Freizeit noch etwas anderes, als in die Kiste zu starren?", Tidus

erkannte die Stimme. Er drehte den Kopf um und sah Auron hinter ihm stehen und auf ihn

herunterschauen.

"Was machst du denn hier?", fragte Tidus.

"Ich wollte nur sichergehen, dass dir die `Nachbarskatze´ nicht schon wieder das Gesicht

zerkratzt hat.", antwortete dieser, nicht ohne sarkastischen Unterton. Natürlich waren Auron

gestern die Stellen im Gesicht des Jungen nicht entgangen. Als er fragte, was damit sei, hatte

Tidus ihm Nakis Ausrede mit der Nachbarskatze aufgetischt. Dummerweise war Auron nicht so

leichtgläubig, wie Lilian, und so hatte er den Kleinen so lange gelöchert, bis er ihm über den

Zusammenstoß mit Lasse erzählt hatte.

Er hatte dem Jungen ersteinmal eine Tirade gehalten, in was für Situationen man sich besser

zusammenreißt. Aber Auron hatte wenigstens versprochen, Lilian nichts davon zu erzählen.

"Wer spielt heute abend eigentlich?", erkundigte sich der ehemalige Guardian.

"Mensch, Auron, was kriegst du eigentlich noch mit?", Tidus grinste. "Die Blue Snakes gegen

die Abes. Man merkt echt, das du keine Ahnung von Blitzball hast."

"Die Zanarkand Abes?", Aurons Sonnenbrille rutschte etwas nach unten, so dass sein Auge zu

sehen war. Jechts Mannschaft, dachte er. Sein ehemaliger Guardian-Kollege hatte oft davon

erzählt, während Braskas Reise. Auron fühlte sich unweigerlich zurückerrinert, was er ansonsten

immer vermieden hatte, aber das Stechen namens Heimweh in seinem Herzen verrichtete

unaufhaltsam seine Arbeit. Er errinerte sich, wie er sich eigentlich fast jeden Tag mit Braska

gestritten hatte. Es waren immer irgendwelche Kleinigkeiten gewesen, meist weil er der Meinung

gewesen war, dass sein Medium zu rücksichtslos mit sich selbst umsprang. Irgendwann hatte sich

dann immer Jecht eingeschaltet, dass sie mal alle geschmeidig bleiben sollten und am Ende

hatten sie alle drei sich in den Haaren gehabt. Auron wusste noch, wie sie auf der Reise Braskas

Geburtstag gefeiert hatten. Er und Jecht hatten ihm einen Geburtstagskuchen geschenkt (den sie

gekauft hatten, da keiner von beiden auf der Reise weder die Utensilien, noch das Talent zum

Backen besaßen). Braska hatte sich beim Ausblasen der Kerze auf dem Kuchen die vorderen

Haarsträhnen angekokelt und Jecht hatte ihm dann in einer Friseur-Aktion die angesengten Haare

weggestutzt, weswegen das Medium danach mit einer recht amüsanten Frisur durch die Gegend

spazierte.

Auron hasste es, an alte Zeiten zu denken. Es ließ ihn nur immer wieder spüren, wie sehr er seine

beiden Freunde vermisste und dann fing er an, sein Versprechen gegenüber Jecht zu bereuen.

"Hey Auron, träumst du, oder was?", Auron schreckte hoch und sah Tidus an. Dieser blickte

verärgert zurück.

"Ich hab dich jetzt schon fünf mal oder so gerufen. Hör mir zu, wenn ich mit dir rede!"

"Worum ging´s?"

"Ich hab dich gefragt, ob du weißt, wie man die Spieler anfeuert?"

"Nein.", es war eher eine Feststellung, als eine Antwort und Auron schob wieder seine Brille

zurück.

Tidus verdrehte die Augen: "Warst du jemals bei einem Blitzballspiel?"

Auron hatte einmal ein Blitzballspiel verfolgt, ebenfalls während der Reise mit Braska und Jecht,

als sie auf dem Weg nach Besaid einen Tag Pause in Luka eingelegt hatten. Allerdings hatte er

wenig auf das Spiel geachtet, da er sich mal wieder die meiste Zeit über Jecht geärgert hatte, der

während des ganzen Spiels in seiner Fäkalsprache rumgepöbelt hatte, wie ein Seeman und

sämtliche Blicke auf der Tribühne auf sich gezogen hatte.

"Nein.", log Auron. Er hatte keine Lust, dass Tidus ihn wieder mit Fragen beschoss, also ließ er

ihn lieber im Unwissenden.

Und schon wieder verdrehte der Junge die Augen.

"Okay, pass auf.", erklärte er und Steckte sich Daumen und Zeigefinger in den Mund und bließ

aus Leibeskräften. Ein schriller Pfeifton war zu hören.

"So, und jetzt du.", wies Tidus Auron an. Dieser sah ihn einige Augenblicke an, drehte sich dann

um, machte Anstalten, zu gehen.

"Hey, warte doch mal.", hörte er Tiduss Stimmer hinter sich. Dieser war von der Couch

aufgesprungen und zerrte nun seiner Leibgarde, oder was auch immer, an dem Ärmel seines roten

Mantels zurück.

"Komm schon, alle machen das."

"Ich bin nicht `alle´."

"Auron! Jetzt sei kein Spielverderber! Jetzt mach schon! Oder hast du Schiss, das du´s nicht

hinbekommst?!", Tidus grinste, als er den letzten Satz sagte. Wenn nichts mehr ging, musste man

eben zu Dingen greifen, die den persönlichen Stolz verletzten. Jetzt war Aurpn an der Reihe, sein

noch intaktes Auge zu verdrehen. Er steckte die Finger in den Mund und pfiff, dasss es quer

durchs Haus hallte.

Tidus staunte nicht schlecht und ließ Aurons Ärmel wieder los.

"Recht so?", dieser Kragen war Gold wert, wenn man sein Grinsen lieber vor der Außenwelt

verstecken wollte, fand der dunkelhaarige Mann im roten Mantel.

Der Nachmittag ging langsam aber unaufhaltsam voran. Bald war auch Lilian wieder anwesend,

da Tidus so ein Geschrei veranstaltet hatte, bei dem Versuch, sich alleine einen Kakao zu

machen, dass es selbst einen Narkotika-Süchtigen Elephanten aufgeweckt hätte. Verärgert schien

sie dadurch jedoch nicht zu sein. Um ca. halb fünf kamen dann auch Freddie und Naki, ersterer

in voller Fan-Montur, was auch Tidus daran erinnerte, sein Fan-Trikot anzuziehen. Stolz kam er

fünf Minuten später wieder mit seinem Lieblings-T-Shirt aus seinem Zimmer. Niemand konnte

ihm jetzt vorwerfen, er würde keine klare Seite vertreten.

Gegen fünf machte sich das kleine Trüppchen auf den Weg zum Stadion mit Freddies Auto. Das

Spiel ging zwar erst um sieben Uhr los und sie hatten reservierte Plätze, allerdings war es

allgemein bekannt, dass man im Zanarkand-Stadion lieber schon einmal mindestens eine Stunde

vorher dasein sollte, wollte man nicht eine Ewigkeit anstehen, bis man drinne war.

Auf dem Weg ins Stadion hinein dachte Auron daran, wie er diesen Weg schon einmal gegangen

war, allerdings durch die Ruinen in Spira und ein seltsames Gefühl überkam ihn. Es blieb jedoch

nur solange haften, bis sie das Innere des Stadions erreicht hatten. Er staunte nicht schlecht über

die Größe. Das Zanarkand-Stadion sah schon von außen imposant aus, aber es war dennoch kein

vergleich zu drinnen, vor allem nicht, wenn es brechend voll war.

"Wir hätten noch früher losfahren müssen,", fluchte Naki, als sie sich ihren Weg zu ihren Plätzen

durchkämpften, "aber wer konnte schon wissen, dass es heute noch früher voll wird, als sonst.".

Einige Rempeleien und Schupser später hatten sie schließlich ihre Plätze gefunden – auf denen

sich bereits andere Sportfreunde breitgemacht hatten. In solchen Situationen war es verdammt

nützlich, einen großen, einäugigen, breitschultrigen Kerl im Schlepptau zu haben, der einen

ziemlich furchterregenden Eindruck machen konnte, musste Tidus zugeben.

Als sie Platz nahmen, wandte Auron sich an Lilian, die diesen Abend ebenfalls eine Sonnenbrille

trug, um nicht von irgendwelchen Fans ihres Mannes erkannt zu werden.

"Ich bedanke mich für die Einladung."

Sie sah ihn an und lächelte, "Sie können das hier als Dankeschön von meiner Seite aus sehen,

Auron. Sie waren uns in den letzten Monaten eine große Hilfe."

Er wollte darauf etwas erwiedern, als Tidus die beiden unterbrach:

"Hey Mama, kann ich uns etwas zu trinken holen?", er sah seine Mutter mit großen bittenden

Augen an.

"Tidus, bring mir ein Bier mit, ja?", war Freddies Stimme zwei Sitze weiter zu hören.

"Auron, könnten sie mitgehen? Sonst geht er noch in der Menge verloren.", bat Lilian den Mann

mit den schwarzen Haaren, als sie in ihrem Portemonnaie nach Kleingeld fischte. Er nickte und

fügte mit einer Geste hinzu, dass das auf seine Rechnung ginge.

Der Getränkestand war ziemlich weit am Anfang und die Schlange davor hatte es in sich, aber es

dauerte noch ein ganze Zeit, bis zum Anpfiff.

"Was trinken Naki und deine Mutter?", fragte Auron nach einer ganzen Weile nach unten zu

Tidus, der sich am Mantel seines Begleiters festhielt, um nicht verloren zu gehen.

"Ich glaube Cola. Damit liegt man bei den beiden nie falsch.", kam die Antwort.

"Ich nehme nicht an, dass die hier Tee verkaufen, oder?", dafür kassierte Auron einen Blick von

dem Jungen, der sagte, dass kein normaler Mensch während eines Blitzballspiels im Sommer Tee

trinken würde.

Auron ächzte, als er die Preise sah, bezahlte aber trotzdem. Tidus schaute neugierig über den

Tresen, als Auron eine 30 Gil Note dem Verkäufer aushändigte und das Wechselgeld

zurückbekam.

"Wovon lebst du eigentlich?", fragte er auf dem Rückweg, "du hast doch keinen richtigen Job,

oder? Und von Mama nimmst du kein Geld."

Auron schaute auf ihn herunter. Er hatte sein Schwert verkauft, nachdem er es tatsächlich aus der

Bucht wieder herausgefischt hatte. Leichtgefallen war es ihm nicht, da es einer seiner kostbarsten

Besitztümer gewesen war, aber er hatte eingesehen, dass es in Zanarkand ziemlich

aufsehenerregend war, mit einem zwei Meter langem Schwert durch die Straßen zu rennen,

zumal es hier sowieso keine Monster gab. Es war in Zanarkand sogar noch mehr wert gewesen,

als in Spira, da es hier als Einzelanfertigung galt. Er hatte bei einem Waffenhändler ein hübsches

Sümmchen dafür kassiert.

"Ich hab was auf der hohen Kante.", abtwortete Auron knapp, als sie sich ihren Weg zurück

drängelten.

Das Spiel war phänomenal in Tidus Augen. Die Snakes und die Abes schienen sich ebenbürtig zu

sein. Tidus sah sich bereits nach den ersten zwei Minuten auf den Beinen und zusammen mit

Freddie einen Freudentanz aufführen, als die Snakes das erste Tor schossen. Es war Tidus

Lieblingsstürmer, Blank, der den Ball am gegnerischen Torwart vorbeibekommen hatte.

Allerdings kam schon fünf Minuten der Ausgleich, durch den neuen Stürmer der Abes,

Salamander, wie er wegen seiner roten Haare genannt wurde. Beide Teams schenkten sich nichts.

Wenn ein Tor fiel, schoss die andere Mannschaft ein paar Minuten später eines hinterher. Tidus

fühlte sich bald im Inneren einer einzigen tobenden Menschenmasse. Er hatte vergessen, wie es

war, die Anfeuerungsrufe, die blinkenden Lichter. Auch seine Mutter schien aufgetaut zu sein,

sie jubelte und und feuerte die Mannschaften an, ihre Augen leuchteten vor Freude, die

Augenringe und die tiefe Traurigkeit waren aus ihrem Gesicht verschwunden. Sie sah jetzt aus

wie früher, als sie dasaß und buhte, als einer der Abes dem Mittelfeldspieler der Snapes durch

einen Tackle den Ball abnahm.

Auch Auron schien ein wenig geöffneter. Er stand mehrmals auf, als Tore fielen und applaudierte

begeistert. Naki war auch auf den Beinen, wenn auch zwangsweise, weil Freddie, der sowieso

feierte, wie ein Gockel, sie zwang, mit ihm einen Moskau-Tanz aufs Parkett zu legen und sie

irgendwann aufgab und mittanzte.

Nach Ende der normalen Spielzeit stand es 5:5 und es ging in die Verlängerung. Tidus fand sich

inzwischen auf Freddies schultern wieder, dessen Kopf fest umklammert. Die Spannung war

kaum noch zu ertragen. Das nächste Tor würde das Spiel entscheiden. Er hielt den Atem an, als

Esther, Stürmerin Nr.2 der Snakes in einem Affenzahn aufs Tor zu schwamm, verfolgt, von den

zwei Verteidigern des Gegnerteams. Sie passte den Ball in Richtung Blank, der auf der linken

Seite des Tores war. Jedoch wurde der Ball vorher schon von Coatis, dem ersten Verteidiger der

Abes abgefangen. Doch ehe er sich versah war er den Ball auch wieder los, weil er den Tackle

von Salvatore, dem Mittelfeldspieler der Snakes, nicht kommen gesehen hatte. Dieser passte das

Leder zu Blank, der einen direkten Fallrückzieher aufs Tor machte. Tidus biss sich auf die

Unterlippe, als der Ball aufs Tor zuraste. Er spürte, wie Freddie zitterte. Der Torwart machte sich

bereit und warf sich dem Ball entgegen. Er verfehlte ihn um nur einige Zentimeter und der Ball

flog ins Netz.

Die Menge tobte. Wenn es während des Spiels schon laut war, so war es jetzt ein so

ohrenbetäubender Lärm, dass man meinen könnte, eine Bombe hätte eingeschlagen.

Tidus kletterte von Freddies Schultern herunter und fiel seiner Mutter um den Hals, die ihn

einmal herumwirbelte und vor Freude gluckste. Es war später eine seiner schönsten Errinerungen

mit seiner Mutter, nach dem Verschwinden seines Vaters.

Auf der Rückfahrt musste Naki fahren, sehr zu ihrem Verdruss, da Freddie ein paar Bier zu viel

intuss hatte. Der bullige Kerl mit den dunkelbraunen Haaren saß neben ihr auf dem Beifahrersitz

und sang jetzt schon seit zehn Minuten `We are the Champions´, was Naki noch zusätzlich auf

die Nerven ging.

Lilian war auf dem Rücksitz eingeschlafen, genau wie ihr Sohnemann, der sich an sie geschmiegt

hatte.

Auron saß daneben und starrte gedankenversunken aus dem Fenster. Er hoffte inständig, dass

sich ihr Zustand weiter so halten würde wie er war, aber irgendwie hatte er ein mulmiges Gefühl

in seiner Magengegend.

"So, wir sind da!", rief Naki, als sie vor dem Haus ihrer Schwester parkte.

Auron weckte die beiden neben sich und sie stiegen aus.

"Das müssen wir in den Ferien nochmal machen...", gähnte Tidus, während sie hineingingen,

nachdem Auron sich von ihnen verabschiedet hatte, und ebenfalls seinen Heimweg angetreten

war.

Tidus glaubte, seine Mutter in der Dunkelheit nicken zu sehen, war sich aber nicht sicher. Er

dachte sich jedoch nichts weiter dabei. Er gab seiner Lilian noch einen Gute Nacht Kuss, bevor

beide in ihre Zimmer gingen und sich schlafen legten. Tidus wusste zu dem Zeitpunkt noch nicht,

dass dies der letzte glückliche Tag war, den er mit seiner Mutter verbracht hatte.

Ende von Kapitel 3